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Jüdische Rundschau · 1926-09-14 · Heft 72 (14.9.1926) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXI (1926)
Issue
Heft 72 (14.9.1926)
Date
1926-09-14
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 72 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 519 sehen. Wir finden im Prospekte die Hinweise auf sorgfaltige Planung und Vorbereitung der Siedlung, die innerhalb von zwei Jahren bis ins Detail ausgebaut werden soll; Untersuchungen alter'lokalen Bedingungen sind dem Landkaufe z. T. vorangegangen, z. T. werden sie fortgesetzt mit dem Ziele, passende Fruchtfolgcn zu bestimmen, geeignete Sorten zu finden, genauer die besonderen Eigenschaften der einzelnen Parzellen festzustellen und ähnliches mehr. Sanitäre Verhältnisse, Verkehrsmöglichkeiten, kommunale und kulturelle Bedürfnisse im weitesten Umfange erscheinen in den Bereich der Versorgetätigkeit für ,die zukünftige Siedlung gezogen. Hierbei ist im gegebenen Falle der Umstand besonders günstig, daß die Dschidrosicdlung innerhalb einer aufstrebenden Oemeinschaft, die sich auf die Planungen der Haifa B a y Development Cy stützt, Raum finden wird. Nicht in diesem Zusammenhänge soll die bedeutende kolonisatorische Tätigkeit, die die Haifa Bay Development Company auf sich genommen hat, besprociien werden. Erwähnt sei nur, daß es sich hier um den größten und wichtigsten ziisam* menhängenden jüdischen Komplex handelt, dessen Assanierung, verkehrsteehnisehe Erschließung (darunter Schiffbarmachung des Unterlaufe des Kischon, Straßenbau, Beteiligung am Hafenbau), Parzellierung in städtische, industrielle und landwirtschaftliche Zonen, Wasscrversorgungsanlagen einschließlich regelmäßiger Zuleitung des Nutz-, Trink- und Irrigationswasser u. a, in., die Haifa Bay Development Cy rum Programme hat. Die Siedler werden zu einer Genossenschaft sich vereinigen, die in gewisser Hinsicht Rechtsnachfoigerin ■der errichtenden Gesellschaft wird, im übrigen als Ein- und Verkaufsgenossenschaft fungieren wird und die wirtschaftliche Hebung der Siedlung in allen Belangen auf sich nehmen soll. Der Siedler erhalt Anleihen, die er ebenfalls in 36*/2jährigen Quoten amortisiert Somit vollkommene Uebereinitimmung mit den Prinzipien der amerikanischen Behörden auf der einen Seite; ebenso sind auf der anderen Seite die Wünsche und die allgemeinen Verhältnisse der Siedler, die die Amerikaner aus 8000 menschlichen Dokumenten geschöpft haben, mit Hilfe der Kenntnis des Menschenmateriales vorweggenommen. Und wenn Dr. Soskin meinte (oder zugab?), daß der Jude besondere differenzierte Forderungen habe, zeigt es sich also, daß die Menschen unseres Zeitalters sich hierin untereinander nicht unterscheiden. Das Sehnen gellt heute nicht nur nach Boden, es geht nicht nur um die eigene Scholle des Landarbeiters, nicht nur darum, daß der Besteller der Erde sie zu Eigen nenne, es handelt sich heute um die Flucht aus der Enge der Zinshäuser in ein Heim, aus den kalten, langen Straßenfronten in die lebensvolle Nähe der Natur, aus der Einsamkeit zwischen Millionen in die Gemeinschaft Gleichstrebender. Es geht auch nicht um weite Flächen, die den Besitzer außer Sicht- und Rufweite seines Hauses für Stunden, für Tage, für Wochen entfernen, es geht um ein Häuschen mit einem Stückchen Boden unter besten allgemeinen und besonderen Voraussetzungen. Für dieses Ziel sind die meisten gewillt, ein Kapital mitzubringen, das im Erwerbsleben der Stadt zur Gründung einer bescheidenen Existenz ausreicht — gegebenenfalls durch Liquidierung dieser früheren Existenz. Für ein Fortkommen In der Landwirtschaft ist dieses Vermögen jedoch im allgemeinen zu klein; Finanzierungen im großen Maßstabe sind erforderlich zur Schaffung größerer Gemeinwesen, die ihrerseits als Mittel zum Uebergange in die neue Lebensweise und zur gesunden Fundamentierung der Einzel- Wirtschaft unentbehrlich sind. Aber nicht nur in den allgemeinen, kolonisatorischen und organisatorischen Richtlinien, unter denen noch die fortlaufende Instruktion des Siedlers hervorzuheben wäre, nicht nur im Prinzip des full equipment, d. i. der vollständigen Ausrüstung - des-Kolonisten und Vorbereitung der Parzelle vor Uebernahme, ergibt sieb die Uebereinitimmung in den Plänen Dr. Soskins mit detJnneren Kolonisation in Kalifornien, sandem auch in dem vorgeschlagenen Wirtschaftssystem. Diese Seite der Ideen Dr. Soskins ist es ja auch, "die gewöhnlieh mit seinem Namen verknüpft wird und sich in dem Satze zusammenfassen läßt: ״Bewässerung als Voraus- Setzung der Kleinsiedlung" und auch für diese beiden Grundpfeiler moderner Bodenkultur tritt Mead kompromißlos ein. So kann man in der Oründung einer Kleinsiedlungskolonie in Dschidro ein Unternehmen erblicken, das interessante Vorläufer in Kalifornien hat, für die die Autorität eines Prof. Elwood Mead und anderer Zeujpnschaft ablegt. Die glückliche Vereinigung passender Lehrfteispiete und schöpferischer Intuition aus den am Palästina-Aufbau direkt interessierten Kreisen läßt einen vollen Erfolg erhoffen und somit glückliche Perspektiven für die 300 Familien, und zwar 250 Landwirte auf 10 Dunam-Parzellen und 50 Nichtlandwirte. Letztere werden erst snäter zur Annahme gelangen und allen Handwerker- und freien Berufen entnommen werden, für die trotz der Nähe der Stadt, die Siedlung eine Existenz bietet. Schkiliger ist nicht Jode Es ist anzunehmen, daß sich die meisten jüdischen Zeitungen mit der Tatsache, daß Otto Schlesinger, einer der beiden Eisenbahnattentäter von Leiferde, trotz seines jüdisch klingenden Namens nicht Jude ist, kaum beschäftigen werden. Dieses Verhalten wird aber nicht den wahren Gefühlen und Gedanken der Redakteure und Leser dieser Zeitungen ent• sprechen. Denn als der Name Schlesinger nach der Verhaftung der Attentäter genannt wurde, da überlief die Juden in Deutschland ein peinliches Gefühl. ״Das hat uns noch gefehlt", sagten mir an jenem Tage mindestens zwanzig Leute der verschiedensten Parteirichtungen. Ja noch mehr! Selbst die demokratischen Tageszeitungen wie ״Berliner Tageblatt" und ״Frankfurter Zeitung", die es weit von sich weisen, Judenblätter zu sein, beeilten sich — das ״B. T.“ in Form einer Polemik gegen die ״Deutsche Zeitung" und die ״Frankfurter Zeitung“ so von ungefähr — ausführlich und quasi mit innerer Befriedigung festzustellen, daß Schlesinger (man hörte formlieh das Gott sei Dank gequälter Herzen) nicht Jude ist. Dieses Verhalten erinnerte mich an ein Vorkommnis in einem jüdisehen Städtchen, in dessen Umgebung man vor Pessach einen ermordeten Knaben gefunden hatte. Der grausige Fund erregte im Städtchen lähmendes Entsetzen, das erst dann wich, als ein Parneß freudestrahlend von der Polizei mit den Worten zurückkam: ״Gott sei Dank, es ist ein jüdischer Knabe!“ Der Fall des Nichtjuden Schlesinger beleuchtete wie ein Blitzlicht die Situation der Juden in Deutschland und nicht nur in Deutschland allein. Da vermeint man. das Ghetto sei endgültig verschwunden und jeder Jude gelte nur nach seinem persönlichen, menschlichen Wert. Bis plötzlich irgendein Kutisker Schwindeleien begeht oder bis irgendein Landstörtzer namens Schlesinger ein Eisenbahnattentat verübt. Dann ist es mit der Ruhe und dem Gefühl der Geborgenheit vorbei. Was nützt es, wenn man sich sagt, wir Juden haben das gleiche Recht auf Verbrecher wie andere Völker? (Ein Recht übrigens, auf das wir gern verzichten.) In Wirklichkeit wird uns für jeden jüdischen Lumpen die Pauschalhaftung aufgeladen und — das ist das Schlimmste — durch unser Verhalten verleihen wir derartigen ungerechten Belastungen idemnUät. Es nützt eben nichts: mögen manche Juden, Getaufte und ßildgetapfte mit eingeschlossen, glauben, sie hätten sich von ihrer Gemeinschaft gelöst; in den Augen!’־־ Umwelt, auch der wohlmeinenden, sind alle Juden eine Einheit.. Das alles ist weder originell noch neu. Aber es entspricht der Wirklichkeit. Ihr gilt es, den Schleier herabzureißen. m. w. 25 freie Paläslinareisen für die indische Jagend Anläßlich seines jubiiäumsjahres schreibt der Keren Kajemeth Lejisrael einen Wettbewerb unter der jüdischen Jugend der ganzen Welt aus. Er will damit der Arbeit der Jugend für den Keren Kajemeth, die er als eine der wichtigsten Grundlagen seiner Existenz betrachtet, einen Ansporn geben lind sic auf neue Grundlagen stellen. Zu diesem Zweck stellt er 25 freie Palästina reisen der jüdischen Jugend zur Verfügung. Die Bedingungen des Wettbewerbes sind folgende: t. Zur Teilnahme berechtigt ist jeder Jude und jede Jüdin, die bei Beginn des Jubiläumsjahres, d. h. am 1. Oktober 1926, noch nicht '25 Jahre alt sind. 2. Die Verteilung der Preise geschieht nach folgenden Gesichtspunkten: a) zehn (10) Palästinareisen werden verteilt unter diejenigen Teilnehmer am Wettbewerb, die während des jubiiäumsjahres, d. h. vorn 1. Oktober 1926 bis 30, September 1927, die größte Zahl K. K. L.-Büchsen neu verteilt und die größte Zahl Leerungen dieser selben Büchsen durchgeführt haben, b) Zehn (10) weitere Palästinareisen werden verteilt unter diejenigen Teilnehmer am Wettbewerb, die während des [ubiläumsjahres, d. 11. vom 1. Oktober 1926 bis 30. September 1927, die größte Zahl Leerungen solcher Büchsen vorgenommen haben, die zu Beginn des Jubiiäumsjahres, am 1. Oktober 1926, bereits verteilt waren, c) Fünf (5) Palästinareisen werden verteilt an diejenigen Teilnehmer am Wettbewerb, die während des Jubiiäumsjahres, d. h. vom 1. Oktober lp26 bis zum 30. September 1927, mindestens 40 Büchsenleerungen vorgenommen haben und deren Büchsen den höchsten Durchschnittsertrag innerhalb der ganzen Büchsenleerung des Jubiläumsjahres gebracht haben. Unter Gewinnberechtigten mit dem gleichen Anspruch entscheidet das Los. Auf einen Teilnehmer kann nur ein Preis entfallen. Der Preis besteht in einer freien Reise nach Palästina, dritter Klasse ab Wohnort des Preisträgers und zurück ein• schließlich dreiwöchentlichen Aufenthalt unter sachverständiger Führung in Erez Israel. Die Reise der Preisträger findet zu einer vom Hauptbüro des Keren Kajemeth noch festzusetzenden Zeit — im Frühjahr oder Herbst 1928 — in Form einer Geselischaftsreise statt. Die Zuerkennung eines Preises verpflichtet zur Teilnahme an der Reise nach dem Reisejzlan des Hauptbüros des Keren Kaje,meth. Insoweit dies einem Preis• träger nicht möglich sein sollte, scheidet er ohne jeden weiteren Anspruch aus der Reihe der Preisträger aus und an seine Steile tritt der nächste Preisberechtigte. Die Feststellung der Sammelergebnisse erfolgt durch die jeweilige Landcssammelstelle des Keren Kajemeth, die besondere Ausführungsbestim• mungen erlassen werden. Die Verteilung der Preise erfolgt auf Grund der in Jerusalem eingelaufenen Ergebnisse durch das Hauptbüro des Keren Kajemeth als einzige und letzte Instanz. Die in Amerika erscheinende hebräische Zeitung ״Hadoar" richtete schwere persönliche Angriffe gegen Reuben Brainen wegen dessen Stellungnahme zur Frage der Kolonisation in Rußland. Die auf einem Abschiedsbankett für Brainin am 7. September anwesenden Schriftsteller beschlossen spontan, gegen diese Angriffe vor der Oeffentlichkeit zu protestieren. Es wurde das folgende Telegramm an die amerikanischjüdische Presse abgesandt: Die Endunterzeichneten protestie- - rm ■ entrüstet gegen die ,tmqualifizierbaren Angriffe gegen den von uns geliebten Schriftsteller Reuben Brainin und sind dessen sicher, daß die jüdische Oeffentlichkeit, die Brainins große Leistungen in der hebräischen Literatur und die jüdischen Renaissancebewegung zu schätzen weiß, die ungehörigen Angriffe so bewerten wird, wie sie es verdienen. Unterzeichnet: Tschernichowski, Marcon, Benzion, Katz, Rawidowitz, Horodetzki, Schagorodski, Lion, KUnow, Gonzer, Vojs* lawski, Waldmann, Schneurson. Preise-Schan In der C. V.-Z eitung hat vor einigen Wochen L\ H. zu dem Artikel von Robert Welt sch über Zionismus, der im Mai in der ״W e 11 b ü h n e“ erschienen war, Stellung genommen und sich vor allem gegen die Feststellung verwahrt, es sei die ״Würdelosigkeit unserer lügenverstrickten Existenz“, woraus der Zionismus einen Ausweg suche. L. H. erklärt, das assimilatorische Judentum habe eben das ״deutsche Erlebnis“, das außerhalb Deutschlands geborene Juden (!) nicht begreifen können. Im übrigen sei die Bezeichnung der jüdischen Situation als lügenvcrstnckt eine Unterstützung der Antisemiten (!), — Auf diesen Artikel hat Robert Weltsch in einer Zuschrift an die C.V.-Zeitung geantwortet, welche diese in ihrer Nr. vom 27. August zum Abdruck bringt. Weltsch erläutert darin, was mit dem Worte ״lügenverstrickte Existenz" gemeint ist und charakterisiert die Lage der Juden im zionistischen Sinne sowie die Einheit der Judenfrage in allen Ländern. Die Redaktion der C. V.-Zeitung bemerkt, sie werde sich mit den Darlegungen des Briefes an• läßlich der Besprechung der Blumenfeldschen Referate in Erfurt auseinandersetzen. Sie hat dies unterlassen, — vielleicht, weil manche Hinweise des Briefes es ihr erschwert hätten, die Blumenfeldschen Ausführungen ״mißzuverstehen“. In Nr. 36 (vom 3. September) der ״Literarischen Welt“ (Verlag E. Rowohlt, Berlin) findet sich ein Artikel über Achad Ha-am anläßlich seines 70. Geburtstages. — in derselben Nummer nimmt Hill Gilland zur Verfolgung der hebräischen Sprache in Sowjetrußland Stellung, die er als das groteske Unternehmen, eine ״Sprache als Konterbande" zu behandeln, charakterisiert, Das ״B. T." vom 8. d. Mts. meldet aus Jerusalem: Der Londoner Korrespondent der ״Doar Hajom“ meldet sensatianelle Einzelheiten über die bevorstehende völlige Umgestaltung der englischen Verwaltung im Nahen Osten. Lord Allenby soll danach in einigen Monaten an Stelle Marschall Plumers Oberkommissar in Palästina und gleichzeitig Oberkomman¬ Bei den Haussammlungen des Keren Kajemeth wurden viele nicht angetroffen. Deswegen übersende jetzt jeder Einzelne seine Rosch Haschanah - Spende dem Keren Kajemeth. deur des englischen Heeres im Nahen und Mittleren Osten (nämlich Aegypten, Sudan, Zypern, Irak, Arabien) werden. Er soll den Titel eines ״Beraters der englischen Regierung in Angelegenheiten des Ostens" erhalten und als solcher nicht unter, sondern neben׳ dem Kolonialamt stehen, das keine Beschlüsse ohne Vorberatung mit ihm fassen soll. Die Gouver* »eure aller der oben erwähnten!..ander werden ihm unterstellt. Das Gros der englischen Truppen soll aus Aegypten nach dem Sinai und Palästina übergeführt werden. Zur Hauptgarnison Sinais sei Kantara am Ostufer des Suezkanal» bestimmt. Weitere Garnisonen seien in Port Fuad, El Arisch und Rata vorgesehen. Das Haiiptkommando soll in Jerusalem sein, auch die wichtigsten Offiziere hier, in Ramleh und in Haifa stationiert werden. Haifa wird Kriegshafen werden. Der Korrespondent erklärt, das dieser Tage ergangene Dementi der Nachrichten über den Rücktritt Plumers sei falsch. Er betont, alle seine Nachrichten entstammten erster Quelle. Diese und ähnliche Nachrichten kehren immer wieder. Es scheinen sich hierbei um diesen kleinen Kern viele Phantasien zu ranken. Der Frankfurter ״Israelit“ bespricht in seiner Nummer vom 7. September das Kolonisationswerk in Rußland und schließt seine Ausführungen; ״Im übrigen handelt es sich, wie man nun von dieser berufenen Seite erfährt, um die Ansiedlung von im ganzen zehn- bis zwanzigtausend Familien. Man sieht, das jüdische Problem in seiner Ganzheit wird auch durch ein volles Ge• lingen des russischen Kolonisationsplanes nicht gelöst, ja kaum berührt. Die Palästina-Arbeit, und erst recht die gesetzes* treue Arbeit in Palästina, wird sich dadurch nicht erledigen. Sie muß im Gegenteil mit gesteigerter Kraft einsetzen, um vom Zentrum der jüdischen Kraft in Erez Jisrocl auch dem Golus den Weg zu zeigen, wo Thora und Arbeit sich einen, erstere die letztere regelt und adelt." Die Blätter des Jüdischen Frauenbundes, Berlia, September, teilen mit: Der J. F. B. ist — wie wir unserem Gesamtvorstand schon durch einen Rundbrief mitteilten, aus der Zentralwohl• fahrtsstelle und ihren Arbeitsgemeinschaften ausgetreten. Die im Frühjahr dieses Jahres von uns mit in die Wege geleitete Reorganisation der Z. W. St. hat keine Verwirklichung gefunden. Die Schwierigkeiten einer sachlichen Zusammenarbeit sind infolgedessen In den letzten Monaten noch gewachsen. Es ist uns außerdem unmöglich, die Verantwortung für die Z,W. St. weiter mitzutragen. So fühlten wir uns im Interesse unserer eigenen Arbeit ge* zwungen, zur früheren Selbständigkeit zurückzukehren. Eingesandt Zar Notlage der hebräischen Literatur Uns wird geschrieben: Die ״Jüdische Rundschau“ berührt in ihrer Nummer 63 vom 13. August das wichtige Problem der Notlage, die gegenwärtig in der neu-hebräischen Literatur herrscht. Während das Hebräische als gesprochene Sprache Fortschritte aufzuweisen hat, die selbst alle die überrascht, die ihrer Ent- Wicklung ausgesprochen optimistisch entgegensahen, ist, obwohl wir heute eine Reihe von wirklichen Dichtern und guten Schriftstellern besitzen* der Verlag von hebräischen Büchern stark zurückgegangen. Er teilt dieses Schicksal jedoch mit den Verlagen anderer Sprachen und Literaturen. Es war eine Folge der deutschen Inflation, daß in einem Lande mit vielen, ׳guten hebräischen• Druckereien ׳ «i -׳■ungtablieh billigen und sonst durch nichts gerechtfertigten Preisen hebräische Bücher in Massen hergestellt werden konnten, und es war gleichzeitig die Folge einer verstärkten, national-jüdisehen Propaganda in einem der zahlungsfähigsten Länder der Welt, daß dort der Besitz einer hebräischen Büchersammlung den Juden einer bestimmten Gesellschaftsschicht ais zum guten Tone gehörig erschien. Die spekulationsmäßige Erzeugung und der konventionelle, nicht aus innerem Drang und Lesefreudigkeit geborene Absatz mußte in dem Augenblick schwinden, wo die Herstellungskosten wieder stiegen und die Bücherschränke vielfach gefüllt waren. Die Blüte der hebräischen Literatur der letzten Epoche war in finanzieller Beziehung nicht zum wenigsten auch vom Snobismus getragen. — Abkehr von dieser äußeren Einstellung zum gedruckten Worte zu schaffen und innige Liebe zum Buche zu pflegen, war das Motiv der Männer, die beim Ausgange dieser Epoche die ״S o n c i n o Gesellschaft der Freunde des jüdischen Büches“ ins Leben riefen. Es handelt sich hier, wie man leider noch immer wieder betonen muß, um keine Angelegenheit des Luxus, keine Spielereien mit zum Füllen der Bücherschränke bestimmten Druckerzeugnissen. Es handelt sich hier um eine starke kulturelle Aufgabe: wahre Liebe zum Buche zu erzeugen. Diese Liebe, die allein geeignet ist, kultur* empfängliches Lesertuin zu erziehen, kann nur wachsen una dauern,'wenn dem jüdischen Buche eine seinem inneren Wesen entsprechende äußere Form gegeben wird. Das schöne und gute jüdische G ebrauchsbuch zu schaffen, ist die Auf. gäbe unserer Gesellschaft, die frei von allen geschäftlichen Erwägungen, gemeinnützig־ im besten Sinne des Wortes, den Mitgliedern für den Jahresbeitrag von 20 Rm. drei bis vier Musterdrucke ohne Nachzahlung liefert. Die Publikationen sind nicht nur deshalb ״Musterd rucke“, weil sie mustergültig hergestellt, sondern vor allen Dingen deshalb, weil es ihre Aufgabe ist, Muster und Vorbild zu sein für die gesamte jüdische Literatur, und wir können mit Freude feststellen, daß seit dem Beginne ihrer Tätigkeit in der äußeren Gestaltung auch des jüdischen Buches tatsächlich eine Wendung zum Besseren eingetreten ist. Die ״Soncino-GcscUschaft" fördert nicht nur das jüdische Buch im allgemeinen und das alt-hebräische Buch, sie hat auch den Wunsch, Werke der neu-hebräischen Literatur in einer ihren Bestrebungen entsprechenden Ausstattung im Erstdrucke herauszugeben. So wird diese erste jüdische Gesellschaft zur Pflege des jüdischen Buches dazu beitragen können, daß hebräische Werke, die heute nur schwer und mit großen materiellen Opfern veröffentlicht werden können, nicht bloß erscheinen, sondern zugleich zum Muster für aridere Druckwerke werden. Die hebräischen Gelehrten und Dichter sollten datier die Verbindung mit der Soncino-Gesellschaft suchen, die ihnen im Rahmen ihrer Möglichkeiten weit entgegenkommen wird. Heinrich Loewe. * Die ״Soncino-Gesellschaft“ veröffentlichte kürzlieh einen interessanten Bericht über ihr Programm und ihre bisherige Tätigkeit, den sie Interessenten von der Geschäftsstelle, Kaiser-wiiheim-Straße 12, auf Wunsch kostenlos abgibt. * Herr J. H e r s k o v i 6, R u m a (Südslawien) schreibt um zum Thema ״Notlage der hebräischen Literatur“. ״Herr H. K. klagt über Teilnahmslosigkeit des jüdi• sehen Publikums und führt als Beispiel an, daß ein Buch wie Bialiks Essays in vorzüglicher Ucbersetzung unbeachtet bleibt. Nach meiner Meinung gibt es hierfür andere Gründe als Teilnahmslosigkeit. Ich wollte mir vor einigen Monaten gerade dieses Buch bestellen, aber nachdem ich zuvor ״Bialiks Ge-

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