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Jüdische Rundschau · 1926-10-22 · Heft 83 (22.10.1926) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXI (1926)
Issue
Heft 83 (22.10.1926)
Date
1926-10-22
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr 83 JUEÖ1SCH1 RUNDSCHAU SeRe 5M Kolonien beschlossenen, die Entwicklung der Institutionen der Arbeiterschaft, vor altem des Solei Bon eh usw. Keines dieser wichtigen Oe biete konnte so ausführlich behandelt werden, wie cs nötig gewesen wäre. Innerhalb der palästinensischen Arbeiterschaft ist seit längerer Zeit eine steigende Unzufriedenheit in allem zu spüren, was die städtischen Angelegenheiten betrifft. Allgemein werden Möglichkeiten diskutlert, um eine größere Leistungsfähigkeit der bestehenden Institutionen zu gewährleisten. Der Moment zu solchen Aenderungen ist heute nicht günstig, da die wirtschaftliche Lage immer wieder Notstandsmaßnahmen fordert. Es ist z. B. nicht möglich, die größte Leistung zu sichern, wenn die Arbeitslosigkeit dauernd einen Wechsel der Beschäftigten nötig macht. Die kollektive Leitung landwirtschaftlicher Betriebe ist heute im Lande weit besser entwickelt als die in der Stadt. Ein besonderes klares Beispiel dafür ist der Weg des Solei Bo ne 11, der als Genossenschaft geplant war und sich immer mehr zu einem Unternehmer entwickelt hat. Es besteht hier ein bis heute nicht überwundener Gegensatz zwischen wirtschaftlichen Notwendigkeiten und sozialen Zielen. Die in wenigen Monaten zusammentretende Konferenz der allgemeinen Arbeiterorganisation wird sich mit diesen Gegenständen eingehend befassen. Hier treten die Parteigegensäize zwischen Hapoel-Hazair, Achduth Awodah und den linken Gruppen weit stärker hervor als in der Landwirtschaft, in den nationalen Siedlungen ist die Entwicklung einen eindeutigen Weg von der ״Eroberung der Arbeit" zu den Kollektivbetrieben gegangen. In der Stadt hält der Hapoel- Hazair ebenfalls an diesem Wege fest, während die anderen Parteien, die von vornherein eineu Lohnarbeiterstand mit allen seinen Folgen, einschließlich des dann unvermeidlichen Klassenkampfes, bejahen, einer anderen Linie folgen. Bisher Ist auf den Konferenzen des Hapoel-Hazair diese Problemreihe immer neben der Landwirtschaft zu kurz gekommen. Auch dieses Mal wurde vieles, was der gründlichen Untersuchung bedurft hätte, nur gestreift Und dem ist es auch zuzuschreiben, daß es dem Hapoel-Hazair bisher nicht ge- Jungen ist, in der Stadt in gleichem Maße sich durchzusetzen wie auf dem Lande. Der dritte mit allgemeiner Spannung erwartete Punkt der Tagesordnung war der programmatische Teil, der von einem umfassenden Referat über Sozialismus und Kiassenk ampf eingeleitet wurde. Die Diskussion und j die Haltung der Konferenz bewies, daß die Gegensätze zwisehen den Sozialisten in der Partei und denen, die sich nicht so nennen wollen, sich seit der letzten Konferenz vor drei Jahren stark ausgeglichen haben. Deutlich wurde eine Spaltung, die nicht auf sozialem oder politischem, sondern, wenn man so sagen darf, auf philosophischem Gebiete Hegt. Es ist das der alte Konflikt zwischen Partei und Sekte, der in der Praxis bereits längst überwunden ist, aber immer wieder in einzelnen, meist sehr kraftvollen und bedeutsamen Individuen sich verkörpert. Wahrscheinlich wird der palästinensische Hapoel-Hazair immer solche Kerne beherbergen, die nach außen mit ihm Zusammengehen, nach innen sektenartige Tendenzen zeigen. Sie werden sich immer einer Schablonisierung, wie sie für eine politische Partei notwendig ist, widersetzen und dadurch für die Belebung und Reinhaltung der Grundgedanken sehr ״wertvoll fein.., Im,,aBfemdaen **w־ Ischfea dfe ideologische Debatte nichts als eine Zusammenfassung verschiedener Nuancen, die sich ln de!r täglichen Arbeit mit Leichtigkeit einigen lassen. Von irgendeinem prinzipiellen Beschluß wurde abgesehen, er hätte vermutlich auch wenig Neues gebracht. In einer der verschiedenen Wertungen der Konferenz in Palästina wurde geäußert, es sei eine Konferenz der Selbsterkenntnis gewesen. Damit ist die richtige Schätzung gegeben. Diese Konferenz, die nach außen in allen Lagern stark gewirkt hat, war in einem seltenen Maße auf innere Klärung gerichtet. Im Laufe der drei Jahre seit der letzten Zusammenkunft hatte sich ein ungeheures Material angesammelt, das eine ungewöhnliche Farbigkeit der Verhandlungen bedingte. Was im Laufe des letzten Jahres in den einzelnen Gruppen spürbar geworden war, erwies sich auf der Konferenz als richtig: Die Partei steht ln einer Periode der Konsolidierung und des Aufschwunges. Es ist interessant, daß diese letzte Entwicklung eine Reaktion auf die Einigungsbewegung mit der Achduth Awodah, die im Sande verlief, bedeutet. Seither hat im Hapoel-Hazair eine starke Eigenbewegung zusammen mit einer scharfen Kritik des herrschenden Kurses innerhalb der von der Achduth Awodah beherrschten Allgemeinen Arbeiterorganisation (Histadruth) eingesetzt. Die Zusammensetzung der Konferenz wies eine beträchtliche Anzahl neuer Kräfte auf, die in den letzten Jahren eine Rolle zu spielen beginnen. Das ist um so wichtiger, da der palästinensische Hapoel-Hazair mehr als jede andere Partei Kräfte an die Zionistische Organisation abgegeben hat und abgibt. Die Konferenz des Hapoel-Hazair ist der Auftakt zu weiteren wichtigen Zusammenkünften innerhalb der Arbeiterschaft. In den nächsten Wochen erfolgt die Konferenz der Achduth Awodah und zu Chanukah soll die Konferenz der Allgemeinen Arbeiterorganisation zusammentreten. Es sind das ohne Ausnahme Konferenzen der Kritik, und zwar der Selbstkritik. Mit schonungsloser Schärfe werden die Mängel und Fehler innerhalb der Arbeiterorganisation gerügt und die Wege zur Besserung geprüft. Es scheint, daß diese Kritik, die man überall in Arbeiterkreisen über die verschiedensten Arbeitsgebiete hören kann, sich jetzt zu kristailisleren beginnt. Das ist überaus wichtig. Denn das ist der einzige Weg, etwas in der palästinensischen Arbeiterschaft zu bessern, die Aenderungen nur von sich aus vornimmt und Aenderungen, die von fremder oder gar feindlicher Seite vorgeschlagen werden, natürlicherweise mit Mißtrauen und Verschlossenheit gegenübersteht Die Konferenz des Hapoöl- Hazair war ein Anfang auf diesem Wege. Darin liegt ihre Bedeutung nach außen hin. Ihre Bedeutung für die Partei liegt in der Zusammenfassung des alten und den jungen Lagers, In der schwungvollen Athmosphäre und der!Gärung des gemeinsamen Weges. ♦ Nene KoIonJsatlonßprojekte Di« Pläne neuer Formen landwirtschaftlicher Siedlung, die der Konferenz Vorlagen, sind folgende: Der erste Plan bezieh* sich auf Siedlungen mit gemisebter Wirtschaft, wie sie die nationale Koionisation bisher geschaften hat. Die Neuerung besteht in der Art des Aufbaus der Betriebe. Die Differenz zwischen Notwendigkeiten und Möglichkeiten, die am Stärksten in dem jahrelangen Stocken jeder Neukolonisation zum Ausdruck kommt, hat Im Anschluß aa Vorbilder anderer Lind« (z. B. des mit Hilfe der Völkerbundanleihe neubesiedelten Griechenlands) die Versuche zur Herabsetzung der Ansied־« lungskosten neu belebt. Dementsprechend soll nach dem neuen Plan unverzüglich mit der Ansiedlung von 1000 Menschen (500 Familien) auf den im Besitze des K. K. L. befindlichen Böden begonnen werden. Die Ausrüstung des ersten Jahres ist so bemessen, daß nur das notwendigste Inventar und die notwendige Behausung gestellt wird. Der Anbau des Bodens wird auf eine Weise in Angriff genommen, die bereits im Uaufe des ersten Jahres einen bedeutenden Teil der Lebensmittel des Siedlers deckt. Damit wird das Budget für Lebensmittel aut ein Minimum reduziert, Milchvieh wird erst eingestellt, wenn das Futter ohne Schwierigkeiten in der Wirtschaft selbst beschafft werden kann. An Stelle der provisorischen Baracken werden sofort primitive Betonhäuser gebaut. Unter diesen Umständen _ beläuft sich das Budget für die Ausführung dieser ״Kolonisation der Tausend" für das erste Jahr auf 70 000 £. Der Plan hat für die Gedankengänge der palästinensischen Arbeiterschaft und der koionisierenden Institutionen nichts Ueberraschendes. Aut mehreren landwirtschaftlichen Konferenzen ist der Gedanke der ״stufenweisen Kolonisation“ bereits diskutiert worden, und in letzter Zeit mehren sich die Stimmen, die gerade an den Gebäuden Ersparnisse verlangen, weil sie in einem unvereinbaren Veriiältnis mit dem übrigen Lebensstandard sich befinden. Bedeutsam ist an diesem Plan der Moment, in dem er erscheint. Unter den heutigen Verhältnissen würde die Ausführung des Planes in zweierlei Richtung wirksam sein. Dadurch, daß tausend Menschen zur Ansiedlung kommen, werden ebensoviel Plätze unter den Arbeitern der Kolonien frei und damit auch eine Erleichterung für die Stadt geschaffen. Außerdem würde allein das Bewußtsein, daß in der Kolonisation der tote Punkt überwunden wird, eine ungeheure Hebung der Stimmung auch unter denen zur Folge haben, die persönlich keinerlei Vorteil davon genießen. Man würde wieder spüren: Es geht weiter. Der Plan wird bereits von den zuständigen Institutionen geprüft und es scheint, daß er mit gewissen Aenderungen und eventuell auch Verkleinerungen in Angriff genommen wird. Es bestellt eine Gegnerschaft gegen dieses Projekt, die mit den bekannten Argumenten der Konsolidierungspolitik arbeitet, die sich dagegen wendet, mit Methoden zu arbeiten, die im Moment mehr versprechen, aber auf die Dauer Wirtschaften erzeugen, die nicht imstände sind, sich selbst zu tragen. Die Verfechter des Gedankens weisen diese Angriffe als gegenstandslos zurück. Es handelt sich für sie nicht um eine Verbilligung der Kolonisation im üblichen Sinne, nicht um eine größere Tätigkeit auf Kosten der Gründlichkeit, sondern um einen ratio־ nellcren, den momentanen finanziellen Verhältnissen entsprechenden Aufbau der neu zu gründenden Siedlungen. Und es ist anzunehmen, daß der Plan in seiner letzten Bearbeitung keine Rückkehr zu einer planlosen Expansion bilden wird, sondern daß man sich bemüht, in die heute bestehenden Kolonisationsmethoden verschiedene Aenderungen zu bringen, die unproduktiven Ausgaben zu verkleinern, die Wirtschaft darauf einzustellen, daß sie möglichst bald ihre Menschen erhalten kann usw. Für Palästina, daß an der Neukolonisation in diesem Jahre schon fast verzweifelt war, würde die Besetzung der bereitstehenden Böden einen großen Impuls bedeuten. Interessant ist in den Debatten, die sich um das genannte Projekt erhoben haben, ein Argument, das nicht auf eine Beschneidung des Standards hinausgeht, der ohnedies nur schwer zu denken wäre, sondern auf Ersparnisse in der Wirtschaft selbst. & ist in der palästinensischen Literatur, besonders von Wilkansky Immer wieder ausgesprochen worden, daß für den Juden nur zwei Möglichkeiten bestehen ״die des arabischen Fellachen und die des amerikanischen Farmers“. Während die Siedler ihre persönlichen Bedürfnisse stark heruntergesehraubt haben, weisen die Betriebe moderne Maschinen, gute Wirtschaftsgebäude und Rassevieh auf. Es wurde nun im Kampfe um die Neukolonlsation der Gedanke laut, in den ersten Wirtschaftsjahren nicht sogleich mit dem modernen europäischen System zu beginnen, das sich naturgemäß erst spät rentiert, sondern die Anfangsperiode nach der arabischen Wirtschafts־ met ho de zu arbeiten. Es wurden vielfach Bedenken geäußert, ob eine solche Umstellung der Arbeiter heute möglieh und ob sie wünschenswert sei. Inwieweit diese Anregungen praktisch verwendet werden, ist unsicher. Sie sind bedeutsam für den ständigen Prozeß einer Revision unserer Methoden, um sie den Verhältnissen des Landes und der zur Verfügung stehenden Mittel anzupassen. Der zweite Plan, der vorlag und in seinen realen Einzelheiten nur wenig diskutiert wurde, ist in groben Umrissen folgender: Die Orangenkultur hat sich als eine rentierende Kapitalanlage in Palästina erwiesen. Es gibt viele luden im Aus- und Inlande, die Geld in diesem Zweige investieren wollen. Es fehlt die zentrale Organisation, die nötigen Fachleute und ein Angebot fertig bepflanzter Bojaren. Der Plan geht darauf aus, umfangreiche Flächen für Orangenpflanzungen zu erwerben, sie unter zentraler Kontrolle (durch die landwirtschaftliche Arbeiterorganisation) zu bepflanzen und dann in Parzellen an Privatleute abzugeben. Die Arbeiter bekommen einen bestimmten Prozentsatz des Lohnes au«״ezahlt, den Rest erhalten sie nach sechs Jahren, wenn die Bäume zu tragen beginnen, in Form einer Anzahl Dnnam bepflanzten Bodens. So wird neben den neuen Pfianzutigskokmien eine Arbeitersiedlung geschaffen, die in dem ihr gehörigen Bodenstück eine wirtschaftliche Stütze erhält, die in der Saison die Arbeitskräfte für die Plantagenbesitzer liefert. Die notwendigen Summen werden von den nationalen Instanzen zusammen mit Privatleuten aufgebracht, so daß eine nationale Kontrolle gesichert ist. Dieses Projekt si-hert drei Ziele: Es schafft eine sehr bedeutende Arbeitsnuelie mit der Aussicht auf spätere An- Siedlung für die Beschäftigten. Es sichert jüdische Arbeit in den Pflanzunoskolonien, da es den Siedlungen die nötigen Kräfte bereitste!!( und den Arbeitern wirtschaftlichen Rückhalt für die Zeit zwischen den Saisons liefert. Es gibt eine Möglichkeit zur Heranziehung privaten Kanitais auf gewinnbrin״ender Grundlage und unter nationaler Kontrolle. Der Plan ist weni״ diskutiert worden. Er liegt dem Denken der Arbeiterschaft ferner als irgendein anderes weit phantastischeres Proiekt. Zudem erinnert er zu sehr an die Achusoth. die srh unter den Arbeitern nPM vtel Freunde erworben haben. Aber er ist, soweit er beurteilt wurde, günstig betrachtet worden. Und er Ist wichtig als Svmntom. weil hier zum ersten Male von seiten der Arbeiterschaft der em־thafte großzü״i״e Ver<־uri1 ״ema״ht wird, eine Kooperation privaten und nationalen Kapitals aut breite Basis zu ermöglichen. Und in weHiem Maß-tabe und mit wekhen Aenderungen er aurit immer zur Ausführung kommen möge, wird dieser Gedanke immer von entscheidender Bedeutung sein•). Wer die Debatten dieser Pllne Im Lande mltgemaeht hat, kann sich von dem Eindruck nicht losreißen, daß diese Ideen der starke Ausdruck eines neuen Willens sind, •) Wir möchten darauf aufmerksam machen, daß ein Projekt einer Plantagengesellschaft zur Pflanzung von Orangen in letzter Zeit bereits konkrete Form angenommen hat, in dem von Dr. W. Brünn ausgearbeiteten Plan, der ebenfalls davon ausgeht daß die Orangenkultur der rentabelste Zweig 4« palästinensischen Wirtschaft ist, A. d. Redder sich trotz dem fast unerträglichen Druck neu erhebt. Palästina braucht solche neuen Gedanken und Anregungen ebenso nötig wie die sehnlich erwarteten Schecks, die Arbeit und Brot schaffen sollen. Die Arbeit erhält durch diesen Anstoß einen neuen Schwung, der Glaube und damit die Tatkraft wird wieder wach. Denn wir hängen in Palästina nur zum Teile am Gelde. Auch das Geld nützt uns nichts, ohne immer neue starke Impulse. Vom Preußlidieii Landesverband (Offizielles Kommunique.) In der Sitzung des Engeren Rates, die am 16. Oktober d. J. stattfand, wurde Herr Justizrat Lilienthal zum Vorsitzenden des Liberalen Unterrichtsausschusses gewählt. Ferner wurde beschlossen, dem Marannen-Komitee in London einmalig für das Jahr 1926 einen Betrag von 1000 M. zu bewilligen.♦ Das Marannen-Komitee hat es sich, wie bekannt, zur Aufgabe gemacht, die in einigen Städten Nord-Portugals lebenden geheimen Juden, Abkömmlinge der im Mittelalter zwangsweise zum Katholizismus bekehrten Israeliten, zur jüdischen Religion zurückzuführen. Der Große Rat des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden trat am 7. Oktober d. J. zu einer Sitzung zusammen. Unter dem Vorsitz des Präsidenten, Herrn Kammergerichtsrat W o 1 f f, waren fast alle Mitglieder des Großen Rates vereinigt. Auf der Tagesordnung stand eine Reihe wichtiger Angelegenheiten, doch wurde die ganze Sitzung, die von vormittags 10 Uhr bis in die späten Abendstunden dauerte, mit der Erörterung der Gründung des Rcichsverbandes ausgefüllt. Den gesamten Beratungen wurde der von dem in München eingesetzten Unterausschuß aus* f’ gebenden Gesichtspunkte sowie aller einzelnen Bestimmungen wurde er von dem Rat, abgesehen von einer Anzahl kleinerer Aenderungen, angenommen. Nunmehr wird die auf den, 21. November d. J. einzuberufende Verbandstagung zu der Gründung des Reichsverbandes Stellung nehmen- * Dazu weiß die J.T. A. noch zu berichten: Der Engere Rat beschäftigte sich mit einer Reihe von Verwaltungsangelegenheiten, so mit dem Rechnungsabschluß für 1925/1926, dem Etat für 1926/1927, ferner mit einer Reihe von Vorschlägen zur Aenderung der Verfassung des Landesverbandes. Er beschäftigte sich auch mit der Frage der Dauer der jetzigen Legislaturperiode der Verbandsversaram« lung, mit der Frage der Staafsbeihilfen, der Büroeinrichtung, des Ankaufs eines eigenen Gebäudes usw. Zum Vorsitzenden des liberalen Unterrichtsausschusses wurde Justizrat Lilienthal bestimmt. In der Frage der Lehrerausbildung, ln der der Kultusminister die Aufnahme jüdischer Hörer in die drei bestehenden pädagogischen Akademien, die christlichen Charakter tragen, abgelehnt und im übrigen einen Mangel an jüdischen Lehrern als vorläufig nicht bestehend festgestellt hatte, wurde beschlossen, nunmehr unverzüglich als Zwischenlosung eine Einrichtung zur Heranbildung jüdb scher Religionslehrer zu schaffen, unter der Voraussetzung, daß der Staat sie als gleichberechtigt anerkennt und Mittel für sie bewilligt. Dr. Klee forderte die Schaffung einer eigenen jüdischen pädagogischen Akademie; die Majorität stimmte dieser Forderung als einem zu erreichenden Ziele zu. Justizrat Blau berichtete über die Subvention«• gesucht, die insbesondere die Zentralwohlfahrtsstelle, die Hauptstelle für jüdische Wanderf&rsorge, ferner die Akademie für die Wissenschaft des Judentums, den Deutsch-Israelitischen Gemeindebund und die drei Rabmnerseminare in Deutschland betreffen. Dr. Baeck trat warm für eine Erhöhung des Zuschusses für die Akademie ein. Die Sitzung des Großen Rates, an der fast alle Mitglieder dieses Rates teilnahmen, befaßte sich den ganzen Tag über mit den Entwürfen der Verfassung des Reichsverbandes. Es kamen noch einmal die beiden in dieser Frage bestehenden scharfen Gegensätze zur Austragung. Die Vertreter der Jüdischen Volkspartei Klee und Kareski verlangten einen Reichsverband auf demokratischer Basis mit Urwahi, der Referent, Justizrat Lilienthal, erklärte, daß auch er zwar mit der jetzigen Kompromißlösung nicht zufrieden sei, daß aber ein anderes Resultat bei der Haltung der süddeutschen Verbände nicht zu erreichen sei. Auch von liberaler Seite wurde der vorläufige Entwurf kritisiert. So erklärte R.-A. Katzenstein - Bielefeld, daß er nicht in der Lage sei, für den Entwurf zu stimmen. R.-A. Schieißner- Hannover wünschte Vertagung, damit zunächst die Landes- Versammlung zu dem Entwurf Stellung nehmen könnte. Sanitätsrat Peyser bat, wenigstens auf vierzehn Tage zu vertagen, damit zunächst die vertretenen Gruppen m die Lage kommen, ihre Stellung zu präzisieren. Die Majorität beschloß jedoch, nach der Generaldebatte in eine Spezialdebatte einzutreten. Eine Anregung von Dr. Klee, ausländischen Gemeindeverbänden, wie dem deutsch-österreichischen usw., die Mögiichkeit des Anschlusses zu geben, verdichtete sich zu einer einstimmig angenommenen Resolution Dr. Freund, wonach die Angtiederung außerdeutscher jüdischer Oemeindeverbände ermöglicht werden soll. Um einer Entwicklung zu demokratischer Organisation den Weg zu ebnen, wurde einstimmig eine Resolution Dr. Baeck angenommen, daß dem § 15, der sich mit der Reichstagung beschäftigt, eine Protokoilnotiz als Wegweiser für die preußischen Mitglieder angefügt werde, wonach diese auf Ausgestaltung der Reichstagung zu einer aus allgemeinen Wahlen hervorgehenden Körperschaft hinwirken sollen. Am Sonntag, den 24. Oktober, tritt die Reichskommission noch einmal zur letzten Fixierung des Reichsverbandsstatuts zusammen. Am 21. November soll die preußische Landes- Versammlung ihre Entscheidung treffen. Wie der J. T. A.- Vertreter erfährt, ist das Schicksal des Statuts noch ungewiß. Wahrscheinlich ist, daß die Fraktion der Jüdischen Volkspartei den Entwurf als undemokratiseh ablehnen wird; es ist ferner wahrscheinlich, daß eine größere Anzahl liberaler Abgeordneter der Landesversammlung dem Kompromißentwurf nicht zustimmen wird. Kleine NaehrJehtei In der ״Weltbühne“ vom 19. d. Mfs. erwidert Karl Glaser auf den Artikel Alexander L e v y s, den wir bereits an dieser Steife charakterisiert haben. Prof. Wawilow, der Direktor der Landwirtschafts- Versuchsstation der Sowietregierung, begibt sich nach Palästina zum Studium der dortig«! Landwirtschaft, imbesondere dag? jüdischen Arbeitersiedlung. Der polnische Innenminister hat das Statut der Zionist!- sehen Organisation Polens unterzeichnet, wodurch die Legalisierung der gesamten zionistischen Tätigkeit in Polen, sowie der Tätigkeit des Keren Hajessod, des Keren Kaiemeth. des Hechaluz, des Palästina-Amts und der Kulturtätigkeit als definitiv ausgesprochen ist. Zwischen Jerusalem un d Bagdad ist soeben ein regelmäßiger Automobilverkehr eröffnet worden. Die Reisedauer ist dreieinhalb Tage.

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