Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXI (1926)
- Issue
- Heft 87 (5.11.1926)
- Date
- 1926-11-05
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 622 JUEÖISCHE RUNDSCHAU Nr. 87 Nr. 87 Tagoap■ des Landesverbandes Verbandstag am 21. November. Der Verbandstag des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden wurde auf Sonntag, den 21. Nov e in b c r 1026, nachmittags2 ־ Uhr, und folgende Tage »ach dem Plenarsaal des ehemaligen Preußischen Herrenliauscs, Berlin, Leipziger Str. 3, einberufen. Die Tagesordnung des Verbandstages lautet: 1. Eröffnung. 2. Tätigkeitsbericht des Rats. 3. Der Rechnungsabschluß für das Jahr 1925/26. 4. Der Etat für 1926/27 und 1027/28. 5. Schaffung eines Reichsverbandes. 6. Die Revision des preußischen Judenrechts. 7. Verfassungsänderiingeii: a) Feststellung der Dauer der Wahlperiode für den am 1. Februar 1925 gewählten Verbandstag. b) Abänderung des Artikels 5 Absatz 1 lit. b der Verfassung, c) Abänderung des Artikels 5 Absatz 2 der Verfassung, d) Abänderung des Artikels 5 Absatz 1 S. I und 2 der Verfassung. 8. Wahlordnung für Verbandstag und Rat. 9. Satzungen für die Ausschüsse. 10. Geschäftsordnung für den Verbandstag. 11. Schutz der jüdischen Altertümer in Preußen. * Die Presse-Abteilung des Preußischen Landes- Verbandes jüdischer Gemeinden teilt mit: Am 31. Oktober d. j. trat der Große Rat des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden unter dem Vorsitz seines Präsidenten, des Herrn Kammergerichtsrats Wolff zusammen. Die Ver- Sammlung war stark besucht. Der Vormittag war mit allgemeinen Aussprachen über die Geschäftsführung und die Finanzangelegenheiten des Landesverbandes angefüflt, die sich an den Rechnungsabschluß für 1925/26, der genehmigt wurde, anschlossen. Der Haushaltsvoranschlag für 1926/27 wurde mit einigen geringfügigen Aenderungen angenommen. Für das Jahr 1927/28 wurde auf Antrag von Dr. Freund eine neue Art der Beitragserhebung in Aussicht genommen. Ain Nachmittag konnten nur die wichtigeren der auf der Tages- Ordnung stehenden Punkte erledigt werden, trotzdem sich die Beratungen wieder bis in die späten Abendstunden hinzogen. Der Entwurf für den kommenden Reichsverband der deutschen Juden wurde erneut besprochen und ein Antrag Moritz A. Loeb־—Dr. Horovitz, die die Rechte der konservativen Minderheiten noch durch eine besondere protokollarische Erklärung geschützt wissen wollten, angenommen. Eine Beihilfe für das Dr. Julius Höxfersehe Quellen- 1 esebuch wurde gewährt. Herr Dr. Freund erstattete ausfübrlichen Bericht bezüglich der Verhandlungen mit den preußischen Behörden über die Beitragsleistung für Rabbiner und Lehrer. Die auf der Tagesordnung stehende Besprechung des Entwurfs eines Gesetzes über die Rechtsverhältnisse der Juden in Preußen wurde vertagt und zunächst die Veröffentlichung des Entwurfs in Aussicht genommen. Als nächste bedeutende Aufgabe des Landesverband es wird die Einrichtung von Bezirksrabbinateä und Lehrerbezirken zu betrachten sein. Für die ausgeschiedenen Verbandstagsabgeordneten, die Herren Wolpe, Krumholz und Latzky wurden die Herren Ackerhalt, Dr. Fischer, Bannen, und Direktor Pcltesohn gewählt An demselben Tage konstituierte sich der liberale Kultus- Ausschuß des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden. Es waren die Herren Rabbiner Dr. Seligmann, Frankfurt a. M., Rabbiner Dr. Warschauer, Dr. Wey!, Prof. Dr. E1 boge 1!, Düektar Dr. Spanier, Oberkantor Zivi, Elberfeld, Sein,.Lehrer Falkenberg, Rechtsanwalt I Ich rieh Stern, Justizrat Dr. Blau, Frankfurt a. M., Professnr b-M1a F r ie cl 1 5 n d e r, Frau Hauptkantor Fried- 1:1121111 (stellv. Mitglied für Rechtsanwalt Dr. Baerwatdt, . Frankfurt a-M.) erschienen. Justizrat Bis« eröffnet« die ' «Me« JWef •'Dr.' B a e ew if d't s, 1« «fern , dieser׳ die Bescfileunigimg der Druckfegtfttg eines allgemeinen jC dl$ch en Ei ttheltsgebetb liebes fordert. Es wurde festgestellf, daß drei Gremien, Herren des liberalen Kultus- Ausschusses, die •Vereinigung der liberalen Rabbiner und d e Berliner Gemeinde bereits Vorarbeiten mit Bezug׳ darauf geleistet haben, und man beschloß, eine Vereinigung dieser drei Aktionen herbeizuführen. Nach längeren Diskussionen, an denen sieh hauptsächlich Prof. Dr. Elbogen, Rechtsanwalt Stern, Rabbiner Dr. Seligmann und Oberkantor Zivi beteiligten, wurde eine Kommission gewählt, die das Einheitsgebetbuch fertigstellen soll. Zum Vorsitzenden des Ausschusses wurde Herr Rabb. Dr. Seligmann gewählt, der auch die deutsche Uebersetzung des Gebetbuches festsetzen will, nachdem der hebräische Text fast fertig vorliegt. Erster stellvertretender Vorsitzender wurde Herr Justizrat Dr. Blau, zweiter stellvertretender Vorsitzender Prof. Dr. Elbogen. * Von anderer Seite erhalten wir nachstehende Informationen: An der Sitzung des Großen Rates nahm zum ersten Male Ministerialdirektor Dr. Badt teil, der für Herrn Rechtsanwalt Dr. Hantke eintrat. Die Beratung befaßte sich zuerst mit dem von Herrn Galewski vorgelegten Etat und Rechnungsabschluß. Der Voranschlag für das Rechnungsjahr 1926/27 und 1927/28 schließt mit einem Ausgabenposten von etwa 916 000 M. ab. Zur Unterstützung leistungsschwacher Gemeinden für die Erhaltung des Religionsunterrichtes und Aufbesserung der Lehrergehälter sind 154 000 M. eingesetzt, für Einrichtung von Bezirkslehrerstellen 50 000 M., für Bau- Beihilfen 50 000 M., für Beihilfen für Kultusbeamte im Dienst 25 000 M., für Beihilfen für Kultusbeamte außer Dienst und deren Hinterbliebene 25 000 M., für Beihilfen für Flüchtlingsrabbiner und Rabbinerwitwen 20 000 M., für die Bildung von Bezirksrabbinaten 50000 M., für die drei theologischen Hochschulen in Deutschland insgesamt 150 000 M., für lnstitute für die Wissenschaft des Judentums 33 000 M., wozu noch 20 000 M. als Beihilfen für wissenschaftliche Arbeiten kommen. Der Posten für Wohlfahrtspflege ist mit 100000 M. beziffert. Au Bildungsstätten zur Heranbildung von Lehrern, Kantoren und Schächtern, sowie für Stipendien an Seminaristen sind insgesamt 21 000 M. eingesetzt. Bei dem Etat entwickelte sich eine lebhafte Debatte. Dr. Eschwege, Hamborn, trat in Gemeinschaft mit Dr. Rosenthal, Köln, für eine rößere Berücksichtigung des Lehrerseminars in Köln ein, ie auch erfolgte. Professor Türk wies auf das Eingehen des Lehrerseminars in Münster hin, für das der Etatposten gestrichen wurde. Eine längere Debatte schloß sich an die Frage der Unterstützung der drei theologischen Bildungsanstalten, für die besonders wann Rechtsanwalt Dr. Klee eintrat, während Rechtsanwalt Katzenstein, Bielefeld, bei aller Würdigung der Leistungen der Hochschulen meinte, daß die Summe von 150 000 M. im Verhältnis zu den Summen, die für die Unterstützung leistungsschwacher Gemeinden ausgeworfen seien, zu hoch erscheine. Die Summe von 150 000 M. wurde jedoch dem Voranschlag entsprechend genehmigt. Dr. Freund setzte sich für eine Aendcrung der Finanzlerung des Landesverbandes ein. Er wünschte die fkörterung, ob nicht eine individuelle Besteuerung durch Zuschüsse zur Einkommensteuer Platz greifen müßte.. Die sympathisch aufgenommene Anregung, bei deren Verwirklichung im Gegensatz zu der heutigen Aufbringung der Mittel durch Gemeinde- Zuschüsse der Landesverband besser und sicherer finanziert sein würde, wird die Landesversammlung beschäftigen. Auf Antrag von Dr. Klee wurde eine Satzungsänderung dahingehend beschlossen״ daß iß Zukunft für alle Ratssnitgheder״ sowohl für die von den Gemeinden, als auch für die von der Landesvereammlung gewählten und die von den Landes- Vertretungen nominierten, Ersatzvertreter bestellt werden sollten. Der Antrag Klee wurde mit'der für Verfassungsänderung erforderlichen Majorität angenommen. Eine Erhöhurig der Position für die Lehrerbeihilfen um weitere 25000 M. mußte abgelehnt werden. Eine sehr eingehende Debatte führte die Frage der Begründung des Reichsverbandes herbei. Justizrat Lilientha 1 referierte über den Entwurf, wie er in der letzten Sitzung der Reichsverbandskommission definitiv festgelegt worden war. Es wurde noch einmal auf die in der Reichsverbandskommission gegebene Anregung von Justizrat Hammel, Schweinfurt, zurückgegriffen, einen Minoritätenschütz bei der Ratswahl einzuführen. Eine entsprechende Resolution wurde von Moritz A. Ltoeb vorgeiegt. Die Not- Wendigkeit eines solchen Minoritätenschutzes wurde allseitig anerkannt, insbesondere auch von Justizrat Sonnenfeld. Rechtsanwalt Klee schloß sich dieser Forderung an, betonte aber, daß er und seine Freunde den gesamten Reichsverbandsentwurf für zu wenig demokratisch ansehen!׳■!d ihm mit größter Reserve gegenüberstünden. Eine für den 17. November nach Berlin einberufene Reichstagung der dir jüdisehen Volkspartei angehörenden Repräsentanten und Vorsteher aus dem Reich werde definitiv zu der Frage Stellung nehmen, ob die jüdische Volkspartei in der Landesversammlung den Entwurf ablehnnen solle. Für die juristische Formulierung des Minoritätenschutzes bei der Ratswahl wurde eine Kornmissiou gewählt, die aus den Liberalen Justizrat SonnenfeId lind Justizrat Lilienthal, den Volksparteiiem Rechtsanwalt Klee und Rechtsanwalt Gronemann und den Konservativen Moritz A. L'oeb und Bruno Galewski besteht. Es wurde alsdann die Frage des Judengesetzes besprochen und auf Antrag Dr. Herzfeld, Essen, beschlossen, den vorläufigen Entwurf mit den gesamten Materialien zu pubiizieren, um dem gesamten preußischen Judentum die Möglichkeit zu ergänzender oder kritischer Stellungnahme zu geben. Erst später solle dann auf Grund des Ergebnisses der offentliehen Diskussion die definitive Bearbeitung vorgenommen werden. Professor Elbogen referierte über ein Quellenlesebuch des Frankfurter Pädagogen Dr. Julius Höxter, das eine fühlbare Lücke in der jüdisch-pädagogischen Literatur auszufüllen berufen sei. Dr. Freund referierte dann eingehend über den Stand der Staatsbeihiifen für das kommende Jahr •und über die Einrichtung einer Reihe von Bezirksrabbinaten, die vom Landesverband in nächster Zeit geschaffen werden sollen. Zentralisierung des indischen Arbeitsnachweises Aus der Erkenntnis heraus, daß eine einheitliche Zentralisation des jüdischen Arbeitsnachweiswesens in Deutschland eine unumgängliche Notwendigkeit ist, haben die Hauptstelle für jüdische Wanderfürsorge und Arbeitsnachweise und das Kartell jüdischer Arbeitsnachweise des Jüdischen Frauenbundes die ״Vereinigte Zentrale für jüdische Arbeitsnachweise in Deutschland" (Geschäftsstelle: Berlin N 24, Auguststr. 17) gegründet. Der neuen Zentrale wird es obliegen, die bestehenden jüdischen Arbeitsnachweise in Deutschland einheitlich zusammenzufassen, und, wo sich die Notwendigkeit ergibt, in größeren jüdischen Gemeinden neue m gründen. Die Vereinigte Zentrale wird versuchen, Angebot und Nachfrage von Steilen und Stellungsuchenden im ganzen Reich auszugleichen, das statistische Material über den Gesamtkomplex des jüdischen Arbeiten ach weit wesens zu sammeln und aaszuwerten, Kenntnis der Be#üm* mutigen zu vermitteln, .*efafie .eiimttiea Arbeitsnachweise untereinander' a1i8f«ta«fel1en.;' Die Vereinigte Zentrale hat ihre Arbeit am 1. Oktober dieses Jahres «aufgenommen. Strafe Ir Meusehlfehkelt Aus Breslau wird uns gemeldet: Zwei Ostjuden überschritten vor einigen Wochen, well sie in Polen arbeitslos waren und sich vordem Hunger retten wollten, im Kreise Namslau ohne Paß die deutsche Orenze. Des Weges unkundig, wandten sie sich an einen Bauern, der sie bewirtete und ihnen den Weg zeigte. Bald darauf wurden die Ostjuden auf gehalten und verhaftet, Und dabei erfuhren die Behörden auch von der Hilfeleistung des Bauern, der nunmehr wegen ״Begünstigung des unbefugten Grenzübertrittes“ angeklagt wurde, Das Amtsgericht Gels verurteilte den Angeklagten zu der exemplarischen Strafe von sechs Monaten Oefängnis. Als strafverschärfender Umstand wurde, abgesehen von einer einmaligen Verurteüung des Angeklagten wegen des gleichen Delikts, in der schriftlichen Urteilsbegründung angeführt, daß das Vergehen des Angeklagten um so verwerflicher sei, da es sich im gegebenen Falle um Ostjuden handle, die erfahrungsgemäß zuproduktiverArbeltin der Regel außerstande seien. Ein Urteil, das der deutschen Justiz von heute würdig ist! Eine amerikanische Siedln«! New York, 28. Okt. (J.T. A.) In kurzem wird der gegenwärtig In Amerika weilende Herr Davis Trief sch von hier nach Palästina abreisen, um dort die Ansiedlung von 300 amerikanisch-indischen Familien in Palästina vorzubereiten. Der Siedlungsboden gehört der ״Agudah Land Building Company“: das Unternehmen wird von der ״Palestinc Hamsted Building and Land Corporation“, die über ein Kapital von 300000 Dollar verfügt, Finanziert. Davis Trietsch, der seit einigen Monaten in den Vereinigten Staaten weilt, hat einen ins einzelne gehenden Plan der Ansiedlung der 300 Familien vorgelegt, wonach jede Einzel- Wirtschaft selbsttätig und selbsterhaltend sein könne.^ Es handelt sieh um Intensiv-Wirtschaften, in denen hauptsächlich die Gemüse- und Geflügelzucht betrieben wird. Die erwähnte Finanzierungsgesellscbaft streckt jedem Siedler 70 Prozent der Siedlungskosten vor. Wie die J.T. A. meldet, wird Wladimir Jabotin sky am 22. November in Berlin eintreffen. Er wird in verschiedcnen Städten Deutschlands Vorträge über das Thema ״Was man ln Palästina lernt“ halten. Der bekannte französische Psycbopatholoee, Prof. Henri Claude, ist soeben in Jerusalem elngetroffen. Der Verein der jüdischen Aerzte in Palästina gab ihm zu Ehren einen Empfang. Am Sonntag, den 31. Oktober, hielt Prof. Henri Claude eine Vorlesung, über Psychopathologie im großen Vorlesungssaal der Hebräischen Universität. Der bekannte englische Journalist H. W. Nevinson hat kürzlich Palästina bereist und die jüdischen Siedlungen besichtigt. Er veröffentlicht jetzt eine Serie von Artikeln im ״Manchester Guardian“. Am 31. Oktober ist in linz der langjährig« Rabbiner *der dortigen jüdischen Gemeinde, Moritz Friedmann, l (knapp vor Vollendung seines 90• Lebensjahres, gestorben. ״La misfcre de la Philosophie‘ Von HanS Pomeranz, Elberfeld. Die Technik der Palästinakritik sah kurz nach dem letzten Zionistenkongreß so aus: Man ereiferte sich über die Zustände von Tel-Awiw; alle möglichen Kreise, auch solche, die daheim nicht gerade im Sinne der Kirchenväter die ״Moral auf die Oekonomie“ anwandten, fühlten sich berechtigt, mitzumachen, wurden ״ethische Sozialisten“, schwatzten mit über die Boden- Spekulation. Damaschke und Oppenheimer, die die Schar ihrer Anhänger in Deutschland immerhin noch übersehen können, hatten unzählige Vo ״kämpf er, als es galt zu zeigen, daß ihre Ideen in Palästina noch nicht verwirklicht sind Holitscher ging nach Palästina als Kommunist. Die Methode, mit der er kritisiert (s. Neue Rundschau 1925/1), ist anerlaubt: Es geht nicht, das Werk des Zionismus in Palästina, den jeweils erreichten Zustand, daraufhin zu prüfen, wieweit er dem utopisch-kommunistischen ״aus dein Kopfe“ (und zwar dem eigenen Kopfe) erfundenen Wunschbild nahegekommen ist. Damals, als es so aussah, als ob ein bewußtet Kapitalismus ins Land eindringe, als die Menschen, die heute als ״getäuschte und enttäuschte“ Opfer der zio* nistischen Propaganda hingestellt werden, als bewußte, polifisch organisierte Gruppe auftrat, mit der Parole des Kampfes gegen die ״Diktatur des Proletariats“ in Palästina, und soweit sie keine Zionisten waren, sogar gegen das ״zionistische Monopol“: Damals schrieb Holitscher in völliger Verkennung und in Unverständnis des — gerade marxistisch gesehen — sozial Selbstverständlichen des Vorgangs: ״Läßt sich der Chaluz in den Klassenkampf drängen, so wird er in den Sümpfen zu stehen haben, im tödlichen Sonnenbrand das Feld bestellen müssen — für den Spekulanten, den Boden Wucherer! Eine unerträgliche Vorstellung!“ Die getäuschten Wüstenwanderer, für' die er jetzt plötzlieh in aer Weltbühne“ eintritt, wurden dort nicht gerade liebevoll und keineswegs unter Würdigung des Umstandes geschildert, daß sie schließlich und endlich die Gefangenen eines sozialen Schicksals sind: ״Es wäre furchtbar, wollte man sich ausmalen, was geschähe, wenn jene parasitäre Menschenart sich in Jerusalem ansässig machen wollte, die in Tel-Awiw und von TeUAwiw aus gegenwärtig das Leben des jüdischen Palästina verpestet.“ Er sprach davon, daß als Folge der Krise das Land durch sie ״unterminiert und gesprengt“ werden könnte (S. 1173). Wohlverstanden, gesprengt werden könnte, nicht etwa durch die Abwanderung dieser unerwünschten Elemente, sondern dadurch, daß die Chaluzim auf die Dauer keine Lust haben könnten, diesen Leuten ihre Ueberzcugung zu opfern. Und nun hat sich das Blatt gewendet. Franz Oppenhe im er begrüßt die Niederlage der schlimmsten Feinde einer Kolonisation, der Bodenwucherer. Sie haben nach seinen Worten eine Schlappe erlitten, die sie so leicht nicht verwinden werden, haben sich die Finger gehörig verbrannt und wandern — Gott sei Dank sagt er, der Bodensozialist — wieder ab. Und da erleben wir etwas Intoressan♦״*: Diejenigen, die vorher über die ״verpestete Luft“ getobt haben, wenden das Steuer. Die palästinafeindliche jüdische Presse nutzt die Konjunktur und ergreift Partei für jene Auswanderer, deren Einwanderung und deren Tätigkeit man vorher für antiztenistische Propaganda benutzt hat. Ueber jene, die allen Grund hätten, sich um ihre eigene Erfolgsrechnung zu kümmern, wundern wir uns nicht, — wohl aber über Holitscher. Die Exekutive hat schuld!? Die Exekutive, die keine eigene Notenpresse hat und in konsequenter kapitalistischer Bürgerlichkeit, die Holitscher bei ihr annimmt, doch eigentlich keinen Grund gehabt hätte, die Abwanderung gerade d e r Kreise zu verschulden, die ein natürliches soziales-;ege« .die Arbeiterwirffchaft, •bittenwefiff:• 11-4« aber nur jener Ten׳ aer .ÄHjeMereeürft' wird auf diese Ver» antwortung pochen können, der sie selbst mit zu tragen bereit ist. Wer diese Exekutive ihrem Schicksal überlass«!, sich von ihr ״befreien“ will, wohlverstanden, nicht nur von den ,,amerikanischen Geldgebern“ befreien, sondern von den leitenden Institutionen der Zionistischen Organisalion, in denen' man selbst vertreten ist; wer das will und das Schicks־♦! Palästinas von dein Wohlwollen jenes jüdischen Wcitoftä»A tariats abhängig zu machen wünscht, dessen zionistischer Teil nicht erst gewonnen zu werden braucht und dessen übriger Teil (z. B. Bund und Jewscktia) unter dem Einfluß überassimilierter Führer den rabiatesten Antizionismus betreibt, wer diese Kreise gegen die Zionistische Organisation aufztispielen bereit ist, hat kein Recht, die Exekutive an eine Verantwortung zu erinnern, die man ihr gegenüber nicht empfindet. Der Platz der zionistischen Sozialisten ist die linke Seite des Zionistenkongresses, so, wie der Platz der Sozialdemokraten die linke Seite des Parlaments ist. Sic hat für den gesamten Zionismus verantwortlich zu sein, so wie sich jede Arbeiterpartei (besonders die russische!) für den Sozialismus ihres Volkes verantwortlich fühlt. Und in Wahrheit erscheint es mir, daß gerade die palästinensische Arbeiterschaft dieser Forderung in einzig dastehender Weise gerecht geworden ist. Die Betrachtungen über Weizmanns Frack sind mäßiget Feuiüctonsioff. Weizmanns Leistungen werden von niemand so gewürdigt, wie von jener Arbeiterschaft, deren Sprecher DrtirtJ.er zu sein glaubt. Mau erzählt sich, daß auch die Sowjet-Gesandten bei ihren Repräsentativ! isbesuchen im Vatikan und der Downingstreet keineswegs Windjacke und Wickelgamaschen anhaben. Es ist schwer, mit einem Manne zu diskutieren, der es für sein Privileg zu halten scheint, von Zeit zu Zelt über dieselbe Angelegenheit unter gleichen Voraussetzungen Gegensätzliches zu schreiben. Man arbeitet mit dem Gefühl, ergreift die Feder und schreibt seine Einfälle nieder. Da kommt eines Tages bei guter Laune eines der edelsten Komplimente zustande, die ein Kommunist zu vergeben hat: Ein Vergleich der zionistischen ״Köpfe“ mit den Sowjetköpfen. (Den Hinweis, daß das schon ein paar Jahre her ist, würde ich nicht als treffende Erwiderung empfinden.) Weizmann glich damals, glaube ich, Len! 11. Hätte er seinen Charakterzeichner freundlicher begrüßt, er wäre es heute noch. Jetzt ist er ein Parvenü. Das kommt davon. Zur eigentlichen Sache hat Holitscher sich und anderen im Jahre 1921, bevor die Exekutive ihn geärgert hat, die richtige Antwort gegeben. Er sollte sie in seinem Buche (S. 125) nachlesen: ״Echt jüdisch: Alles!null auf einmal erreicht sein. Das jüdische Kleinbürgertum womöglich in drei Monaten zum Ackerbau umerzogen werden: die Exekutive soll im Handumdrehen perfekt funktionieren; die Widerstände sind enorm — zugegeben —• aber warum funktioniert sie nicht wie ein Uhrwerk, diese Exekutive? Warum schwankt sie —• wie die englische Regierung zwischen Juden und Arabern — zwischen den Radikalen und den Orthodoxen, der Gdud und dem Misrachi; warum ist zwischen den Extremen das Zentrum der Exekutive so schwach?“ ״Echt jüdisch! Nach 2000jähriger Unterdrückung• soll die Selbstherrlichkeit des Handelns, der Kraftentfaltung und Betonung der eigenen Autorität in der Welt sich über Nacht einsteilen. Die Utopie zur Wirklichkeit werden, ohne Verzug.“ Frau (Urauffühn ״Mit I dieses Dra der Buchai Mit der gl Buche, dei Denn Frau gehörte als dem Wort hütet baba werke bisl geblieben. Mannes ui haben wir neuen Stfii götterte M sehen und zuerst wie< ganzem H der reinen hellenische Juden ists, Sünde und Diesen Ui gerade die lichsten ge kämpf mit Auseinaadi Menschen neuen Jud hat die s> Schicksals hat sich a ״dra־ die Ghetto erl nun ersehe Male die Drama da anspruchsl Feiwel, de zige untei Heut! Kämpfe in um dieses Vorwurf i darstellen, tum sich geschichte sie an sich große tra: , selbst sein “•1'•Oer S römischen scheinbar densten P beider., ili: Fremden 11 lieber Ver Herr Samuel Atlas aus Litauen ist zum Lektor für jüdische Wissenschaften und Philosophie an der Universitat Gießen ernannt worden, «nur dienen wi von Tarsu bereitet 1 auch der Pate gesta der Werfe fremder T die Orth« Kind an 1 über allen Patriarch« Blüte jüdis vor uns tri neue Seele erst läßt 1 ganze We sich mm v römische! Anlaß, un Staate, vöil ״unter ihr römische י sich die 1 Pontius P ihnen stöl Tarsus, d< weckung 1 Gamaliel, i und gesell Stefanus s׳ dem geiiel Alle d Kampfesbi «or den Jom Kipp! empfängt, Priester d Szene ist Ringkampi atemraube rend von laut, bald arch hat d Gegner gi diese jüdi Tage des Werk der Paulus we rückföhren kennt Gar den Mens heit den 1