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Jüdische Rundschau · 1926-11-12 · Heft 89 (12.11.1926) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXI (1926)
Issue
Heft 89 (12.11.1926)
Date
1926-11-12
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 89 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 639 Brief aus Palästina Der 2. November. — Die Hausbesitzerpartei Boykottiert die Wahlen In Tel-Awiw. — Die Konferenz der ״Achduth Awodah“. A.O. Tel-Awiw, den 3. November 1926. Unter den Juden Palästinas ist dieses Jahr der 2. November, der Tag der Balfour-Deklaration, fast unbemerkt vorübergegangen. In Jerusalem hatte die Exekutive diesen Tag gewählt, um bei einer feierlichen Zusammenkunft Colonel Wedgwood, den englischen Abgeordneten der Labour Party, der zurzeit Palästina bereist, zu begrüßen, ln manchen Straßen der Städte sah man auch ein paar Fahnen. Das war alles. Im Lande hat man jetzt keine Zeit und keine Stimmung, um Feste zu feiern oder sich auch nur der errungenen Erfolge zu erinnern. Alles Sinnen und alle Anstrengungen sind darauf gerichtet, so schnell wie möglich aus den Schwierigkeiten, in die der Jischuw geraten ist, herauszukommen. In dieser Stimmung ist keine Zeit für Demonstrationen. Auch unter den Arabern ging der 2. November vorüber, ohne daß irgend* eine Bewegung zu spüren gewesen wäre. Im vorigen Jahre noch fand man einen großen Teil der Läden in den arabischen Vierteln als Protest gegen die Deklaration geschlossen. In diesem Jahre war nirgends etwas von einem Streik zu spüren. Es scheint, daß die Propaganda viel lauer geführt wurde und daß vor allem die Menge der Araber für eine solche Protestaktbn nicht zu gewinnen war. Allem Anschein nach beginnt sich der größere Teil mit der jüdischen Einwanderung als einem Faktum abzufinden, und außerdem wird manch einer der Vorteile gewahr, die die Einwanderung dem Lande im allgemeinen und damit auch dem Einzelnen bringt. Einige arabische Organe, mit dem Jaffaer ״Phalestin“ an der Spitze, hatte auch dieses Mal die Gelegenheit wahrgenommen, um ihre feindlichen Tendenzen noch einmal in Form einer Proklamation zusammenzufassen. ln diesem Artikel hält sich der Redakteur des ״Phaiestin“ vor allem an die gegenwärtige ökonomische Krisis und benutzt sie als Beweis für das Versagen der zionistischen Arbeit. Es scheint jedoch, als hätte er damit kaum einen Widerhall gefunden. Die moslemische Föderation in Haifa und die arabische Exe- ,leutive sandten Protesttelegramme an den Völkerbund und die ' englische Regierung, die sich zum Teil auch gegen die bestehende Administration der Mandatsregierung wandten. Auch diese Proteste gehen allem Anschein nach wieder von jenen bekannten Kreisen aus und sind nicht als Aeußerungen des ״Volkswillens“ zu werten, als die sie dargestellt werden. Das Abflauen oder besser das Schwinden der Streikbewegung am 2. November ist ein gutes Zeichen. Wenn es auch teilweise einfach aus der Gleichgültigkeit der arabischen Kreise zu verstehen ist, so unterliegt es jedoch auch keinem Zweifel, daß ein Vordringen der zionistischen Arbeit unter den nötigen Vorsichtsmaßregeln geeignet ist, nach und nach alle Einwohner Palästinas über die wahren Absichten des Zionismus und die Werte, die er dem Lande bringt, aufzuklären. # Nach dem neuen Wahlgesetz in Tel-Awiw, über das wir kürzlich berichtet haben, schien eine Verschiebung der Kräfte innerhalb der Stadtverwaltung wahrscheinlich. Das Uebergewicht der Arbeiter mußte einer Koalitionsregierung weichen, an der sich möglichst alle Strömungen beteiligen «.^־?sollten, ■־■®»••sä.der Wahlen voraus. ״■Die Wählerlisten erschienen, und einzelne Öruppen traten bereits mit Programmen auf. Da erlitt die gesamte Kombination einen Stoß, der trotz allem, was Tel-Awiw in den letzten Monaten an inneren Kämpfen erlebt hatte, unerwartet kam. Die Partei der Haus- und Grundbesitzer faßte in ihrer letzten Versammlung den Beschluß, sich an den Wahlen zur Munizipalität nicht zu beteiligen, da nach dem festgesetzten Wahlmodus keine Möglichkeit für die Hausbesitzer bestände, in den Wahlen einen bedeutenden Platz zu erobern und sie die Verantwortung für eine Munizipalität, die nur für die Arbeiter sorge, nicht tragen könnten. In der Stadt erregte diese Nachricht Trotz, Aufregung und Entrüstung. Wenn auch die Kampfmethoden der Hausbesitzer in ihrem Prozeß gegen die Munizipalität vor der Regierung schon alles Maß überstiegen hatten und auch gemäßigte Kreise diesen Praktikanten gegenüber von ״nationalem Verrat gegenüber der nationalen Autonomie“ sprachen, so hatte man doch auf keinen Boykott gerechnet. Der ״Haarez“ bezeichnet diesen Beschluß als ״Wahnsinn und Sünde“ zugleich. Das ist der erste Fall, wo sich Juden an einem jüdisch-autonomen Institut nicht beteiligen, weil sie fürchten, daß sie ihre Interessen nicht werden wahren können. Gerade diese Begründung macht den Beschluß noch unbegreiflicher, weil es nicht einzusehen ist, wie diese Gruppe sich innerhalb der Stadt und der städtischen Wirtschaft zur Geltung bringen will, wenn sie an der Leitung nicht beteiligt ist. Ueber den nationalen Schaden solcher Präzedenzfälle braucht nicht weiter gesprochen zu werden. Wir haben die Haltung der Hausbesitzerpartei im Laufe ihres Prozesses vor der Regierung mehr als einmal beleuchtet, ln der Presse wird gelegentlich die Hoffnung ausgesprochen, daß die Hausbesitzer ihren Beschluß noch revidieren werden. Es wäre zu wünschen. Sollte das jedoch nicht geschehen, so werden die Wahlen unter Umständen wieder ein starkes Uebergewicht der Linken ergeben. Alle Listen sind noch nicht erschienen. Soviel sich aber heute sagen läßt, werden neben den Revisionisten, den ״Oie Polonia“ (Einwanderer aus Polen), den Demokraten und mehreren kleineren Gruppen die beiden Arbeiterparteien Achduth Awodah und Hapoel Hazair einen Block eingehen. Ob dieser Block zu einer gemeinsamen Liste führt oder nur eine Vereinbarung der beiden Parteien schaffen wird, wird in diesen Tagen beschlossen. In jedem Falle wird dieser Block und das ״Zentrum“, d. h. die Demokraten, die bedeutendste Macht im Wahlkampfe darstellen. Und es werden hier und da Schätzungen laut, als ob auch in diesen Wahlen eine Mehrheit der Arbeiterfraktion nicht ausgeschlossen sei, da jetzt der rechte Flügel, die Hausbesitzerpartei, fom Schlachtfelde verschwindet ln der Stadt batte man sich auf eine Koalition aller Gntppenn eingestellt. Die Kreise der Rechten und der Mitte machten in der letzten Amtsperiode gegen die Regierung der Arbeiter Front, und die Linke selbst ist heute nicht nur bereit, sondern willens, das Regiment mit anderen verantwortlichen Gruppen zu teilen. Denn es ist für die Linke eine ungeheure Verantwortung unter den heutigen Verhältnissen, wo sich in Tel-Awiw die Hälfte aller Arbeitslosen Palästinas konzentriert, wo die Steuern wegen der ökonomischen Komplikationen nur mit den größten Schwierigkeiten eingehen und zugleich die Munizipalität große öffentliehe Arbeiten durchführen muß, um Beschäftigung zu schaffen, Unser neues hebrfiisdies lehrbudi Von dem in nächster Zeit zur Ausgabe gelangenden neuen hebräischen Lehrbuch ״Einführung in das Hebräisch der Gegenwart" von David Josef Bornstein wurden bereits eine beschränkte Anzahl von Exemplaren fertiggestellt, die zunächst an Sprachschulen und an Sprachkurse abgegeben werden. Ueber das Buch, das im Manuskript einer Reihe von hervorragenden hebraistischen Methodikern zugänglieh gemacht wurde, liegen außerordentlich anerkennende Gutachten und Aeußerungen vor. Der bekannte pädagogische Schriftsteller S. Ben-Zion, der Direktor des hebräischen Lehrerseminars in Jerusalem, E. M. Li pschitz, der Leiter der hebräischen Sprachschule in München, Dr. Max Mayer, der Direktor der hebräischen Lehranstalt in Berlin, Berggrün und andere halten die Herausgabe dieses Lehrbuches für eine entscheidende Förderung der hebräischen Sprachbewegung. Eine Aeußerung Bialiks, der den Verfasser des Lehrbuches außerordentlich schätzt (bekanntlich hat Bialik bei der letzten Herausgabe seiner Werke Herrn Bornstein als Berater und Mitarbeiter herangezogen), haben wir in der vorigen Nummer der ״Jüdischen Rundschau“ veröffentlicht. Allen denjenigen, die — um den Ausdruck Bialiks zu gebrauchen — ״in die innersten Gemächer der Sprache cindringen wollen“, ist daher dringend zu empfehlen, sich bei ihren hebräischen Sprachstudien nach dem Bornsfeinschen Lehrbuch zu richten. Zionistische Vereinigung für Deutschland allein die städtische Wirtschaft zu leiten. Außerdem wird die Munizipalität selbstverständlich in ihrer Arbeit gefördert, wenn alle Teile der Einwohner in der Leitung vertreten und dadurch an der Mitarbeit in der Stadt interessiert sind. Deshalb hatten alle Parteien und Gruppierungen mit einer Koalition auf möglichst breiter Basis gerechnet. Unter den neugeschaffenen Verhältnissen ist wieder ein bedeutender Wahlsieg der Linken möglich, und selbst wenn dieser ausbliebe, könnte man von einer Beteiligung aller Kreise an der Leitung der Munizipalität nicht mehr sprechen, da sich eine Richtung von vornherein von den Wahlen ausschließt. Man erwartet, daß sich vielleicht ein Teil der Hausbesitzer zu einer Liste zusammenschließen wird. Unterdessen hat der Wahlkampf in vollem Umfange eingesetzt. V ' ׳* - Heute ist In Tel-Awiw die Konferöiz der ״’Aehiuth Awodah“ nach einwöchiger Sitzung geschlossen worden. Wie alle palästinensischen Tagungen und besonders die der Arbeiterschaft umfaßte sie ein riesiges Programm, das es zwar mit Miihe, aber doch einigermaßen zu bewältigen gelang. Neben den Verhandlungen über die Lage im Lande und im Galuth und den Debatten über die Fragen der allgemeinen Arbeiter- Organisation nahm der Anleiheplan von R e m e s eine wichtige Stelle in der Diskussion ein. Die Konferenz bildete ebenso wie die des ״Hapoel Hazair“, die ihr vorausging, in vielem die Vorbereitung für die Kon- ,ferenz der allgemeinen Arbeiterorganisation, die in drei Monaten stattfinden soll. Ein Vergleich der Beschlüsse der beiden Konferenzei! wird bereits eine Voraussicht auf den Gang dieser wichtigen Beratung gestatten. Wir werden deshalb gesondert auf sie zurückkomtneri. Ein besonderes Moment der Konferenz bildete die Rede des Colonel Wedgwood von der Labour Party, der die Gelegenheit wahrnahm, um seine Solidarität mit der zionistischen Bewegung und sein besonderes Interesse für die sozialen Versuche Palästinas auszusprechen. Außerdem benutzte er die Bühne der Konferenz, um ausführlich über den Vorschlag zum Munizjjplitätengesetz einzugehen, den er für gefährlich und lückenhaft hält. In diesem Punkte ist der Jischuw ähnlicher Meinung. Die Begründung beider Seiten ist jedoch sehr verschieden. Wedgwood sieht das Gesetz in Parallele zu ähnlichen Ordnungen in Indien, die sich dort nicht bewährt, durch die dauernden Reibungen der verschiedenen Kasten und Religionen die Autonomie beschnitten und das dauernde Eingreifen der Regierung notwendig gemacht haben. Darum bekämpft er vor allem die Scheidung in■ konfessioneile Kurien, die gerade vom Waad Leumi gefordert wird. Dabei verkennt Wedgwood die besonderen Verhältnisse Palästinas als eines Einwanderungslandes. Beim Anhören der Rede von Wedgwood wurde wieder vielen klar, wie anders und kompliziert die Verhältnisse in Palästina liegen als in anderen Ländern. Und wie gefährlich auch bei gut unterrichteten Persönlichkeiten Parallelen sind, wenn sie nicht aus genauester Kenntnis beider Länder fließen, die verglichen werden. Der Aufenthalt Wedgwoods im Lande wird die erwünschte Gelegenheit geben, ihn über vieles, was uns als bedeutsam erscheint, aufzuklären. Die Lage in Afule Jerusalem, 3. November (P. C.) In Afule, der Emekstadt, soll mit Unterstützung der American Zion Commonweaith ein Schulgebäude errichtet werden. Weiterhin sind £ 1000 von der American Zion Commonwealth und der Palästina-Exekutive für die Entwicklung eines Korn- und Viehmarktes zur Verfügung gestellt worden. Die Commonwealth hat ferner £ 5000 für Baukredite an die Siedler von Afule bereitgestellt. Fünf bemittelte Familien, die auch über landwirtschaftliche Erfahrungen verfügen, haben sich soeben in der landwirtschaftlichen Zone des Afule-Komplexes niedergelassen. Die archäologischen Ausgrabungen bei Afule werden unter Leitung von Dr. Sukenik für die Hebräische Universität weitergeführt; es ist vorgeschlagen worden, ein Haus für die Unterbringung der ausgegrabenen Altertümer zu errichten. Die OstJuden in den Gemeinden In Nr. 80 (vom 12. Oktober) unserer Zeitung haben wir unter dem Titel ״Entartung“ über die Versuche^deutscher werden auch anderwärts (Sachsen 1) in immer neuen Formen gemacht. Unter diesen Umständen gewinnt ein Artikel besonderes Interesse, den der bekannte liberale Rabbiner Dr. Bergmann (Berlin) im ״Gemeindebiatt der jüdischen Gemeinde Berlin“ an leitender Stelle ver- Öffentlicht und worin er sich entschieden gegen eine Entrechtung der Osijuden wendet. Dr. Bergmann erwähnt zunächst die hochmütige Haltung des bekannten Isaak Pinto aus Amsterdam gegenüber den deutschen Juden und fährt fort: ״Ein Fünkchen vom Geiste Isaak Pintos glimmt in den jüdischen Gemeinden fort, in denen immer wieder darüber verhandelt wird, ob die Ostjuden, die seit Jahren dort leben, als Gemcindcmitglieder von minderem Grad und Recht gelten sollen oder nicht. Ein Fünkchen von diesem Geiste offenbart sich in der Abneigung, die mancher unter uns dem Glaubensbruder aus der Fremde entgegenbringt. Zu uns kommen jüdische Flüchtlinge aus dem Osten, Not, Entrechtung, Verfolgung haben ihnen den Wanderstab in die Hand gedrückt. Gequälte Menschen suchen die Sonne, die Befreiung von see■ lischcr Pein; sie warten mit Sehnsucht auf den Tag, an dem Amerika seine Tore öffnet und ihnen zur Heimat wird. Wir sehen an ihnen das Fremdartige, und sie erscheinen uns als Fremde, als Bettler mit verkümmertem sittlichen Empfinden. Mancher von uns urteilt über die Ostjuden ganz wie Isaak Pinto einst über die deutschen Juden geurteilt hat. Wer sind die Ostjuden, und woher sind sie? Zur Zeit der Kreuzzüge und später nach jeder Judenverfolgung in Deutschland wanderten deutsche Juden in Massen nach dem Osten, und mit ihnen wanderte deutsche Art und deutscher Brauch und erhielten sich in der neuen Heimat länger als in der alten.“ Nach längerer Darlegung des deutschen Ursprungs der heutigen Ostjuden schreibt der Verfasser: ״Die Ostjuden, die zu uns kommen, sind Bekenner jüdischen Glaubens, Träger jüdischen Schicksals, Kinder der jüdischen Gemeinschaft und Nachkommen deutscher Juden. 111 Spanien hat sich vor Jahren eine Vereinigung von Gelehrten und Politikern gebildet, um die Nachkommen der Im Jahre 1492 vertriebenen spanischen Juden in die Heimat der Ahnen zurückzubringen. Ob unser deutsches Vaterland jetzt in seiner Not neue Menschen aufnehmen kann, das haben nicht wir und vor allem nicht hier zu entscheiden. An uns wird nur die Frage gerichtet, welche Stellung eine jüdische Gemeinde in Deutschland zu den Ostjuden einnehmen darf, die seit Jahren in unserer Mitte leben, und welche Gesinnung wir als Juden heimatlosen Flüchtlingen entgegenbringen müssen. Ueberall, wo unsere Ahnen leben, schufen sie eine jüdische Gemeinde. Die Gemeinde war unseren Ahnen nicht bloß ein Mittel zur Betätigung jüdischer Glaubenstreue und Nächstenliebe, sie war auch ein Wahrzeichen jüdischer Zusammengehörigkeit. Die Führer der Gemeinde hatten die Pflicht, nicht nur über das religiöse, geistige und sittliche Lehen in der Gemeinde selbst zu wachen, sondern auch über das Wohl und Wehe des Gesamtjudentums. In jeder Gemeinde wurden die ״fahrenden Schüler“ erhalten, die aus der Fremde kamen, um in den Lehrhäusern der Gemeinde Thora zu lernen. In den Zeiten der Verfolgungen und Vertreibungen hatte jede jüdische Gemeinde eine Zuflucht!- stättc für die Heimatlosen. Von jeher gehörte es zum Wesen einer jüdischen Gemeinde, daß sie am Schicksal des Gesamtjudentums teilnahm, und als das ungeschriebene Gesetz einer jüdischen Gemeinde galt die Gemeinsamkeit der Juden. Kan» es zweifelhaft sein, daß Juden, woher immer sie kommen mögen, zur jüdischen Gemeinschaft und Gemeinde gehören?“ — und schließlich; ״Unsere Gesinnung darf nicht Lieblosigkeit oder gar Haß sein, sondern jüdische Bruder- und Nächstenliebe. Der Antisemifismus wurde einmal die ״Schmach des Jahrhunderts“ genannt, allein ich kenne noch Schmachvolleres: ich meine den Judenhaß, der auf den eigenen Bruder Steine wirft. Vor einiger Zeit haben die Rabbiner in Frankreich im Namen der französischen Juden öffentlich erklärt, daß sie die Ost Juden mit Bruderliebe aufnehmen und ihren religiösen Bedürfnissen in jeder Gemeinde in weitestem Maße entgegenkommen wollen. Diese Kundgebung beweist, daß der Geist Isaak Pintos in den jüdischen Gemeinden Frankreichs nicht mehr lebt. Auch wir haben zu entscheiden: Sollen wir dem lieblosen Hochmut Isaak Pintos oder der hochherzigen Gesinnung Moses Mendelssohns folgen? Es gibt nur einen Weg, den wir wählen und wandeln dürfen, und das ist: der Weg der jüdischen Bruderliebe.“ Wir stimmen nicht durchaus mit dem Verfasser überein, der die Selbstverständlichkeit der Gleichberechtigung aller Juden innerhalb der jü'discheu Gemeinde wenigstens teilweise durch Mitleid mit den ״vom Elend Heimgesuchten“ motiviert; dennoch verdient diese entschiedene Stellungnahme eines Liberalen gegen die ״liberalen“ Entrechtungsversuche einiger Gemeindegewaltiger die stärkste Resonanz. Konifrenz des amerikaifseKen Misracbi Bei der Tagung des amerikanischen Misrachi, über deren Eröffnung wir bereits berichtet haben, waren 320 Delegierte aus allen Teilen der Vereinigten Staaten anwesend. Der Misrachi-Ffthrer Rabbi Meir Berlin hielt eine großangelegte Rede, in der er scharfe Kritik an der Exekutive der zionistischen Weltorganisation übte und sie für das Mißlingen der Vierten Aüjah verantwortlich machte. Ferner erhob er schwere Vorwürfe gegen die Regierung Palästina, die sich dem jüdischen Aufbauwerk gegenüber passiv verhielte. Dieser Bodenkani Das Berliner Büro der Palestine Land Development Co. teilt uns mit: In den letzten Tagen hat die P. L. D. C. gemeinsam mit der American Zion Commonwealth und dem Keren Kajemeth Leisrael Boden im Umfange von 2600 Dunam in der Nähe der Kolonie Rechowoth erworben. Ein großer Teil dieses Bodens ist zur Bepflanzung mit Ornngengärten bestimmt. Sofort nach Abschluß des Kaufes wurden bereits 640 Dunam von einem Interessenten aus Amerika erworben, der mit der Bepflanzung bereits begonnen hat. Bau eines neuen Geschäftsviertels in Jerusalem Herr A. Pears aus Montreal, Kanada, der die durch Palestine Land Development Co. vor vier Jahren Boden zur Erweiterung der Gartenstadt Talpijoth bei Jerusalem erworben hat, weilt zurzeit in Palästina. Er hat auf Veranlassung der P. L. D. C. einen Betrag von 15 000 £ bereitgcstellt, um allen denen Darlehen zu gewähren, die Parzellen auf dem für das neue Geschäftsviertel in Jerusalem bestimmten Boden erworben haben, und mit dem Bau beginnen wollen. Das Darlehen wird in Höhe von 750/q des Gcbäudeweitcs gegeben und ist innerhalb von 5 Jahren mit 7</2% Zinsen zurückzuzahlen.

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