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Jüdische Rundschau · 1926-09-29 · Heft 76-77 (29.9.1926) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXI (1926)
Issue
Heft 76-77 (29.9.1926)
Date
1926-09-29
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 544 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 76/77 Nr 7« 7' Senator Robinson ans Litauen, wieder die Gabe, ohne Kunst- Iichkeit alle die Seiten anzurühren, die gemeinsam in Nord, West und (.)st anklingen. — Er forderte KuHüratitonomie, Recht auf eigene Schulen und als Mittel dazu die Errichtung von besonderen Katastern, die über die Zugehörigkeit zu einer kulturellen Gemeinschaft maßgebend sein sollen.“ Der Artikel schließt mit einer Anerkennung für Leo Motzkin, den ־/ionisiisrheu Führer der jüdischen Delegation. ,,Glücklich umschrieb Motzkin die Aufgabe des Kongresses: ״Was wir schaffen müssen ist ein Sitfiichkeitskodea der Völker.“ Die demokratische ,,Frankfurter Zeitung“, die den Kongreß in mehreren Artikeln behandelt, äußert sich zunächst kritisch zu gewissen Ausführungen Dr. Schiemanns und seiner Tendenz, nationale und religiöse Toleranz in eine Linie nt stellen. ״Nation und Religion sind in ihrer Beziehung 711m Individuum sehr verschiedene geistige Mächte. Der nationale Gedankt• ist auch unbewußt seit Jahrtausenden, bewußt in der neueren und neuesten Zeit, staatenbildend gewesen. Man kann ihn sieh kaum hinwegdenken, ohne daß die Staaten zu leerer! bürokratischen Gerüsten werden. Aber freilich, in demselben Maße, in dem nach und nach ein gemeineuropäisches Solidaritätsgefühl entstände, würde das nationale verblassen, und dann käme auch wohl der Tag, an dem die nationalen Fragen, auch die Minderheitenfragen im jetzigen Sinne keine Rolle mehr spielen würden.“ — Man kam? diese Auffassung auch vom' zionistischen Standpunkt aus gelten lassen; denn sie bedeutet, daß es dann keine unterdrückten und keine herrschenden Völker mehr geben würde, daß zwar nicht die nationalen Gemeinschaften, aber die nationalen Gegensätze verschwinden würden. Und ebenso darf■ man dem Blatt recht geben, wenn es weiter unten fortfährt: ״In einem Betracht hat Schiemann ganz recht, und damit ist auch ein Fortschritt gegenüber der alten Staatsauftassung bezeichnet. Das Volkstum endigt nicht mehr an den Staatsgrenzen, wie noch nach den Doktrinen des Bismarckschen Kieindeutschland. Die Minderheiten erheben den Anspruch — und mit Recht —, daß sie nicht weniger zu ihren Völkern gehören, als die von den Grenzen der Nationalstaaten umschlossencn Mehrheiten. Volkstum ist mehr als Staat, sagte uns vor Jahr und Tag ein Führer der Deutsch-Ungarn. ״Der Staat, das kälteste der kalten Ungeheuer, klirrend im Schmuck göttlicher Ehren“, wie ihn Nietzsche nannte, soll wieder durch lebendige Völker verdrängt werden.... Solidarität der Völker — Einigung Europas — lebendiges Volkstum — Kulturbetätigung frei von Staatsfesseln: Es sind Zukunftsgedanken, die hereinwehten.“ Auch die .,Frankfurter Ztg.“ verzeichnet die jüdische Mitarbeit als ein Aktivum der Tagung. Das demokratische ״Stuttgarter Neue Tagblatt“ spendet dem Kongreß hohes Lob. Der Kongreß komme immer mehr aus dem Peripherischen zum Kernpunkt der europäischen Politik. Insbesondere wird auch das Auftreten der jüdischen Delegierten gelobt, insbesondere das organisatorische Geschick des Zionisten Dr. M a r g u 1 i e s, der sich mit der Regelung von Streitigkeiten zwischen Regierung und nationalen Grnpnen beschäftigt und die diesbezüglichen Resolutionen veranlaßt und verfaßt habe. Das ,,Darmstädter Tageblatt“ bringt eine Unterredung mit Dr. Schiemann, der insbesondere für die Möglichkeit eintritt, ״daß die Minderheit eines Landes beim Völkerbtind Klage über die Behandlung der Minderheit in irgendeinem anderen Lande führt, — falls letztere sich in einer derart unterdrückten Lage befinden sollte, daß sie von sich aus selbst an die Völkerbundsinstanzen nicht herankommen kann. Eine Handhabe hierzu bot ein Präzedenzfall dqs letzten Jahres, als nämlich in England ansässige Juden beim Völkeround über die Behandlung der Juden in Ungarn klagten, und diese Prozedur der Klageführung seitens des Völkerbundes formell anerkannt wurde.“ Herr Dr. Schiemann führt dann weiter in einer seine Auffassung vom Staat besonders charakteif^erendea':Weise :׳aus.: •■j,Weai»־:Ä sieh; auch nätirHch um eine Ideologie handelt, deren praktische Konsequenzen erst in einer sehr fernen Zukunft gezogen werden können, so ist doch der eine von mir ausgesprochene Gedanke gerade durch unsern Kongreß.in Fluß gekommen, die Schaffung der von Grenzen unabhängigen Volksgemeinschaften. Daß das Volksbewußtscin keine staatlichen Grenzen zu kennen braucht und daher keinerlei imperialistische Tendenzen verfolgen kann, bedeutet einerseits eine Vertiefung des nationalen Gefühls für unser Deutschtum, ist aber auch eine Sicherung des Friedensgedankens und ein Weg zum einigen Europa.“ Die ״KönigsbergerAllgemeine Zeitung“ gibt billigend eine Aetißerung Motzkins, der als Vertreter der ״ältesten Minderheit“ bezeichnet wird, wieder, der die Lösung des Minderheitenproblems geradezu die Voraussetzung der höchsten staatlichem Kraftentwicklung genannt habe. Ebenso nimmt das Blatt zustimmend zu der Anschauung Schiemanns Stellung, daß der Staat als solcher unnational zu sein habe, daß Religion wie Nationalität Gewissensangelegenheit sei und der Staat in die Abtrennung der Kulturpflege willigen müsse. Das Blatt unterstreicht die Aeußerung Schiemanns, daß! die Verklammerung der Staaten durch die Minderheitengruppen die beste Sicherung von Frieden und Völkerverständigung sein könne, eine Auffassung, die gerade vom jüdischen Standpunkt uncl vom Standpunkt jüdischer Solidarität ein besonderes Interesse hat. Der ״Vorwärts“ bringt einen Aufsatz eines Vertreters der polnischen Minorität in Deutschland, der sich mit den Ergebnissen des Kongresses identifiziert und besonders die Tatsache hervorhebt, daß es Deutsche waren, die wesentlieh an der Schaffung der geistigen Grundlagen des Kongrosses milgearheitot haben. — Diesen Presscäußeriingen. in denui der Hauch einer neuen Zeit verspürbar ist, stellen wir die Ausführungen eines Blattes gegenüber, in dem jene Vorkriegsgeneration tonangebend ist, deren Verständnislosigkeit für geistige und polifische Entwickungen im Weltkrieg eine blutige Quittung erhalfen hat: ״Die Beglückung (mit einer nationalen Autonomie) wäre überdies eine furchtbare Last.... Ich wenigstens kann mir keinen Staat vorstellen, in dem die Majorität bereit sein würde, auch jene Lasten tragen zu helfen, die den Liebhabereien der Minoritäten ihre Entstehung verdanken.... Und bis zu welcher Grenze geht die Autonomie? Die großen Ent- Scheidungen im Leben der Völker bringen schließlich die Existenzkämpfe; Existenzkämpfe nach außen, die wir Kriege nennen, und Existenzkämpfe der Massen im Innern, die wir in ihrer letzten Zuspitzung Revolutionen nennen. Sobald die politische Entwicklung zu letzten Konsequenzen sich auswächst, zerbricht die schattenhafte Autonomie... Der Verfasser dieses Aufsatzes hat seit 1914 nichts ge- , lernt und nichts vergessen. Kriege und blutige Revolutionen sind für ihn Notwendigkeiten. <!!־' r hi' in-f, und zu deren Verhinderung er keineswegs etwas Ernsthaftes zu tun gedenkt. Die Geltendmachung der selbstverständlichsten und natürliebsten Menschenrechte, wie sie die ״Germania“ nennt, ist für ihn eine ״Liebhaberei“ der Minoritäten. Dem Idol des Staates, wie er ihn auffaßt, oeifert er gern das nationale Eigenleben der lettländischen Deutschen oder die kulturelle Freiheit der Juden in Litauen. Wer vertritt in der Beurteilung des Minderheiten- Problems einen so eigenartigen Standnunkt? Es ist Dr. Paul Nathan, und das Blatt ist die ״C. - V. -Zeit!! n p“. Bis zu welchem Grade sich im Gegensatz zu dieser ״deutsch-jüdischen“ Anschauung die wahrhaft deutsche Presse mit den Ergebnissen der Minoritätentagung identifiziert, zeigt der Widerhall, den eine Resolution des Minoritätenkongresses gefunden hat, die ״jeden Verzicht nationaler Gruppen auf Minderheitsrechte, welche ein integrierendes Grundrecht jeder nationalen Gemeinschaft sind, für null und nichtig und den Versuch von Regierungen, einen solchen Verzicht zu erwirken, als Vorstoß gegen die öffentliche Moral“ erklärt. Der Minoritätenkongreß konnte dabei auf einen gleichartigen Beschluß der Völkerbundsversammlung vom 21. September 1922 hinweisen. Es ist klar, daß diese Resolution durch den kürzlich erfolgten Verzicht der türkischen Juden aut ihre Minderheitsrechte veranlaßt worden ist. Dieser Verzicht wurde durch die türkische Regierung unter Mithilfe einiger prominenter Assimilanten von der türkischen Judenheit erpreßt. Der Central-Verein und die ״Jüdisch-liberale Zeitung“ haben begeistert in diesem ״Verstoß gegen die öffentliche Moral“ einen Sieg i h r e r Idee gefeiert! Herr Dr. Paul Nathan dürfte als Sozialist Sinn für zwangsläufige Entwicklungen haben. Konnte es einen Augenblick so scheinen, als sei die Bewegung der Völker rückläufig geworden, und als sei die Zelt des reaktionären Geistes im Judentum noch nicht vorüber, so wird er, hoffen wir, sich bald eines Besseren belehren lassen müssen. Der neue Staat und mit ihm Friede und Freiheit sind auf dem Wege. Er wird Schwierigkeiten und Rückschläge zu überwinden wissen und schließlich über jene Ideen triumphieren, die soviel Unheil über die Menschheit gebracht haben, und die in die Schreckenskammer der Geschichte gehören, wo ihnen ihre unentwegten Anhänger ruhig weiter pietätvolle Huldigungen darbringen mögen. Der Anttsemitisnns in Ungarn Budapest, 21. September. (J. T. A.) Der ungarische Wohlfahrtsminister und stellvertretender Ministerpräsident Dr. Josef V a ß erklärte in einer längeren Unterredung mit dem Vertreter der J. T. A., Jacob Landau, u. a. folgendes: Die antisemitische Bewegung Ungarns speist sich aus drei Quellen: 1. hat der übergroße Anteil und die bedeutenden Positionen, die die Juden in Handel, Finanz und Industrie erworben haben, dazu beigetragen, eine antisemitische Bewezu entfachen; 2. haben nicht alle ungarischen Juden den Zustrom von neuen Tausenden jüdischen Emigranten, die vor und während des Krieges ihren Weg nach Ungarn fanden, abzuwehren gesucht. Es ist wahr, daß eine Anzahl Juden die Gefahr erkannten (?! Red.) und Abwehrmaßnahmen trafen, aber die Nichtjuden, die sich mit der von aTtersher eingebürgerten und eingesessenen jüdischen Bevölkerung ab gefunden und sich an sie gewöhnt hatten, konnten nicht die gleiche Empfindung den Tausenden von jüdischen Emigranten oder Flüchtlingen entgegenbringen, die damals ins Land geströmt waren; diese haben viel zur Stärkung der antisemitischen Bewegung beigetragen. 3. der übergroße Anteil, den die Juden an den r a d iTc a I e n Bewegungen nehmen. Es ist wahr, daß die Juden in allen Parteien zu finden waren, aber in keiner anderen Partei haben sie einen so starken und führenden Anteil wie in den radikalen Parteien. Um dieses zu illustrieren, will ich nur darauf verweisen, daß, während die Juden bloß 5 bis 6 Prozent unserer Bevölkerung darstellen, in der Führung der radikalen Parfeien 50 Prozent der führenden Personalstellen Juden waren, so ist es klar, daß dies ein Uebermaß darstcllt Dennoch hoffe ich, daß mit der weiteren wirtschaftlichen Erstarkung des Landes die Juden und die Ungarn so wie früher in!Eintracht Zusammenleben werden, um so mehr, als die alteingebürgerten Juden Ungarns in den Nächkriegsjahren politisch bedeutend behutsamer und klüger Vorgehen und der überwiegende Teil der ungarischen Juden nichts sehnlicher wünscht als ein starkes und normal verlaufendes politisches Leben, friedliche Verhältnisse und Raum und Ruhe für aufbauende Tätigkeit. * Die Budapester Israelitische Kulturgemeinde hat der Regterung ein Memorandum überreicht, in welchem die Frage des Numerus clausus-Gesetzes und die Reform des Oberhauses in Verbindung mit der Forderung nach־ einer jüdischen Vertretung in dieser Körperschaft behandelt werden. Hinsichtlich des Numerus clausus wird im Memorandum zunächst festgestelit, daß die ungarischen jüdischen Gemeinden dem Völkerbund eine Erklärung überreicht haben, in der gesagt wird, die ungarische Judenheit wünsche, die Frage des Numerus clausus-Gesetzes im Lande selbst mit Hilfe der Gesetzgebung zu regeln; sie erbittet deshalb von keiner fremden Macht irgendeine Hilfe und weist jeden Beistand von außen, möge er noch 90 gut gemeint sein, zurück. Im Memorandum heißt es weiter: Wir ungarische Juden sind Ungarn! Unsere Bürgerrechte als Ungarn sind in der Verfassung verankert, und keine Macht hätte das Recht, uns als eine separate Nation zu behandeln. Als das Numerus clausus-Gesetz beschlossen wurde, wurde eine Bestimmung aufgenommen, daß diejenigen, die vor Inkrafttreten des Oesetzes in die Hochschullisten eingeschrieben worden waren, nicht mehr zum Kontingent zugerechnet werden. Trotzdem wurden zahlreiche jüdische Studierende, die bereits an den Hochschulen aufgenommen waren, später ausgeschlossen, weil die Zahl der jüdischen Hörer angeblich das Kontingent überstieg. Später wurde die Ungerechtigkeit noch krasser, indem man die Quote der jüdischen Studierenden nicht mehr nach dem Kontingent, sondern nach der Zahl der Hörer, die zufällig eingetragen waren, berechnete. Damit nicht genug, wurden getaufte Juden in die jüdische Quote eingerechnet. Der Numerus clausus hat das Resultat gezeitigt, daß tausende jüdische Studierende zur Fortsetzung ihrer Studien ins Ausland wandern müssen, wo sie unbeschreiblicher materieller Not ausgesetzt sind. Die jüdischen Bürger, die ihr Vaterland lieben, können diesem Unrecht nicht länger tatenlos Zusehen. Daß muß endlich aufhören. Es darf kein Gesetz existieren, das religiöse Verfolgung zum Ziele hat und Kinder ehrenwerter ungarischer Bürger in das Ausland treibt. In dem Memorandum wird auch auf die Tatsache hingewiesen, daß studentische Körperschaften mit ausgesprochen antisemitischem Programm eine legale Existenz führen dürfen, während den jüdischen Studierenden das Recht verweigert wird, eine Vereinigung zu bilden, um ihre wirtschaftliche Lage zu verbessern. Seit Jahren liegen die Statuten einer rein wirtschaftlichen Vereinigung jüdischer Studierender unerledigt im Ministerium. Die antisemitische Studentenschaft von Budapest wollte sich nicht mit der Stellungnahme der medizinischen Fakultät gegen die von der Regierung vollzogene Ernennung des jüdischen Professors Dr. Adam begnügen und veranstaltete vor der Wohnung des Professors Dr. Ludwig Adam eine lärmende Demonstration. Die Studenten und der sie begleitende Straßenpöbel pfiffen und johlten und stießen Abzugrufe auf Prof. Adam aus. Die Tafeln vor der Tür wurden zertrümmert. Prämie Mir Tanie Die ungarische Presse teilt mit, daß der Unterrichtsminister Graf Klebeisberg zwei Verordnungen erlassen hat, wonach die ungetauften Juden nient in die Quote der jüdischen Universitätshörer eingesetzt und die Quote der jüdischen Hörer nicht nach der Hörerzahl, sondern nach dem vom Kultusminister überhaupt gestatteten Kontingent zu berechnen sei. Brie! aas Ramlnie■ Von unserem Korrespondenten. 01. Bukarest, 23. September. Der Sommer ist vorbei und mit ihm die Stille und Untätigkeit auf politischem Gebiet. Die kommenden Monate sollen zeigen, inwiefern die durch die Parlamentswahlen und den Regierungswechsel vom Frühsommer geschaffene Lage auf das Leben der jüdischen Bevölkerung einwirken wird. Einzelne der inzwischen von der Regierung getroffenen Maßnahmen, so besonders auf dem Gebiete der Schulfrage, waren zu sporadisch und betrafen die Juden nur indirekt, so daß man sich noch kein Urteil über die wahre Haltung der Regierung in dieser Frage den Juden gegenüber bilden kann. Eine einzige Verordnung des Untcrrichtsministers geht die Juden direkt an, nämlich diejenige, die vorsieht, daß den jüdischen Kindern in den öffentlichen Schulen der Samstag als Ruhetag angerechnet werden soll, unter der Bedingung-, daß sie das Fehlen an Samstagen nicht als Ausrede für mangelnde Vorbereitung anführen können; es wird sich jetzt, bei Eröffnung der Schulen zeigen, inwieweit diese Bestimmung in die Tat umgesetzt werden kann. Sonst stehen noch immer der Tatsache, daß mehrere Kabinettsmitglieder den Juden eine loyale Gesinnung entgegenbringen, andere weniger erfreuliche gegenüber, wie z. B. vereinzelte Ausschreitungen der antisemitischen Jugend in entfernteren Gegenden des Landes. Jedenfalls ist es gewiß gut, daß in der Kammer!und im Senat, eine Reiihe prominenter jüdischer und zionistischer Persönlichkeiten sitzen, die es im richtigen Moment weder an Einsicht, noch an Mut werden fehlen lassen, den Standpunkt der bewußten jüdischen Minderheit zu vertreten. Oberrabbiner Dr, Nie merower (Senator für Altrumänien), Rabbi Zirelsohn (Senator für Bessarabien) und Dr. Mayer Ebner (Abgeordneter für Czernowitz) bilden gewissermaßen die Pole, um die sich die jüdischen Parlamentarier gruppieren werden, so oft es sich um bedeutendere Probleme handeln wird, die die rumänischen Juden betreffen. Und da die kommende Herbstsaison des Parlaments die erste regelmäßige Legislaturperiode der neuen Regierung bildet, so werden gewiß auch solche Fragen zur Verhandlung gelangen, bei denen auch das Wort und der Einfluß der jüdisenen Vertreter zur Geltung kommen werden. Auf zionistischem Gebiet war der Besuch des Col. Kisch in Bukarest das bedeutendste Ereignis der letzten paar Monate. Col. Kisch kam aus Budapest und hielt sich nur anderthalb Tage in Bukarest auf, doch hatte seine Anwesenheit in Rumänien sowohl in jüdischen als auch in anderen Kreisen die Bedeutung einer diplomatischen Aktion. Einerseits wurde der großen Tagespresse durch die Erklärungen, die Col. Kisch den Bukarester Zeitungsvertretern abgab, Gelegenheit geboten, sich wieder ausführlicher mit zionistischen und Palästinafragen zu beschäftigen. Andererseits konnte Col. Kisch auf dem ihm zu Ehren vom Präsidenten der zionistischen Landes- Organisation, Herrn Bernhardt veranstalteten Empfang vor einem erlesenen Publikum seine Ansichten über die politische Lage des Zionismus und Palästinas äußern. Mit gespannter Aufmerksamkeit hörten die versammelten jüdischen und zionistischen Führer aus dem Munde des Vorsitzenden der Palästina-Exekutive ein interessantes Exposö über die Fragen englischer und jüdisch-arabischer Politik in Palästina. Kisch verlangte Verständnis für die politischen Schwierigkeiten oder Unzulänglichkeiten, die von allzu eifriger Kritik gleich als schwere Uebergriffe in unsere Rechte gestempelt werden, wies an einigen Tatsachen nach, daß die englische Politik sich auch dann unseren Interessen gegenüber loyal und korrekt benommen hatte, als ihr dies durchaus nicht leicht fiel (so bei den Verhandlungen über den Vertrag mit Hussein), betonte die bedeutsame Tatsache, daß seit der Balfour-Dektaraöon 5 Regierungen verschiedener politischer Orientierung sich am Ruder Großbritanniens abgelöst haben, ohne daß in bezug auf die Palästina-Politik der geringste Unterschied zu bemerken gewesen wäre, und warnte vor den ewigen Klagen und Kritiken, die nur schaden, ohne irgendeinen praktischen Wert zu haben, bejahte aber zugleich die gesunde Kritik, die nützlich und notwendig sei. Er erwähnte auch einige ungeschminkte Einzelheiten über die schwierige Lage in Erez Israel und hob die Tatsache hervor, daß trotz allem der größte Teil auch der vierten Alijah von Palästina absorbiert werden konnte, wenn dies auch schwieriger vor sich ging als im Falle der Einordnung von Chaluzim. Während seines Aufenthaltes in Bukarest wurde Col. Kisch vom stellvertretenden Minister des Aeußem (der!Minister selbst, Herr Mitilineu, ist gegenwärtig in Genf, wo er die rumänische Delegation beim Völkerbund leitet), Prinzen Ghica, empfangen. Dieser rumänische Politiker, der Herrn Kisch von der Zeit der Friedensverlnndlungen in Versailles her kennt, erkundigte sich nach dem Stande der zionistischen Arbeit und brachte seine Sympathien für das Aufbauwerk des jüdischen Volkes in Palästina 7um Ausdruck. Eine Frage, die hier Herrn Kisch besonders besebäftigte, ist die der Gründung einer Kolonie rumänischcr Juden in Palästina. Diese Ange'e >e!be t ist heute in Rumänien sehr aktuell und beschäftigt die zionistische Landesorganisation. Die Lage der in Palästina bc- Endlichen rumänischen Einwanderer ist, infolge der allgemeinen Arbeitslosigkeit, recht kritisch, und der Widerhall dieser Zustände ertönt natürlich auch hierzulande und bereitet der zionistischen Arbeit manche Schwierigkeiten. Die Landes- Organisation hat daher mit Herrn Kisch diese Frage ausführlich besprochen, und ihm mitgeteilt, daß demnächst eine Kommission, bestehend aus drei rumänischen Zionisten, nach Palästina reisen wird, um an Ort und Stelle nach dem Rechten zu sehen und mit der Exekutive die zu treffenden Maßnahmen zu besprechen, damit die Errichtung der rumänischen Kolonie beschleunigt und die Lage der rumänischen Einwanderer nach Möglichkeit erleichtert werde. Auf diese Frage werden wir in einer nächsten Korrespondenz noch ausführlicher zurückkommen. JadennirteracgeR in Bnlprkn Die Berliner Gruppe der ״Bulgarischen S t u d e n - tenschaft im Auslande“ ersucht die Presse um Veröffentlichung von Tatsachen über das jetzige Regime in Bulgarien. In der Erklärung heißt es u. a,: Die ״Demokratie“ Ljaptscheffs zeigt ihr wahres Gesicht. Was in Bulgarien bis jetzt kaum vorgefallen ist, wird nun nach rumänischem Vorbild eingeführt: Judenverfolgungen! So wurden in Sofia friedliche Juden, bulgarische Staatsbürger, gemartert. Ein Jude ist vor der russischen Kirche in Anwesenheit der Polizei mißhandelt worden. In Rasgard wurde dem Rabbiner zum Hohn der Bart abgcschniüen. In Lom — gemarterte Juden, in Ladjene ein Jude, Mitglied des Konsistorialrates, gemartert. Der bulgarische Außenminister Buroft und der bulgarische Finanzminister, die sich aus Anlaß der Völkerbund- Tagung in Genf befinden, erklärten Vertretern der Presse, daß kein Volk der Weit den Juden freundlicher gesinnt sei, als das bulgarische Volk. Die bulgarische Regierung werde Angriffe gegen Juden nicht zulassen. Minister Buroft fügte noch hinzu, Bulgarien sei zu sehr geschwächt, als daß es sich einen Luxus wie den Antisemitismus leisten könnte. Es ist schwimmen. Schilderunge czewski unc dismus in Kritik, die ׳ und an ihre richtig, daß Hat. Den g darum mit 1 dismus, insb doch das Pe weit nach r schlag in d< zu weit in 1 natürlich ein dismus und darzustellen, des Chassid manches üb! dischcn Be häßlich und Ich hab Ich will 11u im chasskiis mittein soll dem Ostjud! raubend die kalah, sotid dische Bewc rabbincr um Leben führ hauptsächlicl mußte aus einer Falsch deren Vers wollte. Jed Legenden u Travestie ai Srulzinu lie Festung gci dem Gefänj Ostgalizicn. über das g Mosche Da nahmen in der ״Risine kleinen Wu waren. 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