Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXI (1926)
- Issue
- Heft 76-77 (29.9.1926)
- Date
- 1926-09-29
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 540 JUEÖISCHE RUNDSCHAU Nr. 76/77 Schapira-Leuten im Kampfe gegen die Anhänger des Dybuk- Austreibers ein Erfolg־ beschiedcn war. Unter den Anhängern des Schapira befand sich auch ein Rrauli.msbesitzer namens Wallach. Dieser war ein kräftiger Mann in den besten Jahren, wohlhabend, unabhängig und konnte, das stellte selbst unter den Anhängern des Schapira eine Ausnahme dar, deutsch schreiben und lesen. Er wird wohl die ״Glocke“ von Schiller und den ״Don Carlos“ gekau nt haben. Wallach war der Sturmbock im Kampfe gegen die Ulaszkowzer. Eines Tages begab es sich, daß Wallach auf neutralem Boden, im Schwitzbad, dröhnend erklärte, der Rabbi von Ulaszkow/e sei ein Betrüger und Schwindler, seine Dybuk-Austreibungcn seien leerer Humbug und man müßte ihn eigentlich wegen Betruges anzcigen. Unter den Schwitzgenossen befanden sich Ulaszkowzer Chassidim. Sic widersprachen und drohten dem Wallach, daß sie seine despektierliehe Acußerting ihrem Rabbi hinterbringen werden. Wallach hakte ein: Gerade darum hätte er das gesagt und es wäre ihm nur recht, wenn sie davon dem Rabbi erzählen würden. Das geschah tatsächlich. Einige Tage später erzählten diese Chassidim ihrem Rabbi den Vorfall im Schwitzbad. Der Rabbi schien darauf nicht zu hören. Wallach erkundigte sich bei den Chassidim, was der Rabbi entgegnet hätte. Diese erklärten, daß der Rabbi ihn, den Wallach, keiner Antwort würdig halte. ״Das ist der beste Beweis,“ entgegnetc Wallach, ״daß euer Rabbi Angst bat, sich mit mir zu messen. Er allein weiß am besten, daß er ein Schwindler ist, und darum traut er sich nicht, mir eine Antwort zu geben.“ Prompt wurde diese Acußerung dem Rabbi!unterbracht. Doch auch diesmal schwieg der Angegriffene. Wallach triumphierte. Am nächsten Markttag erzählte er, umgeben von einem Kreise von Schapira-Leuten und Czortkower Chassidim, von seiner Aeußcrung und der Weigerung des Rabbi von Ulaszkowze, gegen diese Aeußerung Stellung zu nehmen. Dieser Erzählung fügte er noch auf offenem Marktplatz angesichts zahlreicher Zuhörer eine ganze Anzahl von Beleidigungen und Beschimpfungen an die Adresse des Rabbi von Ulaszkowze hinzu. Die Affäre wuchs sich zu einem Skandal aus und ergriff weitere Kreise. Die Chassidim von Ulaszkowze begaben sich zu ihrem Rabbi und drängten in ihn, irgendwelche Maßnahmen gegen Wallach zu ergreifen, da sie es nicht dulden könnten, daß ihr Rabbi in aller Öffentlichkeit ungestraft derartig beleidigt werde, wie cs durch Wallach in Czortkow geschehen sei. Insbesondere, erzählten die Chassidim ihrem Rabbi, hätte Wallach die Fähigkeit des Rabbiners bezweifelt, Dybukim auszutreiben; ja, er wäre soweit gegangen, die Existenz von Dybukim zu leugnen. Schweigend hörte der Rabbi von Ulaszkowze die Klagen seiner Anhänger an. Halb verlegen, halb verärgert sagte er, Wallach möge sich in acht nehmen, daß nicht ein Dybuk von ihm Besitz ergreife. Frohfockend erzählten die Chassidim in Czortkow von der Aeußerung des Rabbis. Aber sie waren an den Unrechten gekommen. Als die Nachricht von des Rabbis Aeußerung zu Wallach gelangte, so hatte dieser nichts Eiligeres zu tun, als am nächsten Markttag öffentlich zu erklären, er sei bereit, in sich einen Dybuk hineintreiben zu lassen und wenn sich der Rabbi weigere, das zu tun, so werde dadurch restlos der Beweis erbracht sein, daß er ein Schwindler und Betrüger sei. Wiederum flog eine Chassidimstafette nach Ulaszkowze, 11m dem Rabbi von der neuen Verhöhnung Ktihde zu geben. Der Rabbi befand sich in einer Zwangslage. Sein Ansehen bei den eigenen Chassidim stand auf dem Spiel. Er überlegte lange und ließ dann durch seine Chassidim dem Wallach mitteikn, daß er bereit sei, ihn von einem Dybuk besessen zu machen, wenn er, Wallach, den Mut aufbringen würde, nach Ulaszkowze zu kommen. Wallach erklärte sich bereit und fraglich blieb bloß der Termin, an dem die Prozedur des Dybukhineintreibens vor sich gehen sollte. Die hohen Feiertage nahten heran. Der Wunderrabbi von Ulaszkowze erklärte, daß er bereit sei, am Rosch Haschanah Wallach zu empfangen. Er tat das, weil er annehmen mußte, daß Wallach gerade des hohen Feiertages wegen nicht von seinem Wohnorte werde verreisen wollen, da er in Ulaszkowze keine Möglichkeit haben würde, mit einem Minjan zu beten, da ihn die Chassidim doch nicht in eine ihrer Klausen hineinlassen dürfen. Wallach aber erklärte sich mit dem Termin einverstanden und sagte, er werde nicht allein kommen, sondern mit einem Kreise seiner Anhänger und In Ulaszkowze ein eigenes Minjan veranstalten. Dem Rabbi von Ulaszkowze tat der Vorschlag leid und er erklärte, daß er am Rosch Haschanah den ״verstockten Misnagid“ nicht empfangen könne. Wenn Wallach jedoch Mut habe, dann solle er am Jom Kippur kommen. Nun muß man sich vor Augen halten, was Jom Kippur im Bewußtsein von Ostjuden bedeutet. Jom Kippur ist für jeden Juden im Osten, sei er nun Chassid oder Misnagid, ein furchtbarer, ein langer, ein Gerichtstag. Auch Wallach war zuerst von dem Vorschlag, am Jom Kippur in Ulaszkowze zu erscheinen, um sich der Prozedur zu unterziehen, einen Dybuk aufzunehmen, bestürzt. Aber er faßte sich bald, erklärte sich mit diesem Termin einverstanden und sagte überdies, daß der Rabbi von Ulaszkowze durch ein weiteres Verzögern nur dartun würde, daß er ein Betrüger sei. Der Rabbi war in die Enge gedrängt, und schweren Herzens erklärte er den Jom Kippur als endgültigen Termin für die gerechte Bestrafung des Verleumders und Schmähers. So geschah es. In Begleitung von zwanzig Schapira-Leuten und einer Musikbande begab sich Wallach Erew Jom Kippur auf mehreren Fuhrwerken von Czortkow in das ungefähr 10 Kilometer entfernte Ulaszkowze. Im Hause eines ji'idisehen Schankwirtes etablierten die Czortkower Ritter ohne Furcht und Tadel ein Minjan und harrten in größter Spannung auf die Pause zwischen Schachrith und Mussaf am Jom Kippur, während welcher die zwei Lager, der Rabbi und seine Anhänger sowie Wallach und seine Begleiter einander treffen sollten. Vor der Pause erschien im Lager der Zugereisten ein Vermittler und legte Wallach nahe, von seiner Forderung auf den Dybuk zurückzutreten. Wallach aber wollte nichts davon hören: ״Der Rabbi hat mir einen Dybuk versprochen; ich will meinen EHbuk haben.“ Das war sein letztes Wort und dabei blieb es. im Hofe des Rabbi von Ulaszkowze fand die Begegnung statt. Der Rabbi und die Chassidim sowie Wallach und seine Begleiter alle in Sterbekleidern. Das Lager um den Rabbi hundertmal an Zahl größer als das kleine Fähnlein um Wallach. Beide Parteien leichenblaß und ernst. Hochaufgerichtet trat der Rabbi aus dem Kreise seiner Anhänger und wandte sich an Wallach: ״Zum letzten Male fordere ich dich auf, deine Beleidigungen zurückzunehmen und um Verzeihung zu bitten. Dann will ich auch dir verzeihen und dich nicht bestrafen.“ Wallach schüttelte verneinend mit dem Kopf. Drohend fuhr der Rabbi fort: ״Heute ist Gerichtstag auf der Weit. Geh in dich, sich deine Sünde ein und widerrufe!“ Leichenblaß schüttelte Wallach wieder mit dem Kopf. Mit Donnerstimme setzte dann der Rabbi fort: ״Da du nicht widerrufen willst, sollst du bestraft werden!“ Und nun wurde eine von einem Dybuk besessene Frau herangeführt und Wallach gcgenübergcstellt. ״Oeffne den Mund“, gebot der Rabbi dem Wallach. Dieser tat nach des Rabbis Geheiß. Dreimal mußte nun die Besessene Wallach ins Gesicht spucken. Als das geschehen war, donnerte der Rabbi Wallach an; ״Nun, du Sünder, hast du einen Dy buk in dir und unruhig und unstet wirst du nun fortan sein.“ Lähmendes Entsetzen faßte die ganze Umgehung. Frauen sanken in Ohnmacht, Kinder kreischten auf, alte erwachsene Männer stöhnten. ״Rabbi, seid ihr fertig?“ tönte in die allgemeine Erstarrung die Stimme Wallachs. ״Ja, du Scheigcz“, lautete die Antwort des Rabbis. Lind nun ereignete sich vor hunderten Augen das nachstehende, wohl einzig vorgekomtnene Schauspiel: Wallach drehte dem Rabbi den Rücken, hob den Sterbekittel und den Kaftan und sagte mit lauter Stimme: ״Jeschukeni“. . . Sagte es und ging davon, hinter ihm seine Begleiter samt den Musikanten. Nach Neilah und nach eingenommenem Festmahl trat Wallach unter Vorantritt der spielenden Musikanten den Heimweg nach Czortkow an. Tanzend und singend marschierten sie die ganze Nacht und kamen vor Morgengrauen nach Hause. Die Nachricht von dem Vorfälle in Ulaszkowze verbreitete sich mit Windeseile in der ganzen Gegend. Das Ereignis bildete den Anfang des Niederganges des Rabbi von Ulaszkowze, der einige Jahre später die Gegend verließ. In ihm und mit ihm aber wurde auch der entartete Wunderglaube getroffen und die Dämmerung einer neuen Zeit brach im Lande an. Umberto Saba Rabbi-Bagni, Trenfino, Sommer 1926. Die neuere und allcrneueste Dichtung und Literatur Italiens ist vom jüdischen Einfluß wenig berührt. Ich möchte hier auf einen lebenden, lebendigen Lvriker lu'nweisen. Er beißt Umberto Saba, und eigentlich hat er nur eine jüdische Mutter. Seine Versbücber nennen sich ,.J 1 Canzoniere“ (Triest 1921) und ״Figuree conti“ (Mailand 1926). Es sind Gebilde zeugungskräftiger Inspiration. Aus ihrer vielseitigen Gesamtheit läßt sich ein psychologischer Roman lierauslescn, samt intimen Krisen. Ergriffenheiten, Zweifeln und Kämpfen. Triest ist darin: mit Straßen, Häusern, Cafes, Hafen, Slaven und Italienern. Und mit dem jüdischen Friedhof. Umberto Saba gedenkt seiner Altvordcren, der Urspielc seines Blutes — auf dem Friedhof, und wenn er von Frauen spricht. Vorn weltunmittelbaren Leben jenes Volkes weiß er nicht viel. Und doch ist ehrlich Jüdisches in diesem Poeten. In seiner Einstellung zu Jahrtausenden der Vorzeit, in seiner Andacht zu Frauen — zu diesen Gemmen, Chiaretten, Paoiinen. Zu seiner warmen Sinnlichkeit und seiner erschrockenen Keuschheit. Plötzlich sieht er in einem modernen Triestincr Fräulein die wachgerufene Sage, die ewig junge Urahnin, das unausschaltbare Mädchen der Bibel. Auch wie er mit seinem Kind, einem fünfjährigen, feingliedrigen Mädelchen die Welt neu, unbewegt, unmittelbar Seht, und wie er in diesem Kinde schon das Unterirdische, das heimliche Weibwerden ahnt, das empfinde LeW als jüdisch. Und selbst diese etwas erzwungene Klassizität, die wirsche Unbestimmtheit, der Verzicht auf farcenhaftes Aesthetenium, Futurismus, Neubarbarismus, das fast allzu Apollinische, Pctrarc’eske kommt mir unausdenkbar und geistesverwandt vor. Vielleicht, daß Umberto Saba (heute über 40 und dem Leben ungläubig-gläubig zugewandt) den Versuch macht, die halb unwirklichen ״Alten“, aas Volk seiner Mutter bei leuchtender Helle kennenzuiernen. Das liegt glücklicherweise auf keinem romantikblassen, halbgespensterischen Kirchhof begraben. Das war verstört, verfallen und vielen seiner Kinder nur noch Symbol. Und lebt, wie nur irgend die rastlos vortastenden Italiener und Jugoslaven. fch glaube: Von dieser realen Bekanntschaft würde UmbertoSaba zutiefst profitieren. Und das wäre auch für uns gut: denn er ist ein echtes und edles Talent, eine angenehme Begegnung im Chaos der Zeit. Arthur Sakheint. Aisgrabnngei Unter der Leitung von Dr. Mayer, Beamter des Antiquitätendepartements der Regierung, und von E. L. S u k e n i k, Vertreter der Jewish Exploration Society, wurde ein vollständig erhaltener Teil des Fundaments der Dritten Mauer (Agrippa-Mauer) von Jerusalem in der Breite von vier Metern zugleich mit den Ruinen eines großartigen Baues aus der byzantinischen Periode ausgegraben. Die ersten Spuren dieser Mauer wurden bekanntlich im August vorigen Jahres entdeckt. Man bemüht sich jetzt darum, die Verbindung zwischen der Dritten und der Zweiten Mauer ausfindig zu machen. Diese Ausgrabungen ermöglichen eine Rekonstruktion der. Dritten Mauer in der Länge von 500 Yard laufend vom Dominikaner- Kloster St. Stephen bis zum russischen Platz. Der gesamte nördliche Teil der Mauer ist jetzt freigelegt worden. Bei den Bauarbeiten, die in der jüngsten Zeit auf den Böden des Keren Kajemetli Lejisrael und der American Zion Commonwealth im Emek Jesreel ausgeführt wurden, entdeckte man verschiedene historische Altertümer, wie Münzen, Geräte, Waffen usw. Diese Funde stammen aus der Zeit der Könige und sind fast alle jüdischen Ursprungs. — Die archäologische Gesellschaft in Jerusalem hat in einem Aufruf an die jüdischen Bewohner und Arbeiter im Emek gebeten, mit allen Funden sorgsam umzugehen und sie sofort von allen neuen Ausgrabungen in Kenntnis zu setzen. _ Der jüdische Arbeiterdichter Morris W i n t s c 11 e w s k y , den man den ״Vater des jüdischen Sozialismus“ nennt, feierte vor kurzem seinen 70. Geburtstag. Aus diesem Anlaß widmete ihm die Presse i!1 Rußland zahlreiche Aufsätze. Wintschcwsky, der 1856 in Janowo, Litauen, geboren wurde, nahm von früher Jugend an an der sozialistischen Bewegung in Rußland teil und mußte seine Betätigung vielfach mit Kerker büßen. Er ging dann nach Amerika, wo er die jüdische sozialistische Bewegung begründen half und sich durch seine Arbeiterlieder einen Namen machte. 1924 kam er auf Einladung der Sowjetregierung nach Rußland und wurde hier mit militarisehen Ehren empfangen. Die Regierung setzte ihm eine lebenslängliche Pension aus. 1925 kehrte er nach Amerika zurück, wo eine Gesamtausgabe seiner Werke erscheint. Rabbiner Prof. Dr. Felix Perl es Königsberg, ist auf den Lehrstuhl für Bibclwissenschaft am Judaistischen Institut der Hebräischen Universität zu Jerusalem berufen worden. Professor David K r c 1 n, einer der berühmtesten Geiger in Rußland, ein begabter jüdischer Komponist, hat seinem Leben freiwillig ein Ende bereitet. In Jerusalem Ein Bruchstück aus dem soeben in Jerusalem erschienenen Roman ״Tage und Nächte“. Von Nathan B i s t r i t z k i. ... Unglücklicherweise traf es sich, daß Uri nicht zu Fuß nach Jerusalem hinaufpilgerte, sondern mit der Eisenbahn fuhr. Stets hatte er sich — aus Kindheitseindrücken heraus - vorgenommen, einen hohen Berg zu ersteigen und von dort aus mit einem Blick die ganze dort in der Tiefe unerwartet dalicgende Stadt zu umfassen. Als jedoch der Zug hielt, sah Uri nacheinander durch sämtliche Fenster hinaus, als erwarte er einen Verwandten, Jerusalem war nicht da; es gibt kein Jerusalem. Der Weg in die Stadt war entwürdigend. Es schien, als müsse man Jerusalem suchen gehen, als habe sich die Stadt zwischen Sand, Felsblöcken und einer Unmenge Staub verloren. Gegen Abend jedoch — als die Dämmerung hervorkroch gleich einem Raubtier, das sich über die Reste des Tages hermacht, und lichte Fäden die Tiefen der Luft so perlengleich und zart durchwobcu, als sei nur zehn Schritte weit Schabbat; und als plötzlich der Abend erstand mit seinem glimmenden Monde, der auf die Stadt herabgleitet wie eine Krone vom teuren Haupte eines Besiegten, mit der Stille,’die einzig wie Glück und Kummer, von Gasse zu Gasse wandelt und crbarmungsvoll jedes Tor, jede kühle Schwelle mit ihrem Hauche berührt — gegen Abend spürte Uri schon jene buntfarbene Stadt, die er stets in Miniatur wie in einer Seifenblase vor Augen gehabt hatte. Am nächsten Morgen zog Uri in aller Frühe hinaus, mutigen Herzens Jerusalem zu suchen. Anfangs schritt er aufrecht dahin, wie einer, der seinen Weg kennt und noch einen laugen Tag vor sich hat. Um die Morgenstunde erhebt sicli ganz Jerusalem auf den Flügeln eines zarten Glanzes, und die Schornsteine rauchen hier und dort in der Tiefe der Stadt wie Opferstätten. Doch allmählich begann der Wanderer seinen Schritt unwillkürlich zu beschleunigen, als rollte sein Körper einen Abhang hinunter; reichlicher Schweiß rann ihm in ätzenden Strömen unter die Bluse, und die Lunge sog den Staub ein, den Staub von Generationen, der einen in seiner Süße m:t mütterlichem Kitzel ersticken kann. Die neuen Wohnviertel lagen wie endlos lange Korridore vor ihm; man geht und geht immer weiter, durch bis auf den Grund zerstörte Tore hindurch, und kommt immer noch nicht in die Stadt hinein. Aber die Stadt ist doch vorhanden. Durch zarten strahlenden Purpur hindurch schwebt vor dem gjanzgebieiidcten Auge die buntfarbige, wie im Traum erstarrte Stadt mit ihren weißen Straßen, die wie flehende Anne in Wcltenwcite emporgereckt sind; und auf der Stadt, auf ihren Türmen, ihren Felsen und den Stufen ihrer Dächer liegt Staub gleich mattem antikem Golde. Als nun Uri, pfeilschnell auf der Jaffaer Straße dahineilend, allmählich gleichsam in die Altstadt hinunterfiel und dabei am ganzen Körper das Empfinden hatte, als dränge er in eines Lebenden Fleisch ein — da spürte er in den plötzlich auftauchenden, am hellichten Tage nächtlichen Gassen, die sich untereinander gleich dem Gewebe einer antiken Schrift verknäulen, daß Jerusalem von selber in ihm aufstieg, wie die Wasser eines Sammelbeckens in ihrem Rohre. Es war angenehm, so unter Verheimlichung seines ganzen Seins als kleiner unbedeutender Judenjungc in der zerstörten Stadt dy Kindheit umherzuwandeln. Mit staunender Angst blickte er in die Gesichter der Tarbusche und Turbane tragenden Menschen, die Gefallen daran fanden, hier zu wohnen, in dieser Stadt, die Tag und Nacht irgendein stummes Fest eines hellsichtigen Blinden feiert... Vermummung, nichts als Vermummung ringsum! Als Uri während der nächsten Tage in de* Stille der lärmenden umherstreifte, lauerte er manchesmal in einer Artschmerzlicher Neugier all den armseligen Geschöpfen auf, welche die stets mit offenen Augen schlafende Stadt aniüllen, ihre freien Plätze, ihre Tore, ihre überwölbten Gassen. Diese armseligen Gcschöpfe trugen am Saum ihrer vom gelben Staube schweren Gewänder das Geheimnis der Stadt mit sich herum, das Oeheimnis der Herrschaft über die verwüstete Stadt. Stundenlang ging er Lastträgern nach, deren Gesichter aqssahen, als seien sie aus trockenem, stark gebranntem Lehm gemacht, und die auf ihrem Haupte fremdes Gut tragen; und seine Augen sogen mit Begierde die schmierigen Schweißströme ein, die in den Furchen von Stirn und Wangen wie dunkles verborgenes Salböl dahinrannen, den Davidsturm ergießt; wenn in all den immer höher ins Abends, wenn der gefolterte Mond sein weißes Blut über Weltendunkel emporsteigenden Gassen die Gesichte der um Gottes willen Gefolterten einherschweben; wenn sich die Menschen, innerhalb der Mauer verzaubert, traumumsponnen bewegen; wenn Lautredende attssehen als flüsterten sie, und Zweie die gesellig beieinander stehen, als nlanten sie aui freiem Platze eine Verschwörung — abends pflege Uri in dunklen Gassen einsamen dunklen Blinden zuzuhören, die behaglich die Geschichte ihrer Armut erzählen, die ihre Armut in der köstlichen adligen Sprache Arabiens singen: ״Ich bin hungrig, mein Lieber, ich bin hungrig. Für einen halben Piaster kaufe fch mir einen Laib Brot, esse zu Abend und werde satt. Erbarme dich meiner, mein Lieber, erbarme dich meiner.“ Und die feuchten Steine unter den Torbögen hallen beim Klang der düsteren Stimme wieder, wie im Tore eines Tempels. Morgens mischte sich Uri unter Frauen mit wirren Haaren und offener Bluse, mit erloschenen Augen und nackten, ach so dürren Beinen — Frauen,, die sich selbst im Glutofen der Sonne braten ließen und bei dem geschlossenen Wasserhahn der durstigen, dürr-wüsten Stadt mit leeren Blcciieimem klapperten. Mittags streckte sich Uri auf Türschweilen und in Eingängen auf Steine hin, breit und glatt wie Altarsteine, inmitten eines Haufens blinder Bettler, die an den Eingängen der Stadt des Ewigen Reiches lagern, als erwarteten sie den Mnschiach am Tore, damit sie nicht auch diesmal, wenn de! Erlöser kommt, die Betrogenen blieben — und in der Glut des Mittags schlummern. Und auf den leeren Plätzen Jerusalems, auf öden Plätzen im Herzen der Stadt, wie staubbedeckte Oelbäume wie eine Oeineinde kleiner, krummbeiniger, verkrüppelter Heiliger stehen dort traf Uri im goldenen Glanz der Sonne dunkle Fd'achinnrn. die mit ihren dunklen Händen kostbaren, dunklen Ziegenkot aufsammeiten, und ihr Rücken rundete sich wie die Kuppeln der Herrlichkeit in Jerusalem. O diese freien Plätze im Herzen Jerusalems, dieses gelbe Fleisch Jerusalems! Schwei gend steigen Raben darauf hernieder, stumm entringt sich innen der Schrei des Dorngestrüpps, lautlos treiben sich magere Hunde auf ihnen umher, fern über ihnen wölbt sich der Himmel. In strahlender Morgenstunde glänzen sie betaut wie ein glückfeuchte.; Atr: 's so’lte hier, auf diesem Fleck, die zerstörte Gottesstadt wieder erbaut werden; am sengenden Mittag hüllen sie sich in ihre Schatten wie in ein Gewand, als sei einst hier, auf diesem Flecke, die Gottesstadt zerstört worden. Hier, auf den leeren Plätzen, zwischen Felsen und Dorngestrüpp, spürte der glühheiße Fuß, was Abraham dei Hebräer spürte, als er den Berg Morijah suchte. Hier wurde es int Innersten klar, daß alle Gebäude, die ringsherum schon aufgerichtet worden waren, und noch in Zukunft aufgerichtel werden sollen, niemals auch nur den kleinsten Zug fort nehmen können von der reinen Vision der gleich einer er• babenen Schöpfung vollkommenen Zerstörung... (Aus dem Hebräischen von A. Joel.) Nr. L 11 i: I n d ü £ Sch sohn 1 stream“ Amerik; dem A! den De bessere! durch / überall es gew und hie Ma geren 1 Auch k Bücher, Einige Sie wa mal voi etwas; Bemühe und sei kommet vertraut daß cs cinzuleg der ziot Wie fällte, ו Boden 1 er sola fn ihm Streben, mit Exp Sehnsuc! bens, d Cs schi׳!and wi Amerika barbaris Hier un gleichun und Mä vvar au! ihm auf Die schriebe! machen, quellen, solcher ' gewordc unserer digkeit gewinne während Instinkte Frieden, krumm, sind uns paßt gu seiner F ״brauner treten, 1 Es i und Kei zu so ai scheide, packt, zc ja noch Volkes ן Laster, c die man wenn wi der Gefa anzunehn sollte sa bei uns samkeit, uns wacl Wir und hofl schlimm, Propagar ketten e Herzen י zu gewii Betracht; streuen, ist besic ist, zu se langem viel sehvv eines so] schrieben Der Oppositfc Auflagen. רל טוב In die H Juden da listina Z1 und des dismus ui für diese den Volk! umfassen( Sprache, verwurzel soweit e! gestanden torischem In V& unseres \ Volk gera Aber Gei Hort; wi Erbe aus der Propl lieh andei nuität de lästinas i! denkt Der \ Worte ge