Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXI (1926)
- Issue
- Heft 83 (22.10.1926)
- Date
- 1926-10-22
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 83 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 591 :!eatigen Ausbildung auf dem Lande hochqualifizierter Mann. Ein landwirtschaftlicher Arbeiter ist ein ״all round man", wie die Engländer sagen, ein Stück Viehzüchter, Monteur, Arzt, ein Zimmermann, alles nebeneinander. Er muß nicht nur pflügen und säen, eggen und walzen können, er muß auch Dünger streuen können und genau wissen, wieviel er streut Er muß die Maschinen einzustellen verstehen, er muß sauber hacken, eine Kuh melken, ein Pferd striegeln, einen Wagen fahren können, neuerdings einen Traktor bedienen usw. Wir sind gewohnt, diese Leute als ״unqualifiziert“ zu betrachten, als ״unskilled“. Das sind sie aber nur, wenn sie in die Stadt kommen, aber an sich sind sie hochqualifiziert. Der Landarbeiter ist aber längst kein Bauer. Dieser muß alle Fähigkeiten des Arbeiters in höchstem Maße besitzen. Der Bauer hat niemand, der ihn anleitet, der ihn kontrolliert Er muß sich selbst kontrollieren. Er muß darüber hinaus die Fähigkeit besitzen, auf Jahre zu disponieren. Er muß überdies ein tüchtiger Kaufmann sein. Diese Fähigkeiten hat der Landarbeiter im allgemeinen nicht. Wer nicht in der Bauernwirtschaft aufgewachsen ist, ist kein Bauer. Er ist ein noch so tüchtiger Arbeiter, er ist kein Bauer. Die dritte Stufe ist, sagen wir, der Administrator, der Manager, der fähige Leiter eines Großbetriebes. Er muß die sämtlichen Eigenschaften des Landarbeiters haben, denn er muß in der Lage sein, jedem Landarbeiter jeden Hand־ griff vorzumachen. Er muß ferner alle Eigenschaften des Bauern haben und darüber hinaus die eines großindustriellen Disponenten, und zwar eines Disponenten unter Umständen, von deren Schwierigkeiten sich der gewöhnhehe städtische Unternehmer gewöhnlich keine Vorstellung macht. Er ist noch viel mehr ein ״all round man“ in jeder Beziehung. Man muß wissen, daß der beste Landarbeiter noch kein Bauer und selbst der tüchtigste Bauer noch lange kein Leiter ist. In Palästina hat man alle möglichen Methoden versucht. Sie werden wissen, daß Rothschild vor vielen Jahren damit begonnen hat, zunächst Pflanzungsbauern anzusetzen, Wein- und Orangenzüchter. Es sind wohlhabende Kapitalisten geworden, die im allgemeinen selbst nicht mehr arbeiten, sondern die Arbeit macht fast durchweg der arabische Fellach, den sie mieten. Das ist eine Methode, mit der einzelne Juden, die man hinüberbringt, zu Wohlstand kommen können, eine Methode, gegen die 1m Einzelfall nichts einzuwenden ist, mit der aber das Ziel der Eroberung des heiligen Landes für jüdische Rasse und Sprache nicht erreicht werden kann. Es sind dann einzelne Bauern auf ziemlich große Bauernbetriebe von der Ica angesetzt worden und auch später mit Rothschiktscheu Mitteln. Ke Dinge sind im allgemeinen nicht allzu gut gegangen. Die Leute hatten viel zu viel Landj sie waren vielfach nicht gründlich genug vorgebildet und naben sich gequält. Hier und da sind ein paar von diesen Bauern gediehen. Dann hat man auf meine Anregung hin den Versuch mit Genossenschaften gemacht Das Schicksal der ersten Anteilswirtschaft, der ersten Vorstufe für Produktivgenossenschaff Merchawja war schlecht. Man hat die Kooperative in eine kommunistische Gruppe verwandelt und hat sie damit lebensunfähig gemacht. Heute liegen die Dinge so, daß itn Lande die kolonisatorische Tätigkeit im wesentlichen in drei Formen betrieben wird, als ״Große Kwuza“, als ״Kleine Kwuza“ und in Form von Bauerndörfern, — Moschawe Owdim. Hier kommt meine ״persönliche Gleichung“ ins Gewicht. Ich bin felsenfest davon überzeugt, daß der Kommunismus nicht, wie. er sich ataMdet, der einzige Weg zum Sozialismus Ist, sondern daß er der einzige Weg ist, auf dem der Sozialismus niemals erreicht werden kann. Ich bin mit der felsenfesten Ueberzeugung nach Palästina gegangen, daß diese großen kommunistischen Kwuzot unmöglich gehen können, eben weil sie kommunistisch sind. Aber ich sagte schon, wo unser einer seine persönliche Gleichung fühlt, wird er doppelt vorsichtig. Ich bin tatsächlich mit der ehrlichen Absicht hinübergegangen, alles Gute zu sehen, was überhaupt nur sichtbar ist, und das Schlechte zu entschuldigen. Ich wußte, es gibt Entschuldigungen. Ich wußte, daß die zio- תistische Leitung nicht immer in der Lage gewesen ist, die Dinge von vornherein so aufzubauen, daß sie gleichlaufen konnten, daß die leidige Finanzlage gezwungen hat, die Dinge in Provisorien allmählich zu entwickeln, und daß selbst für diese Provisorien die versprochenen Mittel zu spät kamen so daß Ueberprovisorien notwendig wurden, in denen Zeit, Geld, Mut und Gesundheit verlorengegangen. Das wußte ich, und das wollte ich in Rechnung setzen. Was ich gesehen habe — jetzt kommen die großen ״headlines“ — hat meine schlimmsten Erwartungen bei weitem übertroffen. Diese großen Kwuzot sind eine absolute Unmöglichkeit. Sie sind nicht nur eine Unmöglichkeit, weil sie kom munistisch sind, sondern weil sie das noch dadurch übersteigern, daß sie anarchistisch sind. Sie stehen noch nicht einmal unter einer Leitung. Ich habe greuliche Dinge gesehen, z. B. ein Feld, das so schlecht gepflügt war — die Furchen liefen schräg —, daß an einer Ecke ein ganzes Dreieck übrig blieb. Ich habe ein Feld gesehen, wo mitten darin ein großes Stück Kraut, Disteln und umgebrochener Acker übrig gebtieben war, von dem aus der gepflügte Acker, verzeihen Sie den Ausdruck, mit Unkraut verschweinigelt wurde. Ich habe einen Stall gesehen, durch den man mit einem Auto hätte hindurchfahren können, und zwar nicht durch die Tür, sondern durch ein nicht ausgebessertes Loch. Ich habe überall kurz und gut und bündig gesehen, daß hier niemand ist, der Veranwortung hat, niemand, der Verständnis hat. Ich muß Ihnen sagen: Hier ist jede Hoffnung verloren. Man wird selbstverständlich den Gruppen, die man angesetzt hat, die ihnen versprochenen Gelder weiterzahlen. (Zuruf Holitscher: Das tut man eben nicht!) Man wird hoffen, daß, wenn die Dinge soweit sind, sie sich selbst von innen her reformieren. Ich kann zu meiner Freude sagen, daß ich ans guter Quelle weiß, daß nicht die Absicht besteht, diesen Weg weiter zu schreiten. Es werden keine ״großen Kwuzot“ mehr geschaffen werden, die eine Aufgabe übernehmen, die nur der beste Landwirt, der überhaupt in der ganzen Welt zu finden ist, vielleicht lösen könnte. Ganz anders sind bereits die kleinen Kwuzot. Hier sind eine Anzahl von Arbeitern — Dagania war das erste Beispiel —, die sich ausgezeichnet kannten, im schweren Fieberkampf mit dem Lande miteinander gelitten, gehungert und gefroren haben, zusammengeschlossen, jeder von ihnen ein erstklassiger Landarbeiter, und einige von ihnen zur Stufe des Bauern gehoben. Sie haben sich zusammenfetan und haben verhältnismäßig kleine Flächen mit verältnismäßiger Einfachheit bewirtschaftet, nicht wie in der großen Kwuza. Ich denke an eine, da gibt es allerhand 1 unerwinsindii, vichwii ibuidii^ 1 luunci 4ulul, 1i5L.111trt.1j 0d.11“ Ierei, ohne daß ein einziger Mensch da ist, der die verantwortung für das Zusammenstimmeu des Betriebes hat, ohne daß ein einziger Mensch da ist, der jemals den Versuch vorher femacht hätte, einen solchen Betrieb zu leiten; mit einer uchführung, die zwar wundervoll darauf eingerichtet ist, zu sehen, wieviel Arbeit in jedem Ding steckt, aber nicht darauf, das herbeizuführen, was wir schließlich herbeiführen müssen, Rentabilität. Mau hat mir gesagt: Wir fressen Oras, d. h. die Leute arbeiten in Wirklichkeit schwer und ernähren sich sehr kümmerlich. Ich habe Urnen gesagt: Der Teufel soll euch holen, wenn ihr Gras freßt, arbeitet gefälligst so, daß ihr Beafsteak essen könnt! Einer meiner alten Freunde im Lande hat mir gesagt, i׳h und Dyk wollten ihnen ihre Freiheit nehmen. Ich habe erwidert: Ich bin liberaler Sozialist, die Freiheit steht mir über der Gleichheit. Was heißt Freiheit? Was ist Freiheit, über die ein Kant dachte und ein Schiller schwärmte? Ist sie etwa Willkür? Die großen Köpfe, unsere Klassiker fragten: Wovon müssen wir frei sein, damit wir für das Entscheidende frei sind? Frei ״wovon“ und frei ״wofür“! Aber diese Kinder wollen nur frei sein von allen Dingen und glauben sich dann glücklich. Ich habe eine Kwuza gesehen, es war ein entzückender Anblick, 30 prachtvolle jungens und Mädchens, rosige Backen und Arme, Beine, seelenvergnügt. Es war ein Feiertag. Perennierender Wandervogel- \ crein! Daß sie so wirtschaften müssen, daß die Kosten herauskommen und über die Kosten ein Ueberschuß, das wissen sie nicht, ihre Willkür heißt ihnen Freiheit. Das ist falsche Erziehung. Wir haben mit unseren Chaluzim einen Kultus getrieben. Ich weiß, was das bedeutet, Chaltiz sein; ich habe sie arbeiten sehen, als wenige von Ihnen noch von Zionismus etwas wußten. Ich weiß, was für herrliche Leute darunter sind. Aber es ist ein Unterschied zwischen Die Sonder-AKflon des Keren Hajessod 1 1 Besdtiuft des landesvorsfandes ״Der Landesvorstand der Z. V.!. D. begrüßt die vom Direktorium des Keren Hajessod im Einvernehmen mit der zionistischenExekutive beschlossene Sonderaktion für den Keren Hajessod. Er verpflichtet alle seine Mitglieder, sich an dieser Aktion persönlich zu beteiligen und sich mit allen Kräften dafür einzusetzen, daß diese Aktion in ganz Deutschland zu einem vollen Erfolg führt. Der Landesvorstand verlangt von jedem deutschen Zionisten die Abgabe einer Zeichnung für das Jahr 5687 (1. Okt. 1926 bis 30. Sept. 1927), die der Maasser- Ordnung des deutschen Keren Hajessod entspricht, und appelliert an alle deutsdten Zionisten, atä ihre Zeichnung für das Jahr 5687 innerhalb der nächsten vier Wochen möglichst hohe Barzahlungen an den Keren Hajessod zu leisten."! * I I I I mufjf in allen Ortsgruppen durchgeführt werden 1 1 1 I I I ו den Leuten, die drüben an der Fiebergrenze gelitten, gekämpft und gehungert haben und denen, die jetzt ins Land kommen. So schlimm ist es nicht mehr. Sie kommen ins Land, werden ein paar Tage ausgezeichnet in einem prachtvollen Quarantäneheim verpflegt, setzen sich in ein Auto und fahren in eine Kwuza. Da arbeiten sie in dem wunderschönsten Lande der Welt. Es ist ein wunderbares, herrliches Leben. Wo cs nicht gerade Fieber gibt, und das gibt es nur selten, haben sie das gesündeste Klima der Welt, suchen sich ihre Arbeit selbst aus, machen genau soviel wie sie wollen, haben das Gefühl, Helden zu sein, von der öffentlichen Meinung des ganzen Landes getragen zu werden. Sie haben die herrlichste Sexualität, die denkbar ist. Wenn ein Kind kommen soll, wird ehrlich geheiratet, und das Kind wird von der Kwuza aufgezogen, als wäre es Im Schloß eines englischen Lords auf die Welt gekommen. Um Gotteswillen, was kann es Schöneres in der Welt geben! Wenn ich 22 Jahre alt wäre, ich ginge in eine Kwuza! Was hätten denn diese Menschern, fast alle, sonst für eine Aussicht gehabt? Eine winzige Werkstatt im Eastend von London oder im Süden von Manhatten von New York! Jetzt sind sie freie Leute und machen auf anderer Leute Kosten die schönsten Experimente, leben und arbeiten aber in der schönsten Luft der Weit. Ist das etwas, wofür wir sie großstreicheln und hätscheln müssen! Wenn sie für das Volk und nationale Ideale schaffen wollen, sollen sie sich gefälligst unter Disziplin stellen wie jedes kämpfende Heer. Die kleinen Kwuzot sind also wesentlich besser. Hier ist viel Erfreuliches schon geleistet, und noch Schöneres ist geleistet in den Moschawe Owdim, in den Bauerndörfern. Wir haben eine Reihe von diesen Bauernhöfen durchgerechnct, mein Freund Dyk und ich, und wir haben gefunden, daß der Mann, der seine Sache versteht, in Palästina gerade so gut bestehen kann wie anderswo. Es gibt ja solche Bauern im Lande, die ihre Sache verstehen und von jeher glänzend gediehen sind. Aber es gibt oder gab bis vor kurzer Zeit nur wenige jüdische Bauern, die ihr Geschäft wirklich verstanden. Ich habe einzelne durchaus blühende, sehr schöne Bauernwirtschaften gesehen. Daß die ganze Methode des Zusainmensiedclns dieser Leute in Dörfer, die gleichzeitig als Gemeinden angelegt sind, einen schönen Anblick bietet, einen gegenseitigen Halt der Wirtschaften aneinander gewährleistet, ist sehr aussichtsvoll und schön. Ob alle auf dieser Höhe sich halten werden, kann inan nicht wissen. Sie sind zum großen Teil auf Grund der schon berührten Finanz• Schwierigkeiten noch nicht vollkommen fertig. Aber wir haben schon den Eindruck eines gesunden, tief wurzeln den Wachstums der meisten gehabt, und zwar nicht nur der zionistischen Moschawim, sondern derjenigen, die von der Ica begründet sind und in manchen Dingen sich technisch oder organisatorisch von den zionistischen unterscheiden. Das schönste von allen ist das berühmte N a h a I a 1, das auf einer Giftflächc, einer Malariafläche angelegt ist, auf der in diesem Jahrhundert 11 oder 12 arabische Dörfer ausgestorben sind, und die so saniert ist, daß im letzten Jahre überhaupt nicht ein Malariafall vorgekommen ist. Aus der berüchtigten Giftquelle trinken wir jetzt das herrlichste Wasser. Die Dinge haben nur eine einzige Kehrseite, die mir noch Sorge macht: Wo kriegen wir den Nachwuchs her? Die Leute, die in den kleinen Kwuzot und in den Bauerndörfern angcsiedelt sind, sind zum Teil 20, 15 oder 10 Jahre im Lande, haben das Land als Landarbeiter kennengelernt bis aufs letzte und haben sich dann selbständig gemacht. Aber sie sind kaum in der Lage, Nachwuchs heranzubilden, jedenfalls nicht soviel Nachwuchs und so schnell hcranzubildcn, wie wir das wünschen müssen. Es geht soweit, daß in den von den Zionistischen Organisationen begründeten Moschawim überhaupt keine Lehrlinge angenommen werden. Diese prachtvollen Leute haben vor sich selbst Angst Sie haben gesehen, wohin es führt, wenn man Arbeiter annimmt, z. B. in den südlichen Kolonien. Sie fürchten, daß sie, wenn sie selbst Arbeiter halten würden, Kapitalisten werden würden. Davor haben sie Angst! Infolgedessen nehmen sie Verwandte ins Haus. Dann geschieht eins von zweien. Entweder ist der Verwandte sein Futter wert oder mehr, dann wird er ״explodiert“, — oder er ist sein Futter nicht wert, dann wird der Bauer ״explodiert“. Jedenfalls ist es hier dem Zufall überlassen, ob ein Mensch, der seine Sache versteht, in den Betrieb kommt, um solange zu helfen, bis des Bauern eigene Kinder aufgewachsen sind. Es sind ja meist sehr junge Ehepaare, die sich dort niedergelassen haben. Das ist natürlich heller Blödsinn. Niemals ist der Bauer ein Kapitalist gewesen und wird es niemals werden. Der kleine Mittelbauer auf höchstens 10 ha — größer ist das Gut nicht — 100 Fuder, der wird kein Kapitalist werden. Er soll nach meiner Meinung Lehrlinge annehmen. Ich habe vorgeschlagen und hoffe, daß die Behörden des Keren Hajessod und der Zionistischen Organisationen mir wenigstens in diesem Punkte folgen werden, den Bauern in den Moschawim geradezu als Pflicht autzuerlegen, ein oder zwei Lehrlinge a u s z ti b i I d e n. Man sollte nur den besten von ihnen — sic sind nicht alle gleich gut — diese Pflicht als ein Recht aulerlegen. Man sollte ihnen meinetwegen so etwas wie einen Meistertitel geben. Man sollte ihnen im ersten Jahre für den Lehrling zuzahlen. Im zweiten Jahre müßte der Betreffende sich selbst decken und im dritten Jahre müßte ihm der Bauer einen kleinen Lohn geben. Auf diese Weise würden wir wenigstens von einer Anzahl von Bauernhöfen im Laute der Zeit wirklich ausgebildete Leute bekommen. Wenn wir dann diese jungen Leute, die wir jetzt in Europa ausbilden, noch aut drei Jahre in einen wirklich gedeihenden Bauernbetrieb geben, der nebenbei gesagt, durch die Arbeit unserer beratenden Behörden von allen Seiten gestützt und gehoben wird — es wird da sehr viel Erfreuliches in bezug aut Saat- Zuchtwahl, Düngungsmethoden, Pflanzungsmethoden, Rotation und Bewässerung geleistet — dann wird sehr fleißig und prächtig gearbeitet werden. ׳ Wir sind denn doch '־' ־ •'י״־'״“ •'׳־•'־" ein ganz beträchtliches Stück vorwärtsgekommen seit der Zeit, als wir Merchavia auf der grünen Wiese begründeten. Vielleicht lassen sich auch auf den ״kleinen Kwuzot“ einzelne Lehrlinge heranbilden. Alles in allem ist das viel zu wenig für den Zweck, den wir zu erstreben haben, und so scheint es mir, als daß uns gar nichts anderes übrig bleibt, als nochmals der Versuch der von mir empfohle ne 11, kooperativen, nicht der kommunis tisch eii Gruppe zu machen. Die kooperative Gruppe unterscheidet sich von der kommunistischen Gruppe durch folgendes: Der Kommunismus verteilt gleichmäßig nach Köpfen, die kooperative Gruppe nach der Leistung. Dieser kleine, scheinbar so winzige Unterschied, den der normale Mensch als äußerst geringfügig schätzen wird, enthält die Garantie für die psychologische Unmöglichkeit der kommunistischen Gruppe und für die psychologische Sicherung der kooperativen Gruppe. Wie diese Dinge gemacht werden können, habe ich früher theoretisch vorgeschlagen. Wir sind jetzt 6»A Jahre dabei, es praktisch vorzuführen. Ich habe hier in der Nähe von Berlin ein großes ehemaliges Staatsgut in der Hand. Wir haben das Gut zu einem Mustergut entwickelt. Ich sage wir, gemacht hat es Dyk, ein Mann, den man aus Palästina verdrängt hat, der_ heute einer der ersten Landwirte der ganzen Welt ist. Hier ist die Möglichkeit gegeben, wenn sich die Dinge in Palästina bewähren und wenn dieses Mal die leitenden Männer die Kraft haben, den Strömungen des populäreil Unsinns Widerstand zu.leisten, verhältnismäßig schnell die Kräfte auszubildcn. die wir brauchen, um das Land mit dem Pflug und dem jüdischen Schweiß so w-eit za erobern, wie wir es brauchen, um darin als gleichberechtigt neben den Arabern leben zu können, und um der jüdischen Industrie und dem jüdischen Handel den Binnenmarkt zu liefern, ohne den beide kümmerliche Gebilde bleiben müssen. Das ist ungefähr das, was ich im Lande gesehen habe. Das ist das, was ich aus der tiefsten Verpflichtung heraus, die ich meinem Volk und der ganzen augenblicklich lebenden leidenden Menschheit gegenüber empfinde, vorgeschlagen habe. Ich weiß nicht, ob ich ein so richtiger ״Zionist“ bin. Meine Freunde unter den Zionisten haben es mir immer bestritten, haben mich einen ״Philozionisten“ genannt. Ich habe, was ich in dem Lande gewollt habe, immer in einem größeren Rahmen gesehen. Ich möchte, daß von unserem durch Jahrhunderte und Jahrtausende hindurch zertretenen Volke der Funke ausgeht, der zum Licht wird. Ich möchte, daß sich die Sendung unseres Volkes in der Schaffung von Institutionen bestätigt, die stärker, reiner, gerechter sind als die, unter denen wir leben. Ich möchte und will — ich habe daran gearbeitet —, daß wir ein Muster dort im heiligen Lande schallen entsprechend den Gesetzen unserer Väter, die den Bodenwucher verdammten und ein Gemeinwesen schaffen wollten, Indem soviel Glück, Gleichheit und Freiheit verwirklicht wird, wie das in der Welt möglich ist, und ich glaube, daß sehr viel möglich ist. Ob das Zionismus ist oder Sozialismus oder Philozionismus — ich habe mich niemals um Namen und Worte gekümmert! Das möchte ich, daran habe ich mitgearbeitet, ehrlich und frohen Herzens, und daran möchte ich weiter mitarbeiten. Daran möchte ich Sie auch bitten, alle mitzuarbeiten. Es ist ein wunderbares Land, ein Land von solcher herzenbezwingenden Schönheit, von solcher wundervollen Klarheit der Luft! Dazu mitziihclfen, scheint mir Pflicht, nicht mit den paar Groschen sich loszukaufen, sondern fühlen, daß hier etwas Größeres vor sich geht als eine Wohltätigkeitsveranstaltung, daß hier bei