Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXI (1926)
- Issue
- Heft 95 (3.12.1926)
- Date
- 1926-12-03
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 95 JUEDISCHE RUNDSCHAU Sehe 687 / ״Bundes Frauen״״ Vom Zünden der Chanukkahlichter Ein Qeleitwort. Frauen sind verpflichtet, Chanukkahlichter zu ent- /enden, denn auch durch sie ist das Wunder geschehcn —־ Frauen pflegen am Chanukkah während des Brennens der Lichte nicht zu arbeiten, denn gegen sie war ein besonders grausames Gesetz erlassen (Jus rimae noctis. —) . . . denn durch die Tochter des lohenpriesters Jochanan geschah das Wunder (eine Parallele zur Judithgeschichte). Schulchan Aruch, Dine Chanukkah. Schon als Kinder haben wir Mädchen mit besonderem Stolz das Chanukkahfest gefeiert. Hat sonst die Halacha der Frau in kultischen Dingen eine recht passive Rolle zugedacht, am Chanukkah durften wir doch mit dabei sein, durften selbst die Lichter zünden, ja noch mehr Pflichten erfüllen als die Jungen. Heute fühle ich, daß der Sonderstellung des Chanukkah ein ganz tiefer Sinn zugrunde liegt, und zünde gern selbst recht nachdenklich die kleinen Lichtlein an. Diese kultische Gleichstellung der Frau hat ihre Parallele nur noch am Purim •und am Seder-Abend, drei Feste, für die leicht ein gemeinsamer Nenner zu finden ist Historische Erinnerung an Stunden schwerster nationalreligiöser Krisen und Befreiungen, — und bei ihnen immer das Wort der Halacha... ״auch die Frauen hatten teil am Wunder“. Zeiten nationaler Wiedergeburt fordern eine aktive Stellung 4er Frau; wo sie abseits steht, ist schlechthin auch dem Mann das erforderliche Maß an Hingabe und letzter Bereitschaft nicht erfüllbar, das hemmende Moment wäre zu stark, zu schwer die Last, die die kämpfenden Schultern befichwert. ln solchem Augenblick ist auch die Frau am häus- Scheu Herd unentbehrlich als Mittlerin der Ideen und Werte, sie muß es sein, die bei der dem Kampf folgenden Ermüdung die Idee vor dem Versanden, die Glut vor dem Erlöschen bewahrt. Und darüber hinaus wandelt sich das Idealbild der Frau: Nicht mehr die ״Escheth Chajil“, ״das Biederweib‘‘, die kluge und gütige Walterin des Hauses, tritt in den Vordergrund mit ihren bürgerlichen Tugenden des Ordnungssinnes und der Sparsamkeit, sondern die Frau, die in Reih und Glied mit dem Mann im Kampfe steht, Opfermut und Entschlossenheit, selbst männliche Tugenden betätigt. Kollektivpflichten drängen die sonst so stark betonten individuellen Pflichten und Bindungen der Frau zurück. Die nationale Gesamtheit tritt in die Rechte der Familie ein, sie fordert die Frau, auch auf Kosten des Hauses. Das sind so meine Chanukkahgedanken, wenn ich selbst die Lichte zünde. Längst ist uns die Parallele zwischen ägyptischer, babylonischer, hellenistischer Assimilation und ihren katastrophalen Nachwirkungen mit unserer abendländisehen Assimilationskrise vertraut. Auch in unserer Bewegung, die wir als Bewegung einer jüdischen Renaissance empfinden, werden andere Anforderungen an die Frau gestellt als in früheren Generationen. Die Frau muß in weitgehendem Maße fidlf den Geist des Hauses regulieren. Konnte man In Zeiten größerer Gesicbertheit eines geschlossenen geistigen Milieus den Indifferentismus der Frau, ihre mangelnde Anteilnahme an den Fragen der Gemeinschaft und des Judentums ertragen, konnte die Frau viel mehr ihrer individuell weiblichen Note Rechnung tragen. Zeiten so starker Entscheidung fordern auch im häuslichen Kreis eine verantwortungsbewußte, von jüdischen Ideen, vom Geist unserer Bewegung erfüllte Frau. Es gilt heute, das jüdische Haus für unsere Ideen zu wecken und zu mobilisieren. Wir dürfen den Chaluz an der Front nicht mit dem Bleigewicht eines unlebendigen Volksteils beschweren, und gerade in Stadien unvermeidlichen Rück- Schlages ist der Geist des jüdischen Hauses für die Lebenskraft unserer Bewegung bestimmend. Darum tritt heute eine jüdische Frauenbewegung in ganz anderem Maße in ihre Rechte. Daß der Idealtyp der heutigen Frau in seiner Bedeutung zurücktritt, muß man als Tatsache hinnehmen. Es gibt Augenblicke, wo die Pflicht an der Gemeinschaft für die Frau die Pflichten an der Familie bestimmt. Werte werden dabei verlorengellen, aber es muß in den Kauf genommen werden, damit sie in größerer Reinheit Wiedererstehen können. Wir brauchen heute die in der Bewegung, in der Arbeit für das Land aktiv wirkende Frau, die ihre Persönlichkeit mit Selbstverständlichkeit in den Dienst der Aufgabe stellt. Wir wollen diese Entwicklung bejahen, auch wenn sie für manche von uns einen schmerzlichen Verzicht bedeutet Wir wollen verstehen, daß es keine leichte Forderung für die jüdische Frau bedeutet, selbst das Licht des Chanukkah zu zünden, aber wir haben den Willen zu dieser Pflicht und danken Gott auch dafür אשר קדשנו במצותיי וצוני להדליק נר של חנוכה. Mit dieser Chanukkahuummer beginnt der Bund zionistischer Frauen den Versuch periodischer Publikationen, um für seine Ideen zu werben. Möge der Geist des Festes unsere Arbeit bestimmen, möge als Stern über unserem Wege leuchten das Wort des Koretzer Zaddik: ״An jedem Chanukkah, zur Stunde, da man die Lichter zündet, wird das verborgene Licht offenbar, und dies ist das Licht des Königs Messias.“ Jettka Levy. Die Frau und die Volkseinheit Von Helene Hanna Thon. Für die, welche im Namen des Zionismus nach Palästina kamen, ist es notwendig, ab und zu in ihrem palästinensischen Tagewerk innezuhaltcn und sich zu fragen, ob sie eigentlich noch immer das Ziel, von dem sic ausgingen, int Auge haben, oder ob sie unbemerkt auf einen Nebenweg geraten sind, der vielleicht zu einem ganz anderen Ziele führt. Es ist notwendig, sich von Zeit zu Zeit einmal klarzumachen, was denn eigentlich das Ziel des Zionismus in Palästina ist. Mit dem Baseler Programm allein ist es hier nicht getan, besonders jetzt, nachdem dieses mehr oder weniger erfüllt ist. Unser Programm hier muß mehr auf das Ziel des Zionismus hinweisen, die verschiedenartigen in Palästina zusammengeströmten Elemente zu einer echten Volksgemeinde zu verbinden. Ist man sich über dieses Ziel des Zionismus klar, so muß man sich sagen, daß es nur erreichbar ist durch eine mögliehst enge Verständigung und Verbindung der verschiedenen Gruppen und Individuen im Volke. Wenn jede Gruppe sich absondert und nur für ihre eigenen Interessen sorgt, so muß mit Notwendigkeit das eintreten, was unsere Gegner meinten, als sie in primitiver Weise sagten: ״Ihr Juden werdet euch ja doch niemals miteinander vertragen!“ Nur bei weitgehendem Willen zur Anpassung und Duldung . und. zum Lernen voneinander kann das heute noch so־', .httprd^enff;,: MeiischengewimrneL in.Palasfina der neue Kristaliisationspunkt für das jüdische Volk werden. Bei diesem Streben: nach Verständnis und Liebe für den jüdischen Mitbürger in Palästina sollte der Frau eine bedeutsame Aufgabe zufallen. Sie, deren Leben gewöhnlich im engeren Kreise verläuft und die, bei der zarten Stimmung ihrer Seele, liebevoller die Natur des Nächsten zu erfassen vermag, sollte — fern von Partei- und Gruppengegnerschaft — den jüdischen Menschen verstehen und ihrer Umgebung die Liebe zu ihm einflößen. Statt dessen machen wir die Erfahrung, daß unter den Radikalen in Palästina, die eine chinesische Mauer um sich und ihre Parteigenossen ziehen, die Frauen die Allerradikalsten sind. Eingeschworen auf ein Parteiprogramm und innerhalb desselben womöglich noch auf ein besonderes Gruppenprogramm, lassen gerade sie es häufig an einem humanen Verständnis für die Eigenart der Anderen fehlen, und anstatt die Zusammenarbeit der Verschiedenen auf der Grundlage des gemeinsamen Willens zum Aufbau Palästinas zu erleichtern, gebrauchen sie ihr Parteiprogramm wie einen Kriegsruf nicht nur für ihre eigene Sache, sondern zugleich gegen die aller Andersgerichteten. Diesen Radikalismus finden wir besonders auf den beiden äußersten Flügeln: bei den Orthodoxen und bei dem arbeitenden Frauen. Diese wie jene erklären, daß ihre Zugehörigkeit zu einer bestimmten Welt und Parteianschauung jedes Zusammengehen mit außenstehenden Frauen unmöglich macht. Wenn es für gewaltsames Zielabsondern der Menschen überhaupt eine Entschuldigung gibt, so dürfen die orthodoxen Frauen sie noch am ehesten für sich beanspruchen. Sie können geltend machen, daß ihnen Palästina etwas ganz anderes bedeutet als den Zionisten: daß es ihnen nicht das Land ist, in dem aus dem Zusammenprall der jüdischen Kräfte ein neues Judentum herausgeschieudert werden soll, sondern daß es für sie das Land ist, in dem die vor Jahrtausenden geschaffenen Religionsformen mehr als irgendwo auf der Welt Anspruch auf Anerkennung haben. Ihnen ist Palästina weniger das Land des jüdischen Volkes, als das Land der jüdischen Religion, und wer die Formen dieser Religion vernachlässigt oder gar ablehnt, der erscheint ihnen als Feind. Von jeher haben Religionsgegensätze es versucht, Volksgemeinsamkeit zu zerstören. Unter diesem Gesichtspunkt ist es sogar bis zu einem gewissen Grade verständlich, wenn jüdisch-orthodoxe Frauen diejenigen Mitschwestern ablehnen, die durch eine moderne Auslegung der jüdischen Gesetze der Frau zu einer weniger ungünstigen rechtlichen Steilung verschaffen wollen als sie heute einnimmt. Nur sollte natürlich dieser starke Widerstand der traditionstreuen gegen die moderne Jüdin es nicht verhindern, daß sie sich mit ihr überall dort, wo das Religionsgesetz nicht berührt wird, zu gemeinsamer Arbeit für die Volksgemeinde, der sie beide angehören, verbindet und besonders unerlaubt ist die Absonderung da, wo die orthodoxe Frau sich gleichzeitig als Zionistin ausgibt und sich auf die zionistische Gesamtorganisation stützt. Schwerer verständlich ist die radikale Abschließungstenden/ wenn sie uns, wie dies in vielen Fällen geschieht, bei der jüdischen Arbeiterin begegnet. Bei ihr ist das Primäre ihre Zugehörigkeit zum Zionismus und seiner Organisation, die ihr die Möglichkeit zur Uebersiodlung und Ansiedlung im neuen Lande gegeben hat. Durch sie ist sie mit allen anderen verbunden — Arbeitern und Angehörigen andere! Berufe — die gleich ihr in Palästina leben und auf irgendeinem Gebiet etwas leisten wollen, und auch mit all denen, die im Auslande für die Verwirklichung des zionistischen Gc dankens arbeiten. Um dieser Verbundenheit willen hat sie eingewilligt, ihre Existenz in Palästina von der - zum größten Teil bürgerlichen — Zionistischen Organisation abhängig zu machen: ihre Uebersiedlung, ihre Ansiedlung, das Recht auf den I^en, darauf sie arbeitet, AusbildunpmögHch keiten, sozßie' ¥m kulturelle Einrichtungen, yöiidenen sie profitiert — alles Dinge, auf die sie dank ihrer Arbeit für das Land weitgehenden Anspruch hat, die sie sich aber allein durch ihre Arbeit, ohne Kooperation weiter bürgerlicher Kreise niemals erringen könnte. Wäre es anders, wäre die palästinensische Arbeiterin nicht in erster Linie Zionistin, die mit dem jüdischen Volk in seiner Gesamtheit Palästina zu erobern strebt, sondern wäre sie vor allem eine Angehörige der internationalen Arbeiterschaft, die sich Palästina nur als das geeignetste Gebiet erwählte, um hier den internationalen Zukunftsstaat zu erbauen (hier ist der verführerischste der Nebenwege, auf den Zionisten in Palästina geraten) — so wäre es ja nur logisch, wenn sie sich bei diesem Werk von der Arbeiter- Die Frau und die Presse*) Die Geschichte der zionistischen Frauenarbeit hat eine gewisse Aehnlichkeit mit dem Vorhof zur Hölle: sie ist nämlich rei-hlich mit imten Vorsätzen genflastert. Und dabei soll diese Frauenarbeit ja gerade das Paradies eines neuen Lebens erschließen helfen. Ganz besonders viele gute Vorsätze knüofen si״h seit lalmen an den Punkt: Frauenpresse. Ich glaube, die bloße Erinnerung dieses Wortes ist imstande, unser liebes Fräulein Frankenstein noch heute in Krämpfe der Verzweiflung zu versetzen. Ihre Aufgabe war cs nämlich immer gewesen, hei den maßgebenden Herren die Wünsche der Frauen in dieser Hinsicht zu vertreten. Bald sollte eine Frauenrunds׳'hau entstehen, bald eine Frauene״ke, eine Beilage usw. Und hatte Fräulein Frankenstein endlich etwas erreicht, irgend eine Zusage erzwungen oder ein Versprechen erhalten, dann — blieben die Beiträge der Frauen aus, denn es fand sich niemand, der was zu schreiben hatte, oder schreiben wollte. Lind die Herren waren einmal wieder im Recht mit ihrer Weigerung gewesen, um so mehr, da die Rundschau das wenige Interessante, das zuweilen do״h von Frauen aus Palästina kam, ohnedies aufnahm. Ich will mein ei״enes 1! t ׳ - ־״', ־■in an diesen Dingen ׳n׳t ZusHudcn keinesfalls leugnen. Ich erinnere mich an einen Aufruf, den vor Jahren Fr. H. Zloristi auf mein Betreiben an die Frauen verschickt hat, — ich weiß nicht mehr, ob ich ihn auch noch mit verb'ochen halle, - und der ebenso verhallte, wie die anderen Versuche Bei mir nimmt es mich aber nicht Wunder, denn wie heißt es m ״Tohuwabohu“: Rußland ist das Land der schönen Anfänge ohne Fortsetzung! Und daher stamme ich ja. Und so blieb es bis auf den heutigen Tag. Ich lange an, allmählich auch zu verstehen, wieso es nicht anders kommen konnte. Es mag sein, daß es auch an der richtigen Personlichkeit gc'c'nlt hat, aber vor allem fehlte der Boden, auf dem sich diese Pläne entwickeln und gedeihen konnten. Die Natur der Frau verlangt nach Tatsachen, nach lebendigem Leben. Sic will unmittelbar fühlen und sehen, wofür sie arbeitet Ein kleines Beispiel: der Kulturverband hat sein bestes Propagandamittei immer an seinen Spitzen gehabt. Ich habe mich oft genug gewundert. •!■חד•׳ irgend ein unsinniges *) Es ist etwas sdUam. . ui: die ״Jüd. Rundschau“ bestimmt gewesene Besprechung gerade in die Frauenbcilage hineingeraten ist. Um so mehr wäre es zu begrüßen, wenn die darin zum Ausdruck gekommene Skepsis durch eine s t ä 11 d i ׳ ״• Frauenhcilage gründlich widerlegt würde. — A. d. V kleines Deckchen, — un-innig, weil es sicher wichtigere Produktionszweige in Palästina zu entwickeln gab, als Spitzennähen, — solchen Eindruck machte. Aber da stehen wir eben vor der Psychologie der Frau. Diejenigen, die der Frauenpresse das Wort redeten, fühlten au״h durchaus, daß die Hauptarbeit an diesem Unternehmen, Palästina selbst zufallen müsse. Briefe aus Paläsfina, Berichte von Augenzeugen sollten den Grundstock bilden. Aber noch gab es in Palästina keine Stelle, die dauernd die Diaspora mit Nachri״htcn versorgen konnte. Die rasche Entwicklung des Landes seit der Balfourerklärung, die Einwanderung europäisch ges-hulter Frauen riefen erst eine Frauenorganisation auf den Plan, die Histadruth Naschim Iwrioth, die die im Lande tätigen, aber bislang zerstreuten Kräfte zu sammeln unternahm, im Verein mit der ״Hadassah“ will sie durch die Herausgabe einer Frauen- Zeitschrift nun auch eine Brücke schlagen zwischen den Frauen Palästinas und denen in der Diaspora. Das fris-h llsierende Leben das Landes bildet den Quell, der die eitschrift speist und so ist es endlich möglich geworden, daß Palästina zu uns spricht und zwar nicht in abstrakten Propagandaschrifteii, sondern im lebendigen Meinungsaustausch seiner arbeitenden Frauen. Als Frau möchte ich zu allererst auf das schöne Kleid dieser Zeitschrift ״Ha’is cha“, die mir in fünf Heften vorliegt, aufmerksam machen. Der Umschlag mit seinen großen ornamentalen Buchstaben ist eine Freude für sich. Als verantwortlicher Redakteur zeichnet H. H. Thon, die uns noch von ihren vormals in der ״Welt“ veröffentlichten Artikeln über amerikanisches Frauenleben bestens bekannt ist. Seit der Zeit hat H. H. Thon oft Gelegenheit gefunden, sich zu palästinensischen Frauenfragen in der ״Jüd. Rundschau“ zu äußern und ihr Name erweckt Hoffnungen. Man sieht auch gleich, daß‘ein ganzer Stab ernster Frauen und Männer als Mitarbeiter gewonnen ist, und ist erstaunt über die Fülle des Materials und der Probleme, die die Zeits-hrift uns bringt, und aus denen der Wille zur Selbsthilfe und das Gefühl einer starken und freudigen Verantwortung $pri״ht. Das erste Heft bringt interessante Mitteilungen über die von der Hadassah geleitete medizini־~he Frauen- und Kinderhilfe. Ein Artikel über die soziale Tätigkeit der Histadruth Naschim fwrioth, führt uns in ein Elendcviertel Jerusalems ein. Erschütterndes erzählt Fr. Dr. Cohen von den Frühehen bei den orientalischen Juden, die sie in das grelle Licht der Statistik stellt. Heft 2 beschäftigt sich mit den Fragen der gewerbliehen Ausbildung der Frauen, mit der Errichtung von Säuglingsheimen und mit Problemen der Arbeiterinnen. Beachtenswert ist ein Nachruf auf Fr. Rabbiner Esther Rubinstein in Wilna, der uns ein schönes Bild einer echt jüdischen Frau gibt, die ihr Leben ihrem Volke geweiht und in schwerer Kriegszeit Unendliches geleistet hat. Einer Frau, die das jüdische Schrifttum voll in sich aufgenommen hat und aus seiner Tiefe ihre Lebenskräfte schöpfte. Die weiteren Hefte behandeln Erziehungsfragen, Säuglingsernährung, Arbeitsfragen, die rechtlrhe Stellung der Frau im Lande. Das Problem der ״Aguna“, der von ihrem Mannt• verlassenen Frau wi׳d angeschnitten und die Revision der darauf bezugnehmenden Gesetze verlangt. Eine tieftragische Seite des jüdischen Frauenlebens, die noch ihrer Lösung harrt. Besonders interessant für uns ist der Nachrichtenteil, aus dem wir viel über Land und Bevölkerung erfahren. Ihm schließen sich die Nachrichten über Frauenarbeit im Auslande an und Bücherbesnrechungen. Aus dem belletristischen Teil, der noch in den Anfängen steht, seien die schönen Gedichte von Elischewa hervorgehoben und eine kurze Schilderung von Rahe! Feinberg aus dem neuen palästinensischen Leben: ״Die Generation des Moschiaeh“. Schon dieser flüchtige Einblick in den Inhalt der Hefte beweist uns, daß Palästina uns recht viel zu sagen und zu geben hat. Aber wie sind nun wir. die Etnnfaneenden? Wir müssen gestehen, daß nur Wenige da sind, die aus diesem Geschenk Palästinas Nutzen ziehen können, aus dem einfachen Grunde, weil den meisten die nötigen Sprachkenntnisse abgehen. Sie können die Blätter ja nicht lesen! Wohl liegt ihnen eine kurze Inhaltsangabe in deutscher Sprache bei, aber sie ist. soweit ich es feststellen konnte (mir liegt nur die von Heft 3 vor), recht dürftig gehalten. Auch der Nachrichtenteil, der für unsere Arbeit das wiriitigste ist, ist recht stiefmütterlich behandelt. Zugegeben, daß man durch Ergänzungen dem abhelfen kann Aber die Wärme und Verbundenheit, die das Lesen des Originals in einem erweckt, lassen sich nicht mit übertragen und so geht ein großer Teil der Wi'kung verloren. Man kann sich der Tatsache nicht verschließen, daß die Forderung nach der Erlernung des Hebräischen immer dringender wird. Durch die Aufgabe unserer alten Spra~he haben wir uns den Zutritt zu den Schätzen unserer Vergangenheit verschlossen. — jetzl tritt das Tragische hinzu, daß wir den Zusammenhang mit der Gegenwart verlieren und uns die Zukunft abs.'hneiden. Die zionistische Frauenarbeit wird sich mit diesem Problem ernstlich auseinanderzusetzen haben, wenn sie die sH1 ihr aus Palästina entgegenstre kenden Hände nicht zurückstoßen will Sonia Gronemann.