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Jüdische Rundschau · 1926-09-22 · Heft 74-75 (22.9.1926) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXI (1926)
Issue
Heft 74-75 (22.9.1926)
Date
1926-09-22
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr 7475 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 531 JS Neu• n - 26. 'Öllili um Iberliest leitsviele ■ eronen dar! als >erer '»gen :iner 1 benach mit seit Hing rten, allen idesr in auf noch;eres jetzt Beweil illigt utng pest, ■dert eher iften hont okal in ge ge- Be- :äne. des die imte lerte arch eine sind die eren!den der 1 es ft die den. dies Sitll ufzl gute sich tzen Her,!aßdas et/. uns :rigfHriten. mit!iner igen Anihn uint- Und iick- und auch es ultanz nen, eiten dem am amg bever- In fung tung vervon ufer iben Mut lika- 1 an iquilene euen mfehen, lägt, des ihre verdern iben ׳rgenommen wurden, in Palästina noch nicht zu Veränderungen geführt. Disengoff hat seine Stelle als Leiter der städtischen Kolonisation noch nicht angetreten, und wie cs scheint, stehen wir in diesem Punkte noch vor einer Reihe von Verhandlungen. Nach dem, was im Lande verlautet, will Disengoff seine Teilnahme an der Arbeit der Exekutive an bestimmte Bedingungen knüpfen, die bisher in derOeffentiichkeit noch nicht präzisiert sind. Es wäre sehr zu bedauern, wenn sich an diesem Punkte neue Schwierigkeiten ergeben würden, so daß die städtische Kolonisation wieder längere Zeit ohne verantwortlichen Leiter bleiben müßte. Denn wir haben heute kein Departement in der Leitung, daß in vollem Umfang für diesen Arbeitszweig verantwortlich wäre. Das Arbeitsdepartement sorgt für die Ausführung bestimmter Arbeiten iin Zusammenhang mit den Stadtverwaltungen, das Industriedepartement ist in seiner Natur nach auf die Förderung bestehender oder entstehender industrieller Unternehmungen beschränkt. Eine umfassende Organisierung der städtischen Elemente tut not. Unter den spezifischen Verhältnissen Palästinas geht diese Organisierung, wenn sie der Initiative der einzelnen überlassen bleibt, nur zögernd und nach begrenzten Interessen orientiert vor sich. Denn es handelt sich um kleine Kapitalien, die ihrem Wesen nach eher organisationsbedürftig sind, als daß sie organisierend wirken und um Menschen, die ohnedies leicht zur Atomisierung neigen. Sie zusammenzufassen, sie wirtschaftlich in bestimmte Bahnen zu lenken, ihnen ökonomische Möglichkeiten zu erschließen, die auseinanderstrebenden Interessen einer übergeordneten Tendenz zu unterordnen, ist die Aufgabe eines Departements der städtischen Kolonisation. Eine Industrielle- und eine Hypothekenbank ist unter diesen Gesichtspunkten nur ein Mittel zum Zweck. Nur wenn dieses Instrument entsprechend ausgebaut und richtig benützt wird, kann es den Nutzen bringen, den wir von ihm erwarten müssen. Daß es eben auf die Handhabung solcher Werkzeuge ankommt, hat uns die Geschichte der zionistischen Banken bewiesen. ♦ Wie durch einen Blitz aus heiterem Himmel wurde die große Oeffentlichkeit und im besonderen die breiten Kreise der Arbeiterschaft vor kurzem durch einen Beschluß der Leitung der allgemeinen Arbeiterorganisation überrascht, der die Mitglieder der beiden Siedlungen Kfar Giladi und Tel-Chaj aus der Organisation ausschloß. Obwohl die Lage in diesen beiden Punkten bereits seit nahezu zwei Jahren Grund zu Besorgnissen und Beratungen in den Institutionen der allgemeinen Arbeiterorganisation gegeben hatte, war der Abschluß dieser Entwicklung plötzlich und bis zu einem gewissen Grade unerwartet. An die erste Veröffentlichung in der Presse der Arbeiterschaft schloß sich eine Ueberfülle von Artikeln und Deklarationen von verschiedenen Seiten, die heute bereits zu einem riesigen Material angeschwollen sind, das sich immer noch vermehrt. Wir beschränken uns hier auf eine kurze Zusammenfassung der Tatsachen, die zu der heutigen Lage geführt haben. Kfar Giladi und Tel-Chaj nehmen unter den nationalen Siedlungen eine besondere Stellung ein. Es sind Kwuzoth, also Arbeitergruppen, die jedoch nicht wie die übrigen landwirtschaftlichen Betriebe auf Boden des Keren Kqjemeth arbeiten und Vom Keren Hajessod unterstützt werden, sondern . ’W'|04-,die״ JCwuzoth, . die . auf. den» ״'Boden .der Paiestine Jewish C'olonisation Association (Pica) angesiödelt sind und von ihr finanziell versorgt werden. Ihre Basierung und wirtschaftliche Abrundung wird seit langem, und zwar \ vergeblich angestrebt, weil einerseits die Pica auch an | diesen Stellen an ihren sehr langsamen und geduldigen | Methoden festhält und die Lage im fernen Norden die Betriebe vom übrigen Palästina abgeschlossen hält, was ihrer Arbeit besondere Schwierigkeiten bereitet. Einen besonderen Charakter und gewissermaßen romantischen Schimmer erhielten die beiden Kolonien durch die Kämpfe, die ijn Jahre 1920 dort ausgefochten wurden und die mit dem Namen Trumpeldors verknüpft sind, und durch den Umstand, daß nur das Bestehen von Kfar Giladi, Tel-Chaj und Metullah die Verschiebung der Grenze nach Norden hinaus ermöglichte. Dieser romantische Schimmer und die Herrschaft der Pica waren die Ursache, daß sich die (Oeffentlichkeit Palästinas im Grunde wenig für die wirtschaftlichen Zustände dort oben interessierte und eigentlich wenig danach fragte, wie hier eine rationale Kolonisationsarbeit zu erreichen sei. Kfar Giladi gehörte ’ seit Jahren dem Gdud Haawodah (Legion der Arbeit) an, während die Kwuzah Tel-Chaj vor ungefähr zwei Jahren beschloß, sich gleichfalls dem Gdud anzuschließen. Die Zentrale des Gdud brachte eine Anzahl ihrer Mitglieder dorthin, die sich mit einigen seit langem dort eingesessenen Familien zur Bewirtschaftung zusammenschlossen. Nach einiger Zeit tauchte der Plan auf, die beiden Kolonien zu vereinigen, da sich auf diese Weise eine rationelle Bewirtschaftung durch gemeinsame Wasserversorgung und ähnliches ergeben könne. Die neu angesetzten Mitglieder des Gdud traten mit aller Verve für das Projekt ein, während die Minderheit der alten Siedler sich den Plänen widersetzte. Einerseits aus alter Feindschaft mit Kfar Giladi, andererseits aus dem Gesichtspunkt, daß man bei Trennung der Wirtschaften leichter den Boden von der Pica bekommen könne, der zur Abrundung nötig sei. Nach langem Kampfe, an dem sich die Zentrale des Gdud und die Leitung der Organisation der landwirtschaftlichen Arbeiter beteiligte, beschloß die landwirtschaftliche Organisation gegen die Vereinigung der beiden Punkte. Die Mehrheit von Tel-Chaj fügte sich diesem Be- Schlüsse nicht und mit ihrem Einvernehmen begannen die Mitglieder von Kfar Giladi die Felder von Tel-Chaj zu pflügen. Es kam zu ernsten Konflikten, und alle Bemühungen von selten der verschiedenen Instanzen der allgemeinen Arbeiter- Organisation blieben fruchtlos, da sich die Mehrheit nicht den Beschlüssen fügte. Unter diesen Umständen wurden die Siedler von Tel-Chaj und Kfar Giladi wegen Nichteinhaltung der organisatorischen Disziplin aus der allgemeinen Arbeiter- Organisation ausgeschlossen. Da sich aber im Anschluß an diese Ereignisse eine große Aufregung bemerkbar machte und die herrschende Partei innerhalb der Organisation, die Achduth Awodah, und der Gdud gegenseitig schwere Beschuldigungen vorbrachten, außerdem der Ausschluß ganzer Gruppen auf administrativem Wege von den verschiedensten Selten angegriffen und gerügt wird, wurde eine Kontrollkommission eingesetzt, die die Tatsachen in ihren Zusammenhängen und in ihrer Entwicklung genau zu prüfen und der Leitung der Organisation Rechenschaft abzulegen hat. Die Kommission ist zurzeit an der Arbeit. Herbert Samuel in München Von der Möglichkeit Anläßlich eines kurzen Aufenthaltes des ehemaligen High Commissioner von Palästina, Sir Herbert Samuel und seiner Gattin Lady Samuel, während der jüdischen Feiertage in München,, wurde Donnerstag, den 16. September, ein feierlicher Empfangsabend für die Gäste iin Hotel Continental von einem Komitee prominenter jüdischer Personlichkeiten Münchens veranstaltet. Dem einladenden Komitee chörten an Rabbiner Dr. Leo Bärwald, die Vorsitzenden er Israelitischen Kultusgcmeinde, Oberlandesgcrichtsrat Dr. Alfred Neumeyer und Dr. Elias Straus, der Präsident der Münchner Bne-Brith-Loge^ Weiß, der Vorsitzende der Münchener Ortsgruppe des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, Dr. Ludwig Wasserman n, Professor Dr. Heinrich Rhein ström, Stadtsyndikus Dr. Fritz Stern. Unter den Eingeladenen befanden sich die Vorstände der lokalen jüdischen Organisationen, die Repräsentanten der Kultusgcmeinde und viele hervorragende Vertreter der Geisteswelt, und führende Persönlichkeiten des wirtschaftlichen Lebens Münchens. Zu der Veranstaltung war auch der Vorsitzende der Zionistischen Vereinigung für Deutschland und Mitglied des Präsidiums des Keren Hajessod, Herr Kurt Blumenfeld, erschienen. Den Abend eröffnete im Namen des einladenden Komitees Herr Dr. Elias Straus, der die Gäste herzlich begrüßte und es als ein großes Glück für die Münchener Judcnheit bezeichnete, aus dem Munde des erfolgreichen Lenkers der Schicksale Palästinas während der letzten Jahre eine Dar- Stellung der Lage des jüdischen Aufbauwerkes zu erhalten, die durch die autoritative Stellung, die Sir Herbert Samuel einnehme, dazu beitragen könne, das noch immer heißumstrittene Problem der Leidenschaftlichkeit politischen Kampfes zu entziehen und einer objektiven Urteilsbildung auf Grund sachlicher Information die Wege zu ebnen. Oberlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer begrüßte die Gäste im Namen der Israelitischen Kultusgemeinde München. Allenthalben sei, nach den verwüstenden Wirkungen des Weltkrieges, der jüdisch-religiöse Gedanke und das jüdische Selbstbewußtsein wieder erstarkt. Den Juden, die dazu berufen sind, an den Werken des menschlichen Fortschritts aktiv mitzuarbeiten, gereiche die Teilnahme an dem Wiederaufbau einer jüdischen Heimstätte in Palästina zum Stolze. Dieses Werk, an verantwortungsvoller Stelle geleitet und ihm während vieler Jahre seine ganze Tatkraft verliehen zu haben, sei das hohe Verdienst Sir Herbert Samuels. Hierauf erhielt Sir Herbert Samuel das Wort zu einer Ansprache, die von Herrn R.-A. Dr. A. Perlmutter abschnittweise in deutscher Uebersetzung wiederholt wurde. Samuel dankte zunächst für die herzlichen Begrüßungsworte. Es sei nach seiner Ueberzeugung unmöglich für jeden, der sich als Jude fühle, der Entwicklung des jüdischen Palästina, dessen Vergangenheit für die religiöse und kulturelie Entwicklung des Judentums und der Menschheit eine so große Bedeutung habe, interesselos gegenüberzustehen. In der Entwicklung des Landes während der letzten Jahre sei die Balfour-Deklaration ein Markstein gewesen. Der Redner gibt nunmehr eine kurze scharfumrissene Darstellung der wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Entwicklung Palästinas seit der Balfour-Deklaration. Der im Verhältnis zur Größe des Landes bedeutende Zuström von Kapital während der letzten Jahre habe die jüdische Zuwanderung, in solchem Maße gestärkt, daß sich die! jüdische Bevölkerung in kurzer Zelt verdreifacht hat. Die gegenwärtig wahrnehmbare wirtschaftliche Depression im Lande habe ihren Hauptgrund in den wirtschaftlichen und politischen Verhältnissen der Juden in den osteuropäischen Ländern. Er ist überzeugt, daß auch diese Krise, wie die früheren, vorübergehen wird. Bei der Kolonisation des Landes hat das jüdische Volk bereits durch seine bisherige Arbeit den Beweis erbracht, daß es imstande ist, mit der Kraft seiner eigenen Hände den Boden zu bearbeiten und den Wiederaufbau des Landes durchzuführen. Jüdische Männer und Frauen haben in heroischen Anstrengungen alle Schwierigkeiten, die die heutige Beschaffenheit des Landes einer intensiven Kolonisationstätig• lceit entgegenstellt, auf sich genommen und siegreich überwunden. Zur kulturellen Entwicklung des Landes konstatierte Samuel, daß das geistige Leben der Juden Palästinas schon heute beträchtlich sei. Die jüdischen Erziehungsanstalten befinden sich in verheißungsvollem Fortschritt. Der sinnfällige Ausdruck der kulturellen Entwicklung ist die Wiederbelebung der hebräischen Sprache in Wissenschaft, Literatur, Theater, öffentlichem und privatem Leben. Es ist zu hoffen, daß mit der Zeit immer größere Werke des kulturellen Schaffens hervorgebracht werden. Das sei der Ehrgeiz und das Ziel des nalästinensichen Geisteslebens. Hierauf geht der Redner auf die politischen Probleme des jüdischen Palästinaaufbaues näher ein. Als er vor 6 Jahren ins Land kam, bestand ein gespanntes Verhältnis zwischen Juden und Arabern. Die Araber fürchteten״ durch die Balfour-Deklaration dazu verurteilt zu sein, die unterdrückten Sklaven eines jüdischen Staatsw׳esens zu werden. So erklären sich die politischen Unruhen, die sich in den ersten Jahren nach der Balfour-Deklaration im Lande bemerkbar gemacht hatten. Pflicht der englischen Regierung war es also, zu erklären, daß dies nicht das Ziel der englischen Regierung sein kann. So erklärt sich die Entstehung des englischen Weißbuches, in welchem klargelegt wurde, was die Absicht der englischen Regierung hinsichtlich des Mandats sei. Dieses Weißbuch war nicht nur wegen der Araber, sondern auch wegen derjenigen Juden notwendig, die durch den Ausdruck ״National Home“ in der Balfour-Deklaration, den sie mißverstanden, beunruhigt waren. Viele Juden fürchteten, daß die Errichtung einer jüdischen nationalen Heimstätte eine Beeinträchtigung ihrer staatsbürgerlichen Stellung nach sich ziehen könnte. Zwar war bereits in der Balfour-Deklaration ausdrücklich festgestellt worden, daß die Errichtung einer jüdischen nationalen Heimstätte die staatsbürgerliche Stellung der Juden keineswegs berühren sollte, trotzdem habe das Weißbuch diese irrtümliche Auffassung noch einmal richtiggestellt, was um so nötiger erschien, als die Meinung, daß Palästina so jüdisch werden solle, wie England englisch sei, große Verwirrung angerichtet habe. Durch die Aufklärung dieses Mißverständnisses im englischen Weißbuch sei auf beiden Seiten eine gewisse Bcrithiung eingetreten. Die Araber Palästinas seien mit vollstäniger Gerechtigkeit behandelt, und dadurch sei eine Befriedung des Landes ermöglicht worden. Obwohl die Juden Englands naturgemäß eine verstärkte Pflicht der Mitarbeit an aem Werke haben, so ist es ein Irrtum, zu glauben, daß das Mandat eine rein englische Sache sei. Es ist in erster Linie eine Angelegenheit des Völkerbund es. Der Völkerbund hat eine Mandatskommission eingesetzt, die alle die Mandatsländer betreffenden Fragen zu behandeln hat. Alle Staaten der Welt verfolgen heute mit Interesse die Entwicklung Palästinas unter der Führung der Mandatsmacht. Nach dem soeben erfolgten Eintritt Deutschlands in den Völkerbund unterliegt es keinem Zweifel, daß in nächster Zeit auch ein deutscher Verdes Aulbaus überzeugt treter in die Mandatskommission ge w ä h 1 i und an den Arbeiten der Kommission teilnchmcn wird. Auch die Vereinigten Staaten von Amerika haben, obwohl sic den Völkerbund nicht angehören, ihre ausdrückliche Zustimmung zum Palästinamandat gegeben. Aus allen diesen Gründen, schloß Sir Herb e r t Samuel seine Rede, ist es mir u n v e rstand lieh, daß es irgend einen Juden geben kann, der nicht ein sympathisierendes Interesse au dem Schicksal dieses Landes haben sollte, und ich bin sicher, daß man einen an dem paliistinensischcn Aufbauwerk teilnehmenden englischen, deutschen oder französischen Juden wegen dieser Teilnahme für keinen schlechteren Engländer, Deutschen oder Franzosen halten wird. Die Ansprache Samuels, der sich am Schluß seiner Rede bereit erklärte, Fragen, die an ihn gerichtet werden, zu beantworten, wurde mit begeistertem Beifall aller Anwesenden aufgenommen. Nach einer kurzen Pause eröffnete der Vorsitzende den zweiten Teil des Abends und erteilte Herrn Kurt ßltmienfeld, den er herzlich begrüßte, das Wort. Herr Blumenfeld überbrachte den Gästen die Grüße des Präsidiums des Keren Hajessod und der Zionistischen Vereinigung für Deutschland. Er charakterisierte die politische Stellung Samuels als Iligh Conimis.-niier. Er würdigte seine Verdienste um die Lösung des staatspolitischen Probletns: den Ausgleich zwischen den beiden das Land bewohnenden Völkern herbeizuführen. Die Auffassung des Weißbuclies, des gleichberechtigten Zusammenlebens von juden und Arabern, sei zu billigen, wenn auch zahlreiche Einzelheifen dieses politischen Dokumentes revisionsbedürftig sind. Politische Dokumente dieser Art würden naturgemäß nur solange Anspruch auf Geltung haben, als sic den ihnen zugrunde liegenden Realitäten unverändert bleiben. Die Meinung vieler Juden, daß die jüdische Heimstätte ein Werk nationalistischer und chauvinistischer Bestrebungen sei, sei endgültig zerstört. Die politische Palästinafrage ist das Problem des Nebeneinanderlebens zweier Völker in einem Staate. Man müsse lernen, daß die Begriffe Staat und Volk nicht identisch sind. Um dieses Problem bemüht sich heute die gesamte europäische Welt. In Palästina versuchen wir, den jüdischen Geist mit einem jüdischen Wirtschaftskörper zu verknüpfen. Die Schwierigkeiten des Aufbaues liegen hauotsächlich auf wirtschaftlichem Gebiete. Ohne die tätige Mitarbeit der Juden aller Länder sei das Gelingen des Werkes in Frage gestellt. Die sich in der Gegenwart vollziehende große geistige Auseinandersetzung innerhalb des Judentums müsse zu einem verstärkten ,Verantwortungsgefühl aller Juden für die Palästinasache führen. Die Ueberzeugung müßte Allgemeingut werden, daß in Palästina ein Werk der Freiheit zum Nutzen aller Juden und der gesamten Menschheit vollendet wird. Zum Schluß seiner mit Beifall aufgenommenen Rc ' richtete Herr Blumenfeld an den Gast einige Fragen, die sich auf die Aussichten der Verwirklichbarkeit des jüdischen Palästinawerks bezogen. Nunmehr erhielt Sir Herbert Samuel wiederum das Wort zur Beantwortung der inzwischen beim Vorsitzenden münd* lieh und schriftlich abgegebenen Fragen aus den Reihen der Zuhörerschaft. Diese Fragen bezogen sich aut die politische, wirtschaftliche und kulturelle Seite des Palästina- Problems. Bei Beantwortung dieser Fragen hatte Sir« Herbert Samuel Gelegenheit, Einzelheiten zu berühren, die eine wertvolle Ergänzung seiner Rede darstellten. Insbesondere hob er dabei die entscheidende Bedeutung des Keren Haj e s s o d, als eines der wichtigsten Finanzinstrumente zum Aufbau des Landes hervor. Vom Zustrom weiteren Kapitals hängt die zukünftige Einwanderung und damit die gesamte Entwickhing der jüdischen Kolonisation ab. Im weiteren beschäftigte sich der Redner auf Grund der an ihn gerichteten Fragen mit dem Memorandum des Jüdischen Nationalrats in Palästina und der Zionistischen Organisation an die Mandatskommission des Völkerbunds sowie der Frage der Wirkung der im Memorandum enthaltenen Kritik der Tätigkeit der Mandatsmacht auf diese. Die Erklärungen Samuels in dieser Hinsicht sind mit denen seiner vor wenigen Tagen in Nürnberg gehaltenen Rede identisch. Die Frage der Baronin von Neuschotz, ob die von der C.-V.-Zeitung eingenommene skeptische Haitung bezüglich des Hebräischen als Landessprache berechtigt sei, beantwortete Sir Herbert: Ich verstehe nicht, wie jemand, der selbst in Palästina war, einen Zweifel hinsichtlich der Zukunft der hebräischen Sprache haben kann. 95 ׳״!» des gesamten Unterrichts in den jüdischen Schulen wird in hebräischer Sprache erteilt. Alle jüdischen Zeitungen und Zeit- Schriften erscheinen in hebräischer Sprache, alle Versammhingen werden in hebräischer Sprache abgehalten. Hebräisch ist Heben Arabisch und Englisch die offizielle Landessprache, und überall, wo die jüdische Bevölkerung wenigstens 20«;» ausmacht, wird die Benützung der hebräischen Sprache in den staatlichen Aemtern praktisch ermöglicht. Auch hinsichtlich der Frage der Erweiterung der jüdischen Kolonisation auf Transjordanie 11 gab Sir Herbert Samuel bereitwillig Auskunft. Er behandelte ferner die Frage der Möglichkeit einer Vergrößerung des jüdischen Bodenbesitzes und wies in diesem Zusammenhang auf die Vorteile einer intensiveren Bearbeitung der in jiidischein Besitze befindlichen Flächen hin. Nach seiner Meinung könne noch sehr viel Boden käuflich erworben werden, während es herrenlosen, zur Bearbeitung geeigneten Boden so gut wie nicht mehr gebe. Auf die Frage, ob Aussicht bestehe, daß die Juden in Palästina eine Majorität bilden werden, antwortete der Redner, daß dies für die nächste Zeit nicht wahrscheinlich sei. Die besonderen Siedlungsverhältnisse ermöglichen eine friedliche Ordnung der Beziehungen zwischen Arabern und Juden und ihrer nationalkulturellen Selbstverwaltung. Besonders tiefen Eindruck machte Sir Herbert Samuels Erklärung auf die anfangs von Herrn Blumenfeld und später auch von anderen gestellte Frage, die von ihm als letzte beantwortet wurde, ob er an die Möglichkeit des jüdischen Aufbauwerkes in Palästina glaube. Darauf erklärte Sir Samuel: .,Als ich zum erstenmal nach Palästina kam, war ich hoffnungsvoll, als ich das Land verließ, war ich überzeugt davon.“ Dieses Wort Samuels wurde durch spontanen Beifall begeistert aufgenommen. In einem kurzen Schlußwort resümierte der Vorsitzende Dr. Elias Straus das Ergebnis des Abends. Samuels absolute Zuversicht hinsichtlich des Gelingens des Werkes und der aus seinen Worten sprechende Appell, alle unsere Kräfte der Palästinasache zu leihen, werden nicht wirkungslos bleiben. Begeisterte Zustimmng fand der Hinweis Dr. Stratis’ auf die Tatsache, daß dieser Abend die innere Verbundenheit der Juden aller Welt auf das Schönste demonstriert habe. Das Gefühl brüderlicher Gemeinschaft mache! nicht an den Grenzen der Länder halt, in denen Juden j wohnen. Am Palästinawerkc mitzuarbeiten heiße die Zu- 1 kurift des Judentums sichern. Ir i* f j;

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