Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1926-11-05 · Heft 87 (5.11.1926) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXI (1926)
Issue
Heft 87 (5.11.1926)
Date
1926-11-05
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2651273-2652785-2652862--18653-2676443
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 87 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 621 Die Beschlüsse des Waad Leumi Politische Erziehung. — Die Einbflrgerungsbewegung. — Das Munizipalitätengesetz• — Das Grenzkorps. Von unserem Korrespondenten. AO., Tel-Avviw, den 27. Oktober «26. In den letzten Tagen konnte man in den Straßen Tel- Awiws überall Menschengruppen vor den Anschlagssäulen stehen sehen, die Anschläge zu prüfen bemüht waren. Die Wählerlisten der Stadtverwaltung waren erschienen und jeder wollte wissen, ob sein Name nicht fehle. Es ist der Auftakt zu den Wahlen. Hier und da finden bereits Versammlungen statt, in denen über Programme und Kandidaten beraten wird. Der Kampf als solcher aber hat noch nicht in vollem Umfang eingesetzt. Obwohl uns nicht mehr wie ein knapper Monat von dem wichtigen Tage trennt, fängt sich die Maschine erst langsam an einzulaufen. Erst nächste Woche werden die verschiedenen Strömungen ihre Werbungen ernsthaft beginnen. De Beteiligung an den Wahlen zur Munizipalität in Tet-Awiw werden ein guter Gradmesser sein für das Interesse eines großen Teiles des Jischuw an öffentlichen Angelegenbeiten. Von diesem Interesse und seiner Reinheit hängt heute im Laude ungewöhnlich viel ab. Wir sind in letzter Zeit Zeuge einer inneren Zersetzung des Jischuw gewesen, die, — wenn auch als Begleiterscheinung• ökonomischer Schwierigkeiten verständlich — unter den wachen und verantwortlichen Kreisen lebhafte Besorgnis und Gegnerschaft ausgelöst hat. Die Methoden der Hausbesitzerpartei im Angriff gegen die heute herrschende Munizipalität, die ähnlichen Vorkommnisse im Budgetkampf in Petach-Tikwah haben bewiesen, daß Palästina heute mehr als je auf ein gedeihliches Zusammenwirken aller Kreise an der konstruktiven Arbeit angewiesen ist. Politisches Verständnis, Erziehung zur Mitwirkung an öffentlichen Aufgaben Ist neben den wirtschaftlichen Nöten die Frage des Tages. Wie sie gelöst werden wird, ist ein Zeichen dafür, ob Palästina auf dem Wege ist, die Einwanderer, die es aufgenommen hat, zu ״assimilieren“ oder nicht. Der Jischuw stand in den letzten Monaten in einer staatspolitischen Prüfung erster Ordnung. Mit dem Moment, wo das Naturalisationsgesetz erschien, mußte die Juden- Schaft Palästinas beweisen, ob sie es gelernt hat, Dnge der Allgemeinheit nicht nach dem Standpunkt des Einzelnen, sondern nach ihrer Bedeutung für die Gesellschaft zu betrachten. De Einbürgerungsbewegung ist der erste Prüfstein des jüdischen Staatsbürgers. Der Einbürgerungsgedanke war bereits vor Jahren in Palästina populär und entfachte, als die provisorische Naturalisierung vorgenommen wurde, ungewöhnliches Interesse. Ais jetzt, nach Jahren, das Gesetz in seiner endgültigen Fassung erschien, blieb die erwartete große Bewegung aus. Per Gründe waren vielerlei. De jüdische Oeffentlichkeit war zu einem großen Teil von der Fassung der Paragraphen schwer enttäuscht, in manchen Kreisen bestand überhaupt kein Interesse für diese Frage, innerhalb der nationalen Instanzen wie z. B. im Waad Leumi konnte man wegen gewisser Mängel des Gesetzes die Propaganda, nicht sofort mit dem erforderlichen Nachdruck einleiten und die schwere Ökonomische Lage machte es vielen unmöglich, die erforderlichen Gebühren aufzubringen. Unterdes hatte .sich auch eine Stimmung eingestellt, die in übertriebener Weise das-ganze GeseFz als unannehmbar ansah, und so jede Aktion zugunsten einer großen Einbürgerungsbewegung im Keime erstickte. De Proteste nahmen kein Ende, viele stimmten ein, die vielleicht den Wortlaut der Verfügung nie studiert hatten und eine unabsehbare Reihe persönlicher Ueberlegungen kam dazu, um eine passive Resistenz zu schaffen. Unterdes waren die nationalen Instanzen nicht müßig gewesen, ln Jerusalem ebenso wie in London wurden Verhand- Jungen gepflogen, und als Resultat erhielt Palästina e i n e H e rabsetzung der Natura 1 isationsgebü hr en um 50—70 0/0. Das war der große Erfolg, den der Waad Leumi in seiner letzten Sitzung vorlegen konnte und der endlich den Weg freimachte für eine schwungvolle, nach allen Seiten ausgreifende Einbürgerungsbewegung. Seit einigen Tagen bringt die Presse jeden Tag fast Nachrichten über die Fortschritte der Naturalisation an den verschiedenen Punkten. De Kampagne hat begonnen, und es ist zu hoffen, daß der Druck, der durch diese Bewegung im ganzen Lande ausgelöst werden muß, niemanden freiiäßt, der die Möglichkeit hat, hier Bürger zu werden. Die Kurve der Naturalisation ist der Gradmesser für die politische Reife des palästinensischen Juden. Schon in der allernächsten Zeit werden wir deutlich spüren, ob wir von dem neuen Gesetz Gebrauch zu machen verstehen oder nicht. Das Munizipalitätengeset/,, das vor kurzem erschien, fordert, wie zu erwarten war, als Vorbedingung des Wahlrechts die palästinensische Staatsbürgerschaft. In der Sitzung des Waad Leumi, die über den Entwurf des Gesetzes beriet, waren die Meinungen über diesen Punkt geteilt. Es wurde beschlossen, die Staatsbürgerschaft als Bedingung des Wahlrechts anzuerkennen, jedoch von der Regierung zu verlangen, daß auch diejenigen, die sich um die Naturalisation beworben, jedoch ihre Papiere noch nicht erhalten haben, ebenfalls an den Wahlen teilnehmen können, ln den Debatten des Waad Leumi spielte der Wunsch, bei den Wahlen zu den Munizipalitäten nicht zu unterliegen, eine große Rolle. Neben diesen Erwägungen darf jedoch der Grundgedankc, der von weittragender Bedeutung ist, nicht vernachlässigt werden. Der Jude muß sich daran gewöhnen, daß die Gesetzgebung in der Regel langsamere Fortschritte macht als die soziale und politische Entwicklung, und daß daher dauernd Widersprüche entstehen, die nur schwer ausgeglichen werden. Von diesen Widersprüchen konnte man in der Beratung des Munizipalitätengesetzes in seiner Gesamtheit mehr als genug merken. Das Gesetz selbst ist eine Umarbeitung der alten Gesetze aus der Türkenzeit, die selbstverständlich — auch mit den Aenderungen — nicht dem entsprechen, was die Juden von einem solchen Gesetz verlangen könnten. Der Zensus ist hoch (ein Pfund jährlich), das Alter für die aktive, bzw. passive Wahl ebenfalls ungewöhnlich hoch. De Frauen sind vom Wahlakt ausgeschlossen. Für Menschen, die in der Zionistischen Organisation aufgewachsen sind, die seit ihrer Gründung ein sehr fortschrittliches Wahlrecht gebrauchte, mögen die meisten dieser Bestimmungen mittelalterlich anmuten. In der Tat hat •ich der Waad Leumi auch auf den Standpunkt gestellt, daß cs sich hier nicht um die Besserung oder Aenderung bestimmter Einzelpunkte handelt, sondern um die prinzipielle Gegnerschaft der Verfügung gegenüber. Unter den heutigen Verhältnissen kt das vieüeicht der richtige Weg. Denn die Gesetze Palästinas werden die Resultate sein aus der vorwärtsdrängenden Macht der Juden und den beharrenden Kräften, die im Lande und in der Regierung am Werke sind. Jedoch muß bei der Festlegung einzelner Forderungen mit großer Vorsicht vorgegangen werden, weil wir unsere Vorschläge nicht nur nach dem einstellen dürfen, was uns gemäß ist und unsere Struktur nach /!!kommt. Wir haben damit zu rechnen, daß die Gesetze für P a 1 ä s t i n a gelten sollen und daß sie unter diesen Umständen allen Teilen der Bevölkerung Rechnung tragen müssen. Unter diesen Umständen wird selbstverständlich die Modernisierung der Gesetze und damit des parlamentarischen Lebens, sobald ein solches entsteht, nur langsam vorwärts schreiten, aber sic wird als natürlich und nicht sprunghaft empfunden werden. Die gewählten Munizipalitäten sind der erste Baustein zum Gebäude der palästinensischen Autonomie, die alle Teile der Einwohner befriedigen soll und befriedigen muß, wenn das Werk, das hier begonnen wird, stabil und solide sein soll. Die Welle der autonomen Bestrebungen geht jetzt über das gesamte Mandatsgebiet. De letzten Meldungen berichten von der Einberufung einer Versammlung von Notabein durch den Emir Abdallah, die die Wahlen zu den Munizipalitäten in Ostjordanien vorbereiten soll. Zu gleicher Zeit verlautet die Gründung der ersten Zeitung in Transjordanien außer dem wöchentlichen Informationsblatte der Regierung. Das alles sind bedeutsame Anzeichen, die immer wieder auf genaueste Ueberlegung in allen Forderungen, die die palästinensische Autonomie betreffen, hinweisen. Einen großen Raum im Komplex der politischen Forderungen nahm auch in der letzten Sitzung des Waad Leumi die Frage des Grenzkorps ein. Trotz der Zusage Plumers an Weizmann vor ungefähr einem halben Jahr, daß keinerlei Unterschied von Rasse und Religion bei der Aufnahme der Aspiranten ins Heer gemacht werden sollte, blieb, wie sich in der letzten Zeit herausgestellt hat, alles wie es war und wurde teilweise noch schlimmer. Die Juden sind in verschwindender Anzahl vertreten, die offizielle Sprache ist das Arabische. De letzte Antwort des Oberkommissariats an die Leitung des Waad Leumi war negativ. Unter diesen Umständen schien eine weitere Bemühung in der Richtung wie bisher aussichtslos. Daher griff der Waad Leumi auf seinen früheren Beschluß zurück, daß im Falle eine genügende Beteiligung der Juden im Grenzkorps nicht garantiert ist, die Aufstellung einer speziellen jüdischen Abteilung zu fordern sei. Dese Forderung dürfte heute, wie auch die Presse betont, kaum aktuell sein. Die Gefahren dieser Art der Organisierung der Verteidigungskräfte sind bereits öfters erörtert worden. Es scheint, daß sich die Regierung in diesen Fragen von engen militärischen Gesichtspunkten leiten läßt und dabei übersieht, daß die Sicherheit des Landes keine rein strategische Angclegenheit Lst. Darauf deutet auch die Zusammensetzung des Korps, das durchaus nicht nur aus palästinensischen Arabern, sondern aus einer ganzen Reihe anderer Stämme besteht, hin. Die Gebiete, die der Waad Leumi in seiner letzten Sitzung behandelte, werden in nächster Zeit noch öfter zur Sprache kommen. Weder in der Frage der Naturalisierung, noch des Munizipalitätengesetzes noch des Grenzkorps ist heute das letzte Wort gesprochen. Wie immer wirkt unsere kolonisatorische Lage auch heute auf unsere politische zurück. Sobald wir die wirtschaftliche Krise überwunden haben, wird auch unsere politische Stoßkraft größer sein. Deleglertcnlag der österreichischen Zionisten Im Saale des Ingenieur- und Architekten-Vereins begann am 30. Oktober, abends, der Delegiertentag der Zionisten Oesterreichs. Vom Aktionskomitee waren Oberrabbiner Dr. Chajes und Oberbaurat Stricker erschienen. Der Vertreter der Londoner Exekutive, Felix Rosenblüth, traf Sonntag ein. Der Präsident des Zionistischen Landeskomitees, Dr. Desider Friedman n, hielt die Eröffnungsrede. Zu Vorsitzenden wurden gewählt Dr. Joseph Loewenherz- Wien, Karl Schwarz-Graz und Max Schiffmann -Wien. Begrüßungsschreiben waren von der Exekutive in London, der Zionistischen Vereinigung für Deutsch* land und anderen Landesverbänden eingelaufen; ferner ein mit großem Beifall aufgenommener Gruß der Grazer Kultusgemeinde, die dem Delegiertentag ״besten Erfolg zum Wohle unseres Aufbauwerkes in Erez Israel“ wünscht und mitteilt, daß die Grazer Kultusgemeinde die erste in Oesterreich mit einer zionistischen Mehrheit ist. Präsident Dr. Desider Friedmann erstattete sodann den Bericht des Landeskomitees und erwähnte den vor kurzem vollzogenen Zusammenschluß mit der Freien Zionistisehen Vereinigung. Er besprach sodann die Fragen der Organisation und der inneren politischen Arbeit und stellte fest: nach wie vor sei in der Gesetzgebung, noch mehr aber in der Verwaltung, die fast ausschließlich in antisemitisehen Händen ruht, die judenfeindliche Gesinnung merklich zu spüren. Er wendete sich sodann den kulturellen Aufgaben zu, sowie den Fragen der Jugendorganisation und des Zusammenschlusses der akademischen Vereine, der noch nicht gelungen ist. Die Schekel-Aktion gestaltete sich im abgelaufenen Jahre nicht günstig. Die Erhaltung und Sicherung des Fortbestandes der ״Wic 11 e r Morgenzeitung“ haben das Landeskomitee i!1 vielfacher Weise in Anspruch genommen. Dr. N. M. Gelber referierte über Kultur- und Erziehungsarbeit und entwickelte die im Sinne des Kulturprogramms notwendigen politischen und kulturellen Maßnahmen. De Kultusgemeinde als Exponentin der jüdischen Selbstverwaltung muß die Erziehungsarbeit im nationalen Sinne leisten, ln den Volksschulen ist hebräischer Sprachunterricht anzustreben. Die Sitzungen vom Sonntag waren der Generaldebatte ewidmet. Dr. Plaschkes setzte sich in einer mehr als reistündigen Rede mit dem Problem ״Sozialdemokratie und Zionismus“ auseinander. Er stellte als eine Hauptforderung auf, das hebräische Schulwerk unter zionistische Leitung zu bekommen. Dann wird es nicht passieren können, daß der sozialdemokratische Stadtschulrat von Wien Hebräisch als Unterrichtssprache im jüdischen Realgymnasium verbietet. Der Präsident des Stadtschulrates Glöckel will das Hebräische überhaupt aus der Schule verbannen. Das Verhältnis des Zionismus zur Sozialmakratic in Oesterreich muß folgerichtig ein negatives sein. Oberbaurat Stricker sprach als Führer des Klubs der radikalen Zionisten und führte u. a. aus: Der Grund des Niedergangs der Zionistischen Partei liege darin, daß die Bewegung völlig uninteressant geworden sei. Interessant war der Zionismus nur, als er den Judenstaat verlangte. Der Geist der Verneinung des zionistischen Endziels kommt von Deutschland. Für ein bloßes ״Kolonisationsuntemehmen“ ist das Volk nicht zu begeistern. Für eine ״Kolonie“ wird sich der Chaluz nicht opfern, für ein ״arabisch-jüdisches Gemeinwesen“ ist kein Pioniertum aufzubringen. Man muß jetzt die Zionisten fragen: Wollt Ihr den Judenstaat oder nicht? — D. J. Waldmann meinte, die ״radikalen Zionisten“ seien eigentlich konservative Zionisten. Das Hauptproblem ist: wir müssen genügend Menschenmaterial aufbringen, um die Souveränität des jüdischen Volkes in Palästina zu erlangen. Die Abendsit/ung des Sonntags war von dem Referat des Mitglieds der Zionistischen Exekutive, Felix Rosenblüth, ausgdiilit, einer großangelegten Rede über die allgemeine Lage in der zionistischen Bewegung. Das nackte Wort ״Judenstaat“ — so führte er aus, — wurde seinerzeit aus der Terminologie ausgeschieden, weil es irreführen kann. Er erinnert an Wolfsohns Ausführungen auf dem 10. Zionistenkongreß, daß Herzl den Zionismus nicht kannte, als er den ״Judenstaat“ schrieb; später, als er mit den Zionisten zusammenkam, forderte er nicht mehr den ״Judenstaat“, sondern die öffentlich-rechtlich gesicherte Heim- Stätte. Aber Hcr/Is Gedanke ist gleichwohl noch so lebendig wie damals, dem! sein Kern ist erstens die Idee der t e r r i - torialen Konzentration und zweitens die Konsti* tuierung des Volkes in Palästina als freie S t a a t s n a t i o n. Nach diesen grundsätzlichen Ausführungen entwarf der Redner ein allgemeines Bild der Lage der Politik, Kolonisation, Finanzpropaganda und Organisation. Es wird jetzt mit allen! Nachdruck die aktive Aufbauhilfe der Mandatsmacht angestrebt. Die Exekutive ist energisch und mit Erfolg bemüht, die Sympathien der Mächte zu erlangen. Die Kolonisationsarbeit muß gleichbedeutend sein mit der Schaffung einer Produktionsbasis. Für Vermittler- und Kleinhändlerexistenzeu ist in Palästina nur ein sehr begrenzter Raum. Das nunmehr völlig gesicherte große Ruthenberg-Proj e k t werde große Arbeitsmöglichkeiten schaffen. Der Redner stellte eine Berechnung auf, wie viele zionistische Gelder in der Landwirtschaft zu investieren sind, wenn tatsächlich jährlich 30OCO Juden nach Palästina so verpflanzt werden, daß das erforderliche Minimum der Einwanderer landwirtschaftlich kolonisiert wird. Unter Berücksichtigung der von der Londoner Wirtschaftskonferenz als möglich erkannten Finanzhilfe in Form von Krediten ergibt sich noch immer die Notwendigkeit, alljährlich 700 000 Pfund Keren Hajessod- Gelder in der Landwirtschaft zu investieren. Was die Jewish Agency anbelangt, sind die Ergebnisse der Reise Weizmanns nach 'Amerika abzuwarten. Tatsache ist, daß der Joint eine Verständigung sucht. Die Organisation könne nur stark sein, wenn ihre Mitglieder ausgezeichnet sind durch die Tugenden des Opfermuts, der Dsziplin und der Einig“- keit in dem Bewußtsein, daß Palästina noch in dieser Generation aufgebaut werden muß. (Stürmischer Beifall.) In der Montagssitzung wurden die Referate über Keren Hajessod, Keren Kajemeth und Palästinaamt erstattet, wo dann nach einer eingehenden Debatte der Leitung das Absolutorium erteilt worden ist. Zur Frage der innerpolitischen Arbeit wurde die folgende Resolution mit allen gegen eine Stimme angenommen: ״Der Delegiertentag der österreichischen Zionisten spricht die Ueberzeugung aus, daß es zu den Pflichten des zionisti־ sehen Landesverbandes gehört, für die Anerkennung der nationalen und politischen Rechte der jüdischen Minderheit Oesterreichs einzutreten und daß die Landespolitik einen wesentlichen Bestandteil der zionisti• sehen Bestrebungen bildet.“ ln der letzten Sitzung wurden ferner folgende Resolutionen angenommen: ״ ,.Der Delegierten tag der JsiernäfMscl1«t mit Besorgnis fest, daß eine gegen die Idee iom ™dea• Staate, also auf Verkleinerung des zionistischen Endzieles gerichtete Propaganda innerhalb den zionistischen Reihen immer merklicher wirkt und in einzelnen Tellen der zionistischen Weltorganisation vielfach geduldet oder gefördert wird. Ein Ueberhandnehmen dieser Tendenz führt notgedrungen zur Lähmung der Schlagkraft und Werbetätigkeit der zionistischen Organisation und bedroht sie in ihrem Rechte, vom jüdischen Volke, von den jüdischen Massai und der jüdischen Jugend restlose Hingabe .an das Palästinawerk zu fordern. Angesichts dieser Sachlage erachten es die österreichischen Zionisten für geboten, die Erklärung abzugeben, daß sie daran festhalten, daß die Erreichung des Judenstaates in Palästina das mit allen Kräften anzustrebende Endziel der zionistischen Beweg u n g i s t. (In namentlicher Abstimmung mit IS gegen 5 Stimmen angenommen. — W Delegierte waren vor der Abstimmung abgereist.) Der Delegiertentag spricht dem Präsidenten Welzmann das volle Vertrauen aus und _ wünscht ihm _ zu _ seinen Bemühungen zur Schaffung einer einheitlichen! jüdischen F ront zum Aufbau Erez-Israels besten Erfolg. (In namentlicher Abstimmung mit W gegen 4 Stimmen angenommen.) Zum Vorsitzenden der österreichischen Landes- Organisation wurde Dr. Leo Goldhammer gewählt. Der ״Beizer“ gestorben Am 26. Oktober verstarb in Beiz im Alter von 74 Jahren der in der gesamten chassidischen Welt berühmte und populäre Rabbi Issachar Dow Rokeach, genannt ״Der Beizer Rebbe“. Der Rabbi erkrankte vor einigen Tagen, wurde von mehreren Lcmberger Aerzten und zuletzt von dem aus Berlin berufenen Prof. Rosen behandelt. Die Bestattung fand am Sonntag, den 31. Oktober, nachmittags, in Beiz, in All- Wesenheit von tausenden Chassidim, die in Extrazügen aus Lemberg und der ganzen Gegend herbeigeeilt waren, statt. Rabbi Issachar Dow Rokeach war in den Vorkriegsjahren als ein großer Gegner der zionistischen Bestrebungen bekannt. In den letzten Jahren aber nahm er eine wohlwollend unparteiische Haltung gegenüber der Idee des jüdischen Aufbaus in Palästina ein. Abschiedskonzert der ״wabi*ah“ Der Gesellschaft für Jüdische Musik und dem Juval- Verlag ist es gelungen, die Prominenten des ״Ha bi!nah“- Ensembles zu veranlassen, dem Berliner Publikum noch einen letzten Abschiedsabend am 8. November, 8 Uhr abds., im Blüth n er-Saal, Lützowstr. 76, zu geben. An diesem Abend werden teiinehmen: Die Brüder Nachum und Benjamin Z e m a c 11, Frau Chanah R o w i ח a h, Herr Isaak G o 1 a n d , Frau Hipidler und Herr Baratz. Die Mitglieder des Ensemble kommen zu diesem Zweck für einen Abend aus Hamburg. Am 11. d. M. treten sie ab Hamburg ihre Reise nach Amerika an. Vom 7. bis 9. November findet i!1 Oradea Mare (Großwardein) die Landeskonferenz des Siebenbürgischen Jüdischen Nationalverbandes statt. Als Vertreter der Zionistisch׳■!! L'xekutive nimmt Herr Felix Rosenblüth an der Konferenz teil. (Ziko.)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.