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Jüdische Rundschau · 1926-10-29 · Heft 85 (29.10.1926) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXI (1926)
Issue
Heft 85 (29.10.1926)
Date
1926-10-29
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 85 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 605 Amcry über Palästina Bericht an die britische Reichskonferenz Jabotinsky in Palästina Seine erste Rede — Die Messe des Nahen Ostens — Aas dem Waad Leumi (Von unserem Korrespondenten.) A. 0. Tel-Awiw, den 20. Okt. 1926. Die Verhältnisse im Lande sind noch immer nicht leichter geworden. Mit fast übermenschlicher Kraftanstrengung trägt der Jischuw die Last der wirtschaftlichen Nöte, die ihm das letzte Jahr aufgebürdet hat. Die leitenden Institutionen arbeiten mit Hochdruck, um zu bessern, was zu bessern und zu retten was ziu retten ist. Innerliche Zersetzungsprozesse durchbrechen die nationale Front und schaffen ein Gefühl der Schwäche und Unsicherheit. Es sind Tage des konzentrierten Kampfes. Und in diesen Tagen konnte man in den Hauptstraßen Tel-Awiws einen sonderbaren Festzug sehen, der sich /.wischen fahnengeschmückten Häusern bewegte. Eine Abteilung gleichgekleideter Radfahrer und dahinter eine Reihe von Autos. Auf den Bürgersfeigen drängt sich eine Reihe von Neugierigen, an denen es nie fehlt, und eine Reihe strahlender Revisionisten: Jabotinsky zieht in Tel-Awiw ein, um in seinem Haus in Tel-Nordau, das von einem Doppelposten junger Anhänger flankiert wird, Wohnung zu nehmen. Derselbe Aufzug wird in den anderen Städten des Landes formiert. Letzten Endes ist diese Art des Arrangements eine Geschmacksfrage. Dem einen gefällt es, dein anderen nicht. Aber unter den heutigen Verhältnissen wirkt solch ein Aufzug mit Ehrengarden und dem ganzen Pomp eines pseudomilitarischen Glanzes deplaciert und fast grotesk. Man sollte heute in Palästina keine Zeit haben zu solchen Dingen, die nur auf unreife Kinder wirken und bei ernsthaften Leuten nichts als Kopfschütteln erregen. Die erste Versammlung Jabotinskys im Beth-Am wurde zu einer Sensation. Es waren zu viel Karten ausgegeben worden und am Abend des Vortrages stauten sich Hunderte in der Straße vor dem Beth-Am. Die Tel-Awiwer Polizei hatte wieder einmal glänzende Gelegenheit, ihre Künste zu zeigen. Das Publikum benutzte die gleiche Gelegenheit, um zu beweisen, daß es eine Polizei nötig habe. Beides zu beobachten, erweckte recht gemischte Gefühle. Auch die zweite Ver- Sammlung in Jerusalem war stark besucht. Wer nach den Vorbereitungen und der allgemeinen Aufregung auf Sensationen in der Rede gefaßt war, erlebte eine angenehme Enttäuschung. Der größte Teil des Publikums, der sich zu der Versamrnlung drängte, wie zu einem aufregenden Schauspiel — kam nicht auf seine Rechnung. Wer aber hinging, um noch einmal seine Stellung zu den Lehren Jabotinskys zu überprüfen, erhielt einen gewissen Ueberblick und atmete auf. Denn dieser einleitende Vortrag Jabotinskys war die erste ernsthafte revisionistische Rede, die man in Palästina seit Jahren zu hören bekam. Bisher hat man bei den verschiedenen Gelegehheiten nichts als ein unklares Geschrei vernommen, mit dem die Diskussion sinnlos gewesen wäre. Jabotinsky dagegen versuchte ein System zu geben, das eine Grundlage bietet für eine Auseinandersetzung, er hielt sich von den üblichen Beleidigungen und Anschuldigungen fern. Freilich rannte er zu einem guten Teile offene Türen ein. Eine Reihe der von ihtn wiederholten Forderungen, wie Beteiligung der Juden am Grenzkorps, Uebergabe der Regierungsböden zu Siedlungs- «wecken, Erleichterung der Naturalisation usw. sind bestätigte prögrammpuukte der offiziellen zionistischen Politik, und aus dem Ton, der die Musik macht, ist kein Programm zu bilden. Man erhält den Eindruck, daß, wenn heute Jabotinsky und seine Gruppe die Außenpolitik übernähme, er nach ein paar verzweifelten Anläufen zu denselben Methoden zurückkehren würde, die heute benutzt werden, weil es einfach keine anderen gibt. Seine politische Taktik näher kennenzulernen, wird der Jischuw in der nächsten Sitzung des Waad Leumi, die über das Grenzkorps verhandelt, Gelegenheit haben*). Was die wirtschaftlichen Punkte des Programms Jabotinsky betrifft, so muß man die anderen Reden, die nach seiner Ankündigung eine Fortsetzung der ersten bilden werden, abwarten. Aus dem, was bisher gesagt wurde, ist nichts anderes zu entnehmen, als daß die wirtschaftliche Tendenz darauf hingehen muß, größere materielle, administrative und gesetzliche Unterstützung der Mandatsregierung zu erlangen. Mit dieser Tendenz wird man sich auseinandersetzen, sobald sie klarer ausgeführt sein wird. Daß sie allein kein Wirtschaftsprogramm bildet, bedarf wohl keiner Beweise. Und wer heute nach Palästina kommt und irgend etwas fordert oder verspricht, muß vor allem auf die ökonomischen Fragen der Palästina-Arbeit eine Antwort geben. Das Land kann sich nicht mit anderem begnügen. Eine Diskussion um die Ideen Jabotinskys hat bisher im Lande nicht eingesetzt. Neben dem großen Lager der Indifferenten, den Gegnern und Anhängern, steht eine große Anzahl, besonders Jugendlicher, die, ohne die Fragen in ihrem Umfang und ihrer Tiefe zu kennen, von der Erscheinung als solcher, von einem Gemisch von Sensation, Opposition, Tatendrang und unklarer Begeisterung fortgerissen zu werden drohen. Das ist gefährlich für eine gesunde stabile Arbeit im Lande. Es wird nun gerade von den Kreisen, die für die ruhige Weiterführung der Arbeit besorgt sind, der Fehler gemacht, den Kampf als reinen Streit und nicht als Aufklärungsarbeit zu führen. Bei dem Niveau, das die revisionistische Gruppe in Palästina bis jetzt aufwies, war das nicht weiter verwunderlieh. Jabotinsky gibt aber jetzt durch die Art, wie er seine Reden begonnen hat, die Möglichkeit eines Ideenkampfes, einer gründlichen Auseinandersetzung. Man sollte sie nicht ungenutzt vorübergehen lassen. * ln diesen Tagen ist die diesjährige Messe des Nahen Ostens geschlossen worden. Der äußere Eindruck blieb nicht hinter dem des Vorjahres zurück. Der schöne Platz mit seiner glücklichen Anlage, die Großzügigkeit der Einrichtung, wirken heute ebenso wie im Vorjahre. Aber wenn man sich näher umsieht und beginnt, zu vergleichen, so wird ein großer Unterschird deutlich. Die Zahl der Ausstellenden ist geringer, wichtige Gebiete sind nur durch Tabellen und nicht durch Produkte vertreten und der Verkehr ist weit dürftiger. Es besteht ein schweres Mißverhältnis zwischen der Leistung und dem Erfolg. Denn aus dem geringeren Erfolg der Ausstellung darf man nicht schließen, daß die Produldion in einem so großen Maße zurückgegangen sei. Der Grund liegt an zwei anderen Stellen. Wir haben dieses Jahr kaum jüdische Touristik und die Kaufkraft im Lande ist stark gesunken. Im vorigen Jahre drängten sich in der Ausstellung Fremde aus allen Teilen der Welt und Einheimische aus allen Städten des Landes. •) ist inzwischen geschehen — vgl. die telegraphische Meldung an anderer Stelle unserer heutigen Ausgabe. — A. <L R. Auf der gegenwärtig in London tagenden britischen Reichskonferenz berichtete der Minister für die Kolonien, Araery, über die Lage in den Kolonien und in den Mandatsländern und kam dabei auch auf die Lage in Palästina zu sprechen. ״Ich habe Ihnen noch einiges über den Mittleren Osten zu sagen. In diesem neuen Gebiet britischen Einflusses haben wir es mit der ältesten Heimat der Zivilisation zu tun. Es sind Länder von großen natürlichen Reichtumsquellen, mit einer Bevölkerung von starker natürlieber Begabung; jedoch Länder, die jahrhundertelang vernachlässig? wurden und die sich nur langsam aus der Rückständigkeit emporarbeiten können. In erster Reihe will ich über Palästina sprechen. Die politische Lage in diesem Lande hat sich bedeutend verbessert; dies als Ergebnis einer fünf- oder sechsjährigen, sich stets gleichbleibenden unj»arteiischen Verwaltung. Die Araber, von ihren politischen Führern beeinflußt, .stehen der Balfour-Deklaration und der Errichtung eines jüdischen Nationalheims in Palästina zwar noch immer sehr kritisch und gegnerisch gegenüber, haben aber doch bereits begriffen, daß ihre Befürchtung, unsere Politik könnte Verdrängung der Bevölkerung des Landes durch Horden jüdischer Einwanderer bezwecken, ganz ״rundlos gewesen ist. Sie sehen nun ein, daß das Hercinst'römen jüdischen Kapitals und jüdischer Siedler mit Kapital ebenso den Wohlstand der arabischen Bevölkerung wie den der jüdischen Gemeinschaft erhöht hat. Obwohl die seit dem Kriegsende vor sich gehende neue jüdische Einwanderung — beträchtlich über 50 030 — die bislicrige jüdische Bevölkerung im Lande fast verdoppelt hat, hat infolge der verbesserten ökonomischen und sanitären Zustände ein noch größerer Zuwachs der arabisehen Bevölkerung stattgefunden Ich hoffe zuversichtlich, daß die Taktik politischer Verhetzung, die bisher das Funktionieren repräsentativer Institutionen gehemmt hat, allmählich aufhören wird. In sozialer und in anderer Hinsicht hat bereits ein gewisses Maß von freundschaftlicher Zusammenarbeit stattgefunden. Palästina bekommt heute keinerlei Subsidien mehr vom britischen Finanzamt; es ist selbsterhaltend und mehr als das. Die Regierung fährt fort, die Kosten des dort stationierten kleinen Luftdetachements zu tragen und im Verein mit der Palästina-Regierung zu den Kosten der Verteidigung des Territoriums Transjordanien beizutragen. Sonst aber braucht das Land keine weitere Verteidigung seitens der Streitkräfte des Reiches. Völlige Ruhe wurde in dem Lande aufrechterhalten, trotz der Nachbarschaft mit Syrien, wo eine sehr schwierige Situation herrscht. Wirtschaftlich hat das Land in den letzten Jahren eine sehr bemerkenswerte Entwicklung durchgemacht. Orangen und Tabak werden jetzt in ausgedehntem Maße gezüchtet, und neben der Entwicklung der Landwirtschaft, die immer der Hauptarbeitszweig im Lande sein muß, wurden von jüdischen Einwanderern eine Anzahl von Industrien begründet. Diese ganze Entwicklung ist zu einem sehr großen Teil dem wirken des ersten Oberkommissars für Palästina, Sir Herbert Samuel, zu danken. Seine Begabung, sein immenser Fleiß, seine absolute Unparteilichkeit und seine Begeisterung für das Land selbst haben es dahin gebracht, daß das Antlitz dieses kleinen Landes vollständig verändert worden ist. Ans dem Zustand, in welchem das Land nach dem Kriege geblieben war, wurde es zu einem wirklich tortschrittliehen, zufriedenen, wohlhabenden und prosperierenden kleinen Land, das Touristen heute vor sich sehen. T raus jordanien wird unter dem Emir Abdullah geirennt von Palästina verwaltet. Das Hauptereignis in der Geschichte dieses Territoriums seit der letzten Reicnskonferenz ist die Einverleibung des M a a 11 - Vi 1 a j e ts , wodurch Trans- Jordanien bis zum Roten Meer heranreicht, sowie die endliche Grenzregulierimg zwischen Transjordanien und dem Sultanat Nejd, die Ende vorigen Jahres nach Verhandlungen zwischen Sir Gilbert Clavton und dem Sultan Ihn Saud erfolgt ist, und wie ich zuversichtlich hoffe, den Ueberfällen, die bisher die Kosten der Verwaltung Transjordaniens so vergrößert haben, ein Ende setzen wird. Ein ״Propalästina - Komitee“ in London London, 25. Oktober, (J, T. A.) Dieser Tage wurde auf Initiative des jüdischen Deputierten Sch. Finburgh (Konservativ) und des Obersten Kcnworthy (liberal) ein P a 1 ä s t i n a - K o n1 i t e e aus Mitgliedern des englischen Parlaments geschaffen, das sich zum Ziel gesetzt hat, die Verwirklichung der Balfour-Deklaration im Geiste des Mandats zu fördern und das Parlament über die Entwicklung des Aufbaues in Palästina und über die Lage in diesem Lande zu info deren. Bis jetzt sind 70 Deputierte aller Parteien dem Komitee beigetreten, Konservative, Liberale und Arbeiter-Deputierte, die alle ihr Interesse an dem Aufbau eines jüdischen Nationalheims in Palästina bekundet haben. Unter den 40 konservativen Abgeordneten befinden sich Sir Lesslv Scott, Sir Charles Wilson, unter den Liberalen Lloyd George und Kenworthy, unter den Arbeiterparteilcrn Ramsay Macdonald sowie der frühere Kolonienministcr Tornas, Philip Stiowdcn, R. Clynes, Colonel Wedgwood. Die erste Sitzung des Komitees wird zu Beginn der Herbstsession des Parlaments abgehalten werden. * Sir Ronald Storrs, der frühere Gouverneur vom Jerusalem und jetzige Gouverneur von Cypern, ist nach Palästina abgereist, von wo er sich nach Cypern begeben wird. Unmittelbar vor seiner Abreise wurde Storrs von Baldwin empfangen. Aut Bitten von Storrs erklärte sich Baldwin bereit, das Patronat über die Pro-Jerusalem- Gesellschaft zu übernehmen. Die Pro-Jcrusaletn-Gesellschaft wurde im Jahre 1918 begründet , und hat zum Ziel den Schutz der Schönheiten und Denkmäler Jerusalems und der Nachbarschaft, die Verschönerung der Stadt, die Anlage von Parks und Plätzen in und um Jerusalem, den Schutz der Altertümer, Errichtung von Museen, Bibliotheken usw. Ehrenpräsident der Gesellschaft ist der Oberkommissar, Präsident der Gouverneur von Jerusalem; dem Komitee gehören der Bürgermeister von Jerusalem, der Grand- Mufti, der lateinische und der orthodoxe Patriarch, der anglikanische Bischof, der Oberrabbiner von Palästina und der Präsident der jüdischen Gemeinde an. Ef5Z!»|pS Dieses Jahr ist der Besuch von Nichtpalästinensern verschwindend und der Besuch von Einwohnern anderer Städte weniger lebhaft. Man reist weniger, man kann weniger ausgeben und — last not least — man kann nicht kaufen. Diesem Umstand ist es auch zuzuschreiben, daß — besonders bei mancher kleineren Firma — der Charakter des Ausstellungsstandes dadurch verwischt wird, daß sie geradezu darauf angewiesen sind, dort zu verkaufen. Das nimmt den Schwung des Vorjahres und läßt die frühere Großzügigkeit vermissen. Alle diese Züge aber, die der Ausstellung dieses Jahr anhaften, sind unmittelbare Folgen der momentanen Wirtschaftliehen Komplikationen. Wenn das nächste Jahr wieder eine starke Touristik bringt, so wird sich der internationale und umfassende Charakter sofort wieder hersteilen. Sobald der schwerste Druck vorüber ist, wird sich wieder das alte lebendige Interesse an diesem Unternehmen zeigen Denn diese Aus- Stellung ist ein Gedanke, der in Palästina ungewöhnlich populär ist und der in der Tat eine hervorragende Gelegenheit gibt, die Produktion Palästinas übersichtlich zusammenzufass'en und ihren Fortschritt der Welt vor Augen zu stellen. Und es besteht ein solcher Fortschritt. Auch dieses Jahr, das ein Jahr des Stillstands auf der ganzen Linie war, zeigt verschiedene neue Ansätze, verschiedene vielversprechende Ent- Wicklungen. Es gibt heute bereits eine ganze Reihe von Produkten in Palästina, die brauchbar sind und sich im Preise so wenig oder gar nicht unterscheiden, daß man sie ohne Nachteil an Stelle von auswärtigen kaufen kann. Ein anderer Teil ist ohne wirtschaftliche Differenz schwer zu gebrauchen und setzt sich eben deswegen nicht durch. Dabei muß man zugeben, daß Palästina in dieser Beziehung große Anstrengungen macht und auf mancherlei bequeme Auslandsware verzichtet, um die einheimische Produktion zu stützen, in der Ausstellung fallen neben Dingen, die passable Arbeit, aber schlechten Geschmack verraten, hochstehende Qualitäts- Produkte auf, die z. T. auch als Exportartikel in Betracht kommen. Dahin gehören zum Beispiel die schönen Teppiche der Jerusalemer Weberei, sehr gute Seifen für alle Zwecke, ausgezeichnete Zündhölzer der neuen Fabrik in Akko und anderes. Selbstverständlich setzen sich diese Artikel mit Leichtigkeit auch auf dem Innenmarkt durch, soweit sie zu dem täglichen Bedarf gehören. Im allgemeinen wird der Frage der Erzeugung und des Vertriebes der palästinensischen Produkte bisher in der Oeffcntlichkcit zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Nur die Produzenten beschäftigen sich ernsthaft mit diesem Gebiet und einzelne Konsumenten, die es versuchen, so weit wie möglich mit Landesprodukten auszukommen. Die Frage wäre einmal einer ausführlichen Behandlung würdig. * Die bevorstehende Sitzung des Waad Leumi wird mit gespanntem Interesse erwartet. Auf der Tagesordnung steht das neue Munizipalitätengesetz, das in der Geschichte des Landes einen wichtigen politischen Einschnitt bildet. Daneben wird die Frage der Juden im Grenzkorps neuerdings zur Debatte stehen. Nach den letzten Nachrichten sind in der neugebildeten Abteilung von den etwa 150 jüdischen Aspiranten, die sich gemeldet hatten, nur 17 aufgenommcn worden. | Auch diese sind nicht sicher, ob sie bei Ablauf ihres Verj träges nicht ebenfalls ausgeschieden werden. Nach allen Berichten ist Sprache und Atmosphäre des Korps arabisch, der | offizielle Ruhetag ist der Freitag. Im übrigen setzt sich die Grenzwacht aus einer Reihe von Stämmen wie Tscherkessen, Aegyptern, Sudanesen usw. zusammen. Die eingestellten Juden beklagen sich über das ihnen vollkommen fremde Milieu und ihre Isolierung. Die letzte Intervention des Waad Leumi beim Chief Secretary in dieser Angelegenheit ist erfolglos geblieben. Der Jischuw erwartet mit einiger Spannung die Sitzung׳ des Waad Leumi, die durch die An- Wesenheit Jabotinskys eine besonders pikante Note erhält. Jüdische Fragen vor dem Völkerbund ln der letzten Sitzung des Deputiertenrates der britischen Juden (Jewish Board ot Deputies), die unter dem Vorsitz von d’Avigdor Golds m 1 d stattfand, erstattete L u c i e n Wolf Bericht über die' Tätigkeit des Joint Foreign Committee (Komitee für auswärtige Angelegenheiten der Juden) und stellte mit Genugtuung fest, daß nunmehr eine Zusammenarbeit zwischen dein Joint Foreign Committee und dem amerikanischjüdischen Kongreß gesichert ist. Luden Wolf berichtete weiter, daß bei der Minderheitsabteilung des Völkerblindes ein besonderer Beamter mit der Sammlung von Infonnationfn über die Lage der jüdischen Minderheiten in jenen Ländern, die Deklarationen über die Minderheiten abgegeben und Verträge unterschrieben haben, betraut ist. Die Arbeit des Foreign Committee in Genf bezog sich auf neun Angelegenheiten: Das jüdische Interesse an einer Reform des Rates, Fragen der Staatsbürgerschaft, die jüdische Not in Polen, das rumänische Staatsbürgerschaftsgesetz, den ungarisehen Numerus clausus, das Verfahren bei Abschluß von Minderheitsverträgen, Reform des Kalenders, Schutz der Emigranten und Flüchtlinge. Ueber alle diese Themen wurde mit den führenden Mitgliedern des Völkerbundssekretariats und den diplomatischen Vertretern der interessierten Staaten diskutiert, und mancherlei Erfolge wurden erzielt. Luden Wolf hat dem Völkerbundssekretariat den Vorschlag unterbreitet, daß den Mitgliedern des reorganisierten Rates die Wichtigkeit der Erfüllung der Minoritätenverträge durch die verpflichteten Staaten dargelegt werde und daß die Ratsmitglieder in dieser Hinsicht sich binden. Es sollte eine Bestimmung angenommen werden, wonach ein Staat, der die Mirtderheitsvertrage nicht erfüllt, nicht Mitglied des Rates werden kann, ln dieser Session konnte hierüber kein Beschluß gefaßt werden, doch wird der Vorschlag der nächsten Sitzung des Völkerbundsrates gewiß zur Beschlußfassung vorliegen, und er halte es für sicher, dab der Vorschlag zur Annahme gelangt. Eine Anklage gegen den jüdischen Nationalrat Kovvno, 26. Oktober. (J. T. A.) Vor dem Friedensgericht sollte eine Verhandlung gegen die Mitglieder des Präsidiums des von der früheren reaktionären Regierung 1923 auseinandergetriebenen Jüdischen Nationalrats stattfinden, die seinerzeit einen scharfen Protest gegen die damalige Regierung veröffentlicht hatten. Vor Eintritt in die Verhandlung wurde mitgeteilt, daß der Prozeß auf Grund einer Amnestie niedergeschlagen worden ist

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