Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXI (1926)
- Issue
- Heft 74-75 (22.9.1926)
- Date
- 1926-09-22
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 532 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 74/75 Nr. 74/ Gedanken Uber den Gartenbau in Palästina Von i>r. Heinz Oppenheimer, Sichron-Jaeob. I. Von der Landwirtschaft in Palästina wird recht viel, vom Gartenbau recht ■ wenn׳• gesprochen. Dagegen wäre nichts cin/mv enden, wenn der Begriff der Landwirtschaft in Palästina der gleiche wäre, wie in anderen Ländern des Mittelmeergebietes, was /um Schaden des Werkes leider nicht der Falt ist. Der Italiener z. B. versteht unter ״agricuitura“ ebensowohl Ackerbau und Viehzucht wie die eigentlieh mediterranen Kulturen: jene des Weinstocks, der Olive, Feige und Mandel und die bewässerten Kulturen der Zitrusarten und des Gemüsebaus. Dementsprechend steht der italienische Landwirt den Problemen gärtnerischer Kultur mit, vollem Verständnis gegenüber, weil er sie von Jugend aut kennt und diese Dinge zu seinem Arbeitsgebiet rechnet. Da die leitenden Fachleute der Zionistischen Organisation der gemäßigten Zone entstammen und ihre Ausbildung zumeist an nordeuropäischen Hochschulen genossen haben, haben sie eine engere Auffassung des Begriffes ״Landwirtschaft“ nach Palästina mitgebracht und stehen gärtnerischen Problemen im allgemeinen fremd gegenüber. Sie folgten entsprechend ihrer Auffassung nicht ohne Widerstreben einer Entwicklung, die nach Ansicht des Schreibers unausbleiblich ist und die den Schwerpunkt der Entwicklung mehr als bisher in ein Gebiet zu verlegen droht, in dem sic sich nicht heimisch fühlen. Um so wichtiger erscheint es, daß von diesen Dingen seitens gärtnerischer Fachleute recht häufig gesprochen werde, um eine Ent- Wicklung zu beschleunigen, die für den Aufbau des Landes die erfreulichsten Wirkungen erhoffen läßt. Für die Vegetation im Mittelmeergebiet, das pflanzengeographisch im allgemeinen aus engbegrenzten Küstenstrichen zwischen dem Meere einerseits, Wüsten und regenarmen Hochflächen andererseits besteht, ist als klimatischer Faktor die sommerliche Dürre ausschlaggebend. Ihr gegenüber tritt alles andere in den Hintergrund. Hätten wir hier ein Gebiet sommerlicher Niederschläge, so wäre nicht eine gewisse Dürftigkeit des Pflanzenwuchses für das Gebiet so charakteristisch, so bestände seine Flora nicht neben kurzlebigen Annucllen aus Gewächsen, die nicht weniger als das Kamel unter den Tieren als wahre Dursteskünstler angesprochen zu werden verdienen. Es ist physiologisch erstaunlich, wie ein Mais- oder Durrakörn es fertig bringt, dem sommerdürren Boden überhaupt das Quellungswasser zur Keimung zu entziehen und Wurzeln bis in feuchte Erdschichten zu treiben oder wie die Bäume aut den Höhen der spaltenrcichen, verkarsteten Gebirge ihre oberirdischen Organe bei der außerordentlichen sommerliehen Verdunstung vor dem Vertrocknen zu schützen vermögen. In solchen Gebieten ist das Wasser die natürliche Quelle alles Reichtums. Wo man sich seiner im Sommer nicht zu bedienen weiß, herrscht allgemein Armut, wo man cs zu nutzen versteht, blühender Wohlstand. Die bewässerten Gebiete, sagen wir mit R i k 1 i, ״sind die Zentren dichtester Bevolkerung und althistorischer Kultur. Als Beispiel mögen dienen die Huertas von Valencia und Mucia, die Vega von Granada, die üartcnlandschaft der Campagna um Neapel, die Conca d’ oro von Palermo. Diese äußerst fruchtbaren Kulturlandschaften mit ihrer großen Ueppigkeit und dem lebhaft pulsierenden Leben stehen in größtem Oegensatz zu den sie meistens umgebenden, vollständig kahlen, unproduktiven und zum Teil fast menschenleeren Hügelländern, Sierren und Steppen". Es ist das Verdienst S o s k i 11 s, die zionistische Oeffentlichkeit auf diese Verhältnisse mit aller Deutlichkeit hingewiegen zu haben. Es muß anerkannt werden, daß man langsam beginnt, seinen Forderungen gfci'echt zu werden und bei der gegenwärtigen wirtschaftlichen Krisis liegt es mir fern, den Vorwurf zu erheben, daß nicht genug geschehe. Doch darf bei Erleichterung der wirtschaftlichen Situation nicht versäumt werden, endlich das lange geforderte Amt für Wasserwirtschaft zu schaffen, das die Frage der Speicherung und möglichst vollständigen Ausnutzung der Winterregen zu studieren hat und im beschleunigten Arbeitstempo zu praktischen Vorschlägen hinsichtlich einer großzügigen Wasser- und Energiewirtschaft gelangen muß. Vielleicht erweist sich u. a. die Anlage von Talsperren trotz Verslckerungsgefahr und Verdunstungsgröße doch hier und da als möglich. In diesem Falle dürften sich hohe Baukosten selbst mit teuerem Kapital leicht verzinsen lassen, da das Wasser im Sommer den doppelten Wert als Substanz und als Energiequelle besitzen würde. Mir scheint, ein auf sorgfältigen Studien aufgebauter Plan für die einheitliche Wasserwirtschaft des Landes könnte wohl die Unterstützung der Regierung finden und derartige jüdische Unternehmungen möchten eher durch Anleihen zu finanzieren sein, als weitere Kolonisationspläne für Trockenkultur. Unter den bewässerten Kulturen ist die Erwiinschtheit der bedeutenden Ausdehnung der Orangenkultur im südlichen Teile des Landes unbestritten. Hier muß jede Bestrebung gefördert werden, die ein .gesundes Kleinbauerntum schafft. Anderenfalls werden wir zu höchst ungesunden sozialen Verhältnissen kommen. Die Zehndunamparzelle ist im Orangenbau für eine normale Familie ausreichend (nach Kaplansky sogar die Fiinfdunamparzelle). Genügt sic doch in Sizilien trotz des wesentlich niedrigeren Preises der Messinaorange gegenüber der Jaffafrucht. — Für Gemüsekultur bildet die Frage der Absatzmöglichkeit den Gegenstand lebhafter Diskussion, ist aber durch theoretische Betrachtung nicht lösbar, sondern muß nach Gelingen des ersten, wenig beweiskräftigen Exportversuches durch fortlaufende Probesendungen eitrigst sludiert werden, und zwar unter Mitwirkung der Versuchsstation und mit öffentlichen Mitteln. Mir sind im Lande tüchtige Gärtner bekannt, die in Holland oder Algier praktisch als Packer gearbeitet haben und den Exportbetrieb dieser Länder genau genug kennen, daß Fehler in dieser Hinsicht vermieden werden können. Es freute pich, kürzlich auf einer Versammlung der Gemüsehändler der Jesreel- und Jordanebene, die in Ein Tabun stattfand, durch L i c h t i n g e r zu hören, daß er auf Grund einer Besichtigung des Hafens von Port Said die Exportmöglichkeit dorthin für durchaus nicht ungünstig hielt. Die Belieferung der zahlreichen Ozeandampfer mit Qualitätsgemüse steht nach seiner Ansicht der alästinensischen Konkurrenz offen; denn Aegypten liefert eine Qualitätsware, die wir Juden anbieten könnten. Und die Entfernung der europäischen Märkte wird dem nicht als unüberwindliches Hindernis für Export erscheinen, der sich klannacht. ,auf wieviel größere Entfernung Aussfralien seine Butter, Kalifornien seine Acpfel mit Erfolg exportiert. Gedanken, die von Dr. Soskin seit Jahren in seinen Schritten mit Nachdruck propagiert werden. Es ist erfreulich, daß diese Ideen endlich in weitere Kreise dringen. Freilich gehört hierzu ein gesunder Unternehmungsgeist und ein frischer Glaube an die eigene Kraft. Das Frühjahr 1926 ist meines Wissens ohne Trans {)ortversuche verflossen, jedoch hat Tolkowsky in Tel-Awiw zwei sehr tücchtige Gärtner angenommen, die für ihn einen Anbauversuch mit Exporttomaten durchführen. Man darf dem Ergebnis im kommenden Jahre mit Spannung entgegensehen und Herrn Tolkowsky für die Initiative dankbar sein, mit der er dies heiße Eisen angegriffen hat. Manche Zweifler werden, wie stets, bereit sein, auch in Zukunft mit dem üblichen ״Baaretz iefschar“ solche Versuche aussichtslos hinzustellen. Der Zusammenbruch so mancher Unternehmung, die mit Optimismus begonnen wurde, scheint ihnen recht zu geben. Und doch muß jede Möglichkeit, die uns die Aussicht biete}, eine bedeutende Anzahl Menschen im Lande bodenständig zu machen, mit aller Energie verfolgt werden. Wirtschaftskrisen, wie die gegenwärtige, ermüden und zermürben jeden und lassen stets neue Zweifel an der Möglichkeit des Aufbaus überhaupt auftauchen. Stärker aber als alle Zweifelsucht (die am meisten bei Leuten angetroffen wird, die sich von Fiebergebieten und Schwerarbeit in glühender Sonne fernzuhalten pflegen) ist die Zuversicht des werktätigen Volkes, der Arbeiterschaft sowohl wie der kleinbürgerlichen arbeitenden Elemente, das unermüdlich leidet und schafft, ohne zu klagen, und dem wir es in erster Linie verdanken, wenn es hier — trotz allem —- vorwärts geht. — Rußland und Palästina Moskau, 15. September (J. T. A.) Der Vertreter der ARCOS (Zentrale für auswärtigen Handel Rußlands) für den Nahen Osten, Herr Gleser, der auf Grund einer Verordnung des Oberkommissars Lord P1 u m e r aus Palästina ausgewiesen wurde, ist dieser Tage in Moskau eingetroffen ,und hat in der Orfen i-Handels-Gesellschaft über die Lage des russischen Handels im Nahen Osten Bericht erstattet. Die Handelsbeziehungen zwischen Rußland einerseits und Syrien und Palästina andererseits, sagte er, sind in ständiger Entwicklung begriffen. Rußland exportiert insbesondere Getreide und Bauholz. Gleser empfahl die Arrangierung einer Ausstellung russischer Erzeugnisse in Palästina und palästinensischer Er- Zeugnisse in Rußland. Stadtrals-Wahlen In Tel-Awiw Jerusalem, 19. Septbr. (J.T. A.) Die Wahlen ln die Stadtverwaltung von Tel-Awiw wurden für den 25. Okt. festgesetzt. Die letzten Stadtverwaltungs-Wahlen fanden in Tel-Awiw Ende 1924 statt und erbrachten eine Mehrheit für die Arbeiterschaft. Die Grundbesitzer und Steuerzahler erhoben gegen diese Wahlen Protest, auf Grund dessen die Entscheidung fiel, daß nur Steuerzahler das Stimmrecht haben. Man erwartet nunmehr, daß die kommenden Wahlen einen überwältigenden Sieg der Bürger-Parteien erbringen werden. Alfred Mond Aber Palästina Zu Ehren Alfred Monds, der sich auf einer Geschäftsreise in Kanada befindet, fand dort ein von der Zionistischen Organisation in Kanada veranstaltetes Frühstück statt, au( dem Sir Alfred Mond nach ״The Gazetle“ in Montreal u. a. ausführte: Alle Juden, Zionisten und Nichtzionisten, haben stets für Palästina eine gefühlsmäßige Zuneigung gehabt. Heutzutage aber biete Palästina mehr als einen Appell au das Gefühl. Selbst die schärfste Kritik könnte nicht leugnen, daß dort trotz der größten Schwierigkeiten in einer kurzen Zeitspanne sehr viel erreicht worden ist. ״Der Erfolg ist jetzt gesichert. Es ist nicht mehr eine Frage der Argumcntation. Ebensogut könnte man darüber diskutieren, ob Montreal ein Hafen ist Das Nationalheim ist eine vollendete Tatsache, und es handelt sich nur mehr um das Tempo der Entwicklung. Die Frage der Zukunft Palästinas sei die gleiche wie das Problem von Kanada. Es sei eine Frage der Kolonisation, des Heimischwerdens, der Verwurzelung/ Die Kosten tiir die Ansiedlung einer Familie im Lande seien in Palästina tingefähr die gleichen wie in Kanada. Auch die Art der Finan- ' zierung sei die gleiche. ״Ich weiß,“ fuhr Mond fort, ״daß unsere Leute arbeiten werden, daß sie intelligent und fleißig sind und daß sie Erfolg haben werden, wenn man ihnen eine Chance gibt. Es ist nicht unser Ideal, eine Kolonie von Millionären zu schaffen, sondern eine Gemeinschaft gebildeter, prosperierender und zivilisierter luden, eine Nation mit hoher Kultur, ein großes Zentrum, daß zwar niemals eine sehr große Industrie haben wird, aber ein wohlhabendes Gemeinwesen sein soll, nicht nur mit der Fähigkeit, Geld zu erwerben, sondern denkende Menschen hervorzubringen. Dieses kleine Land hat die wundervolle Dreistigkeit besessen, den Grundstein zu einer großen Universität zu legen. Es wimmelt von_ Menschen, die lernen und arbeiten wollen. Es ist das einzige Land der Welt, wo man in der Arbeit ein hohes Ideal erblickt.“ Er betrachte, erklärte Sir Alfred Mond weiter, Palästina als Schlüsselpunkt für das Mittelmeer. Palästina werde einer der fünf wichtigsten Häfen des Mittelmeeres werden. Die Arbeit für den Aufbau Palästinas sei ein Werk für die Menschheit. Er sei überzeugt, daß wir dort etwas ganz Eigenartiges schaffen werden. Der Jude habe eine erschreckende Fähigkeit, sich zu assimilieren, und er nehme die Merkmale seiner Umgebung zu rasch in sich auf. Palästina gewähre ihm freie Bann zur Entwicklung unter sympathischer Umgebung, die von vitalem Wert für ihn sei. Zum Schluß gedachte Sir Alfred Mond noch lobend des High Commissioner für Palästina, Lord Plumcr, der ein Mann voller Tatkraft, festen Willens und freundlicher Ge sinnung sei. New York, 14. Septbr. (J.T.A.) Louis Lipsky erklärte dem Vertreter der J.T.A., es sei schon in der nächsten Zukunft eine Aenaerung der britischen Politik mit Bezug auf den Aufbau des jüdischen Nationalheims in Palästina zu erwarten. Die britische Regierung hätte sich überzeugt, daß es nach dem Mandat und den Umständen ihre dringende Aufgabe sei, dem jüdischen Aufbauwerk in Palästina alle Unterstützung und Erleichterung zu gewähren. Die Arbeitslosigkeit in Palästina, schloß Herr Lipsky, so kompliziert und unangenehm sie ist. kann doch leicht überwunden sein, wenn nur der zionistischen Exekutive die nötigen Fonds zur Verfügung gestellt würden. Wise Uber die lei Liberalisaos New York, 13, September (J. T. A.) Dr. Stephen S. Wise ist ׳nach New!,Worte der Presse, die ihn aufsuchten, schilderte er'sein« Eindrücke in London, wo er der Konferenz des Liberalen Judentum s und den Sitzungen des Aktions-Comitös bcjgewdfint hat. Mat Bezug auf die liberale Bewegung sagte er, er hege die Befürchtung, daß sich diese Bewegung in eine B e w e g u n ״ des Schismas verwandeln könne, die sie von! Zentrum des jüdischen Lebens abireiben würde, wenn nicht ihr Führer, Claude G. Montefiore, sie wieder in die richtigen Bahnen lenken wird. Bei manchen Teilnehmern der Konferenz fand ich nicht den Mut einer Minorität, sondern das Beharren, ihr Los als Israeliten von dem Lose der Millionen heimatloser luden zu trennen. Die Sitzung des Aktioos-Comitös, setzte Stephen Wise fort, habe gute Ergebnisse gehabt und werde gute Früchte tragen. Die britische Regierung hält daran fest, die Balfour- Deklaration dem Geiste und dem Wortlaut nach zu erfüllen. Solange die europäischen Länder unter der wirtschaftlichen Depression Hden, muß die amerikanische Judenhoit den rößten Teil der Lasten des Palästina-Aufaus trage׳!. Dr. Weizmann wird im Oktober in Amerika eintreffen. Habimah Auf ihrer Tournee durch Europa trifft die Moskauer ״Habimah“ in den nächsten Tagen in Berlin ein, wo sie am 1, Oktober im Theater am Nöllen dorfplatz mit der Aufführung des ״Dybuk“ ihr Gastspiel beginnt. Die bisherige Fahrt der ,,Habimah“ durch die europäischen Hauptstädte war ein Triumphzug ihrer hohen Kunst. Insbesondere gestaltcte sich der Aufenthalt in Paris zu einem rauschenden Erfolg. Wie groß der Eindruck der künstlerischen Leistungen in Paris gewesen ist, konnte man an dem Echo merken, das bis nach Berlin schallte: Berliner Tageszeitungen sahen sich veranlaßt, aus der Feder ihrer Pariser Korrespondenten begeisterte Schilderungen ihrer Aufführungen in Paris zu veröffentlichen. Nachstehend lassen wir ein Mitglied der Bimali zu Worte kommen. Herr Tschereminski äußert sich in einem Aufsatz unter dem Titel ״Fragen und Antworten“ über die Absichten, die mit der Tournee der Gesellschaft verbunden sind. Tschercminskis Ausführungen lauten: ״Während der ganzen Zeit, seitdem wir aus Moskau abgereist sind, fragt man uns überall nach den Zielen unserer Tournee. Was beabsichtigen wirf1׳ Was wollen wir der Welt zeigen? Was wollen wir erreichen? Wir antworten gern, denn die große Neugierde des Publikums freut uns. Fragt man uns aber zuviel, so daß wir keine* Lust mehr haben zu antworten, oder daß wir nicht mehr zu antworten vermögen, so ruft das bei uns Fragen hervor: Genügt denn nicht die Tatsache allein, daß man Kunst ohne Tendenz gibt, Kunst, reine, jüdische Theaterkunst, ohne Nebenabsichten, wie es alle Völker der Welt machen, die etwas zu sagen haben? Oder aber liegt es im Wesen des Juden, immer zu fragen: was ist der tiefe Sinn dieser Erscheinung? Was meint man mit dieser Tatsache? Dann folgt eine ganze Reihe ähnlicher grüblerischer Ueberlegungen. Wir Schauspieler, die wir uns in das Studium der Thcatcrkunst vertieft haben, wissen nichts mehr, als was auf der Bühne vorgeht. Wir vergessen alles andere und meinen, daß wir zu keinerlei Fragen Anlaß geben. Wir sind frei von Fragen und ledig von Antworten. Wir tun unser Werk und jeder, der uns sieht, möge das Seinige sagen. Kommt man aber zu uns und will ausgerechnet solche Dinge wissen, von denen wir selbst nichts wissen wollen, etwas von unseren Absichten, Meinungen usw., dann erinnere ich mich an die alte Geschichte, daß der Mensch sich der Existenz seiner Organe nicht bewußt wird, wenn diese in Ordnung sind. Weiß er aber zuviel von der Existenz seiner Lunge, seiner Leber usw., dann ist er krank und ihm fehlt etwas. So erscheinen mir alle die Frager. Ihnen fehlt etwas und darum fragen sie. Für unser Habimah- Ensemble ist der Weg klar: reine jüdische Theaterkunst, das ist unsere Losung, ohne irgendeine Tendenz. Wir wenden uns mit unserer Kunst an das Volk und darum haben wir das Recht zu verlangen, daß sich das Volk uns zuwendet. Was unterscheidet die Bitnah von anderen jüdischen Theatern? Warum habt ihr gerade die hebräische Sprache gewählt? Warum gibt es bei anderen Theatern Stars und bei euch nur den einen Begriff Habimah? Warum habt ihr gerade dieses Repertoire ausgewählt? Auf alle diese Fragen muß man Antwort geben. Was unterscheidet die Bimah von anderen Theatern? Die Bimah ist nicht nur ein Theater, deren Ziel in der Aufführung von Stücken höchsten Kunstranges besteht, sondern auch eine Schule, wo der jüdische Schauspieler erzogen und ausgebildet wird, der jüdische Regisseur, der jüdische Theatermaler, der jüdische Theatermusiker, Tänzer usw. Warum haben wir hebräisch gewählt? Die Antwort ist: Vor uns stand ja keine Wahl. Nicht wir haben Hebräisch gewählt, sondern Heb r I i s c h hat uiis gewählt. Man wählt niemals eine Sprache, man wählt niemals eine Muse, man wählt keine Stimmung und auch keine Schaffenskraft. Warum gibt es bei uns keinen Unterschied zwischen Stars und Ensemble? Weil alle Sc "**«Dieler unseres Ensembles die gleiche Bildung und das Arbeitsgebiet haben. Wer heute in einer Hauptrolle spielt, kann morgen Teil einer Massenszene sein und umgekehrt. Und darum gibt es bei uns keine Stars, sondern ein gemeinsam schaffendes, arbeitendes Ensemble. Warum haben wir dieses Repertoire gewählt? Seid so freundlich, bemüht euch und weist uns ein besseres Repertoire nach! Im Gegenteil! Man gebe uns etwas Rechtes und wir werden keine Minute zögern, es anzuneiimen. Wir wollen mit unserer Reise nicht nur zeigen, was wir in den wenigen Jahren auf dem Gebiete der jüdischen Kunst erreicht haben, sondern wir wollen die jüdische Bevölkerung prüfen, wie sie uns versteht und aufnimmt. Die ersten Länder, in denen wir waren, haben die Prüfung glänzend bestanden. Ihre Beziehung zu uns hat uns für unsere weitere Arbeit sehr viel Mut gegeben. Unvergeßlich werden in unserer Erinnerung die strahlenden Gesichter der lettischen Juden bleiben und ihre Feiertagsmienen während der ganzen Zeit, als wir dort weilten. Diese Juden haben unsere Wunden geheilt und unsere Leiden, die wir in schwerem Kampfe ausgestanden, gelindert. Immer werden wir an den Empfang der gesamten jüdischen Bevölkerung in Kowno denken. 37 Organisationen haben uns bei unserer Ankunft belagert. Die leuchtenden Gesichter der Frauen, ein Meer von Blumen, die ganze ״Habimah-Woche“ ließen uns vergessen, wieviel Leid und Mühsal wir ausgestanden haben. All das stimmte uns weich, machte unsere Herzen frohlieh und wir sagten uns: Nun ist alles vergessen. Unsere Arbeit wird von allen richtig eingeschätzt, einerlei welcher Partei sie angehören, und welche Politik sie treiben. Das Verhältnis zu uns ist ohne Tendenz; das ist eine richtige Beziehung und auf diese Weise werden wir imstande sein, die Aufgabe, die wir uns gesetzt, weiter fortzuführen.“ Es verlautet, daß auf dem demnächst in W i e n staftfindenden Städtebau- und Architektenkongreß Palästina durch einige Delegierte vertreten sein wird. In den Ausstellungsräumen des Kongresses sind Bilder, Skizzen und Diagramme über Siädtebau in Palästina zu sehen. c ״Chan . Jiicks“,! 111 der T Himmel 1 gewirkt ui besteht eil beiden my die die Bi fahrt entv jüdischen Die i! mit Stillsi Lebenslaul erfahren v Auftretens täten nacl hält den 1 Feuer vor und einen wanderte ׳ bis zum Säuseln ei gleichsam er ins Le hist ein g ist wahrh Auch beiden hi große Un kennbar, in der Bi es wandel denn Got Emporgeh stimmt; d in dem Sii Todes gk hei Elia feuriger ) im Sturme Die ת Gestalten Chanoch Verwand!! dings ״w< Engelhaft׳ in eine Fi Körper 2 anderer S niederfahi Name Eli steigen 1 im Sturm Licht soll weile. 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