Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXI (1926)
- Issue
- Heft 90 (16.11.1926)
- Date
- 1926-11-16
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 90 JUEDISCHE RUNDSCHAU S«äte 645 Breslauer Brief Der Führer des liberalen Judentums für Palästina? Breslau, Mitte November. Das leben des Breslauer Judentums beginnt allmählich die Ruhe der Sommermonate abzustreifen. In den letzten Wochen erlebten wir den Besuch einer Reihe von Person- Kchkeiten, die außerordentlich belebend wirkten. Es waren dies Professor Franz Oppenheimer, Herr Felix R o s e n b I ü t h , Rechtsanwalt Heinrich Stern, der Vorsitzende der Liberalen Vereinigung. Außerdem fing der Keren Hajessod seine Wintersaison an, der ״ORT“ begann eine einmalige Aktion, der K. C. feierte ein großes Stiftungsfest, die Habimah ist soeben eingetroffen. Kurz mul gut, über Langeweile kann man sich nicht beklagen. Professor Oppenheimer sprach hier vor einem größeren geladenen Kreise und die Wirkung seiner Ausführungen war außerordentlich nachhaltig. Ihm schloß sich Herr Felix Rose n - blüth aus London an, der nicht nur die Winterarbeit der hiesigen Ortsgruppe und des niederschlesisdien Ciruppeuverbands einleitete, sondern gleichzeitig auch für den Keren Hajessod warb. An der Gmppenverbandstagtmg nahm auch Herr Martin Roseiibliith teil. Hierüber hat die Rundschau schon berichtet. Der Besuch von Herrn Rechtsanwalt Stern war die Folge eines Artikels von Herrn Rechtsanwalt Foerder, den die hiesige ״Jüdische Zeitung4‘ unter dem Titel ״Liberalismus und Liberale von heute“ veröffentlichte. An Stelle einer schriftlichen Erwiderung hielt es Herr Rechtsanwalt Stern fiir angebrachter, in Breslau seihst unter der gleichen Ueberschrift zu dem Artikel Stellung zu nehmen. Sein Vortrag versuchte, den auch unseren Lesern bekannten Artikel des Herrn Rechtsanwalt Foerder Absatz für Absatz zu widerlegen. Herr Stern rückte mehrfach die Angelegen- Viten der G e in c i n d e p 0 I i t i k , vornehmlich auch die der Äe.meindc Berlins, in den Mittelpunkt. Sein Vorwurf bestand *arin, daß die Zionisten lediglich Konservative aufgestellt hätten, obwohl Zionismus doch mit Orthodoxie nicht identisch sein wolle. De Folge sei eine gewisse Intoleranz in lediglich konfessionellen Dingen. Im übrigen ist noch hervorzuheben, daß er an die Spitze seines Vortrages ein Bekenntnis zur Idee des K’lal Jisraei setzte. Ferner seine Stellungnahme zur Palästinafrage. Er stehe nicht an, sagte er, auszusprechen, daß er für die Palästinakolonisation sei und er stoße sich auch nicht an dem sogenannten ״nationalen Aufba u“, denn ein anderer sei ja u n m ö g - lieh. Seine Bedenken, die es ihm unmöglich machen, sich an der Sache zu beteiligen, sei die Religionslosigkeit in Palästina (!). In der Diskussion wies Herr Dr. Joachim Prinz in wirkungsvoller Weise darauf htrt, daß die liberale Jugend aus innerem Bedürfnis und aus der Hohlheit des heutigen Liberalismus heraus zum Zionismus kommen müsst Ein ungewöhnlich hoher Prozentsatz der studierenden Theologen der deutschen Rabbiner- Seminare verbinde heute bereits liberale und zionis tische Ueberzeugungen. Die Spannung erreichte später ihren Höhepunkt, als Herr Rechtsanwalt Foerder selbst das Wort nahm, um Herrn Rechtsanwalt Stern zu entgegnen. Er wies darauf hin, daß der überaus klägliche Besuch der Versammlung durch nur etwa 60 bis 70 Anhänger der liberalen Partei die beste Illustration für die heutige Situation des Liberalismus biete. Etas gleichzeitig stattfindende Konzert der italienischen Diva interessiere die luden, die bei Gemeindewahlen ihre liberalen Stimmzettet abgeben, anscheinend erheblich stärker als jüdische Älegenheiten., Der Niedergang des Liberalismus rühre zu hflches TftM-Htbör s'einer״• f a ft׳a־tl'4c 11:411• Ä'MÖjfrnung des Palästinagedankens her, während gleichzeitig seine geistigen Führer, wie Baeck, Elbogen, Wiener, Ooldmann und andere für die Palästinasache kämpfen. Das Eintreten solcher Männer mache es übrigens auch unnötig, auf den Vorwurf der Religionslosigkeit in Palästina näher einzugehen. Besonderen Wert legte er auch aut die Tatsache, daß Herr Stent das Bündnis mit Naumann bei den Preußen wählen, das 90 großen Anstoß erregt hatte, mit Stillschweigen übergangen hätte. Nau* man nbündnis und Paläst inafeindschaft lassen keine günstige Prognose für die Zukunft des Liberalismus zu. Es sei nicht länger angängig, die deutsche Judenheit noch länger in verschiedene Lager zu spalten, die sich mit dem äußersten Vernichtungswillen gegenüberstehen und die Forderungen nach einer positiven Einheitsfront müsse auf? neue gesteht werden. — wir können nicht verfehlen, darauf hinzuweisen, daß bei der Berufung auf Rabbiner Goldmann mehrere Anwesende Zwischenrufe in dem Sinne machten, der Liberalismus habe diesen längst abgeschüttelt. Nach Herrn Foerder sollte noch ein Vertreter der Zionisten sprechen, doch riefen einige gegen die bisherigen Redner gerichteten persönliche verletzende Bemerkungen einen vorzeitigen Abbruch der Versammlung hervor, ein Teil der Versammlung, der auf seiten von Dr. Prinz und Rechtsanwalt Foerder stand, darunter auch ihr Referent, verließ protestierend den Saal, so daß die Aussprache der Parteien leider nicht zu Ende geführt werden konnte Das K. C.-Fest war nach außen, besonders für die nichtjüdischc Ocffentiichkcit, gut aufgemachf, für den jüdischen Kritiker war aber manches zu selten, was vom jüdischen Standpunkt aus nur schmerzlich empfunden werden kann. Etwas blamabel war es schon, daß einer der nichtjüdischen Behördenvertreter zufällig der Schwager eines der Mitbegründer der hiesigen K. C.-Verbindung war, der nicht anwesend sein konnte, weil er sich inzwischen hatte taufen lassen. Schlimmer, weil tendenziös, war es, daß man zwar die paritätischen, nicht aber die zionistische Verbindung eingeladen hatte. Einen außerordentlich merkwürdigen Begriff von dem heute im K. 0. herrschenden Geist erhält man aber, wenn man erfährt, daß 150 K. C.er ausgerechnet am Freitagabend vor dem Stiftungsfest in den öffentlichen Räumen eines sehr bekannten Cafes einen Kommers veranstaltetcn, der damit endete, daß die K. C.er zuletzt auf die Tische stiegen, während die Gäste angewidert aus dem Lokal flüchteten. Diese Nachahmung der Sitten der Couleurstudenten durch Juden in einem öffentlichen Lokal, und noch dazu in einer so abstrusen Form, hat bei der nichtjüdischen Bcvölkerung Breslaus nicht gerade als Beitrag zur Bekämpfung des Antisemitsmus gewirkt. K. E. Das Erlöschen der Rinderpest Das palästinensische Oberrabbi nat hat folgendes Schreiben des High Commissioner Lord Plumer erhalten; ״Im Monat August übersandten wir Ihnen die amtliche Mitteilung, die im Amtsblatt über die Rinderpest erschienen ist, und baten Sie, in allen Synagogen Bittgottesdienste für das Erlöschen der Seuche zu veranstalten. Diese Gebete h a b e n Gehör gefunden und ich bin in der Lage, Ihnen jetzt mitzuteilen, daß die meisten Notverordnungen wieder aufgehoben werden konnten. Ich hoffe, daß jetzt in den Synagogen Dankgottesdienste stattfinden werden.“ Das Oberrabbinat hat beschlossen, der jüdischen Oeffenttichkeit von diesem Schreiben Mitteilung zu machen und an* zuregen, Dankgebete für das Erlöschen der Seuche, die dem׳ Vermögen und der Gesundheit auch des jüdischen Jischuw Leiden verursachte, zu verrichten. Im ganzen sind etwa 400 Stück Vieh der Seuche im ganzen Lande zum Opfer gefallen, hauptsächlich in a r a - bischen Dörfern. Zir AhIIösbiq des (■11nigratio>s*Departen1(Mls Wie wir seinerzeit berichtet haben, soll auf Beschluß der Palästina-Regierung das unter Leitung von Hyamson stehende Immigrations-Department aufgelöst und das’ Einwanderungswesen den Polizeibehörden unterstellt werden. Wie der ״Haaretz“ vom 3. November berichtet, sollen in London Schritte unternommen werden, um die gänzliche Aufhebung des Immigrations-Departments rückgängig zu machen. Man glaubt, daß es zu einer mittleren Lösung kommen wird, indem die Paßangelegenheitcn den Polizeibehörden unterstellen werden, während für die Fragen der Einwanderung auch weiterhin das Immigrations-Department zuständig sein wird. Palästineisiselie Pisse Die Palästina-Regierung hat nunmehr vom Colonial Office die erste Sendung der palästinensischen Paßbücher erhalten. Die Pässe sind viersprachig, englisch, hebräisch, arabisch und französisch. Die englische Aufschrift lautet ״British Passport״ und die hebräische ״Palästina-Regierung-Paß“. Die Pässe enthalten einen besonderen Vermerk, wonach für die Einreise nach England und den Dominions ein besonderes Visum erforderlich ist. Es ist dies eine Folge der Reziprozität, da auch die Engländer für die Einreise nach Palästina und dem Irak besonderer Visen bedürfen. (Ziko.) Verlost eines jüdische■ Senatssitzes Bukarest, 4. Nov. (J. T. A.) Die Handelskammern in Jassy und C7.ernowit? hatten mit großer Majorität den jüdischen Handelskammer-Rat Ehe Mendelsohn zum Senator gewählt. Infolge der Intriguen der Regierung, die ihren unterlegenen Kandidaten Czerkes durchsetzen wollten, annullierte der Staat diese Wahl. Nachdem die Jassver Handelskammer aufgelöst und bei den Neuwahlen eine andere Zusammensetzung erreicht wurde, wurde auch die Nachwahl zum Senat ausgeschieden. Der Regierungskandidat Czerkes erhielt 29 Stimmen und wurde gewählt, während Mendelsohn mit 22 Stimmen in der Minorität blieb. kleine Nachrichten Präsident Masaryk wird, wie verlautet, bei Gelegenheit seiner Aegypten-Reise Ende Dezember 1926 oder Anfang Januar 1927 auch Palästina besuchen. Der Völkerhundrat tritt am 6. Dezember zu seiner nächsten Tagung in Genf zusammen. Auf der Tagesordnung steht u. a. auch die Entgegennahme eines Berichtes der Mandats• kommission. Der Oherrieliter von Palästina. Sir Thomas W. Hayc r a 1 t. wird im Januar 1927 nach Erreichung der Altersgrenze seinen Pusten verlassen, Major Campbell, der neue Distriktsgouverneur für den Süddistrikt in Palästina, wird den Süddistrikt mit Aus- Schluß von Jerusalem, das, wie wir bereits berichtet haben, ein selbständiger Distrikt geworden ist, verwalten. Sir Ronald Storr*, der bisherige < louvenicur des Süddistrikts in Pa-!ästina begibt sich zur Lebern ah me seines Gouvemeuramtcs nach Cypern. Demnächst werden, in ein Gesetzbuch gesammelt sämtliche Gesetze und Vorschriften, die in Palästina seit der britischen Okkupation verkündet worden sind, herausgegeben. Herausgeber ist der Oberstaatsanwalt Norman B e n t w ich. Der Oberrabinner von Palästina, Rabbi K u k, veröffentlichte einen Appell an die Judenheit der ganzen Weit, den Keren Hajessod nach Kräften zu stützen, in dieser für Palästina kritischen Zeit, heißt es weiter in dem Aufruf, sei es erforderlich, daß jeder Jude soviel beiträgt, als in seinen Kräften liegt. Der Vizepräsident des iiiltsvereius der deutschen Juden Dr. Paul N a t h a n und der Generalsekretär des Hilfsvereins Dr. Marc Wisch nitzer haben die Reise nach Moskau angetreten, um an der allrussischen Konferenz der unparfeilschen Gesellschaft für jüdische Kolonisation O/et. die am 15. November beginnt, teil/nnchmen. Ferner begehen sich die .Mitglieder des Präsidiums des Verbandes Ort, die Herren Dr. A. Singalowskv und Dr. Lvovitsch nach Moskau, um der Ozet-Konferenz beizuwohnen. ln Bialvstok verstarb der bekannte hebräische Schriftsteiler und Pädagoge Mordechai Kaplan. An! 10. November verstarb in Kischin nt plötzlich der Vorsitzende der Gesellschaft ,,Ort“ in Beßarabien, Ing. Marc Gott lieb. Er war auch aktiver Zionist. Unter dem Vorsitz des früheren Oberstaatsanwaltes, Carl Sherman, fand in New York eine Konferenz statt, in der Pläne für Errichtung eines sechs Stock hohen zionlstischcit Heimes vorgelegt wurden, in weichem alle zionistischcn Büros, eine große Lesehalle, eine Bibliothek, Ausstel'ungsräumc, ein Restaurant u. a. m. untergebracht werden sollen. Die Erbauungskosten wurden auf 600 000 Dollar veranschlagt. Gegenwärtig sind in New York 32 zionistische Distrikte und fünf Klubs junger Zionisten, ferner zwei Hadassah-Logcn und einige zionistische Studentenorganisationcii. In Wien wurde Prot. Dr. Frankfurter. Direktor der Universitätsbibliothek und bekannter jüdischer Forscher, 70 Jahre alt. Der polnische Justizmiuister ließ allen üerielussteilen eine Verfügung zugehen, der gemäß Gerichtsverhandlungen, in denen Juden als Parteien auftreten, nicht an Sonnabenden oder an anderen jüdisclten Feiertagen stattfinden zu lassen. In Charkow wurde der berüchtigte antisemitische Agitator und Führer der Schwarzen Hundert im zaristischen Rußland, Oberst Giobatschow, wegen antisowjetistischer Spianage zum Tode verurtei't und hingerichtet. Oberst Cilobatsdww, eiiy ■intimer -Freund■»der ־lfog1r«t«fühfe* PtttisefakewPtglj, rj£*» schewan und Pelekan, mit denen er zusammen im Jahre 1905 die Pogrome in Kischin cw und in anderen Städten Ruß- Lands organisiert hatte, war lange Zeit der Herausgeber des Pogromblattes ״Odesskaja Rezina“. Die Entdeckung, daß der Mid s u r r e y-Gol i c i ub, dessen Oberhaupt der britische Thronfolger, der Prinz von Wales, ist, seit einiger Zeit laut offiziellem Beschluß Juden nicht mehr aufnimmt, hat in der Londoner Oeffentlichkeit großes Aufsehen erregt. Das Technische Institut in Haifa erhielt von der Allgemeinen Elektrizitäts-Gesellschaft in Berlin einen elektrischen Motor für direkte Stromversorgung der physikalischen und chemischen Laboratorien zum Geschenk. Herr Strauß, der Inhaber der Firnta Otto Wolf d: Co. in Köln, der bereits vor zwei Jahren dem Institut eine größere Spende zuwandte, stiftete neuerdings eine Maschineneinrichtung für die mechanische Schlosserwerkstatt. Der Prediger der Großen Synagoge von Manchester. Rev. Dr. Berendt Sa 10m 011, wurde in diesen Tagen SO Jahre alt. Gegenwärtig existieren in Polen 273 jüdische Darlchns- Lassen mit rund 88 000 Mitgliedern. nicht leicht ist, das rechte Maß für diesen Artikel zu finden, und daß es schwerer ist, sich zu beschränken als umfassend zu schreiben. Doch möchte ich meiner grundsätzlichen Auffassung dahin Ausdruck geben, daß es besser ist, die Fassungskraft gebildeter und, wie im vorliegenden Fall, auch mit einer gewissen fachwissenschaftlichen Vorbildung ausgerüsteter Leser zum Maßstab zu nehmen. Unter den übrigen Beitragenden befinden sich u. a. Blau- Budapest, Guttmann-Breslau, Jos. Horovvitz, G. Weil, Scholern, Torczyner, Suler, Sam. Kl«״• Als Mitarbeiter sind fast alle hervorragenden Gelehrten Palästinas, Europas und Amerikas gewonnen. Wohl nie hat ein Unternehmen so viele Gelehrte der Judenheit vereinigt wie dieses. Chefredakteur der Enzyklopädie ist Dr. Klatzldn; ihm zur Seite steht u. a. Dr. Soloweitschik, der auch die Abteilung Bibel Wissenschaft leitet. Klatzkin ist zugleich Redakteur für Philosophie, Dr. Goldmann für jüdische Gegenwart®- fragen. Die Talmudica redigiert Prof. Guttmann-Breslau, Rabbinica Dr. J. Freimann. Der alten Orient- und semit. Spradi- Wissenschaft sind Dr. Torczyner anvertraut, vgl. Reügions- Wissenschaft Prof. Schefteiowitz. Redakteur für Geschichte usw. sind Prof. Elbogen und Dr. Wisdmitzer, für Islam usw. Prof. Weil. Neue hebräische Literatur ist Eh. Ehrenpreis anvertraut, Naturwissenschaften Dr. F. Kahn. Das Werk ist vorzüglich ausgestattet. — Man darf mit großen Erwartungen dem Erscheinen der Enzyklopädie entgegensehen. Dr. Wölfsberg. Vom indischen Vertag ln der vorigen Nummer haben wir zwei neue Publikationen des der 3. Mendale Moicher Sfurim, Der Wunschring Mit dem Erscheinen des zweiten Teiles des Romans von Mendale Moicher Sfurim ״Der Wunschring“, ist dieses Hauptwerk des ostjüdischen Klassikers komplett. Der Wunschring zeichnet ach, abgesehen von der Schönheit der Darstellung und besonders der Milieuschilderung, auch durch eine spannende Handlung aus. Er ist da öst- Heiter Erzielrangsronan, der den hervorragendsten gleichverwandten Schöpfungen der Weltliteratur ebenbürtig «. ״Jüdische® Verlags“ angeführt. Anzeigen hier fort; Wir setzen die Reihe 4. Eine jüdische Jugendbücherei. Die acht Bändchen dieser im Jüdischen Verlag erschienenen Jugendbücher sind jetzt in geschlossener schön überzogener Kassette zusammen zum Preise von 2,50 M. lieferbar. Ehe damit vorliegende ״Jüdische Jugendbibliothek“ eignet sich besonders zu Geschenkzwecken. Sie enthält jüdische Erzählungen von Martin Bube r, H. H. Cohn, C. Z. Klötzel, Joh. Steinberg, Karl Glaser, Moses Calvary, Elias Auerbach, H. Glanz-Sohar usw. 5. Trumpeldors Tagebücher und Briete im Rundfunk. In der schlesischen Funkstunde, Breslau, sprach unlängst der bekannte schlesische Dichter W i 11 - E r i c h P c n k e"r t über ״Trumpeldors Tagebücher und Briefe“. Aus diesem Vortrag seien die folgenden Stellen zitiert: ״Was ich an diesem Buche, ergreifend finde — so daß es über viele Bücher seiner Art hinausgehoben wird, und um wessentwillen ich es v c r ־ sehlungen habe, das ist daß hier die Sehnsucht eines Volkes in einem Menschen Gestalt geworden ist. Frühlingsschrei eines Knechtes aus der Tiefe, hat Brentano eines seiner Gedichte überschrieben. Daran habe ich beim Lesen oft denken müssen. Aber nicht nur das, — was noch ergreifender ist ist, daß man sieht, wie hier Menschen nicht verzagt untergehen, sondern sich selbst helfen. Darum scheint mir «o wichtig, dieses Buch zu empfehlen“. Ein seltsamer Prozeß Wir lesen in der ״Wiener Morgenzeitung": Der Redakteur der ״Stunde“ (eines Sensationsbiattes des bekannten Bekessy — A. d. R.), Anton Kuhn leitet aus seiner Kenntnis einiger jüdisch-deutscher Ausdrücke die Berechtigung her, den deutschen Literaten und Wegweiser zu spielen. Er hat sieh in den Kreisen des Nachtlebens ziemliche Autorität erworben und markiert auch sonst eine schon längst überschrittene Pubenätsgenialität. ln dieser Eigenschaft hat er mit Karl Kraus angebunden und ihn den Affen Zarathaetras genannt. Dies ist in einem öffentlichen Vortrag geschehen. Kraus tat da» Kuh den Gefallen, sich beleidigt zu fühlen und klagte. Seither wird das Publikum mit dieser Kuli- Geschichte unablässig gelangweilt und die Gerichte gezwungen, sielt damit zu befassen, ob ״der Affe Zarathustras‘‘ oder die ״Itzig-Seuche“ eine Beleidigung darstellt. Gestern mußte wieder ein Bezirksrichter seine Zeit auf solche Weise vertrödeln. Kraus war nicht erschienen, aber Kuh hielt monokelbewaffnet mächtige literarisch-lustige Reden, so wie sie eben für das Nachtleben passen. Er brachte auch ebensolche Beweisanträge; so beging dieser Redakteur der ״Stunde“ die einem wiehernden Auditorium atigepaßte ״Chuzpe“ (um in seinem Jargon zu reden), den Bänkelsänger Armin Berg, den Oberrabbiner von Wien und einen Schatnes der Heimatgemeinde des Herrn Karl Kraus in einem Atem als Sachverständige dafür laden zu lassen, daß Aseß in seiner Bedeutung auch seinem Gegner bekannt sein müsse. Der Richter, ein Christ, war anewidert von dieser dreckigen Kabarettiererei und verurteilte nton Kuh nur zu 200 Schilling Geldstrafe. Kuh meldete die Berufung an, und so dauert diese Affenschande weiter. (Eier Vortrag Kults gegen Karl Kraus, der unter dem Titel ״Der Affe Zarathustras“ in Wien als Broschüre erschienen ist, ist ein interessantes Dokument zur Psychopathologie des jüdischen Gohis und seiner Wirkungen. — A. d. R.) Erwerbung der Bibliothek von G. Iteison- Durch die Bemühungen von Prof. Dr. Julius Citron, Vorsitzenden des Deutschen Verbandes rar Förderung der Universität Jerusalem, ist es gelungen, die Bibliothek des vor einigen Monaten in Berlin verstorbenen Philosophen Gregor Iteison für die Jerusalemer Bibliothek zu erwerben. Die Bücher- Sammlung umfaßt mehrere tausend Bände, die fast sämtlich der Philosophie und den Grenzgebieten zwischen Philo- Sophie und Naturwissenschaften angehören. Besonders reich ist in der Büchersamntlung die deutsche Philosophie j der letzten fünf Jahrzehnte vertreten, das Gebiet der Logik; und Erkenntnistheorie, mit welchem sich Iteison vorwiegend ן beschäftigt hat. Auch zahlreiche alte Drucke scholastischer Philosophen befinden sich in der Sammlung. Die Bücher sind in Jerusalem angelangt und es ist mit deren Katalogierung begonnen worden.