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Jüdische Rundschau · 1926-09-29 · Heft 76-77 (29.9.1926) · page 8

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXI (1926)
Issue
Heft 76-77 (29.9.1926)
Date
1926-09-29
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Sette 54S JOEDJSCHE RUNDSCHAU m, 7u/77 Palästina -W ir tschaf t Die ■eoe pallstineoslsche Währung Von Dr. Victor Grünwald, Tel-Awiw. 111 der Official Gazette vom 1, September 1926 erschien die Notiz über die Ernennung des palästinensischen Währungs- Direktoriums zwecks Einführung einer palästinensischen Landeswährung, basiert auf dem Pfund Sterling, unter der Leitung von Mr. P. G. Ezechiel, einem Kronagenten für die Kolonien mit dem Generalmanager der Britischen Bank für Westafrika und anderen Fachleuten* als Mitglieder. Gleichzeitig wurden die Regulationen über die Pflichten und Rechte dieses Direktoriums, dessen Sitz in London ist, veröffentlich{. Diese Publikationen haben eine lange Vorgeschichte: Man weil!, daß besonders zionistische Kreise mit der von der englischcn Militärverwaltung eingeführten Regelung der palästinensischcn Währungsverhältnisse recht unzufrieden waren. Man erklärte, daß das ägyptische Pfund für 'das kleine Palästina eine zu schwere Münzeinheit darstelle und da die meisten Einwanderer aus valutaschwachen Ländern kommen und auch ein großer Teil des für zionistische Zwecke gesammelten Kapitals aus diesen Ländern stammt, eine Valuta, die höher als die englische, eine große Erschwcrung der Aufbauarbeit bedeute. Diese Angriffe waren vielleicht kurzsichtig, denn die erwähnten Nachteile wurden von den Vorteilen der Sicherheit und Stabilität aufgewogen und wir selten ati dem benachbarten Syrien, wie ungünstig Währungsschwa-nkungen auf das wirtschaftliche und politische Leben einwirken. Dagegen wurde ein wirklich wirksamer Angriff auf die ägyptische Währung in Palästina durch die von der Palestine Economic Society im Jahre 1923 publizierte Schrift von S. Hoofien, ,,Währungsreform“, unternommen, in der der Verfasser nachwies, daß der gegenwärtige Zustand auf die Dauer unhaltbar sei, Palästina, eine selbständige wärtscliaftiiche Einheit, die in gar keinem politischen Zusammenhange mit Aegypten steht, und auf dessen Währung uad Nationalbank nicht den geringsten Einfluß hat, kann nicht auf die Dauer die ägyptische Valuta im Umlauf behalten. Dies mn so mehr als sich die politische und finanzielle Zukunft unseres Nachbarlandes in keiner Weise Voraussagen läßt, aber Aegypten jedenfalls allmählich nach der völligen politischen und wirtschafticlicn Unabhängigkeit strebt. Herr Hoofien wies überdies nach, daß die Einführung einer eigenen palästinensischen Landeswährung keine besonderen Schwierigkeifen machen würde, und daß diese ebenso stabil sein könnte wie die ägyptische. Diese Argumentation überzeugte die Regierung und gab den Anlaß zur Einsetzung einer Kommission zum Studium des Währungsproblems in Palästina. Die Kommission beantragte in ihrem Berichte die Einführung einer Landeswährung, die in einer festen Relation zum Pfund Sterling stehen sollte. Jedoch sollten mit Rücksicht auf den oft geäußerten Wunsch nach einer kleineren Einheit nicht das Pfund, sondern zwei Schilling die Einheit JÄeh^ dJö Ihrerseits ln :hufidert Teilt: geteilt wäfe. Die Noten sollen in London herausgegeben und durch britische Schatzscheine voll gedeckt sein. Der Zinsengewinn sollte der palästinensischen Regierung zufließen. Die Regierung in London akzeptierte wohl die Grundgedanken der Kommission, aber nicht den einstimmig gefaßteii Beschluß auf Einführung einer kleineren Währungseinheit, sondern beschloß die Einführung eines palästinensischen Pfundes von gleichem Nominalwerte wie das Pfund Sterling. Obwohl also der Beschluß auf Einführung einer palästinensischcn Währung vor mehr als einem Jahre gefaßt worden war, verzögerte sich dessen Durchführung. Die Ur- Sache hierfür war wahrscheinlich, daß die Regierung in London noch einige Zeit die Entwicklung in Palästina beobachten und vielleicht die Erreichung der Goldparität des Pfunds abwarten wollte. Dieses Ereignis ist inzwischen eingetreten, und da sich die palästinensischen Landesfinanzeil im letzten Jahre in ungewöhnlich zufriedenstellender Weise entwickelt haben, so sah das Colonial Office wahrscheinlich keinen Grund, die Sache länger hinaiiszuschieben. Die oben erwähnten Regulationen über die Rechte und Pflichten des Währungsdirektoriums sind nur ein Rahmengesetz, das noch in vielen Punkten der genaueren Ausführung bedarf, aus dem sich aber doch die Linien entnehmen lassen, in denen sich unsere zukünftige Währungspolitik bewegen wird. Das Direktorium hat das palästinensische Geld zu liefern und zu kontrollieren, und dafür zu sorgen, daß sich die Währung in einer befriedigenden Verfassung befindet und überhaupt die Interessen Palästinas, soweit die Währung in Frage kommt, wahrzunehmen. Aus diesem ״assus geht bercits hervor, daß die palästinensische Landesregierung in Währungsfragen auch weiterhin absolut keine Ingerenz haben wird, nur daß sich der Schwerpunkt von Cairo nach London verschiebt. Wenn man also von palästinensischer Landes- Währung spricht, so ist das nicht so zu verstehen, als ob Palästina das Mindeste in die Wührimgsangelegenheiten drein- Zureden hätte. Das Direktorium ernennt auch die nötigen Beamten in England und in Palästina, mit Zustimmung des Staats- Sekretärs natürlich. Es hat das Recht, die zur Herausgäbe des Geldes nötigen Ausgaben zu machen und zu diesem Zwecke eine Anleihe aufzunehmen. Es ist nicht anzunehmen, daß die palästinensische Landesanleihe, deren Auflegung in absehbarer Zeit erfolgen soll, etwas mit dieser Währungsanleihe zu tun haben wird. Hier handelt es sich um eine kurzfristige Anleihe, wahrscheinlich von wenigen 100030 Pfund, die in kurzer Zeit zurückgezahlt werden kann, sobald die ägyptischen Noten, die jetzt im Umlauf sind, eingezogen sein werden. Das Direktorium wird das Nötige veranlassen, um Noten und Scheidemünzen hersteilen zu lassen und in Umlauf zu bringen, sowie diese, wenn sie abgebraucht sind, wieder aus dem Verkehr zu setzen. Die Form und Ausführung der Noten und Scheidemünzen, sowie deren Benennung wird ebenfalls dem Währungsdirektorium überlassen, jedoch hat der Staats- Sekretär seine Zustimmung zu geben. Es ist wahrscheinlich, daß das palästinensische Pfund in allen drei Landessprachen Dinar heißen wird; geteilt in zehn ״Schekel“, von denen jeder 100 ״Prutoth“ enthalten wird. Die Noten werden natürlich in allen drei Landessprachen gedruckt sein. Wichtiger als diese Aeußerlichkeiten sind die Bestimmungen zur Aufrechterhaltung und Sicherung des Wertes der neuen Währung: Es wird ein sogenannter Währungsreservefonds geschaffen, der in englischen und Dominions-Wertpapieren angelegt werden wird. Ueberdies muß ein gewisser nicht spezifizierter Teil in flüssiger Form gehalten werden. Es ist anzunehmen, daß der größte Teil in britischen Treasury Bills angelegt werden wird. Merkwürdigerweise wird nicht gesagt, daß die Währung zu 100 Prozent durch den Reservefonds gedeckt werden muß, doch ist dies anzunchmen. Das Währungsdirektorium hat dem Staatssekretär halbjährlich eine Bilanz des Reservefonds und ein Verzeichnis der Wertpapiere vorzulegen und in der palästinensischen Official Gazette jedes halbe Jahr die Summe der im Lande zirkulierenden Noten und Münzen, die Höhe des Reservefonds und den Nominalwert, den Erstehungspreis und den letzten Kurs der Wertpapiere, in die der Fonds investiert wurde, zu pubizieren. Von ganz besonderer Wichtigkeit für die Erhaltung der Stabilität der neuen Währung ist die Bestimmung, daß man in Palästina für hiesige Noten Schecks auf London erhalten wird, für die höchstens ein Prozent berechnet wird. Das bedeutet natürlich einerseits eine Sicherung unserer Währung, die nicht unter ein Prozent gegenüber dem Pfund Sterling sinken kann, so daß die Stabilität unserer Währung solange gesichert ist, als das englische Pfund seinen gegenwärtigen Wert behält. Andererseits wird man palästinensische Noten gegen Erlag in London mit einer Prämie von höchstens ein Prozent erhalten können. Diese Bestimmung ist von großer Wichtigkeit für die hiesigen Banken, die nunmehr liquide Reserven in London halten können und sicher sein werden, jederzeit nach Erlag eines gewissen Betrages in London von dem hiesigen Vertreter des Direktoriums dieselbe Summe mit einem kleinen Abzug in bar ausgezahlt zu bekommen. Der Uebergang von der alten Währung zur neuen wird sich voraussichtlich glatt und mit Hilfe der Banken ohne besondere Schwierigkeiten vollziehen. Dagegen scheint es mir unrichtig, irgendeinen besonderen Einfluß der neuen Währang auf unsere Wirtschaftslage und die Preisgcstaltung in Palästina zu erwarten. Ueberhaupt dürfte sich nicht viel ändern, und der Vorteil der neuen Währung besteht vor allem darin, daß sie uns von der wirtschaftlichen und politischen Entwicklung in Aegypten unabhängig macht und den Geld- und Zahlungsverkehr mit London erleichtert. Es wäre auch verfrüht, für absehbare Zeit zu erwarten, daß die Regierung von Palästina einen großen Einfluß auf die Währung erlangen wird oder daß gar eine palästinensische Nationalbank geschaffen werden könnte. Hierfür sind die Voraussetzungen noch in keiner Weise gegeben. Es ist zwar richtig, daß das neue Währungssystem völlig unelastisch ist und sich dem Kreditbedürfnis nicht so anpassen kann, wie dies der Fall wäre, wenn es in den Händen einer Nationalbank wäre, aber diesen Nachteil werden wir in Kauf nehmen müssen. EMe Regulationen schreiben schließlich vor, daß die flach Ansammlung von entsprechenden Reserven sich ergebenden Gewinne vom Direktorium an die palästinensische Regierung gezahjt werden sollen. Es ist indessen nicht anzunehmen, daß unser Steuerzahler in der nächsten Zeit eine fühlbare Erleiehterung aus diesem Grunde spüren wird, da die Ausgaben, besonders in der ersten Zeit, nicht klein sein werden. Immerhin ist zu hoffen, daß unsere Landesfinanzen mit der Zeit eine immerhin nicht unbeträchtliche Einnahme aus den Zinsen der Wertpapiere des Reservefonds haben werden. Zar Konferenz des Maschbir Von unserem Korrespondenten. A.G., Jerusalem, 15. September. Vor kurzem trat in Haifa die Konferenz des ״Maschbir“ zusammen. Sie ist ohne besonderes Interesse der Oeffentlichkeit vorübergegangen. In der Presse wurde sie wenig vorbereitet und die Verhandlungen nur kurz ohne weiteren Kommentar wiedergegeben. Von keiner der Tageszeitungen sah man einen ständigen Vertreter und sogar die Arbeiterschaft Haifas, die sich sonst für jedes derartige Ereignis interessiert, wohnte nur in geringerer Zahl den Verhandlungen bei. Man erwartete eben von dieser Konferenz keine sensationellen Debatten und Beschlüsse, man wußte, daß es sich um rein ökonomische Fragen handeln würde, die co ipso eine rein sachliche Betrachtung erfordern und keinen besonderen Anreiz für das Publikum bieten. Unter diesen Umständen trafen sich auf der Konferenz des ,,Maschbir“ die Vertreter der nationalen Kolonien, für die der ״Maschbir“ ihre Produkte verkauft, einige Vertreter der städtischen produzierenden und und konsumierenden Arbeiter und wenige Einzelaktionäre. Und gerade auf dieser ziemlich unbeachtet'verlaufenen Konferenz, die auch nachträglich nur in begrenzten Kreisen größeres Interesse erweckt hat, vollzog sich eine wichtige Organisationsänderurig dieses Instituts. Der ״Maschbir“, so wie er gedacht und entworfen war, batte eine klare und einfache ökonomische Aufgabe. Es galt, die Produkte der landwirtschaftlichen Siedlungen zu sammeln und auf den Markt zu bringen, und auf der anderen Seite die landwirtschaftlichen Betriebe mit den Waren zu versorgen, die sie nicht selbst herstelieh. Es handelte sich also um eine Konsumgenossenschaft, die zugleich die Produkte ihrer Kunden verkaufte. Dazu kam später der Verkauf der Erzeugnisse städtischer Kooperativen, und die Versorgung der städtischen Arbeiterschaft nicht nur mit landwirtschaftlichen, sondern auch mit Industrieprodukten. Der ״Maschbir“ sollte zu einer Zentrale werden, die den Einkauf und Verkauf für weite Kreise der Arbeiterschaft, wenn nicht für die gesamte, besorgt. Die Geschichte des ״Maschbir“ ist in vieler Beziehung charakteristisch für das Werden so mancher Werke und Institutionen der palästinensischen Arbeiterschaft und Palästinas überhaupt. Er wurde gegründet' um ökonomischer Ziele willen, die sich stark #nit sozialen Idealen mischten. Man wollte den Verkauf der Milch, des Getreides, Gemüses usw. organisieren, durch den gemeinsamen Absatz sich den Markt sichern und zugleich die nötigen Industrieprodukte gemeinsam beschaffen. Es galt, den städtischen Arbeiter mit landwirtschaftlichen Produkten zu versorgen und in gewissem Grade einen Austausch der verschiedenen Erzeugnisse zu bewerkstelligen. Also ein klarer ökonomischer Versuch, wie er in vielen Ländern gemacht wurde. Aber dieser Versuch wurde getragen von einer Reihe nicht nur wirtschaftlicher Erwägungen und Wünsche. In vielen der Wirtschaften war der Wunsch lebendig, sich mit diesen mannigfachen Geschäften, wie iiin der Absatz der Produkte darstellt, überhaupt nicht zu befassen. Man hatte genug mit seinem Betrieb zu tun, wollte sich damit begnügen, zu arbeiten und nicht noch Kalkulationen über die vorteilhafteste Art des Absatzes treiben. Noch auf der letzten Konferenz des ״Masehbir“ konnte man hören, daß die Hoffnung bestanden hätte, mit all diesen Dingen nichts zu tun zu haben. Eben dafür schuf man sich ein Institut. Dazu kam die mehr oder wenige klare Vorstellung von einem quasi autarken Wirtschaftskreislauf, in dem eine solche Genossenschaft ein wichtiges Glied bilden sollte. Im Laufe der Entwicklung bat nun der ״Maschbir“ bekanntlich neben diesen seinen engeren und wirklichen Funktionen noch andere erfüllt. Dadurch, daß von verschiedenen Seiten aus nicht mit Geld, sondern mit Anweisungen auf die Waren des ״Maschbir“ gezahlt wurden, entwickelte er sich in gewissen Perioden zu einer Art von Bank. Ein großer Teil der Arbeiter und Angestellten lebte lange von den ״Zetteln“ des ״Maschbir“. Er wurde so von einer Zentrale zum Austausch von Produkten zu einem Kreditinstitut und spielte besonders in wirtschaftlich schweren Zeiten eine wichtige Rolle. Daß unter diesen Umständen die Erfüllung seiner eigentlichen Aufgabe nicht gefördert wurde, ist selbstverständlich. Dazu kamen andere Komplikationen, wie Mangel an Betriebskapital und ähnliches, die im einzelnen auseinanderzusetzen hier zu weit führen würde. Und bereits seit langer Zeit ist der ״Maschbir“ ein Sorgenkind der Arbeiterschaft und der Zionistischen Organisation. Man hat verschiedene Mittel angewendet, um das Institut zu basieren und ihm die erforderliehe Form zu geben. Die Bemühungen sind noch nicht abgeschlossen. Unterdessen ist gerade in den Kreisen, die mit dem ,,Maschbir“ täglich zu tun haben, also bei den landwirtschaftliehen Produzenten und den städtischen Konsumenten die Unzufriedenheit mit der gegenwärtigen Lage beständig gewachsen. Und cs mußte klar sein, daß diese Unzufriedenheit auf der Konferenz scharfen Ausdruck finden würde. Die Vorwürfe, die man gegen den ״Maschbir“ im Lande erhebt, sind in der Hauptsache folgende: Der Produzent klagt über den nicht zufriedenzustellenden Absatz seiner Erzeugnisse, der Konmiment über eine mangelnde Befriedigung seiner Bedürfnisse. Die objektiven Gründe werden von allen Seiten anerkannt. aber zugleich verlangt, daß alles nur Erdenkliche getan würde, um die Komplikationen zu beheben. Auf der Konferenz wurde verhältnismäßig wenig Zeit damit verloren, darüber, was ist, Klage zu führen und man konzentrierte sich vor allem auf die Frage, was zu tun sei. Die Situation wurde erleichtert durch die vorhergehende Beratung der Produzenten, die mit einem ausgearbeiteten Plan geeint vor die Konferenz traten und ihn — ohne große Schwierigkeiten •— durchsetzten. Es handelte sich um die Teilung des ״Maschbir“ in die Abteilung zum Absatz der landwirtschaftlichen Produkte und die der Versorgung mit städtischen. Genau genommen ist es eine Dreiteilung. Der Abteilung für den Verkauf landwirtschaftlicher Produkte steht die der städtischen gegenüber (Produkte der städtischen Kooperativen) und schließlich treten als dritter Teil die Vereinigungen der städtischen Konsumenten auf, zu deren Einrichtung man ebenfalls die Leitung bevollmächtigt hat. Wie sich diese Umorganisierung des ״Maschbir“ in der Praxis bewährt, ist heute nicht zu sagen. In jedem Falle darf man sie als eines der Schlüsselprobleme ansprechen, das eine rationellere Handhabung und Geschäftsgebarung•• Verspricht. Aber dieser Schritt ist für die Oeflentjichkeit — noch von anderer §eite interessant und charakteristisch. Er ist eines der Anzeichen, daß sich innerhalb der Arbeiterschaft immer stärker die Erkenntnis durchsetzt, daß wirtschaftliche Institutionen wirtschaftlichen Gesetzen folgen müssen und daß trotz aller Besonderheiten Palästinas wir die Erfahrungen anderer Länder ausnutzen können und müssen. Man interessiert sich für den Aufbau von Konsumgenossenschaften in Europa, man hört immer mehr den Ruf nach rein wirtschaftlicher Orientierung. Mancher mag auf einer solchen Konferenz den Schwung vermissen und die schönen Reden über das Endziel. Aber es wird immer klarer, daß mit der Idee und nur mit ihr sich Gründungen durchführen lassen, daß aber eine Durchführung und ein Ausbau des Geschaffenen nur unter dem klaren und nüchternen wirtschaftlichen Gesichtspunkt möglich ist. , Das Problem des ״Maschbir“ hat noch eine andere, wenig beachtete Seite, die auch auf der Konferenz nicht zu ihrem Rechte kam, weil sie in der Hauptsache von den Produzenten und nicht von den Konsumenten beherrscht wurde. Das ist die Frage einer Versorgung des palästinensischen Publikums mit einwandfreien Lebensmitteln. Das ist ein Problem, das in heißem Klima und unter relativ schweren hygienischen Verhältnissen eine weit größere Rolle spielt als in kühleren Zonen und unter geordneten Bedingungen. Für die Juden ist sie besonders brennend, weil sie in der Akklimatisations/cit für Infektionen stark empfänglich sind und weil sie heute — wenigstens im neuen Jischuw — nicht mehr so fruchtbar sind, daß eine hohe Sterblichkeit für sie nur eine untergeordnete Rolle spielte. Bei den Arabern, die an das Klima gewöhnt sind uria große Geburtenziffern aufweisen, liegen die Dinge wesentlieh einfacher. Man hat diese Dinge im Lande bisher stark vernachlässig!, und erst in letzter Zeit beginnt man die Bedeutung einer einwandfreien Lebensmittelversorgung zu verstehen. Ueberhaupt konzentriert sich das gesamte Interesse auf die Produktion sehr zum Schaden der Lösung der Konsumfragen, über die sich eine ausführliche Darstellung in diesem Rahmen nicht geben läßt. Dem ״Maschbir“ könnte auf diesem Gebiete eine wichtige Rolle zufallen. Er ist für bestimmte Produkte, wie z. B. Milch, ein großer Lieferant und wirkt regulierend auf die Marktpreise. Eine beispielgebende Einrichtung seiner Läden und eine vorbildliche Lagerung und Verkaufsart seiner Waren würde schon aus dem Grande erzieherisch auf die anderen Verkäufer wirken, als sie unter dem Koukurrenzgesetz stehen. Ein nach europäischen Begriffen vorbildlich eingerichteter Lebensmittelladen bedeutet für Palästina, eine große Tat und es fragt sich, ob es heute schon einen einzigen!gibt. Eine so eingerichtete Verkaufsstelle des ״Maschbir“ an jedem Orte könnte ungeahnte Verbesserungen bringen. Heut liegt die Sache so, daß der ״Maschbir“ unter dem Druck der Verhältnissc und dem Mangel an Bargeld, noch oft hinter privaten Verkäufern zurücksteht und deshalb sein Kundenkreis relativ klein ist, was wieder — circulus vitiosus — auf seine Finanzen und Leistungsfähigkeit zurückwirkt. Zum Schluß ein Ausblick. Die Abtrennung der Verkaufsabteilung für landwirtschaftliche Produkte kann vielleicht auf den ersten Blick als eine harmlose organisatorische Umformung erscheinen. Möglich, daß sie es auch lange bleiben wird. Jedoch steckt hier der Keim für eine Entwicklung, die voraussichtlich kommen und die unserer nationalen Wirtschaft im Lande noch manche Frage zu lösen gehen wird. Hier bereitet sich die Organisierung der Produzenten gegenüber den Konsumenten vor. Es bestehen seit einiger Zeit Pläne zur Vereinigung des Milchverkaufs der nationalen und der privaten Siedlungen. Sie wird heute noch nicht durchgefünrt, weil die nationalen Siedlungen ihre besondere Organisationsform, nämlich den ״Maschbir“ halten. Es liegt jedoch in der Logik der Entwicklung, wie wir aus anderen Stellen kennen, daß sich die Produzenten weitgehend zusammen- X

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