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Jüdische Rundschau · 1926-11-19 · Heft 91 (19.11.1926) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXI (1926)
Issue
Heft 91 (19.11.1926)
Date
1926-11-19
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 652 JOEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 91 Nr. öl Brief aus Polen Die Judenstaatdebatte — Der zionistische Delegiertentag in Krakau — Parteirat. der Zionisten Ostgaflziens. Von unserem Korrespondenten. —g. Warschau, Mitte November. Nun haben wir den ״Juclen$taats“-Rummel auch in Polen. Empörung, Protest, scharte Resolutionen, Aufforderung an die Exekutive, Anklage wegen Defaktismus und dgl.... Man könnte meinen: im polnischen Zionismus herrscht reges Leben, eine intensive Innere Tätigkeit, man sammelt sehr eifrig für unsere Fonds, überall äußert sich ein kolossales Interesse für den Palästina-Aufbau, dessen Probleme werden überall genau durchdacht und durchberaten, die zionistische Weltanschauung wird vertieft, zionistische Ideen weiter* gesponnen... und da mitten in dieses rege Treiben und Denken ein Blitzschlag: die Wiener Rede Felix Rosenblüths und die bekannte Wiener ״ Judenstaats‘Tesolution. Man könnte meinen... In Wahrheit ist es ein papierenes Geplänkel, das uns nur sehr symptomatisch scheint. Wenn wir von einigen Führern und manchen kleinen Gruppen absehen, beobachten wir in Polen Ignoranz und Desorientierung in wichtigsten und prinzipiellsten Fragen zionistischer Ideologie, Politik und Wirtschaft. Ideologische Auseinander- Setzungen sind, mit Ausnahme der letztens aus politischen Motiven erörterten Fragen der Jewish Agency und der landwirtschaftlichen Kolonisation, sehr selten. Weder in zionistisehen Zirkeln noch in der zionistischen Presse geschieht so etwas. Die Tageszeitungen erledigen dies eben so, wie sie es letztens getan haben. Erstens ist die sensationelle Aufmachung die Hauptsache, dann strotzt es von Ignoranz, Un- Informiertheit, Unklarheit. Zuerst wird die Bombe geschleudert, ein Leitartikel gesellt sich dazu, dann erst kommt die Aufklärung. Inzwischen sind schon Demagogen (solche finden sich überall) am Werk und die breite Öffentlichkeit kann leicht den Eindruck empfangen, cs handle sich um eine ernste Bewegung. So war es im Falle Rosenblüth. Man hat hier kaum eine Ahnung, was prinzipiell und inhaltlich das ganze Problem: Judenstaat — Heimstätte — binationaler Staat bedeutet. Die Stimmen für und wider, die darüber geführte Diskussion ist hier kaum beachtet worden. Verhältnisse und Strömungen innerhalb zionistischer Organisationen des Auslandes sind meistens unbekannt. Was ln Wien Prinzip und was Taktik war, das wußte man nicht zu unterscheiden, genauere Berichte las man nicht, weil die Presse sic nicht brachte, man griff nur das Sensationelle auf und lieferte Material dem Häuflein der — Revisionisten, welche sehr dankbar waren, da man schon den Auftakt zur nächstens hier erwarteten Propaganda Jabotinskys organisieren konnte. Im großen und ganzen kümmert sich der polnische Zionist gar nicht um diesen ganzen Rummel. Es soll klar gesagt werden, daß in der breiten zionistischen Oeffentlichkelt Polens der aufgebauschte Vorfall keinen starken Widerhall gefunden hat. Allerdings mutt betont werden!־■g c f üf h fs 111 ä ß i g reagiert riran hier öfters sehr stark auf solche Worte, Redensarten und Beschlüsse. Reflexionen fast Null; gefühlmäßige Ausbrüche können sehr stark sein. Die Gründe hierfür haben wir schon oft dargestellt. Es braucht nicht nachgewiesen zu werden, daß diese Erscheinung ihre gute, aber speziell in unserem Falle, auch sehr gefährliche Seite hat. Wir hoffen, daß Rosenbliith, dessen Besuch demnächst in Polen angekündigt wird, Gelegenheit haben werde, alle Mißverständnisse, die um sein Wiener Referat sich angesammelt haben, zu zerstreuen und das Problem auch den polnischen Zionisten grundsätzlich und allseitig zu beleuchten. Aktuell ist eine Auseinandersetzung darüber für den polnischen Zionismus im jetzigen Augenblick freilich nicht. , Etwas anders (wenn auch nicht gähk| ist «Be Lage in der allgemeinen zionistischen Bewegung Westgaliziens und Schlesiens. Der zionistische Delegiertentag in Krakau, welcher gleichzeitig mit dem Wiener tagte, hat auch eine ״J u d e n s t a a t s“ - R e s o 1 u t i o n gefaßt. Aber auch in Krakau fand keine ausführliche Erörterung darüber statt, die Frage wird allgemein (auch in dieser Organisation) als nicht aktuell betrachtet, was ausdrücklich Abg. Thon in einem Presseartikel nach der Konferenz betont. Wenn also trotzdem eine solche Resolution gefaßt wurde, ist dies, wie uns scheint, auf eine persönliche Suggestion zurückzuführen, Hat man solchen Vorschlag eingebracht, fand man wenig Muße und — Mut zur Durchberatung und Auseinandersetzung. Der Antragsteller Dr. Schwarzbart (den Text der Resolution bringen wir nachstehend) erklärte in seinem Referate 11. a.: ״Die Ursachen des gegenwärtigen Defaitismus sind in unseren ideologischen Schwankungen zu suchen, Wir naben nämlich unseren Kompaß verloren und dieser heißt: ein freies, jüdisches Staatswesen in Palästina. Wir dürfen das zionistische Ideal nicht verkleinern. Im Jahre 1919 forderte auch Herbert Samuel den Judenstaat. Wir müssen von England mehr verlangen und anders verlangen. Deshalb ist die energischere Stellungnahme der letzten Alrikms-Comit&Sftzung England gegenüber zu begrüßen. Der Revisionismus ist kein Militarismus, er ist der wahre Zionismus.“ Dr. Thon welcher schon nach der Konferenz, ln dem bereits erwähnten Aufsatz im ״Nowy Dziennik“ unter der Aufschrift ״Ein verfrühter Streit“ zu diesem Problem Stellung nimmt, verurteilt die leidenschaftliche Art der Diskussion darüber in der Presse; in der Sache selbst meint er, wir müssen an dem Judenstaat als Endziel des Zionismus festhalten. Wohl aber sind die dabei gebrauchten Worte und Formulierungen nicht mehr eindeutig, da insbesondere in der Nachkriegszeit der Begriff, der Staatssouveränität einer Revision unterzogen wird. Mit Nachdruck erklärt Abg. Thon, daß wir das brüaerlichste und friedlichste Zusammenleben mit den Arabern suchen und ihnen nicht das mindeste Unrecht zufügen wollen. Es scheint uns aber, daß damit das Problem doch nicht erschöpft ist. Wir vermissen eben in diesem Aufsatz eine kon* krete Antwort auf das ״Wie“ des jüdisch-arabischen Verhältnisses. Der ״Nowy Dziennik‘• gibt nur einen Ueberblick über die letztens in der zionistischen Literatur in dieser Frage für und gegen vorgebrachten Meinungen. * Der zionistische Delegiertenlag in Krakau war eine iniposante Manifestation des Zionismus in diesem Teile Polens. Eine an Zahl und Qualität starke Beteiligung der Delegierten, ein hohes Niveau der Beratungen, ein ernstes Eindringen in die aktuellen Probleme der Bewegung und ein energischer Wille zur Arbeit zeichneten die Konferenz aus. Die Persönlichkeit Dr. Thons und sein unverwüstlicher Optimismus gaben den Beratungen ihr Gepräge. Der Bericht lieferte Beweis für die systematische, gleichmäßig alle Gebiete berücksichtigende zionistische Tätigkeit, ein verhältnismäßig zufriedenstellendes Ergebnis der Keren Hajessod-Sammlung, ein starkes Betonen der Kultur- und Jugendarbeit, ln einer solchen Arbeitsatmosphäre war natiirlieh die Beurteilung der gegenwärtigen zionistischen Krise ein viel ruhigeres und ernsteres. Die Politik Weidmanns fand mit einer Ausnahme Zustimmung der Konferenz. Die Stellungnahme zum Aufbauproblem in den Palästina-Referaten Dr. Thons und Ing. Wechsberg (Biclitz) deckt sich im großen und ganzen mit den Anschauungen der Mehrheit der deutschen Zionisten. Eine der beschlossenen Resolutionen zur Organisationfrage verdient spezielle Beachtung. Die Exekutive in London wird darin auf gefordert, einen Propagandamonat für die jüdische Frau zu veranstalten, ferner ein spezielles Jugendressort zwecks Koordinierung der Arbeit auf diesem Gebiete ins Leben zu rufen. Es wurde auch das Beamtenproblem besprochen. Das A.-C-Mitglied Herr J. Neiger hat in überaus scharfer Weise die Haltung der zionistischen Beamtenschaft, insbesondere in Palästina getadelt, eine Rückkehr zum freiwilligen zionistischen Dienst laut der Parole ״Zionhn szelo al menat lekabel pras“ *gefordert. Diesen Ausführungen wurde mehrepereeits energisch entgegentreten. Abg. Thon äußerte■ sieh mit grbnefn Lob über die zionistischen Beamten und klagte, daß allzu'wenig Zionisten sich der ehrenhaften, zionistischen Beamtenlaufbahri widmen wollen. ■¥ Die Vereinigungsfrage kam auch zur Sprache, aber es blieb bei einem platonischen Beschluß. Es ist aus unseren früheren Berichten bekannt, daß seit einigen Monaten die allgemeinzionistische Organisation Polens wiederum gespaltet ist und in drei Teile zerfällt (Kongreßpolen mit Wilna, westgalizien mit Schlesien und Ostgalizien). Vor den letzten zionistischen Tagungen in Polen hat der Initiator der seinerzeitigen Uniflzierung, Dr. Schwarzbart, in einem Aufruf wiederum die Frage aufgerollt un# den zionistischen Oberrat in Warschau* auf* gefordert^ die• »aigen V«fl»i«#t11np׳e*1!•«iizulelten.. Leldtp •war 31 Echo dieses Appells sowohl bei der Parteiratssitzung in Warschau als auch bei der Tagung in Krakau ein sehr schwaches. Dr, Schwarzbart ist deshalb aus der Exekutive der zionistischen Organisation Westgaliziens ausgetreten. Der heutige Zustand ist zu bedauern. Allerdings muß beachtet werden, daß doch innerhalb der abgeteilten zionistisehen Organisationen Unstimmigkeiten vorhanden sind und Spaltungen noch nicht aufhören. So z. B. kam es auch in Ostgalizien zu bedauernswerten Vorfällen. Die dort in der Landespolitik seit langem wirkende Opposition (Führer: die Abgeordneten Frostig und Insler, die Senatoren Ringel und Rottenstreich) holte zu einem starken Auftreten aus und begann eine eigene Tageszeitung (״Der Morgen“) herauszugeben, und wieder drohte ein innerer Streit, der auch auf persönliche Momente zurückzuführen ist, auszubreehen. Bald kam aber besseres Einsehen. In Drohobycz trat am 7. und 8. November der Parteitag der ostgalizischen allgemeinzionistisehen Organisation zusammen und es gelang den Bemühungen einiger älterer Zionisten, insbesondere aus der Provinz, den Frieden wiederherzustellen. Organisati-onelle Einigung im ganzen Staate soll aber die Parole der nächsten Zeit sein. Prager Brief Die Demission Dr, Ludwig Singers. Von unserem Korrespondenten. Herr Dr. Ludwig Singer hat in der am 7. d. M. abgehaltenen Plenarsitzung des zionistischen Zentralkomitees seine Demission als Präsident des Jüdischen Nationalrates und Mitglied des zionistischen Zentralkomitees gegeben, ln der am 15. d. M. stattgefundenen Sitzung des Jüdischen Nationalrates gab Dr. Ludwig Singer einen Bericht über die Tat- Sache und Motive seiner Demission. Der wesentliche Grund liegt in der Frage der politischen Kommission, welche seinerzeit Dr. Goldstern im Zentralkomitee beantragt hat. Da diese Kommission wohl aus sämtlichen in Prag wohnenden Zentralkomiteemitgliedern, auch solchen, die nicht Mitglieder des Nationalrates sind, hätte bestehen sollen, so wäre sie einer Ueberwachungskommission des Nationalrates gleichgekommen. Eine solche Kommission konnte Dr. Singer nicht akzep- Heren und brachte auf der letzten Plenarsitzung den Beschluß des Nationalrates auf Wahl einer engeren politischen Kommission, deren Mitglieder sämtlich auch Mitglieder des Nationalrates waren, vor. Nach langwieriger Debatte stellte Dr. Singer schließlich die Frage, ob die von ihm namens des Nationalrates beantragte engere Kommission gewählt würde. Als man ihm erklärte, daß die Wahl nicht stattfinden wird, gab er seine Demission, da er in der Nichtäbstimmung über seinen Antrag ein Mißtrauen gegenüber seiner Politik erkennen mußte. In der Debatte, die sich bn Schoße des Nationalrates über diese Erklärung Dr. Singers entspann, kam die allgcmeine Ansicht fast aller Nationalratsmitglieder, welche an der Zentralkomiteesitzung sich beteiligt haben, zur Geltung, daß die Auffassung Dr. Singers auf einem Mißverständnis oder auf einem aus der unklaren Atmosphäre der Sitzung erklärlichen Irrtum beruhe. Die anwesenden Mitglieder des Nationalrates hatten vielmehr den Eindruck, daß nach dem Verlauf der Sitzung der Antrag Dr. Goldstein nicht zur Ab- Stimmung kommen werde, weshalb es offenbar überflüssig schien, über den Antrag Dr. Singers, der ja Im Grunde ein Gegenantrag war, abzustimmen. Dr. Singer konnte sich dieser Auffassung nicht anschließen und ersuchte den Nationalrat seine Demission zur Kenntnis zu nehmen. Zur Weiterführung der Agenda wurde eine fünfgliedrige Präsidialkommission bestimmt. Die zionistische Delegation des Nationalrates faßte den Beschluß, das Zentralkomitee aufmfordern, möglichst bald zur Klärung der Krise eine Plenarsitzung des Zentralkomitees einzuberufen. In einem Komipuniquee an die Presse dementiert der Nationalrat die Pressemeldungen, die als Ursache der Demission grundsätzliche Meinungsverschiedenheiten m politischen Fragen angaben. Es wir# betont, daß sowohl der csl. Zionistentag in Brünn als auch das zionistische Zentral- Komitee und der-Jüdische Nationalrat in überwiegender Majorität die,•von Dr. Singer vertretenen politischen Grundsätze anerkannt haben. ״ Nati«1alde1tsche lade■ aad Reichsverband Der ״Verband nationaldeutscher Juden“ verbreitet unter Bezugnahme auf eine Pressemeldung über die Begründung eines Reichsverbandes der deutschen Juden eine Erklärung, in der es heißt: ״Der Verband nationaldeutscher Juden hat grundsätzlich י' '|n*,«CFTdBt!(1״erlfShiten,:־W^S(Äe1d'ung/v0a einer ,Vertretung der Gesamtheit der deutschen Juden‘ und von ,gemeinsamen Aufgaben auf kulturellem Gebiet1 die Rede ist, müssen wir entschiedenen Einspruch erheben. Der Verfasser der Pressemeldung verwechselt offenbar ,kulturell‘ mit ,kultisch‘. Eine Vertretung der Gesamtheit der deutschen Juden kommt nur auf kultischem, nicht auf kulturellem Gebiet in Frage. Eine besondere jüdische Kultur, die nur in der Vor- Stellung eines besonderen jüdischen Volkstums wurzeln könnte, lehnen wir für Deutschland ab. Unsere Kultur und unser Volkstum sind deutsch. Die deutschfühlenden Juden aller religiösen Richtungen werden die weiteren auf Gründung des ״Reichsverbandes“ zielenden Verhandlungen scharf daraufhin überwachen, daß nicht jüdisch-völkische (zionistische) Re- Strebungen unter dem Deckmantel einer ״Gesamtvertretung der deutschen Juden“ in die zu gründende Organisation Mnי ■׳ getragen werden.“ Sic!! Me Brauerei in Akko hat ihre Tätigkeit autgenommen. Sie setzt ihre Produktion hauptsächlich in Jaffa und Haifa ab. (Ziko.) ganz verhaftet war, in der er jeden Winkel kannte, jeden Sonnenuntergang erlebte und deren Schönheiten er so gerne seinen Freunden zeigte. Liebe und Vertrauen in allen Kreisen erwarb er sich in Palästina. Er liebte das jüdische Volk, obwohl er weiten Gebieten jüdischen Lebens fern war. Sein von jedem Haßgefühl und jeder chauvinistischen Regung freies Nationalgefühl gaben ihm die richtige Stellung zur Art anderer Völker, deren Wesen er zu verstehen versuchte. Nichtjuden, Deutsche, Araber und Juden ganz anderer Art fühlten die Schönheit seiner menschlichen Art. Einer seiner Freunde sagte vor Jahren: ,Die Tatsache, daß Sachs Zionist werden mußte, ist ein Beweis für den Zionismus!‘ Wir tragen das Bild seiner Persönlichkeit in uns als ein Zeichen für die Kraft, für die Echtheit und Schönheit unserer Bewegung.“ Joseph Schwarz - Anekdoten Die ״Berliner Montags post“ berichtet: Als Joseph Schwarz Mitglied der Wiener Hofoper wurde, verlangte er eine Klause! in seinem Vertrag, daß er an jüdischen Feiertagen nicht zu proben und zu singen verpflichtet sei, und die Generalintcndanz, die diese Kon- Zession schon früher Adolf Sonnenthal gemacht hatte, gewahrte sie auch Joseph Schwarz. Auch in Berlin 8011 Schwarz bei seinen ersten Verhandlungen, die ihn an die König!. Oper brachten, das gleiche Entgegenkommen von dem Grafen Hülsen erbeten haben. Bestimmt ist, daß bei Repertoirebildung während der Engagementsjahre Joseph Schwarz auf seine Frömmigkeit Rücksicht genommen wurde. Wie häufig mußte er, wenn er unmittelbar nach seinem Auftreten in der Oper in einer Abendgesellschaft erschien, bis zum Morgengrauen fasten, weil er an einem nichtrituellen Tisch nicht essen wollte. Und ein Interessantes Erlebnis begegnete dadurch dem Singer, als er einmal bei einem Hofkonzert in Wien!nitwirkte, nachdem die Künstler dem Diner der Hof gesell־ schaft zugezogen waren. Ein hoher Funktionär bemerkte plötzlich, daß Schwarz alle Schüsseln an sieh Vorbeigehen ließ, ohne zu essen. Er trat selbst auf ihn zu und fragte nach der Ursache. Schwarz erklärte freimütig die Ursache. ״Gedulden Sie sich einen Moment!“ war die Antwort des hoheii Hofbeamten. Ein Wagen raste wenige Minuten später zum Restaurant Tonello, und nach einer halben Stunde wurde für den Kammersänger Schwarz extra serviert. Es war das erste, gewiß aber auch das letzte Mal, daß in der Wiener Hofburg rituell gegessen wurde. Der berühmte Sänger Michael Bohnen wird zum Gedächtnis seines großen Kollegen Joseph Schwarz anläßlich eines Gottesdienstes in der Neuen Synagoge Oranienburger Straße das Kol-Nidrei singen. Die antisemitische ״Deutsche Zeitung“ weil^zu erzählen, daß sich beide Sänger diesen Liebesdienst zugesagt hatten und daß beide Freunde in der Jugend Synagogensänger gewesen sind. * Joseph Schwarz wurde 1880 in Riga als der älteste Sohn eines armen jüdischen Schneidermeisters geboren. Nach ihm kamen noch 8 Kinder. Schon mit 8 Jahren trat er in den Chor des Kantors und Komponisten Rosowskl ein und zog bald die Aufmerksamkeit der Gesangskenner auf sich. Es fanden sich einige bemittelte jüdische Bürger, die für seine Ausbildung sorgten. Mit 15 Jahren wurde er an das Stern- Konservatorium nach Berlin gesandt. Er wurde dann vom Direktor der Breslauer Oper, Theodor Löwe, entdeckt, der ihm den Weg zu seiner Berühmtheit ebnete. Mit 18 Jahfen trat Schwarz an der Rigaer Oper auf. Kurz darauf trat er an der Kaiserlichen Oper zu Petersburg in der Oper ״Demont“ in der Titelrolle auf und weckte großen Enthusiasmus. Er erhielt sofort einen sehr schmeichelhaften Engagementsantrag, der aber die Bedingung enthielt, daß er sich, wenn auch zum Schein, taufen lassen solle, da Juden an den Königlichen, Theatern offiziell nicht beschäftigt werden dürfen. Schwarz lehnte dieses Ansinnen entschieden ab und ging nach Wien, zunächst an die Volksoper, dann an die Hofoper, und dort begann seine Weltgeltung. Später wurde er auf den persönlichen Wunsch Kaiser Wuhehns II. an das Berliner Königl. Opernhaus engagiert. Er heiratete dann die amerikanische Millionärin und Philanthropin Frau Clara Silken und teilte von da ab seine Wirksamkeit zwischen Berlin und New York. Die Berliner und Wiener Zeitungen widmeten dem verstorbenen Künstler warme Nachrufe. Dr. Julius Jarcho-Stiftung. Die Leitung der Universität Jerusalem hat von Dr. Jarcho, New York, die Mitteilung erhalten, daß dieser eine Stiftung zugunsten des Ankaufs von Büchern für die medizinische Abteilung der Universität geschaffen hat. Dr. Jarcho hat der Stiftung Wertpapiere überwiesen und die Verfügung getroffen, daß die jährlichen Erträgnisse der Papiere erst in fünf Jahren zum Ankauf von Büchern verwendet werden. Ein Ausschuß, bestehend aus dem Kanzler der Universität, dem Direktor der Bibliothek und dem Direktor der Laboratorien der medizinischen Abteilung der Universität wird über die anzuschaffen• den Büchej־ zu beschließen haben. Schon 1921 hat Dr. Jarcho seine medizinische Privatsammlung der Bibliothek gespendet. Es ist ferner vor allem seiner Initiative und seinen persönlichen Opfern zu verdanken, daß die Gesellschaft der jüdischen Aerzte Amerikas einen großen Teil des Budgets der medizinischen Abteilung übernahm und so die Möglichkeit schuf, für die Aerzte Palästinas eine besondere Bibliothek zu gründen. Dr. Jarcho hat es sich auch angelegen sein lassen, die Zeitschriften dieser Abteilung zu vermehren. Das 40. Jahr, Ahnanach des Verlages S. Fischer. Berlin 1926. 2 M. Der Verlag S. Fischer feiert sein 40 jähriges Jubiläum. Das ist ein Gedenktag jüdischen Schaffens in Deutschland, jüdischer Mitarbeit an der kulturellen Entwicklung dieser 40 lahre. Als ״ausländischer Jude“ kann Fischer nach Berlin; er hatte das Feingefühl für die geistigen Untergründe der Zeit; um ihn organisierte sich die revolutionäre literarische Gruppe der achtziger Jahre, die ,,Freie Bühne“ entstand, und von dort führt ein gerader Weg big zu diesem festlichen Jahr«־ buch. Den Soziologen interessiert die Einfügung der Juden in diesen Kreis; auch im Almanach sind ihrer beste Namen vertreten: Eloesser, Bab, Rudolf Kayser. Döblin, Fleimann, Kcrr, Holitscher, Beer-Hofmann, Schnitzler Wassermann... eine Reihe, die sich noch vergrößern ließe, ohne die der Verlag nicht er selbst wäre. Der Almanach ist ein reichhaltiger Spiegel fruchtbaren Wirkens. Ustjüdische Legenden. Gesammelt und bearbeitet von J. Kreppei. Wien 1926. Verlag ״Das Buch“, VIII, Aiserstr. 5$, 4 M. Dl Rosenblüth, Der ״Je Nummer vo tikeln mit d sehen Partei! gen der ״J tischen Ziel! einzigen Sat w i r es geta; und tatsächli ihrer Aufgai Schmähunge dialektischen die Notweni dialektische gemäß und haben niem genialen Pb der Judenfi sprach. Wi! bei dieser dachte, son offizielle Pa rechtlich ge Herausgebei arbeitern in anderen W« waren notw hat der Ziot er ist als ei ist durch Aufgabe un bewegt siel des ״Juden wenn es ei die Juden d Lage jedocl Debattierkh Gedanken i können wir Gemeinscha genug wen zu leben, seit Jahrhu die wir nie künftige p; Form eines zwei Vö Minderheit sacht der ן nicle“ ein, deren Betäl tages willk! dem Artike hitigewiesei p s y c h o 1 < Bedeutung dazu beitrs erschweren an anderci ist, worüb Korrespond Reaktion, ג maligen Ai: hm aber, c dann vorw kussionsgej die Durchf aus belehr] mente übe versucht, e mit allen K für untnögl schon die ist wenigs׳ jetzt nach beitragen, und Zielse mäßig d die Kons nistische P gegriffen 1 sondern aj Stunde um keifen. Da di Parteitag < gewesen Stellung de Zitate aus mißverstän er die Kü tiger Absi Subvention den betre Zentralorg sei daran Referat ül das sich 11 Staates b! Rede d Zionismus sehende 1 Darauf er Zionismus staatsgeda ,Innere K1 an Judens gegenüber zunächst eine Koal Gründen einigt, in Formulier halten, ds Urteilsele! Es is preti erten gehen un

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