Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXI (1926)
- Issue
- Heft 76-77 (29.9.1926)
- Date
- 1926-09-29
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. ד0/7ד JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 549 schließen. Und da entsteht naturgemäß die Frage nach der Grenze, Wird diese Zusammenfassung bei der jüdischen Land- Wirtschaft Halt machen oder auf die arabische übergreifen? Und es gibt bereits heute Ansichten in Palästina, die diese Frage bejahen. Freilich ist das vorläufig nichts als Zukunftsntusik. Der arabische Produzent erzeugt heute anders und verkauft anders und zu anderen Preisen. Das wird sich jedoch im Laufe der Jahrzehnte ändern müssen, denn die höhere Wirtschaftsart formt die niedere notwendig nach ihrem Bilde. Und es wird ja auch schon langsam erkannt, daß es nicht nur eine jüdische und eine arabische Wirtschaft gibt, sondern auch eine palästinensische, die diese beiden mit tausend Fäden an tausend Orten verbindet. Hier erschließen sich eine überraschende Reihe von Fragen, Schwierigkeiten und Möglichkeiten. Ihre Erörterung gehört jedoch im gegenwärtigen Stadium ins Gebiet der voraussehenden Analyse und vielleicht auch zum Teil der Phantasie. Die Teppichfabrik ״Marbadia“ in Jerusalem Einem Prospekt d,er Fabrik entnehmen wir: Die Teppichfabrik ״Marbadia“ in Jerusalem hat in der letzten Zeit ihren Betrieb erweitert. Zurzeit arbeiten in den Betrieben der ״Marbadia“ im bucharischen Viertel in Jerusalcm mehr als 100 Arbeiter, ein Teil ferner in Heimarbeit. Der größte Teil der Arbeiter stammt aus den Ländern mit traditioneller Teppichindustrie, wie Persien, Buchara, Algier, Jemen usw. Zur Verarbeitung gelangen nur beste Rohmaterialien palästinensischer Provenienz. Fast die gesamte Produktion der ״Marbadia“ hat bisher ihren Absatz in Amerika gefunden. Die auf der Ausstellung in Wembley und Wien gezeigten Stücke haben das allgemeine Interesse erregt. Wenn es noch gelingen sollte, die Aufmerksamkeit von Interessentenkreisen in Europa und vor allem der Palästina besuchenden Touristen wachzurufen, dann wäre die ״Marbadia“ in der Lage, vielen aus den Orientländern in Palästina einwandernden jüdischen Familien eine Existenz zu schaffen. Im Magazin der ״Marbadia“ in Jerusalem ist ständig eine große Auswahl von Orientteppichen der verschiedensten Größen und Muster zu angemessenen Preisen vorrätig■. Die ״Marbadia“ macht darauf aufmerksam, daß zionistische Dessins mit HerzI-, Weizmann- und anderen Porträts nur zu oft unechte Maschinenteppiche sind, die in europäischen Fabriken hergestellt wurden. In den Betrieben der ״Marbadia“ werden nur echte orientalische handgekniipfte Teppiche erzeugt. (Ziko.) Eine BnlzbearbeitnngswcrkstäHe 11 Chedera ״Palestine 8: Near East Economic Magaz i n e“ schreibt: Kürzlich hat in Chedera die erste Schneidemühle zu arbeiten begonnen. Die Firma Holtzmann und Co. hat von der PICA den Eukalyptus-Hain bei Chedera aut fünf Jahre gepachtet mit dem Recht, daraus 25 000 ausgewählte Stämme zu fällen, aus deren Holz Bretter für Möbel und Furniere in der Fabrik hergestellt werden sollen. Beschäftigt sind 40 jüdische Arbeiter. Investiert wurden £E 7000. Die Bretter aus Eukalyptusholz sind von schöner Qualität und rötlicher Färbung. Bisher hat nur die Firma G o r a 1 s k y und K r i n i t z y die Produkte von Chedera für ihre Möbelfabrikation verwendet, aber auch nur in beschränktem Maß. Nunmehr beabsichtigt diese Fabrik, ihr hauptsächlichstes Material aus der Schneidemühle von Chedera zu beziehen. Die Firma Holtzmann u. Co. glaubt, ihre Produkte auch an andere Firmen im Lande absetzen zu können. Die Aussichten für die Werkstätte in Chedera sind sehr gut. Besonders eignet sich das Eukalyptusholz für die Hersteliiilfg von Kisten, die leichter sind als gewöhnliche Holzkisten. Die Firma steht auch mit m ״Pard e ß״-Gese 11 - schaff wegen Lieferung von Orangekisten in Unterhandlung. An die Mazzoth-Fabrik Tn Haifa wurden bereits 5000 Kisten verkauft. Die bestehende Nachfrage nach Kisten in Palästina gibt gute Aussichten auf Erfolg. Der niedrige Preis der Ware setzt die Firma auch in den Stand, mit der Importware zu konkurrieren und sogar einen Absatzmarkt außerhalb des Landes zu finden. So wird z. B. der Versuch geplant, Chedera- Holz nach Indien zwecks Herstellung von Teekisten zu liefern. llalieBiieh-palättineuiseher Handel Vor kurzem wurde in Mailand ein nationales Institut für Auslandswirtschaft begründet Zweck des Instituts ist es, die Handelsbeziehungen zwischen Italien und den ausländischen Märkten, insbesondere des Nahen Ostens, zu fördern. Der Deputierte Lanfranconi, der Leiter dieses Instituts, sprach sich gegenüber dem J. T. A.-Vertreter dahin aus, daß die italienischen Wirtschaftskreise mit größter Aufmerksamkeit die ökonomische Entwicklung Palästinas verfolgen. Italien hat großes Interesse daran, sehr bald in einen Kontakt mit dem palästinensischen Markt zu gelangen. Man hofft, daß infolge der Aufbauarbeit des jüdischen Elements der palästinensische Markt in nicht allzu ferner Zeit große Bedeutung erhalten wird. Die maßgebenden italienischen Wirtschaftsfaktoren sehen mit Anerkennung und Sympathie, wie der Aufbau des jüdischen Nationalheims in Palästina fortschreitet. Es wäre zu wünschen, daß die palästinensische Ökonomischen Körperschaften mit dem italienischen nationalen Institut für Auslandswirtschaft in Verbindung treten; solche Beziehungen wären natürlich und schon durch die Lage der italienischen Häfen bedingt. Kleine Nachrichten Das Commercial Bulletin berichtet: Die vorläufig durch die Central Town Planning Commission approbierten Entwürfe und Pläne für den Ausbau eines Handelszentrums in I erusalem sind vielmehr durch den High Commissioner für Palästina bestätigt worden. Die Pläne sind im Büro der Town Planning Commission in Jerusalem deponiert worden und liegen dort zur Einsicht auf. Der Solei Boneh hat von der Matossian-Companv in Aegypten einen Bauauftrag für eine große Zigarett enfabrik in Haifa erhalten. Mit den Bauarbeitcn ist am 29. August begonnen worden. Der Solei Boneh hat diesen aum dem Ausland kommenden Auftrag im freien Wettbewerb bekommen. (Ziko.) Die Weinernte in Nahalal war außerordentlich zufriedenstellend. Ein Drittel der ganzen diesjährigen Ernte von Nahalal wurde nach Nazareth an arabische Händler verkauft. Für das nächste Jahr wird ein noch besserer, vielleicht der doppelte Ertrag dieses Jahres erwartet. Herr Lieber aus Leipzig hat die ״Raanan Company Ltd.“ in Tel-Awiw erworben und wird die von dieser Oes ellschatt begründete, später aber liquidierte Schokoladen- und Konfitürenfabrik weiterführen. Die Wiederaufnahme der Arbeit soll schon in allernächster Zeit erfolgen. ln den letzten Tagen wurde zwischen der K u p a t h Cholim und dem Waad von Kfar Ganim ein Vertrag abgeschlossen, auf Grund dessen die Kupath Cholim ein Terrain von 5 Dunam für den Bau eines Krankenhauses erhält. (Ziko) Laut Mitteilung der Jaffaer Handelskammer gab es von 1925 bis jetzt in Tel-Awiw 14 Bankrotte, hauptsächlich Lebensmittelgeschafte und Restaurants. (Ziko) Eiie seltsame Erklärung Das Organ der palästinensischen Revisionisten ״Ha zafon“ (Haifa) bringt in seiner Nummer vom 13. September die Nachricht, der von der Exekutive nach Palästina entsandte wirtschaftliche Sachverständige, Herr Kastei- Iiansky, habe mit den Revisionisten eine Sitzung abgehalten, und dabei folgende Erklärung abgegeben: ״Weizmann versteht, daß die zionistische Politik nicht mehr nach dem früheren System geführt werden kann, und er würde sie ändern, wenn nicht seine Hände durch die Parteien des Kongresses, deren Willen er erfüllen muß, gefesselt wären. Als Beweis, daß Weiztnann das offizielle System zu ändern versucht, möge meine Ernennung zum wirtschaftlichen Berater dienen, obwohl ich völlig unabhängig von den Parteien und Richtungen des Kongresses bin. Weizmanns Stellung ist so, daß er als Präsident der Zionistischen Organisation gezwungen ist, sich der Meinung des Kongresses zu beugen, und dessen Willen zu erfüllen. Ich bin überzeugt, daß Weizmann, abgesehen von einigen Einzelheiten. mit den revisionistischen Forderungen und mit ihrer wirtschaftlichen Kritik übereinstimmt — aber es steht nicht in seiner Macht, irgend etwls im Gegensatz zur Mehrheit des Kongresses zu tun. Ich bin überzeugt, daß Sie Weizmann einen großen Gefallen tun werden, wenn Sie bis zum nächsten Kongreß eine so starke Opposition gegen die heutige Politik organisieren, daß sie Weizmann diejenigen Aeuderungen des heutigen Systems ermöglichen, weiche auch er für wünschenswert und nötig hält. Ich habe mit Weizmann oft gesprochen und kenne seine Ansichten.“ Es scheint hier ein offenkundiger parteipolitischer Mißbrauch von Erklärungen vorzuliegen, deren Sinn man sich sogar aus der Wiedergabe des revisionistischen Blattes rekonstruieren kann. Die Verwirrung wird dadurch herbeigeführt, daß die Begriffe Wirtschaft und Politik durcheinandergemengt werden und aus der von fast allen Zionisten anerkannten Tatsache, daß eine Reorganisation der wirtschaftlichen Tätigkeit in Palästina notwendig ist, der Anschein erzeugt wird, als handle es sich um die revisionistische Politik. Jedenfalls muß die Frage aufgeworfen werden, ob der Abdruck der Erklärung in dem revisionistisehen Organ autorisiert ist und obcigentlichHert Kastei Iiansky eine wirtschaftliche oder eine politische Mission in Palästina hat-.. Jabotiisky in Pallstiia Die Propaganda-Abteilung des Jüdischen Nationalfonds hat Jabotinsky nach Palästina berufen, damit er dort einen Film verfaßt, der in Palästina spielt und dort aufenommen werden soll. Aus diesem Anlaß wollten seine reur.de eine Versammlung in dem großen Amphitheater der Universität in Jerusalem veranstalten. Die Leitung der Universität hat es jedoch abgelehnt, das Theater zur Verfügung zu stellen, da er für parteimäßige Veranstaltungen nicht geeignet sei. — Die Reise JabotTnskys wurde, wie das palästinensische Revisionisten-Organ meldet, wegen Paßschwierigkeiten aufgeschoben. Die Ausschreitungen 1■ Jerusalem Jerusalem, 15. September. (J.T.A.) ״Palestine Bulletin“ gibt eine Schilderung der Vorgänge, die sich am Mittwoch, den 11. September, abends, in Jerusalem abspielten und den Anlaß zu der von aer United Press verbreiteten Falschmeldung gegeben haben. Danach handelt es sich keineswegs um einen Irgendwie nationalistisch betonten Exzeß von Arabern auf Juden, sondern lediglich um eine zufällige Straßenszene. Vor dem ״Zion-Cinema“ standen einige jüdische junge Leute. Es entspann sich ein Wortwechsel mit einigen in aer Nähe stehenden jungen Arabern. Als die Araber ihre Stöcke schwangen, um auf ihre jüdischen Gegner loszuschlagen, kamen andere junge Juden ihren bedrängten Genossen zu Hilfe, und die Araber mußten fliehen. Einer der Fliehenden zog einen Revolver und feuerte einen Schuß ab. Ein junger Jude wurde am Arm getroffen; ein anderer junger Jude erhielt einen Messerstich in der Hüftgegend. Die Araber flohen, verfolgt von der Menge und der Polizei. Es gelang, einige der Flüchtenden festzunehmen. Sie wurden 111s Gefängnis eingeliefert. Erloschen der Typhös •Epidemie im Emek Jesreel Das Gesundheits-Departement der zionistischen Palästina- Exekutive (Waad Habriuth) berichtet: Der Rückgang der Typhus-Epidemie, der bereits im Berieht des Waad Habriuth vom 15. August festgestellt worden ist, kam in den letzten Wochen, beginnend vom 7. August, noch deutlicher zum Ausdruck. Die Zahlen über die Fälle im Emek sind: Mai 15 festgestellte Fälle, Juni 96, Juli 43 und vom 1. bis 23. August 4 Fälle, während bei dreien noch der Verdacht von Typhus voriiegt. Ein gemeinsamer Bericht der Vertreter des Gesundheits-Departements der Regierung und des Waad Habriuth, die auf Wunsch des High Commissioner vor einigen Tagen nochmals die Siedlungen des Emek besucht haben, stellt fest, daß ״die Seuche zum Erlöschen gekommen ist“. Dieses schnelle Erlöschen haben laut diesem ericht bewirkt: 1. die sofortige Ueberführung der Kranken in die Krankenhäuser, 2. die sofortige Isolierung der Erkrankten und Rekonvaleszenten und 3. die Impfungen gegen den Typhus. In Anbetracht des Aufhörens der Seuche im Emek und der Zunahme der Typhusfälle in Tel-Awiw und Umgebung hat der Waad Habriuth dem Vorschlag des Gesundheits- Departements der Regierung, Dr. Peiler nach Tel-Awiw zu entsenden, zugestimmt. Die Regierungsbehörden in Jaffa und der Kreischetarzt haben Anweisung bekommen, Dr. Peiler nach Möglichkeit an die Hand zu gehen. Das Gesundheits- Departement der Regierung führt jetzt M a s s c n i m p f 1111 - gen gegen Typhus in Tel-Awiw durch. Die Schekelsaiviiviliing 5686 Der nächste Schekelausweis wird am Freitag, den 15. Oktober, erscheinen. Wir bitten alle Ortsgruppen und Schekelvertrauensleute dringendst darum, die Schekelsamm- Jung jetzt mit allem Nachdruck sofort wieder aufzunehmen und die gesammelten Schekel schnellstens an uns zu Uberweisen. Diese Aufforderung ergeht insbesondere an die Gruppen: Darmstadt, Duisburg-Ruhrort, Düsseidort, Elberfeld, Frankfurt/O., Gießen, Görlitz, Gr.-Strehlitz, Heidelberg, Heilbronn, Mannheim, Münster, Recklinghausen, Stuttgart, Trier, Waldenburg, Wiesbaden, die gar keine oder nur ganz minimale Beträge abgeliefert haben. Zionistische Vereinigung für Deutschland Berlin W15, Meinekestr. 10. Postscheckkonto Berlin 8091. Presse-Scban ,!״ מHaaret z“ vom 5. September wendet sich M. M. mit einem Aufruf ״Uebcrtrcibct nicht“ an das Publikum und knüpft an die Mahnung an, die So ko low in gleichem Sinne vor den Journalisten ausgesprochen hat. Es scheine liier tatsächlich ein Wettbewerb stattzufinden, wer die schlimmsten Nachrichten über Ercz Israel verbreiten könne. Die Absichten dieser Unheilkünder mögen vielleicht gute sein, die Resultate dieser Hysterie sind aber ohne Zweifel negativ. Sei man schon in einer Stunde höchster Not, dann ist Besonnenheit und Beherrschung am Platze und nicht solche aufgeregten AeuBerungen. Interessant sei, daß die Schreier dieselben Leute sind, die bei einem kleiner! Zeichen der Besserung der Lage die Vergangenheit vergessen und schon die Erlösung sehen, —- eine Methode, die uns nicht weniger schädigt als die erstgenannte. Die Lage im Lande ist Wirklich ernst. Aber die Vergangenheit lehrt uns* daß schon größere Prüfungen über den Jischuw hinweggegangen sind. * Im ״Do a r Hajo m“ vom 7. September greift Ben- Baruch den Vorschlag des Arbeiterführers Ben-Zvvi im ״Dawar‘‘ auf, neuerdings auf der Forderung der Schaffung einer jüdischen Einheit innerhalb der (fast gänzlich arabisierten) Grenzschutztruppe zu bestehen. Der Verfasser erinnert daran, daß der waad Leumi usw. beschlossen hatte, yon der Regierung zu verlangen, daß sie entweder Juden In genügender Anzahl in das Korps aufnehme oder aber eine besondere jüdische F'ormation bilde. In dem Memorandum an den Völkerbund hatte der Waad Leumi jedoch bereits von der zweiten Forderung Abstand genommen und nur die Aufnahme von Juden in das Grenzschutzkorps gefordert; die Zionistische Exekutive begnügte sich mit dem gleichen Sciiritt und so war das Ergebnis, daß man ein Dutzend Juden in der Grenzschutztruppt• aufgenommen hat. daß aber der Charakter des ganzen Korps dadurch natürlich nicht verändert wurde. Aus dem Referat der Mandatskommission ersehen wir, daß es der englischen Regierung geglückt ist, die Kommission davon zu ״überzeugen“, daß den Forderungen der Juden die Grundlage abgeht. Dies alles kann für uns nur ein Grund sein, für unser Recht in einer so einschneidenden Frage mit allem Nachdruck einzutreten. Colonel Josiah Wedgwood, der in der Arbeiterregierung Kanzler der Grafschaft von Lancaster war, wird Ende Oktober in Begleitung seiner Gattin und einiger Repräsentanten der Unabhängigen Arbeiterpartei in Palästina eintrefefn, um die Entwicklung des jüdischen Aufbauwerkes zu studieren. Vom Prenftisehen Lwdesverband Der Ausschuß, der von der Vertretcrversammiung der deutschen Landesverbände jüdischer Gemeinden am 18. Juli dieses Jahres in München eingesetzt worden ist, um den Entwurf einer Verfassung für den Jüdischen Reichs verband fertigzustelien, wird am 10. Oktober d. J. in Berlin zu einer Sitzung zusammentreten. Sobald der Entwurf fertiggestellt ist, soll er einer neuen Versammlung der Vertreter der Landesverbände und sodann den Verbandstagen der einzelnen Verbände zur Genehmigung vorgelegt werden. Nachdem die Wahlen zum Wohlfahrtsausschüsse des Landesverbandes nunmehr erfolgt sind, soll dieser Ausschuß zum 17. Oktober d. J. zu eine Sitzung nach Berlin einberufen werden. .Das Palästina-Reisestipendium der Berliner Judengemeinde. Nachdem der Vorstand der Berliner Jüdischen Gemeind® Reisestipendiums für jüdische Religionslehrer nach Palästina beigetreten ist, hat nunmehr der Schulvorstand der Jüdischen Gemeinde die näheren Modalitäten für Bewerbung und Vergebung des Stipendiums festgesetzt. Danach soll alljährlich ein Religionslehrer oder Rabbiner der Gemeinde das Reise- Stipendium erhalten; er wird gebeten, nach Abschluß der Reise einerseits über die Reise einen Bericht an den Gemeindevorstand zu erstatten, andererseits sich darüber zu äußern, inwiefern die Reise und ihre Ergebnisse für die Verlebendigung des jüdischen Unterrichts nutzbar gemacht werden kann. Schließlich wird erwartet, daß der betreffende Herr je nach Neigung und Eignung ein wissenschaftliches Ergebnis seiner Reise im Vortrag oder literarisch gibt. Blalbeschuldigang in Danzig Aus Danzig wird uns geschrieben: Am 23. d. M. drangen Polizisten in das Haus, in welchem der Rabbiner und Schochet wohnt und wo sich außerdem das Büro der Bne Brith-Loge befindet und führten eine Untersuchung in der Wohnung des Schochet durch, um festzusteilen, ob er nicht Kinder geschlachtet habe. Man fand schließlich Blutspuren von geschlachtetem Geflügel und setzte darüber ein Protokoll auf. Auch kleine Kinder wurden einvernommen. Es scheint sich um eine Denunziation der Nachbarn zu handeln, auf Grund deren die Untersuchung durchgeführt wurde. Der Zwischenfall erregte große Entrüstung in hiesigen jüdischen Kreisen und die Führer der Gemeinde beschlossen, bei der Polizei Einspruch zu erheben und zu fragen, auf Grund welcher Angaben die Untersuchung erfolgt ist. Der Vorfall ist immerhin charakteristisch dafür, was in der Freien Stadt Danzig möglich ist. S. Die Jüdische Haushaltungsschule in Frankfurt a. M, hat mit dem Seminar der städtischen Haushaltungs- und Gewerbeschule in Frankfurt a. M. folgende Vereinbarung getroffen: Die städtische Haushaltungs- und Gewerbeschule in Frankfurt a. M. richtet eine Schulklasse ein, in welcher alle jüdischen Schülerinnen vereinigt werden. Der Stundenplan wird so festgesetzt, daß die Schülerinnen ohne weitere Versäumnis Kochunterricht in der Jüdischen Haushaltungsschule unter Betonung des rituellen Speisegesetzes erhalten können und am Samstag jeder Unterricht in technischen Fächern unterbleibt. Allerdings kann ein derartiger Seminarkurs für jüdische Mädchen nur dann begonnen werden, wenn sich mindestens 8—10 Schülerinnen dazu melden. Meldüngen an den Venvaitungsrat der U: •i ehe:! Haushaltungsschule, Frankfurt a. M., Königswarter Straße 2), erbeten. Letztes Schulzeugnis und Lebenslauf der betreffenden Schülerin sind dem Aufnahmegesuch beizufügen. Peßach in Jerusalem. Um es einer großen Zahl von Freunden des Heiligen Landes möglich zu machen, Palästina durch eigene Anschauung wissenschaftlich und Wirtschaftlieh kennen zu lernen, veranstaltet die Hana g zum komtuenden Frühjahre eine große jüdische Gesellschaftsreise, die auf besonderem Schiff mit ritueller Verpflegung über Venedig und Aegypten zum Heiligen Lande fahren wird. Palestine Lloyd Co. Jerusalem wird dafür Sorge tragen, daß die große Gesellschaft in einzelnen sachlich interessierten Gruppen sachgemäß so geführt wird, daß einzelne hervorragende Sachkenner als besondere Führer zur Verfügung stehen. Die Gesamtleitung liegt in den Händen des bekannten Palästinakenners Professor Dr. Heinrich L o e w e. Es werden außer den jüdischen und nichtjüdischen Altertümern die Kolonien und Stadtsiedlungen einer eingehenden Besichtigung unterzogen, und aucli das Land nach allen Richtungen hin durchquert werden. Der Höhepunkt der Reise wird in der gemeinsair®* Peßachfeiet in Jerusalem bestehen.