Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXI (1926)
- Issue
- Heft 93 (26.11.1926)
- Date
- 1926-11-26
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 93 JUEDISCHE RUNDSCHAU Beite 667 Wedgwoods Rede in Tel-Awiw Am 10. November veranstaltete die Stadt Tel-Awiw ein Abschiedsbankett für Colonel Josiah Wedgwood und brau, die auf einer längeren Reise durch das Land alle wichtigen Siedlungen in der Ebene Jesreel besucht hatten. Der Bürgermeister, welcher den Vorsitz führte, überbrachte die Gruße der Stadtgeineinde an einen der besten Freunde der Arbeiter und der zionistischen Bewegung. Herr Ussischkin überreichte namens .des Jüdischen Nationalfonds das Diplom über die Eintragung von Colonel und Mrs. Wedgwood in das Oold e 11 e Buch. Er sprach davon, daß der Nationalfonds den Grundsatz des Gemeineigentums an Boden der Bibel entnommen habe, mit deren Lehren auch das britische Volk aufgezogen sei. Col. Wedgwood hat in seiner Jerusalemer Rede gesagt, der Nationalfonds sei der Schlüssel zu e i 11 e m j ii d i s c h c n Palästina; aber der Schlüssel würde die Pforte nur dann öffnen, wenn er in das richtige Schloß gesteckt würde. Dieses Schloß bilden die Gesetze des Landes, und wenn sie gestatten, daß das den Siedlern gegebene Land zum Gegenstand der Spekulation wird, weil es ihren Bedarf überschreitet, so sind sie rückständig. Der beste Schlüssel Ist unter solchen Verhältnissen wertlos. Col. Kisch überreichte darauf Mrs. Wedgwood eine Megillath Ruth, das Buch Rutil. Er sagte, daß der berühmte Satz ״Dein Volk sei inein Volk und dein Gott sei mein Gott“ in übertragenem Sinne auf die Gefühle von Col. und Mrs. Wedgwood für die Sache des jüdischen Volkes angewendet werden könnten, deren Ideal Gerechtigkeit und Rechtschaffenheit sei. Mrs. Wedgwood bedauerte in ihrer Antwortrede, daß sie nicht in der Sprache der Versammlung reden könne. ״Ich kenne nur ein hebräisches Wort, aber es drückt vollauf das aus, was ich jetzt empfinde: Todall. (Dank!) Sie haben uns jene Gastfreundschaft erwiesen, für welche die Juden bekannt sind; und ich freue mich mit Ihnen, daß Sie Ihre eigenen Städte besitzen, in welchen Sie die Gastgeber sein können. Ich brauche ihnen nicht Erfolg zu wünschen, denn ich weiß, Sie werden Erfolg haben. Alte, welche an die Propheten glauben, wissen, daß die Versprechungen, weiche die Juden erhalten haben, sich bestimmt erfüllen werden — es ist nur eine Frage der Zeit. Ich habe selbst gesehen, daß eine Prophezeiung sich schon erfüllt hat — ein jeder sitzt unter seinem eigenen Feigenbaum und Weinstock und hat keinen zu fürchten. Ich habe Sümpfe gesehen, die in fruchtbaren Boden verwandelt worden sind. Bevor ich nach Palästina kam, dachte ich, ich würde Sie vor England warnen müssen, das heißt, Sie warnen vor anderer Hilfe, denn diese bedeutet eine Gefahr, an Selbstvertrauen einzubüßen. Aber diese Warnung ist überflüssig, denn ich sehe, daß die Eng- 1 ander es ihnen überlassen, den Kampf gegen die Widerstände allein auszufechten. Ich vertraue darauf, daß ich es noch erleben werde, nicht nur e i n Tel-Awiw, sondern eine ganze Reihe blühender westlicher Städte zu sehen. Gleichzeitig freue ich mich, von Ihrem Vorsitzenden zu hören, daß Sie nicht die Absicht haben, Ihre Ideale zu verwesiliclien. 111 Jerusalem sah ich, wie Milch an alle notleidenden Mütter verteilt wurde, an jüdische wie an arabische. Das ist typisch für das jüdische Volk — sie sind Gebende und nicht Nehmende. Ich bin stolz darauf, durch meinen Mann mit dieser Bewegung verbunden zu sein und in diesem wundervollen Zeitabschnitt zu leben.“ Wedgwood über Englands Politik Darauf sprach Col. Wedgwood. Er sagte; ״Ich danke ihnen für den wundervollen Empfang, den Sie mir '»fcsÄ־bahen»ifl«־! die Eh«:: dpr linlragiMig־ in;riateätÄldeäie Buch und für das schöne Geschenk, das nicht passend# gewählt werden konnte. Der wahre Grand für meine Zuneigung für Ihre Sache ist der, daß wir beide denselben Gott haben, den Gott des Rechtes und der Gerechtigkeit, und nur aus diesem Grunde habe ich getan, was ich konnte, um für Israel etwas von dieser Gerechtigkeit wiederherzusteilen. Ich spreche jetzt zu Ihnen unter dem zaubervollen Eindruck des Emek. Ich fühle, daß ich dort das gesehen habe, was ich ersehnte, nicht nur für die Juden, sondern für alle Menschen. Sie haben die Ausbeutung des Landarbeiters abgeschafft — das ist cs, wonach teil in meinem geliebten Vaterlande getrachtet habe. Ich bin nicht hierher gekommen, um zu predigen, sondern um zu lernen, damit ich imstande bin, meinem eigenen Volke zu helfen. Was mir hier den tiefsten Eindruck macht, ist die Atmosphäre, diese einzigartige Einstellung, die liier herrscht, die eine unbegrenzte Selbstaufopferung mit sich bringt und jenen Egoismus, den wir anderswo finden, unmöglich macht. Vielleicht kommt das daher, daß es hier weder großen Reichtum noch große Armut gibt. Vielleicht kommt es daher, daß Sie erst fünf Jahre alt sind, vielleicht ist es die Liebe zum Lande, die diese Selbstsucht auslöscht. Ich habe viel mehr gesehen, als ich erwartet hatte, ich wünschte, daß der Geist der Zusammenarbeit, der Ain Cliarod und Solei Boneh geschaffen hat, auch unter meinem eigenen Volke herrschend wäre. Ich hoffte, daß mit der Verkündung der Baifour-Dekiaration unsere Arbeit getan sei und daß sie nicht nur ein Heim für die Juden, sondern auch ein glänzendes Verdienst des Britischen Reiches hedeuten werde; daß Juden und Engländer sich so eng aneinanderschließen würden, wie Engländer und Schotten, und daß ein freies jüdisches Dominion im Bereiche des Britischen Reiches entstehen würde. Ich dachte, daß wir den Juden das *gewähren würden, was wir in Canada und Südafrika getan haben und vielleicht ln Indien tun werden. Aber ich bin enttäuscht. Ich habe nicht diese Zusammenarbeit an den Idealen und an der praktischen Entwicklung zwischen der Regierung und den Juden gesehen. Es mag nun der Fehler der Juden sein oder der Fenier der Engländer — das eine weiß ich: Wenn der englische Partner des Bündnisses den vollen Nutzen ernten will, muß er nach einer besseren Zusammenarbeit streben. Willige Hilfe muß geleistet werden, ich glaube, ich verstehe die Lage der englischen Vcrwaltung. Wir verwalten so viele östliche Länder, weiche gerade infolge der Tatsache, daß es sich um östliche und ungebildete Völker handelt, viel leichter zu regieren sind. Diese Völker können wie Kinder behandelt und sogar wie Kinder geliebt werden. Es ist viel schwerer, ein Volk zu regieren, welches sich selbst zu regieren beabsichtigt; schwerer für die Regierung und schwerer für das Volk. Aber die Engländer haben auch diesem Problem gegenübergestanden und es in Canada und Südafrika, vielleicht selbst in Irland, erfolgreich gelöst. Col. Amery und ich hatten unter der Leitung von Lord M i 1 n e r Südafrika zu verwalten, das sich in der gleichen Lage befand wie Palästina. Wir wußten, daß es unsere Aufgabe war, Kapital heranzuzielien, das Land in die Höhe zu bringen und es nach modernen Richtlinien zu entwickeln, und wir machten es so gut, daß wir beide, Col. Amery und ich, das Land bald darauf verlassen konnten. Ich verwaltete ein Land in der Größe Palästinas, und die britische Regierung hatte nur zu bestimmen, daß eine Reform des Steuersystems durchgeführt, Eisenbahnen und Stationen gebaut werden sollten, damit diese Dinge auch geschahen. Eröffnung der Palästina - Kampagne in Amerika Boston, 23. November. (J.T. A.) Am 21. um! 22׳. November tagte in Boston die Konferenz für United Palestine Appeal zwecks Aufbringung von 7'י Millionen Dollar für das Aufbauwerk in Palästina. Der! Vorsitz führte Herr Nathan S t r ה u ß. Es waren mehrere hundert Delegierte aus allen Teilen der Voreinigten Staaten erschienen. Mit großer Aufmerksamkeit wurde die Rede Dr. W e i z in a n n s angehört, der erklärte, die erweiterte J c w i s h Agency werde noch vor A 11b r u c 11 des Winters zustande komme n. Die Konferenz nahm einstimmig eine Resolution an, in der betont wird, daß alle Gruppen und Klassen des Judentums sich vereinigen müssen, um das jüdische Nationalheim in Palästina auf zubauen. Dies sei das dringendste Erfordernis der Stunde. Herr Felix M. Warburg spendete SO000 Dollar für den Keren Hajessod. — Demnächst wird eine unparteiische Konferenz stattfinden, in der über die Schaffung der Jewish Agency beschlössen werden wird. * Wir haben bereits über die Erklärungen berichtet, die Dr. Weizmann nach seiner Ankunft in Amerika der Presse gemacht hat. Auch die Begleiter Dr. Weizmamis, Dr. Ha!־ pern und Dr. Arlosoroff, haben Aeußerungcn abgegeben, worüber die zuletzt eingetroffenen amerikanischen Zeitungen berichten. Dr. Ha Ipern erklärte, der Zweck seiner Reise stehe iin Zusammenhang mit der künftigen Entwicklung der zionistisehen finanziellen Institutionen. Er wolle auch die Mittel untersuchen, wie eine engere Zusammenarbeit des amerikanischen Judentums bei der Bildung der für Palästina erforderlichen neuen ökonomischen Institutionen zu bewerkstelligen wäre. ״Der Jewish Colonial Trust und die Anglo Palestine Company haben erfreuliche Bankverbindungen in New York, die ich noch verstärken will. Dank der Bemühungen unserer Freunde besteht in Amerika auch ein lebhaftes Interesse für die Hypothekenbank und ich hoffe, dazu beitragen zu können, dieses Interesse zu vertiefen. Gegenwärtig sind wir damit beschäftigt, spezielle Institutionen für landivirts c h a f 11 i c h e n und 111 d 11 s 11 i e 1 i e n Kredit für Palästina zu schaffen, und ich bin überzeugt, daß alle Palästinafreunde in Amerika Verständnis dafür zeigen werden. Die Kreditfrage ist heute mehr als je das zentrale Problem der palästinensischen Wirtschaft. Es wäre ein Irrtum, die gegenwärtige ökonomische Lage auf Grund der Schwierigkeiten der Städte und besonders Tel- Awiws zu beurteilen. Die Landwirtschaft, welche die Grundläge der palästinensischen Wirtschaft bildet, hat ein befriedigendes Jahr hinter sich und die Aussichten der Orangenpflanzer für die kommende Saison sind ausgezeichnet. Die großen Industrien, wie die Zement- und Oclfabrik in Haifa schreiten normal vorwärts und gewinnen einen Exportmarkt. Oie bereits bestehenden Kraftstationen der Llektrizitäts-Gesellschaft sind in vollem Betrieb und jetzt, da die Finanzierimg der Gesellschaft beendet ist, wird sic die Arbeit am Jordan aufneiunen. Die Palästina-Regierung hat bereits die Mittel für den Rau des Hafens in Haifa bestimmt und so wird Pa!ä..־ina mit dem Weltmarkt in Verbindung gebracht werden. Palästina wird auch eine Station der neuen Luftlinie nach Indien sein. Die künftige Bedeutung Palästinas wird immer mehr von Nichtjuden erkannt und Sache der Juden ist es, dafür zu sorgen, daß dieses Palästina ein j ii d i s c 11 e s Palästina ist.“ Dr. Arlosoroff erklärte: ״Mein Besuch in Amerika zur Teilnahme an der Winterkampagne ist nicht nur eine persönliche Antwort auf die Einladung der amerikanischen Zionisten und nicht nur ein Tribut an die Führerschaft Dr. Wcizmanns, sondern sie zeigt die allgemeine H a 11 u 11 g d e r palästinensischen Arbeiterschaftgegenüber der .Erfüllung fundamentaler zionistischer Pflichten. Die paiästinensischc Arbeiterschaft wollte niemals nur Vertreterin von Gruppen- oder Klasseninteressen sein, sie hat sich immer als nationaler Faktor gefühlt. Die allgemeine Arbeiter- Organisation ist keine einfache Gewerkschaft im europäischen Sinn, sondern konzentriert ihre Energie auf kolonisatorische und konstruktive Arbeit. Wenn in den letzten Jahren unsere Parteien die Notwendigkeit der Schaffung einer großen Bodenreserve betonten, wenn sie ihr politisches Gewicht zugunsten landwirtschaftlicher Kolonisation in die Wagschale legten, wenn sie die Auswüchse der Spekulation und die übermäßige Ansammlung von Immigranten in den Städten bekämpften, so war dies alles nicht eingegeben von Klasseninteressen, sondern Bestandteil einer großen nationalen Politik. Aus diesem Geiste heraus entstanden die großen Veranhvortungen, die die Arbeiterschaft auf sich genommen hatte. Der Gedanke der ,Eroberung der Arbeit‘ hat sich durchgesetzt und heute führen Juden den Pflug, bedienen die Maschinen in den Fabriken, und die Lokomotiven der Eisenbahn. In den Kolonien arbeiten heute 4000 jüdische Arbeiter. In den landwirtschaftlichen Siedlungen der Zionistischen Organisation wurden alle die Erfahrungen angesammelt, die wir in bezug auf Kolonisation besitzen. Selbst heute in der schwierigen Zeit, wo wir das Problem der Arbeitsiosigkeit und Auswanderung vor uns haben, suchen wir einen konstruktiven Ausweg aus den Schwierigkeiten. Auf der Konferenz des Hapoel-Hazair in Petach Tikwah wurde ein Plan zur Vorlage an das Kolonisations-Departement der zionistischen Exekutive angenommen, der auf sofortige Neuansiedlung von 1000 Arbeitern abzieit. Weitere 1000 könnten in den alten Kolonien noch untergebracht werden. Die Bediirfnisse der neuangelegten Siedlungen würden eine große Zahl Handwerker beschäftigen. Wenn die vom Aktions- Comite budgetierten Gelder in diesem Winter aufgebracht werden, könnte dieses Projekt durchgeführt werden.“ Redner betonte schließlich, daß die Palästinenser niemals das amerikanische Judentum bloß als Geldgeber betrachtet haben, vielmehr sei es ein neues aufblühendes nationales Zentrum mit großen nationalen Aufgaben. Innerhalb von zwei Jahren nach dem südafrikanischen Krieg stellten wir die Munizipalitäten auf eine gesunde Grund- Jage,,, und »i!־. ,d!1e. Eopn der Besteuerung an, ׳dWv-!׳wT# tc*T 'lud», JA ,.Tel-Awiw em sehe ist: die StietfeJ auf unbebaute nicht ein, warum diese Dinge nicht Grundstücke. Ich auch in Palästina Ort das das Reder durchgeführt werden können. Aber dies ist nicht der für solche Bemerkungen. Der richtige Platz dafür ist Parlament, und ich werde dort verlangen, daß Gedeihen des Landes genau so Ziel und Aufgabe der gierung sein muß wie die unbedingte Aufrechterhaltung Rechte der arabischen Bevölkerung. Keiner kann mir vorwerfen, ich sei kein Verteidiger der Rechte der Einheimisehen. Ich habe im Parlament mehr als ein anderer mich für ihre Respektierung eingesetzt. Aber ich habe manchmal das Gefühl, daß diejenigen, weiche dieses Argument anwenden, cs als Ausrede tun und nicht aus Idealismus. Den Rechten der Fellachen braucht kein Abbruch zu geschehen. Sic können im Lande arbeiten, und es ist noch genug Land da, um auch den Juden ihr Stückchen Erde gönnen zu können. Ich besuchte Haifa, und ich sagte dort, daß eine Zusammenarbeit zwischen Juden und Arabern nötig sei, nicht nur in der Geschäftswelt, sondern auch unter den Arbeitern, um den Bau des Hafens zu ermöglichen, und damit die Röhrenleitung von Mosul dort und nicht in Alexandrette münde. In Tel-Awiw existiert dieses Problem der Zusammenarbeit nicht. Es ist eine jüdische Stadt. Doch hier müssen die Kapitaiiste.11, oder, wie ich sie lieber nennen würde, die Bourgeoisie, mit den Arbeitern Zusammenwirken. Im Interesse der Entwicklung der Stadt müssen sie das tun. Sie haben im Norden aeii Jarkon, an den Ihre Grenzen jetzt heranrücken, so daß Sie die Möglichkeit haben werden, dort einen Hafen zu bauen, der eines Tages von zahlreichen Werften eingefaßt sein kann. Sie müssen sich das Recht sichern, dort einen Hafendamm zu haben, so daß Sie in Ihrer eigenen Stadt die Waren ausschiffen können, ohne anderen Zoll zahlen zu müsse». Zu diesem Endzweck müssen Kapital und Arbeit sich vereinigen. Es ist widersinnig, zu behaupten, daß die Entwicklung von Tel-Awiw eine Schädigung für Jaffa bedeuten würde. Wenn es die Größe voii Liverpool erreicht, so wird zwischen Jaffa und Tel-Awiw keine Scheidung bestehen. Sie müssen eine direkte Eisenbahnverbindung nach Jerusalem Haifa und Kantara haben. Sie brauchen anständige Straßen. Ich fuhr heute über die s c h 1 e c 11 - teste Straße der Welt — die von Petach-Tikwali nach Tel-Awiw. Für diese und andere Ziele müssen Sie Zusammenarbeiten. Montag, den 29. November, abends 81/.! Uhr im Gartensaal des Logenhauses, Kleiststraße 10, Vortrag der Witwe von David Frischmann über; David Frisdunamis leben und Schaffen. Im Anschluß Rezitationen (hebr. u. deutsch) von Mirjam Schnabel-Höflich, Wien Eröffnungsrede: Dr. Jakob Klatzkin * Karten zum Preise von Mk. 1.— u. 2.—, für Mitglieder der Jugendorganisationen 30 Pf•!, erhältlich im Büro der B.Z.V., Meinekestr. 10. Es wurde mir vorgeworfen, daß ich in Jerusalem gesagt habe, anderswo seien die Juden Knechte und hier seien sie Gentlemen. Ich gl^gbe picht, daß ich unrecht hatte;, denn seMt., ,die, ,Inden,. welche*! ana#rwfete,* *pMfe ״bür®#*fe, und ÄlaJe׳ Gleichberechtigung*«rlingj Mal»»!, werden. m׳ feer Unternehmung Vorteil haben. Auch diesen anderen wird die nationale Selbstachtung zugute kommen. Wir müssen auch daran denken, daß die Cliaiuzitn niemals Nahalal zu einem Erfolg gemacht hätten und selbst Rischon-le-Zion und Petach-Tikwah nicht hätten existieren können, wenn die Juden außerhalb des Landes nicht wären. Sie geben Geld und erhalten es in Form erhöhter Selbstachtung zurück. Erwecken Sie nicht den Eindruck in ihnen, daß hei Ihnen schon alles in Ordnung ist. Es gibt hier Arbeitslosigkeit, und sie müssen ihre Anstrengungen fortsetzen. Ich sehe nicht ein, warum der Keren Hajessod für Erziehung, für Sanitätsdienst, für die wunderbare Versuchsstation, die ich heute gesehen habe, zahlen muß. All dies müßte von der Regierung gezahlt werden und der Keren Hajessod müßte für aie Kolonisation bleiben und der Keren Kajemeth für seine noch wichtigere Arbeit, die Erwerbung des Bodens. Wir alle haben unsere Aufgabe: Sie, die Arbeit durchzuführen■, die Juden außerhalb des Lairies, das Geld aufzubringen; und ich, meinem Lande zu erklären, was Her vor! sich geht. Ich werde sagen, daß die Juden in Amerika und anderswo auch weiterhin die Mittel aufbringen müssen für die wunderbaren Leistungen, die ich hier gesehen habe. Sie haben Ihre Pflicht getan und das Volk als Ganzes ist verpflichtet, Sie zu fördern. Wir Engländer wünschen Ihnen Erfolg. Wir beglückwünschen Sie von ganzem Herzen. Die Juden des Ostens, aus Kiew, Ungarn, sie alle sind nicht nur besser dran, sondern auch stolzer durch Ihr Verdienst. Wir und sic rufen Ihnen zu: Gehen Sie auch in Zukunft vorwärts, wie Sie es in der Vergangenheit getan haben.“ (Stürmischer Beifall.) Die Wahlen in Tel-Awiw verschoben (Von unserem Korrespondenten.) Die Verhandlungen des Waad Leurni mit der Hausbesitzer- Partei in Tel-Awiw, die, wie wir berichtet haben, an den Stadtratswahlen nicht teilnehmen will, haben bisher keine Resultate gebracht. Vom Standpunkt einer stabilen Leitung der Stadt, die sich auf das Vertrauen aller Kreise der Einwohner stützen muß, ist das sehr betrüblich. Der Waad Leurni hat sich entschlossen, noch einen letzten Versuch zu machen, um die Separatisten zur Beteiligung an den Wahlen zu bewegen. Es wurde deshalb auf Antrag des Waad Leurni beschlossen, die Wahlen um zwei Wochen, bis zum 6. Dezember, aufzu schieben. Sollte bis dahin keine Einigung erzielt werden, so wird der Wahlakt ohne die Hausbesitzer vor sich gehen. Unterdessen ist die Hausbesitzerpartei mit einem recht ״originellen“ Vorschlag vor die Oeffentiichkeit getreten. Sie schlägt vor, von Wahlen überhaupt Abstand zu nehmen und einen Rat von sieben Männern einzusetzen. Von diesen sollen zwei der Rechten, zwei dem Zentrum und zwei der Linken angehören, ihnen wird Disengoff als Bürger• meister zugesellt. Der Vorschlag, der eine seltsame Mischung von primitivem Vertretersystem und Diktatur darstellt, Ist kaum diskutiert worden. Er ist nur interessant als Symptom der Ideenwelt jener Gruppe, die beute einer geregelten Verwaltung von Tel-Awiw so große Hindernisse in den Weg stellt fi