Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXI (1926)
- Issue
- Heft 91 (19.11.1926)
- Date
- 1926-11-19
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 91 JUED1SCHE RUNDSCHAU Sehe 651 Brief ans Palästina Von unserem Korrespondenten. Die Regierung für Tei-Awiw — Vor den Wahlen — Arbeiterschutzgesetze — Die Konferenz der Revisionisten. AO. Tel-Awiw, den 10. November 1926. Entsprechend der Arbeitslosigkeit, die nach wie vor mit großer Schwere auf Tei-Awiw lastet und entsprechend den großen Verpflichtungen, die der Stadtrat für die Ausführung von Reservearbeiten immer von neuem auf sich nehmen muß, mehrten sich in der letzten Zeit in der Stadt die Gerüchte über die gefährliche finanzielle Situation der Munizipalität. Man sprach von der Unmöglichkeit, die Verfiflichtungen einzulösen, die sich von Tag zu Tag ansammelten. Den Kandidaten für die neue Munizipalität wurde schwer zu-!nute, wenn sie sich vorstellten, daß sic bei einem glücklichen Ausgange der Wahlen dieses ״Geschäft“ übernehmen müßten. Selbstverständlich wurde, wie in allen Gerüchten, auch hier maßlos übertrieben und je ferner die Einzelnen den Dingen stehen, desto besser wissen sie Bescheid. Unter diesen Umständen war die letzte Sitzung des Stadtrats vor den Neuwahlen relativ sehr scltwach besucht. Aber diese ohne Neugier erwartete Sitzung brachte nicht nur einen von Zahlen gestützten Rechenschaftsbericht/ sondem zugleich einen wichtigen Ausweg aus der Not. Die finanzielle Lage in der Stadt läßt sich folgendermaßen zusammenfassen*): Im Jahre 1913 hatte Tel-Awiw zwischen 5000 bis 6000 Seelen und £ 67 000 Schulden. Im Jahre 1914 kamen umliegende Viertel dazu und die Stadt wuchs auf 15000 Seelen und die Schulden auf £ 135 000. Hier ist die in Amerika aufgenommene Anleihe inbegriffen, die sich auf £ 73000 belief. Demgegenüber steht das Wachstum der Stadt in den letzten Jahren, wodurch die Zahl der Einwohner mehr als verdoppelt wurde, eine Reihe von Werten, die durch die Unternehmungen der Stadt geschaffen sind (z, B. eine ansehnliche Bodenfläche usw.) und die Arbeitsbeschaffung für Tausende durch Monate hindurch. Die momentane Geldkrise in der Munizipalität ist um vieles kleiner als die Oeffentlichkeit sich erzählte und beruht auf bestimmten Faktoren der letzten Entwicklung. Noch vor weniger als einem Jahre stand man in Tel-Awiw vor unbegrenzten Möglichkeiten. Das verblüffend schnelle Wachstum der Stadt verwischte jede Grenze, die sonst für eine Ansiedlung von relativ geringer Seelenzahl bestehen. Man rechnete nicht nach dem Tel-Awiw von heute und gestern, sondern von dem von morgen und übermorgen. Und dieses Tel-Awiw von übermorgen konnte um Zehntausende wachsen. Mit dem Wachstum der Stadt stiegen die Einnahmen und vergrößerte sich der Apparat. Noch im vorigen Sommer flössen gegen £ 6000 aus Bausteuern in die Kasse der Stadt. Die Gründung neuer Geschäfte und Unternehmungen lieferte ununterbrochene hohe Einnahmen. Die wachsende Bevölkerungszahl verlangte einen vergrößerten, gut ausgebauten Beamtenapparat und lieferte zugleich die Mittel zu seiner Unterhaltung. Unterdes kam der Umschwung. Die Erträgnisse aus den Bauerlaubnissen sanken, ebenso die aus den Gewerbebescheinigungen. Anstatt baren Geldes bekam die Munizipalität immer häufiger Wechsel, die schwer zu realisieren wären. Die Propaganda der äntinatkmalen Elemente .jaafUftl'jdefr Hausbesitzern,;der ־'M«»i*iÄ|ätvdie׳,.Steuer« \Srwe1gertj,' •1*tat;'«®• "Ihrfgi,’' uni*®#״ tfägfc m JcoiSßttzjUöjj; und der Abbau eines Beamtenkörpers erforderte naturgemäß mehr Zeit als sein Wachstum. Unter diesen Umständen galt es für die Munizipalität nach Mitteln zu suchen, um den dringenden Verpflichtungen der näehsten Monate nachzukommen und weitere Schritte zur Hebung der Arbeitslage zu tun. Sie trat daher in Verbandlungen mit der Regierung ein. Tel-Awiw umfaßt heute gegen ein Drittel des jüdischen Jischuw und ist eine der wichtigsten Quellen für Steuern und Zolleinnahmen. Unter diesen Umständen ist es natürlich, daß die Landesbehörden, die für die Entwicklung verantwortlich und an einem gesunden Fortschritt interessiert sind, sich der gefährdeten Punkte annehmen. Es schien manchem zweifelhaft« ob dieser Versuch glücken könne, da der Jischuw bisher durch Hilfe der Regierung nicht verwöhnt worden ist. Diesesmal jedoch zeigte sich die Regierung entgegenkommend. In der letzten Sitzung *) Wir geben die Zahlen des Finanzdepartements der Munizipalität. des Stadtrats konnte die Leitung berichten, daß die Regicrungsichverpflichtethat.dieWechaeldcr Munizipalität einzulösen. Sie fordert dabei den Zinsfuß, den sie selbst bei den Banken zahlt. Er ist ungleich niedriger, als der sonst im Lande gebräuchliche. Die Anleihe der Regierung soll zurückerstattet werden, sobald die Krisis in der Stadt behoben und die Einnahmen wieder gestiegen sind. Damit ist die Munizipalität von einer schweren Last befreit und wieder für produktive Tätigkeit freigeworden. Das Darlehen der Regierung ist ein gutes Zeichen für den Beginn einer verständnisvollen Kooperation zwischen dem Jischuw und den Behörden. Es ist wichtig, daß die Hilfeleistung der Regierung nicht mit einer Beeinträchtigung der autonomen Rechte der Stadt bezahlt worden ist. Die Forderungen der Regierung betreffen allein eine Kontrolle der Bücher, die der Regierung ohnedies zusteht, wenn sie auch bisher nur in sehr beschränktet^ Maße ausgeübt wurde. Die Erlangung der Regierungshilfe ist die letzte große Tat der abtretenden Stadtverwaltung. Und noch ein Akt ist von ihr durchgeführt worden, der für die Stadt nicht nur materielle, sondern auch psychologische Bedeutung hat: Die Kürzung der Beamtengehälter in der Munizipalität um £ 300. Das wird in Tel-Awiw, mit seinen Hunderten von Subsistenzlosen nicht nur als ein Akt der Sparsamkeit, sondern der Solidarität mit den weiten Kreisen der Bevölkerung gewürdigt. * Unterdessen schreiten die Wahlvorbereitungen vorwärts. Es scheint, als wolle der rechte Flügel bei seinem Boykott beharren. Auch die Intervention des Waad Leurni, die in den letzten Tagen stattgefunden hat, führte bisher nicht zu praktischen Folgen. Es ist anscheinend nur von der Initiative jener Hausbesitzer, die nicht mit der Leitung der Partei einverstanden sind, etwas zu erwarten. Ob sie jedoch einen eigenen Weg einschlagen weiden, bleibt fraglich. Die Wahlkommission der Munizipalität hat ihre Arbeit fast beendet. In der gegenwärtigen Atmosphäre In der Stadt, die durch die heftigen inneren Kämpfe erregt ist, machte es sich die Kommission zur Aufgabe, eine möglichst genaue und umfassende Arbeit zu leisten. Die Zusammensetzung der Kommission, die Hinzuziehung aller an den Wahlen beteiligten Gruppen, die Einsetzung einer Kontrollbehördc von Mitgliedern des lokalen Friedensgerichts verbürgen eine gründliche und getreue Ausführung. Die Wähierzahl ist, wie sich bei Prüfung zeigt, durch die neuen Regierungsverfügungen sfark dezimiert worden. Alles in allem schätzt man die Zahl der Wahlberechtigten auf 1300 bis 1400. Die Zahl der Listen wird auch dieses Jahr recht groß sein. Schon jetzt zählt man über zehn. Es handelt sich um folgende Strömungen und Interessengruppen: die radikalen Demokraten, die Orthodoxen, die ״Mieterpartei“, die allgemeine Arbeiterorganisation, die linken Poale-Zion, den Misrachi und Poel Misrachi, die ״Oie Pokmia“ (Einwanderer aus Polen), die Revisionisten, die Kleinhändler, die Jemeniten und die Barackenbewohner. Es werden wahrscheinlich noch einige dazu kommen. Bisher sind nur einige Programme erschienen. Wir werden das nächste Mal auf die Forderungen der einzelnen Gruppen näher zu sprechen kommen. * Nach jahrelangem Warten und vielerlei Bemühungen ist vor einigen Tagen In de* offizielle« Regierungszeitung der 1 ,^ÄlaÄ^efntf G^W;^l;%eI'׳^W4f'i4Ä-:rb;eltf¥f schienen. Die Verfügung betrifft Unfallversicherung und eine Streikordnung mit genauen Einzelheiten. Die palästinensische Presse bezeichnet diesen ersten Schritt der Regierung mit Recht als einen Anfang. Man möchte hinzusetzen: als einen guten Anfang. Es war klar, daß dieses Gesetz kommen mußte, und daß wirklicher Arbeiterschutz nur in Abstufungen eingeführt werden kann, weil die Regierung ihit einer Reihe von Problemen zu rechnen hat. Sie muß Gesetze schaffen, die den verschiedenen Ziviiisationsstufen der beiden im Lande ansässigen Völker gerecht werden und kann deshalb nur schrittweise Vorgehen. Zu den Einzelheiten des Gesetzes hat sich bisher noch keine Seite ausführlich geäußert. Die Konferenz der-Industriellen, die in diesen Tagen in Tel-Awiw tagte, hat beschlossen, der Regierung Amendements zu den Verfügungen vorzuschlagen. Auch die allgemeine Arbeiterorganisation wird vermutlich nicht verfehlen, ihre Meinung der Regierung zu übermitteln. Es wäre 1m Interesse der Einflußnahme auf die Regierung von Wichtigkeit, wenn die verschiedenen Kreise innerhalb des Jischuw, die an Trauerfeier für Adalbert Sachs Am Mittwoch, den 17. November 1926, wurde Dr. Adalbert Sachs auf dem Jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee beigesetzt. Eine sehr große Anzahl von Freunden und Verehrern des Verstorbenen umstand das Grab. Der Beisetzung ging eine kurze Trauerfeier voraus, in der von Männern, die Dr. Adalbert Sachs nahegestanden hatten, noch einmal das Bild seiner Persönlichkeit gezeichnet wurde. Rabbiner Dr. Emil C o h n - Grunewald hielt als Freund des Verstorbenen die Grabrede. Indem er die zahlreich versammelten Freunde von Adalbert Sachs auf die schönen Erinnerungen seiner Berliner Jugendzeit hinwies, rühmte er ihn als den ״nobelsten aller unserer Freunde“. Noblesse bestehe in einer Mischung von echter Männlichkeit und Weichheit des Herzens. Adalbert Sachs hat beides in sich vereinigt. Jeder erinnert sich des sprudelnden, stets von einer Ueberfülle der Ideen und der Probleme bedrängten Mannes, der durch seinen frischen Humor und durch sein feines und zartes Gefühl wie ein erfrischender Maimorgen• gewirkt und wie ein Frühlingswind alies Kranke und Ungesunde der Umgebung weggefegt hat. Nur wenn die rohen Tatsachen und die Härten des Lebens kamen, hat sein überaus weiches und feines Herz mit aller seiner Wehrlosigkeit reagiert. Darum muß ihm, dem Manne der vollkommensten Noblesse, das königliche Klagelied gelten: ״Deine Zierde Israel, auf deinen Höben erschlagen!‘־ Aus der Frische seines spontanen Wesens ist es auch zu erklären, daß er, der für Palästina seinem Wesen nach so gar nicht prädestiniert war, dennoch hinüberging, Trotzdem habe eine merkwürdige Aehnlichkeit zwischen ihm und dem Lande der Väter bestanden, das ebenso von Problemen bedrängt ist, wie er es war. Dabei sei es nur bezeichnend, daß gerade er, der Mann der vollkommensten Noblesse, einer der wenigen gewesen ist, die durch ihren Beruf und durch die Art, wie sie ihn ausüben, dieser Probiene Here wurde. Für Adalbert Sachs bestand keine Araberfrage, denn er ist der helfende Freund der armen Fellachen, überhaupt des arabischen Jerusalem gewesen, ebenso wie ihn das christliche Jerusalem verehrte und das jüdische mit heißer Liebe an ihm hing. — Der Redner wandte sich dann an die Gattin des Freundes und brachte ihr das Treuversprechen aller Freunde dar, um mit einem Abschiedswort an den Toten zu schließen. Nachdem Rabbiner Dr. Emil Cohn geendet hatte, ergriff das Wort Dr. Joseph Hirsch, der für einen Kreis nächster persönlicher Freunde sprach. Seine Worte, in denen er als die beiden Grundzüge des Charakters des Verstorbenen Liebe und Gerechtigkeit hervorhob, waren von wärmster Anteilnähme und stärkster persönlicher Ergriffenheit getragen. Dann sprach Kurt Blumenfeld für einen Kreis zionistischer Freunde und im Namen der Zionistischen Organisation. Er sprach von Sachs, dem Zionisten, der von allen geliebt und verehrt, doch nur von einem kleinen Kreis ganz verstanden wurde. ״In verschiedenen Lebenskreisen lebte Sachs; Nichtjuden, Juden verschiedenster Anschauung, Antizionisten, Nichtzionisten und Zionisten stand er nahe. Seine Persönlichkeit war so reich, daß jeder Kreis glaubte, ihn ganz zu haben und daß* die wahre Quelle seines Wesens oft so verborgen blieb, daß entscheidende Handlungen seines Lebens in ihren Motiven mißdeutet wurden. Eine einzigartige Persönlichkeit war er, eine Mittelpunktsfigur, ein heimlicher Führer. Als unser Kreis ihn kennenlernte, fühlten wir zunächst die Ritterlichkeit seines Wesens, den Stolz, den Anstand, die moralische Haltung in allem. Sein Kavaliertu in, seine Abneigung gegen alles Gequälte und Zerquetschte, sein Freiheitsgefühl trieben ihn zum Zionismus. Stilgefühl enthüllte ihm die Unwahrhaftigkeit und innere Unsicherheit jüdischen Galuthlebens. Aus echtem Kulturgefühl lehnte er die Imitation gesellschaftlicher Form ab und erzog seinen Kreis zu Formgefühl und respektvollem Verhalten. Dieser ritterliche Mann war gütig und zart und von der Schamhaftigkeit, die den echten Mann auszeichnet. Er verbarg die Tiefe seines Gefühls hinter Redensarten, die für dem Gesetz interessiert sind, unter sich zu einer gewisse» Verständigung kommen könnten, damit die Regierung nicht allzu vielen und allzu verschiedenen Meinungen gegenübersteht. Die beiden letzten Akte der Behörden, die Anfänge einer Arbeiterschutzgesetzgebung und das Darlehen an die Munizipalität Tel-Awiw geben Hoffnungen auf eine engere Kooperation der Regierung und des Jischuw als sie bisher erreicht werden konnte. Ueber die dritte Konferenz der Revisionisten in Palästina ist wenig zu sagen, weil sie hinter verschlossenen Türen tagte. Nur die Schlußsitzung war öffentlich, aber sie konnte, wie alle solche Veranstaltungen, kein Bild der Konferenz geben, weil es sieh um einen reinen Demonstraktionsakt nach außen handelte, der sich in der Rede von Jabotinsky erschöpfte. Die (.)Öffentlichkeit in Palästina, die vergeblich darauf gewartet hat, sich wenigstens in einer Ver- Sammlung mit Jabotinsky auseinandersetzen zu können, hat also auch darauf verzichten müssen, die Diskussionen der Revisionisten untereinander zu hören, was im Interesse öffentlicher Meinungsbildung zu bedauern ist. Die Beschlüsse der Konferenz liegen noch nicht alle vor. Die politischen Resolutionen sind wenig anders als eine Wiederholung der Forderungen, die Jabotinsky in seinen verschiedenen Reden gestellt hat. Ein Sprung vorwärts ist noch auf dieser Tagung gemacht worden, der den Geist charakterisiert, der hier geherrscht hat. Es gibt einen Beschluß, an Stelle des Wortes ״Nationalheim“ im zionistischen Programm die Formel ״Judenstaat“ zu setz.cn. Wenn innerhalb der Bewegung dieser Vorschlag vielleicht keinen Schaden anrichtet, so ist er eine schwere Provokation nach außen, die wohl nicht■ ungestraft am Zionismus vorübergehen wird, wie jeder versteht, der die Verhältnisse kennt. Unter den sonstigen Beschlüssen muß man zwischen nebensächlichen und wichtigen scheiden. Nebensächlich sind vor allem die Proteste ge• gen den Keren Hajessod, der antirevisionistische Propaganda treibe und gegen die Universität, die das Amphitheater für den Vortrag Jabotinskys verweigert hat. Wichtiger sind die wenigen Resolutionen auf wirtschaftlichem Oebiet. Sie haben anscheinend auf der Konferenz neben den politischen den bescheideneren Platz zugewiesen erhalten. Es ist aber fraglich, inwieweit die Anerkennung von Soskins Intensivem Kolonisatio ns System von Wirtschaftliehen Gesichtspunkten bestimmt wurde und ob nicht das Postulat einer Masseneinwanderung um jeden Preis die wirtschaftlichen Formen eo ipso diktiert. Unter den übrigen Beschlüssen fällt einer in die Augen, der seltsam zu der Zeit kontrastiert, die heute über Palästina dahingeht. Es ist die Forderung eines besonderen Budgets für Sport von der Zionistischen Exekutive. Es handelt sich dabei nicht um die Frage der körperlichen Erziehung als solcher. Diese ist ein Teil einer vernünftigen Schulpolitik, für die man in allen Lagern cintritt; aber man muß geradezu landfremd und von der einzigen Idee der patriotischen Verteidigung der Landesgrenze besessen sein, um heute, wo es sich um das nackte Leben von Tausenden handelt, Gelder der Exekutive für — Sport zu fordern. Es ist charakteristisch, daß man in den Konferenzen der Arbeiterparteien, die da־ revisionistischen vorausgingen, nicht nur nicht von einem Sportbudget sprach, sondern die schreckliche Notwendigkeit erörterte, alle anderen , Budgttpesi«« :iE‘!@lvni#:»ti-ö>1j zu kürzen, weil endlich elntaal die Mauer, die uns einschnürt, durchbrochen werden muß. Es mag scheinen, als sei diese Resolution nicht wichtig. Aber man darf nicht vergessen, daß die Kreise, die hier vertreten sind, aus jungen Mensehen bestehen und unter junge Menschien gehen. Und daß sic die palästinensische Jugend ablenken auf Dinge, die heute unwesentlich und morgen gefährlich sind. Wie gefährlich, das hat die Rede Jabotinskys vor der Jugend in Tel-Awiw bewiesen. Mit der Revisionistenkonferenz schließt der Aufenthalt Jabotinskys im Lande. Er hat sich in seiner Schlußrede auf der Konferenz noch beeilt, seine eigene Konferenz als die der ״Lehrer“, die anderen dagegen als ״Schüler“ zu bezeichnen. Und er hat das große Wort ausgesprochen, daß er und seine Partei auf die Verzweiflung ״pfeifen“, die ringsum herrscht. Zuerst fragt man: Wo ist die Verzweiflung ringsum? Und dann, wenn auch nur ein Schimmer von Verzweiflung im Jischuw vorhanden ist, wer darf es wagen, darauf zu | ״pfeifen“? ihn charakteristisch sind, die in unserem Kreise fortwirken und denen, die ihn kannten, viel von seinem Wesen enthüllten. Aengstlich verbarg er jede zur Schau getragene idealistische Regung. Als er nach Palästina übersiedelte, legte er Wert darauf, die wahren idealistischen Gründe seiner Uebersiedlung zu verhüllen. Diesem starken und zarten Manne gelang es, Kinder und Jünglinge an sich zu fesseln und zu erziehen. Einige Jahre vor dem Kriege wurde er einer der Gründer des ,Blau-Weiß׳. Er wanderte mit jüdischer Jugend. Er zeigte ihr Natur, Pflanzen, Tiere, die er alle kannte, ein sinnenfroher Augenmensch, dessen Genußfähigkeit echtes Empfinden bei seiner jugendlichen Umgebung hervorrief. Kindisches war ihm zuwider, deshalb konnte er ein Erzieher von Kindern werden, die er immer ernst nahm, und denen er sich als Mann gab. Deutscher Natur war er tief verbunden und gerade sein tiefer Zusammenhang mit deutscher Natur und deutschen Erlebnisstn enthüllten ihm die Notwendigkeit zu zionistischer Ent- Scheidung. Zahlreiche Eigenschaften kennzeichnen uns sein Wesen. Genußfähigkeit, Humor, Ernsthaftigkeit, Tapferkeit, beispiellose Aufnahmefähigkeit neuer Eindrücke, Emst und Verantwortungsgefühl. Aus all diesen Eigenschaften erwuchs sein Zionismus, den wir kennen und nur wir ganz erlebt haben. Er fühlte sich unfertig und unvollendet, und der Zwang jeden Tag aufs neue zu allen Fragen des Lebens, zu allen zionistischen Problemen Stellung zu nehmen, wirkte auf uns als stärkster Zauber seines Wesens. Kaum saß man mit ihm zusammen, war man mitten in erregter Unterhaltung. Er fragte immer wieder nach dem Weg für unsere Arbeit. ,Man müßte etwas Neues machen‘ sagte er wenige Tage vor seinem Tode. Frei von flachem Optimismus war er erfüllt von Gedanken und Sorgen für die Zukunft der palästinensischen Entwicklung und des jüdischen Lebens, aber freudig und sicher in der Erfüllung seiner Pflichten. Ich hatte die Freude, ihn auf seiner Reise nach Jerusalem zu begleiten, nach der Stadt, der er nach wenigen Tagen