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Jüdische Rundschau · 1926-09-17 · Heft 73 (17.9.1926) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXI (1926)
Issue
Heft 73 (17.9.1926)
Date
1926-09-17
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 73 auf diesem Gebiete Aber mit der Erkenntnis als solcher war relativ wenig getan: Der Keren Kajemeth hatte alle Kräfte anzuspannen, um den Ansprüchen der landwirtschaftlichen nationalen Kolonisation zu genügen, er unterhielt bereits einen :roßen Apparat im Galuth und hatte in den letzten Jahren eine 1 'rhöhung seiner Einnahmen erreicht, die man noch kurze /.eit vorher für undenkbar angesehen hätte. Immer weitere Schichten des Volkes verstanden seine Bedeutung und steuerten ,׳um Gelingen der großen Aktion bei. Aber trotz allem hatte der K. K. L. für alle Arbeitsgebiete nicht genug Mittel übrig, f r vermochte es nicht, große Areale in der Stadt in seinen besitz zu bringen und damit den privaten Käufen wirksam das Gleichgewicht zu halten. Und auf diese Weise konnte er bis heute nicht als der Bodenregulator wirken, als der er gedacht war. Wenn heute ein Rückblick über die 25 Jahre der Arbeit unseres Bodenfonds uns vor allem zeigt, was noch zu tun ist, so ist das ein Beweis dafür, wie ungeheuer sich die Bewegung in dieser Zeitspanne ausgebreitet hat. Die großen ^Flächen, die bereits in nationalem Besitz sind, die Imposanten Sanierungs- und Ameliorationsarbeiten, die an den verschiedenen Stellen durchgeführt worden sind, die Terrasderungs- und Aufforstungsarbeiten, die wir heute im Lande haben, sind ein so großes Werk, daß .es Bewunderung erregen muß. Hier ist unter ungekannten Bedingungen, unter schwicrigen klimatischen Verhältnissen, mit den Pfennigen der Kleinsten, ohne jede Regierungsgewalt, aus voller Freiwilligkeit, unter dem Zwang eines weitausgreifenden Planes im Laufe von noch nicht einem Menschenalter die Grundlage gelegt worden, für kommende bedeutsame Entwicklungen. Neben den wirtschaftlichen Werten, die sich in Zahlen und Bilanzen ausdrücken lassen, bildet der nationale Boden den Hintergrund für soziale Experimente, deren Tragweite und Bedeutsamkeit sich heute noch nicht erfassen, vielleicht nur ahnen läßt. Eines aber ist schon heute zu erkennen: Die Nationalisierung des Bodens, wie sie durch den N. F. erreicht wird, bietet ein soziales Korrektionsmittel von solcher Elastizität und Biegsamkeit, wie sie allein imstande ist, eine langsame Reformbewegung zii sichern. Ohne starre gesetzliehe Maßnahmen, ohne wirtschaftliche und menschliche Uniformierting wird hier die Macht des einzelnen im Interesse der Gesamtheit auf seinen eigenen Lehenskreis, in dem er sich frei bewegen kann, konzentriert. Es ist interessant zu beobachten, wie sich alle sozialen Formen der landwirtschaftliehen Kolonisation ausnahmslos auf den nationalen Boden stützen und hier ihre Sicherung und ihre Quelle finden. Die Schaffung des Nationalfonds im Zeitpunkt der Kristallisierung des Zionismus war eine Tat des gesunden Instinkts und des nationalen Selbsterhaltungstriebes. Bei Abschluß des ersten Vierteljahrhunderts der Nationalfondsarbeit stehen wir vor einer Expansion unserer Koionisation. Diese Erweiterung unseres Rahmens wird uns auch eine Erweiterung der Aktion unseres Bodenfonds bringen müssen. Es werden schon jetzt alle Anstrengungen gemacht, um dem Nationalfonds neue Möglichkeiten für Einnahmen zu verschaffen. Es mag sein, daß sich in der kommenden Periode auch auf diesem Gebiet vieles ändern wird. Die Grundlagen des Nationalfonds, nach denen er seine Arbeit in diesen 25 Jahren geführt hat, haben sich als gesund und brauchbar erwiesen. Sie sind im Laufe der Entwicklung nur befestigt und ausgebaut worden. Sie werden auch weiterhin die Arbeit dieses zionistischen Fonds in seinen Tendenzen bestimmen und damit eine gedeihliche Arbeit im Lande gewährleisten. ׳,;■<;;Me -Einna 11 men >d«s: .K,K»J».::;■»«1• August betrugen £E 25135; hierin sind folgende Länder mit Beträgen über £E 1000 vertreten: Vereinigte Staaten mit £E 16 421, England mit £E 1313, Polen mit £E 1182. Mit den Augusteingängen haben die Gesamteinnahmen des Keren Kajemeth in den verflossenen elf Monaten des laufenden Jahres CE 231 673 erreicht, ein bemerkenswerter Fortschritt gegen die in der gleichen Periode des Vorjahres aufgebrachte Summe von £E 225 586. Der Betrag von 1000 $ wurde von der Nathan Straus Palestine Advancemerft Society dem Jüdischen Nationalfonds zur Verfügung gestellt zwecks Eintragung des ehemaligen amerikanischen Botschafters in der Türkei, des verstorbenen Oscar Straus in das Goldene Buch. Chikago, 6. September. (J. T. A.) 44 prominente Funktionäre des Ordens Bnei Brith hielten hier eine Konferenz ab und beschlossen, eine Kampagne zur Aufbringung von 2 Millionen Dollar einzuleiten. Der Ertrag der Kampagne soll für die Arbeit der Liga zur Bekämpfung des Antisemitimus, für die Bnei Brith-Arbeit in Palästina und für die ״Hillel-Foundation“, die eine jüdische Bildungsarbeit unter den jüdischen Studenten der amerikanischen Universitäten führt, verwendet werden. Eskadron durch das Städtchen ritt, dann stand Jossel mit leuchtenden Augen und offenem Munde da und bestaunte die glänzenden Helme und die bewimpelten Piken. Der Rittmeister freute sich über Jossels Interesse, und es war eine regelmäßige Erscheinung, daß die ganze Eskadron ״Habt Acht‘' nahm und im Paraderitt vor Jossel vorbeizog. Dieser dankte hoheitsvoll, hatte aber auch manchmal Anlaß zur Kritik. ״Herr Leutnant“ oder ״Herr Korporal", pflegte er zu rufen, ״wie sitzen Sie denn im Sattel“, und dröhnendes Gelächter war die Antwort auf diese Ausstellung. Jossel führte auch ein Register. Darin notierte er alle Leute, die seiner Ansicht nach auch verrückt waren, und also sozusagen seiner Oberaufsicht unterstanden. In dieser Liste figurierte u. a. der Rosch Hakohel, ein Dajon, einige Baibattim und der Tierarzt. Ungebeten pflegte Jossel jedermann alle Veränderungen seines Registers bekanntzugeben. _ Denn dieses Register stand nicht fest. Es war nach einer bestimmten Rangordnung eingerichtet, und der Rosch Hakohel oder irgendein anderer von Jossels Gilde konnte auf der Stufenleiter der Verrückten emporsteigen oder heruntersinken. Wenn irgend jeniand im Städtchen eine besondere Dummheit gemacht hatte, so konnfe er sicher sein, einen Platz in Jossels Register zu erhalten. Lange Zeit stand der Tierarzt auf loco I in der Verrücktcnliste. Da Jossel beim Verlesen seines Registers, insbesondere die ersten Namen, weithallend nannte, wurde der Tierarzt bei Jossel vorstellig. ״Jossel", sagte er ihm, ״wieviel verlangst du dafür, daß du mich von deiner Liste streichst?“ Jossel verlangte zehn Groschen, und das Geschäft wurde perfokt. Aber schon zwei Tage später erschien Jossel vor Morgengrauen im Hause des Tierarztes. ״Herr Doktor“, sagte er, ״hier bringe ich Ihnen Ihre zehn Groschen wieder. Mein Gewissen verbietet mir, daß ich Sie aus meiner Liste streiche.“ Jossel hatte wegen dieser mannhaften Haltung wiederum alle Lacher auf seiner Seite. Aber einmal ging es unserem Jossel schlecht. Es war ein neuer Bezirkshauptmann gekommen, ein gar gestrenger Herr. Seine Amtsführung wurde von den Juden als sehr drückend empfunden, und sie versuchten nun, mit Hilfe Jossels an dem neuen Herrn Kritik zu üben. Anlaß bot die Vor- ״ebijng einer Straßenschotter-Lieferung. Wiewohl Chajini Auerbach 'aus dem Städfchen die billigste Offerte gemacht hatte, wurde die Lieferung einem fremden Juden zugesprochen. Wie man sagte, auf .Grund eines liebenswürdigen Händedrucks, JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 523 Zionistische Finanzpropaganda B r i e f a u s Polen. (Von unserem Korrespondenten.) —g. Warschau, Anfang September. Welchen Widerhall haben die Beschlüsse der letzfen Aktions-Comitc-Sitzung in Polen gefunden? Diese Frage läßt sich noch nicht eingehend beantworten, da die Sommerferien kaum vorüber und die zionistischen Führer aus dem Auslande erst seit wenigen Tagen zurückgekehrt sind. Aus den Aeußerungen der Presse und den vorliegenden Berichte״ zu schließen, haben die Londoner Beratungen in Polen den besten Eindruck hervorgerufen. Die gegenwärtige Situation des Zionismus wird hier vollauf gewürdigt, und die in London vorgeschlagenen Mittel zur Besserung der Lage in Palästina und in der Bewegung werden in Polen gebilligt. Wir wollen nun, vor Beginn der hoffentlich intensiven Winterarbeit, Grenzen und Möglichkeiten sowie Bedürfnisse und Notwendigkeiten zionistischer Tätigkeit in Polen, dem Lande größter jüdischer Massensiedlung, zu schildern versuchen. Energischeste Propagandaarbeit zwecks Aufbringung größtmöglicher Mittel für unsere Aufbaufonds wurde mit Recht in London als das erste Gebot zionistischer Politik aufgefaßt. Es heißt also auch bei uns in Polen raschest an diese Arbeit herantreten. Wir müssen offen aussprechen, daß die verminderten Eingänge des Keren Hajessod in Polen im letzten Jahre nicht nur auf die sehr schwere ökonomische Lage der jüdischen Bevölkerung zurückzuführen sind. Sicherlich sind die objektiven Bedingungen gegenwärtig sehr ungünstig für jede Sammlung. Der jüdische Mittelstand kann nicht ‘mehr das leisten, was er auch nach seinem Herzen möchte. Aber immerhin ist die Lage nicht so trostlos in bezug auf zionistische Finanzpropaganda, wie es oft geschildert‘ wird. Die Gründe für den Rückgang der Sammlungen sind mannigfacher Natur. So z. B. fehlt es an großem organisatorischem Schwung in der Arbeit des K. H. in Polen. Der Propaganda- und Sammlungsapparat funktioniert, scheint urs. nicht gehörig. Man tat in den letzten Monaten nicht alles, um der Situation Herr zu werden. Man wollte die Ausgaben auf das Notwendigste reduzieren, und darunter leidet die Arbeit in mancher Hinsicht. Es macht sich der Mangel an geeigneten Propagandakräften sehr fühlbar. Im Dienste des K. H. in Polen finden wir gegenwärtig fast keine einzige Persönlichkeit, welche bei den jüdischen Massen dank ihrer gescllschaftliehen Stellung, politischen Tätigkeit, ihrem Wissen oder ihrer Rednergabe die nötige Wirkung haben könnte. Nur solche Männer, man mag es bedauern, aber so ist es — wären in der Lage, bessere Resultate zu erzielen, sowohl bei den Massen als auch in der Gewinnung einzelner kapitalkräftiger Juden. Wir wissen die Kleinarbeit des K. H. zu schätzen, aber für diese Kleinarbeit in jedem Ort muß doch vorher der Boden vorbereitet werden. Und das wurde u. E. letztens arg vernachlässigt. Hier gilt es im nächsten Jahre wieder nachzuholen. Wir meinen, daß es Aufgabe des Direktoriums des K. H. ist, einige prominente zionistische Persönlichkeiten aus Palästina oder aus anderen Ländern einzuladen, nach Polen für einige Monate zu gehen und sich hier in den alleinigen* Dienst des K. H. zu stellen. Es müssen Männer sein, welche den jüdischen Massen die ״Wahrheit aus Palästina“, die ungeschminkte, aber auch fröhliche, zu sagen verstehen. Wir stehen auch in Polen einer antizionistischen Front gegenüber, die zwar anders gestaltet ist als in Deutschland und mit der auch darum der Kampf in vielen Hinsichten anders aufgenommen werden muß, wie es Blumen* feld auf dem letzten Delegiertentag der Z. V. f. D. geschildert hat; aber auch unsere Antizionisten interessieren sich sehr lebhaft für das, was in Erez-Israel vorgeht und suchen jede Schwierigkeit des Aufbaus ins schwärzeste Licht zu setzen. Letztens finden sie Helfer im Lager derjenigen Kreise der vierten Alijah, welche infolge mehrerer Umstände, teils objektiver, teils subjektiver, sich in Palästina nicht einzuordnen vermochten und nunmehr nach Polen zurückgekehrt, für alles Böse die zionistische Exekutive und den Zionismus verantwörtlich machen. Diese ״Me rag lim“, wie man sie hier nennt, verbreiten Nachrichten und Gerüchte, die größtenteils ein Prodgkt ihrer Phantasie, nicht aber der palästinensischen Wirklichkeit sind. Es ist nicht zu leugnen, daß so manche Klagen berechtigt sind. So z. B. über den Mangel an Informationen für den Mittelstandseinwanderer, das Fehlen von Kredit, Schwierigkeiten seitens der palästinensisch-englischen Administration. Was sie aber sonst vorzubringen wissen, ist teils auf Ignoranz, teils auf bösen Willen zurückzuführen. So bekommt man zu hören, daß die zionistische Exekutive und andere maßgebende zionistische Faktoren im Lande die polnischen Juden absichtlieh drangsalieren und sie als minderwertige Elemente be* handeln. Diese Vorwürfe, in unwürdiger Weise vorgebracht, hört man speziell aus dem Munde einiger Männer, die sich als ״Delegierte“ der ״Hitachduth Olei Polania“ in Tel-Awiw (der Vereinigung der Einwanderer aus Polen) ausgeben. Diese gebärden sich als Emissäre aus Palästina, die hier eine ״wichtige“ Aufgabe zu erfüllen haben, nämlich, laut sich ob des speziell den polnischen Juden in Palästina /.!!gefugten Unrechtes zu beklagen und zu verlangen - man höre und staune! —, daß die aus Polen für den K. H. fließenden Gelder ausschließlich den polnischen Einwanderern zugute kommen sollen. Nun wissen wir zwar nicht, ob bei den jetzigen Eingängen des K. H. in Polen diese Olim bei solcher Verteilung auf ihre Rechnung kommen würden, aber wir halten mid mit uns, glauben wir, auch die ganze zionistische Oeffentlichkcit, schon die Forderung als solche für unerhört, und für einen traurigen Beweis mehr für die Mentalität mancher ״Führer“ der vierten Alijah und ihrer Fürsprecher in Palästina. Was sie noch sonst vorzubriiigcn haben —- Klagen über den Tel-Awiwer Magistrat, die zionistischen Beamten, die jüdischen Advokaten und Richter u. dgl. — beweist, wie wenig diese Elemente zionistisch vorbereitet für die Alijah waren. Es sind natürlich zahlreiche Ausnahmen vorhanden, welche stumm in sich das Leid tragen, daß sie die ■Ungunst der Verhältnissc gezwungen hat, Palästina zu verlassen und die inbrünstig hoffen, bei günstigeren Umständen noch zurückzu־ kehren. Die anderen Elemente aber verpesten die Luft im zionistischen Lager und schaffen eine Atmosphäre des Zweifels und eines Defaitismus, der in manchen Städten, z . B. in Lodz, wo sich die Mehrzahl dieser ״Merag'im“ befindet, für die zionistische Finanzpropaganda gefährlich wird. Gründliche Informationen sind also das geeignetste Mittel bei solchen Mißständen. Dies muß die zionistische Finanz- Propaganda besorgen. Ausgezeichnete, wenn auch ־zufällige Arbeit, hat in dieser Hinsicht das Mitglied der palästinensischen Exekutive, H. J. Sprinzak, geleistet, welcher gelegentlich des Besuches bei seinen Parteifreunden der ״Hitachdutli“ in Polen, insbesondere i!1 Lodz, sehr viel dazu beigetragen hat, die Atmosphäre zu reinigen und viele Mißver- •!.׳!׳idi'issc aufzuklaren. 1!1 Lodz sprach Sprinzak zusammen mit klig. Le will son auf einem sehr gut besuchten Volksm ־( tu!, der ״Hitachduth“ über die gegenwärtige Lage in l’al.i tiiia. Die Redner schilderten genau den von der ״Hitachdiith־־ seit Anfang vertretenen und jetzt als richtig iTwiesuii■!] Standpunkt über die vierte Alijah und analysierten dugegenwärtige Wirklichkeit Palästinas. In der Versammlung wurden Zwischenrufe mehrerer aus Palästina zurückgewandvrten Juden laut. Air« nachsfcn Tag fand aut Einladung des Keren Hajessod• Komitees in Lodz eine Beratung mit den Zurückgekehrten in Anwrsenheit des Exekutivmitgliedes Sprinzak statt. Die Sitzung dauerte bis 5 Uhr morgens und war reich an dramatischen Szenen. 111 längeren Ausführungen antwortete H. Sprinzak den Klagefükremlcn und schloß mit einem Appell an die Versammelten, gerade auf Grund ihrer schlechten Er* fahrungen in Palästina, an Ort und Stelle eine intensivste Propaganda für den Keren Hajessod durchzuführen, da es allen klar sein sollte, daß uns nichts so sehr helfen kann, wie die Stärkung unseres nationalen Fonds, insbesondere des Keren Hajessod. Was also gelegentlich in Pol«! Sprinzak geleistet hat, muß jetzt systematisch und durch längere Zeit von anderen Männern geleistet werden. Wir schlugen vor, ausländische Gäste einzuladen. Wir wollen abtauch nachdrücklichst verlangen, daß in erster Linie und auch raschestens, etwa sofort nach den Feiertagen, die zionistischen Führer in Polen, insbesondere die zionistischen Sejmabgeordneten für eine ge- .wisse Zeit, die,parlamentarische Tätigkeit buht ijkryr nnzweifel•־ haften Wichtigkeit zurückstellen, und mit vollem Eiter und mit dem ganzen Einsatz ihrer Persönlichkeit sich der zionistischen Finanzpropaganda widmen. Wir sprechen es ganz offen aus (man liest es übrigens schon auch in den Spalten mancher jüdischen Zeitungen in Polen), daß die zionistischen politischen Führer in Polen diesbezüglich gesündigt haben und jetzt Buße tun müssen. Mögen sie daran gehen und die zionistischen Soldaten werden gehorsamst folgen. Es genügt nicht — für den Keren Hajessod im Elsaß und in Rumänien, in Belgien und Oesterreich zu werben, hier in Polen ist ein breites Feld vorhanden, nur fehlen die Sämänner. Sollte es sich bewahrheiten, daß Prof. Wcizmann demnächst nach Polen kommt, müßte seitens sämtlicher zio nistischer Föderationen in gemeinsamer Anstrengung eine großzügige Aktion für den Keren Hajessod eingeleitct werden. Es wurde vorgeschlagen, eine Palästinakonferenz einzuberufen. Möglich, daß dieser Vorschlag durchführbar ist. Wie dem auch sei, es muß festgestellt werden, daß in Polen trotz der schweren wirtschaftlichöl Lage für die zionistische Finanzpropaganda noch große Möglichkeiten vorhanden sind. Es fehlt nur die große Anstrengung. Jossel rannte nun durchs Städtchen und fragte jedermann, wjeviel der Bezirkshauptmann auf die ״Jad" (Hand! bekommen hätte. Dieses Fragespiel gelangte zur Kenntnis des Bezirkshauptmanns. Und dieser machte nicht viel Federlesens. Er ließ einfach den guten Jossel in den Tagen zwischen Rosch Haschanah und Jom Kippur in den Genieindckotter stecken, in dem er bis zu seinem Abtransport in eine Irrenanstalt verbleiben sollte. Dieses Vorkommnis erregte im Städtchen größtes Aufsehen und stärkstes Mitgefühl. Alle Leute wurden dessen inne, wie sehr ihnpn Jossel fehlte und ans Herz gewachsen war. ln die friedfertige ruhige Bevölkerung zog der Geist, der Ernpörung. Was noch niemals in diesem Städtchen vorgekommen war, ereignete sich jetzt: Arm und reich, groß und klein hielt eine Volksversammlung ab; Redner erläuterten den Fall und man entschloß sich, so unglaublich das klingen mag, sich zu beschweren. Denn schließlich: Jossel war wohl nicht ganz vernünftig: andererseits war er aber ein Jude und unschuldig. Und gerade vor Jom Kippur einen Juden unschuldig im Gefängnis zu wissen, das brachte die Volksseele zum Kochen. Nach altem Brauch wurde der Fürsprech in Bewegung gesetzt. Dieser, seines Zeichens u. a. Winkelschreibor, fand so- "fort einen probaten Weg, um Jossel aus den Klauen des Gemeindekotters zu entreißen. Einige Balbattim taten sich zusammen und der Fürsprech begab sich zum Bezirksarzt. Dieser erwies sich des Fürsprechs Argumenten zugänglich und bescheinigte, daß Jossel harmlos sei und daß seine Ucberführung in eine Irrenanstalt überflüssig erscheine. Mit diesem Dokument ausgerüstet, wandte man sich an den Bezirkshauptmann. Dieser wollte vorerst nicht nachgeben. Als aber der Raw des Städtchens in eigener Person Erew Jom Kippur in die Bezirkshauptmannschaft kam, erklärte sich der Bezirkshauptmann bereit, jossel vorläufig für die Zeit von Erew Jom Kippur bis einen Tag nach Jom Kippur zu entlassen. Dieser Bescheid wurde zwei Stunden vor dem ״Vorfasten‘' bekannt und erregte derartige Freude, daß die Leute sogar aufhörten, nachzurechnen,•wieviel der Fürsprech bei den! Geschüft verdient haben mochte. Trotzdem man am Jom Kippur ins Bethaus mit ernster Miene und in demütiger Haltung gehen soll, war während des Kolnidrcbetens der Ernst aller Beter verklärt durch eitle stille Heiterkeit, weil cs gelungert war, Jossel zu befreien und auf diese Weise ein von der ganzen .Gemeinde tief empfundenes .Unglück abzuwenden. Eil Indisch -spanischer ״Diwan“ Vor einiger Zeit wurde über die Auffindung der bisher unbekannten Gedichte des Don Todros Abulasia H a 1 e v i aus Sevilla berichtet. Dieser dem 18. Jahrhundert entstammende ״Diwan‘׳’ war bisher unbekannt und läßt nun seinen Verfasser unter die ersten Dichter der sep bardischen Glanzepoche hinaufrücken. Leider hat die Veröffentlichung, die bloß die photographische Wiedergäbe einer späteren Handschrift enthält, in literarischen Kreisen peinlichstes Aufsehen erregt, da der Herausgeber Dr. M. G a s t e r mit keinem Worte den Entdecker des ״Diwans“ nennt, bloß von viel Mühe und emsiger Forschung spricht, mit denen die Auffindung verbunden war und so die Vermutung aufkommen läßt, als ob er diesen Schatz hebräischer Dichtung der Vergessenheit entrissen hätte. Wie nun Herr Ludwig Bato (Wien) der dortigen ״Morgenzeitung“ mitteilt — im übrigen weist auch die jüngste Nummer des ״Haolam“ darauf hin -״, ist der Entdecker des ״Diwans“ der Wiener Gelehrte Professor Dr. Samuel Krauß, der schon im Vorjahre in einem Werke und in einem Aufsatze im ״Haolam“ auf die ihn! geglückte Auffindung der Gedichte des Todros Abulasia aufmerksam gemacht hat. Im übrigen plant Professor Krauß eine wissenschaftliche Hera u s g a b e des ״D i w a n s“. Aus Anlaß des ־zehnjährigen Todestages von Sc ho lern A 1 e c h c m hat das Kommissariat für Volksbildung der Regierung in Weißrußland beschlossen, in jedem Monat 10O Rubel als Dichtergabe für begabte jiddische Dichter in Weißrußland auszusetzen. Das Stipendium tragt den Namen ״Scholem-Alechem-Dichfergäbe“. Für die Jahre 1926 und 1927 wurde die Dichtergabe dem jungen jiddischen Dichter I s i C h a r i k in Minsk verliehen. * Am 1. Oktober beginnt das Moskauer hebräische Theater ״H a b i m a h“ am Theater am Nollcndorfplatz sein Berliner Gastspiel. Das Repertoire umfaßt fünf Dramen: Anskys ״Dybuk“, Beer-i loiiuanns ״Jaakobs Traum“, Schalom Aleciicins ״Sintflut“, ferner ״Golem“, ״Der ewige Jude“ u. a. in.

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