Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXI (1926)
- Issue
- Heft 88 (9.11.1926)
- Date
- 1926-11-09
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2651273-2652785-2652863--18664-2676455- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nf. 88 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seit# 83t Antwort an Karl Sehwager Von Franz Oppenheimer. Lieber Genosse! Ihr offener Brief an mich*) verlangt und verdient eine Antwort, schon weil er in einem Ton der Versöbnlichkeit gehalten ist, der mich um so mehr erfreut, als idt doch aus dem Ganzen einen tiefen Schmerz, ja sogar eine gewisse Empörung über das heraus höre, was ich angeblich gesagt habe. Angeblich! Sie stellen selbst in dem ersten Absatz fest, daß Sie erstaunt waren, ״wie es möglich war, aus meinen Reden das zu machen, was eine der zionistischen Bewegung feindliche Presse daraus zu machen verstand“, ab Sie einen ungefälschten Abdruck meiner Ausführungen Jasen. Nun, der Abdruck in der ,Jüdischen Rundschau“ ist sicherlich ungefllscht, aber nicht ungekürzt; ich habe länger ab «Ine und eine halbe Stunde gesprochen. Und zwar habe Ich frei gesprochen, so daß ich nicht imstande bin, dem gedruckten Wortlaut den wirklichen entgegenzustellen, aber erscheint es Ihnen denn so gänzlich unmöglich, daß selbst in dieser gutwilligen, aber von mir nicht veranlaßten, nicht einmal durchgesehenen Inhaltsangabe mancher kleine Satz oder manches kleine Wort ausgeblieben ist, das, wenn es mitabgedruckt wäre, den unfreundlichen Eindruck anderer Worte mildern, vielleicht sogar aufheben würde? Und wollen Sie •ich nicht daran erinnern, daß es ״der Ton ist, der die Musik macht“? Ich schmeichle mir, genügend rhetorisch begabt zu sein, um harten Worten den von mir beabsichtigten Bei- Hang zu geben, den Sie vermissen: denderLiebezu Euch, zwar nicht zu Eurem Vollenden, wohl aber zu Eurem Wollen. Ich glaube, daß nur wenige unter meinen Zuhörern, nämlich wir diejenigen, die jede Kritik aus der Wurzel des bösen!Willens abzuleiten veranlagt sind, diesen Ton des Herzens vermißt haben werden. Meine Kritik an Euch hat einer meiner Freunde, einer der besten Kenner des Landes und insbesondere der Siedlung, drastisch mit den herzlich gemeinten Worten vorweggenommen: ״Man möchte jedem von diesen prächtigen Menschen erst eine Ohrfeige und dann einen Kuß geben.“!ich ist auch, daß ich, eben weit ich frei sprach, hier unu ein Sätzchen oder Wörtchen fortgelassen habe, das meine Absicht gewesen war, auszusprechen. Das soll keine Entschuldigung sein, denn der Redner hat alles zu sagen, «ras ihm obliegt: aber ich glaube doch, mich mit vollkommener Sicherheit zu erinnern, daß ich den heute ins Land kommenden Ghaluz sehr scharf mit seinen Vorgängern kontrastiert habe, die in der Tat fast Uebermenschliches geleistet und gelitten batten. Heute, wo die Malaria zum großen Teil besiegt ist, wo eine kraftvolle Polizei dem Lande den Frieden sichert, wo die jüdischen Kolonien einander moralisch und gesellschaftlich stützen, Ist das, was der durchschnittliche neu hinzukommende Pionier leistet, in der Tat nicht mehr so überhoch zu bewerten. Ich verstehe sehr wohl, daß dem wahren Pionier eine Art von Seekrankheit ankommt, wenn er der Gegenstand oder das Opfer ״ungewollten Lobes“ wird. Aber nicht davon habe ich gesprochen, sondern von der Verhimmlung, mit der die jüdische öffentliche Meinung in Palästina und noch mehr außerhalb des Heiligen Landes Euch Chaluzim bedenkt. Es ist eine alte sozialpsychologische Tatsache, daß sogar solche , Leute ■fast unendlich viel Lob vertragen können, das ihrer 1 Kollektivität gilt, die in echter Selbständigkeit alles per- ׳ilsönlfche Lob von sich weisen, weil es die Bescheidenheit ׳ihrer Seele kränkt, in deren tiefster Tiefe sie sich bewußt sind, nichts als ihre wohlerkannte Pflicht zu tun. Und versäumte Pflicht bringt zwar, wie die Ethik lehrt, unendlichen, imkompensierbaren Unwert, aber erfüllte Pflicht bringt keinen Wert Sie werden nicht bestreiten wollen, daß unsere Pioniere sich in einer moralischen Atmosphäre Wohlbefinden, die ihnen so außerordentlich wohl gesinnt ist. Weiter habe ich nichts sagen wollen, und weiter habe ich nichts gesagt. Auch ich kenne keine Kwuzah, die in ihrer Gesamtheit vom Schiffe fort zur Ansiedlung gekommen wäre. Aber mir ist von jungen Leuten erzählt worden, die vom Schiffe fort sieh nach kurzer Quarantänezeit einer Kwuzah anschließen durften, die sie auf Grund von Empfehlungen oder Beziehungen schon aufgenommen hatten, noch ehe sie die Reise antraten. Sie sind auch nicht damit einverstanden, daß ich die Quarantänestation als vorzüglich bezeichnet habe, und haben vieles an der Behandlung und Unterkunft auszusetzen. Ja, es kommt eben auf den M a ß s t a b an, an dem man solche Dinge mißt. Der Maßstab, an dem ich gemessen habe, ist uns in fünf furchtbaren Jahren des Krieges in die Seele gebrannt worden. Ich habe das, was der ans Land steigende Chaluz an Unbequemlichkeiten und Unannehmlichkeiten durchzinnachen hat, verglichen mit dem, was unsere Jungen, auch meine eigenen Söhne, während dieser grauenvollen Zeit zu ertragen hatten und willig und freudig ertrugen, um des großen Zweckes willen, dem sie dienten, dem sie jedenfalls zu dienen glaubten. Auch sie sind von ungeschickten Sanitäts- Polizisten mit ״sinnlos und rückständig injizierten Seren“ mißhandelt worden, auch sie haben, nicht monatelang, sondern fast fünf endtose Jahre hindurch, und nicht in Baracken und Betten, sondern in nassen Erdhöhlen auf faulem Stroh die ״fieberhafte Ungeduld“ des Menschen ertragen müssen, der arbeiten will, und dem doch jede Möglichkeit der Arbeit, der Fortbildung, in der tödlichsten Langeweile entzogen ist, in die nur der minütlich drohende Tod eine Art von Spannung und Abwechslung trägt. Auch sie haben es sich verbeten, diese Dulder ohnegleichen, daß man sie ins Gesicht hinein als ״Helden“ tobte, und alles, was die Chaluzim zu dulden hatten, wiegt doch federleicht gegen ihre Pein! Besondere Empörung scheint es bei Ihnen und vielen anderen erregt zu haben, \vas ich von der Pflege der jüdisehen Säuglinge zu berichten hatte. Zunächst: Glaubt jemand von mir, dessen gutgläubiger Sozialismus nie bezweifelt worden ist, daß ich auch nur die geringste Einwendung gegen die Sorgfalt habe, mit der bei Euch die Kinder gepflegt und vor dem Massentode bewahrt werden? Ich wollte wahrlich, es wäre in der ganzen Wett nicht anders; denn nichts ist mir ein grauenhafteres Menetekel an der Wand des stolzen Pafestes des Kapitalismus, als der millionenfache bethlehemitische Kind ermord, der rings am uns herum sich vollzieht, namentlich In unseren Großstädten, wo nach dem ebenso wahren wie furchtbar bitteren Wort die Kinder im Sommer erst kühl werden, wenn sic gestorben sind. Auch hier kommt es wieder nur auf den Maßstab an. Den habe ich mir als Arft in die Seele brennen lassen, in einer Berliner Vorstadt, in einer Zeit, in der die Sommerdiarrhoe ihre Opfer zu Zehntausenden ל VgL Nr. 86 der J.R״. schlachtete. Der englische Lord kann seinem Säugling auch nicht mehr geben, als Ihr den Euren gebt: gesunde Milch, Reinlichkeit und Pflege durch geschulte Nurses. Es ist für die Gesundheit und das Wohlbefinden eines Babys sehr gleichgültig, ob es in einer gut gelüfteten Hütte oder in einem Kinderzimmer mit vergoldeten Tapeten aufwächst, ob die Gardinen, die cs vor den Fliegen schützen, aus Seide oder aus Baumwolle sind. Aber das sind ja alles Kleinigkeiten. Das Entscheidende ist ja, und das scheinen sogar Sie trotz Ihrer großen Objektivität nicht verstanden zu haben, daß meine harte Kritik nicht den Genossen in der Kwuzah galt und gilt, sondern der Kwuzah selbst. Ich habe die Institution als solche angegriffen, weil ich davon überzeugt bin, nein, weil ich mit vollkommener Sicherheit weiß, daß sie eine völlig unmögliche, völlig aussichtslose Sache ist, in der die schmalen Mittel der zionistischen Organisation an Geld und, was viel schlimmer ist, die noch kargeren Mittel an ausgezeichnetem Menschenmaterial geradezu vergeudet werden. Ich habe klar und deutlich ausgesprochen, daß hier meine ״persönliche Gleichung“ auf das stärkste mitspricht, daß ich an die Beurteilung dieser Sache mit einem unausrottbaren Vorurteil herangetreten bin. Ehrlicher kann man wohl nicht sein! Aber freilich: dieses Vorurteil gleicht den Vorurteilen wenig, mit denen der ungesclmlte Kopf an die Erscheinungen der Außenwelt herantritt. Sondern dieses Vorurteil beruht auf mehr als dreißigjährigen tiefdringenden Studien über alle mir irgend zugänglichen kommunistischen Versuche im großen wie im kleinen. Dabei habe ich unter anderem gefunden, daß alle Begründer kommunistischer Gemeinschaften in all den Jahrhunderten der festen Ueberzeugung waren, der auch Sie, als der Ihren, im Schlußsatz Ihres Briefes, Ausdruck geben: ״Daß der Mensch auch andere Antriebe zum Schaffen haben könne, als nur den höheren materiellen Lohn“. Und sind doch sämtlich gescheitert! Dazu noch ein kurzes Wort. Wenn Sie einen einzigen Blick in meine Schriften tun wollen, so werden Sie überall finden, daß es mir fern 'regt, die Höhe des materiellen Lohns an sich zum einzigen Antriebe zum Schaffen zu erheben. Im Gegenteil: ich habe immer und immer wieder betont, daß der einzige Antrieb zum Schaffen das Streben ist nach Geltung in der Gruppe, der man an gehört. Nur daruir, weil der höhere Lohn schon an sich das Zeichen ist für höhere wirtschaftliche Tüchtigkeit, und weil er nachträglich die Möglichkeit gewährt, in der ganzer! Haltung des Lebens diese höhere Tüchtigkeit beständig nach außen hin zu plakatieren: deshalb wird er erstrebt. So ist einmal der Mensch, und das ist gut so! Denn das ist die Kraft, die uns vom Anthropopitheken emporgehoben hat. Und es ist gar keine andere Kraft, als diese, an der die Kwuzah zugrunde gehen muß, solange sie nicht Leistung und Erfolg in das richtige Verhältnis setzt. Denn solange wird sich das unausrottbare Streben des Menschen nach Geltung in seiner Gruppe auf nichtwirtschaftlichem Wege, durch nichtwirtschaftliche Leistungen, zu befriedigen stfehen, und das eben ist das Leck, das das Schifflein zum Untergang bringt. Und außerdem: es kommt ja nicht darauf an, daß der Mensch ״schaffe“, d. h. sich abquäle. Es kommt ja nur darauf an, daß er mit möglichst wenig Arbeit und Last einen möglichst großen wirtschaftlichen Erfolg erziele. Dazu aber bedarf es in jeder arbeitsteiligen Betriebsgemeinschaft, und namentlich in jeder, die eine größere Anzahl von Menschen und Zweigen umfaßt, von oben her sachverständiger Leitung und von unten her straffer Disziplin. Ihr betrachtet Euch, liebe Genossen, mit Recht als die Soldaten des Volkes, die die verlorene Heimat mit den Waffen des Friedens zurückzueroberii haben. Denkt daran, daß selbst die Freiesten der Freien, die Jägerstämme, die im Frieden nicht nur nicht Herrschaft, sondern nicht einmal Führerschaft kennen, sich im Kriege unter die schärfste Disziplin des von Ihnen erwähnten Häuptlings stellen. So handeln alle kriegerischen Völker: lesen Sie einmal im ״Taras bulba“ von Gogol das prachtvolle Kapitel von der Wahl des Hetrnan. Ihr seid bereit, und habt Eure Bereitschaft bewiesen, dem großen Ziel jedes denkbare Opfer zu bringen, das Eurer Arbeit, Eurer Gesundheit, wenn es sein muß, auch Eures Lebens. Aber das Ziel verlangt diese Opfer nicht, sondern ein anderes, vielleicht von allen das schwerste. Ihr sollt auf Eure Vorurteile verzichten, sollt das Phantasma dessen preisgeben, was Ihr fälschlich für ״Freiheit“ haltet und was doch nichts anderes ist als ihr Gegensatz, nämlich Willkür. Ich halte es mit der Moral von Schillers ״Kampf mit dem Drachen“. —• ״Mut zeiget auch der Mameluck“, schuften kann mindestens so gut wie Ihr der stumpfsinnigste Fellach; aber auch ich werde Euch als die besten Söhne des Volkes preisen, wenn Ihr ״die Demut“ aufbringt, ״die sich selbst bezwingt“ — um der großen Sache willen. Franz Oppenjic im er. Die ״dritte Mauer“ Wie ״Times“ meldet, wurde vor einigen Tagen bei den Grabungen des Fundaments für das neue Gebäude des Amerikanischen Archäologischen Instituts in Jerusalem die Fortsetzung der sogenannten ״Dritten Mauer“ gefunden, von der ein Stück bereits vor einigen Jahren etwa 70 Meter weiter westlich gefunden worden war. Das Antiquitäten-Departemcnt beauftragte den Lektor der Hebräischen Universität, Dr. E. L. Sukenik, die Ausgrabung weiter durchzuführen. Die im vorigen Sommer von Dr. Sukenik in Gemeinschaft mit Dr. L. Mayer namens der jüdischen Gesellschaft für Palästinaforsehung vorgenommenen Ausgrabungen führten zu der Entdeckung, daß diese Reste der nordwestlich vom Damaskus-Tor gelegenen Mauer die sogenannte ״Dritte Mauer“ darstellen, welche gemäß den Angaben des Josephus von Herodes Agrippa 1. (37—44 n. Qi.) angelegt worden war. (Die ״Jüdische Rundschau“ hat vor einiger Zeit einen Aufsatz von Dr. Walter Preuß über die ״Dritte Mauer“ veröffentlicht und zwar in Nr. 3 am 2. 2. 1026.) Eine!1 ■naBire I« Tel-Awtav Tel-Awiw, 4. No,. (J.T.A.) In dem Hinterhof eines Hauses in der Kalischer Straße explodierte heute eine Bombe. Zwei Kinder im Alter von acht und zweieinhalb Jahren wurden getötet, ein junger Mann wurde schwer verletzt. Ein Teil des betreffenden Hauses wurde zerstört Ueber die Herkunft der Bombe und die Ursache der Explosion herrscht noch Dunkel. Die Polizei hat eine Untersuchung angeleUet Zur Konferenz der ״Aehdith Haawodah“ Am 2b. Oktober wurde In Tel-Awiw die Konferenz der ״Achduth Ha.1wod.1h“ eröffnet. Der ״Haare 7‘׳ vom 26. Oktober führt dazu aus. daß obwohl man nicht überrascht sein würde, aus den Reihen der Arbeiter heute Stimmen der Sorge und Verzweiflung zu hören, doch gerade dort der Appell an den zionistischen Glauben, optimistische trmuntcrungen laut werden. Er weist auf die jüngste Tagung des ״Hapoe I Hazair“ hin, die eine prächtige Demonstration für den Glauben an den Zionismus, an den Geist wahrer Chaluziuth war. Die großen Pläne und Probleme des Zionismus traten auf der Konferenz stärker hervor als die speziellen Fragen des Arbeiters, und die Führer konnten es sich sogar erlauben, viele Formulierungen und Postulate der sozialistischen Theorie anzufechten. Die Konferenz der ״Achduth Haawodah“, die die Mehrheit der Arbeiter und vor allem die städtischen Arbeiter umfaßt, und die sozialistische Partei des jüdischen Arbeiters in Palästina darstellt, trägt einen anderen Charakter. Die Lage gerade dieser Partei, deren Mitglieder als städtische Arbeiter seit Monaten den größten Entbehrungen ausgesetzt sind, ist schwierig und voller Vera ntwortung. Sie wird alle ihre Kräfte zusamntennehmen müssen, um gegen den materiellen Druck und die moralische Untergrabung, die von links her versucht wird, bestehen zu können. Die Oeffcntlichkeit außerhalb des Lagers der Arbeiterschaft muß angesichts dieser Lage offen bekennen, daß sie die Leiden des jüdischen Arbeiters mitangeschefl hat und nicht zu seiner Hilfe gekommen ist. Der Verfasser spricht die Hoffnung aus, daß die Konferenz der Achduth Haawodah trotzdem nicht von Erbitterung und Feindschaft beherrscht sein wird und verweist aut die Aeußerungen Ben Gurions, der erklärt hat, daß die schnelle Verw i r k I i c h u ui g des Zionismus einer der treibenden Faktoren bei der Entstehung der Parte! war und jetzt noch die beherrschende Idee in der ״Achduth Haawodah“ ist. Ein arabisch ־indischer Friedenspakt Vor einiger Zeit griffen arabische Dorfbewohner von B i r Ades die benachbarte jüdische Siedlung Magdiel an, wie anzunehmen ist, infolge einer hetzerischen Propaganda. Systematische Diebstähle wurden zur Regel, Ws der Dieb in der Person eines jungen Arabers gefaßt wurde. Hätte man ihn den Behörden übergeben, so war ihm eine lange Gefangenschaft sicher. Der Vorsitzende des Rates der Siedlung indessen tat das nicht, sondern zog es vor, die Sache gütlich bcizulegen. Der Scheich des arabischen Dorfes entsandte daraufhin eine Deputation nach Magdiel, um eine gemeinsame Beratung vorzuschlagen. Die Einladung wurde angenommen und der nächste Sonntag für die off!- ziehe Versöhnung und den Abschluß eines Bündnisses festgelegt, ähnlich dem, das zwischen Abraham und Abim elech aufgerichtet wurde. Am Morgen des festgesetzten Tages zogen arabische Notabein nach Magdiel. Am Eingang der Siedlung wurden sie von einem berittenen Wächter empfangen und zum Volkshause geführt, wo der versammelte Rat der Siedlung sie empfing. Nach dem Frühstück begannen die formellen Verhandlungen. Der Scheich berichtete, daß sein Dorf Schweres durchgemacht habe. ״Früher war es ein großes Dorf, aber heute ist es fast nichts durch den Willen Allahs. Krankheiten aller Art haben große Opfer gefordert. Aber seit Ihr Euch hier angesiedelt habt, ward Ihr uns gute Nachbarn, so daß unsere. Lage sich von Tag zu Tag gebessert hat IhF tibckiiet die Siimpfe, die HMUMquelle unserer Krankheiten, Ihr gebt unä Arbeit, Ihr handelt wie liebende Brüder an uns. Unsere Feinde lügen, wenn sie behaupten, daß wir gegen Euch seien. In Wahrheit sind Araber und Juden Brüder.“ Alle anwesenden Araber zollten den Worten ihres Scheichs Beifall. Nachdem der Friedenspakt von beiden Parteien unterzeichnet worden war, kam man überein, diesen Tag in Zukunft als Feiertag zu halten und ihn im Geiste der Brüderlichkeit zu begehen. ״Möge Allah diejenigen strafen, die zwischen Brüdern Unfrieden stiften wollen!“ Hamburger Md Die Generalversammlung der zäon. Ortsgruppe wäre ohne die im ganzen Sommer nicht unterbrochene vorbereitende Arbeit eines engen, an der Ortsgruppe besonders interessierten Kreises kaum denkbar gewesen. Ihr Verlauf wurde durch die gesteigerte Anteilnahme vornehmlich jüngerer Zionisten erfreulich gekennzeichnet, die sich auch zur Arbeit im Vorstand und in den Kommissionen zur Verfügung gestellt haben. Dabei kann jetzt schon gesagt werden, daß die Jugend- Organisationen durch das tätige Interesse ihrer Vertreter an der Ortsgruppenarbeit nicht nur keineswegs benachteiligt werden, sondern seit dem Herbst auch bei zurückhaltender Beurteilung an Werbekraft zu gewinnen scheinen. Die Ortsgruppenarbeit köimte demgemäß ein nicht nur in Hamburg, sondern allgemein gültiges Argument von grundsätzlicher Bedeutung für sich gewinnen: denn was spräche mehr für die endgültige Ueberuindung der durchaus negativen Stellung, die der zionistische, beste Nachwuchs Jahre hindurch zu ihr einnahm, als die Erfahrung, daß, wenn er sieb au ihr stärker beteiligt, damit den Organisationen der Jugend ein entsprechendes Maß von Leben heute mehr zufließt. Dem Vortrage Sokolows, der nahezu die gesamte Ortsgruppe in würdigem Rahmen zu einer geschlossenen, Außenstehenden unzugänglichen Versammlung zusammenführte, ging ein Empfang der Vertreter der hies i g e 11 Gemeinde und eine Rücksprache mit Repräsentanten der Hamburger Tagespresse voraus. Der Abend selbst ist nicht allein durch den wie stets emthusiasmierenden Eindruck, den Sokolow auf kdnen Anwesenden verfehlte, bemerkenswert: über die Persönlichkeit unseres Gastes, dem wir auch an dieser Stelle danken, braucht hier nichts ausgesagt zu werden. Und nicht nur die gute Vorbereitung, die in der ״Rundschau“ an anderer Stelle bereits erwähnt wurde, sei anerkennend genannt — wenn es auch ohne sie schwerlich zu den verhältnismäßig erfreulichen Keren-Hajessod-Zeichnungen gekommen wäre, die im Laufe des .Abends abgegeben wurden. Von wesentlicher Bedeutung scheint uns vor allem die Tatsache zu sein, daß dieser Abend, auf dem kaum ein Mitglied der Ortsgruppe fehlte, dem Gruppenleben neue Impulse schon deshalb gab, weil er, jedem Einzelnen bewußt, zu einer Art Generalmusterung unserer Kräfte hier io Hamburg geworden ist. Dieses Bewußtsein wird, wie wir hoffen, auch in der stärkeren Mitarbeit von Gesinnungsgenossen fortwirken, die unserer Arbeit im übrigen ferner stdien. Bedeutete die Generalversammlung einen Markstein auf dem Wege der Zusammenarbeit mit der jüngeren Generation, so wird der Sokolow-Abend, wie wir Zuversichtlieh glauben, zu lebhafterer Interessierung mancher älteren Hamburger Zionisten Veranlassung gegeben haben. Die Winterarbeit der Ortsgruppe wird In ihrer weiteren Entwicklung zeigen, wieweit die Erwartungen gerechtfertigt sind, die wir an die beiden Veranstaltungen des letzten Monats knüpfen, A. K.