Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXI (1926)
- Issue
- Heft 81 (15.10.1926)
- Date
- 1926-10-15
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr 81 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 575 Erziehung und Kulturarbeit Praktische Vorschläge Von Hans Kohn. Kommt man zu der Einsicht, daß die Aufbauarbeit in Palästina ein Werk auf lange Sicht ist, und daß sie Mittel und Teil einer allgemeinen Bewegung zur Wiederbelebung und Stärkung des Judentums ist, dann obliegt der Zionistischen Organisation in der Diaspora als eine der wichtigsten Aufgaben die Erziehung und kulturelle Arbeit, insbesondere unter der Jugend. Eine systematische Bearbeitung dieses Feldes ist nirgendwo auch nur angefangen. Ein wichtiger Beginn wäre eine systematische Bemühung, Rabbiner und Lehrer in unserem Sinne auszubildcn und für ihre Anstellung durch die Gemeinden zu sorgen. Besonders in den orientalischen Gemeinden macht sich ein immer steigendes Bedürfnis nach Rabbinern und Führern der Gemeinde geltend und cs wäre die Lösung einer unserer dringendsten Aufgaben, wenn wir durch Gründung von Seminaren und durch Gründung von Schulen, insbesondere dieses Bedürfnis, jetzt wo es wach ist, befriedigen könnten. Nicht anders aber ist es in vielen Ländern Europas und Amerikas. Die jüdischen Gemeinden spüren eine Leere und einen drohenden Verfall, und •wenn auch die Führer dieser Gemeinden dem Palästinagedanken ablehnend gegenüberstehen, so werden sie doch wenigstens zum Teil ein positiv jüdisches Programm begrüßen, das besonders ihre Jugend mit jüdischen Inhalten in einer würdigeren Form bekanntmachen soll, als dies meist gegenwärtig der Fall ist. Ein Teil des jüdischen Erziehungswerkes, das die Voraussetzung einer zionistischen Bewegung, zmnindestens in der folgenden Generation bildet, würde so nicht von uns, sondern von den Gemeinden finanziert werden. Aber die zionistischen Verbände und Ortsgruppen müssen zuerst einmal zu einer solchen Arbeit angeregt werden, Kandidaten für die Stellung eines Rabbiners oder Lehrers in Marokko, Brasilier! oder Frankreich müßten zur Verfügung stehen oder herangebildet werden. Daneben hätte eine Entsendung einer neuen Art von Propagandisten zu treten, die Wanderlehrer wären. Sie hätten nicht jene allgemeinen Vorträge zu halten, die oft glänzende rednerische Leistungen darbieten und sicher den Anstoß zu jüdischer Besinnung geben können. Sie hätten Lehrer zu sein, die jeweils in einem Zyklus von Vorträgen, eins oder mehrere der von ihnen zu speziellem Studium erwählten Gebiete aus dem so großen Bereiche jüdischer Ucberlieferung und Kultur, Soziologie der Gegenwart und Palästinas in sachlicher, nicht diiettantenhafter Form behandeln. So würde die jüdische Besinnung mit jüdischen Inhalten angefüllt und widerstandsfähiger und substanzreicher werden. Eine zentrale Institution müßte genaue Zusammenstellungen mit Literaturangaben für sachliche Vortragszyklen ausarbeiten, An- Weisungen zum Hebräischlerncn geben und die existierenden Hilfsmittel auf diesem Gebiete prüfen und empfehlen, gegebenenfalls neue hersteilen. Durch die Zentrale müßte ein engerer Kontakt zwischen den einzelnen zionistischen Gruppen und Sprachverbänden hergestellt werden, der heute noch völlig!fehlt. Die Presse-Revue des Londoner Zentralbüros hat bereits »:inen großen Schritt in dieser Richtung getan, indem die 1 escr dieser Presse-Revue so wenigstens mit den in der *Mxttst’ ausgedrückten Oedanken und Problemen anderer zionistischcr Gruppen bekannt werden. Dies müßte aber weitergehen. Es existiert z. B. in Italien eine zahlenmäßig vielleicht nicht große, aber dafür durch Intensivität ihrer Leistung außerordentlich bedeutende Zionistische Organisation, die auch eine wertvolle Jugendbewegung unter den völlig assimilierten italienischen Juden ins Leben gerufen hat. Von der Tätigkeit dieser Gruppe und von ihren Erfahrungen könnten sicher andere lernen, und solcher Beispiele gibt es noch viele. In Straßburg und Basel gibt es z. B. auf freilich sehr beschränktem Gebiete zionistische Gruppen mit Verhältnismäßig intensivem innerem Leben, das aber darunter leidet, daß sie von außen zu wenig Anregungen und konkrete Inhalte erhalten und auf sich allein angewiesen, kaum imstande sind, eine andauernde Wirkung zu erzielen. Die gleichen Verhältnisse dürfen wohl noch an soundso viel anderen Orten herrschen. Hier einen Kontakt herzustehen und auf schrittlichem Wege, wie auch durch Wanderlehrer Anregungen zu geben, wäre innerhalb der Diaspora-Tätigkeit die wichtigste Aufgabe der zionistischen Leitung. Wodienstreife In der Polizei-Ausstellung.... Da steht nun der Mensch in seiner Kleinheit, sieht sich gegenüber der ungeheuren Maschine, die sein Leben ergreift und immer mehr in feste Regeln pressen möchte; deren Räder ineinandergreifen, deren Kräfte teils sichtbar, teils unsichtbar hinter dir 11er sind, um dich in Ordnung zu halten, aus einem Menschen zu einer ,,Nummer“ zu machen, die sich widerstandslos den vielen Statistiken, Registern, Kartotheken einfügen läßt. Wer denkt nicht an Christian Morgenstern: ,,Korff erhält vom Polizeibüro Ein geharnischt Formular....“ Polizei ist Reglementierung, Bürokratie an sich — alle Gefahren und Klippen bürokratischen Betriebes, die wir kennen und fürchten, mit denen jeder in seiner Sphäre zu tun hat, drohen vor allem in der inneren staatlichen Verwaltung. Aber ich gestehe — je weiter man sich bewegt in diesem uniibersehbaren Meer einer Ausstellung, desto mehr schwindet das Grauen und stellt Respekt sich ein. Nicht nur vor der Leistung dieser Ausstellung (die besser gemacht und interessanter ist als die Britische Reichsausstellung in Wembley), sondern auch vor dem organisatorischen Gewebe, das sich hier enthüllt. Dieser Apparat ist es schließlich, der dem Bürger ermöglicht, in einem sozialen Ganzen gesichert zu leben, seiner Beschäftigung nachzugelten, seine Bedürfnisse zu befriedigen. Wir merken meist nur die unangenehmen Seiten, Beschränkung der Freiheit; aber der soziale Organismus hat hier sein Gerüst, das ihn aufrechthält. Was hierzu aut allen Gebieten des Lebens erforderlich ist, sieht man hier staunend autgemalt und ausgestellt. Wer einen Staat aufbauen will, kann hier vieles lernen.... Jüdische Dinge gibt es hier nicht viele; zu verwundern, wenn man bedenkt, daß zumindest!11 vergangener Zeit das Judentum eines der bevorzugten Objekte potizeilichcr ״Fürsorge“ war. Aber nur aus Frankfurt a. M. sind eine Reihe jüdischer Dokumente ausgestellt. Das Patent Karl IV. von 1360, das der Stadt erlaubt, die Juden wieder hereinzuziehen, um aus dem Erlös der Judensteuer die Mainbrücke reparieren zu lassen; eine Verordnung über den ״Gelben Fleck“; Vorschriften bezüglich Ueberschreihnig der Ghettogrenzen; Dokumente aus dem Fettmilch-Aufstand (1614), über den das Nähere nachzulesen ist in der von der Israeli¬ Hand in Hand damit müßte eine literarisch verlegerische Tätigkeit gehen. In erster Linie sollte ein genaues Verzeichnis der vorhandenen Literatur wissenschädlicher, pädagogischer, belletristischer Art und der Jugendliteratur in allen Sprachen angelegt werden mit kurzen Hinweisen und Erläuterungen über Eigenart und Wert des hetreffenden Buches. Ein großer Teil der jüdischen Literatur ist heute dann, wenn man sie braucht, einfach aus Unkenntnis unzugänglich. Besondere Aufmerksamkeit sollte dem Ausbau der Uebcrsetzungslitcratur /!!gewandt werden. Vorbildlich hat auch auf diesem Gebiet die italienische zionistische Gruppe gewirkt. Periodische liebersichten mit kurzen Erläuterungen sollten über alle Neuerscheinungen in hebräischer, jüdischer und anderen Sprachen herausgegeben werden, die hebräischen Neuerscheinungen sollten auch vom pädagogischen Gesichtspunkte aus nach ihrer Schwierigkeit und Eignung klassifiziert sein. Die Ucbersctzungen wichtiger Werke oder Artikel aus dem Hebräischen oder anderen Sprachen, könnten auch zuerst, in manchen Fällen nur in Zeitungen und Revuen erscheinen, und so einen engeren Kontakt zwischen den verschiedenen Sprach- und Gedankenkreisen des heutigen Judentums herstellen helfen. Der Jüdische Verlag in Berlin hat in der letzten Zeit einige Werke von großer Bedeutung herausgegeben, oder war im Begriffe sie herauszugeben, wie die deutsche Gesamtausgabe von Achad-Haam, Mend e 1 e Moicher Sforims gesammelte Schriften, B i a 1 i k s Essays. Diese Veröffentlichungen sind vom jüdischen und sogar zionistischen Publikum kaum genügend beachtet worden. Aufgabe der zionistischen Propaganda wäre 11. a. auch der stete Hinweis auf Publikationen von solchem Werte und damit die Ermöglichung neuer Publikationen. In dieselbe Linie gehört auch die Gründung wirklich repräsentativer jüdischer Zeitschriften, wie es ״Der Jude“ einmal war — und daneben die Schaffung von Organen zur internen Diskussion der verschiedenen Probleme der zionistischen Ideologie. In den letzten Jahren hat durch den Kontakt mit z. T. neuen Realitäten die zionistische Praxis in Palästina wie in der Diaspora, die zionistische Politik und Kolonisation eine Reihe von neuen Formen angenommen, ohne daß die ideologische Entwicklung damit Schritt gehalten hätte, ohne daß man sich überhaupt über Grund und Wesen der verschiedenen Wege, die man eingeschlagen hat, Rechenschaft abgelegt und theoretische Klarheit gesucht hätte. Vieles von dem Zustande der Unbefriedigtheit, der in den zionistischen Kreisen herrscht, hat seinen Grand in dieser Vernachlässigung der Entwicklung der zionistischen Ideologie. Eine weitere Maßnahme zur Stärkung des zionistischen Lebens, insbesondere in der Jugend, und zur Herbeiführung eines engeren Kontaktes zwischen verschiedenen Ländern und Sprachgruppen liegt in anderer Richtung. Es könnte von großer Bedeutung werden, wenn man in systematischer Weise einen Austausch von Menschen, insbesondere junger Menschen, von Land zu Land ermöglicht; wenn z. B. zwanzig junge Menschen aus Amerika für ein Jahr in die Tschecho- Slowakei und nach Deutschland und von dort die gleiche Anzahl nach Amerika gingen. Für die Jugendarbeit in diesen Ländern und in weiterer Linie für ihre zionistische Entwick- Iung könnte dies, systematisch fortgesetzt und auf andere Länder ausgedehnt, befriedigende Resultate ergeben. In der Diaspora wird in vielen zionistischen Familien der Wunsch immer reger, ihre Kinder wenigstens für ein Jahr nach Palästina zwecks Erlernung der hebräischen Sprache und lebendigem Kontakt mit dem Lande zu entsenden. Diesem Plane stellen sich oft finanzielle Schwierigkeiten ln den Weg. Ebenso gibt cs wohl Eltern in Palästina, die ihre Kinder zwecks Erlernung fremder Sprachen gerne für ein Jahr ins Ausland entsenden. Eine Zentralstelle könnte hier vermittelnd wirken. Ein solcher Austausch jugendlicher Menschen wäre nicht nur für diese Menschen, sondern auch für ihre ganze Umgebung und weiterhin für die Jugendbewegung und die zionistische Arbeit in den betreffenden Orten von außerordentlieber Bedeutung. Zweifach wäre so ein lebendiger Kontakt mit Palästina hergestellt, durch die Jugend, die nach Palästina ginge und durch die Knaben und Mädchen, die aus Palästina an ihre Stelle träten. Auch das Studium der hebräischen Sprache, das so sehr im argen liegt, würde auf diese Weise angeregt und erleichtert werden. in Norfolk (Amerika) wurden vier jüdische Bürger von etwa 30 maskierten Mitgliedern der Ku-Klux-Klan überlaßen tischen Gemeinde Frankfurt herausgegebenen ״Geschichte der Juden in Frankfurt a. M.“ von J. Kracauer (Frankfurt 1925), die überhaupt eine Erläuterung zu dieser Exposition schafft, wie auch umgekehrt der Anblick der Dokumente die Lektüre des Geschichtswerkes anregen mag. Die historische Abteilung, einer der interessantesten Teile der Ausstellung, enthält manches von indirektem jiidisehen Interesse: so etwa Dokumente zur Geschichte der Autklärung, die uns die Polizei als Waffe der Reaktion im Kampf gegen die neuen Ideen zeigen. Die handschriftliche Bernerkung Friedrichs II. ״Die Religionen müssen alle toleriret werden ... und muß ein Jeder nach seiner Fasson Selich werden“ ist ebenso zu sehen wie der Briet, in dem des Königs Wille ״Gazetten, wenn sie interessant seien, dürfen nicht geniret werden“, mitgeteilt wird. Wir sehen das Willen der Zensur gegen Heinrich Heine und das ״Junge Deutschland“, die ausgebreiteten Netze rechtsradikaler Verschwörerverbände aus neuester Zeit, weiters Regelung des Wanderwesens, wobei auch das Embleme des jüdischen Bahnhofsdienstes mit dem Magen David ,ausgestellt ist. Sonst nur einzelne Informationsplakate der jüdischen Fürsorge-Institutionen. Vom jüdischen Flüchtlingswesen der Kriegs- und Nachkricgsiahre ist kaum etwas vorhanden; warum hat das Arbciterfiirsbrgeamt nicht einiges von seiner Tätigkeit zu zeigen? Aegypten als einziges asiatisches Land stellt Photographien und Formt!- lare aus; schade, daß nicht auch Palästina vertreten ist, Stadtolizei von Tel-Awiw oder ein Anmeldeformular in den drei andessprachen. Viele instruktive Stände... Das große Gedränge aber, wo niemand herankami, der nicht stundenlang warten will, ist vor dem Mord-,,Pavillon“ . . . Ein Zeichen der Zeit: auch hier sucht man Nervenkitzel, Spannung, Kino. Da steigen wir lieber auf den Funkturm, wo die freie Luft so schön weht... * Emil Ludwig spricht im Blüthnersaa! über Bismarck. ״Herr Emil Ludwig Cohn“ nennt ihn die Rechtspresse und der Reichswehrminister; er ist stolz auf seine jüdische Abstammung, wie wenig vermag auch das Taufwasser! Nur ein Jude kann so klug und distanziert über den großen Nationalheros des modernen Deutschlands sprechen." Mit seinem sonoren Sopran und hoher Sprachkultur" redet i.udwig eindringlich und fesselnd; mit feinen Streichen zerstört er Stück um Stück den gipsernen MonumentalkoloB der Lese- Konferenz der Engllsh Zionist Federation Am 10. Oktober fand in London im Russel-Hote! eine große Keren Hajessod -Konferenz der English Zionist Federation statt, die sehr gut besucht war. Den Vorsitz führte Mr. S i e f f. Der Direktor des Keren Hajessod, Herr Leib J affe, hielt eine warme Ansprache, in welcher er die Lage in Palästina schilderte und große Leistungen für den Keren Hajessod forderte. Im Verlaufe der Konferenz erschien für kurze Zeit auch Dr. Weizmann, der an demselben Tage durch die in London tagende ökonomische Konferenz unter dem Vorsitz Herbert Samuels in Anspruch genommen war, um an die Delegierten einen Appell zu riehten. Dr. Weizmann sagte 11. ״Was immer Sie beschließen, tun Sie cs nicht in einer Stimmung von Panik. Ich stelle hinter niemanden zurück in der Erfassung des Ernstes der Situation in Palästina. Aber die Grundlagen unserer zionistischen Arbeit sind intakt geblieben. Palästina macht eine temporäre Krise durch, die weniger veranlaßt ist durch die Lage in Palästina als durch die in Polen. Vor zwei Jahren habe ich in Jerusalcm öffentlich gesprochen, in den Flitterwochen der neuen Immigration, und habe gesagt, daß in der großen Immigration eine Gefahr liegt. Manche werden sich erinner״, daß ich deswegen angeklagt worden bin. Man sagte damals, das jüdische Heim werde in fünf Jahren erbaut werden. Aber das nationale Heim wird nicht in fünf Jahren erbaut werden; es ist eine schwere Arbeit mit Auf und Nieder. Wir hängen ab vom Weltjudentum und dieses wieder von Faktoren, über die es keine Macht hat. Palästina ist ein Resonanzboden für die Vorgänge in der ganzen Welt. . . . Die Krise ist hauptsächlich in Tel- Awiw, wenig(!־ in Haifa, Jerusalem, Tiberias, am wenigsten auf dem Lande. Sogar in Tel-Awiw sind die industriellen Unternehmungen noch immer im Aufstieg, der Vcrbraueli an elektrischer Kraft steigt trotz der Krise.“ Dr. Weizmann wandte sich dann gegen diejenigen, die ihren Mißerfolg dem Lande zur Last legen und betonte die Notwendigkeit einer intensiven zionistischen Erziehung. ״Ich fühle es als schwere Aufgabe, daß wir zu gleicher Zeit bauen und erziehen müssen. Amerika z. B. ist ein unerschöpfliches Reservoir, wenn man genug Erziehungsarbeit leistet. Heute erreicht man immer nur den kleinen Kreis erzogener Zionisten. Das gilt auch für England. In spreche mit absoluter Zuversicht. Ich war nie besonders erbaut von der Einwanderung von 40 000, von denen die Hälfte in Tel-Awiw blieb. Der Prozeß der Auslese vollzieht sich heute. Es ist ein schwerer Prozeß, und w i r werden mit Verantwortung beladen für etwas, was wir nicht getan haben. Gut, cs soll so sein. Wir werden die Verantwortung erfüllen!“ GizengoUs Pläne zur Entwicklung Palästinas Jerusalem, 1. Oktober. (J.T. A.) Herr M. Di zengoff, das neue Mitglied der Zionistische Exekutive, entwickelte in einer Konferenz der Industriellen-Vercinigung Palästinas, die soeben in Tel-Awiw abgehalten wurde, seine Pläne für eine städtische Kolonisation in Palästina und führte aus, die Basis seines Planes sei die Autonomie des Handels und die Förderung der Privatinitiative. Der Keren Hajessod solle die Kosten für eine industrielle Versuchsstation und für ein Informationsbüro tragen. Dizengoff sagte ferner, er werde es durchsetzen, daß zu der vom zionistischen Generalrat für die Gründung einer Industriebank bewilligten 2§OQO Pfund poqlt ,wgiRjre 75 Qf» Pfund zur Verfügiihg gettellt werden. — Dem von der Industriellen-Vereinigung herausgegebenen Bericht ist zu entnehmen, daß die Vereinigung in Tel-Awiw 150 Mitglieder zählt, die bei einem investierten Kapital von 600 000 Pfund 2500 Personen beschäftigen. Das nrne Palästina •Geld Jerusalem, 12. Oktober. (J. T. A.) In einem Gesprach mit den Vertretern der Presse teilte der Schatzmeister der Palästina-Regierung, Mr. Davis, mit, daß die neue palästinensische Währung, die auf dem englischen Pfund Sterling basiert, mit Beginn des Finanzjahres 1927 i n U m - lauf gebracht werden wird. Die Gußformen für die neuen Münzen sowie Papier und Farben für die neuen Noten werden demnächst gebrauchsfertig sein. Die Aufschriften auf Münzen und Noten werden in den drei offiziellen Landessprachen, englisch, arabisch und hebräisch, gehalten sein. und Geschichtsbücher und enthüllt den problematischen und revolutionären Charakter, den Menschen Bismarck, der weiter sah als seine Umgebung, die er verachtete; der sich oft populären Volkswünschen mutig entgegenstellte. Als. durch keine Ideologie gehemmter Realpolitiker und als Diplomat großen Stiles, d. i. Menschenkenner und Menschcnbehandler, wiid uns Bismarck lebendig für eine Stunde, die zugleich eine politische Lektion ist; denn wie verhängnisvoll der Zwiespalt zwischen dem Macht- und Prestigedrang des Volkes und dem verantwortlichen Weitblick des wahren Staatsmannes ist, wie kluge Politik fast stets von Eitelkeiten durchkreuzt wird, dies erkennen heißt politisch zulerneit, und das muß auf die eigene Praxis wirken. Freilich im Zeitalter der Demokratie (mit der Bismarck ja noch nicht zu tun hatte) mit ihrem nationalen Prestigebedürfnis scheinen wir weiter davon entfernt als je. Man darf auf Ludwigs Bismarck-Buch, das so wie sein Napoleon und Wilhelm II. auch ein politisches Erziehungsbuch sein wird, gespannt sein. Ob wohl von den vielen Juden, die in Berlin die ״Hab i m a 11“ spielen gesehen haben, einer auf den Gedanken gekommen ist, sich ein wenig zu schämen, daß er kein Wort versteht? Das sollte doch die Wirkung dieses hebräischen Theaters sein. Es scheint aber sonderbarerweise gerade.die umgekehrte Wirkung cinzutrctcn. Man sitzt da und genießt das Schau-Spiel, als etwas Exotisches, als ausländische Kunst, deren Eigenart und Stil man zu schätzen weiß. Es ist interessant, daß fast alle Kritiker, einschließlich der Juden, sich beeilen, festzustellen, daß sie nichts verstanden haben. Kaum kommt jemand auf die Idee, daß diese Sprache doch für die Mehrheit des Publikums eine andere Bedeutung hat als etwa das Japanische und daß cs gar nicht unmöglich wäre, wenn sic auch verstanden würde. Sonderbar, daß sogar in jüdischen Zeitungen dieser Ton des höflichen Bedauerns gegenüber dem Hebräischen angeschlagen wird. Es macht den Eindruck, als ob man darin wetteiferte, mit der Unkenntnis der Sprache zu protzen. Hoffen wir, daß trotzdem ein erzieherischer Einfluß von der ״Habimah“ auch im deutschen Judentum ausgehen wird. Den Klang der Sprache wird, wer ihn hier vernommen, nicljt sobald vergessen. Hamis Takel.