Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXI (1926)
- Issue
- Heft 96 (7.12.1926)
- Date
- 1926-12-07
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 698 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 99 Jaboiinsky über ״Judenstaat" Am 5, ■i. Mt>. niclt Jabotinsky seinen zweiten Vortrag in Berlin, Er tru» den Titel ״Der Judenstaat“, und man hat mit einiger Erwartung entgegengeschcn, was der extremste Vertreter der Judens&ais-Id.ologie zu sagen haben werde. Wir haben an dieser Stelle oft erklärt, daß Jabotinsky der einzige Mann ist, der ein fest umrissenes, streng logisch aut• gebautes Judenstaats-Programm vertritt, im Gegensatz zu manchen anderen, die sich selbst Pazifisten, Antimilitaristen usw. nennen und gleichzeitig die Parole eines jüdischen National- Staates im Gegensatz zu dem von uns geforderten binationalen Staat ausgeben, ohne sicti über die Konsequenzen selbst Recnenschaft zu geben. In dieser Hinsicht enttäuschte Jabo• tinskys Vortrag, der auch rednerisch nicht auf der Höhe seiner ersten Berlin.r Rede stand. Immerhin ist es im Interesse einer innerzionistischen Klärung, die einmal kommen muß, willkommen, daß nun eine Programmrede dieser Art als Basis der Linf.igen Auseinandersetzung vorliegt. Wir werden diese notwendige AuseinanJcrsetzung führen, obwohl die zionistischen Aufgaben des gegenwärtigen Momentes uns andere zu sein scheinen. Für heute müssen wir uns aber damit begnügen, den Gedankengang von jabotinsky s Rede kurz wiederzugeben und behalten uns vor, aut seine beiden Reden ausführlich zurückzukommen. Jaboiinsky hat sich in seiner Rede sehr viel mit der ״Jüdischen Rundschau“ beschäftigt. Er nannte sie manchmal beim Namen, manchmal beim Namen des Redakteurs und manchmal sagte er einfach eine ״Berliner Zeitung“, Er begann mit der Feststellung, die also ganz auf Gegenseitigkeit beruht, daß es für ihn erst jetzt möglich sei, eine | Diskussion zu führen, weil die Berliner Zeitung den wirklichen Gegensatz enthüllt hat. Dadurch sei der Streit auf eine prinzipielle Ebene gehoben worden. Es gäbe eine Strömung, die behauptef, daß unter den gegebenen Ums.änden der Zionismus, wie die Revisionisten ihn verstehen, nicht durchführbar ist. Daher brauche man auch keine politische Offensive. Wer aber den judenstaat will, der weiß, daß dies eine mathematische Frage ist und daß wir eine große Immigration haben müssen, um im Laufe einer Generation den Arabern auch nur gleich an Zahl zu werden. Eine solche Immigration ist aber nur durch Staatshilfe möglich, und dann kommen alle Konsequenzen, die der Revisionismus zieht, dann muß man auch mit dem Widerstand der Eingeborenen rechnen und die Schutzfrage aufrollen. Wenn man aber auf das große Ziel verzichtet und sagt, es solle nur ein kulturell-nationales Leben geschaffen werden, verbürgt durch eine Ordnung, in der die Frage der Mehrheit oder Minderheit gleichgültig ist, dann wird man wenig Widerstand bei Arabern und Engländern finden und dann würden alle Konsequenzen des Revisionismus entfallen. Es handele sich also um die Grundfrage: was erstrebt Zionismus? Der Ausdruck Staat!51! m modernen Völkerleben vieldeutig, darum müsse man lieber den Ausdruck Judenmehrheit georauchen. Denn heute schon gibt es Staaten, die gar nicht souverän sind, B. die einzelnen Staaten innerhalb der U. S. A., und in fünfzig Jahren könne durch Weiterentwicklung des Völker- Bundes der Begriff Staat überhaupt verändert sein. Was aber 1?»,.?*®״d»®»* erstrebt».am eine .Lücke .auszufüllen, ist ein I«de# die M ebTheit sind totd ddtn ■ Leben innerhalb■■ diises' Territoriums ihren'•'Stempel aafdrücken können. Nur dieser Oesamtausdruck des Lebens verdient den Namen Kultur. Ohne Mehrheit ist eine solche Normalisierung nicht zu erreichen. Der von Weizmann geprägte Ausdruck einer ״moralischen“ Mehrheit ist, wie die Geschichte gezeigt hat, unhaltbar, weil in einem entscheidenden Moment doch die numerische Mehrheit den Ausschlag gibt. Wir wollen eine jüdische Gesellschaft schatfen, innerhalb derer die sozialen Ideen der Bibel, die Ideen des Jesaja verwirklicht werden können, statt daß wie bisher unser sozialer Reformwille innerhalb anderer Völker nach Betätigung sucht. Wir müssen sogar eine so große Mehrheit haben, daß auch noch nach der innerjüdischen Parteienzer- Splitterung eine jüdische Mehrheit z. B. im Parlament übrigbleibt. Manche meinen» mit der Parole des binationalen Staates bei den Arabern Gefallen zu finden. Dies ist ein Irrtum. Mich fragten in Port Said mehrere arabische Journalisten, wie stellen S i e sich zu dem Programm des binationalen Staates? Ich sagte: ich bin begeistert dafür. Darauf sagten die Araber: Das wird die Musik in den Ohren der Araber vergiften, denn wenn Sie dafür sind, soist klar, daß es nur ein Trick ist —. Wenn wir für Palästina so ein Programm haben, dann wäre es gerecht, dies für alle Länder zu proklamieren, und alle Staaten könnten binational, trinational, ja sogar siebennational werden. Wenn in Palästina 500 Tscherkessen sich melden und auch auf nationale Freiheit Anspruch erheben, dann erkläre ich namens der revisionistischen Richtung: Sie haben recht, wir wollen einen dreinationalen Staat machen. Die Anhänger des Klein-Zionismus täuschen sich, wenn sie meinen, daß dies den Widerstand der Araber vermindern wird. So wie jeder Zionist es als unangenehm empfinden würde, wenn auch nur ein oder zwei Araber in Tel-Awiw wohnen würden, so empfinden es auch die Araber als unangenehm, wenn wir auch mir in kleiner Zahl kommen, denn sie wollen keinen Partner haben. Heute kämpfen ja die Araber auch keineswegs gegen die Revisionisten, sondem gegen die gemäßigten Zionisten. Die Propaganda der Kleinzionisten ist schon darum nutzlos, weil sie uns Revisionisten nicht aus der Bewegung hinaustreiben können, und solange wir drin sind, muß doch die Bewegung, da wir das weitergehende Ziel!ordern, sich unseren Wünschen an* passen. Der Redner wendet sich u,um dem Problem der Jewish Agency zu und erklärt, man müsse der ״Jüdischen Rundschau“ auch darum dankbar sein, weil sie durch ihr Verhalten erkennen lasse, wie sehr es möglich sei, die zionistischen Forderungen herabzumindern, so daß man jetzt ein Argument gegen die Behauptung der Agency-Freunde hat, die neu eintretenden Nichtzionisten würden nichts anderes wollen können als wir. Die Nichtzionisten werden bestimmt keinen Judenstaat wollen. Diese Richtung gibt den zionistisehen Reichtum preis, der in der extremen Forderung besteht Es muß jetzt klar werden: Wer Z (Zionismus) sagt, muß auch A, B, Cund so fort sagen und vor allem L (Legion) sagen. Wer dies alles nicht sagen will und vor allemL,der wird auf Zionismus verzichten müssen. Wenn Ihr verstehen wollt, was die Exekutive mit der Jewish Agencv will, dann geht zu den ehrlichen Interpreten (d. i. die ״Jüd. Rundschau“). Demgegenüber stelle ich den Vollblut- Zionismus, der die jüdische Mehrheit schaffen will, der glaubt an die Kraft des jüdischen Volkes, an die Kraft der Gerechtigkeit, der glaubt, daß man durch eine politische Oftensive die Massen der Welt und besonders Englands bewegen kann, daß man damit ein kolonisatorisches Regime schäften kann, das es möglich macht, aut beiden Seiten des Jordan große"Landwirtschaft und Industrie zu schaffen, so daß wir in ein bis zwei Generationen die jüdische M ehrheit werden. Ich verstehe, daß es in Deutschland einen schwerfälligen, konservativen Zionismus gibt, der der Leitung gegenüber unbedingt loyal ist. Es muß eine Gruppe geben, die bis zum letzten Moment den Palast verteidigt, und ich ehre diese Gruppe. Ich ehre diese Gruppe, obwohl ich gegen sie mit aller Kraft kämpfen werde. Aber die Loyalität muß eine Grenze haben und der Plan der Erweiterung der Jewish Agency ist der Punkt, wo wir der heutigen Leitung nicht mehr folgen dürfen. Wir werden aut die Darlegungen Jabotinskys in der nächsten Nummer ausführlich zurückkommen. Empfang für Jabotinsky in Berlin Lichtheim den Revisionisten bei getreten. Das Landeskomitee der Zionisten-Revisionisten in Deutschland veranstaltete ges!ern abend zu Ehren Wladimir Jabotinskys einen Empfang» dem eine größere Anzahl prominenter Persönlichkeiten beiwohnte. Den Vorsitz führte Herr Richard L i c h t h e i m , der erklärte, er vollziehe heute den Anschluß an die Revisionisten. Es sprachen noch Dr. Egon Roserberg, der dm Gruß der Berliner Zionistischen Vereinigung überbrachte, dann Dr, J. Brutzktis, Dr. Krainin, Woisjiawski, Redakteur Klinoff, Grüngard, Ing. Kutzenok, der Dichter Saul Tschernichowski, Staatsrat Jacob Teitel und Prof. Schneerson. Zum Schluß sprach Jabotinsky in bewegten Worten über seinen Lebenskampf. Er schätze den ״noblen Konservatismus“ der deutschen Zionisten hoch, müsse aber gegen sie kämpfen, um sie zu überzeugen. Bolschewismus und Faszismus sind Zeiterscheinungen, siegen wird die alte Wahrheit der Demokratie. Uns ist der Zionismus der Königsgedanke, und in seinem Zeichen werden wir siegen, Jabotinskys Matter geslorbea Wie wir unmittelbar vor Redaktionsschluß erfahren, er- Welt Vladimir Jabotinsky soeben in Berlin aus Palästina die Verständigung, *daß seine hoohbetagte Matter gestorben ist Wir sprechen Ihm unser herzliches Beileid aus» Eine Abschiedsrede Sir Ronald Storrs Die Stadtverwaltung Tel-Awiw hat zu Ehren Sir Ronald Storrs am 22. November einen Tee gegeben, bei dem er laut ״Haarez“ folgende Ansprache hielt: Tel-Awiw macht heute eine der Kinderkrankheiten durch, die die Begleiterscheinung jedes Wachstums bilden: unter dieser Krankheit leiden auch sehr viel größere Städte als Tel-Awiw. So ist die Lage heute in Manchester, so habe ich sie in London, in Paris, in Rom und in Athen gefunden. Die gegenwärtige Krise in Tel-Awiw ist nur als eine vorübergehende Erscheinung zu betrachten. Die Stadt, die sich im Morgen ihrer Jugend befindet, kann sich solchen Rückschlägen nicht entziehen, aber ich bin sicher, daß die konzentrierte Kraft der jüdischen Intelligenz, die sich auf allen Gebieten des Lebens regt, auch dieses Stadium überwinden wird... Es gab Zeiten vor fünf oder sechs Jahren, wo nicht alle Engländer den Geist der Juden verstau־ den und es gab Zeiten, wo auch die Juden den Engländern keine Sympathie entgegenbrachten. Inzwisehen haben wir voneinander gelernt und mit dem Wissen kam das Verständnis, mit dem Verständnis die Sympathie. Meine Sympathien und die meiner Gattin für Palästina sind groß. Wir beide verlassen dieses wunderbare Land mit tiefem und lebhaftem Bedauern. Ich möchte, daß Sie mich, nachdem ich das Land verlassen habe, als einen Mann ansehen, der immer an das Geschehene denkt und mit Sehnsucht auf Nachrichten vom Lande warte♦ Presse •Schau In der letzten Nummer der C.-V.-Zeitung ist an leitender Stelle ein ausführlicher Artikel ״Gruppeng e i s t e r“ von Franz Oppenheimer veröffentlicht, und zwar unter der Parole ״Zur Entgiftung des politisehen Kampfes“. Oppenheimer legt dort seine in zionistischen Kreisen seit fünfzehn Jahren bekannten Anschauungen über die soziologische Determiniertheit des deutschen Juden nieder. Bekanntlich hat Oppenheimer bereits in einem Aufsatz der ״Welt“ lange vor dem Kriege erklärt, er habe ״jüdisches Stammesbewußtsein und deutsches Nationalbewußtsein“ und dargelegt, in welcher Weise nach seiner Meinung der Jude zugleich ״in mehreren Gruppen wurzelt“. In der vier Seiten langen Abhandlung erklärt sich Oppenheimer entschieden gegen jedes Assimilantentum, dessen Würdelosigkeit er verurteilt, und für den jüdischen Palästina- Aufbau, den er als eine große Menschheitsangelegenhcit charakterisiert Es ist selbstverständlich, daß Oppenheimer seine wissenschaftliche Grundanschauung, wonach alles Uebel vom ״Klassenstaat“ stammt, und durch Beseitigung des Großgrundeigentums aus der Welt geschafft werden kann, auch in diesem Aufsatz zum Ausdruck bringt. Die Schriftleitung der C.-V.-Zeitung erklärt, daß sie die jüdische Arbeit in Palästina in anderem Lichte sieht und daß Herr Ludwig Hol- 1 ä n d e r demnächst in der C.-V.-Zcitung zu Oppenheimers Ausführungen Stellung nehmen wird. Wir werden diese Stellungnahme abwarten, um dann unsererseits uns zu dem ganzen Fragenkomplex und zu den beiden Aufsätzen zu äußern. Selbsthilfe Von Moses Beilinson, Tel-Awiw. Nichts tut man jetzt in Palästina mit solcher Energie und Leidenschaft, als nach finanziellen Mitteln suchen. Die einen denken dabei an ganz große Summen, die das Aufbauwerk wiederum auf starke Füße stellen sollten, und machen Pläne für äußere oder innere Anleihen. Ehe anderen würden sich vorläufig mit kleineren Summen begnügen — mit 100—200000 Pfund, die uns wenigstens von der ersten, erdrückendsten Sorge, der Arbeitslosigkeit, befreien sollten. Und in diesem fieberhaften Suchen nach den Geldquellen hat man auch den Versuch gemacht, wenigstens kleinere Summern, die uns eine Atempause sichern könnten, innerhalb des J isch u w selbst zu finden. So entstand der Gedanke einer Anleihebank des Jischuw, deren Kapital aus dem Verkauf der Aktien hier, im Lande, geschaffen werden sollte. Die Bank sollte in den Händen des Waad Leumi sein — und damit hoffte man eine Belebung und Verstärkung der jüdischen Autonomie im Lande zu erzielen. Der Waad Leumi zeichnet sich durch keine große Aktivität aus, was man teilweise dem Umstande zuschreiben muß, daß sich in seinen Händen keinerlei Machtwerkzeuge befinden. Würden sich, in der Verfügung des Waad Leumi gewisse Summen befinden, so würde sein Ansehen wachsen und eine stärkere Blut- Zirkulation in diesem etwas blutleeren Körper einsetzen. Die Bank — ״Ozar Hajischuw“ sollte sie heißen — sollte ihr Geld unter sicheren Garantien als Anleihen verteilen und so der wirtschaftlichen Arbeit im Lande einen Anstoß, eine Hilfe geben und die Arbeitslosigkeit, wenigstens teilweise, beheben. Der Gedanke wurde schon vor einem halben Jahre vom Waad Leumi akzeptiert, seine Durchführung läßt aber bis jetzt auf sich warten. Oerade in diesen Tagen wurde eine neue verstärkte Bewegung zur Verwirklichung des ״Ozar Hajischuw“ unternommen —• vielleicht wird sie bessere Resultate geben; was aber bis jetzt erzielt wurde, ermutigt nicht zu besonderem Optimismus. Gerade diejenigen Kreise, die von der wirtschaftlichen Krise nicht berührt wurden, die sogar gerade jetzt einen wirtschaftlichen Aufschwung erleben — z. B. die Pflanzungskolonisten —, haben sich dem ״Selbsthilfe“gedanken gegenüber vollständig gleichgültig verhalten. Noch einen anderen Plan gibt es, der die sofortige Aufbringung gewisser Mittel ermöglichen sollte. Dieser Plan betrifft die zionistische Administration, die Beamtenschaft aller nationalen Institute im Lande und im Galuth. Augenblicklich ist fast der ganze Jischuw in einer schweren materiellen Lage. Fast alle Kreise leiden darunter — in erster Linie die Arbeiter, aber auch die Händler, die Handwerker, sogar die Hausbesitzer und die Vermittler. Die Stockung des wirtschaftlichen Lebens hat keine Klasse verschont Alle sind gezwungen, sich einzuschränken — einige bis zum chronischen Halbhunger. Die nationalen Kassen sind kaum imstande, die regelmäßigen Ausgaben zu bestreiten- und haben vorläufig keine Möglichkeit gefunden, tatkräftig zur Hebung der Krise zu intervenieren. Unter solchen Umständen scheint es doch etwas merkwürdig; daß doch eine Gruppe von der allgemeinen Krise nicht berührt wurde und sie unmittelbar — in ihrem eigenen Leben — nicht fühlt. Diese Gruppe ist die zionistische Beamtenschaft — alle Leiter und Angestellten von Ex»• kutlve, Keren Kajemeth, Keren Hajessod, Bank; Lehrer der zionistischen Schulen; alle Angestellten der Arbesterorgamsation usw. Es mag sein, daß alle diese Beamten ihr Gehalt nicht mit rigoroser Pünktlichkeit ausbezahlt bekommen, so war es aber auch früher und keine großen Aenderungen sind in dieser Beziehung in der letzten Zeit eingetreten. Die Lage schien vielen unnatürlich und dem zionistischen Bewußtsein sowie dem elementaren Gerechtigkeitssinn widersprechend. So ist — zuerst in Arbeiterkreisen —• eine Bewegung entstanden, die von den Beamten ein materielles Opfer, eine Einzahlung in die ״Kasse der gemeinsamen Not“ forderte. Konkret: es wurde vorgeschlagen, daß die Beamten und Angestellten auf das Gehalt eines Monats verzieh ten; die so gebildete Summe sollte zur Linderung der Arbeitslosigkeit verwendet werden — indem man sie dem ״Ozar Hajischuw“ überführt oder den Arbeitslosenkassen zur Verfügung stellt. Das Geld sollte von den Instituten — womöglich sofort — ausbezahlt werden und von den Gehältern in monatlichen Raten abgezogen werden. Die palästinensische Beamtenschaft hat sich diesem Vorschlag gegenüber empfänglich gezeigt und der Ausschuß der Beamtenorganisation hat ihn prinzipiell akzeptiert; allerdings bedarf er einer Bestätigung seitens der Beamtenkonferenz, die dieser Tage in Jerusalem zusammentreten wird. Doch ist es fast außer Zweifel, daß diese Bestätigung gegeben werden wird. Der Beschluß der Beamten hat eine unbestreitbare moralische Bedeutung. Jetzt handelt es sich darum, auch mögliehst große materielle Hilfe aus ihm herauszuziehen. Und dazu ist dreierlei nötig: erstens, müssen die leitenden Stellen der zionistischen Institutionen ihrerseits die Verwirklichung des Beschlusses fördern, indem sie die außerordentliche Aus- Zahlung der ״Monatsspende“ ermöglichen; zweitens, muß der Beschluß nicht nur auf die kleineren Beamten mit ihren 10 oder 12 Pfund monatlich, sondern auf alle zionistische Angestellte fallen, Inklusive der Leiter; und drittens, darf diese ״Monatsbewegung“ nicht auf das Land beschränkt bleiben, sondern die ganze zionistische EHaspora einbeziehen. Die zionistischen Beamten sind doch diejenigen Zionisten, die mit dem Lande am engsten verbunden sind und die alle wirtschaftlichen Schwankungen Im Lande am ehesten mitfühlen sollten. Wir verlangen jetzt, in dieser so schweren Stunde, einen größeren Opferwillen von allen Zionisten, sogar von allen Juden. Und es wäre nur natürlich, wenn in dieser ״Opferbewegung“ diejenigen vorangingen, die dem Lande am nächsten sind — zumal heute, nachdem die palästinensische Beamtenschaft diesen Schritt schon getan hat Es ist kaum denkbar, daß die Diaspora-Beamtenschaft beiseitestehen will. Die moralische Bedeutung der ״Monatsspende" ist unbestreitbar. Aber auch ihre materiellen Ergebnisse sind nicht zu unterschätzen. Es ist aber auch nicht ausgeschlossen, daß die Bewegung — wenn nur die Beamten im Lande und in der Diaspora damit ernst anfangen — über die Beamten- Pas bisherige Ergebnis der Keren Hajessod-Aktion in Deutschland für das Jahr 5687 Me Bar-Eingänge erlMliten sich: im Oktober 1926 um 32,7 % Segen Oktober 1925 im November 1926 um 112 % Segen November 1925 Arbeitet rar das Dezember Ergebnis