Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXI (1926)
- Issue
- Heft 99 (17.12.1926)
- Date
- 1926-12-17
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr 9*ז JUEDTSCHE RUNDSCHAU Seite 17ל verkünden, daß wir vielleicht die ersten sind, die Palästina ohne Waffen k o 10 n i s i e'r t haben. Dar. führt mich zu der Hauptschwierigkeit der politischen Situation, unserem Verhältnis zu den Arabern. Dieser Punkt hat eine gewaltige Bedeutung für unsere Zukunft in Palästina. Man beschuldigt uns, daß wir in unseren Be- Ziehungen zu den Arabern nicht genug entschieden sind. Wir seien zu vorsichtig, zu Icisctreterisch, da wir vor den Arabern Angst hätten. Mit überraschender Leichtfertigkeit meint man, es sei abgemachte Sachs, daß das britische Bajonett angewendet werden soll, um die Araber zu veranlassen, uns Platz zu machen. Das ist unsere Politik nicht Unser Wunsch ist, wechselseitige brüderliche Beziehungen mit dem Volke im Lande zu schaffen. Ich sage dies nicht einfach aus Gefühlsduselei; es ist ein fester, kfarer Grundsatz unserer Politik. Als Illustration möchte ich Ihnen den Fall Trans- Jordanien aufzeigen: Dieses Gebiet ist in jedem Sinne und Verstände ein wesentlicher Teil Palästinas. Wir machet» in unserer gefühlsmäßigen und historischen Auf- Stellung keinen Unterschied zwischen Westjordanland und Ostjoraanland. Aber wir haben nicht und werden nie die Macht haben, die Weltkarte nach unseren Wünschen zu zeichnen. Während des Krieges, im Jahre 1916, übernahmen die Engländer eine Verpflichtung gegenüber den Arabern, genau so wie uns gegenüber. Auf Grund dieser Verpflichtung, die als der MacMahon-Briefwechsd bekannt ist, wird anerkannt, daß Transjordanien — mit Recht oder mit Unrecht — zu einem arabischen Staate werden soll. Wir werden niemals dje Widerrufung dieser Erklärung verlangen dürfen. Das wäre, selbst wenn es möglich wäre, selbstmörderisch, denn es würde Tür und Tor öffnen für einen Widerruf der Balfour-Deklaration. Darum ist unser Weg zur Arbeit in Transjordanien der wechselseitiger Verstand{- gung und Uebereinkunft zwischen uns und dem arabischen Volk. Wenn unsere Arbeit in Palästina nach den Grundsätzen wirklicher Gerechtigkeit, nicht Lippengerechtigkeit, geführt werden wird, wird sie das Tor zu jüdischer Tätigkeit in Trans jordanien öffnen. Der Araber braucht uns genau so sehr, wie wir ihn und •Reibungen entstehen nur, weil zwischen uns und den Arabern Kräfte standen, die für beide kein Interesse und keine Rücksicht haben, fn dem Augenblick, wo diese Kräfte ausgeschaltet sind, werden wir die Araber und sie uns anerkennen. Und jene Zusammenarbeit, die für beide Völker notwendig ist, wird geschaffen werden. Nun zu unserer Arbeit. Was wir bisher getan haben, ist, wie wertvoll und wie schätzbar es auch sei, doch bloß ein Anfang und wie jeder Anfang, außerordentlich schwer, belastet mit all den Mängeln eines Anfangs. Die politischen Bedingungen sind derart, daß wir, wenn wir nur die Mittel zur Verfügung hätten, mindestens 25 000 Juden jährlich nach Palästina bringen könnten. Ich möchte hier öffentlich feststellen. daß wir heute fe-i^e Pläne haben, nach denen wir genügend Land zu vernünftigen Prel/en in verschiedenen Gebieten in Palästina und rings um Palästina kaufen könnten, die uns die Ansicdiung von mindestens 75 000!Wischen Frmilien auf bewässerbarem, fruchtbaren Boden ermöglichen, aut Boden, der politisch zugänglich, der vom arabischen ücsicht'punkt aus zugänglich ist Das einzige, was uns von dem Boden trennt, ist sein Preis. Hier liegt das Tragische der Sache. aäfeJ^e,.wissen» daß• aut., jede, Familie,־ die aut dem Laude־׳ an* gesiedelt wird, *zwei Familien in städtischen Berufen unter- Gebracht werden können. Wer sagt, daß in Palästina kein latz Ist, und anderswo Platz sucht, der weiß nicht, daß heute der Weg für die großartigste jüdische Aktivität offenliegt — wenn wir sie nur wollen. Der Schlüssel zur Lage liegt beim jüdischen Volk, nicht bei Lord Plunier und nicht bei der britischen Regierung. Diese Böden sind heute zu vernünftigen Preisen zugänglich. Wenn wir bei dem Aufbau Palästinas so tüchtig wären, wie wir in Amerika bei unseren Grundstückgeschaften tüchtig sind, hätten wir heute den nationalen Grundbesitz in unserer Hand und dann würde sich die politische Situation wie mit einem Zauberschlag ändern. Die Völker der Welt würden mit Respekt vor diesem gigantischen Ausdruck des jüdischen Willens stehen. Es ist möglich, Juden von Amerika! Hier isi das Land, der tiefe Lebenskern unserer Volksexistenz und wartet auf euch. Es wird ein Jahr warten; es wird zwei Jahre warten; es wird drei Jahre warten; es wird nicht ewig warten. Hier ist eure Chance. Ergreifet sie! Wir haben heute in Palästina tausende junger Männer und Frauen, die ins Land gekommen sind, die durch die Hälfe der Landeroberung gegangen sind. Ihr singt Loblieder auf diese Chaluzim. Wenn inr wüßtet, welche Ironie das ist! Der Chaluz wird seinen Lebensstandard noch senken. Er wird mit seinem Lohn heruntergehen. Er wird von Brot und Tomaten leben. Er wird an Malaria leiden. Aber gebt ihm die Hoffnung, daß er und die andern, die warten, geduldigoder ungeduldig warten, weiter arbeiten und den Boden Palästinas besiedeln kann! Wir haben gelernt, zu kolonisieren. Wir könnten schon andere lehren, wie man es macht Wenn heute irgendjemand einen guten Orangenpflanzer braucht, veröffentlicht er eine hebräische Anzeige in einer jüdischen Kolonie, weil wir Spezialisten dafür geworden sind. Ich kann Ihnen sagen, daß der ganze Küstenstrich, von Gaza bis über Jaffa hinaus, nur darauf wartet, mit jüdischen Orangen- Pflanzungen bedeckt zu werden. Wenn wir ein solches Hinterland schaffen, hätten wir eine jüdicche städtische Siedlung, die ein Stolz unseres Volkes wäre. Es braucht nur Kapital dazu. Die Hände haben wir. Wir haben die Kenntnisse. Wir haben die politischen Bedingungen. Wir haben den Boden. Wir brauchen den Willen des jüdischen Volkes. Den Willen, den Willen, den Willen! Erlauben Sie mir, hinzuzufügen, daß die Möglichkdten Palästinas nicht auf i an dwirtsch af tlich er Entwlck- 111 n g beschränkt sind. Wenn es unleugbar ist, daß Palästina in bezug auf Industrie niemals in seiner Entwicklung den großen Industriezentren Europas und Amerikas gleichkommen wird, so besteht doch die Möglic!1keit einer erheblichen Zahl kleinerer und nötiger Industrien in Palästina, teils auf Grund des im Lande vorhandene« Rohmafcrials, teils auf Grund importierten Materials. Palästina hat meiner Meinung nach vor allem eine Möglichkeit, die nicht auf Rohmatenai oder billiger Kraft beruht, sondern aut seiner geographischen Lage. Die geographische Lage Palästinas, mitten zwischen drei Kontinenten, mit einer interngenl'-n und fleißigen Bevölkerung, als Verbindung zwischen den großen Kulturzentren in Europa und Amerika, kam! die industrielle und kommerzielle Umschlagstation des Nahen Otienk «Orlen. Es kann nur meine Aufgabe sein, anzudeuten, was für jeden klar ist, der sich an Ort und Steile umgesehen bat, (!סי Dinge, von denen man vor zehn Jahren noch nicht geträumt bat« heute durchführbar sind. Niemand bat je wirklich geglaubt, daß der Jordan zu einer Kraftquelle werden könnte. Man hatte vom Jordan die Vorstellung, daß man nur Fläschchen heiligen Wassers von dort bekommen könnte. Niemand glaubte, man könnte in Paläslna Orangen bauen, die ein Erträgnis von 20 bis 24 Prozent vom investierten Kapital abwerfen. Niemand dachte an so manche Dinge, niemand dachte an die Balfour-Deklaration. Es brauchte Phantasie, um sie hervorzubringen, gerade wie es eine sehr be- '*trächtüche Phantasie erfordert, um sich die Möglichkeit vorzustellen, die in einem Embryo schlummern. Die Aufnahmefähigkeit Palästinas hängt von dem wirtschaftlichen und hdustriellen Wert? ab, den das jüdische Volk zu schaffen fähig ist. Mit andern Worten, wenn cs möglich wäre, in Palästina systematisch und regelmäßig rund zehn Millionen Dollar jährlich auszugeben, statt der fünf Millionen, die wir heute ausgeben, wäre es möglich, eine Einwanderung von 25 000 zu haben. Ich glaube, daß das durchführbar ist. Ich glaube, die Juden der Welt können diese Summe schaffen. Nun komme ich zu dem Punkte, der, wie ich glaube, ein Gegenstand von vielem Kampf, von Streit und, das gebe ich zu, von großer Schwierigkeit war. Es ist das Kapitel, das überschrieben ist: Jewish Agency. Ich zweifle nicht, und ich wäre der letzte, daran zu zweifeln, daß die Zionistische Orgrmisation und die mit ihr verbündeten Körperschaften, trotz allem, was von vielen Kritikern in und außerhalb der Organisation gesagt werden mag, f!1 sehr schätzenswerter Weise eine sehr schwierige Aufgabe unter sehr schwierigen Umständen erfüllt hat. Aber ich bin mir ebenso bewußt der Tatsache, daß alles, was bisher ge‘an wurde, so rühmlich es auch sein mag, nur eine Einleitung ist. Es ist eine Vorbereitung für etwas was jetzt bcninnen muß, wenn es uns ernst ist. Wir hatten ח o 1 i t i r c h e -־ Neuland zu öffnen. Wir haften wirtschaftliches Neuland zu öffnen. Wir hatten neue Kolonisationmethoden zu suchen. Mehr als das. Wir hat'en Me'hodcn an die besondere Psychologie der Leute anzupassen, die wir hereingebracht hatten. Es ist kein Geheimnis, daß es viel leichte׳• wä־e. Palä'tira 11י '•o’oni ie־en, wenn wir es mit Dänen oder Holländern zu besiedeln hätten. Aber wir kolonisieren Juden, und wir kolonisieren in Palästina, einem schwierigen Lande. Wenn wir erhalten wollen, was wir geschaf'en haben, und wenn wir das außerordentlich wertvolle Menschenma ehl nützen wollen, das in allen Ecken ungedu'dlg war*et, an a'len Wegen und Nebenwegen der Welt, das davon träumt, Land zu haben und Arbeit in Palästina zu haben, müssen wir unsere Tätigkeit verstärken. Wir müssen die Zahl der Helfer erhöhen, die heute bereit sind, etwas für Pa'ästina zu tun und einen Teil der Verantwortung mit uns tragen wollen. Ich weiß ganz genau, daß viele von ihnen nicht alle unsere Schmerzen in jeder Faser fühlen. Aber wir müssen mit Wirklichkeiten rechnen, vier s׳nd Menschen, bereit, an dieser Last mi'zutragen, und ich denke, wenn diese Bereitschaft echt ist, wenn sich d'ese Bereifsc’aft in wirklicher materieller, moralischer und ge'sti'er Le's'ung ausdrücken wird, wenn diese Bereitschaft e:ne Vermehrung von Boden, eine Vermehrung der Zahl der Schulen, eine Vermehrung 1'n aflen unseren Tätigkeiten hedeutet, dann müssen wir angesichts der Situation, nicht aus Schwäche, sondern aus dem Gefühl der dringenden Notwendigkeit, besser als bisher vorwärtszugehen, das Tor öffnen für die Menschen, die kommen und die Verantwortung teilen wollen. Sie kommen zu uns mit reinen Händen und ehrlichen Absichten, gerade wie wir zu ihnen kommen. Und so wollen wir;als ״gleiche ziisammenkohW^ti» weil die Balfour-Deklaration nicht bedeutet, daß Palästina uns gegeben wurde. Es wurde ganz Israel gegeben und sie sind ein Teil davon. Die'e Tatsa-he i־t e% die eine solche Vereinbarung zwischen uns und jenen Nichtzionisten ver'angf, die mitarbeiten und die Verantwortung teilen wollen. Diese Vereinbarung muß auf der Grundlage vollständigen ״egenseiti״en Verständnissesund Vertrauens geschlos׳en werden. Wir geben nicht ein Jota davon auf, was die innerste Seele unserer Bewegung gewesen ist. Wir geben nicht ein Iota von unseren Hoffnungen oder unseren Bestrebungen auf. Wir verlangen von ihnen nicht, daß sie etwas unterschreiben sollen, was nicht in Uebereinstimmung mit ihrem eigenen Glauben und ihrem eigenen Gewi״־en ist. Aber wir arbeiten zusammen, soweit das möglich i'*, und ich bin überzeugt, daß es sehr weit möglich ist. Wir können Juden nach Palästina bringen, wir können Boden kaufen, wir können blühende Gärten aufbauen, wir können eine Universität zusammen aufbauen, wir können eine wirl;'Ic'>e Kultur schaffen und wir können es jenen Generationen, die nach uns kommen, überlassen, zu entscheiden, welche politische Form und welche kulturelle F0$m dieses künftige Palästina annehmen wird. Weder ihr noch tch wollen jenen auf den Hügefn Palästinas diktieren, welche politische Form ihr Leben annehmen soll. Es ist daher unsere Pflicht, den Weg für jene Kräfte zu bahnen, die schöpferisch und die iüdisch sind, damit sie kommen und die Last tragen helfen können. Es ist schwer vorher zu sagen, wann diese Verhandhingen zu einem Ende kommen werden. Es ist manchmal . nicht leicht für mich gewesen, in ihrem Namen, im Namen der Zionistischen Organisation, im Namen des Kongresses und manchmal mit schwerem Herzen mit diesen Leuten zu verhandeln, von ihnen zu verlangen, daß sie zu Hilfe kommen einer Aufgabe, die ihnen und ihren Kindern Ehre und Würde bringen wird. Ich glaube, ich habe das Recht, trotz allen Streites, trotz angehäufter Bitterkeit zu sagen, daß ich hoffe, daß wir zu Frieden und Einigkeit und Zusammenarbeit kommen werden. Ich hoffe, bevor der Winter vorüber ist, werden wir vielleicht einen Schritt weiter sein, zu einer efnheitliehen Front, wenigstens im amerikanischen Judentum. Das wird ein gewaltiger Ansporn für das ludenturn der ganzen Welt sein. Es bedeutet eine politische Stärkung, eine moralische Stärkung, die Eröffnung neuer Möglichkeiten und die Eröffnung einer Quelle neuer Kräfte, die wir heute in Palästina brauchen. Es sind das heikle und delikate Verhandlungen. Ich weiß hicht, ob ich ein guter oder ein schlechter Unterhändler bin, aber ich weiß, daß jener Unterhändler den Erfolg haben wird, der ehrlich den Erfofg will, ohne seinen persönlichen Ruhm zu suchen. Für das Wohl der Sache opfern wir unser Leben. Darum werden wir Erfolg haben. Ehe Verhandlungen gehen heute vor sich mit einer Ihnen sehr wohlbekannten Gruppe und ich glaube, ich kann einen Brief von einem Vertreter dieser Gruppe vorlesen. Das folgende schreibt mir Richter Irving L e h - man unter dem 16. November 1926: ״Lieber Doktor Welzmann! Leider hat es mir meine berufliche Arbeit unmöglich gemacht, zum nächsten Weekend Albany zu verlassen, leb wäre außerordentlich gern zu der Konferenz nach Boston gekommen, um deren Mitglieder zu bitten, ihr Aeußerstes zu tun, um nicht nur Frieden, sondern Zusammenarbeit zwischen allen Juden herbeizuführen, die aufrichtiges Interesse am Aufbau Palästinas haben. Es scheint mir ein tragisches Verhängnis, daß wir amerikanlschen Juden, die wir jüdisches Herz und jüdisches Gefühl haben; die wir unsere Pflicht anerkennen, von unserer Kraft und unserer Fülle zu geben, um jüdische Ideale zu fördern und zu erhalten, und unseren jüdischen Brüdern in anderen Ländern zu helfen, die minder glücklich sind — daß wir miteinander streiten sollen, wie und wo und wann wir geben sollen. Niemand darf abseits stehen, wenn Hilfe noltut. Wir müssen Frieden haben. Wir müssen wirkliche, ehrliche Zusammenarbeit haben, damit diese Hilfe wirksam ist. Ich glaube, daß Ihr Besuch in Amerika zur Sicherung der Zusammenarbeit an diesem Werke führen wird, das Ihrem Herzen teuer ist. Schwierigkeilen müssen überwunden werden; es muß die Anerkennung des Bedürfnisses gegenseitiger Nachgiebigkeit dasein, ehe erfolgreiche gemeinsame Arbeit möglich ist, wenn man aber einmal den Schaden erkennt, der aus Zwietracht erwächst, muß sich sogleich die dringende Forderung erheben, ihr ein Ende zu machen. Ich fühle, daß die begonnenen Verhandlungen erfolgreich sein müssen; der Wunsch, die Zwietracht zu enden, ist bereits zu allgemein und zu dringend, um unheachtet zu bleiben. Ich rechne es mir als hohe Auszeichnung an, daß tch die Möglichkeit habe, an diesen Verhandlungen teilzunehmen. Ich versichere ihnen, daß ich alles tun werde, was ich nur kann, um den erfolgreichen Abschluß zu beschleunigen, den ich aus voller Uebcrzeugung prophezeie. Mit herzlichem Ausdruck meiner hohen Wertschätzung bin ich aufrichtig Ihr (gez.) Irving Lehman." Es ist schwer vorherzusagen, wann diese Verhandlungen beendet sein werden, aber ich glaube, daß es diese Konferenz, sowohl durch ihre Entschlossenheit, diese Politik zu prüfen, als auch durch das, was sie für den Aufbau Palästinas zu tun bereit ist, in der Hand hat, den erfolgreichen Abschluß dieser Verhandlungen zu beschleunigen. Ehe Verhandlungen werden auf der Grundlage der Beschlüsse geführt, die der Zionistenkongreß angenommen hat. Sie werden in dem Sinne durchgeführt, daß dieses Programm einer umfassenden Tätigkeit, das ich im Laufe meiner langen Rede darzulegen versuchte, verwirklicht werden kann, wenn wir Erfolge haben, wird es ein wichtiger Beitrag dazu sein, den Tag rascher herbeizuführen, wo Sie, die heute hier sitzen und für die Erfüllung arbeiten und sich mühen, mit Ihren eigenen Augen ein nationales Heim so fest errichtet sehen, daß es kein Sturm erschüttert Es gibt zwei Arten von Opposition gegen diesen Plan. Die eine Art erwähnte ich' bereits, es ist, innerhalb der Zionistischen Organisation, die Opposition von Freunden, die allzu besorgt sind, die Zusammenarbeit gönnte die Seele der Bewegung verletzen. Das ist eine Opposition, mit der wir rechnen und der genugzutun wir alles Mögliche tun müssen. Es gibt noch eine andere Opposition. Es gibt heute eine Kraft in der Welt, die weder an Palästina noch am Geschick der Judenheit Interesse hat, aber Zwietracht in Israel säen will, für die die Durchsetzung des Planes der Jewish Agency das Symbol der Einheit bedeutet; wenn wir diesen Plan stören, arbeiten wir in die Hände dieses Erzfeindes Israels. Es ist bei affen, die für vorurteilsfreie und praktische Leute gelten wollen, modern geworden, Palästina herabzusetzen. Um das abzustellen, wünschen und verlangen wir, daß, ehe wir an ein großes Programm gehen wie dasjenige, das ich zu entwerfen versuchte, eine Körperschaft' wirklich berufener, nicht selbsternannter Fachleute eine Prüfung der Lage anstelle und Vorschläge fa»'dfc׳!J!'«l*Baft rasche«!׳ Mb :hab&.;dfec׳Pehe»*«1BUl»g,*4ii sie finden werden, dal wir die Möglichkeiten Palästinas noch unterschätzt haben. Wir alle mühen uns, ein Problem ohne Vorbild zu lösen. Was ich angedeutet habe, ist ein Versuch, das Format und den Maßstab unserer Arbeit zu vergrößern. Es ist mög» lieh, daß dieser Versuch mißlingt, ich glaube es nicht, aber niemand kann die Zukunft Vorhersagen, am wenigsten von allen jene, die glauben, daß sie die Zukunft herbeiführen. Es ist ein ehrlicher Versuch, auf einem beschwerlichen Wege weiterzugehen. Es scheint, daß einen alle Wege, die nach Jerusalem führen, müde machen. Es gibt keinen Königsweg nach Jerusalem. Es ist ein schmaler Pfad, auf dem wir vorsichtig Schritt vor Schritt zu setzen haben. Was ich gezeichnet habe, ist einer der Wege, und ich hoffe inbrünstig, daß es von uns heiße, wenn wir eins{ vor die Schranken der Geschichte gerufen werden, um davon Rechenschaft zu geben, was wir getan und was wir unterlassen: ״Es war eine kleine Generation, klein im Vergleich zu der Aufgabe, die sie auf sich nahm, aber eine Generation, die ehrlich ihr Bestes für ihr Volk einsetzte. Sie fand das Volk, wie sie es fand. Sie fand das Land verwahrlost, ver■* wüstet, eine Schmach der Menschheit. Sie nahm diese armen Leute und suchte ein Land zu bauen, in Frieden, mit geringen Mitteln, mit ermüdeten Menschen, geplagt und ermattet vom Kriege, und doch hat sie sich die Achtung einer zivilisierten Welt errunge!1.“ Das mag euch Mut geben, ihr Juden von Amerika, ihr Glücklichen, geborgen unter den Fittichen einer großen Regierung, verschont von all den Mächten der Zerstörung, die Leib und Seele jener zermalmen, die das Schiff versäumten und nicht wie ihr den Ozean durchquerten, denkt daran, daß alles, was ihr für euch oder für die anderen tut, nur ein Bruchteil dessen ist, was jene, die ihr nach Palästina sandtet, heute zu eurem Ruhm tun. Palästina - Finanzen und Militärbodgei London, 11. Dezember. (j.T.A.) In der letzten Sitzung des Unterhauses befragte G. M. Gillet den Minister für die Kolonien, welchen Anteil Palästina an der Tilgung der türkisehen Staatsschuld zu tragen habe, wie sich das in Pfund Sterling ausdrückt. Unterstaatssekretär für die Kolonien Ormsby Gore erwiderte: Zur Tilgung der türkischen Anleihen vor Oktober 1912 trägt Palästina 2,46 0/0, zur Tilgung der Anleihen von Oktober 1912 bis November 1914 trägt die Palästina-Regierung 3,2 0/0 bei. Da die Regelung vieler Angelegenheiten der türkischen Schulden noch in der Schwebe ist, ist es nicht möglich, diesen Beitrag präzise in Pfund Sterling auszudrücken. Gillet fragte weiter, wer die Kosten für Erhaltung der Militäreinheiten in Palästina trägt. Ormsby Gore erwiderte, die Kosten für Erhaltung der in Palästina stationierten Reichseinheiten, die aus einer Schwadron der Königlichen Luftmacht und einer bewaffneten Autokompagnie bestehen, trägt gegenwärtig weiter der Reichsscnatz. Herr Gillet meinte, daß angesichts der Tatsache, daß die Finanzen Palästinas in diesem Jahre einen Ueberschuß aufweisen, die Palästina-Regierung auch die Miiitärlasten tragen müßte. Darauf erwiderte Ormsby Oore, Palästina hätte für die Erhaltung der lokalen Streitkräfte zu zahlen; für die Reichseinheiten, die nicht der Kontrolle der Palästina-Regierung, sondern der des britischen Parlaments unterstehen, habe weiter der Reichsschatz und nicht die Palästina-Regierung aufzukommen.