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Jüdische Rundschau · 1926-12-03 · Heft 95 (3.12.1926) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXI (1926)
Issue
Heft 95 (3.12.1926)
Date
1926-12-03
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 05 JUEDI5CHE RUNDSCHAU Seite 685 Industrie-Fragen Gründung der Industrieföderation. — Das Departement für städtische Kolonisation. — Ein Plan zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit. Von unserem palästinensischen Korrespondenten. AO, Tel-Awiw, den 24. November 1926. Vor kurzem hat in Tel-Awiw die erste Konferenz der palästinensischen Industriellen stattgefundcii. Die palästinensische Industrie, die zusammen mit der gesamten Volkswirtschaft unter der Krise leiden muß, hat gerade die Zeit der Stagnation gewählt, um den ersten Versuch einer Organisierung zu machen. Wenn die Betriebe, die honte den Namen einer Fabrik verdienen, auch einen ״längeren Atem“ haben, als die tausend Kleinbetriebe, des Gewerbes, die in den letzten Jahren aus dem Boden geschossen sind, um ein kurzes und kümmerliches Dasein zu fristen, so sind auch sie betroffen durch die allgemeine Spannung, die den Handel schwächt, die Kredite kürzt und die Kaufkraft senkt. Es ist nur natürlich, daß eine solche Periode der Not dem G:danken der Verbindung und gegenseitigen Stützung mächtig vorwärts hilft und Organisierung jeder Art zu fördern imstande ist. Die Konferenz in Tel-Awiw hat den Gedanken einer Föderation der Industriellen zur Wirklichkeit werden lassen. Damit ist eine Grundlage gegeben für eine weitere Entwicklung, die, richtig verstanden und gelenkt, von großer wirtschaftspolitischcr Bedeutung sein kann. Es handelt sich dabei nicht nur um die Stärkung der einzelnen Betriebe untereinander. Jede Gliederung der Faktoren der jüdischen Wirtschaft in umfassende organisatorische Gebilde erleichtert eine geregelte Arb eit. Wichtig ist aber, daß ein solcher Verband, der heute unter Teilnahme des Handels- und Industriedepartements der Exekutive ins Leben tritt, einen mächtigen Faktor nach außen, besonders gegenüber der Regierung, bildet. Er muß natürlich ׳ auch die allgemeinen nationalen Interessen im Auge behalten, ohne die keine gedeihliche Arbeit im Lande geleistet werden kann. Die Konferenz beschäftigte sich mit einer Reihe von Fragen, wie Zoll- und Schutzmaßnahmen der Regierung, mit Arbeits- und Transportfragen, mit den Problemen des Absatzes und des Kredites. Im Zusammenhang damit wurde ausführlich über die I ndustriebank gesprochen, ohne die eine Ent- Wicklung der Fabriken im Lande nicht zu denken ist. Die Föderation hat sich zum Teil bitter über das langsame Tempo beklagt, mit dem die Gründung der Bank und ihre Arbeit vorwärtsschreitet. Es wurde der Exekutive vorgeworfen, daß sic den Fragen der Entwicklung der Industrie gegenüber sich gleichgültig zeige, daß die Gelder, die vom Kongreß für diese Zwecke budgetiert worden sind, bisher nicht zur Verwendung gekommen wären, und es wurde beschlossen, von der Leitung zu verlangen, daß die £ 25 033, die für die Industriebank ausgeworfen sind, bis zum 1. Dezember der Bank übergeben werden. Es wurden auch Stimmen laut, die darauf hinwiesert, daß das langsame Vorwärtsschreiten der Arbeit auf diesem Gebiete nicht nur einem Mangel an Interesse zuzuschreiben sei, sondern daß die prekäre finanzielle Lage der Zionistischen Organisa‘ion die Arbeit an vielem hindere, was unter normalen Verhältnissen möglich wäre *fr'SlSPt’W:; IW1! Ä״f«ii §s#fcä»tj;ds»8 aktuelle Problem des Landes, die Arbeite los ig-fceitr,?» sprechen. Indem sie auch diese Frage unter dem ihr eigenen Gesichtswinkel betrachtete, lichtete sie eine scharfe Krltik gegen das gegenwärtige Svstem, das anstatt Anleihen zu geben und Arbeit zu schaffen, nichts anderes vermöge als Unterstützungen zu zahlen. Damit berührte sich die Konferenz mit anderen Beratungen, die in diesen Tagen stattfanden, und die alle der Ansicht Ausdruck gaben, daß unter den heutigen Verhältnisse weniger denn je Geld für unproduktive Ausgaben ausgegeben werden dürfe. Auch die Exekutive hat bereits einen solchen Beschluß gefaßt. Die Beschaffung von weiteren Kapitalien für die Bank, nahm einen Teil der Beratungen in Anspruch. Dabei wurden Zweifel ausgesprochen, ob es für die Bank Tätlich sei, als eines der zionistischen Finanzinstitute aufzutreten. Mehrfach wurde geäußert, daß die Bank mit eigenen Kräften auf dem privaten Kapitalmarkt allein viel ausrichten könne. Es wurde beschlossen, mit der Verbreitung der Aktien unverzüglich und mit größter Energie zu beginhen. Eine bestimmte Summe wurde auf der Konferenz selbst gezeichnet. Unser Fonds Als der Jüdische Nationalfonds beschlossen war, suchte man auch einen geeigneten, sein Wesen klar zum Ausdruck bringenden Namen für ihn. Anfangs wurde er ״Ozar Hajehudim“ genannt, dann aber änderte man diesen Namen ab in ״Keren Kajemeth Lejisrael“. Der Fonds sollte nicht ein toter Hort sein, den ein geiziger Drache bewachte, sondern ein lebendiger, beständiger Strahl, der stets aufs neue von der Liebe des jüdischen Volkes gespeist wurde, und um so mehr, je mehr er das Wachstum von Volk und Land Luft und Wärme spendend förderte. — Aber: Mit dem Wachstum allein ist es nicht getan. Die Dünen von Erez-Israel bestanden aus Flugsand,'jedem Windstoß preisgegeben; es waren Wanderdünen, unbrauchbar für jede Kultur. Erst als man aus den Mitteln des K. K. L. tiefwurzelnde Bäume darauf pflanzte, wurde der Flugsand allmählich zu festem Boden. So wird auch das Wandervolk erst dann in seinem Lande festwurzeln, wenn der Boden unter ein Recht gestellt wird, durch das die ihn bearbeitenden j Menschen mit ihm von Geschlecht zu Geschlecht immer | inniger verwachsen. Die Städte allein können noch so bevölkert sein: ohne den Hintergrund eines vor dem Bodenwucher und auch vor seinen eigenen menschlichen, allzu menschlichen Trieben geschützten Bauernstandes sind sie Flugsand. — Unsere zionistische Bodenpolitik ist heute im Kern gesund, und darum darf und soll jeder Jude ohne Bedenken nach Maßgabe seiner Kräfte beitragen, daß der ״lebende Strahl“ immer stärker und stärker wird, denn nur so kann das Tempo der jüdischen Besiedlung auf gesunder Grundlage beschleunigt werden. Alfred Klee. Es hat in manchen Kreisen Aufmerksamkeit erregt, daß einer der Beschlüsse den Ausdruck ״rein e“ Industriebank gebraucht. In der Presse ist sofort die Frage laut geworden, ob diese Bezeichnung die Ausschließung der städtischen Kooperativen, die im Wirtschaftsleben Palästinas heute eine große Rolle spielen, bedeute. Diese Frage erscheint berechtigt, wenn man eine zweite Resolution berücksichtigt, die in der Leitung der Bank die Mehrheit für die Industriellen in Anspruch nimmt. Aber diese Differenzen, wenn solche vorhanden sind, müssen und können durch eine Scheidung in den Budgetposten und in den Departements ausgeglichen werden. » Die Konferenz und die Gründung der Föderation ist als Auftakt anzusehen. Bei guter Leitung und Energie kann aus der Föderation der palästinensischen Industrie eine Förderung der Arbeit auf diesem Gebiete ausgehen, das heute noch in den ersten Anfängen der Erforschung und Ausnutzung steht. ♦ Zweite erst Jetzt längsäm ahgebanlt Das ‘ ,;öepärfeteetit für städtische Kolonisation“, dessen Schaffung vor kurzem vom Aktions-Comitö beschlossen wurde, beginnt jetzt unter Dizengoff seine Tätigkeit Die ersten Schritte des Departements, das in Tel-Awiw stationiert ist, waren die Einberufung eines Rates beim Departement, der sich aus Industriellen, Vertretern der Banken und Sachverständigen zusammensetzt Dieser Rat soll sich mit den laufenden Fragen de!* städtisehen Kolonisation beschäftigen und Kommissionen für einzelne Zweige abspalten. Damit ist ein richtiger Weg eingeschlagen. Die Kolonisationsarbeit im Lande hat ständig darunter gelitten, daß man fast jede Kleinigkeit neu ausprobieren mußte, daß keine gründlichen Untersuchungen vorhanden waren, auf denen man sicher weiterbauen konnte. In der Landwirtschaft hat sich heute bereits ein gewisses System herausgebildet. In allem aber, was man als ״städtisehe Kolonisation“ bezeichnet, fühlt man sich in Palästina zum guten Teil wie auf unbekanntem Boden und es ist von großer Wichtigkeit, daß hier der Versuch gemacht wird, Material zu schaffen, das als Handhabe dienen kann für eine Organisierung und planvolle Regelung der städtischen Ein- Wanderung. * In den letzten Tagen konnte man die verschiedensten Anschauungen über die Lage im Lande hören. An einigen Stellen wagte sich in der Presse die Ansicht hervor, daß sich die Wolken am Horizont aufzuklären beginnen und daß in absehbarer Zeit auf eine Abwicklung der Krise zu hoffen sei. Eine Versammlung alter Zionisten, die sich im Lande zusammenfanden, gab sogar den Gefühlen Ausdruck, daß sie sich vor zwanzig Jahren nicht hätten träumen lassen, daß Palästina so rasch sich entwickeln würde, wie es heute der Fall ist. Und in der Beratung (Moazali) der allgemeinen Arbeiterorganisation kam auf der anderen Seite die lieberzeugung zum Durchbruch, daß cs so nicht weitergehen könne, daß keine Minute mehr zu verlieren, die Bürde zu schwer sei und daß es heute kein anderes Gebot und keine andere Richtlinie geben könnte als die: Bekämpfung der Arb e i t s 1 o s i g k e i t mit allen Mitteln und um jeden Preis. Alle diese Anschauungen in ihrer Gegensätzlichkeit sind berechtigt und verständlich. Man gewöhnt sich in manchen Kreisen an den schweren Druck, man wird vielleicht sogar gleichgültig, soweit man nicht jeden Tag mit eigenen Augen sieht, wie schwer die Verhältnisse sich gestaltet haben und man hat dieses undefinierbare echt palästinensische Gefühl, daß es so nicht bleiben könne und wieder besser werden müsse. Aber auch derjenige, der sich nicht an solche Gefühlsmomente hält und der die angespannte und beinahe überspannte Arbeit der Exekutive sieht, hat ein gewisses Recht anzunehmen, daß die Monate der Bedrängnis nur noch gezählte seien. Daher diese ersten Anzeichen einer Hoffnung. Wer aber jeden Tag von neuem die atemlose Hast nach einem Arbeitstage aufnehmen muß, wird sich von all diesen Gefühlen und Hoffnungen nicht beruhigen lasse und schließlich zu der einet! Forderung kommen: Arbeit um jeden Preis. Die Leitung der Allgemeinen Arbeiterorganisation hat in den letzten Tagen der zionistischen Exekutive einen Plan vorgelegt, der nicht mehr und nicht weniger zum Ziele hat als die vollkommene Niederkämpfung der bestehenden Arbeitslosigkeit. Der Plan, der genau in seinen Einzelheiten ausgearbeitet ist, beschreitet denselben Weg wie ihn die Exekutive, mit ihrem am meisten betroffenen Arbeitsdepartement an der Spitze, seit langem verfolgt. Er ist nichts anderes als eine Zusammenfassung aller zurzeit bestehenden Möglichkeiten. Entstanden aus dem Bewußtsein, daß jetzt alle nur denkbaren Schritte getan werden müssen, um die Situation radikal zu ändern, hat er sich nicht mit dem einen oder anderen Vorschlag begnügt, sondern versucht, den Weg zu zeigen, um auf einmal den entscheidenden Schlag zu führen. Die Exekutive ist damit beschäftigt, die Vorschläge zu prüfen und ist bemüht, die nötigen Schritte zu tun, um die Mittel zur Ausführung zu beschaffen. Der Plan umfaßt Arbeitsmöglichkeiten für 6—7000 Arbeiter (soviel beträgt zurzeit die Zahl der Nichtbeschäftigten im Lande) im Laufe von 6—10 Monaten. Bei der Wahl der Arbeiten ist der Gesichtspunkt entscheidend gewesen, keine unnötigen Reservearbeiten durchzuführen, die die nationale Wirtschaft nur belasten, sondern Werke in Abgriff .$j.ן$|8*ז|מ , JahreinAtJsstcht sfefieri, |«l' Kolonisationstätigkeit in den kommenden Perioden. Danach teilt sich die Arbeit in folgende Gebiete: Bewässerungsanlagen und Gebäude in den bestehenden landwirtschaftlichen Betrieben; Fortführung der Arbeiten in der Haifaer Bucht; Ver- Stärkung der Lohnarbeiterschaft in den Pflanzungskolonien; Trocknung und Bewässerung der Keren Kajemeth-Böden im Emek, die für Kolonisation erworben sind; öffentliche Arbeiten in Tel-Awiw, Haifa und Jerusalem. Dazu kommen Anleihen für Bauzwecke, für Anlage von Pflanzungen, für Bewässerung*- arbeiten in Judäa usw. Den Plan der Arbeiten aufzustellen ist ziemlich einfach und erfordert nichts als eine Kenntnis der Lage und der Riehtlinien für die kommenden Arbeiten. Sehr viel schwieriger ist es, die Quellen für die Mittel zu finden, mit denen diese Arbeiten ausgeführt werden sollen. Hierbei sind zweierlei Wege beschriften worden. Einmal der, den nationalen Institutionen, dem Keren Hajessod und Keren Kajemeth die erforderlichen Gelder zu. beschaffen und andererseits, andere Institute zur Arbeit zu bewegen. Es handelt sich dabei in nach dem reichlichen Freitag-Abendmahl geruhsam in ihren Betten schlief, wurde der Hausherr geweckt Vor ihm stand Reb Itzikei und neben diesem waren, in ein großes Leintuch gebunden, alle wertvollen Einrichtungsgegenstände von Braxmevers Wohnung aufgestapelt ״Reb Cliaitn“, sagte Reb Itzikei zu Braxmeyer, ״ich habe Sie geweckt, damit Sie sich in Ihrer Wohnung Umsehen, und damit Gott behüte nichts wegkommt . . Seit jener Zeit zahlte Braxmeyer an Reb Itzikei bis an dessen Lebensende regelmäßig den ausbedungenen Wochenlohn. Wenn in der Stadt ein Diebstahl verübt wurde, so lief man etwa nicht zur Polizei — das wäre sinn- und aussichtslos gewesen. Man begab sich zu Reb Itzikei, legte ihm den Fall dar, versprach eine cntsorcchende Belohnung und innerhalb von 24 Stunden war das gestohlene Gut wieder zur Stelle. Einmal, so erzählte man, wobei ich nicht sicher bin, daß sieb die Sache wirklich zugetragen hat, wurde beim Czortkower Rabbi eingebrochen und bei dieser Gelegenheit viel Gold- und Silberzeug gestohlen. Daraufhin wurde Reb Itzikei zitiert. Und damals soll der ״Czortkower“, Reb Itzikei, zum ״Czortkower“, dem Wunderrabbi, gesagt haben: ״Rebbe, wenn einer von meinen Chassidim diese Sache gestohlen hat, so werden Sie sie in kürzester Zeit zurückbekommen. *Hat sie jedoch einer von Ihren Chassidim genommen, so werden Sie niemals etwas von ihren Sachen Wiedersehen.“ Besonders hoch und prächtig ging es bei Reb Itzikei her, wenn er Berufsfreunde aus der Ferne bewirtete. Vor vielen Jahren war ein Ganew aus der Umgebung nach Amerika ausgewandert und dann mit Brillantringen an den Fingern, mit goldenen Zähnen im Munde und mit einer schönen Frau zu Besuch in die Heimat gekommen. Was er in Amerika getrieben, ob er auch dort gestohlen oder ob er in Rio de Janeiro und in Buenos Aires einem anderen Berufe nachgegangen war, wußte niemand zu sagen. Immerhin brachte er viel Geld und tagelang dauerten die Festlichkeiten zu Ehren des Gastes. Aus der ganzen Gegend strömten nähere und weitere Freunde und Bekannte herbei und man erzählte Wunder von dem Festmahl sowie von den leckeren Speisen und den teuren Getränken, die auf Reb Itzikels Tafel serviert wurden. ln Wirklichkeit standen aber •Reb Itzikei und seinesgleichen außerhalb der Gemeinschaft. Sie waren ehrlos; man sprach mit ihnen, man betrachtete sie als Juden, aber tatsächlich waren sie aus der Gesellschaft ausgeschlossen. Das kam kraß zum Ausdruck, als die Frau Reb Itzikels nach dessen Tode den Wunsch äußerte, zum Gedächtnis ihres Mannes ein Sefer-Thora beim Sofer schreiben zu lassen und dieses Sefer dem Beth Hamidrasch zu schenken. Der Rabbiner und die Dajanim erklärten damals, daß man von Fradel, Reb Itzikels Gattin, eine Thorarolle nicht annehmen dürfe. Wenn jedoch Fradel den ernsten Willen habe, Buße zu tun und eine Thorarolle schreiben zu lassen, dann möge sie sich als Magd verdingen und ihren Dienstbotenlohn zu diesem Zwecke verwenden. Tatsächlich wurde Fradel Kradiner eine ״Sarwerin“ (Aufwartefrau) und legte jahrelang soviel, Geld zusammen, bis es zur Bezahlung des Thora- Schreibers reichte. Darin kam die Sehnsucht Fradels zum Ausdruck, in die jüdische Gemeinschaft vollgültig rezipiert zu werden. Und mir scheint, daß auch Reb itzikels geheimer Schmerz darin bestand, daß er aus der Knesseth Israel ausgeschlossen blieb. In Berlin hat sich eine ״Gesellschaft der Freunde der ״H a b i m a h“ gebildet, deren Zweck es ist, die Zukunft des hebräischen Theaters״ ־Habimah“ sicherzustellen. Dem vorbereitenden Gründungskomitee gehören die folgenden Herren an: Direktor J. Alt sc hui, Rabbiner Dr. Emil Cohn, Sammy Gronemann, Frau B. Grüngard, Herr F. Grüngard, Dr. S. Hildesheimer, Ing. E. Kutzenok, Dr. Meyer Pines und Leo Winz. Emil-Cohn-Premiere. Das neue Werk von Emil Bernhard (Rabbiner Dr. Emil Cohn, Berlin), ״Das reißende Lamm“, wurde zur gemeinsamen Uraufführung für den 11. Dezember von den Vereinigten Theatern in Breslau und den Stadttheateru in Magdeburg, Bonn und Halle erworben. Samuel Meiseis: JudenkSpfe Nachdem man das Vorwort gelesen hat, in dem der Verfasser ankündigt, daß er in zirka 60 Bildnissen und drei Bänden die Absicht hat, ״Philosophen und Künstler, Dichter, Schriftsteller und Staatsmänner in ihrer Bedeutung zu veranschaulichen“, da ist man zunächst ziemlich unlustig und stellt fest, daß zumindestens mit dem hier vorliegenden ersten Band der Verfasser nicht allzu viel Glück haben, wird. Bis auf Josef Israels sind es alles Gestalten, die uns aus der feurigen Beredsamkeit von Sakheims Standard work: ,,Das Judentum in der Weltliteratur“ noch unverwischbar im Gedächtnis blieben. Wohin der Weg geht, hat Sakheims Buch gezeigt. Ueberschau von einem Weltbild her, und es hat eine Lücke ausgefüllt. Das Werk von Meiseis ist dagegen eine bunte Reihe. Wenn man sich aber nach Feststellung dieser Tatsache an das hält, was da Ist, findet man doch, daß hinter den kurzen Monographien mehr steckt als bloße volkstümliche Belehrung. Abgesehen davon, daß bei einigen der Köpfe das Profil blitzlichtscharf aufleuchtet, ״Börne“, ״Mauthner“, manchmal auch bei ״Georg Brandes“, bemerkt man auch hier und da den Willen zu einem großen Umriß. Dieser große Umriß oder genauer gesagt dies große Fragment heißt: der Anteil des Judentums an den geistigen Bewegungen der Zeiten. Und von diesem Standpunkt betrachtet, hat dieser erste Band eine gewisse Einheitlichkeit, die gut wäre, wenn nicht für alle drei Bände das gleiche Programm gelten würde: denn die Helden, die Meiseis schildert, ״haben auf den Gebieten der Wissenschaft, der Kunst des sozialen Lebens oder der Politik Großes geleistet oder Neues geschaffen“. Aus diesem Programm ergibt sich daher, daß Spinoza und der Baal Sehern, Mendelsohn und Lassalle, Achad Haam und Nordau oder Micha Josef Bin-Gorion, weil sie an der Zeitenwende den Weg wiesen oder selbst ein neues Zeitalter begannen wie Spinoza, in der Darstellung ihres Lebens und des Lebens der Zeit Meiseis Gelegenheit gaben zur Selbstdarstellung der Ströme und Unterströme ihrer Epoche. Von diesem großen Versuch sieht man also ein paar abgebrochene Stücke, Vorarbeit, wie z. B. in der ausgezeichneten Einleitung zu ״Spinoza“. Die Darstellung des Uebergangsmenschen. des Menschen zwischen zwei Epochen, ist anscheinend sein eigentlichstes Gebiet Ruth Marold.

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