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Jüdische Rundschau · 1926-10-22 · Heft 83 (22.10.1926) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXI (1926)
Issue
Heft 83 (22.10.1926)
Date
1926-10-22
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 592 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr 83 den leitenden Männern die ehrliche Absicht besteht, etwas Ehrliches zu schaffen, das nicht nur zur Ehre unseres Namens dienen soll, sondern daß auch den leidenden Völkern eine Leitung sein soll, eine Feuerwolke in der Nacht und eine dunkle Wolke b ei Tag. Dafür mitzuarbeiten scheint mir, ich wiederhole es, Pflicht zu sein. Der Appell an alle, die es angeht, ist nicht meine Sache, aber ich möchte gar keinen Zweitel daran hinterlassen, daß ich immer noch nach meiner dritten Reise in Palästina glaube, sicher bin, daß hier von Leuten, die ihrer Sache ganz ergeben sind, die mit einem manchmal rührenden Fanatismus jeder genau das tun, was ihm aufgetragen ist, und ganz bestimmt glauben, daß von der Vollendung dieser ihrer Aufgabe alles andere abhängt, Qroßes geleistet wird, ich bin sicher, daß es möglich ist, die Fehler abzustellen, und daß dann hier, wenn auch nicht Gewaltiges, nicht Ungeheurcs, nicht Sensationelles, nicht mit solchen headiines zu schilderndes, sondern Großes, Schönes und Gutes errcichbar ist. (Lebhafter anhaltender Beifall.) Nach Oppenheimer ergriff das Wort Kart Blumenlcld: L>as Präsidium des Keren Hajessod hat mich beauftragt, mif den Vortrag meines Freundes Oppenheimer mit einem Wort des Dankes zu antworten. Ich freue mich, daß mir dieser Auftrag geworden ist, denn ich fühle mich für diese Reise in ganz besonders hohem Maße verantwortlich. Als Professor Oppenheimer mir vor einigen Monaten das Gutachten, den Bericht über seine Reise schickte und mich fragte: Glauben Sie, daß kritische Auffassungen, die ich dort dargelegt habe, der Sache schaden, daß es richtiger wäre, so etwas vertraulich zu behandeln# — erwiderte ich ihm: Keinesfalls, dieses Gutachten soll in seiner Totalität bekannt werden, und Sie selbst sollen das, was Ihre Ueberzeugung ist, in voller Oeffentlichkeit aussprechen; wir werden dazu die Gelegenheit geben. Wir wollen nämlich in der Arbeit für den Keren Hajessod, an der Zionisten und Nichtzionisten sich beteiligcn, ein Erziehungswerk dadurch!eisten, daß wir die Wahrheit, die wirkliche Wahrheit über die palästinensisehe Entwicklung verbreiten; daß wir Menschen, denen wir vertrauen, daß sie mit Verständnis und mit der notwendigen Schulung in dieses Land kommen, Gelegenheit geben, das Land zu sehen und zu berichten. Es gab in diesen Jahren Sachkenner von Rang, die mit unserem Walen im Lande waren, 1. B. Professor M c a d von der California University. Dessen Gutachten gab wertvolle Anregungen, die verwertet wurden. Es haben aus Deutschland eine ganze Reihe von Menschen, die eine gewisse Zeit im Lande waren, ihre Eindrücke niedergelegt, wie Freiherr von Schoenaich, Dr. Pinner, der dieser Ver- Sammlung beiwohnt. Wir halten jedes dieser Gutachten mit seiner Kritik für wert, der Oeffentiichkeit unterbreitet zu werden. Sie werden verstehen, jeder Gutachter sieht mit sein« Augen. Nur dagegen müssen wir uns zur Wehr setzen, daß rein literatenhafte, feuilletonistische ״Gutachten“ entstehen, die mit Befriedigung von denen aufgenommen werden, die die Sache nicht wollen, die mit hämischer Schadenfreude sich überaU das Ungünstige herausklauben und das dann als die sogenannte Wahrheit verbreiten. Was das Große an diesem Werk ist, ist die Tatsache eines neuen, eines wirklich echten Lebens, das heute noch chaotisch ist, das aber wird; hier ist ein Judentum, das nicht in Worten besteht, nicht Ln Deklamationen, das nicht mit irgendwelchen unkontrollierbaren Begriffen operiert, son- #rn wo Juden sich hinstellen und sich der Kritik darbieten, fi« Iftgeö kann: Das ist gut, däs ist 'ffe&fcätt, aber hier steht dahinter das echte Ringen arbeitender Menschen. Diese Weit setzt sich gegenüber der Welt der Phrase und der Redensart. Das Ereignis ist dieses wirkliche Leben mit all seinem Guten und mit all seinem Schlechten, das notwendig mit ihm verknüpft ist. Sie haben Oppenheimers Rede gehört. Es ist nicht meine Aufgabe und nicht meine Sache, zu sagen, wieweit ich mit ihm übereinstimme. Es ist nur meine Pflicht zu erklären, daß es natürlich auch andere Urteile gibt. Es war unsere Pflicht, alle Formen der Wirtschaft in einem Lande zu versuchen,, in dem man nur auf Grund von Versuchen zur Erkenntnis kommt. Gerade deshalb halte ich es für richtig, daß auch die Form, die Oppenheimers Ueberzeugung entspricht, versucht wird, daß auch dort diese Siedlungsgenossenschaft in einem neuen Versuch sich erweisen soll. Ich glaube, die Entwicklung der letzten Jahre hat gezeigt, mit welcher Entschlossenheit man versucht, im Aufbau Palästinas die richtige Form zu finden. Man ist aber noch weit davon entfernt. Es sind in Wahrheit erst sechs Jahre seit Wiederaufnahme unserer kolonisatorischen Arbeit vergangen, und ein Kolonialland braucht lange Jahre, vielleicht Generationen, um zu dieser völligen Stabilisierung des eigenen wirtschaftlichen Lebens zu kommen. In Palästina wird es vielleicht schneller gehen. Was dort geschaffen ist, sind Voraussetzupgen, an denen unsere Kritik sich übt. D*ie jüdische Welt fühlt, daß hier nach Jahrtausenden zum ersten Male jüdische Menschen hin gehen, um ein normal geschichtetes jüdisches Leben aufzubauen, in dem die Juden alle Funktionen der Wirtschaft ausiiben. Dias Leben erhält in Palästina seine Färbung durch das Bedürfnis nach einer neuen Lebensform, wo in voller Freiheit auch die beiden Völker, die in dem Lande leben, jene wahre Gleichberechtigung genießen, die es sonst nirgends in der Welt gibt. So glaube ich, daß diese kritische Studie über unser Werk, die zu einer Bejahung führt, ein guter Versuch des Keren Hajessod ist, an der Erziehung der Judenheit in ihrer Stellung zu Palästina mitzuwirken. Wir glauben, daß alle, die es ernst meinen, sich gründlich mit dem Aufbauwerk beschäftigen müssen, sich nicht mit tendenziösen Berichten begnügen, sondern den Versuch machen, zu studieren, was dort vorgeht, und dann auf Grund ihrer Kenntnis sich fragen: Sind wir verpflichtet, mit ganzer Kraft zu helfen? Sie werden dann zu dem Ergebnis kommen: Dort wird das Schicksal des Judentums entschieden, dort erweist sich, ob im Judentum noch jene Kräfte vorhanden sind, die zum konstruktiven Aufbau eines eigenen, natürlich geschichteten Lebens gehören. Wir wagen es, das Judentum in Palästina auf die Probe zu stellen und sind überzeugt, daß dieses Land, um ein Herzl-Wort zu gebrauchen, aas Glück und die Ehre der Juden tragen wird. (Bravo! und Händeklatschen.) Her» Hajessod in Amerika New York, 18. Oktober. (J.T.A.) Herr Morris Rothenberg teilte mit, daß der Ertrag der Keren Hajessod- Sammlungen in Amerika in dem am 30. September zu Ende gegangenen Geschäftsjahr 1 500 000 Dollar ausmacht und um 250 000 Dollar größer ist als der Keren Hajcssod-Ertrag im vorausgegangenen Jahre. Die Joiol-Konlerenz la Chicago Wir erhalten folgende Mitteilung: Dr. Bernhard Kahn, der europäische Direktor des Joint Distribution Committee, der augenblicklich in Amerika wellt, teilte dem Berliner Büro des Joint in bezug auf die Nachricht der J. T. A. betr. Aussöhnung von Zionisten und Nichtzionisten auf der Konferenz des Joint in Chicago folgendes mit: Die Erklärungen der Führer des Joint auf der Konferenz in Chicago sind spontan, ohne vorherige Verhandlungen mit den Zionisten erfolgt, um die Bereitwilligkeit des Joint zur Zusammenarbeit zu beweisen. Sie entspringt der eigenen Initiative der Persönlichkeiten, die an der Spitze des Joint stehen, und nicht dem Druck von irgendeiner Seite. Soeben erschien: | JbcrJüöe 1 | KOVDERHEFT j 3uöentum «6״ iDeutfcl)tum j -״wiffliitllliinm»״«- INHALT: :Doj. tDr. Walter ©uljbadj / Die Juden unter \ den Deutschen prof. €f>eoi>0r üeffing / Jüdisches Schicksal Katharina non 01)Cimb / Die Judenfrage prof. klJap »5er?og ju ©acfyfett / Zionismus und Rück sicht auf deutsches oder anderes Nationalgefühl prof. 0imon £>ubt10«j / Das alte und das neue Judentum 5• •öernjlcin / Soziologie des Judenhasses (Decar 7t. י£. ©c&mitj / Der jüdisch-christliche Komplex $5r. UTartin •Suber / Bericht und Berichtigung £>r. ©uftap Äroj«nfer / ״Gerechtigkeit“ fcr. £rofl WeifJ / Adeliges Volk £>r. Ttlfreb fcdbün / Ein Brief &r. ©iegmunb TSajnelfon / Entgegnung £>r. Freiherr non 0d)önai<fc / Juden als Soldaten *•■׳"■־'׳'■•־־ •־׳־־׳ Preis Mk. 3.80 Jüdischer Verlag / Berlin NW 2 Dorotheenstrasse 35 iiiuuniiiiiimuutiuii iMuiiuiiiuiiitumiiiiuiminiuiunuimini Oie Palistüia-Campagne in Amerika New York, 8. Oktober. (J.T.A.) Richter William Lewis aus Philadelphia, eine führende Persönlichkeit im jüdischen Leben in den Vereinigten Staaten, wurde einstimmig zum Vorsitzenden des Komitees für die Kampagne zur Aufbringung von 7(4 Mill. Dollar für Palästina gewählt. Ehren- Vorsitzender ist Dr. Stephen S. W i s e. Dem Komitee gehören noch an Richter Julian W. Mack, Rabbi B. L. Loevventhai und andere. Mr. Hemian Conheim wurde zum Schatzmeister des Keren Hajessod wiedergewählt. Emanuel Newman, der Sekretär des Keren Hajessod und Generaldirektor des Zionisten Drives im letzten Jahre, wurde zum Vorsitzenden der Exekutive gewählt. Weitere Mitglieder der Exekutive sind: Louis Lipski, der Präsident der Zionistischen Organisation Amerikas, Morris Rothenberg, der Vorsitzende des Direktorenrates des Keren Hajessod, Richter Bernard A. Rosenblatt, Vorsitzender des Sozialfonds, Mrs. Irma L i n d h e I m , Präsidentin der ״Hadassah“, Rabbi J. Lewinson und Dr. David Kaliski, Vorsitzender des Universitätsfonds. Prof. Carl Lewin SO Jahre Dieser Tage begeht unser Gesinnungsgenosse Prof. Dr. Carl L e w i n, Berlin, seinen 50. Geburtstag. Levvins Name hat unter den ausübenden Berliner Spezialärzten für innere Krankheiten und unter den wissenschaftlichen Erforschern dieses Gebietes einen guten Klang. Als Schüler des bekannten Berliner Internisten, Prof. v. Leyden, hat er sich besonders aut dem Gebiete der Erforschung der Krebskrankheiten einen Namen gemacht und ist häufig als beratender Arzt auch außerhalb Deutschlands zugezogen worden. Neben Beruf und wissenschaftlicher Forschung aber hat Lewiu immer wieder Zeit und Gelegenheit gefunden, sich seinen jüdisehen und zionistischen Interessen zu widmen. Lewin gehört noch der ersten zionistischen Generation Deutschlands an, aus der Männer wie Klee, Kollenscher, Gronemann u. a. hervorgegangen sind. Lewins Zionismus hat seine natürliehen Wurzeln in der Tradition einer altjüdischen Erziehung, ist aber besonders bemerkenswert dadurch, daß er sich im Zusammenleben mit den Führern des deutschen Assimilationsjudentums — Lewin ist Angehöriger des Kartell-Convents deutscher Studenten jüdischen Glaubens (K. C.) — bewähren mußte. Ja, vielleicht kann man sogar sagen, daß der Zionismus Lewins gerade aus diesem Kampfe mit den jüdischen Anschauungen seiner Jugendfreunde und mit den Freunden im Centraf-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, in dem Lewin oft als der Wortführer der Zionisten auftrat, seine Kraft und Festigkeit erhalten hat. Lewin ist Mitglied des Präsidiums des deutschen Keren Hajessod; sein Herz schlägt für alles, was jetzt in Palästina zum Aufbau der jüdischnationalen Heimstätte geschieht, besonders für alle Fragen des Aufbaus neuer jüdischer Wissenschaft im Lande der Väter. Reges Interesse nimmt er an den Problemen der Universität Jerusalem. Möge es ihm vergönnt sein, die Vollendung unseres Werkes noch in unseren Tagen zu schauen. — tz. Die Konferenz des Hapoei-Bazalr Von unserem Korrespondenten. I AG., Tel-Awiw, den 12. Oktober 1926. I Einen Bericht über die zwanzigste Konferenz des Hapoel-1 Hazair zu erstatten, ist eine ungewöhnlich schwere Aufgabe. I Die Arbeit dieser Woche in Petach-Tikwah wird auch der-1 jenige nicht in vollem Umfange erfassen können, der sich die Mühe nimmt, das gesamte Protokoll durchzugehen. Es gibt — alle Versammlungsbesucher wissen das — Zusammenkünfte, die nicht so sehr durch das Was, sondern durch das Wie wirken; bei denen nicht der Streit der Meinungen, sondern die Atmosphäre ausschlaggebend ist. Und diese Atmosphäre war es, was der Konferenz in Petach-Tikwah ihren besonderen Stempel gab. Schon äußerlich konnte man die ungewöhnliche Erfahrung machen, daß acht Tage hindurch Delegierte und Gäste, ohne nachzulassen oder zu ermüden, mit gespannter Aufmerksamkeit den Verhandlungen folgten. Tag für Tag war diese provisorisch aufgestelite, mit Eukalyptuszweigen bedeckte Baracke, in der die Konferenz tagte, gedrängt voll. Ein umfassendes oder gar erschöpfendes. Kid der Ver- Handlungen zu geben, würde — wie bei den meisten palästinensischen Parteikonferenzen — eine Artikelserie verlangen. Es wurden alle Fragen der nationalen Kolonisation berührt, einige gründlich erörtert. Wir haben es noch nicht soweit gebracht, daß eine Partei sich auf einer solchen Zusammenkunft einer Frage widmen konnte. Jedes einzelne Gebiet ist aktuell, jedes Problem ist brennend. Und eine Konferenz muß als produktiv betrachtet werden, wenn es ihr gelingt, dem Gewebe der Ansichten, Pläne und Methoden noch ein bescheidene^ Stückchen anzufügen. Wir beschränken uns hier darauf, einige Hauptpunkte zu besuchten und verweisen den, der nähere Informationen wünscht, auf die mannigfachen und umfassenden Berichte und Wertungen in der palästinensisehen Presse. Die Frage der landwirtschaftlichen Kolonisation nahm die erste und zugleich eine fast zentrale Stellung ein. Man kann sagen, daß sie die Geister so stark beschäftigte, daß für städtische Probleme nicht genügend Zeit und Kraft übrig blieb. Das erklärte sich aus der Anschauung des Hapoel-Hazalr, der nach wie vor in der landwirtschaftlichen Siedlung den Kern- und Stützpunkt der gesamten Palästinaarbeit sieht, und aus der Zusammensetzung der Konferenz. Eine überwiegende Majorität der Delegierten wären Landarbeiter. Die städtischen Vertreter bildeten eine Minorität Die Kolonisationsdebatte erneuerte den alten Kampf um die grundlegenden Methoden, der vor einigen Jahren alle zionistischen Kreise unter dem Schlagwort ״Konsolidierang“ beschäftigte. Es war aber keine abstrakte Debatte, sondern ein Kampf der Meinungen und Leidenschaften, der sich um zwei Projekte kolonisatorischer Tätigkeit entwickelte, die der Konferenz Vorlagen (s. unten). Die Gegensätze sind klar: Auf der ein« Seite die von der Erfahrung gestützte Erkenntnis, daß die langsame und teure Kolonisation die schnellste und billigste sei, da nur eine genügende Basierung der Betriebe die Möglichkeit gibt, gesunde Wirtschaften aufzubauen, die sich in wenigen Jahren vom Budget unabhängig machen. Auf def• anderen Seite der leidenschaftliche Drang, schneller vorwärts zu kommen, ein weites Aktionsfeld zu eröffnen, selbst wenn damit Gefahren verknüpft sind und keine sicheren Garantien gegeben werden können. Es ist das eine Differenz, die nicht nur in ökonomischen Anschauungen verwurzelt ist, sondern aus tieferen Quellen, aus einem blinden Tatendrang und leidenschaftlicher Ungeduld gespeist wird. Es ist das Produkt jener verzweifelten Lage, in der immer mehr als das Mögliche geleistet werden muß und manchmal auch geleistet wird. Es ist schwer zu entscheiden, weiche Auffassung auf der Konferenz die Oberhand behielt Die Beschlüsse stellen eine Art von Kompromiß dar und es ist wahrscheinlich, daß der Kampf gegen das System der Konsolidierung solange anhalten wird, bis wir einigermaßen genügende Mittel für die Kolonisation zur Verfügung haben werden. Die durch die Einwanderung der Chaluzim sich ansanunelnde Energie wird immer von neuem die Bedenken und Argumente des Wirtschaftlers über den Hauten rennen wollen und vielleicht auch manchmal dazu imstande sein. Auf dem Gebiete der Landwirtschaft haben sich immerhin bereits eine Anzahl van Formen herausgebildet, die einen gewissen stabilen Charakter haben. Der Weg des landwirtschaftüchen Arbeiters ist ungefähr klar. In der Stadt hingegen besteht weder ein eindeutiges Endziel, noch ein einleuchtend klarer Weg. Im Programm des ״Hapoel-Hazalr“ wird durch den Begriff ״ohne Ausbeuter und Ausgebeutete“ eine Mittellinie der Sozialpolitik geschaffen, für die ein städtisches Kolonisationsprogramm nicht genügt. Immer wieder taucht die Frage auf, was aus dem städtischen Arbeiter werden, was man aus ihm machen soll. Die natürliche Antwort nach dem Muster der Landwirtschaft wäre eine umfangreiche städtische Kooperation. Heute sind nur Ansätze dazu vorhanden und es ist nicht sicher, in welcher Richtung sie auszubauen sind. In den letzten Jahren hat sich eine sehr beträchtliche städtische Lohuarbeiterschaft gebildet, die stark atomisiert ist und außer einem menschenwürdigen Lebens- Standard noch ein umfassenderes, ein sozial befriedigendes Ziel fordert. Ohne es zu wissen, und zu einem großen Teil, ohne es zu wollen, hat sich ein Lohnarbeiterstand herausgebildet, der immer mehr rein gewerkschaftliche Interessen erhält. Auf der Konferenz des Hapoel-Hazalr war man sich in der Ablehnung dieser Entwicklung einig. Als Gegenmittel wurde die tatkräftige Organisierung der Arbeiter in Gruppen befürwortet, die nicht nur ökonomische, sondern vor allem soziale Ziele haben. Vielfach wurden Ansichten geäußert, daß der Einzelarbeiter als Arbeitnehmer soweit wie möglich zu verschwinden habe und die Gruppe (Kibuz) der ausschlaggebende Faktor in der Stadt werden müsse, ebenso wie er es in den Kolonien bereits heute ist. Man verspricht sich von dieser Politik, die vor einigen Jahren bereits im Lande durchgeführt und dann durch die rein gewerkschaftlichen Tendenzen geschwächt wurde, eine Stärkung der genossenschaftüchen Bewegung, die engere Verbindung der städtischen Institutionen, wie z. B. des Solei Boneh mit den weiten Kreisen der Arbeiterschaft und in der späteren Entwicklung ein entsprechendes, auf kooperativer Grundlage aufgebautes Kolonisationssystem der Stadt. Neben dieser Zentralfrage standen Probleme wie die eines neutralen oder dem Arbeiterrat angcgliederten Arbeitsamtes, die Frage der Schlichtung wirtschaftlicher Konflikte zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmen» durch Schiedsgerichte nach den» Vorbilde der in den

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