Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXI (1926)
- Issue
- Heft 96 (7.12.1926)
- Date
- 1926-12-07
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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■Nr. 96 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 607 Palästina und seine Kritiker Blumenfelds Rede in Berlin - Auseinandersetzung mit Jabotinsky Donnerstag, den 2, Dezember, sprach der Vorsitzende der Z. V. f. D., Herr Kurt Blumenfeld, im großen Saal des Keichswirtschaftsrates in Berlin über ״Palästina im Spiegel der Kriti k“. Der große Saal war dicht gefüllt und die Versammlung hörte mit großer Aufmerksamkeit Blumenfelds Ausführungen, die sich mit den verschiedenen Urteilen über das Palästinawerk, die in der letzten Zeit in die Oeffentlichkeit gedrungen sind, auseinandersetzte. Den Vorsitz der Versammlung führte der Vorsitzende der B Z. V., Herr Dr. Alfred Apfel, der die Versammlung mit einer Ansprache einleitcte. Herr Blumenfeld gab zunächst einen kurzen Ueberblick über die Entwicklung des Zionismus in den letzten Jahren, die auch eine je nach der Weltsituation verschiedene Haltung der nichtzionistischen J u d c n h e i t mit sich brachte. Unmittelbar nach dem Kriege wirkten die politischen Erfolge des Zioni ׳mus, denen die nichtzionistische jüdische Welt nichts entgegenzusetzen hatte. Die Judenfrage war aufs äußerste zugespitzt und auch die deutschen Juden empfanden eine Art Pogromfurcht. Später schrumpfte die Gefahr zusammen auf den ״erträglichen“ Antisemitismus, an den man sich gewöhnt hatte. Man begann sich wieder einzurichten und machte Front gegen die Zionisten, die an diesem Leben grundsätzlich etwas ändern wollten. Inzwischen hatte der Zionismus etwas riskiert, was es im Judentum bis dahin nicht gab, nämlich Gedanken in Wirklichkeit umzusetzen. Damit begab er sich in eine gefährliche Position, denn sichtbare Leistungen sind immer leichter zu kritisieren als bloße Symbole. Die Antizionisten versuchten nun den Zionismus zu treffen durch Kritik seiner Leistung. Es folgte jene Palästina-Berichterstattung, die peinlich alles Unünstige über Palästina sammelte und dies als die ״Wahr- *it über Palästina“ verbreitete. Blumcnfeld charakterisiert eiagehend diese von Sensationslust und Uebelwollen inspirierte Palästina-Kritik, deren Träger sich keineswegs die Mühe genommen haben, in die Probleme wirklieh einzudringen. Er zitiert in diesem Zusammenhang verschiedene Artikel des Blattes der nationaldeutschen Juden, der ״Jüdisch-liberalen Zeitung“, des ״Tagebuch“, der ״Weltbühne“ usw. Sodann kommt der Vortragende auf eine zweite Kategorie von Kritikern zu sprechen, die das palästinensische Leben ernsthaft studieren und auch gewisse sachliehe Voraussetzungen dafür mitbringen. Die Urteile dieser Menschen sind für uns Zionisten sehr wertvoll, auch wo sie kritisch sind, und wir halten es für unsere Pflicht, sie auch der Oeffentli'hkeit zu unterbreiten. In diese Gruppe gehört der Bericht von Professor M e a d, das Buch von Dr. Felix Pinner, das neue Buch von Schoenaich, das Gutachten von Prof. Oppenheimer. Viele dieser Kritiker übersehen natürlich nicht alle Faktoren, aber ihre Ergebnisse sind doch ernst zu nehmen. Schließlich kommt Bhmrenfeld auf die Kritik zu sprechen, die in unserem eigenen Lager laut wird. Wir Zionisten diskutieren unsere Probleme in voller Oeffentlichkeit und halten es für wuchtig, die Problematik unseres Volkes selbst zu sehen. Wer die deutsche Politik der letzten Jahre beobachtet, wird viel Verständnis für die innerzionistischen Kämpfe, haben können. Die Typen des ״Verantwortungs-Politikers‘* und ״Oesinnun gs-Politik e rs“, die Max Weber in Deutschland charakterisiert hat, gibt es auch bei uns. Die ״Gesinnungs- Politiker“ sind die, welche ungehemmt durch alle Realitäten Ziele proklamieren, mit denen sie Beifall finden. Der ״Verantwortungs-Politiker“ hat nicht weniger ״Gesinnung“ als der Gesinnungs-Politiker, sondern mehr: Er trägt das Ziel im Herzen, verliert aber nicht den Blick für die Realität und ist, weil er die Verantwortung für den Erfolg hat, dauernd in seinem öffentlichen Auftreten und seinen Reden gehemmt. Die Aufgabe des Verantwortungs-Politikers wird am schwersten in einer Zeit, wo Geduld nötig ist und abgewartet werden muß, wenn Katastrophen vermieden werden sollen. Ein Beispiel war in Deutschland der Kampf um die Erfülltmgspolifik (Rathenaus Schicksal usw.). Aehnlich ist es im Zionismus mit der Politik Dr. Weizmanns, der sich der größten Autorität erfreute, solange cs n u r um politische Erfolge ging und keine Leistung der 1 Zionisten gefordert wurde. Schon die Forderung des Keren I Hajessod hat viele Zionisten in die Opposition getrieben. I Redner geht dann auf die zionistische Entwicklung seit dem Jahre 1922 ein, wo durch das bekannte Weißbuch die Balfour-Deklaration interpretiert wurde. Das Weißbuch versucht auch die zionistischen Grundbegriffe zu umreißen und dazu gehört der Begriff ״J u d e 11 s t a a t“. Dies war der Titel einer Schrift von Herzl, die am Anfang des Zionismus steht. Schon der erste Kongreß hat in dem offiziellcn Programm nicht von Judenstaat geredet, sondern von der ,,öHentlich-reditlich gesicherten Heimstätte in Palästina“. Das Weißbuch wendet sich gegen das Wort Judenstaat, weil dies bedeuten würde, daß wir die Araber in Pa- I äs ti n a zu Juden machen wollen. Diesen Sinn hat aber unser Programm niemals gehabt. Wir wollen in Palästina Verhältnisse schaffen, wo unter allen Umständen beide Nationen in voller nationaler Freiheit leben können, nicht nur jetzt, wo wir eine Minderheit sind, sondern auch dann, wenn wir die Majorität sein werden. Diese grundsätzliehe Auffassung, die auch im Weißbuch enthalten ist, und die manche von uns als ״binationalen Staat“ bezeichnet haben, muß jeder, der die Realitäten kennt, akzeptieren, obwohl wir natürlich gegen viele Bestimmungen des Weißbuches, besonders in seinem administrativen Teil, Stellung nehmen. Im Jahre 1922 war die öffentliche Meinung in England gegen uns und nur auf Grund des Weißbuches erklärte sich die Regierung bereit, für die zionistische Sache im Parlament einzutreten, was dann auch zu einem sehr günstigen Beschluß des Unterhauses führte. Die zionistische Exekutive, die das Weißbuch akzeptiert hat, bestand u. a. aus den Herren Jabotinsky, Lichtheim und Soloweitschi k. Jabotinsky aber greift jetzt dieses Weißbuch heftig an und erklärt, es sei erpreßt worden. Heute kann er so reden; als er aber in der Leitung saß und die Verantwortung hatte, da wagte auch er selbstverständlich ni'hts gegen diesen Schritt zu sagen. Das ist eine Haltung, die wir ablehnen. Ich habe nicht auf Jabofinskys Rede zu antworten, fährt Blumenteld fort, denn das ist Sache der Exekutive. Wir unterstützen zwar die Führerschaft Dr. Weizmanns, aber das bedeutet natürlich nicht, mit allen Handlungen oder Unterlassungen der Exekutive einverstanden zu sein oder gar sie verteidigen müssen. Nur auf einige Hauptpunkte von Jabotinskys Rede will ich eingehen. Ira Mittelpunkt seiner Kritik steht der Satz: Die Juden hätten alles getan, Palästina sei ein gutes Land, die Engländer seien auch gut, schlecht sei nur die zionistische Leitung. Am interessantesten ist der erste Teil dieser These. Alle Menschen hören nämlich nichts lieber, als daß man mit ihnen zufrieden ist und sie ihre Pflicht getan haben. Es darf nicht der Versuch gemacht werden, alle Verantwortung auf einen äußeren Faktor zu legen. Der Aufbau des nationalen Heimes muß von uns geschehen. Der Zionismus ist ein Werk der Selbsthilfe des Volkes, für die natürlich die politischen Bedingungen geschaffen werden müssen; aber der Schwerpunkt liegt bei uns selbst. Es kommt darauf an, Tatsachen zu schaffen, die unsere Kraft und unseren Willen beweisen. Die Frage unseres politischen Zieles zu einer Sache der Volksversammlungen zu machen, ist in diesem Augenblick für jeden,;<|er Sinn für Proportionen ״ und jReaßlt.ei hat, völlig sinnlos lind bringt keine Erhöhung der zionistischen Energien. Eine besondere Methode einer Opposition, die keine Verantwortung trägt, besteht darin, daß sie auch die Dinge übernimmt, die unbestritten sind: Sie behauptet, sie nabe entdeckt, daß 2 X 2 4 =י־ ist So kommt es mir vor, wenn Herr Jabotinsky etwa von der Notwendigkeit der Wasserversorgung, von Intensivierung der Wirtschaft, Zoll- Politik usw. spricht. Das alles wissen wir längst. Das Ruthenbergsche Irrigationsprojekt wurde schon vor fünf Jahren vom Zionismus akzeptiert. Manche Punkte sind natürlich kontrovers, aber nicht nach Parteieinstellung, sondern nach wirtschaftstheoretischer Ueberzeugung. Ueber unsere Zoll- Politik z. B. hat sich Dr. R u p p i n geäußert, der auch den dilettantischen Gebrauch des Wortes ״Schutzzölle“ widerlegte. Dilletantisch ist auch das Programm ״T o z e r e t h Haarez lagoiah“, des Absatzes jialästinensischer Produkte im Galuth, der nämlich auf die Dauer nur möglich ist, wenn die Ware gleichwertig ist. Wir helfen dem Lande nur, wenn w׳ir seine Industrie leistungsfähig machen, nicht aber wenn wir ihr künstlich Absatz zu verschäften versuchen. Auch das Programm der ״Bank-Drives“ ist für jeden, der sich mit der Geldbeschaffung befaßt Siegfried Jacobsohn Mit Siegfried Jacobsohn, der vergangenen Freitag plötzlich estorben ist, schwindet eine der merkwürdigsten jüdischen ersönlichkeiten aus dem literarischen und politischen Deutschland dahin. Er, der als Theaterkritiker ein großes, schöpferisches Werk hinterläßt, erkannte in reiferen Jahren, auch unter dem Erlebnis des Krieges, daß Theater nur ein Ausschnitt ist aus dem gewaltigen sozialen und kulturellen Leben der Nation, die von ihrer politischen Schwungkraft, ihrem Ethos geformt wird. Bei aller Liebe zur Kunst, bei aller tiefen Einfühlung in die feinsten Blüten künstlerischen Ausdrucks, wußte er mit einem Male um menschliches Weh und den Fluch des Unrechts und der Unterdrückung: uraltes Erbgut des Geistes war in ihm aufgebrochen, und mit der ganzen Wucht und Leidenschaft seines prachtvollen Temperaments und seiner unermüdlichen Arbeitskraft ging er hin, furchtlos zu kämpfen für Menschlichkeit und Menschenrecht, gegen die Mächte der Gewalt und Lüge. So wurde die ״Schaubühne“ zur ״Weltbühne“. Er schuf sich mit eigener Kraft sein Werkzeug, die Zeitschrift, und auf der Höhe des Lebens konnte er noch sehen, wie diese Zeitschrift allenthalben Freunde fand, wie er immer mehr zu einer zentralen Figur wurde, 11m den sich Menschen, von ihm ungekannt, sammelten, — da wurde er weggerissen. Jacobsohn hat sich stets stolz als Jude bekannt. Sein Haß gegen die Reaktion, sein Pazifismus und seine mutige Kritik zog ihm natürlich Feindschaft vor allem von antisemitischer Seite zu. In der dunkelsten Zeit der jungen deutschen Republik stand auch er als ״Verräter“ auf der schwarzen Liste. Er ließ sich nicht erschrecken; seine Zeitschrift war — neben Fr. Wilh. Försters ״Menschheit“ — vielleicht die einzige, die gegen den neuen Militarismus in allen seinen Formen auftrat, weil er wußte, daß durch einen neuen Krieg alle Völker, auch das deutsche, am schwersten etroffen würden. Er versuchte stets, für Verständigung er Völker zu wirken. Dafür mußte er Fluten antisemitischer Pöbeleien über sich ergehen lassen. Er war nicht Zionist, aber er stand um insofern in seinem Fühlen nahe, als ihm alles Assimilantentum zuwider war wie jede Knechtseligkeit und philiströse Selbstsicherheit. Er hat z. B. noch in der letzten Nummer vor seinem Tode sich energisch gegen die ״nationaldeutschen Juden“ zur Wehr gesetzt. Für Palästina interessierte er sich — freilich nicht mehr oder anders wie für vieles andere. Unseren Lesern ist erinnerlich, daß er in seiner Zeitschrift neben zahlreichen zionistisch orientierten Beiträgen in letzter Zeit auch zwei Beiträge scharfer Kritik gegen das Palästinawerk — und zwar von den zwei einander entgegengesetzten Seiten — gebracht hat; es entsprang dies seinem Bedürfnis nach Objektivität, vielleicht auch dem Mißtrauen gegen jede offizielle Parteiangelegenheit. Er war stets bereit, auch Entgegnungen zu bringen. Der Unwille, den die letzte Veröffentlichung eines minderwertigen Beitrags in zionistischen Kreisen, die sich Jacobsohn nahe fühlten, hervorgerufen hat, soll uns nicht hindern, das Werk und die reinen Motive dieses Mannes zu würdigen; heute, da wir um ihn trauern. Ein letzter Rest unauflöslicher Tragik bleibt freilich auch in diesem Judenschicksal. Er konnte der Sache, die er verfocht, nicht ungehindert dienen. Etwas stand zwischen ihm und denen, die seine Stimme erreichen wollte. Was der Jude sprach, war jenen — jüdisch; das Mißtrauen fiel von der Person auf die Sache. Solange die Judenfrage besteht, werden stets Verdachtsmomente in der Luft schwirren, wird ein Jude nicht zu voller Auswirkung gelangen. Jacobsohn gehörte zu denen, die etwas davon ahnten; aber es war sein Schicksal, an diesem Problem vorbei in eine Welt zu gleiten, die — bei aller Radikalität der Atmosphäre -- doch mehr Literatur als Wirklichkeit bleiben mußte. W. Liierarische Nachrichten EHe hebräischeJugendzeitschrift״M01edet“ ist soeben in neuer Gestalt wieder zum Leben erweckt worden. Das erste Heft, unter der bewährten Redaktion von Jakob Fichman, kt in Inhalt und Aeußerem gelungen und präsentiert sich sehr schön. Es enthält Gedichte von Bialik, Schlmonovicz, eine Erzählung von Barasch, ausgezeichnete Uebersetrungcn von Werken Jakob Wasscrni a!1 n s , Ta gor es und z. B. eine im Stil, Ton und Rhythmus ganz getreue Uebersetzung von Schillers ״Ring des Polycrates“, hat. ein leeres Wort, denn bis auf weiteres wird man auch solches für palästinensische Banken bestimmte Geld nur mit denselben Methoden bekommen können wie Keren Hajessod, nämlich nicht durch die Versprechung von Profiten, sondern durch die Gewinnung des Interesses derjuden. Redner bespricht dann noch die Haltung der englischen Verwaltung, wobei er darauf hinweist, wie schwer es ist, eine Verwaltung wirklich in allen ihren Organen zur Durchführung einer Polltik anzuhalten, und betont, daß die ganze zionistische Bewegung mit sehr vielen Unterlassungen der Verwaltung un zufrieden ist; auch Weizmann hat seiner Unzufriedenheit wiederholt deutlich Ausdruck gegeben, aber er könne natürlich nicht so auftreten wie Jabotinsky, weil er die Verantivortuiig trägt. Die geringschätzige Bemerkung Jabotinskys über die Londoner Wirtschaft,skonferenz ist ganz deplaciert, denn wir müssen uns bemühen, das Interesse und die Mitarbeit wirtschaftlich erfahrener Persönlichkeiten immer mehr zu gewinnen. Nun kommt Blumenfeld wieder auf unser Verhältnis zur nichtzionistischen Oeffentlichkeit zu sprechen. Unsere offene Auseinandersetzung über unsere politischen Ziele innerhalb des Zionismus beweist, daß wir die Oeffentlichkeit nicht scheuen. Auch unsere Gegner müssen erkennen, daß es hier um große Fragen geht, ganz anders als im bisherigen jüdischen Leben. Unsere Propaganda nach außen vollzieht sich Hand in Hand mit der Kritik nach innen. Das Interesse der Oeffentlichkeit für den Zionismus ist im Wachsen und wir haben gerade in letzter Zeit gesehen, daß eine Reihe von namhaften Politikern aller Kreise und Richtungen bereit sind, uns zu helfen. Wir erkennen aber bei dieser Arbeit immer wieder, daß dis Interesse der Welt für uns nur zu gewinnen ist, wenn sie begreift, welcher besonderen Art unser Nationa- 1 i s m u s ist. Unser Nationalismus beruht auf dem Streben nach den primitiven Voraussetzungen, ohne die ein Volk als Kollektivum nicht leben kann; aber die Nation ist uns kein Eigenwert, sondern nur die Form, in welcher wir unseren Anteil an den höchsten Gütern der Menschheit haben wollen. Gerade die fortschrittlichen Kreise der Weit unterstützen uns, weil sie erkennen, daß unser Nationalismus nicht auf die Unterdrückung anderer ausgeht. Es gibt natürlich itn Zionismus auch andere Strömungen, die ebenso wie manche Richtungen in Deutschland der Jugend empfehlen, sich im ״Klein-Kaliberschießen“ zu üben. Dies ist nicht weiter verwunderlich, aber es darf nicht mit der Bewegung identifiziert werden. Der Zionismus ist zwar vor allem eine politische Bewegung und keine ״Weltanschauung“, aber hinter ihm steht doch eine Grundstim raung, die gegeben ist durch die jüdische Geschichte und durch unser Gefühl der Verantwortung gegenüber unserer Vergangenheit und Gegenwart. Bei ״Revolutionen auf lange Sicht“, wie der Zionismus eine ist, besteht immer die Uefahr, daß Menschen ermüden und sich Illusionen zuwenden. Aber der wahre Zionismus, dem der Glaube an die Notwendigkeit dieser Art jüdischer Zukunft innewohnt, beruht auf klarem Sinn für die Realitäten, verbunden mit dem lebendigen Gefühl für die großen Ewigkeitswerte, um deretwillen wir Hand an unser Werk legen. Nach dem mit lebhaftem Beifall aufgenommenen zwei• sfündigen Vortrag schließt der Vorsitzende, Dr. Apfel, die Versammlung mit einer Ansprache, in welcher er sich dagegen wendet, daß man von jüdischer Seite in Deutschland eine Boykattparole gegen zionistische Veranstaltungen ausgibt Die Gegner des Zionismus glauben sich nur dadurch schützen zü können, daß sie die Wahrheit nieht hören wollen. Demgegenüber betont Dr. Apfel, daß wir Zionisten darin fortfahren werden, uns loyal in aller Oeffentlichkeit mit unseren Gegnern auseinanderzusetzen und daß es notwendig wäre, den innerjüdischen Kampf um Anschauungsgegensätze in brüderlichen, vornehmen Formen und gegenseitiger Loyalität zu führen. Rabbiner Zireisohi legt sein Mandat nieder Bukarest, 1. Dezember. (J.T.A.) Im Senat verlas Präsident Co an da ein Schreiben von Senator Rabbiner Zirelsohn, in welchem dieser erklärte, er habe in der letzten Senatssitzung nicht dem rumänischen Volke als 801chem Intoleranz vorgeworfen, sondern lediglich das Vorgehen der Antisemiten verurteilt. Er erklärt gleichzeitig, daß er infolge der gegen ihn eingeleiteten Hetze sein Mandat niederlegt. — Der Senat nahm diese Rücktrittserklärung mit 80 gegen 17 Stimmen zur Kenntnis. weitere essayistische Beiträge, Bemerkungen, und sehr gutes Bildermaterial. Jedem Freunde der hebräischen Sprache auch außerhalb Palästinas kann diese Zeitschrift empfohlen werden, wir haben kaum etwas Besseres. Es ist sehr erfreulich, daß bei all dem Geschrei über die Krise wir aus Palästina solche Gaben bekommen. Greifen wir danach! Professor Dante Lattes, der ausgezeichnete zionistische Denker, der sich um die Verbreitung des Zionismus und der hebräischen Renaissance-Idee in Italien die größten Verdienste erworben hat, veröffentlicht jetzt eine neue Arbeit unter dem Titel ״Poeti e Pensatori E b r e i“, worin er die Entwicklung der hebräischen Renaissance seit Mose Chaim Luzatto über das 19. Jahrhundert bis zu Achad Haam, Bialik und Tschernichowski darstellt. Von Tschernichowski übersetzt er auch einige Proben ins Italienische. Das Schlußkapitel ist Martin Buber und der Erneuerung der hebräischen Religiosität gewidmet. Die schön gedruckte und ausgestattete kleine Schrift wird gewiß dazu beitragen, die Kunde von der jüdischen Renaissance auf allen Gebieten italienischer Zunge bei Juden und Nichtjuden zu verbreiten, wofür dem Verfasser und dem Jüdischen Jugendverein, dem Initiator der Schrift, aller Dank gebührt. Die Zeitschrift ״Das Bayer 1 and“ widmet ein Sonderheft dem Thema: Die Juden in Bayern. Das Heft enthält folgende Beiträge: L. Hümmert, München, Die jüdischen Bankiers und Heereslieferanten Bayerns im Zeitalter der napoleonischen Kriege; Dr. P. Sundheimer, Die finanziellen Beziehungen der Juden zum bayerischen Staat im 18. Jahrhundert; Dr. R. Hipper, München, Die Juden von Augsburg; E. Schöpflich, Zur Geschichte der Juden in München; der Herausgeber selbst, Staatsarchivar Dr. Fridolin Solleder schreibt über die Schutzjuden des Juliusspitals zu Würzburg. Interessant sind die Berichte über verlassene Landgemeinden. Die alten jüdischen Friedhöfe und Synagogen, weitere Schätze des Luitpoldmuseums zu Würzburg bilden den prächtigen Bildschmuck des Heftes. Die Geschichte eines modernen jüdischen Gotteshauses, die Synagoge zu München, in Wort und Bild (E. S ק a e t h , München) stellt eine wertvolle Ergänzung dar. (Bayerland-Verlag, München NW 17. Preis 90 Pf.)