Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXI (1926)
- Issue
- Heft 79 (8.10.1926)
- Date
- 1926-10-08
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 562 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 79 behördlich nbgcstempeHe zionistische Einstellung zu seinem Amte hat oder nicht — eher sind wir damit einverstanden, daß ein Familienvater für die Frau und jedes Kind monatlich eine Zulage von 1 £E erhält! Aber wie sieht es denn in Wirklichkeit um die Rechte unserer Beamtenschaft aus? Es bestehen Satzungen bet den meisten, aber noch nicht hei allen Institutionen (für die Beamten einer so wichtigen Institution wie der Keren Kajcmeth sind solche noch nicht geschaffen!), die alle dienstlichen und materiellen Fragen regeln sollen. Wir können aber ruhig sagen, daß diese Abmachungen bis zu einem gewissen Grade nur ein Fetzen Papier sind. Die Bestimmungen werden durchaus nicht immer eingehalten, und es sind durchaus nicht immer nur die unteren Beamten, die gegen sie verstoßen. Man setzt eine bestimmte Sommer- und Winterarbeitszcit fest, und die Leitung schiebt den Beginn der kürzeren Sommerzeit hinaus. Man hat eine Gehaltsskala, aber man erfindet für irgendeinen höheren Beamten eine besondere Gehaltsstufe, die es eigentlich gar nicht gibt. Andererseits kommt es in Erez-Israel vor, daß man Gehälter langjähriger Angestellter herabsetzt, und das nicht etwa im Rahmen einer allgemeinen Kürzung der Gehalter. Man beschäftigt Angestellte mehrere Jahre lang, denen man das Minimum von 8 £E nicht zahlt. Und wenn man es ihnen endlich zahlt, so weigert man sich, ihnen die Zeit, die sie unter dem Minimalgehalt gearbeitet haben, als Dienstjahre anzurechnen. Wir können verstehen, daß die Beamtenorganisation, die hier nicht viel hat tun können, um solche Fälle zu verhindern, zum mindesten in dem krassesten Fall von Entlassung ihren ganzen Einfluß laufzubieten sucht. Was nottut und von niemandem mehr gewünscht wird, als von der Beamtenschaft selbst, ist die Schaffung von allgemein gültigen Bestimmungen, die diese Fragen nicht nur theoretisch regeln, sondern die auch wirklich als verbindlich von beiden Seiten angesehen werden. Daß bei einer Ausarbeitung solcher Satzungen das Interesse der Arbeit mindestens im gleichen Maße berücksichtigt werden muß, wie die Interessen der Beamten, braucht nicht erst gesagt zu werden. Es würde die allererste Aufgabe eines Beamtendezernats sein, solche Bestimmungen im Einvernehmen mit der Beamtenorganisation auszuarbeiten. Wir kommen zum Schluß. Wenn die palästinensische Beamtenschaft der im Auslande als unterlegen, und speziell in moralischem Sinne unterlegen, dargestellt wird, so hat sie das Recht, einmal auf das hinzuweisen, was sie — mit der in; Ausland verglichen — entbehren und ertragen muß, zu entbehren und ertragen gewohnt und gewillt ist. Zunächst darf man nicht vergessen, daß die Institutionen, die ibrCT Beamten die Gehälter pünktlich zahlen, hierzulande in der Minderheit sind, und daß dieser beständige pekuniäre Druck sich auch denen mitteilt, die sich in besserer Lage befinden und daher von allen Seiten Im Vergleich zu ihrem Einkommen in einem Maße 1'n Anspruch genommen werden, wie es in Europa undenkbar wäre. Deuten wir alles übrige, was einer zum großen Teil aus Europa hierher verpflanzten Beamtenschaft die Arbeit 11m viele hundert Prozent schwerer macht als anderswo, nur an. Klima, Krankheiten aller Art, die Unmöglichkeit, sich im Lande richtig zu erholen und infolgedessen die Notwendigkeit, mehrere Jahre ohne Pause zu arbeiten, um sich eine Europareise zu ersparen — all das zehrt an unserer körperlichen Widerstandskraft. Bedenken wir ferner, daß Reisen auch das hervorragendste Mittel geistiger Erholung sind. Es fehlen uns auch sonst alle Möglichkeiten einer geistigen Ablenkung — es sei denn, daß wir sie uns aus dem parteipolitischen Leben holen, auf das wir aber doch nicht alle eingestellt sind. Wir haben kein Musik- und Theaterleben, kein Kunstleben, auf welchem Gebiete immer. Es stehen uns fast keine Möglichkeiten zu beruflicher oder sonstiger Fortbildung offen. Woher solf uns die geistige Schwungkraft kommen? Die kann man sich nicht aus der Luft saugen, auch nicht aus der palästinensischen׳. Welches ungeheure Maß an körperlicher und seelischer Anspannung dazu gehört, das Erdrückende dieses Zustandes immer wieder von sich abzuschütteln, kann nur ermessen, wer mehrere Jahre hindurch ohne Unterbrechung in Palästina gelebt hat. Wir haben das auf uns genommen, weil wir in Palästina leben wollen. Vielleicht spüren wir subjektiv gar nicht immer, was uns fehlt; aber objektiv entbehren wir vieles — wer will uns die Auswirkung vorwerfen? Mag sein, die palästinensische Beamtenschaft hat ihre Fehler, ihre Schwächen, ihre Nachteile gegen andere. Aber wer unsere Fehler aufdecken will, der muß ihren Ursachen liebevoll nachgehen; wer an entscheidender Stelle Einfluß auf unsere Lage nehmen will, der muß sich die Mühe geben, auch menschlicher über unsere Lage nachzudenken. Wenn eine Stelle geschaffen werden soll, die Beamtenfragen regelt, so dürfen nur Persönlichkeiten an dieser Regelung mitarbeiten, zu denen wir das Vertrauen haben, daß sie gewillt sind, nicht vom rein ״bürokratischen“ Standpunkt, nicht vom grünen Tisch aus festzusetzen, was alles die Beamten zu tun und zu lassen haben. Wir erwarten, daß dazu Persönlichkeiten berufen werden, die in den Be* amten mehr als ein Objekt ihrer Machtentfaltung sehen, die nicht glauben, menschliche Schwächen durch Bestimmungen abzuschaffen — sie sind nämlich nicht abztischaffen —, sondern die im Gegenteil allen körperlichen und geistigen Schwächen Rechnung tragen. Man bedarf eines klugen Rechenmeisters, der ein Exempel aufmacht, in dem er unsere Fehler rnit dem richtigen Zähler eingesetzt hat und der auch den richtigen Nenner für unsere guten Seiten findet — die nämlich auch nicht zu leugnen und abzuschaffen sind. Alle Weisheit des Führenden liegt darin, daß er denen, welche er führen soll, seinen Willen nicht aufzwingt, sondern ihren eigenen freien Willen zu wecken weiß, nach seinem Willen zu handeln. Die Wahle■ in Td-Awiw T e 1 ־ A w i w , 4. Oktober. (J. T. A.) Die Wahlen zum Stadtrat von Tel-Awiw werden am 25. Oktober stattfinden, aber schon heute ist der Wahlkampf in vollem Gange, an dem sich neben den bisherigen Parteien noch zwei neue, die Konservativen lind die Zionisten-Revisionisten, beteiligen. Der Chefsekretär der Palästinaregierung hat der Stadtverwaltung mitgeteilt, daß laut der Interpretation des Obersten Gerichtes, wonach nur Steuerzahler zu wählen haben, auch Frauen, die Steuern leisten, ebenso Pächter, das Wahlrecht erhalten. Ehe Wahllisten werden demgemäß ergänzt werden. Das Wahlalter beginnt vom 21. Lebensjahre. Durch die zu eng gefaßte Interpretation des Wortes ״Steuerzahler“ als einer Leistung von Steuern auf Immobilien gingen zahlreiche Bürger ihres Wahlrechts verlustig. Es schweben darüber noch Verhandlungen zwischen dem Stadtrat von Tel- Awiw und Vertretern der Regierung. DizengoBs Bediapigen Jerusalem, 1. Oktober. (J.T.A.) Herr Dizengoft hat an Dr. Weizmann ein Memorandum gerichtet, in wetdiem er die Bedingungen, unter denen er sein Amt in der Exekutive auszuüben bereit ist, auseinandersetzt. Herr Dizengoff fordert im besonderen, daß seinDepartement autonom sein und den Sitz in Tel-Awiw haben solle, ferner daß er für die übrigen Departements der Exekutive keinerlei Verantwortung zu tragen habe. Die Lage der Palestine Laid Developme■( Ca. Ltd. Von Dr. Jakob Thon , Jerusalem. Die Tätigkeit der P. L. D. C. ist in letzter Zeit häufig kritisiert worden. Bei seiner Anwesenheit in Berlin gewährte Herr Dr. Jakob T ho n , der Managing Direktor der P. L. D.C. in Jerusalem, uns eine Unterredung über die Tätigkeit der P. L. D. C., in deren Verlauf er sich auch zu der Kritik äußerte. Dr. Thon führte folgendes aus; ־ Die P. L. D. C. ist die Institution der Zionistischen Organisation, die seit dem Beginn unserer praktischen Arbeit in Palästina für unseren Bodenerwerb verantwortlich ist und in dieser Eigenschaft gegen 95 0/0 des seit 1909 erfolgten Boden- Zuwachses vermittelt hat. Der letzte Kongreß hat daher auch den Zusammenhang zwischen der P. L. D. C. und dem Gesamt- Organismus der Zionistischen Organisation proklamiert und ferner die Verdoppelung ihres Aktienkapitals beschlossen — ein Beschluß, der leider bis jetzt noch nicht durchgeführt worden ist. Uebcr unsere Tätigkeit geben folgende Ziffern Aufschluß: Juli 1924 bis Juli 1925 erwarb die P. L. D. C. Böden in einer Gesamtfläche von 200000 Dunam im Werte von 900000 £E — der ein Rekord in der Geschichte unserer Bodenerwerbung ebenso wie diese Zeit ein Rekord für unsere Einwanderung war. Ferner: bis Ende 1924 haben wir ländliche Böden im Ausmaß von 351 252 Dunam für 1 298858 £E erworben; davon für den J.N.-F. 139936 Dunam für 564 346 £E. Demgegenüber betrug unser Aktienkapital 1923 : 57 673 £E, 1924; 72025 £E, 1925 : 76 23 7£E. Wir sinfcl also mit unserem Erwerb schon ziemlich weit über unsere finanzielle Fundierung hinausgegangen, brauchen also auf jeden Fall die vom Kongreß beschlossene Erhöhung. Wir haben es aber bisher für unsere Pflicht gehalten, mit maximaler Kraftanstrengung uns jeden wertvollen Boden zu sichern, für dessen Erwerbung wir irgendeine Möglichkeit sahen. Wir sind uns dessen bewußt, daß wir mit dieser Arbeitsmethode unserer Sache keine schlechten Dienste geleistet haben. Wir glauben nicht, daß man sich damit trösten kann, der Boden wird uns nicht davonlaufen. Man hat nun, hauptsäch lieh in Pol en, in zwei Fällen darin Kritik geübt, daß wir einige Bodenerwerbungen, über die bereits Verkaufeverträge Vorlagen, nicht durchgeführt haben. Es handelt sich hierbei um einige hundert Dunam Sandboden im Süden von Jaffa und 4000 Dunam Boden auf Kinhai, im ganzen etwa 3 &/0 der Fläche, die die P. L. D. C. in den letzten zwei Jahren erworben hat, während wir nämlich sonst bei unseren arabischen Verkäufern keine schlechten Erfahrungen gemacht haben, sind in der Periode der Spekulation diese wenigen Fälle vorgekommen, in denen die arabischen Verkäufe kontraktbrüchig wurden und zwar, was man leider hervorheben muß, unter dem Einfluß jüdischer Spekulanten. Auf keinen Fall hat die P. L. D. C. ihren Käufern gegenüber irgendeine Verflichtung verletzt, denn die Kontrakte der P. L. D. C. entalten die Klausel, daß der Käufer den von ihm eingezahlten Kaufpreis zuzüglich 6°/0 Zinsen zurückerhält, wenn die P. L. D. C. aus von ihrem Willen unabhängigen Oründen die Üebertragung des Grundstückes nicht durchführen kann. In allen Fällen hat auch die P. L. D. C. die so erhaltenen Geldbetrage zurückgezahlt, noch nie hat jemand bei der P. L. D. C. auch nur einen Pfennig verloren. Was übrigens unsere jetzt zum Verkauf stehende städtlsehe Parzellen in Haifa und Jerusalem anbetrifft, so sind diese völlig fest in unserer Hand, da sie bereits aut unseren Namen im Grundbuch der Regierung eingetragen sind. Es ist daher möglich, jedem Käufer ohne Schwierigkeiten den Kushan, d, h. die Eintragungsbestätigung im Grundbuch der Regierung zu übergeben. Leider sind wir im letzten Jahre von verschiedenen Gruppe» im Auslande mit ziemlich hohen Zahlungen im Stich gelassen woafen, sind aber trotzdem unseren eigenen Verpflichtungen mit aller Anstrengung pünktlieh nachgekommen. Wir werden auch diese Arbeit, die für den Aufbau Palästinas grundlegend Ist, fortsetzen und erwarten von allen Zionisten, die dazu in der Lage sind, weitgehende Unterstützung. _ Die WolBsohi-Sliiirag Das Kuratorium der Wolffsohn-Stiftung schreibt uns; Im Frühling 1925 ist zwischen dem Jüdischen Nationalfonds und der Wolffsohn-Stiftung der Bauvertrag über das auf dem Skopus belegene Grundstück für den Bau der National- und Universitätsbibliothek in Jerusalem abgeschlossen worden. Sodann ist dem Herrn Professor Geades und den Architekten Mears und Chaikin der Auftrag erteilt worden, die Entwürfe für das Bibliotheksgebäude anzufertigen. Diese Entwürfe liegen nunmehr in der endgültigen Fassung vor. Der Auftrag zur Ausführung des Gebäudes ist erteilt worden. Die Bauarbeiten sind im Gange. Der Vermögensbestand der Wolffsohn-Stiftung beträgt bei vorsichtigster Bewertung etwa 200 000 holländische Gulden. Das der hebräischen Realschule in Haifa angegliederte Internat ist aus denjenigen Mitteln der Wolffsohn-Stiftung subventioniert, welche aus dem Verkauf des Haifaer Grundstticks erzielt worden waren. Inzwischen hat sich das Vermögen der Stiftung um 3000 englische Pfund dadurch erhöht, daß die Tochter des verstorbenen Dr. N. Katzenelson in Libau ein Legat von 3000 englischen Pfunden zur Errichtung eines Dr. Ka t zeneisons aales In dem Bibliotheksgebäude gestiftet hat. Die Entwürfe und Zeichnungen für das Gebäude der Universitäts- und Nationalbibliothek in Jerusalem sind äugenblicklich im Sitzungssaal der Z. V. f. D., Meinekestr. 10, ausgehängt. Wir empfehlen Interessenten die Besichtigung. Friedrich von Baden. In unserer Doppelnummer 74/75 haben wir zur Charakteristik des Großherzogs Friedrich von Baden aus Herzls Tagebüchern einen größeren Abschnitt veröffentlicht Diese ״Tagebücher“, wohl das interessanteste jüdische Memoirenwerk, ist, was zu vermerken wir vergessen haben, im Jüdischen Verlag, Berlin NW7, Dorotheenstraße 35, erschienen. Der veröffentlichte Abschnitt ist im ersten Band der Tagebücher, die insgesamt drei Bände umfassen, enthalten. Ans trflben Wassern In der letzten Nummer der ״Weltbahne“ veröffentlich! Herr Alexander Levy einen Aufsatz betitelt ״Die Wahr heit über Palästina“. Wer Herrn Levy aus seiner zionistische» Tätigkeit und Vergangenheit in Deutschland und in Palästina kennt, wird sich weniger über den Charakter dieses Artikels wundern, als über die Tatsache, daß sein Oeschreibsel in eine Wochenschrift vom Charakter der ,,Weltbühne“ Aufnähme finden konnte. Herr Alexander Levy ist politisch niemals ernst genommen worden. Vor sieben Jahren schon hat er durch sein völlig konfuses Geschwätz über Masseneirtwanderung große Verwirrung in die Kreise naiver Zuhörer getragen. In völliger Verkennung des Wesens und des Programms des Hapoiil Hazair hat er sich dieser Bewegung angeschlossen, wurde jedoch nach kurzer Zeit durch Beschluß der Parteikonferenz hinausgeworfen. Er konnte sich schon damals nicht genug tun in der Schmähung der Chaluziuth, der hebräischen Bestrebungen usw. und seine Weisheit gipfelte steis in der Theorie, man müsse eine schrankenlose Massen einwanderung nach Palästina organisieren, mindestens 100001: jährlich, und man dürfe nicht besondere Anforderungen an die Einwanderer stellen, da dies eine ״volksfremde Ueber hebung“ sei. Während alle verständigen und verantwortlichen Zionisten sich darüber klar waren, daß eine solche Massen Immigration unmöglich ist und zu einer Katastrophe führet! müßte, hat Herr Lew zu den Leuten gehört, die sich bemühten, sie zu entfesseln. Dementsprechend hat er auch die vierte Alijah und das wahllose Einströmen unvorbereiteter Elemente begrüßt und sich in Palästina zu den Elementen gesellt die es für Volksfreundlichkeit hielten, alfes zu bejahen, wa! sich in Palästina zeigte. Erst kürzlich hat sich Herr Lev> hervorgetan als ein Rädelsführer jener Gruppe, die den Ohr• feigen überfall auf Dr. Glücksohn organisierte, well it dessen Blatt ״Haarez“ eine abfällige Bemerkung über di! drohende Einschleppung von Prostitution in Tel-Awiw?je standen hat. Wir selbst haben vor mehreren Wochen eint Einsendung dieses Herrn, worin er — diesmal in halbwegs anständiger Form —• eine Ideologie der vierten Alijah n geben versuchte, in unserem Blatt aufgenommen; es wai eine vielleicht zu weit getriebene Objektivität. Wir wußten aber, daß die Mehrzahl unserer Leser über die Person de Schreibers orientiert ist. Was Herr Alexander Levy sich nun aber in der ״Welt bühne“ erlaubt, deren Leser natürlich über inncrzionistischt Vorgänge nicht orientiert sind, übersteigt die Grenzen poli tischer Frechheit. Wir zitieren: ״Weizmann ist, seit er de! große jüdische Volksführer geworden ist, nie aus Frack um Lack und Claque herausgekommen.... Weizmann saß hinte; seinem Londoner Kamin, als hier in Palästina Menschcnopfc: unerhört fielen.... Weizmann hat das furchtbare Gescnic! vieler Tausender besonnener, ruhiger Abenteuern jeder Ar änzlich abgeneigter, vielfach außerordentlich wohlhabende! ürgerlicher Familienväter mit allen ihren Angehörigen au dem Gewissen.... Der aufrechte Herr Professor eilt weite! in Frack und Lack und Claque und Salonwagen von Gen! nach London, von Berlin nach Jerusalem, von Capetowr nach Uppertontown, immer noch vom Hurrah der allzeit Hurrahlüsfernen umbraust.... Hier sagen Sie, Herr Zionisten general Weizmann, in genau demselben Sinne die Wahrheit wie der Putschistengeneral Ludendorff.... Wir werden sehen ob der verunglückte Vater des Volkes, der uns so herrlicher Zeiten entgegenführen wollte, jetzt wenigstens noch halb wegs zu rechter Zelt sein Doorn finden wird.Sol man wirklich weiterzitieren? Wir glauben, die Beispiel« genügen. Eine sachliche Polemik ist natürlich ausgeschlossen. Der selbe Herr Levy, der diese Vorwürfe erhebt, redet in seinen: alten Jargon von Millionen Petroleum und Milliarden von Kali salzen als Charakteristik der Möglichkeiten Palästinas. Noct in diesem Moment betreibt er weiter die skandalöse Irre• führung, die wirklich Menschen ins Unglück stürzen kann Wer den Verfasser kennt, wird ihn für seine Handlungen nicht zur Verantwortung ziehen. Aber die Gegner des Zionismus werden sich dieses Machwerks vielleicht be• mächtigen. Vielleicht aber werden sie rechtzeitig erkennen; daß es Grenzen des Geschmacks und des Anstands auch itr, politischen Kampf geben muß. Eine idealistische Bewegung wie der Zionismus wird stets darartigen Verunglimpfungen ausgesetzt sein. Daß sie eine Tribüne finden, ist in unsere! sensationslüsternen Zeit nicht verwunderlich, wenn wir auch uns zur Annahme berechtigt glaubten, daß nicht gerade die ״Weltbühne“ diese Tribüne sein wird. Schoeaalchi PalistiM-Boeh Soeben erschien im Verlag von H. Meyers Buchdruckerei in Halberstadt ein Buch des bekannten pazifistischen Führers Dr. h. c. Freiherr v. Schoenaich über Palästina. Das Buch schildert die Reise Schoenaichs, enthält sehr interessante Abschnitte über verschiedene Probleme der Siedlung, insbesondere der Landwirtschaft und zeigt den Eindruck, den die jüdische Arbeit im Lande auf einen unbefangenen, scharfblickenden und insbesondere in landwirtschaftlichen Fragen sachverständigen Beobachter macht. Das Buch ist äußerst reizvoll geschrieben und mit einer großen Reihe vorzüglicher, vom Verfasser selbst aufgenommener Photographien ausgestattet. Wir werden auf das Werk, das wir unsern Lesern wärmstem empfehlen, noch ausführlich zurückkommen. Zionistischer Gruppenverband Oberschlesien. Am Sonntag, den 10. Oktober 1926, nachmittags 2!/ä Uhr, findet in den Räumen der Mamreh-Loge ein oberschlesischer Gruppenverbandstag statt. Tagesordnung: 1. Berich! über den Erfurter Delegiertentag. Referenten: Dr. Frankel (Beuthen), Dr. Deutschmann (Oppeln). 2. Referat des Herrn Salo Guttmann (Beuthen): ״Das Normalstatut des oberschlesischen Synagogcn-Verbandes mit anschließender Aus• spräche über unsere Aufgaben in der Gemeindearbeit. 3. Neu- Wahl des Vorstandes. 4. Verschiedenes. — Die oberschlesisehen Gesinnungsgenossen werden gebeten, zahlreich zu erscheinen. ”1 r»h*»r יי R i I Heute, Sonnabend, den 9. Oktober Gesellschaftsbau der B.Z.V. und des K.K.L. im Esplanade, Bellevuestr. 16/18 4e Die Mitglieder der ״Hab im ah“ haben ihr Erscheinen zugesagt. Der Deutsche Verband zur Förderung der Universität Jerusalem, Kurfürstendamm 66, veranstaltet am Sonntag, den 10. Oktober, vorm. 11 Uhr, im Brüdervereinshaus, Kurfürstenstraße 115/16, eine Sitzung mit folgender Tagesordnung: 1. Vortrag von Prof. Dr. Otto War bürg: Die Jerusalemer Universität als Zentrum der naturwissenschaftlichen Erforschung des Orients. 2. Bericht von Prof. Dr. J. Citron über den gegenwärtigen Stand der Universität Jerusalem und die Arbeiten des Deutschen Verbandes zur Förderung der Universität Jerusalem. Einführung von Gästen (Herren und Damen) erwünscht. _ Wie das ״Kölner Jüdische Wochenblatt“ mitteilt, hai die Repräsentanten-Versammlung der Jüdischen Gemeinde von Köln in ihrer letzten Sitzung nach einer eingehenden Debatte das aktive Frauen Wahlrecht zur Gemeinde mif Stimmcneinhelligkeit, das passive Frauen Wahlrecht mit einfacher Mehrheit beschlossen.