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Jüdische Rundschau · 1926-11-23 · Heft 92 (23.11.1926) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXI (1926)
Issue
Heft 92 (23.11.1926)
Date
1926-11-23
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 92 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 601 Die Tragödie der jüdischen Jugend in Rumänien Di# Numerus clausus Bewegung - Ehu Prozeß gegen die jüdischen Studenten - Die Ermordung des Abiturienten David Fallik — Die Aussagen des Mörders - Die Polizei im Dienste der ״Ordnung“ - Die nationale Leichenleier Von unserem Korrespondenten. Sicherlich gibt es in keinem europäischen Staat eine solche systematische Hetze gegen die jüdische studierende Jugend wie in Rumänien. Wohl besteht In diesem Reiche kein gesetzfleher ,JNumerus clausus“, allein die Machthaber verstehen es, den Dingen einen solchen Lauf zu geben, daß den jüdischen Studenten die Möglichkeit genommen wird, an den Universitäten zu studieren. Unter den Augen der Behörden werden die jüdischen Studenten am Inskribieren behindert und in den Vortragssälen von ihren Kommilitonen blutig geschlagen, aus der Alma mater verjagt und sogar ihre Heime und Buden devastiert und vernichtet. Wohl macht die Regierung immer wieder den Versuch, Ordnung zu schaffen, allein es bleibt gewöhnlich dabei, daß die christlichen Studenten vor jüdischen Attacken und vor jüdischer Gegenwehr geschützt, hingegen die angegriffenen und verprügelten Juden aufs Polizeikommissariat abgeführt werden. Diese Methode ist als Resultat der unter der ״liberalen“ Regierung großgewordenen antisemitischen Partei, weiche unter Führung des Universitätsprofessors Cu za aus Jassy steht, zu betrachten, welche in ihrem Programme die Eewaltsame Vertreibung der Juden aus dem ande und ihre Expropriierung weit und breit verkündet. Die Regierunng duldet es, daß die Führer der Christlichen Liga öffentlich ״Tod den Juden“ predigen und die Bevölke• rung gegen die Juden atifhetzen. Gewöhnlich greifen die Be- Horden erst dann ein, wenn die Tat oder das Attentat gegen die Juden bereits geschehen ist. Im Auslande stellt man es anders dar. In bezug auf die ״Numerus clausus“־Bewegung arbeitet die Regierung mit der ״Christlichen Liga“ Hand in Hand. So wurde noch unter der liberalen Regierung, an deren Spitze Jonel B r a t i a n u stand, ein Schulgesetz geschaffen, welches den Behörden die Handhabe gibt, den Weg zur Universität den Angehörigen der Minderheitsnationen zu verrammeln. Es wurde ein ״Baccalaureatsgesetz“ ins Leben gerufen, welches bestimmte, daß der Unterrichtsminisier die Prüfungskommlssion für die Matura zusammensetzt und daß ein Versagen in einem Gegenstand vollkommen genügt, um den Kandidaten ״zu werfen“. Es ist schon zu einer Tatsache geworden, daß als Exeminatoren für rumänische Vaterlandskunde Professoren aus dem Altreiche in die angeschlossenen Gebiete entsendet werden, welche ihre Aufgabe darin erblicken, die Angehörigen der nationalen Minderheiten durchfallen zu lassen. In diesem Jahre wurden bekannte antisemitische Führer vom Unterrichtsminister zu Vorsitzenden gewählt und ebenso zu Prüfern Mitglieder der ״Christlichen Liga“ ernannt. Das Resultat dieser Bemühung war, daß 70—SO »׳« der jüdischen Kandidaten be! der Matura durch fielen. Aber auch die anderen Angehörigen der Minoritäten schnitten nicht besser ab, hingegen fiel kein einziger rumänischer Schüler durch. Die Erregung unter den Eltern und Schülern war eitle so große, daß nach der Verkündigung des Resultates der antisemitische Professor Diaconescu auf der Straße ausgepfiffen und attackiert wurde. Selbstverständlich wurden bald umfassende Maßnahmen gegen die ״Angreifer“ ergriffen, jüdische Studenten verhaftet und einer hochnotpeinlichen Untersuchung unterzogen. Nur mit schwerer Mühe gelang es, gegen Erlag von Kautionen die Freilassung der Schüler — es wurded aüch 15—17jährige Knaben verhaftet — zu erwirken. Unter großem Aufsehen wurde bald darauf gegen die ״Beleidiger der rtimänisehen Nation“ das Prozeßverfahren eröffnet, wobei sich als Verteidiger des attackierten Professors die bekanntesten Antisemitenführer Rumäniens meldeten. Unter diesen ragt ganz besonders der gewesene Oberleutnant Morarescu hervor, welcher seinerzeit am Dnjestr 150 Juden ermordete und beraubte und von den rumänischen Militärgerichten freigesprochen wurde. Diese ״Rechtsgelehrte“ forderten die Verlegung des Prozesses nach einem antisemitisch verseuchten Orte, um durch Terror die Verteidiger einzuschüchtern und eine schwere Strafe für die ״Verbrecher“ zu erwirken. Während der Prozeß noch im Gange war, ereignete sich ein furchtbares Unglück. Als sich der angeklagte jüdische Student David Fallik am 10. November nach seiner Einvernahme aus dem Verhandlungssaale in den Korridor begab, wurde er auf den Stiegen des Justizpalastes von dem Jassyer antisemitischen Studenten Nicolai Taudu angeschossen und erlitt dabei so schwere innere Verletzungen, daß er_ am 12. November starb. Bei der Einvernahme gab der Mörder, der absolut keine Reue zeigte, an, daß er in der Attacke gegen Professor Diaconescu ‘eine Beleidigung gegen die rumänische Nation von seiten der Juden erblickte und, durch die Broschüre des genannten Professors, welche sich mit den Angriffen der Juden auf seine Person befaßt, veranlaßt, den Beschluß gefaßt habe, dem Gerichte zuvorzukommen und selbst an dem ״Hauptattentäter“ die Strafe zu vollziehen. Kaum war seine Verhaftung erfolgt, als schon die Behörden Gerüchte zirkulieren ließen, daß der Mörder nicht bei nor- ■malern Verstände sei und in gewissem Sinne für seine begangene Tat nicht verantwortlich gemacht werden kann. Zu gleicher Zeit erhielten die Verteidiger von den Mitgliedern der ״Christlichen Liga“ Drohbriefe, in w elchen sie gewarnt werden, als Verteidiger der Juden weiter zu fungieren, da sie sonst denselben Weg nehmen würden wie der ermordete Fallik. I BERUHER ZIOHISTISCHE VEREIfllSUflG Am Donnerstag, den t. DSZ., abend« 8K Uhr spricht im Plenar- Saal des Beiohewirtaehatterate», Bellevue«(*. lä, Herr Kurt Biutnenfold Thema: ״rauna im Spiegel der Mh“ Wert der Berichterstattung. Konjunkturpolitik. Palästina• kritik der jQdtsch-Hberalen Zeitung. Weltbühne und Tagebuch. Die Berichte von Prof. Mead, Felix Pinner und Oppenheimer. Das politische, kulturelle und wirtsdiafiliche Ziel. Karten rum Preise von Mk. 1.— erhältlich im Büro der B. 7. V, MeinekrstrnOa 10. Daß der Prozeß gegen den Mörder nicht in C/ernowitz stattfinden wird, ist als eine Tatsache anzusehen, weil in dieser Stadt, wo 50 000 Juden wohnen, man noch etwas auf die öffentliche Meinung gibt und gewöhnt ist, Recht und Gesetz zu respektieren. Wird aber der Prozeß nach einer anderen Stadt verlegt, so ist es klar, daß der Mörder freigesprochen und als nationaler Heros durch die Straßen der Hauptstadt geführt werden wird. Die Geschichte der rumänischen Justiz kennt bereits solche Fälle. Als vor zwei Jahren der Präfekt von Jassy, Manciu, vom Studenten Celea Codreami dafür ermordet wurde, weil er die Juden in Schutz nahm, wurde der Prozeß nach Turn-Severin verlegt, der Mörder freigesprochen und als Triumphator durch die Städte Rumäniens geführt. Warum soll es denn Nicolai Taudu ärger ergehen, da er ja bloß einen jüdischen Studenten ermordet hat? Warum soll es ihm ärger ergehen als seinem Verteidiger Morarescu, der 150 jüdische Flüchtlinge am Dnjestr ermordete und dann als ״Ehrenmann“ in die rumänische Kammer kandidierte? Inzwischen hat der oberste Kassationshof die Akten des Studentenprozesses abvcrlangt und den ersten Generalstaatsanwalt nach Bukarest berufen, um über den weiteren Verlauf des Prozesses gewisse Entschlüsse zu fassen. Sollte der Prozeß gegen die Studenten nach einem anderen Orte verlegt werden, so werden sie keine Verteidiger haben, da kein Mensch sein Leben aufs Spiel setzen wird, und aller Wahrscheinlichkeit für ihr ״Vergehen“ — Auspfeifen eines Professors — schwer bestraft werden. Andererseits besteht aber auch die Möglichkeit, daß der Staatsanwalt den Auftrag erhalten wird, die Anklage zurückzuziehen und die ״Schwer- Verbrecher“ freizugeben. Vielleicht fürchtet man den Eindruck der Skandale im Ausland, ■. Das Leichenbegängnis des Opfers war so imposant, wie es diese Stadt noch nie gesehen hat. 50 000 Juden nahmen teil. Alle jüdischen Körperschaften und Institutionen, alle jüdischen Vereine und akademischen Verbindungen, die Sport- und Turnvereine erließen Traueranzeigen, in welchen sie ihren Schmerz über den tragischen Tod des ersten jüdischen Märtyrers von Czernowitz Ausdruck verleihen. Bei der großen Synagoge wurde dem Verstorbenen ein ״Hesped“ gemacht, worauf sich der Leichenzug zum Friedhofe bewegte, wo der Deputierte Dr. Mayer Ebner und der Gberrabbiner der Stadt Czernowitz, Dr. Abraham Mark, tiefergreifende Nachrufe dem Studenten Fallik hielten, und der Präsident der Czernowitzer Kultusgemeinde, Dir. Bernhard F1 e in i n g e r , im Namen der Judenschaft des ganzen Landes das Kaddisch-Gebet verrichtete. Der Sarg wurde von den Studenten getragen und war mit einem Tallis überdeckt, zum Zeichen, daß es ein Märtyrer sei. Die ukrainischen und polnischen Studenten legten am Grabe Kränze nieder. Am Leichenbegängnis selbst nahmen die Parlamentarier der deutschen, ukrainischen und polnischen Nation teil. Vermerkt soll noch das Verhalten der Behörden werden, welche verboten haben, daß der Leichenzug sich durch die innere Stadt bewege, daß man dem Toten ein Hesped vor dem Tempel mache, ferner daß die Verfügung getroffen wurde, daß Polizeiorgane die Trauerfahnen von den jüdischen Häusern entfernten. .Die Behörden schrieben für den Leichenzug eine genaue Marschroute vor, Verordnungen, welche eine tiefe Mißstimmung und eine allgemeine Entrüstung bei der jüdischen Bevölkerung hervorgerufen haben. Vermerkt verdient noch die Tatsache zu werden, daß der bekannte Rechtslehrer an der Czemowitzer Universität, ein Rum In« von Geburt, Professor Radulescu, der Hauptverteidiger der jüdischen Schüler in diesem Prozesse, einen Kranz auf dem Grabe des jüdischen Märtyrers niederlegen ließ. Sofort nach der Parlamentseröffnung wird der jüdische Deputierte von Czernowitz, Dr. Mayer Ebner, den Innen- und Justizminister wegen der Vorfälle In Czernowitz interpeliieren und die Einleitung einer Untersuchung gegen die Mitglieder der ״Christlichen Liga“ fordern. Die Judenschaft Rumäniens steht vor großen Ereignisse■ und bedarf einer starken innerlich«» Organisation und Zusammenfassung, wenn sie den schweren Kampf gegen anÖsemitischen Mob mit Erfolg führen soll. Der erste MIrtyrer der Bukowina hat mit seinem Blute die Stufen des Czernowitzer Justizpalais bespritzt. Es soll dies als ein Symbol aufgefaßt werden. Wird Recht und Vergeltung kommen? Die nächste Zeit wird es lehren. Eile Interpellation wegei Fallik Bukarest, 18. November. (J.T.A.) Der jüdische Deputierte von Czernowitz, Dr. Mayer Ebner, Interpellierte den Justizminister wegen der Czemowitzer Vorfälle una führte aus, leider habe die bisherige Praxis der Justiz in einem Teile der rumänischen Studentenschaft die Ueberzeugung geweckt, als stünde sie über dem Gesetze und die Juden stünden außerhalb des Gesetzes. Die Regierungen dulden die andsemitische Hetze, wodurch die Staatsordnung untergraben wird. Der Interpellant richtete an den Justizminister die Frage, was er tun wolle, damit der Mora von Czernowitz gesühnt werde. Der Redner wurde fortwährend von den Cuzisten und auch von Abgeordneten der Regierungspartei unterbrochen. — Crof. Cu za bittet den Innenminister um die Mitteilung, welche Maßnahmen er gegen die Provokationen der Juden gegen die christliche Bevölk e r u n g getroffen habe. ln den letzten Tagen wurden in Czernowitz mehrere jüdische Bürger von cuzistischen Studenten auf der Straße überfallen, beschimpft und verprügelt Die Studentenschaft von fünf akademischen Verbindungen nahm eine Resolution an, in der die Befreiung des Mörders von Fallik gefordert wird. Die Vereinigung rumänischer Frauen bat um die Erlaubnis, dem Mörder Nahrungsmittel schicken zu dürfen. Die Keren Hajessod-EiogSage in September 1926 (Mitteilung des Hauptbüros.) Im Monat September 1926 sind beim Hauptbüro des Keren Hajessod £ 50 777.8.5 eingegangen gegen £ 3t 831.4.1 im September 1925. Die Gesamtsumme der Keren Hajessod-Eingänge per 30. September 1926 beträgt £ 2576 200.—.8. Die Eingänge im September 1926 verteilen sich auf folgende Länder: 1. Vereinigte Staaten von Amerika £ 37159. 8. 6 2. Südafrika 5537.16.— 3. Deutschland 1 287.10. 8 4. Aegypten 1!88.13. 7 5. Palästina 1093.19.2 6. England 1070.-.- 7. Poren: Warschau C 242.16■ 7 Krakau 236. 7. 7 Lemberg!65. 2. 1 Wilna 87. 9.10 731.16. 1 8. Tschechoslowakei 595.10. 9 9. Rumänien: Transsylvanien £ 361. 4. 9 Bukarest 132. 2. 5 493. 7. 2 10. Jugoslawien 335. 7. 6 11. Holland 352. 1. 4 12. Litauen 300.—.— 13. Lettland 295. 2. 1 14. Estland 100.—.— 15. Frankreich, Straßburg 60.10. 3 16. Ungarn 41.10.- 17. Bulgarien 28.-. 5 18. Finnland 27.14.11 19. Panama 18. 1. 9 20. Norwegen 16.19.- 21. Oesterreich 16. 1. 4 22. Griechenland 15.-.— 23. Tunis 12.17.11 £ 50777. 8. 5 lag der Hebr. Lehrerorganisation, Jerusalem), das Vermächtnis einer idealistischen, national tief empfindenden Persönlichkeit. Von Werken jüdischer Religionsphilosophie verdient an erster Stelle genannt zu werden die deutsche Ausgabe des Moreh Nebuchim des Maimonides. ״Mose ben Maimon, Führer der Unschlüssigen, ins Deutsche übertragen und mit Anmerkungen versehen von Dr. Adolf Weiß“ (drei Bände, Verlag Felix Meiner, Leipzig). Der Ucbersetzer hat, auf den Ergebnissen der Wissenschaft fußend eine gut lesbare deutsche Uebersetzung aus dem Hebräischen (nicht aus dem arabischen Urtext) geliefert und dadurch das interessante und wichtige Werk, das viel gelobet aber wenig gelesen wurde, leicht zugänglich gemacht, wofür auch dem Verlag Dank gebührt. Der erste Band enthält eine ausführliehe, 320 Seiten lange Biographie mit Darlegung von Maimonides philosophischem System. — Ueber Spinoza liegen eine ganze Anzahl kleinerer Monographien vor; zuletzt erschien Alfred Kiaars Darstellung in Ullsteins vorzüglicher Meinen Schriftensammlung ״Wege zum Wissen“, früher J. R. Kain» ״Die Philosophie Spinozas“ (Rösl & Cie., München), Mehlis ״Spinozas Leben und Lehre“ (Freiburg, Emst Guenther Verlag), Bernhard Alexander ״Spinoza“ (Ernst Reinhardt, München), sämtlich wohlfeil und insbesondere die beiden erstgenannten populär geschrieben. Dazu sei genannt Ernst A 11 k i r c h ״Maledictus und Benedictus. Spinoza im Urteil des Volkes und der Geistigen bis auf Constantin Brunneri‘ (Felix Meiner, Leipzig) — eine umfassende, höchst lebendige Zusammenstellung der Meinungen über Spinoza, der ja zu den heiß umstrittensten Figuren der Philosophiegeschichte gehört. — Aus neuester Zeit sei auf die Neuausgabe von Leo Baecks ״Wesen des Judentums“ (Kauffmann, Frankfurt) und auf Hermann Cohens ״Jüdische Schriften“ (drei Bände, Schwetschke & Sohn, Berlin) verwiesen, Werke modernen liberalen Judentums, mit denen die Auseinandersetzung lohnt. An Kinderbüchern besitzen wir leider wenig. Jüdisch« fast gar nicht, abgesehen von der Jugendbücherei des Jüdischen Verlags und den Theaterstücken von Albert und Käthe B a e r (Verlag Aufbau); unter nichtjüdischen sollen wir bevorzugen, was echt, natürlich und menschlich ist. Grimms Märchen, die in einer schönen Neuausgabe mit Illustrationen von Ludwig Richter im Verlag van Scholz (Mainz) erschienen sind, sind nicht jedermanns Geschmack, schon wegen des Grusclns; dagegen wird ein Buch wie ״Doctor Dolittles schwimmende Insel“ von Htigh Lofting (Williams & Co., Charlottenburg) jedem wahren Kind (jeden Alters) eine reine Freude bereiten. Hier ist Humor mit Phantasie und Menschlichkeit vereinigt. Zur Tierwelt eröffnet ein natürliches und interessiertes Verhältnis auch Francis Kervin, ,Mein Tierbuch“ mit 6 Bildern von Ernst Kreidolf (Rotapfel-Verlag, Zürich), während Prof. Sebastian Schmids ״Seelenleben der Tiere“ (Rikola-Verlag, Wien) schon mehr lehrhaft ist und nur für reifere Jugend in Betracht kommt. Schließlich seien noch eine Reihe von Werken der schönen Literatur genannt — vorläufig eben bloß genannt. Von unserem Arnold Zweig, an dessen Novellenbände ״Frühe Fährten“ und ״Regenbogen“ zu Chanukkah nicht vergessen werden soll, ist eine sehr schöne Erzählung ״Der Spiegel des großen Kaisers“ (in der Liebhaberbibliothek des Verlages Kiepenheuer, Potsdam) erschienen. Der Roman ״... & Cie.“ des französisch-jüdischen Dichters Jean Richard Bloch ist unter dem Titel ״Simler & Co.“ von unserem Freund Paul A m a n n (im Rotapfei-Verlag, Zürich) vorzüglich übersetzt worden, ein echter Judenroman, der die ganze jüdische Problematik aufrollt, spannend und glänzend geschrieben. In eine ganz andere Welt führt ein anderer Roman vom Aufstieg und Verfall einer Familie, das großartige epische Werk von John Galsworth y, .,Die F o r s v t e - S a g a“ nebst Fortsetzung ״Der weiße Affe“ (in guter Uebertragung bei Paul Zsolnay, Wien), gleichzeitig ein tiefer Einblick in englisches Leben und Eigenart. Englisches Leben und Volk lehrt auch der berühmte Roman ״Tess von D’Urbervilles“ von Thomas Hardy, dem Altmeister englischer Epik, kennen, der gleichfalls jetzt deutsch vorliejrt (Paul List, Leipzig). Auch der tiefe spanische Dichter und Denker Unamuno, dessen ״Don Quichote und Sancho“ sowie andere Werke uns eine neue Welt erschließen (Verlag Meyer & Jessen, München), sei unter den neuen Uebertragungen nicht vergessen. Von Hermann S t e h r liegt eine neue Geschichte ״Der Geigenmacher“ vor (Hören-Verlag, Berlin). Was das neue Rußland hervorbringt, davon geben die Erzählungen ״Das Antlitz des Lebens“ von Alex. Newirow (Verlag für Literatur und Politik, Berlin), ״Neue Ufer“ (E. Laubsche Verlagsbuch- Handlung, Berlin) sowie ״Wege der Liebe“ von der bekannten Gesandten Alexandra Kollontai (Malik-Verlag, Berlin) Kunde. Ferner sei hier des aufwühlenden Romans ״Der Proz e ß“ von Franz Kafka sowie seines ״Hungerkünstler“ (beides Die Schmiede, Verlag Berlin) gedacht, die noch lange nicht genügend bekannt sind. Stefan Zweig, voll feinen seelischen Einfühlungsvermögens und des edlen Melos gedankenreicher Sprache, hat in zwei Bänden sechs große Monographien vereinigt. ״Drei Meist er“, d. s. Balzac, Dickens, Dostojewski: ״Der Kampf mit dem Dämon“, d. s. Hölderlin, Kleist und Nietzsche (Insel-Verlag, Leipzig) — fesselnd und wirklich geistige Gestaltungen nachschaffend. Für Freunde der feinen Miniatur, des köstlichen Sprachfiligranes sei endlich noch an Alfred Polgars Bücher erinnert, von denen der fünfte Band ״Orchester von oben“ (wie alle früheren bei Rowohlt, Berlin) herausgekommen ist. MiWa. Das palästinensische Arabisch. Die Dialekte des Städters und des Fellachen. Grammatik, Uebungen und Chrestomathie. Dargestellt von Leonhard Bauer. 4. Aufl. Leipzig 1926. J. C. Hinrichs. 7,50 M. Arabisch ist bekanntlich eine Sprache, die neben der Schriftsprache, die lediglich der Literatur dient, eine große Fülle von Idiomen aufweist — verschiedene Aussprache bei gleicher Schreibart in den verschiedenen Dialekten. Das Buch! von Bauer, ein Resultat jahrelanger Studien an Ort und Stelle, von Dalman empfehlend eingeleitet, hat den großen Vorzug, ohne zu viel wissenschaftlichen Ballast in die Eigentümlichkeiten des tatsächlich gesprochenen, praktisch verwertbaren Arabisch einzuführen. Der Verfasser verzichtet folgerichtig auf die arabische Schrift, da die Dialekteigenheiten nur durch phonetische Transskription festgehalten werden können. Besonders willkommen sind die in arabischem und deutschem Paralleltext zusammengestellten Uebungssätze und Lesestücke. Durch sie kann sich auch der philosophisch Ungeschulte viele Worte und Phrasen aneignen. Für unsere deutschsprechenden Freunde in Palästina ist das Buch ein wertvolles Hilfs- und Lehrmittel. W. Die Witwe David Frischmanns wird in den nächsten Tagen in Berlin einen Vortrag über Frischmanns Leben una Schaffen halten. Näheres wird noch bekanntgegeben.

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