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Jüdische Rundschau · 1926-09-17 · Heft 73 (17.9.1926) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXI (1926)
Issue
Heft 73 (17.9.1926)
Date
1926-09-17
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Einzelnummer 0,30 Goldmark JÜDISCHE RUNDSCHAU Redaktion und Verlag Berlin W15, Meinekestraße 10. Erscheint jeden Dienstag und Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 1,85 Goldmark, vierteljährlich 5,25 Goldmark. Aadandsabonntment» werden in der W&hrnog der einzelnen Länder berechnet Nummer 73 | Berlin, 17. DL 1926 Anzeigen - Verwaltung Jüdische Rundschau G,m.b.H., Berlin W15, Mcinekestr.10 Telephon: Amt Bismarck 7165—70. Aszelgeapreis: 8 gespftltNoopafedlezeiie 0,50 G.-M. Stellengesuche 0,25 G.-M. Ansdgeoschlttß: Dienstag und Freitag nachmittag 4 Uhr. Telephon! Bismarck 7165- 70, Postscheckkonto: Berlin Nr, 17392, Für Oesterreich! Postsparkassen&mt Wien, Konto Nr. 156 050. Für Tschechoslowakei: Postsparkassenamt Prag, Konto Nr. 59 410. Für Polens Postsparkassenamt Warschau, Konto Nr. 190 708. Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachm ittag. per Zionismus erstrebt für die■ JUdlsthe Volk die Schaltung einer bffentlich - rechtlich gesicherten Heimstätte in ballstlna. ״Baseler Programm.“ Bedeutsame Erklärung Südafrikas Politischer Erfolg des Präsidenten Sokolow Die südafrikanische Regierung hat in ihrer Kabinetts- Sitzung von Sonnabend, den 4. September, folgenden Beschluß gefaßt: ״Die Regierung der Südafrikanischen Union verfolgt seit vielen Jahren die Bemühungen der Zionistischen Organisation, dem jüdischen Volk in Palästina eine nationale Heimstätte zu errichten, mit Jnteresse und Sympathie und sieht in ihnen ein wichtiges Werk des Friedens und der Zivilisation. Sie wünscht diesem Unternehmen vollen Erfolg und ist bereit, durch ihre Vertreter beim Völkerbund und bei anderen ausländischen Stellen alles zu tun, was in ihrer Macht liegt, um die Errichtung einer solchen nationalen Heimstätte zu fördern.“ * Diese Deklaration ist das Ergebnis der erfolgreichen Aufklärungstätigkeit Nahum S o k o 1 o w s während seines Aufenthaltes in Südafrika. Sie ist um so bedeutsamer, als sie von der Regierung eines Staatenbundes kommt, der innerhalb des britischen Empire eine Sonderstellung einnimmt. Bekanntlich ist der gegenwärtige Minister- Präsident Südafrikas, H e r t z o g, ein Bure und sichtbar bestrebt,* die Selbständigkeit der südafrikanischen Union gegenüber England stark zu betonen. In vielen Hinsichten nimmt die südafrikanische Regierung eine andere Stellung ein als das Mutterland. Um so erfreulicher ist cs, daß die Südafrikanische Union in bezug auf den Zionismus einen derartigen Beschluß gefaßt hat. Die von der südafrikanischen Regierung ihren Vertretern beim Völkerbund jetzt erteilte Anweisung ist für unser Aufbauwerk und f|r die Haltung des Völkerbundes von .wgrd&fe. daß Nahum 1 öFöTö W':sepifl Polens und Rumäniens zu Erklärungen zugunsten dis jüdischen Nationalheims veranlaßt hat. Der Präsident der zionistischen Exekutive, Nahum Sokolow, fügte durch diesen bei der südafrikanischen Regierung erzielten Erfolg zu seinen bedeutsamen Leistungen auf politischem und organisatorischem Oebiete in den letzten Monaten ein neues unvergängliches Verdienst. Nahum Sokolow hat während seines Aufenthaltes in Südafrika, das seit jeher hinsichtlich der Leistungen für den Keren Hajessod, trotzdem dort nur 50000 Juden leben, relativ an der Spitze aller Länder stand, bewirkt, daß sich Südafrika in diesem Jahre durch die Aufbringung von 115000 £ selbst übertroffen hat. Die Steigerung der Opferwilligkeit der Südafrikanischen Juden ist der starken Wirkung der Persönlichkeit des Präsidenten Sokolow zu verdanken. Neben seiner Werbetätigkeit für den Keren Hajessod verstand es Sokolow — die öben veröffentlichte Erklärung der südafrikanischen Regierung ist der sinnfällige Ausdruck hierfür — in Südafrika auch eminent politische Arbeit zu leisten. Die Verstärkung unserer Position beim Völkerbund, der eine Zusammenfassung von Vertretern einzelner Staaten darstellt, durch die ausdrücklichen An- Weisungen der Südafrikanischen Union an ihre Vertreter wird hoffentlich entsprechend in Erscheinung treten. Nach Absolvierung der so erfolgreichen Tätigkeit in Südafrika trug Sokolow durch seinen sich an die Reise in Südafrika schließenden Aufenthalt in Palästina in hohem Maße dazu bei, Beruhigung in den palästinensischen Jischuw zu tragen. An anderer Stelle unserer Blattes berichten wir von den dank dem Eingreifen Sokolows im Interesse der Behebung der Arbeitslosigkeit erzielten Ergebnissen.‘ Die gesteigerte Opfeiwilli^Jceit des pitepora-|u1dentums, gepaart mit der in Erscheinung tretenden Selbsthilfe des Jischuw, ver« sprechien eine baldigl Ueberwindüng der Krise in Pa* lästina. Me Amschreitongen in Jernsalem — eine Falschmeldung London, 14. September (J. T. A.) Die von der United Preß of America verbreitete Nachricht, daß am erstell Rosch Haschanah-Tage in Jerusalem antijüdische Ausschreitungen stattgefunden hätten, wobei 3 Juden getötet und 4 verwundet sein sollten, hat hier großes Erstaunen hervorgerufen. A11 keiner amtlichen oder nichtamtlichen Stelle in London weiß man etwas von einem solchen oder ähnlichen Vorkommnis. Es ist unerfindlich, wie United Preß dazu gekommen ist, eine solche Nachricht zu verbreiten. Aus Warschau wird gemeldet, daß die Art, wie die Polnische Telegraphen - Agentur diese Nachricht verbreitete, scharfe Kritik hervorgerufeu hat. Die Polnische Telegraphen-Agentur gab der Mitteilung die Form eines Originaltelegramms aus Jerusalem und verschwieg, daß sie die Nachricht von der Berliner Abteilung der United Preß übernommen hat. Auf diese Weise wurde eine unnötige Beunruhigung geschaffen. Mittlerweile aus Jerusalem eingetroffene Nachrichten dementieren die Meldung der United Preß. Maßnahmen gegen die Arbeitslosigkeit Auf einer gemeinsamen Sitzung der zionistischen Palästina-Exekutive, des Waad Leumi und anderer öffentlicher Körperschaften, die jüngst unter dem Vorsitz von Herrn Sokolow abgehalten wurde, beschloß man als eine der wichtigsten Maßnahmen zur Erleichterung der Arbeitslosigkeit die UebCTführung von weiteren 500 Arbeitern aus Tel-Awiw nach den Kolonien. Der Verband der landwirtschaftlichen Arbeiter, der mit Hilfe des Keren Hajessod etwa 3000 Arbeiter in den jüdischen Kolonien untergebracht hat, arbeitet jetzt die Einzelheiten eines Schemas aus. Der Keren Hajessod soll die nötigen Mittel zur Verfügung stellen. Die Sitzung ersuchte den Keren Kajemeth, die Ameüorationsarbeiten auf seinen verschiedenen Böden mit der möglichsten Beschleunigung ausführen zu lassen. * Das Arbeitsdepartement der zionistischen Palästina-Exekutive steht in Unterhandlungen mit Vertretern der Histadruth Haowdim wegen* einer Reihe von öffent- Sichen Arbeiten, die einer großen Zahl Arbeitsloser Arbeit schaffen sollen, ln Aussicht genommen ist der Rau eines Weges in die Arbeitervorstadt nördlich von T e 1 ־ A w i w , einer Straße zwischen Rischon-le-Zion und Rechowoth, sowie Straßen in Chedera und Renjamina. Gleichzeitig wird wegen der Ueberführ tl>n g einer großen Zahl von Arbeitern in die alten Kolonien verhandelt. Für diese Aktion soll ein besonderes Departement vom Verband der jüdischen landwirtschaftlichen Arbeiter gegründet werden. Landwirtschaftliche Anleihe■ Die Palestine Corporation, New York, hat 20000 £E für drei- und fünfjährige landwirtschaftliche Anleihen durch kooperative Institutionen bereitgestellt. Die zentrale Genossenschaftsbank soll als Vermittler für diese Geschäfte fungieren. Anträge auf Darlehen sind einem besonderen beratenden Komitee zu unterbreiten. Herr C. Q. Henriq u e s, der Wasserbau-Expert bei der Palästina-ENekutive, wurde gebeten, diesem Komitee als Mitglied beizutreten. * Nach dem Tätigkeitsbericht der Zentralen Genossenschaftsbank für die 9 Monate des laufenden Geschäftsjahres sind bei ihr 214 Anträge auf Darlehen von insgesamt £E 221 027 gegen 101 Anträge auf £E 139 128 1m ganzen vorigen Geschäftsjahr 1924/25 eingelaufen. Der Bericht gibt Einzelheiten über die Geschäfte der Bank in den Monaten März, April und Mai, in denen 93 Anträge für £E 82764 bei ihr Vorlagen, von denen sie £E 63000, das sind 73 0/0, bewilligte. Dies ist bisher der höchste Prozentsatz von bewilligten Gesuchen. 38 Klienten der Bank, hauptsächlich Kwuzoth und andere landwirtschaftliche Kooperativen, erhielten in diesen drei Monaten 57 Anleihen von zusammen £E 40 833. Die Genossenschaftsbank ist eine gemeinsame Gründung des Joint Distribution Committee, des Palestine Development Council, beide in New York, und des Economic Board for Palestine in London. ln der am 7. September stattgefundenen Generalversammlung der Aktionäre der Anglo-Palestine Company wurde der Beschluß gefaßt, auch im zweiten Halbjahr eine Dividende von 21/3 °!0 den Aktiortaren zu geben, so daß die Dividende in diesem Jahre 5 0/0 beträgt. Die Mavromatis- Konzessionen London, 12. September. Wie die J. T. A. erfährt, hat die bekannte Londoner Firma Sir John Jackson dem Colonial Office offiziell mitgeteilt, daß sie beschlossen hätte, sich an der Realisierung der Jerusalemer Konzessionen des Griechen Mavromatis nicht zu beteiligen. Mavromatis wird infolgedessen sowohl die Konzession für Elektrizitätsanlagen als auch die für Wasserversorgung verlieren, wenn er nicht in def Lage sein wird, bis Februar 1927 eine Gesellschaff für Ausnutzung der Konzessionen zu bilden und das nötige Kapital aufzubringen. Das Wahlreckt in die Kommunen Jerusalem, 12. September. (J. T. A.) ln dem demnächst zur Veröffentlichung gelangenden Gemeindcwahlgesetz ist das Wahlrecht zu den Stadtverwaltungsräten nur für solche palästinensischen Bürger vorgesehen, die Boden besitzen oder jährlich mindestens 10Ö Piaster Einkommensteuer zahlen. Die jugoslawische Regierung hat der Zionistischen Organisation Jugoslawiens die Legalisation erteilt mit dem Rechte, überall in Jugoslawien lokale Organisationen und Institutionen zu unterhalten. Genf und wir Um den Völkerbund. J. S. Genf, den 12. Sept. 1926. Die siebente Tagung des Völkerbundes geht im Zeichen des Eintritts von Deutschland vor sich. Um diese Tatsache herum hat sich die ganze diplomatische Arbeit der am Völkerbund interessierten Mächte und der weiten Kreise der öffentliehen Meinung konzentriert. Das ist auch die einz.ige Frage, die — abgesehen von der Erledigung der laufenden Aufgaben, die zweifellos keine geringere Bedeutung haben, als die ״großen Ereignisse“ — die Aufmerksamkeit fesseln kann. Die־ Abrüstungskommission ist noch sehr weit davon entfernt, mit ihren Arbeiten fertig zu werden. Die Vorbereitungsarbeiten für Einberufung der Oekonomisclien Konferenz sind auch noch nicht weit gediehen. Die Aufnahme Deutschlands ist nunmehr eine geschehene Sache. Wie wen die zum großen Teil auch durch Feierlichkeit des Augenblicks so feierlich gefärbten Prophezeiungen über den Anbruch einer neuen Aera, über den Beginn eines neuen Kapitels in der Weltgeschichte sich bewahrheiten, das wird wohl schon die nächste Zukunft zeigen. Schon die be* ginnenden Verhandlungen wegen der Wahl neuer Mitglieder in den Rat des Völkerbundes werden klarlegen, ob die Staatsmann.*:Konferenz, welche den Bund der Völker in Genf vertritt, wirklich von einem ganz neuen Geiste erfüllt ist. Der bestätigte Austritt Brasiliens, der angekündigte Austritt Spaniens sind keine sehr ermutigenden Begleiterscheinungen auf dem Wege zum Universalismus, den der Eintritt Deutschlands ebnen sollte. Und doch ist die Bedeutung dieses Ereignisses, insbesondere die Bedeutung der Stimmung, die sich der mehrtausendköpfigen Menge bemächtigte, welche im schmucklosen, alltäglich nüchternen Raum des Reformationssaales dicht Kopf an Kopf gepreßt, mit Spannung und in einer schönen menschliehen Aufregung den klugen und geschickten Ausführungen Stresemanns und der rührend tiefen aus der Seele gesprochenen Rede B r i a n d s lauschte, nicht zu unterschätzen. Die Reden, die eine bessere Zukunft versprachen und forderten, der Beifall der Zuhörer klangen wie ein Eid, wie ein Rütli-Schwur: dem höchsten Verlangen der Menschheit nach Frieden und Glück, alles andere unterzuordnen. Mit ־^pepia««.. .eljwteaijHrer Kraft, alles konventionelle, verges&ügM.; *um Ausdruck, im J&e- .geisterten Zuruf Brisnis'jhTÄni' j^trige«'reilll, Hand in Hand weiterzugehen, in seiner schlichten und doch so überzeugenden ״Begründung“ der Bedeutung des Tages: ״Heute abend werden die Mütter ruhiger zu Bett gehen, ohne an die Zukunft ihrer Kinder in Besorgnis und Angst zu denken.“ Und neben dieser tiefmenschlichen und darum so wirksamen Rede des großen französischen Tribuns, die jedem, der das Glück hatte, Briand zu hören, unvergeßlich bleiben wird, war die Forderung Stresemanns bedeutungsvoll: in diesem Saale müsse man nach Kontinenten denken! Ich muß gestehen, daß auf mich persönlich gerade diese Seite der Tagung des Völkerbundes am meisten wirkt: auf mein müdes, nach einem vollen Ausgleich lechzendes jiidisches Herz wirkt mit einer so überzeugenden Macht dieses Schauspiel der in einem Saal versammelten Vertreter der 49 Nationen. Wenn man bei Abstimmungen mit Albanien beginnt, neben Frankreich und Großbritannien Haiti aufruft, und dann nach Italien Vertreter von Liberia, Litauen, Lettland und Luxemburg, ein Vertreter nach dem anderen aufsteht, um seine Stimme abzugeben, dann sieht man augenfällig, wie der Gedanke der Societas Nationum doch seiner Verwirklichung nähergekommen ist. Besonders, scheint es mir, fühlt man das gerade an den gewöhnlichen regulären Sitzungen der Versammlung. Bei Besprechung des Berichtes des Generalsekretärs z. B., in einer ״langweiligen Ablösung der Redner“ dokumentiert sich vielleicht die größte Errungenschaft, die die Menschheit dem Sieg des Gedankens von Woodrow Wilson zu verdanken hat: es wurde in Genf ein Forum geschaffen, eine Tribüne, von welcher jedes Volk der ganzen Welt seine Wünsche, seine Forderungen und seine Beziehungen zu den Problemen der Menschheit verkünden kann. Jedes Volk bekam die Möglichkeit, für seine Nöte, für sein Recht aber auch für seinen Geist und sein Wesen Propaganda zu machen mit einer Würde und mit einer solchen Möglichkeit der Resonnanz, die bis jetzt nie und nirgends geboten war, und alle Völker nutzen das aus, dies großen und die kleinen. Wenn ein indischer Maharadscha in seiner Rede darzutun versucht, daß sein Gebiet und das Gebiet der anderen indischen Prinzen in sozialer Entwicklung in der Ausgestaltung des Schulwesens die englischen Gebiete Indiens weit übertrifft, und darauf hinweisen kann, daß die Vertreter Indiens im Institut de la Cooperation Intellectuelle und in vielen anderen Kommissionen und Organen des Völkerbundes mit Erfolg tätig sind, so ist es eine Propaganda, so ist es die beste Fundierung des Verlangens nach einer nicht nur formellen Gleichberechtigung. Und wenn der Maharadschah seine englisch gehaltene Rede, ohne die Dienste des offiziellen Uebersetzers zu gebrauchen selbst in einem ausgezeichneten Französisch wiederholt, dann stehen die französischen Delegierten auf und bereiten dem Inder eine Ovation, weil sie darin nicht ohne Recht eine der französischen Kultur dargebrachte Huldigung erblicken. Man spricht manchmal ironisch über den ״mystischen Charakter“ dieser Atmosphäre von Genf und des Geistes von Locarno. Und doch ist es wahr, und es ist keine Mystik, wenn man damit den Mangel an Klarheit und an Begründüng dieser Epitheta unterstreichen will. Es ist eine reelle Tatsache, mit der jeder, auch der nüchternste Realpolitiker

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