Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1926-09-29 · Heft 76-77 (29.9.1926) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXI (1926)
Issue
Heft 76-77 (29.9.1926)
Date
1926-09-29
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2651273-2652785-2652852--18564-2676344
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Seite 542 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr,ד6/7ד Nr. 761 tun eine Frage der Theorie, sondern um eine Frage des Lebens, und die Siedler würden die Verachtung der Wirtschaftsgesetze am eigenen Leib spüren. Das Leben, die jüdische Wirklichkeit sagt uns heute, daß eine Fort- Setzung der landwirtschaftlichen Kolonisation unmöglieh sein wird, wenn sie sich nicht selbst trägt, lind daß das Tempo ihrer Fortsetzung und Erweiterung davon abhiingen wird, wieviele und wie schnell Betriebe rentabel werden. Es war niemals der Sinn des Keren Hajessod, Gelder nur zur Erhaltung des Bestehenden nt sammeln. IVes hat sich nur infolge des m breiten Anfanges allmählich so entwickelt. Selbst wenn, wofür wir stets eingetreten sind, die Investitutionskosten des Keren Hajessod in weitherzigster Weise als Kosten der Okkupation im nationalen Interesse ab geschrieben werden, ist die Rentabilität der Siedlungen heute noch nicht erwiesen. Wir alle kennen die Hindernisse und Schwierigkeifen, die unzählige Male von uns selbst angeführt wurden, und wir wissen, welchen heroischen Kampf die Siedler, die ihre Gesundheit geopfert haben, zu kämpfen hatten. Aber diese Anerkennung entbindet uns nicht von der Pflicht, uns über die Möglichkeit der Weiterführung und Vergrößerung unserer Arbeit Rechenschaff zu geben. Erst die wirtschaftliche Rentabilität der Siedlungen, die zum großen Teil von einer sachverständi gen technischen und wirtschaftlichen Führung abhängt, wird die Kreditbasis für unser künftiges Werk schaffen, nicht nur in finanziellem, sondern auch in moralischem Sinne. Wir sind heute auf dem Wege dazu. Aber die akute Lage im Lande ist eine außerordentliche Erschwerung der planmäßigen Durchführung dieser Konsolidierungs- Politik. Die Arbeitslosigkeit hat bisher eher zugenommen als nachgelassen, was begreiflich ist, wenn man bedenkt, daß die Bautätigkeit noch immer stockt, weil kein Hypothekenkredit verfügbar ist, daß die Einwanderung bemittelter Elemente beinahe aufgehört hat und daß die nationalen Institutionen nicht die Möglichkeit haben, dem Uebcl in ausreichender Weise abzuhelfen. Zwar haben mehrere Sitzungen in Palästina stattgefunden, die im Lande sehr begrüßt wurden und von deren Ergebnissen man sich etwas versprach, aber fühlbar wurden die Ergebnisse ebensowenig wie die vor einem halben jahr angekündigte Selbsthilfe des Jischuw durch Gründüng einer Bank. Es zeigt sich eben, daß ohne Bei¬ Stellung von außerordentlichen Mitteln keine große Aktion durchgeführt werden kann. Die ordentliehen Mittel des Keren Hajessod-Budgets sind bekanntlich völlig festgelegt, und es ist unmöglich, aus den regulären Keren Hajessod-Einnahmen die Kosten von Sonder-Aktionen zu bestreiten. Ohnedies wurde das Budget bekanntlich in der letzten A.-C.-Sitzung um fast 50 Prozent höher angesetzt als die auf den vorjährigen Einnahmen beruhende Kalkulation , vorgesehen hatte. 'Vfnf;Ifdoflt ־jlitoiieguttis .*tamistl»#«. •Asbelp audjh nur in bisherigem Ausmaß weitergehen soll, dann müssen vor allem Störungen vermieden werden. Innerhalb der heutigen Zustände ist es schwer, ruhig und planmäßig zu bauen. Die Beendigung der Krise, die eine Erbschaft des vorigen Jahres ist, muß schleunigst durchgeführt werden, und es ist selbstverständlich, daß die Zionisten der ganzen Welt ihr Aeußerstes tun müssen, um bei der Erreichung dieses Zieles mitzuwirken. Es ist erforderlich, außerhalb des Budgets einen genügend hohen Betrag zur Verfügung zu stellen, um einerseits Arbeitsgelegenheiten zu schaffen, andererseits jene organisatorischen Maßnahmen zu ermöglichen, die den heute beschäftigungslosen Menschen die selbständige Eingliederung in das palästinensische Wirtschaftsleben erleichtert. Diese Schritte sind unerläßlich, bevor an eine neue Einwanderung unbemittelter Elemente gedacht werden kann. Dagegen müßte die Einwanderung bemitteiter Elemente auch in Zukunft gefördert werden, vorausgesetzt, daß sie die Eignung und die Voraus- Setzungen für eine produktive Tätigkeit im Lande mitbringen, damit sie nicht auch nach einiger Zelt vor Enttäuschungen stehen. Hierzu bedarf es eines entsprechenden informierenden und beratenden Apparates, der von der Zionistischen Organisation und dem jischuw endlich geschaffen werden sollte. Die zionistische Exekutive hat vor kurzem einen Aufruf erlassen, worin sie die Aufbringung von zwei Millionen Hund im kommenden Jahre für notwendig erklärt. Der Aufruf hat kaum einen großen Widerhall gefunden, denn auch unsere kleine Welt ist schon abgestumpft von den vielen Aufrufen und Kundgebungen, die kaum etwas Neues besagen. Sicher ist es wichtig, die Zionisten immer wieder an ihre Pflichten zu erinnern, aber man sollte sich keiner Illusion darüber hingeben, daß durch Aufrufe zur Geldsammlung die Krise nicht beseitigt werden kann. Gewiß müssen heute große Mittel aufgebracht werden; aber sie werden den Zweck einer Beilegung der Krise nur dann erreichen, wenn mit der Auffassung, daß die Vorbereitungsperiode nun abgeschlossen ist, wirklich Ernst gemacht wird. Von nun an muß der Primat der wirtschaftlich produktiven Anlagen im Aufbauwerk unbedingt feststehen. Die Hauptschwierigkeit der zionistischen Arbeit, nämlich die Notwendigkeit, gleichzeitig Propaganda zu treiben und sachlich zu arbeiten, darf nicht dahin mißverstanden werden, daß es darauf ankomme, durch propagandistisch gemeinte Hinweise auf künftige Möglichkeiten den Blick für die heutigen unmittelbaren Probleme zu trüben. Die Exekutive geht nunmehr nach der durch die Feiertage erzwungenen Pause an die Neuordnung der zionistischen Arbeit für das kommende Jahr. Sie verdient die aufopferungsvollste und ernsthafteste Unterstützung aller Zionisten, wenn sie die notwendigen Maßnahmen trifft, um den Uebergang der zionistischen Arbeit in das neue Stadium zu vollziehen. R.W. Die August •Eingänge lür den Keren Hafessod Das Hauptbüro des Keren Hajessod in London teilt mit: Die Keren Hajessod-Eingänge im Monat August 1926 betragen £ 43 285.13. 6. Zu dieser Summe hat Deutschland £ 615 beigetragen. Dazu teilt das Hauptbüro des Keren Hajessod rnit: Die Eingänge im August 1926 betragen £ 43 285.13. 6 gegen £ 35 493 im August 1925. Wie immer sind die Vereinigten Staaten mit dem größten Betrag von £ 25 901 vertreten. An zweiter Stelle stellt Südafrika mit £ 5000, an dritter Stelle Kanada mit £ 3913. Den vierten •Platz nimmt diesmal Oesterreich ein mit £ 1038, wozu der Beitrag des Barons Louis Rothschild, Wien־ für die Landwirtschaftliehe Versuchsstation gehört. Argentinien hat £ 1000 gesandt, Rumänien £ 887 (davon Bukarest £ 639 und die Bukowina £ 248). Hierauf folgen Palästina mit £ 846, Polen mit £ 775 (davon Warschau £ 538 und Lemberg i 237), und die Tsctecbfisfcwakfi mit £, 2!7t5, ■Xmtriem;die Eingänge ,in».״ Augilft einen sehr erheBnChen4 PöitscltBtt gegeiilber den Eingängen im gleichen Monat des Vorjahres darstellen und auf einen Monat folgen, der mit £ 75 073 einen Rekord darstellt, erklärt das Hauptbüro, daß die Eingänge hinter den Erfordernissen des Budgets erheblich zurückgeblieben sind, und daß infolgedessen sich die Lage in Palästina außerordentlich ernst gestaltet. Die Arbeitslosigkeit hat bekanntlich nicht nachgelassen. Daraus ergibt sich die Notwcndigkelt, im September und Oktober ganz außergewöhnliche Anstrengungen zu machen, um das gegenwärtige Arbeitsjahr nicht mit einer bedrohliehen Last für die Zukunft abzuschließen und das neue am 1. Oktober beginnende Budgetjahr ohne Einschränkung der ohnedies schon im Rahmen der größten Beschränkung gehaltenen Pläne zu beginnen. Das Direktorium des Keren Hajessod hofft, daß es außerordentlichen Anstrengungen gelingen wird, an der Wende des Jahres Resultate zu erzielen, die für das ganze nächste Jahr und für die Zukunft von entscheidender Wichtigkeit sein werden. Das Hauptbüro des Keren Hajessod stellt fest, daß mit seinem Ausweis vom 31. August 1926 die Bareingänge beim Hauptbüro über zweieinhalb Millionen Pfund hinausgewachsen sind, da die Eingänge zu diesem Datum £ 2422.12. 3 betrugen. Numerus clausus in Polen Warschau, 20. September, (J. '1 A! Der iüdischs Nalionalrat Polens erhielt eine Mitteilung aus Leinberg daß ungeachtet der Zusicherung des Premiers Prof. Bartel wonach der Numerus clausus praktisch keine AtiwemJng mehi finden wird, an der Lemberger Universität nach wie vor de! Numerus clausus gegen jüdische Studierende geübt wird. De! Nationalrat und das Präsidium des jüdischen Seimklubs inter venierten noch einmal beim Ministerpräsidenten Bartel. Warschau, 26. September. (J.T. A.) Wie mitgeteil» wird, hat der neue polnische Minister für Kultus und Volks bildung, Sojkowski, eine Verordnung an die ihm unter■ stellten Behörden erlassen, durch die das vom früheren Unter riclitsminister Glombinski erlassene Geheimzirkular be■ treffend die Einschränkung der Zahl der jüdischen IJniversi• tätshörer auf Grund einer Prozentnorm nunmehr außet Kraft gesetzt ist. Trotz dieser Verordnung hat der Klub der jüdischer Deputierten und Senatoren dennoch beschlossen, das votr Klub schon früher eingebrachte Mißtrauensvotum nicht zurüclmtziehcn, da die Außerkraftsetzung erst nach de! Beendigung der S11! d e n t c n a u f n a!1111 e an der Universitäten erfolgt war und sonach der Numerus clausus gegen jüdische Studierende in diesem Jahre in der Praxus noch besteht. Der Mißtrauensantrag lautet: ״Bei der Inskriptionen ־ in die höheren Lehranstalten wird gegen■ über der jüdischen Jugend mit ganzer Strenge die Prozent• norm auf Grund eines Zirkulars, das vom gewesenen Minister Glombinski herausgegeben wurde, angewendet Minister Sojkowski widersetzte sich nicht diesen Verfassung*• widrigen barbarischen Sitten, die insbesondere an der Lernberger medizinischen Fakultät den Charakter eines Symptoms der bürgerlichen Ungleichheit der Juden in Polen erreichen Angesichts dieser Sachlage, in Verteidigung nicht nur de! lebenswichtigsten Interessen der jüdischen Bcvölkwung und insbesondere der jüdischen Jugend, sondern auch der' wichtigsten Idealen Güter, die den Mai-Umsturz verursach! haben, verlangt der jüdische Sejmklub den Rücktritt des Unterrichtsministers Sojkowski und meldet daher heim Sejm■ marschall folgenden Antrag an: Der Sejm wolle beschließen ״Der Sejm spricht dem Minister für Kultur und Unterricht Sojkowski das Mißtrauen aus.“ In der Begründung de? Antrags führte der Präsident des jüdischen Sejmklubs, Abg Hartglaß, aus, an der Lemberger Universität herrsche der Numerus clausus uneingeschränkt. An der juristischen Fakultät wurden 130 Gesuche jüdischer Studenten abgelehnt, obwohl viele der Ansuchenden die Reifeprüfung mit bestem Erfolg bestanden haben. An der mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultät waren 40 freie Stellen, es wurde kein Jude aufgenommen. An der medizinischen Fakultät wurden auf 120 Studenten 12 jüdische aufgenommen. Abgefeimt werden 520 Gesuche, hiervon 500 von Juden. An der Warschauer Technischen Hochschule erhalten Juden bei Prüfungen Aufgaben, die überhaupt unlösbar sind. Abgcordneter Hartglaß forderte auch die Abschaffung gewisser Geheimzirkulare des früheren Kriegsministers, die sich gegen jüdische Heeresangehörige richten. Er kam auf die Verhältnisse an der Warschauer Universität zu sprechen und wies nach, daß auch hier das jüdische Element starken Bedrückungen und Einschränkungen ausgesetzt ist. An der medizinischen Fakultät wurde ein spezielles Examen eingeführt. Durch diese Einrichtung ist es gelungen, die Hälfte aller jüdischen Kandidaten von der Aufnahme auszuschließen. ln Krakau gar wurden nur 6 °/0 der jüdischen Kandidaten aufgenommen. Bel der Abstimmung wurde das vom jüdischen Klub «!«gebrachte M1 ft t * a « e a 8 v o t « m a Bfe n o um» «tt Nachdem auch ein Mißtrauensvotum gegen den Minister Mlodzianowski ohne die Stimmen der jüdischen Deputierten angenommen worden ist, erklärte die Regierung ihren Rücktritt. (Inzwischen Ist sie wieder in ihrer alten Zusammensetzung ernannt worden. Red.) Der in Paris erscheinende ״L’Univers Israelite“ beschäftigt sich i:1 einer seiner letzten Nummern mit dem Pro• blem der ausländischen Juden in Paris im Zusammenhang mit den jüngst im von Juden bewohnten Viertel Believille stattgefundenen antijüdischen Ausschreitungen. Es besteht durchaus ein Problem der ausländischen Juden in Paris, sagt die Zeitung. Aber die Pariser Bevölkerung ist im allgemeinen intelligent und gutartig, es würde möglich sein, sie darüber aufzuklären wer die jüdischen Emigranten sind; sie würde sodann diesen gegenüber Mitgefühl und Sympathie bekunden. Dies ist die Pflicht der Presse. Insbesondere müsse sich die zwecks Herbeiführung einer Annäherung zwischen französischen und ausländischen Juden vor kurzem gebildete Gesellschaft ״Traitd’ Union“ eine Aufklärung der Oeffentlichkeit zum Ziele setzen. Der und d Der Genf, d Völkerbun׳ deutschen Das ist u nationalen Jruckslos esse am M Staaten le stieg. Ma vor dem Nationalst; den erstei sondere d Prof. Dr. gar feindl führungen kenntnis נ bürger, zi von Staat modernen hat. Mit d seit Jahre Lebensbczi der zionis daß der 5 und freihe der durch regio eius Gasse zu 1 Man solche Fre Bekenntnis Deutschen ihres nah! hat sich Deutschen die von ׳ der natio! wird, wen ein in dei das B e k das de t u r e 11 e 1 sich z i 1 dieser Erl wo sie in nicht die I Minder ebenso trachte n a t i o n. rechts vei rung der iurellen E daß die Bi bangsgefii Grund m irgendwel( kultureller über die soll also; mehr irge öffiziersst ebenso ofi Auf d Vertreter Rolle ges Formuliert der Kongi nistische 1 bedingung Erfolg err Vertretern in der nal einer Well drückten י sich die berechtigt gresses, C seinen bes Kenntnis jüdischen die beste! druck brin Impressionen Von Sch. G 0 r e 1 i k. Wir sprachen vom Versiegen jener geistigen, religiösen Quellen, aus denen das jüdische Volk schöpfte. Da warf einer ein: In Warschau suchte ich das unscheinbare Stübchen der Brazlawer Chassidim auf. Sie bilden eine kleine Gemeinde für sich, geeint und beglückt durch gemeinsame Liebe zu dem großen Rabbi Nachman aus Brazlaw. Es sind die einzigen Chassidim, die keinen Nachfolger des Rabbi anerkennen wollen. ״Unser Rebbe ist in Uman“. Sie sagen nicht, er ״liegt“ in Uman, denn für sie ist er nicht tot. Handwerker, kleine Kaufleute unterbrechen einige Male ihr Tagewerk und eilen zu dem Stübchen, wo sie inbrünstig beten. Kein Zweifel: der Handel, das Handwerk ist bei diesen Leuten nur Nebensache, Hauptinhalt ihres Lebens ist das Andenken an den Raw, an seine Lehre. Ich sah ihre Inbrunst im Beten, aber erschüttert und gleichzeitig beglückt hat mich folgendes Bild: Als das Gebet zu Ende war, bildeten die Chassidim einen Kreis, jeder legte die Hand auf die Schulter seines Nachbarn, und so wiegten sie sich in einem rhythmischen Tanz, dabei nur einen heiligen Wunsch aussprechend: ״Und reinige unser Herz, auf daß wir dir wahrhaft dienen“. Nicht wiederzugeben der Eindruck dieser Worte, dieses leise Sich-Wiegen im Tanz, eines jeden Hand auf der Schulter des Nachbarn. Ich ging freudig aus dem Stübchen der Brazlawer, denn unter ihnen waren auch junge Menschen; besonders die jungen baten so inbrünstig und wehmütig, gleichzeitig hoffnungsvoll baten sie um Erfüllung dieses erhabenen Wunsches: ״Und reinige unser Herz, auf daß wir dir wahrhaft dienen“. Und als ich dies alles sah, glaubte ich nicht mehr an das Versiegen der Quellen. Ueber große Vorräte verfügt noch das Volk Israels. * Ein Freund, der aus Italien kam, erzählt von der kleinen jüdischen Gemeinde in Padua und von den fünf jüdischen Friedhöfen, wo historische jüdische Persönlichkeiten, darunter Abrabanel und Luzzatto begraben liegen. Die Synagoge in Padua wird nur während der großen Feiertage geöffnet, und auch sonst ist nicht viel jüdisches Leben dort. Während ich zuhörte, was mir mein Freund erzählte, steigerte sich in mir das Verlangen, so ein Paduaner Jude zu sein. Der Grund für diesen Wunsch muß gewiß eine Müdigkeit von der Wirklichkeit, die Flucht aus einer Gegenwart, die wieder Geschichte machen will, sein; denn mächtig zog es mich auf einmal dorthin, zu der verlassenen Gemeinde, die in Erinnerungen an glorreiche Vergangenheit schlummert. Welches Glück muß es sein, sich fern von dem Lärm, der Wirklichkeit, wo man von allerhand Zweifeln und seelischem Unbehagen geplagt ist, zu fühlen und einen zufälligen Reisenden über alte Ghettostraßen und alte Friedhöfe zu begleiten. Der Jude aus Padua, der so vieles vergessen hat, der weder jüdisch noch hebräisch spricht, der nur einige Male im Jahre durch die Tür der Synagoge geht, klammert sich nur an einige alte Erinnerungen, aber die Impressionen, die ihm dieses Anklammern bringt, sind sie nicht vielleicht stärker als die des heutigen tätigen nationalen Juden, der mitten in der Wirklichkeit steht und jüdische Geschichte machen hilft? Er sagt, der Paduaner: hier liegt Abrabanel und hier Luzzatto. Und der Stolz und die Pietät, die er dabei empfindet, wieviel wertvoller sind sie als der Klatsch, als die Phraseologie mancher Tätigen von heute. * Ein Zionist, ein alter guter Bekannter, geht an dem Tisch im Restaurant, an dem ich sitze, vorbei und gibt sich Mühe, unbemerkt zu bleiben, um mich nicht grüßen zu müssen. Sind wir verzankt? Hat er etwas gegen mich? Keineswegs. Aber wir haben einander nichts mehr zu sagen. Früher, in alten Zeiten, wenn wir uns auf einem Kongreß trafen, liefen wir einander in die Arme. Aber jetzt? Wir haben einander nichts mehr zu sagen. Man tut seine Pflicht, aber man geniert sich, eine Beredtsamkeit zu entfalten, die nicht durch Seelenwärme unterstützt sein kann. In dem Meiden meines Bekannten sehe ich die Bestätigung eines Zustandes, der mich oft in traurige Stirnmung versetzt. Der Zionismus wird allmählich, allmählich verwirklicht werden, aber immer mehr nur in einer Atmo- Sphäre des Pflichtbewußtseins und der Beamtentüchtigkeit, in eine» Atmosphäre, die nicht von Begeisterung getragen und durch die heiße Sonne des Glaubens erleuchtet wird Stumm wird die Arbeit getan, denn wir sind arm an Worten geworden. Wir haben einander nichts mehr zu sagen. * Einst riet Heine den Malern, zur Leipziger Messe zu gehen; sie würden dort, versicherte er ihnen, unter den handelnden Juden echte Bibelgestalten treffen. Er selbst sah dort einmal einen Juden auf einer Kiste sitzen, dessen Blick von einer derart tiefen Trauer war, daß er an der Propheten Daniel denken mußte. ״Der Jude mit dem Blick des Daniel“ nennt ihn Heine. Als die Juden noch in den engen, übel duftenden Ghettostraßen wohnen mußten, als sie den gelben Spitzhut zu tragen gezwungen waren, konnte man noch viele untet ihnen treffen, die trotz all des Elends an die Bibelgestalter erinnerten. Vergebens aber wird man sich jetzt nach eine! solchen Bibclgestalt umsehen. Und nirgends jener Daniel• blick, der auf Heine solch unvergeßlichen Eindruck machte Welche Degeneration des jüdischen Antlitzes seither! * Um das sonnige Palästina aufzubauen, müssen uniei den Juden, die in kalten Ländern wohnen, Gelder ge• sammelt werden. Die Sammler und alle die anderen, die sich an dem Werk beteiligen, müssen schwere Winter• kleider tragen, Winterwohnungen haben usw. Da wir alsc nicht imstande sind, uns so dürftig zu kleiden, wie die Anhänger Gandhis, die indischen Patrioten es tun, gibt es in unseren Reihen keine Ghandi-Menschen . . . Ich muC Halt machen, denn diese Kleidcrpliilosophie würde mie] zu sehr traurigen Feststellungen bringen. * Der T den ausgi die Opfer; Das Wund wurde. K disten für Weise de sprach vo: Gesetze, ׳ an Geld sich, aber Das; Legenden großen Q Nachwelt Momente das Volk Beaw den Malchus, 1 aber nie von Josep von Jotap aller Trag! Massada, ״ Selbstmord Massadas für die jü ständig ig Schmeichle Urteil! Al kungen, d nichts an derungen die Römei Die ei über die 1

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.