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Jüdische Rundschau · 1926-10-12 · Heft 80 (12.10.1926) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXI (1926)
Issue
Heft 80 (12.10.1926)
Date
1926-10-12
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 570 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nf.80 Körperliche Ertüchtigung Von Werner Bloch. Die großen deutschen Tageszeitungen meldeten in fetter Ueberschrift mit langen Artikeln auf der Hauptstite, daß Peltzer Nurmi in Weltrekordzeit geschlagen hat, daß Rademachcr Weltmeister im Schwimmen in Amerika geworden ist, daß Vierkötter noch schneller als ״die Ederle“ den Kanal durchschwommen hat, und jetzt erringt gar der ״fromme Krieger“ Tunney die Weltmeisterschaft im Boxen über Dempsey vor 130000 Zuschauern. Die Berichte aus Genf rückten bescheiden zur Seite, eine kleine Notiz über den ersten paneuropäischen Kongreß!miß der normale Leser übersehen — sie ruht irgendwo in der Mitte des Blattes. Die ״Gebildeten“ des 20. Jahrhunderts vergessen für einige Stunden und Tage alles um der Rekordleistungen im Sport willen. Wirklich nur um der Rekorde willen? Nein, das wäre ja nicht ״angemessen“! ״Wir sind doch schließlich vernünftige Menschen.“ Also schnell ein nationales Mäntelchen! Das deutsche Blut ״der Ederle" wird entdeckt, Peltzer und die anderen retten Deutschlands Namen und das deutsche Volk muß diesen Helden dankbar sein, ln einer ernsten deutschen Zeitung wird wochenlang eine Diskussion darüber geführt, ob Radcmachcr oder Einstein den höheren Ruhm Deutschlands begründen, und die Ent- Scheidung fällt durchaus nicht immer zugunsten Einsteins. Neue Helden und neue Heldenverehrung. Körperliche Ertüchtigung ist das Schlagwort der Zeit, Sport die Fahne, die man voranträgt. Wie steht cs fa'ei uns Juden damit? Waren cs nicht wir Zionisten, die um der Renaissance w'illen jüdische .Turncrschaften und jüdische Sportvereine gründeten? Wollten wir nicht, daß unsere Jugend ihren Körper in Spiel und Sport stähle, um an Leib und Seele wieder zu gesunden? Also müssen wir doch jetzt diesen Zug der Zeit begrüßen, müssen uns freuen, daß ״im Zeichen des Sportes“ die körperliche Ertüchtigung der jüdischen Jugend ungeahnten Aufschwung genommen hat, daß neben der männlichen jüdischen Jugend jüdische Mädchen und Frauen turnen und ״tnensendieken“. Seien wir also der Umwelt dankbar, daß sic helfend in unsere Arbeit eingegriffen hat. Wenn der Körper gesundet, dann wird der Geist ihm folgen, die Selbstbesinnung auf das Judesein und der aufrechte Kampf um unsere wahre Judenehre kann nicht ausbleiben. Aus der nationaljUdischcn Turn- und Sportbewegung werden uns die bauenden Kräfte für unser neues Palästina erwachsen. Mit diesem Trugschluß muß nun endlich einmal aufgeräumt werden! Nordaus Aufsätze in der jüdischen Turnerzeitung von 1000 und 1902 sind historisch. Sie waren damals wertvoll, werden der Gegenwart aber nicht gerecht. Wir wollen und brauchen kein ״Muskeljudentum‘' — um sein Wart zu zitteren —, und wir alle sollten nun bald wissen, daß in der Gegenwart Turnen und Sporttreiben ״an sich" noch lange nicht ein solches ״jüdisches Selbstgefühl" erzeugen, wie Hordau es erhoffte. Exempla docent: Wiener Hakoah, Berliner Boxclub Maccabi. Wer sich die Mühe gemacht hat, sehenden Auges die Entwicklun'g der Jugend kt Deutschland seit Entstehen und Vorgehen der Jugendbewegung zu betrachten, der weiß um die Umwertung der Werte Bescheid, versteht die Sucht der jüdischen Jugend zum Sport, begreift die Dissonant, in der Erziehung der Gegenwart von Körper und Geist und sieht mit Entsetzen die Verflachung der Selbistcrziehungsversuche einer;0,-1,sch«! Jugend. Die Konzeption einer harmonischen Erziehung• von Körper und Geist ist dahinI Aus den Jünglingen, die dieses erstrebten,' sind keine Männer geworden und die Mode ergriff die nächste Generation. Mode im Gegensatz zu der revolutionierenden Kraft der Jugendbewegung, die junge Menschen gegen das Milieu der Umwelt und gegen die jüdische Assimilation mag. Im Kampf mit der Utv.weh ׳mußte sic sich erproben. Und ncut' .־.hwitmnt eine jugend!m Strome der Zeit, läßt sich von den Wellen treiben, ohne sich eigene Werte zu erwerben. Daher: Mode! In dieser Zeit des geistigen Chaos betäubt man sich, um nicht sehend zu sein — das Narkotikum heißt Sport. Was ist aus dem }uyvB3!<iv geworden, was aus dem edlen eqcuv? Ein Tummelplatz für Spießbürger und kleine Jungen, die dort fiebernd gaffen; um am liebsten wie auf Pferde zu setzen (in Amerika ist man schon soweit). Ein Nervenkitzcl wie beim Abrollen eines spannenden Detektivfilms. Das Zeitalter hypertrophierter geistiger Erziehung, des Vollstopfens mit Wissenskram ist zu Ende. Das Zeitalter ״körperlicher Ertüchtigung“ hat begonnen. Cohens Philosophie, Bubers ״Drei Reden", Ibsen oder Dostojewski sind nicht mehr ״Lebensfragen" einer heranwachsenden Generation, sondern die Zeit, die Körnig für 100 m braucht, in welcher Runde sich Dempseys Auge schloß, wer ist Favorit für die Amsterdamer Olympiade 1928 — darum geht es!! Das ist die ״körperliche Ertüchtigung" der Gegenwart. Aus einem edlen Erziehungsmittel für die wahre Bildung junger Menschen ist eitler Selbstzweck geworden. So füllen steh die Reihen der Sportvereine, so strömen Tausende von Jungen und Mädchen zum Sportplatz, um sich für ein paar Stunden an körperlichen Höchstleistungen zu ergötzen. Dann hat man auch Gesprächsstoff für die Zeit bis zum nächsten Sportfest. Was Wunder, daß jüdische Sportvereine wie Pilze aus der Erde schießen, was Wunder, daß bestehende Sportverbände Tausende und Abertausende von Mitgliedern zählen. Hereinspaziert—I Die assimilierte westjüdisefys Jugend lebt dem ״Zuge der Zeit“, die Kinder der eingewanderten Juden — und das ist eine alte Erscheinung, die sich nur immer in anderem Gewände zeigt — stürzen Hals über Kopf mitten hinein in die herrsehenden Strömungen der neuen Umwelt. Sie tauchen unter, wer wird sie retten helfen? Denn es geht nicht um jüdische Renaissance, es geht nicht um unsere Judenehre, um Stählung des Körpers zwecks Gewöhnung desselben an produktive Arbeit in unserem neuen Palästina — es geht nur um Sport, nur um Rekord, nur um die ״schlanke Linie". Das sind die Reizmittel, deswegen strömt man, daher: Rettung I Diese Rettung geht nur über eine ernste Erziehung. Körper• liehe Ertüchtigung muß wieder Mittel zum Zweck werden. Die Verabsolutierung der Muskeln muß aufhören, der Götze Sport heruntergerissen, die wahren Götter wieder an ihren Platz gestellt werden. Gegen den Strom der Zeit müssen wir uns daran machen, junge Juden in Harmonie von Geist und Körper zu erziehen, wahrhaft Menschen zu bilden, damit sie ihren Platz als junge starke Juden im Dienste unseres Werkes ausfüllen. Nur das darf Erziehungsziel sein. Vielleicht stimmen diesem Satze sehr viele jüdische Sportler und Turner bei. Sollte dem so sein, dann gibt es aber wichtige Konsequenzen, die erfüllt werden müssen, wenn nicht unser Erziehungsziel in unerreichbare Ferne gerückt werden soll. Pis ist heute eine eigenartige Sache um die sportliche Erziehung. Man möchte gern das Beste tlhd erliegt immer wieder dem sportlichen Ehrgeiz, der die Gegenwart beherrscht. Ein großer Verein, sportliche Höchstleistungen, einige Kanonen, und wir werden die jüdische Jugend erfassen und sie dann erziehen. Der Finne Katz wird helfen, er wird die jüdischen Farben vorantragen auf unserem Sportplatz. Jüdische Massen werden erscheinen und neue Mitglieder sich melden. Wes• wegen? Weil der Bar Kochba im Begriff ist, populär zu werden, weil er alles tut, um das Sportleben der Juden in Deutschland zu beherrschen, weil er — so hofft man — bald in aller Munde ist: ״unser Bar Kochba“ wie ״unsere Hakoah“*). Dieser Weg kann nicht der rechte sein. Nie hätte der Zionismus in Deutschland eine Jugend ganz erfaßt, wenn er populär ge• worden wäre. Niemals hätte eine Jugendorganisation ihre Mit• glieder zu einem neuen Geschlecht erzogen, wenn sie populär gewesen wäre. Somit haben unsere Sportvereine eine ernste und verantwortliche Aufgabe. Sie müssen gegen den Strom der Zeit schwimmen und müssen aus Turnen und Sport etwas anderes machen, als die Umwelt es getan hat. Der Weg ist beschreitbar, gibt es eine Leitung, die den Mot hat, ihn zu gehen?. - An Stelle 'einer quantitativen riesigftH Ausbreitung ׳ jüdischer Bar KochKa-Vereine kommt .es darauf an, Mein» Kreise *u bilden, die sich der Jungen und Made hetz so annehmen, daß Turnen und Sport in eine Erziehung «ungeordnet werden, die nicht nur die Muskeln beachtet, sondern den ganzen Mensehen. Eine Arbeitsteilung ia de.־ Erziehung gibt cs nicht. MeTvtc Sr:.5-Jf«. Training m der V'Tche für Arm- und Bein• muskeln cr i'D •eine Juden, wi ■ wir sie uns vorstellen. Eine Wertung nur sportlicher Leistung reicht nicht nur nicht aus, sondern muß schädlich wirken. Man sammle diejenigen Menschen, die mehr wollen als Sport treiben, bilde und erziehe sie, um sie in kleine Gruppen der Vereine zu entsenden. Q u a 1 i tat statt Quantität, das muß die erste Losung sein: Teünahme an dem Aufbauwerk in Palästina muß einer im Sport gesundeten Generation als würdiges Lebensziel erscheinen. So ernst die Fragen einer deutschen Chaluziuth sind, so müssen sie in den Kreisen eines zionistischen Sportvereines behandelt und *) Der politisch-propagandistische Wert für den ״jüdischen Namen" in der Welt soll nicht verkannt werden. Hier geht er um die Frage einer Jugend. mit zu einer ernsten Lösung gebracht werden. Bei sorgfältiger Erziehung und bei sorgfältiger Auswahl wird ps sicherlich eine ganze Anzahl jüdischer Jungen und Mädchen geben, die geeignet und bereit sind, an der wirklichen Renaissance, nämlich an der produktiven Arbeit in Palästina teilzunehmen. Dies all« ist die Tendenz. Um das Materielle einer jüdischen und zionistischen Erziehung haben sich viele Organisationen und Verbände bemüht. Es gibt Erfahrungen und Anregungen, die genutzt werden können. Wir sind wahrlich nicht arm an erprobt er geistiger Erziehung, wissen, was die Erlernung der hebräischen Sprache und die ernste Beschäftigung mit Fragen Palästinas bedeutet. Tiefgehenden Einfluß aber auf die Er- Ziehung der Mitglieder jüdischer Sportverbände werden nur die Mitglieder selbst haben. Aus unseren Sportvereinen müssen Erziehungsbünde werden. Utopisch ist es, zu glauben, daß man sich dort einige ״geistige Trainer" anstellen kann. Wenn so der Artikel ״Fach“ von Dr. Hans Kuhn in der letzten Nummer der Maccabiblätter zu verstehen ist, dann beschreitet man vielleicht wirklich den Weg der Sammlung von Kräften. Dieser ist in der heutigen Zeit schwer, da er unpopulär ist, da er zionistisch ist, da er von jungen Juden den Einsatz ihres Lebens im Dienste unserer Idee verlangt. Geht man ihn nicht, so hat die ״körperliche Ertüchtigung" für ernste Juden den Wert einer Episode. Neue Zeitströmungen •werden kommen und ihnen wird man erliegen. Videant consules ■—I Ja - die amerikanischen Zionisten! In der Prager ״Selbstwehr“ lesen wir folgende treffende Bemerkungen, die auch den Erfahrungen von uns deutschen Zionisten entsprechen: In seinem Prager Referat machte pr. Hantke eine Bernerkung, die auf einer guten Beobachtung beruht, welche uns zeigt, wie mechanisch gleichartig die Psychologie der Nicht- Zionisten auf der ganze» Welt abläuft. Er wies darauf hin, dab die Nicht-Zionisten aller Länder immer lieber mit den Zionisten fremder Länder verhandeln, wie mit den eigenen. So ziehen es auch die amerikanischen Nicht-Zionisten vor, mit Weizmann zu verhandeln, als mit den amerikanischen Zionisten wie Lipsky, Rothenberg usw., die ihnen als wer weiß welche ״Radikalinskys“ erscheinen. Ja, Weizmann, die englischen Zionisten — das ist etwas anderes! Wir kennen das hier; nur haben wir es oft umgekehrt gehört: Ja, die amerikanischen Zionisten, das sind Menschen, mit denen man reden kann, die man versteht, die ganz anders geartet sind, als unsere bösen tschechoslowakischen Zionisten! Kurz, es ist ein schönes Spiel. Den tschecho-jiidischen Assimilanten gefallen die amerikanischen Zionisten besser als die tschechoslowakischen, den polnischen Assimilanten gefallen vielleicht wieder die tschechoslowakischen Zionisten besser als ihre Zionisten, die amerikanischen Nicht-Zionisten verhandeln lieber mit den englischen Zionisten usw. Man müßte glauben, daß man nur die Zionisten der einzelnen Länder vertauschen müßte, um eitel Frieden und Freundschaft zwischen Zionisten und Nicht-Zionisten zu erzielen! Nun, es ist nicht so einfach und man weiß, was diese Reden zu bedeuten haben. So wie hysterischen Frauen die Männer anderer Frauen besser gefallen als ihre eigenen, und ׳/erzogenen Kindern das Sptc1zeug anderer Kinder besser als ihr eigenes, so ist es irfit den Assimilanten. Es ist eine kleine psychische Selbstentlastung: Wir sind ja nicht gegen die Zionisten überhaupt, wir können nur unsere hiesigen Zionisten nicht leiden; die anderen sind b«ser. MuH hört diesen ״Oedankengang4* auch 01י|&• «traktier: Ja» de! Zionismus. wjtas ja ganz schön, «flHfci w» "die Zidffcfcn nicht wären f ,0«#■». politisch «uanaerter: w Paläsünäuiiternehmen wäre ganz schön, wen« die jüdischnationale Politik nicht wäre! Oder auch noch weiter: Ein hebriisches Kulturzentrum in Palästina wäre ganz schön, wenn nur das Nationalhekn nicht wäre usw. ad Infinitum, man kann immer noch ein Stück Realität ‘henwferhandeln, bis ein salbungsvolles Wort oder eine Vereinsaussclmßstdle als einzige Realität übrig bleibt. Denn darum handelt sichs bei all diesen Versuchen: Die Realität herabzusthnmen. Eigentlich sollt* es heißen: Unsere große historische Aufgabe wäre ganz schön, wenn sie nur möglichst abstrakt, entfernt und unwirklich wäre. Oder ganz kurz: Unsere Pflicht wäre ja schön, wenn sie uns zu nichts Konkretem verpflichtete! w. Oie Restaurier«■!} des Rahe!-Grabes Jerusalem, 8. Oktober. (J.T.A.) Unter der Juden• schaft Palästinas herrscht große Erregung darüber, daß di« Regierung die Restaurierung des Rahel-urabes einem ara• bischen Unternehmer, der arabische Arbeiter be• schäftigt, übertragen hat. Mitglieder des Rabbinats und der jüdischen Gemeinde von Jerusalem erschienen beim Gouverneur von Süd-Palästina und legten offiziell Protest ein. Das Gastspiel der ״Habimati“ Die Aufführungen der Dy buk im Theater am Nöllendorfplatz (Habimah) finden auch weiter das größte Interesse des Berliner Publikums. In allen Kreisen des Berliner ludentums hat das hebräische Theater ungeteilten Beifall gcfunden, ja Begeisterung erweckt. Der große Erfolg des Dybuk hat die Direktion veranlaßt, dieses Stück länger zu spielen als ursprünglich geplant war. Dadurch ist jedem, der es bisher versäumt hat, noch kurze Zeit Gelegenheit gegeben, diese einzigartige künstlerische Leistung zu sehen. — Mittwoch, den 13. d. M., wird zum ersten Male ״Der Golem“ von dem begabten.jungen amerikanisch-jüdischen Dichter L e w i k gespielt. Dieses Stück, das in Amerika in seiner jiddischen Fassung großes Aufsehen erregt hat, ist eine moderne Behandlung des alten bekannten Sagenstoffes vom Hohen Rabbi Läw in Prag und seinem ״Golem“. Die Inszenierung der ״Habima“ hat auch diesem Stück außerordentliche Wirkungen abgewonnen. Zeifschrttteaschan Unter dem Namen ״Städtebau“ erscheinen im Verlag Ernst Wasmuth, Berlin, ״Monatshefte für Städtebaukunst, städtisches Verkehrs- und Siedlungswesen“. Das letzte Heft, Nr. 9/10, September 1926, enthält einen Aufsatz ״Jüdische Siedlungen in Palästina“ von dem bekannten Städtebauer, Architekt Richard Kaufcfmann, Jerusalem.* Der Aufsatz führt ausgezeichnet in die Probleme ein, die sich bei der Anlage von Städten und Siedlungen in Palästina ergeben und erörtert die Grundsätze, von denen sich die zionistische Kolonisation hierbei leiten läßt. Selbstverständlich müssen bei dieser Gelegenheit auch kurze Exkurse über die soziologische Eigenart dieses Siedlungswerkes gemacht werden. Das wichtigste vielleicht sind die mehr als 20 ausgezeichneten Abbildungen, die in det sorgfältigen Ausführung, die den Publikationen des Verlags Wasmuth eignet, außerordentlich gut herausgekommen sind. Die Bilder zeigen die Pläne, Grundrisse und Modelle der geplanten Siedlungen und Städte. Dies Ist für den Zionisten besonders interessant, weil er hier einen Einblick in Zusammenhänge und Pläne bekommt, deren Ausführung allerdings lange Zeit und viel Kraft und Mittel in Anspruch nehmen wird. Daß es sich lohnt, für dieses Ziel Kraft und Mittel aufzuwenden, das ist ein Gefühl, daß jeder Leser aus den Ausführungen Kauffmanns und den abgebildeten Plänen gewinnen wird. Einzelne der hier dargestellten Pläne sind ja schon am Beginn ihrer Verwirklichung, etwa die Gartenvorstadt Talpioth oder der Moschaw NahalaT. Bei andern allerdings ist es fraglich, ob sie überhaupt verwirklichbar sind, z. B. der Pan der Emekstadt, bei der der Städtebauer seiner Phantasie eine große Konzeption abgerungen hat, der die tatsächlichen Bedingungen kaum entsprechen dürften. Wenn also zu dieser ausgezeichneten Publikation, die auch als Sonderdruck im Verlag Wasmuth zum Preise von 2,— M. erschienen ist und die wir unsern Lesern wärmstens empfehlen, ein Wort der Kritik gesagt werden mag, so bezieht es sich auf den Umstand, daß in dem Aufsatz nicht immer ganz klar wird, was Plan und was Wirklichkeit ist. * Das Augustheft der Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums enthält neben fachwissenschattliehen Aufsätzen wieder eine Reihe gemeinverständlicher Beiträge. Ein Aufsatz von Rabbiner Dr. B a e c k ist der wichtigen Frage gewidmet, ob das Judentum Dogmen hat, welche von Professor Schettelowitz im Aprilheft wesentlich vom geschichtlichen Standpunkt aus behandelt worden war. Die Sammelbcsprechung, die auch in diesem Heft nicht fehlt, unterrichtet über neuere, geradezu umwälzende Forschungen über die Septuaginta, der auch für die Auffassung des hebräischen Textes hoher Wert zukommt. Im gleichen Heft bringt Professor Eduard B a n e t h seine von Fachmännern und Liaien gleich stark beachteten Bemerkungen zur Erklärung des biblischen und nachbiblischen Schrifttums zum Abschluß. Von den übrigen Aufsätzen ist der eines Arztes über die österreichischen Juden des 18. Jahrhunderts von besonderem Interesse, da er zeigt, wieviel günstiger damals trotz der Bedrückungen die Gesundheitsstatistik der Juden war. Unter den Besprechungen interessiert besonders die eingehende Würdigung des ausgezeichneten Werkes von Selma Stern über die Stellung der brandenburgischen Kurfürsten zu den Juden aus der Feder des Königsberger Professors Otto K r a u s k e. Ais Mtcratar nnd Wtsseisehalt Von der neuen Bibel-Uebersetzung von Martin Buber und Franz Rosenzweig ist soeben der zweite Band, das Buch Namen im Verlag Lambert Schneider (Berlin-Dahiem) erschienen. (Preis 4,— M.)). Wir behalten uns eine ausführliche Besprechung vor. In demselben Verlag erschien eine Broschüre von Franz Rosenzweig ״Die Schrift und Luther“, die das Problem der Uebersetzung behandelt, ferner veröffentlicht der Verlas einen Sonderdruck der in der Zeitschrift ״Die Kreatur* bereits enthaltenen Rede Martin Bubers ״lieber das Er*■ zieherische“. ' ״ Martin Buber hat in den vergangenen zwei Wochen in Wien und Prag Vorträge über folgende Themen gehalten: Leben wir in der Wirklichkeit? — Gandhi und das Abendland. — Der moderne Mensch und die Bibel. Ehe Sowjet-Regierung hat der greisen Mutter des jüdischen Schriftstellers Andree So bol, der im Juni d. J. durch Selbstmord geendet hat, eine lebenslängliche Pension ausgesetzt. Der Rabbiner an der Warschauer Großen Synagoge, unsei Gesinnungsgenosse Prof. Dr. Moses S c h o r, wurde zun! Dozenten für semitische Sprachen und für altsemitische Ge• schichte an der Warschauer Universität ernannt. Am 26. September vollendete der Münchener Physiker, Prof. Dr. Leo Graetz, der Sohn von Prof. Dr. Heinrich Graetz, sein 70. Lebensjahr. Prof. Dr. Leo Graetz gehört seit dem Jahre 1882 dem Lehrkörper der Münchener Universität an. iMiorixtisehe Ecke Ein Leser sendet uns folgende wahre Geschichte: Die kleine Eva erfuhr zum erstenmal von der Taute eines kleinen Kindes und erkundigte sich, was das denn bedeute, wenn ein Kind ״getauft“ wird, und ob sie auch getauft worden sei Sie wird entsprechend aufgeklärt. Nach einiger Zeit registriert die Lehrerin in der Schule die Personaldaten der Kinder und fragt auch die kleine Eva, wann sie geboren sei. Worauf Eva prompt und mit Einphase antwortet: ״Ich bin eine Jüdin ich bin gar nicht geboren, ich bin nur getauft!“

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