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Jüdische Rundschau · 1926-09-17 · Heft 73 (17.9.1926) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXI (1926)
Issue
Heft 73 (17.9.1926)
Date
1926-09-17
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 522 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 73 Nr. 73 rechnen muß. Politik ist nun einmal keine akstrakte Spekulation, sie ist ein höchst persönliches Geschäft, das von lebendigen Menschen, mit ihren Leidenschaften, Vorurteilen, Sympathien und Antipathien, geleitet und gemacht wird. Es ist also von großer Bedeutung, wenn diese Leute zusammenkommen, um sich zunächst zu beriechen, wie ein mir bekannier Diplomat diesen Prozeß etwas burschikos nennt. Es übt eine Wirkung aus, wenn diese Leute in offiziellen Beratungen stundenlang Zusammenarbeiten, und dann in zwanglosen Besprechungen bei einem Glas Wein, der, nach dem alten Bibelspruch, das Herz des Menschen erheitert, sich über alles mögliche unterhalten und gemeinsame Interessen und Gedankengänge finden, die sie miteinander ver* binden. Und dabei merken, daß es Musik und Literatur gibt und die ganze schöne große Welt und die Menschheit und daß für dich, ebenso wie für den anderen, der schöne große Vers gilt, den Heine, der menschlichste Dichter, verkündet: ,,Und wieviel ist Dir geblieben Und wie schön ist doch die Welt Und mein Herz, was Dir gefallt, Alles, alles darfst du lieben!“ Immer, immer muß jeder von uns hier in Genf im Völkerbund an unsere zionistischen Kongresse denken. Auch unser Herzl hat in der Tribüne unseres Kongresses, von der wir der Welt unsere Wünsche und Forderungen erklären und den wahren Charakter unseres Geistes und unseres Wesens zeigen können, die größte und die höchste Errungen- Schaft der zionistischen Bewegung erblickt. Auch wir wissen, daß ohne diese Zusammenkünfte die Kluft zwischen Westen find Osten, zwischen Russen und Deutschen, und dann die Mißverständnisse zwischen uns allen und den Amerikanern, und die Verschiedenheit zwischen den Aschkenasim und den Sephardim nicht hätten überbrückt werden können. Auch wir wissen, welche neue Kraft, und weiche neuen Impulse diese Zusammenarbeit der heterogensten Elemente schafft. Ebenso ״überzeugend“ wirkt die tägliche Arbeit, die im Sekretariat des Völkerbundes und in seinen koordoniierten Organen, in dem Bureau International du Travail und in dem Institut International de la Cooperation intellectuelle, geleistet wird. Auf verschiedensten Gebieten werden Fädchen gespönnen, die alle Nationen einander näherbringen, und so ein Netz der internationalen Verbindungen und Verpflichtungen schaffen. Und noch etwas. Genf wird zu einem Hauptpunkt, zu einer Capitale du Monde, zu einem Zentrum der mannigfaltigsten internationalen Organisationen und Bestrebungen, Um den Völkerbund herum hat sich eine Reihe von Veranstaltungen organisiert: Der Kongreß der Minderheiten, der Friedenskongreß, die Tagung des Rates der interpariamentarischen Union, die Frauenkundgebungen, der Kongreß der Boy-Scouts usw. Eine Liste der Versammlungen, Konferenzen und Demonstrationen, die in Genf während dieses ״Monats des Völkerbundes“ stattfinden, ist erstaunlich groß. Und immer mehr erstreckt sich diese Erscheinung der internationalen Arbeit über das ganze Jahr hinaus. Viele tausende, nicht nur gewöhnliche Touristen, sondern Forscher und Denker, Politiker und Journalisten, Finanzleute und Schriftsteller, kommen jährlich nach Genf und bleiben hier, um die Fragen zu studieren, deren Durchführung der Völkerbund dienen soll, -sieh• *tt׳־wientiewtl-v!1l1«1 lÄren!:-:af;:?lägen5 •was 5ihnensl am Herzen liegt, und andere für ihre Wünsche zu gewinnen. Immer größer wird der Kreis der Interessierten, immer mehr verfeinert wird diese große Maschinerie, die in Genf Impulse sucht und die ganze Welt umspannen will. So wächst auch für uns, in jeder neuen Tagung, in jeder neuen Erweiterung des Genfer Wirkungskreises, die Bedeutung dieses Postens, der zu den exponiertesten Posten unserer politischen und diplomatischen Arbeit werden soll. Man darf natürlich aus diesem Gedanken heraus keine Legende konstruieren. Man darf nicht denken, daß man von Genf aus die Politik der jüdischen nationalen Heinistatte leiten wird oder leiten kann. Der Schwerpunkt unserer politischen Arbeit liegt in London, in unserer Beziehung zu der Mandatarmacht, und in Palästina, in der jüdischen schöpferischen Arbeit in unserem Aitneuiand. Es wäre ein unverzeihlicher und verhängnisvoller Fehler, wollte man versuchen, Genf gegen London auszuspielen. Ich spreche schon nicht davon, daß die ganze heutige zionistische Politik, die mit den Namen von Dr. Weizmann und seiner nächsten Mitarbeiter verknüpft ist, auf dem Gedanken der loyalen und aufrichtigen Kooperation mit der Mandatarniacht aufgebaut ist, daß ihre ideologische Grundlage in dem Gedanken einer loyalen und aufrichtigen Verständigung mit den Arabern verankert ist. Auch die Anhänger einer sogenannten starken Politik würden bald einsehen, welche Resultate ein ״starkes“ Auftreten in Genf, das letzten Endes unvermeidlich eine Spitze gegen England und gegen die Araber in sich birgt, zeitigen würde. Was wir hier tun können und tun müssen, ist unaufhörliche Aufklärung und Werbearbeit. Nirgends wie hier fühlt mail es so stark, wie wenig das richtige Wesen der zionistischen Bestrebungen bekannt ist, wie wenig gemacht worden ist, um der Welt zu sagen, was wir wollen und der Welt zu zeigen, was zu leisten wir imstände sind und was wir schon geleistet haben. Es ist erstauniieh, wie wenige Nichtjuden und auch nicht zionistische Juden imstande sind, die ganze alimenschliche Schönheit und Größe unseres Gedankens zu erfassen, weichen Kampf ein solch fremder Mensch mit sich selbst in seiner eigenen Hausphilosophie und Haustradition auskämpfen muß, um unsere Gedanken, die man ihm näherzubringen versucht, zu würdigen und sich zueigen zu machen. Die Vorurteile des doktrinären schablonenhaften Liberalismus und Demokratismus sprechen dabei mit vielleicht derselben Kraft, wie die Nachklänge eines fast nie ganz überwundenen Antisenütismus oder einer vielleicht mehr unschuldigen, aber bestimmt um so gefährlicheren instinktiven ״Abneigung gegen den Juden“. Wie dem auch sei! Die Widerstände sind noch immer sehr groß und es gehört große und wichtige Arbeit dazu, sie zu überwinden. Die schon jetzt erzielten, wenn auch bescheidenen. Erfolge beweisen, daß wir uns doch auf dem richtigen Wege befinden, und daß vieles geleistet werden kann. Es muß eine Revolution im Geiste des zu Informierenden hervorgerufen werden; es muß ihm beigebracht werden, daß der ganze zionistische Gedanke sich in derselben Entwicklungslinie bewegt, in der alle ״Genfer Gedanken“ sich bewegen. Daß der Zionismus eine befreiende und friedenbringende Bewegung ist, daß das, was wir erstreben, allmählich realisiert, die Menschen einander näherbringen wird: Die Juden untereinander, indem man dem jüdischen Leben ruhige und vereinende Ziele schafft und die Möglichkeit einer würdigen Auseinandersetzung zwischen dem nach einer Assimilation Strebenden und dem eine nationale Vertiefung und Ent- Wicklung Erstrebenden gibt; zwischen den Juden und anderen, indem man dem Antisemitismus die kräftigste Waffe aus der Hand schlägt, da man durch die Schaffung einer freien, selbständig Werte der eigenen Kultur produzierenden Gemeinschaft, das Märchen vom jüdischen Parasitentum für immer zerstört; zwischen den Völkern des nahen Orients, unter die man ein aufbauendes Element, die Juden als Verkünder des Fortschritts und Mittler zwischen Orient und Okzident pflanzt ... Um sich hier, in Genf, durchsetzen und siegen zu können, muß man diese Verknüpfung unseres Ideals mit den alhnenschlichen Hoffnungen, die Einstellung unserer Wünsche Jtt den ,R|hme» 4«f ,EntwÄliutg, wie $&• t wird, dartun. .............. . -׳:■<׳■,׳'<׳ Ausführlicher darüber und über das, was in dem Völkerbund in Genf von unserer Seite geschieht, was von uns erreicht worden ist und noch erreicht werden muß, in den folgenden Briefen. Die Kompetenz der Mandatskommission Genf, 12. September. (J.T.A.) Sir Austen Chamb e r I a i n, der britische Minister des Auswärtigen, gab eine Erklärung ab, daß die Frage der Erweiterung der Kompetenzen der Mandatskommission des Völkerbundes nicht früher als Dezember 1926 vor den Völkerbundsrat zur Verhandlung kommen könne, da die Mandatarmächte eine Frist haben müssen, um die Forderungen der Mandatskommission zu studieren. Großbritannien und Frankreich beharren auf diesem Standpunkt unbeeinflußt von irgendwelchen Handlungen der Völkerbundsversammlung. Er wies zum Schluß noch darauf hin, daß Australien, Neuseeland und Südafrika in der Frage der Mandate mit England vollkommen übereinstimmen. Ein abgewendetes Unglflck .Von Moses Waldmann. Was gehört zum Wesen eines richtigen Städtchens? Raw und Dajanim, ein ״Bäder“ und ein Sofer, eine ״Tickerin“ und arme Leute, Mischnajes-Leser und Klageweiber verstehen sich von selbst. Ohne alle diese Angeführten ist ein Städtchen kein Städtchen. Besondere Bequemlichkeit verleiht dem städtisehen Leben das Vorhandensein eines Winkelschreibers. Von ganz wohlgeordneten Verhältnissen zeugt die Existenz eines ״Fürsprechers‘‘, der beim Bürgermeister, im Steueramt, Gericht und auch bei der Bezirkshauptmannschaft aus- und eingeht. Aber alle diese Personen und Einrichtungen sind trotz ihrer Notwendigkeit und der Bequemlichkeit, die sie dem städtisehen Leben verleihen, in ihrer Gesamtheit noch nicht die restlose Zusammenfassung dessen, was den vollkommenen Charaktcr eines jüdischen Städtchens ausmacht. Zur Erlangung der letzten Weihe ist in einem richtigen jüdischen Städtchen in Osteuropa ein eigener ״Stadtmeschuggener“ notwendig. Das will buchstäblich verstanden sein. So richtig wohl fühlt man sich erst in einem jüdischen Städtchen, wenn man iin Beth Hamidrasch, im Schwitzbad, auf dem Marktplatz, bei vorkommenden Feiern wie Hochzeiten und Brith Miloth oder bei traurigen Anlässen, wie Todesfällen, den Stadt■ meschuggcnen sieht. So ein Stadtmeschuggener erfüllt umfassende und wichtige Funktionen. Er ersetzt sozusagen die lokale Skandalchronik. Wenn z. B. die Eierhändlerin Sara, die schon seit langer Zeit gegen die Geflügelhändlerin Ssosie Wut im Herzen trägt, erfahren hat, daß besagte Ssosie ihren Schabbes-Schalet hat vollständig verbrennen lassen, so kann sie diese höchst interessante Neuigkeit doch nicht allen Leuten erzählen, weil das doch die Sünde der bösen Nachrede darstellen würde. In so einem Falle empfiehlt es sich, den erwähnten Vorfall dem Stadtmeschuggenen zu erzählen und ihn das Erzählte wiederholen zu lassen. Hierauf kann man sich den Mund abwischen und als ob nichts geschehen wäre, nach Hause gehen. Der Stadtmeschuggene sorgt schon dafür, daß alle Leute im Städtchen in kürzester Zeit erfahren, was für eine ״Schlimesalnitze“ die Geflügelhändlerin Ssosie ist. Oder aber: Reb Seinwel Schor, des ״Dardick Melamcds“ älteste Tochter, die rothaarige Jente, ist spät abends in Begleitung des Landgendarmen gesehen worden. Dieser. Verkehr schickt .sich nicht für eine jüdische Tochter. Andererseits aber möchte Riwke, des Bäders Frau, die Jente mit dem Gendarmen in flagranti erwischt hat, es nicht mit Reb Seinwel Schor, mit dem sie sonst gute Nachbarschaft hält, verderben und Jente auf die Weise ins Gerede bringen, daß der Ursprung des Geredes sofort festgestellt werden kann. In so einem Falle hilft man sich folgendermaßen: Man fragt von ungefähr den Stadtmeschuggenen: ״Ist es wahr, daß du erzählt hast, du hättest Jente, die Rote, mit dem Gendarmen gesehen?“ Der Stadtmeschuggene hat nichts gesehen und nichts erzählt, aber die Frage erregt sein Interesse, und nun rennt er durch das ganze Städtchen und fragt seinerseits Kreti und Pleti, ob sie nicht Jente mit dem Gendarmen gesehen hätten. Auf solche einfache Art ist Riwkes Ziel erreicht. Ein dritter Fall: Der Propinator, ein feister Jude in den Fünfzigern, soll die Bäuerin Paraska, das Weib des bei ihm bediensteten Fedor, der an der Maut mit einem großen eisernen Stab die strohgefüllten Fuhren der aus den Dörfern kommenden Landleute durchstöbert, um festzustellen, ob diese unversteuerten Schnaps in die Stadt bringen, liebevoll angesehen haben. Auch das schickt sich für einen würdigen feisten Juden keineswegs, der im Beth Hamidrasch an der Ostwand seinen Sitz hat. Nun besteht aber schon seit längerer Zeit zwischen dem Propinator und dem Haupttrafikanten eine gewisse Rivalität, die von der letzten Lizitation der Alijoth am Simchath Thora herrührt. Damals hat der Propinator durch ein Ueberangebot von ״Chaj“ (18) Groschen schließlich den ״Schischi“ an sich gebracht. Das konnte der Trafikant nicht vergessen, und als er im Vorbeigehen bemerkte, daß der Propinator die genannte Paraska streichelte, was lag da naher, als den Stadtmeschuggenen zu beauftragen, daß er diesen Fall im Auge behalte. So geschah es auch, und der Stadtmeschuggene sorgte einer Stadttrommel gleich, daß in weniger als zwei Tagen alt und jung zu erzählen wußten, der Propinator, dieser alte würdige Jude, halte es urtverschämterweise mit der Bäuerin Paraska. Der Stadtmeschuggene hat aber auch wichtigere Funktionen. So z. B. pflegt der Richter, im allgemeinen ein gerecht denkender Mann, nicht ungern zu sehen, daß ihm der von einem Juden verklagte Bauer am Tage der Verhandlung ins Haus zwei fette Hühner und zwei Mandeln Eier bringt. Zuverlässige Zeugen haben diesen beklagten Bauer mit vollen Händen in das Haus des Richters gehen und mit leeren zurückkommen sehen. Das aber laut zu erzählen, ist gefährlich. Man 25 Jahre Keren Kajemeih auf diesem relativ wei Von unserem Korrespondenten. A. G. Jerusalem, 1. September 1926. In dem Zeitpunkt des Ueberganges von Versuchen voller wirklicher Arbeit, int Bewußtsein des großen Abstandes zwischen den Notwendigkeiten und unseren Kräften beenden wir ein Vierteljahrhundert der Arbeit des einen unserer großen nationalen Fonds. Es ist jetzt fünfundzwanzig Jahre her, seit die Zionistische Organisation durch den jüdischen National! fonds die Kolonisationsarbeit in Palästina aufnahm. Der Naim, nalfonds ist ein echtes Kind der zionistischen Bewegung in ihrer Frühzeit. Vollständig auf Freiwilligkeit aufgebaut, repräsentiert er in reinster Form den Gedanken der Selbst, hitfe. Beim Nationalfonds ist niemals wie beim Keren Hajesscxl, seinem jüngeren Bruder, die Rede von Steuern und Eit!, kommensprozenten gewesen. Völlig auf Spenden, und zwar auf kleine Spenden der Massen aufgebaut, ist er das Instrument einer freiwilligen Assoziation. Dieser Charakter unseres Boden, fonds ist in den langen Jahren seines Bestehens bis heute un. verändert geblieben. In dieser Gestalt hat der Nationalfonds, und sein Symbol die blaue Büchse, jene beispiellose Popularität in allen Ländern, in denen Juden wohnen, erlangt, der er seine Arbeitsmöglichkeiten zu verdanken hat. Es ist noch nicht lange her, daß der Nationalfonds die einzige Quelle war, aus der die Kolonisationsarbeit im Lande gespeist wurde. Erst durch die Gründung des Keren Ha• jessod wurde er in den Stand gesetzt, sich auf sein eigentliches Arbeitsgebiet, d. h. Bodenerwerb und Amelioricrung zu beschränken. Und der Nationalfonds hat diese Entlastung sofort zu großen Bodenkäufen ausgenutzt. In die letzten sechs Jahre fallen die riesigen Erwerbungen in der Ebene Jesreel, die die Basis für die Kolonisation nach dem Kriege geliefert haben. Der Nationalfonds hat, wenn wir von der Periode, wo er allgemein als der Kolonisationsfonds der Zionistischen örganisation wirkte, absehen, drei verschiedene Aufgaben zu erfüllen f” ״ fange einer Forstwirtschaft im Lande und griff damit in gewissem Sinne auf ein Gebiet über, das für gewöhnlich der Regierung zu. fällt, und er hatte auf dem Bodenmarkt für die Regulierung der Bodenpreise und für die Eindämmung der Spekulation zu sorgen. In der Schaffung eines solchen Instruments, das nationale und soziale Aufgaben miteinander verbinden sollte, manifestiert sich klar jener Zug ins Ferne, in die Zukunft, der die Bewegung immer charakterisiert hat. Keiner von ihren Führern wollte sich je mit dem begnügen, was ist, und auch Männer, die sozialen Fragen fernstanden oder kaum großes Interesse dafür hatten, kamen niemals von den Versuchen los, den Aufbau Palästinas auf Wegen herbeizuführen, die eine gesündere Entwicklung versprachen, als sie sich in den fertigen soziologischen Gebilden zeigte. Man begnügte sich nicht damit, von der Zionistischen Organisation aus Boden zu kaufen, sondern man erklärte dieses Land als ewiges Eigentum des jüdischen Volkes. Mit dieser Bestimmung, die teils aus abstrakten, teils aus sentimentalen Ueberlegungen erwachsen war und nur von einzelnen im Beginn in ihrer ganzen Tragweite erkannt wurde, wurde die Grundlage gelegt für eine soziale Ent- Wicklung mit einer ganz bestimmten, sozial umrissenen Tendenz. Bodenkauf ist im gegenwärtigen Stadium der Bewegung eine Frage auf Leben und Tod. In den letzten Jahren sind die Aufrufe, alle Energie auf dieses Arbeitsgebiet zu kpn?entrttren» «lehtAverstumiaL'ß Eino ־g»ie :5Bö&arenewe י effeteint als eine conditio sine qua non für eine gedeihliche Entwicklung der Gesamtarbeit. Vor der Masseneinwanderung und der im Gefolge auftretenden Spekulation wurde die These von der Notwendigkeit großer und rascher Bodenkäufe nur mit nationalen Argumenten vertreten. Soziale innerwirtschaftliche Momente spielen nur eine geringere Rolle. Seit Jahren ist das anders geworden. Man hat begonnen, sich auf die andere Aufgabe des Nationalfonds, auf seine Rolle als Bodenregulator, als Damm gegen ungesunde Entwicklungen zu besinnen. Mit dem Aufsteigen der gefährlichen Erscheinungen in den palästinensischen Städten begann der Kampf um die Ausbreitung des Arbeitsfeldes des N. F. auch in den Städten. Die Forderung war klar und richtig. Unter Umständen, wie den palästinensischen, die keine raschen Rcgierungsmaßnahmen zur Kontrolle der Bodenverhältnisse und damit der Bodenpreise und der Mieten gestatten, bedeutet ein Fonds wie der Keren Kajemeth für die Gesundung innerhalb der jüdischen Volkswirtschaft ein nahezu ideales Mittel. Die Konzentrierung großer Flächen, in den Händen des Nationalfonds, das heißt in den Händen der kolonisierenden Gewalt, sichert eine Niedrighaltung der Preise und damit die Verhinderung ungesunder Manipulationen und halsabschtiejderischer Mieten. Es gab auch kaum Meinungsverschiedenheiten riskiert eine Verleumdungsklage und schwere Bestrafung. Die Frau Richterin ebenso wie der Bauer werden beschwören, daß es sich bei den Hühnern und Eiern um einen regelrechten Kauf gehandelt habe. Wie kommt also die Katze übers Wasser? Wiederum auf dem Umwege über den Stadtmeschuggenen. Der kann natürlich alles erzählen, denn er ist unverantwortlich. Schlimmstenfalls ist das ganze nur das Hirngespinst eines Verrückten. Was für den Richter gilt, gilt auch in bezug auf den Bürgermeister, den Steuereinnehmer, den Gerichtskanzlisten und für alle anderen Notabein im Städtchen, Die Publizität erweist sich eben auch in diesem Falle als ein Mittel, Schäden aufzudecken und die selbstherrlichen Gewalthaber zu zügeln. In den großen Städten Westeuropas hat man zu diesem Zwecke Zeitungen. Die kleinen Judenstädtchen im Osten kommen mit Stadtmeschuggenen aus. In dem Städtchen, das meinem Heimatsdorf benachbart war, lebte auch ein Stadtmeschuggener, namens Jossel, der dem Leben im Städtchen jene Gemütlichkeit verlieh, die unumgängliches Kennzeichen eines wohlbestellten jüdischen Ge• meinwesens ist. Woher Jossel stammte, konnte keiner sagen. Gerüchte meinten, er sei in seiner Jugend ein ״Iluj“ gewesen, der in einer Jeschiwah Tag und Nacht dem Studium der verzwicktesten Traktate obgelegen habe. Durch dieses intensive Studium wurde sein Geist verwirrt, und eines schönen Tages flüchtete er aus dem Kreise seiner Lerngenossen. Ein mitleidiger Fuhrmann, der einen schweren Wagen mit einer großen Baude kutschierte, nahm den frierenden geistes■ gestörten Talniudjünger mit und lieferte ihn im Städtchen im jüdischen Hotel, dem Beth Hamidrasch, ab. So wurde Jossel Stadtinsasse, und war hochwillkommen, um so mehr, als sein Vorgänger beziehungsweise seine Vorgängerin im Amt, die ״meschuggeae Czarne“, vor zwei Jahren im Teich ertrunken war. Jossel hatte sein Quartier, je nach Laune, bald im Beth Hamidrasch und bald im Bad. Regelmäßige, ״Tag'4 hatte er nicht. Aber mitleidige Hausfrauen steckten ihm gern Speis’ und Trank zu. Jossel trieb sich tagsüber und spät in die Nacht hinein im Städtchen oder in der Umgebung der Stadt herum. Er hatte eine große Vorliebe für alles Glänzende und Farbige, so daß er wohl der einzige Jude im Städtchen war, der Feld• Hurnensträuße mit sich trug und sie zärtlich an sich drückte. Geradezu glühendes Interesse hatte er für Soldaten und militärische Paraden. Wenn die. in der Nähe stationierte Ulanen- :mzuspamic nationalen ׳roßen Ap; 1 rhöhung .■'.eit voriie Schichten c zum Gelin; der K. K. L Er vermoc Besitz zu .las Gleich! bis heute ycdacht w: Wenn unseres B< tun ist, die Beweg großen 11 Imposanten verschieden rierungst haben, sine muß. Hier rigen klirn Kleinsten, keif, unter Laufe von gelegt wo Neben den Bilanzen a I iintergrun Bedeutsam! ahnen läßt Nationnlisi( reicht wird Elastizität langsame 1 liehe Maßt! formierung der Gesarr sich frei t beobachten liehen Ko! stützen un< Schaffung - des Zionisi nationalen Bei Ab fondsarbeit sation. Di eine Erwc müssen. 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