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Jüdische Rundschau · 1926-09-14 · Heft 72 (14.9.1926) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXI (1926)
Issue
Heft 72 (14.9.1926)
Date
1926-09-14
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 518 JUED1SCHE RUNDSCHAU Nr. 72־ Nr. 7 Zionistische Bürokratie Von Julius Berger, Jerusalem. Indem wir den nachstehenden Ausführungen unseres Freundes Berger Raum geben, glauben wir doch darauf hinweisen zu müssen, daß eine gewisse Mechanisierung der bürokratischen Tätigkeit eine unvermeidliche Begleiterscheinung jedes großen amtlichen Betriebes ist. Es handelt sich also um kein spezifisch zionistisches Uebcl. Wir stimmen aber mit Berger darin überein, daß von zionistischen Beamten das Höchste verlangt werden soll, und daß eine Regelung der Beamtenfrage in administrativer und ökonomischer Hinsicht eine dringende Notwendigkeit ist. Im übrigen muß man jede Generalisierung vermeiden. Selbstverständlich trägt Herr Berger die Verantwortung für seine Ausführungen. — Red. Durch die Zeitungen ging vor einiger Zeit die Nachricht, daß beim Palästinaamt in Warschau Unregelmäßigkeiten aufgedeckt und eine Anzahl Beamte den Gerichten übergeben worden seien. Es ist bezeichnend für die Gleichgültigkeit, mit der unsere öffentliche Meinung organisatorischen Fragen im allgemeinen und der Beamtenfrage tm besonderen, gegenübersteht, daß die Nachricht fast kommentarlos erscheinen konnte und keinerlei Aufsehen hervorgerufen hat. Diese Gleichgültigkeit gegenüber der Beamtenfrage war nicht immer in der Zionistischen Organisation vorhanden. Es sind erst ein paar Jahre her, daß in einer Reihe von Ländern ein erbitterter Kampf über die Frage geführt wurde, ob überhaupt die Schaffung eines Berufsbeamtentums innerhalb der Zionistischen Organisation richtig sei. Eine Reihe von Bedenken wurde erhoben, und die Folge war, daß der Begriff des Beamten mit einem gewissen Makel behaftet wurde. Damals haben wir den Kampf gegen diese Anschaumig geführt, und wir haben diesen Kampf gewonnen. Wir haben nachgewiesen, daß die wachsende Größe der Aufgäbe, die uns obliegt, insbesondere die gesteigerte Anforderung der Finanzpropaganda mit freiwilligen Kräften allein in keiner Hinsicht mehr bestritten werden kann. Wollen wir uns wirklich durchsetzen, wollen wir die ungeheuren Mittel auf bringen und die Revolutionierung der Geister beendigen, die wir angefangen haben, und die die Voraussetzung für unseren Erfolg ist, so bedürfen wir Männer und Frauen, die ihre zionistische Ueberzeugung, ihre organisatorischen und propagandistischen Fähigkeiten ungebrochen und ungeschroälert der Bewegung zur Verfügung stellen können. Klar wurde diese Konsequenz in dem Augenblick, als in Palästina selbst ein dauernd wachsendes Objekt unserer Verwaltung entstand. Wir brauchten Palästinaämter in der Galuth, und in Erez Israel brauchten wir eine weit ausgedehnte Administration, deren kleinster Teil noch das politische Departement bildet. Es entstanden die Siedlungsabteilung, Immigrationsabteilung, die Arbeitsabteilung, die alle für Zehntausende von Menschen zu sorgen haben. Es entstand die Abteilung Kultur und Unterricht mit ihren vielen Schulen, Lehrern und Schülern. Es kam die große Aufgabe der sanitären Regelung usw. usw. Das heißt, wir bekamen einen großen Beamtenapparat, dessen Notwendigkeit von niemand mehr bestritten wurde. Aber nicht nur die Zionistische Organisation selbst benötigte eine Beamtenschaft. Sowie die Parteien in der Galuth sich ebenfalls längst ihre Sekretäre, ihre Propagandisten usw. angestellt hatten und sie nicht mehr entbehren konnten, so brauchten sie eine immer größer werdende Zahl von Beamten in Erez Israel: für die Arbeiterbanlc, den Solei- Boneh, Hamaschbir, Misrachi-Anstalten usw. usw. Dieser Apparat ist geworden und gewachsen, ohne daß sich im Gründe jemand darum gekümmert hat. Seit Jahr und Tag verlangen wir eine einheitliche Regelung der Be- «ptenttage. Seit fahr und Tag laßt der Kongreß und das A>C. entsprechende Beschlüsse — nichts ist geschehen. Die Entwicklung vollzog sich ungeordnet und unkontrolliert. Es entstand in Erez Israel und in der Galuth ein zionistischer Beamtenapparat, der heute viel mehr als 1000 Menschen umfaßt, und dessen Erhaltung einen nicht unbeträchtlichen Teil der zionistischen Gelder beansprucht. Niemand hat sich darum gekümmert — und dann kommt mit einem Schlage eine solche Nachricht wie die aus Warschau und sollte uns doch dazu zwingen, einen Moment Halt zu machen und uns zu überlegen, ob hier nicht etwas Falsches geschieht, etwas, was gefährlich werden kann. Als wir seinerzeit den Kampf für die zionistische Beamtenschaft aufnahmen, da haben wir formuliert, was wir unter dem Begriff zionistischer Beamter verstehen: einen Menschen, der gewillt ist, seine ganze Kraft, sein ganzes Leben in den Dienst der zionistischen Idee zu stellen, der mit letzter Hingabe all das erfüllt, was wir als Maximum zionistischer Forderung aufstellen, und was der Großteil der Zionisten, gehindert durch die Not und die Arbeit des Tages, nur zu einem kleinen Teil auf sich zu nehmen imstande ist. Die Forderung ist nur selbstverständlich. Zionistische Arbeit in der Galuth ist im wesentlichen Propaganda, und wer Propaganda macht, muß beispielgebend wirken. Wir können mit Befriedigung feststellen, daß das im großem Maße ge- Jungen ist. Die zionistischen Beamten in der Galuth bildeten zum großen Teil ein Elitekorps, es war ihnen eine Ehre, zionistischer Beamter sein zu dürfen. Sie haben die schwere', keineswegs immer sehr erfreuliche und meist schlecht entlohnte Arbeit durchgeführt, weil sie wußten, was die!3flicht dessen ist, der vorn in der Front steht. Dadurch, daß der größere Teil dieser Beamtenschaft in der Hauptsache Propaganda treiben, d. h. lebendig wirken mußte, blieb er auch im allgemeinen von der Entwicklung zur Bürokratie verschont, der jede Beamtenschaft ausgeliefert ist. In Erez Israel ist es anders. Dort haben wir es im wesentlichen mit Verwaltungsaufgaben zu tun. Die Arbeit erschöpft sich sehr oft in Kleinkram, in tabellarischen, buchhalterischen, verwaltungstechnischen Details. Sie entbehrt vielleicht, so betrachtet, des Schwungs, den die Propagandaarbeit in der Galuth mit sich bringt und der naturgemäß auf den Träger der Propaganda, d. h. den Beamten, zurückwirkt. Die Gefahr der Bürokratisierung ist demgemäß größer. Es wäre sinnlos, zu leugnen, daß die Beamtenschaft in Erez Israel ihr in großem Maße erlegen ist. Zwar sollte man meinen, daß das, was rein äußerlich der Arbeit an lebendiger Bewegung abgeht, bei weitem durch den inneren Wert aufgewogen wird, der der Arbeit in Erez Israel innewohnt: auf die Gestaltung der werdenden jüdischen Heimstätte einen direkten Einfluß zu nehmen, auch wenn es nur in einem kleinen Winkel geschieht, auch wenn es sich nur in einer Berechnung oder Zusammenstellung ausdrückt, sollte den Menschen, der dazu berufen ist, Freude machen, und die Freude sollte die Arbeit adeln. Geben wir zu, daß nur sehr wenig davon zu spüren ist. Die Zionistische Verwaltung in Palästina ist zum großen Teil eine bürokratische Verwaltung geworden. Man muß nur einmal in zionistische Aemter in Erez Israel hineingeschaut haben, und man wird sofort an jene erinnert, die wir gehaßt und verflucht haben, wenn wir in Rußland, Polen oder Deutschland mit ihnen zu tun hatten. Da gibt es dasselbe nutzlose Warten, das Hin- und Hergeschicktwerden, die barsche Auskunft, die wir noch so gut von drüben her kennen. Gewiß nicht überall, aber an sehr vielen Stellen hat man den bekannt fatalen Eindruck, daß sich der Beamte wie ein Gott über dem Publikum dünkt, und Je kleiner der Beamte, desto größer der Gott. Wir haben eine ganz richtige Bürokratie in Palästina, und zwar nicht nur in den offiziellen zionistischen Aemtern. Das besonders Merk■ würdige ist, daß die Beamten der Parteien sich in dieser Hinsicht kaum noch unterscheiden von denen des offiziellen Apparates. Wir haben eine Bürokratie, und wir haben alle Begleiterscheinungen einer Bürokratie. Wo man antichambrieren muß, gibt es Hintertüren, die nur dem Bevorzugten bekannt sind. Wo der Beamte sich Gott ähnlich dünkt, gerät er leicht in die Gefahr, Unterschiede zu machen zwischen Guten und Schlechten. Die Outen sind die, die nicht lästig fallen, die die Wege und Methoden kennen, sich beliebt zu machen; die Schlechten sind die, die nichts anderes darzubringen haben als das reine Opfer ihres Herzens. Wo es Bürokratie gibt, gibt es Protektion, und der Schrei von der Protektionswirtschaft, der im ganzen Lande erhoben wird, ist wahrscheinlich nicht ganz unbegründet. Wie konnte es zu dieser Bürokratie kommen? Der eine Grund ist, daß niemand sich darum gekümmert hat. Es gibt keine Stelle, die die Beamten aussucht, schult, überwacht, fördert, auf ihre berufliche Bildung und ihre geistige Entwicklung einwirkt. So wächst der Baum der Bürokratie und treibt die wildesten Triebe, und kein Gärtner ist vorhanderi, ihn zurechtzuschneiden. Bei den Beamten selbst aber, zum mindest in Erez Israel, wächst eine eigene Auffassung von der Beamtenfrage: daß es sich dabei angeblich um rein materielle Angelegenneiten handelt. Wir haben immer gegen diese Auffassung gekärnpft und darauf hingewiesen, daß das Beamtenproblem in erster Linie ein moralisches ist und bleiben muß, und daß die materielle Frage nur in ihrem Zusammenhang mit der national-ethischen Seite betrachtet werden darf. Die Beamtenschaft Erez Israejs aber, jedenfalls soweit sie organisiert ist, hat die Angelegenheit rein von der matericllen Seite aufgefaßt. Die Forderungen, die sie stellen, bctreffen immer nur Fragen der Gehälter, der Arbeitszeit, des Urlaubs u. dgl. Niemals wird die andere Seite berührt, die sozusagen zionistische, die die Grundlage der ganzen Beamtenfrage bildet und bilden muß. Und so haben wir den grotesken Zustand, daß der Vorschlag 8er Einführung des Achtstundentages von unserer Beamtenschaft mit Streikdrohung beantwortet wurde. Man denke sich: ein zionistischer Beamter in Erez Israel soll mehr als sieben Stunden arbeiten! Das ganze Verhältnis zwischen Beamtenschaft und Zionistischer Organisation wird als gewerkschaftliches ausgegeben: Hie Arbeitnehmer — hie Arbeitgeber. Der Arbeitgeber, wohl bemerkt, ist die Zionistische Organisation. Ruhig wird in aller Oeffentiichkeit die Behauptung vertreten, daß zionistische Gesinnung und Rücksicht auf die nationalen Erfordernisse nichts zu tun haben mit dem Verhältnis zwischen der Zionistischen Organisation und ihrer Beamtenschaft. Hier handelt es sich angeblich um reine Lohn- und Machtfragen, und so entstehen die Forderungen, die gar keine Rücksicht nehmen auf die Bedürfnisse des Amtes und des Landes, die rein ausfehen von den äußerlichsten Qualitäten; Lebensalter, Zahl er Dienstjahre, Größe der Familie usw. Fähigkeit, Eignung•, gesinnungsmäßige Einstellung zur Arbeit sind Punkte, die überhaupt nicht in Betracht gezogen werden. Ist es nicht eine kaum glaubliche Tatsache, daß ein zionistischer Beamter in Erez Israel de facto unabsetzbar ist? Er mag noch so ungeeignet sein, der Posten mag noch so überflüssig sein, das Gehalt, das er sich im Laufe der Jahre ersessen hat, mag im Verhältnis zu seinen Leistungen noch so übertrieben sein — das macht nichts. Nicht das Interesse des Aufbaus des Landes ist entscheidend, sondern das materielle Interesse des einzelnen Beamten. Das ist der Zustand, der in Erez Israel herrscht, und den man mit aller Gewalt zu befestigen und zu verewigen sich bemüht. Und dann wundern wir uns, daß wir eine übermütige Bürokratie haben. Aber noch etwas kommt Mozu: das ist der Einfluß, den in wachsendem Grade die Parteien auf die Besetzung der Beamtenposten nehmen. Dieses Bestreben sehen wir in Erez Israel genau so wie in der Galuth. Wenn heute ein Beamtenposten frei wird, wird er zum Spielball der Forderungen der einzelnen Parteien, die ihre Kandidaten hineinzubringen versuchen, ganz gleichgültig, ob sie geeignet sind oder nicht. Die Hauptsache ist, daß die Partei stark und stärker in den Aemtern vertreten ist. Immer wieder hören wir aus der Galuth die Klage, daß der infolge der katastrophalen Wirtschaftslage in Europa leider dringend notwendig gewordene ßeamtenaubbau in den zionistischen Aemtern daran scheitert, daß die Parteien das nicht zulassen. Sie nützen die Macht aus, die sie in den in Frage kommenden Kommissionen haben,, um zu verhindern,, daß Beamte entlassen werden, die ihrer Partei angehören. Das hindert sie nicht, nachträglich über die unerträglichen Kosten zu schelten. Weite Kreise der Beamten glauben, daß für ihre Existenzsicherung nicht mehr so sehr ihre Fähigkeit und Leistung entscheidend ist, als ihre Zugehörigkeit zu ihrer Partei, die sie schützt. Begreifen wir diesen Tiefstand! Nehmen wir. den Kampf dagegen auf! Es droht eine schwere Gefahr. Wenn der Zustand, wie heute herrscht, weitergehen soll, wenn weiter statt einer zionistischen Beamtenschaft eine zionistische Bürokratie großgezüchtet werden soll, dann mag es eines Tages wohl schlecht um das Werk aussehen. Wir wissen, daß weite Teile der Beamtenschaft, vielleicht der größere, diese Gefahr erkennen, und die gegenwärtige Strömung als ebenso verderblich ansehen wie wir. Mögen sie ihre Stimme erheben und Remedur verlangen! Nötig ist, daß die Zionistische Organisation als solche die Entwicklung in die Hand nimmt. Das heißt, es muß schnellstens ein Beamtendezernat bei der Exekutive eingerichtet werden, das sehr weitgehende Befugnisse hat gegenüber allen Aemtern und gegenüber allen Beamten. Seine Aufgabe muß die Schaffung der zionistischen Beamtenschaft sein, die wir heute dringender brauchen als je. Ausrottung der Bürokratie, letzte Einschränkung des Apparates, Züchtung eines streng sachlich eingestellten, fachlieh höchst geschulten, zionistisch tiefst ergebenen, von allen äußeren Einflüssen unabhängigen Beamtenstandes und seine unausgesetzte Kontrolle und Beeinflussung zwecks Erzielung höchster Leistungsfähigkeit, Aufstellung von Grundsätzen und Schaffung von Einrichtungen für seine organisatorische, moralische und materielle Sicherung, das wäre im wesentlichen die Umschreibung seiner Aufgabe. Sein Ziel: die Bildung einer integren, höchstentwickelten Beamtenschaft von höchster Verantwortlichkeit, die nur eine Berufung kennt: Diener zu sein am Licht. Erweiterung des arabischen Arbeiterorgans Jerusalem, 1. September. (P. C.) Die arabische Zeitung der Allgemeinen jüdischen Arbeiterföderation, Itahad-El-Amal, die bis zum 1. August alle vierzehn Tage erschien, soll in Zukunft wöchentlich herausgegeben werden. In den 15 Monaten ihres Bestehens wurden 30 Nummern dieses Blattes herausgegeben, die allgemeinen Arbeiterfragen sowie den speziellen Fragen der palästinensischen Arbeiterschaft gewidmet waren. Ein großer Teil des Materials .trug erzieherischen Charakter und wurde hier zum ersten Male in arabischer Sprache verbreitet. \ Der Chefredakteur von ״New Palestine“ und Sekretär der Zionistischen Organisation von Amerika, Herr Meyer Weisgal, ist augenblicklich in Palästina und wird "etwa einen Monat dort bleiben. Binnenkolonisation in Kalifornien und Palästina Von A. Rabbinowicz-Ebeneser. Der Soskin-Plan, der auf der Grundlage der intensiven Wirtschaft unter Ausnützung der naturgegebenen Vorzüge Palästinas: seiner Sonne und hohen Wintertemperaturen, seiner vorzüglichen Bewässerungsmögliehkeiten (in einzelnen Teilen des Landes) und seiner geographischen Lage, beruht, ist mehr als eine Frage der Bodenkultur, er ist gleicherweise ein sozialökonomisches und nationalpolitisches Problem, Die allgemeinen Richtlinien, in denen sich der Soskin-Plan bewegt, sind denen der inneren Kolonisation in anderen Ländern, wie Dänemark, Spanien, Kalifornien zu vergleichen, trotzdem, oder besser gesagt, weil hier eine schöpferische Konzeption sich über den äußeren Umstand einer bestehenden Immigration hinweggesetzt hat. Ein schlankes Büchlein ״Colonization and Rural Deveiop. ment in California“, das im Verlag der kalifornischen Universität als kostenfrei zu verteilende Broschüre erschienen ist, vermittelt die Erkenntnisse, die in Kalifornien bei der staatlich vorbereiteten und geförderten Gründung zweier Landgemcinden, Purham und Delhi, gemacht wurden. Zum Verfasser hat es vier Professoren, die den Gegenstand zunächst in einem Hochschulkurse im Jahre 1921 vortrugen und natürlich auch die weitere Entwicklung ins Auge faßten. Unter ihnen an erster Stelle Elwood Mead, der in Palästina lind den zionistischen Kreisen seit seinem Gutachten über die Kolonisationstätigkeit der Exekutive kein Unbekannter ist. Aus den Vorschlägen, die er bei dieser Gelegenheit machte, ging u. a. hervor, daß die Zionistische Organisation einige Grundsätze, die anderwärts üblich waren, vernachlässige, wenn sie die Wahl der Siedlungsform den Siedlern überlasse, trotzdem sie sogar für die materielle Seite allein aufkomme, wenn sie weiters nicht für regelmäßige Instruktion und innigen Zusammenhang zwischen der Arbeit der Forscher und ge• Schulter Fachleute und der der Bebauer der Erde sorge. Daß die Vorschläge Prof. Meads keineswegs nur seine persönliehe Meinung darstellen, sondern auf Tatsachen und allgemein anerkannten Prinzipien basieren, beweist unter anderem auch der Bericht der Jewish Agricultural Society in Amerika über 25 Jahre ihrer Arbeit bei der Ueberleitung von Juden zur Landwirtschaft, der das reichhaltige Arbeitsprogramm der Gesellschaft an der Hand vieler Daten und Beispeie enthält. Es ist kaum zu glauben, wie groß das Feld ist, das sich die J.A. S. gesteckt hat und das alle Gebiete der Siedlung;■ tätigkeit im eigentlichen Sinne, Ausbildung an Arbeitsstellen, Arbeitsvermittlung, alle Formen landwirtschaftlicher Kreditgewährung, Anleitung und Unterricht in jeder Hinsicht, sanitäre und hygienische Maßnahmen, soziale, kulturelle ^unrt religiöse Fürsorge umfaßt. Um nun auf die erwähnte Broschüre zurückzukommen, so berichtet sie uns in einem kurzen Vorwort, daß Durha-m und Delhi in Verfolg eines Gesetzes für innere Kolonisation v. J. 1917 gegründet wurden, das der Ueberlegung entsprang, private Siedlungsunternehmen seien nicht imstande, die notwendigen Vor- und Organisationsarbeiten zu leisten. So soll sich denn die Tätigkeit der Siedlungsbehörde u. a. auf Expertenstudien über Bodenbeschaffenheit, Wasserversorgung, sanitäre und Marktverhältnisse vor dem Landkaufe, Kosten- Voranschläge, Gutachten in Hinsicht auf die Oröße der Wirtschäften und das Wirtschaftssystem erstrecken; das _ Land soll in 361/2 jährigen Amortisationsquoten bei 5 0/0 Verzinsung (nach dem System Riger Haggard) ausgezahlt werden, die Siedler sollen' bei der Gründung von Genossenschaften für den Ein- und Verkauf und sonstige gedeihliche Entwicklung gefördert werden. Anleihen sollen für den Kauf lebenden und toten Inventars und zum Zwecke von Verbesserungen gewährt werden. Me Verlautbarung dieser Grundsätze veranlaßte 8000 Personen in dem ganzen Gebiete der Vereinigten Staaten, ihrem Wunsche, in Kalifornien angesiedelt zu werden, Ausdruck zu geben. Die Sichtung der Briefe ergab', daß fast sämtliche Bewerber, außer der Sehnsucht nach der eigenen Scholle auch die nach geordneten Verhältnissen mit Schulen für die Kinder, guten Verkehrsmitteln, Genossenschaftswesen und sonstigen sozialen Vorzügen haben. Das Vermögen der Bewerber schwankte zwischen 200 und 1000 Pfund; etwa die Hälfte forderte nicht mehr wie eine Parzelle von etwa 8 Dunam. — Mead selbst äußert sich dann folgendermaßen: Dichte Bevölkerung und Bewässerung fördern einander gegenseitig. Man kann verlangen und erreichen, daß ein Areal, das unter Feldbau eine Familie ernährt, unter Bewässerung dreißig Familien, die sich mit Wein-, Gemüse-, Luzernebau beschäftigen, eine sehr gute Lebenshaltung ermögliche. Denn die Kleinwirtschaft, in der der Besitzer die Arbeit leistet, gebe die besten Resultate in materieller und sozialpolitischer Hinsicht. Mead verläßt sich auch hier nicht durchaus auf sein eigenes Urteil, er berichtet noch die Worte des Leiters der Immigrationsabteilung der Nordpazifischen Eisenbahnen: ״Wir können uns nicht mehr damit begnügen, Land zum Kaufe anzubieten, wir müssen die Landbesitzer in sorgfältig durchdachten Vereinigungen zum Zwecke der Seßhaftmachung und fortschreitenden Entwicklung hilfreich organisieren. Alles muß sicher und angenehm eingerichtet sein, um Leute mit 400 bis 600 £ Vermögen anzuziehen. D*e Siedlerstelle muß dem Besitzer den Lebensunterhalt seiner Familie gewähren, die Leistung der Zinsen-, Steuer- und Amortisationszahlungen, die Erziehung der Kinder, einen ge wissen Komfort und Vergnügungen, vor allem für Frau und parpienmg für das Alter. Das darf er Kinder, und einen Sparpi _ fordern und soll er haben. Mehr kann der Durchschnittsmensch nicht verlangen, nur in Ausnahmefällen erreichen außergewöhnliche Menschen mehr. Die öffentliche Wohlfahrt hat den Erfolg dieser Durchschnittsmenschen zur Voraus- Setzung. — Wahrscheinlich dürften viele Leute demgegenüber von der schweren aufreibenden aufopferungsvollen Arbeit erzählen, die ihre Großeltern oder selbst noch Eltern auf sich genommen haben, um ohne irgendwelche Hilfe aus eigener Kraft und Initiative eine Existenz sich zu schaffen, ihren Kindern eine gute Erziehung zu vermitteln und ein sorgenfreies Alter zu haben. Aber diesen könnte man aut- Worten: Die Entbehrungen, die ihre Eltern gelitten, haben, sind die Ursache, warum Sie andere Wege gehen. Und eine andere Ursache ist die — es gibt seit einer Generation keine billigen Ländereien mehr. Ganz wenige Leute werden also dem Beispiel ihrer Vorfahren folgen, um in jungfräulichem Lande ein Bauemheim sich auszubauen“ Es dürfte kaum einen ernsten Grund geben, der dagegen sprechen könnte, die Lehren, die wir aus den Anfängen innerer Kolonisation in Kalifornien ziehen können, auch in Palästina anzuwenden — um so mehr, als sie hier nicht zum ersten Male vorgebracht werden, vielmehr schon in ähnlicher Weise für Palästina konzipiert wurden. Seit vielen Jahren vertritt Dr. Soskin Ansichten, die siel! ganz auffaßend init den zitierten kalifornischen decken und eben erscheint auch der Prospekt der ״Paleatine Small Holdings Promo - tion Company, Ltd.“!Gesellschaft zur Errichtung von Kleinsiedlungen in Palästina), der zur Beteiligung an einer ersten Siedlung nach den Plänen Dr. Soskins einladt Meser Prospekt und ebenso die Veröffentlichungen Dr. Soskins (Intensive Kolonisation, Berlin 1922, Kleinsiedlung und Bewässerung, Berlin 1922, I. N. F.-Bib!iothek Land Settlement Board for Palestine 1923) gehen auf kolonisatorische Grundsätze zurück, wie wir sie nunmehr in Kalifornien in Anwendung sehen, faltige 1 halb vo soll; Uni kaufe z mit dem Sorten 1 einzelner Verhältn Bedürfni der Ver Hierbei 1 daß die meinschs De v e L diesem . Tätigkeil genomm sich hi« menlii Assanier barmach teiligung Strieile 1 lagen ei und Irri Cy zum nossensc nachfolg als Einwirtscha sich neb falls in Uebereir hörden Seite di Siedler,! geschöpi material( (oder zu ru ngen Zeitalter! Sehnen nur um um, daß sich heu ein H e lebensvo Millionei auch nie und Ru Wochen Stückche Voraussf ein Kap zur Grü gebenenl ein Fort jedoch i Maßstab wesen, e Lebensw wirtscha: Abei orgamsa fnstrukti! Prinzip 1 Ueberna! Dr. Sosl dem auc Seite de lieh mit Satze zt Setzung Orundpfi ein. 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