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Jüdische Rundschau · 1926-09-14 · Heft 72 (14.9.1926) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXI (1926)
Issue
Heft 72 (14.9.1926)
Date
1926-09-14
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 72 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 517 Eine Statistik des Elends Von Helene HannahThon. Die palästinensische Frauenorganisation (Histadruth N'aschim Ibrioth), die in aller Stille, ohne ein internationales Geschrei zu erheben, eine ganze Reihe guter und für das Land wichtiger Leistungen vollbringt, hat soeben eine Arbeit vollendet, die für die Erkenntnis palästinensischer Zustände und Verhältnisse von besonderer Bedeutung werden dürfte. Nach heißen Bemühungen einiger ihrer Mitglieder konnte die Histadruth es sich . dank der Hilfe eines besonders freigebigen Mitgliedes -־ vor kurzem leisten, eine Distriktpflegcrin in einem der vielen Elendsviertel von Jerusalem — in Schimonha-Zaddik — anzustellen, deren Aufgabe es ist, den dort.wohnenden Familien als Fürsorgerin und Beraterin zur Seite zu stehen. Eine der ersten Aufgaben dieser Gemeindepflegerin war cs, eine genaue Statistik über die Lage der dort wohnenden etwa 120 Familien aufzustellcn. Diese Statistik liegt mir augenblicklich vor, und was sich daraus ergibt, sollte für die verschiedensten Kreise: Aerzte, Soziologen, Bevölkerungsstatistiker, besonders aber für alle, die sich mit der Wanderung und Ansiedlung der Juden befassen, von größtem Interesse sein. Ohne auf alle Einzelheiten der Statistik einzugehen, sei hier folgendes daraus hervorgehoben: Die in dem genannten Viertel angesiedelten Leute stammen fast durchweg aus orientalischen Ländern und Orten: aus Ninive, Tiflis, irgendeiner Stadt im Yemen, aus Aleppo, Bagdad, Urfa, aus Marokko oder der Türkei. Ein kleiner Teil nur fst in Jerusalem geboren, die weitaus meisten sind eingewandert, davon ehva ein Viertel in den Jahren nach dem Kriege. Von diesen Leuten haben — wenn man dem Wortlaut der Statistik folgt — ziemlich viele produktive Berufe: Arbeiter, Tischler, Klempner, Kesselflicker; daneben Träger, Eseltreiber, Wächter Schreiber, Scheuerfrau Stickerin usw. Man muß aber die tatsächlichen Verhältnisse in einem derartigen Jerusalemer Viertel kennen, um zu wissen, daß von all diesen ״Arbeitern“ kaum einer eine regelmäßige Beschäftigung hat, von den ,,Handwerkern“ fast keiner seine Arbeit ordentlich gelernt hat und versteht, und daß sie sämtlich jn Europa unter die Kategorie ״Gelegenheitsarbeiter“ fallen würden. Was die wirtschaftliche Lage dieser Familien betrifft, so geben die weitaus meisten als Einkommen des Familienvaters an: 5 bis 15 Piaster pro Tag, und das bedeutet: pro Arbeitstag, unter Nichtberücksichtigung der zwei bis drei Tage in der Woche, an denen der Mann überhaupt keine Arbeit und überhaupt kein Einkommen hat. Der Gesundheitszustand der Familien ist — der Statistik zufolge — zum größeren Teil normal, obwohl die Zahl der Kranken, ganz oder halb Blinden, Arbeitsunfähigen natürlich erheblich ist. Eine Ergänzung erfährt die Rubrik ״Gesundheitszustand“ durch die darauffolgende Rubrik ״Zahl der Kinder“ in der neben den lebenden auch die gestorbenen Kinder vermerkt sind; da finden wir nämlich, daß in jeder dritten oder vierteil Familie zwei, drei, vier, ja auch acht und neun Kinder gestorben sind — was dann die Angabe: ״Gesundheitszustand normal“ von sehr relativer Richtigkeit erscheinen läßt. Die Zahl der lebenden Kinder ist durchschnittlich eins bis drei. Sehr interessante und vielsagende Auskünfte gibt die Statistik im Falle solcher Familie, m denen bereits erwerbende Kinder vorhanden sind. Hier zeigt es sich nämlich, daß die Berufe der Kinder im allgemeinen denjenigen der Eltern entsprechen und ihre Arbeit etwa in der gleichen Weise entlohnt wird. Ohne vorläufig auf einige weitere Rubriken einzugehen, von denen nachher gesprochen werden soll, sei folgendes Fazit aus der Statistik gezogen: Von den etwa 120 Familien die dies Stadtviertel bewohnen, ist nicht eine einzige so ge. stellt, daß sie aus eigenen Mitteln, ohne Unterstützung von anderer Seite, existieren kann. Bei bescheidensten Lebensbedürfnissen kann ein einzelner Mensch in Jerusalem nicht mit weniger als 2 £ im Monat auskommen. (Das ist z. B. der Betrag, den die Waisenverwaltung für jedes der Mädchen bezahlt, die nach Schließung des Alisa-Heimes in — Gott sei es geklagt! — eben jenen Schimon-ha-Zaddik-Familien und anderen ihnen ähnlichen in ״Pension“ gegeben wurden.) Bei einem Monatseinkommen von durchschnittlich 3 £ für eine ganze Familie kann man sich also denken, daß es sich um geradezu menschenunwürdige Verhältnisse handelt. Tatsächlieh leben die meisten dieser Familien mit ihren Kindern und in vielen Fällen noch mit alten und kranken Eltern oder blinden oder schwachsinnigen Geschwistern, die sie bei sich beherbergen, in Häusern, die dieses Namens spotten, in einem einzigen Zimmer, allenfalls mit einem als Küche dienenden winzigen Verschlag daneben, ohne Licht und Luft und umgeben vom Schmutz und Kot der Straßen und Höfe. (Als Charakteristikum dieses Viertels: kein Haus besitzt ein Klosett!) Ihre Nahrung besteht — bestenfalls! — aus einer warmen Mahlzeit pro Tag, d. h. einer Linsen- oder Reissuppe und etwas Brot mit Tomaten oder Gurken — abgesehen von den vielen Tagen, an denen man nichts hat als in Wasser aufgeweichtes Brot. Ihre Kleidung ist ein Haufen Lumpen, die bei vielen mittels Bindfäden zusammengehalten werden — der Mangel an Schuhen ist im Winter häufig ein Hinderungsgruna für die Aufnahme irgendwelcher Arbeit. Aber nicht einmal für dieses Leben würde das Einkommen ausreichen, sondem die Leute mit ihren Kindern würden einfach verhungern, wenn nicht ihre Existenz eine andere Grundlage hätte, von der nichts in der Statistik steht, einfach weil keiner der Befragten darüber Auskunft gegeben hat: in Wirklichkeit leben nämlich viele dieser Familien einfach vom Betteln, und zwar vom Straßen- und Häuserbettel, abgesehen von jener anderen Art von Bettelei, auf die noch zurückzukommen sein wird. Es handelt sich also bei diesen 120 Familien um lauter unproduktive Existenzen, die eigentlich aus öffentlichen Mitteln erhalten werden müßten. Interessant ist, was die Statistik übef die Kinder dieser Familien zu sagen weiß. Da dürfte die Zahl der eine Schule besuchenden Kinder etwa ebenso groß sein wie die, welche ganz ohne Schulunterricht bleiben. Allerdings muß man, wenn man die Verhältnisse richtig kennt, die Angaben über Schulbesuch dahin detaillieren,, daß es sich häufig nur um ein bis zwei Jahre Schulunterricht handelt, die nicht einmal zur Erlernung des Lesens und Schreibens genügen. Was die Auswähl der Schulen betrifft, so sind viele Knaben in der Knabenschule des Waad Hacliinuch, während die Mehrzahl der Mäd- :hen die einzige in Jerusalem existierende Gewerbeschule, die?pitzersche Handarbeitsschule, die auch Elementarunterricht erteilt, besucht. Nicht erwähnt ist in der Statistik, daß viele Kinder als Träger, Boten und Fabrikgehilfen ein paar Piaster ׳um Unterhalt der Familie’ beitragen. Die Berufe der herangewachsenen Kinder sind, wie schon früher erwähnt, vorwiegend dieselben wie die der Eltern: ungelernte Gelegenreitsarbeiter, also kein Aufschwung der Familien. Es handelt sich hier also wirklich um eine Statistik des iußersten, hoffnungslosen Elends. Uni diese Statistik kann man erst dann ganz würdigen, wenn man sich vergegenwärtigt, faß es sich hier nicht um eine Ausnahme, eine unmaßgebiche Einzelerscheinung handelt, sondern daß es in Jerusalem Joch eine ganze Reihe weit größerer Stadtviertel gibt, in lenen die Verhältnisse genau so״ wenn nicht noch schlechter iegen. Die Gesamtzahl der in diesen Vierteln hausenden Menschen beträgt mehrere Tausende — Tausende von Existenzen, die auf privaten Bettel und Unterstützung durch öffentliche Institute angewiesen sind. . ln bezug auf die letztere Art der Unterstützung gibt die Statistik mm ebenfalls sehr interessante Anhaltspunkte. Es zeigt sich nämlich, daß kaum eine einzige Familie in dem Viertel lebt, die nicht irgendwelche Hilfsinstitute in Anspruch nimmt, und da ist es sehr lehrreich, zu beobachten, welche Institute in Betracht kommen. Eine Reihe von Familien erhält Freiwohnung durch den sephardischcn Kolel, eine Anzahl schickt die Kinder unentgeltlich in den Glieder. Sämtlich(• anderen Instituten, die von den Leuten in Anspruch genommen werden, sind solche, die aus zionistischen Gesichtspunkten entstanden sind, ganz oder vorwiegend aus zionistisehen Mitteln erhalten werden und denen Zionisten ihre Kräfte widmen. Da ist in erster Linie die ״Hndassah“, die von fast sämtlichen Familien frequentiert wird. Da sind die Säuglings- Stationen von Nathan Straus mit der Milchlieferungsstelle ״Tipat Clialaw“ sowie die Milchlieferung der palästinensisehen Frauenorganisation. Da sind die von der gleichen Organisation eingerichteten Institute: der Kindergarten, die Arbeitsstube und die hebräischen Kurse des Viertels. Ferner VORANZEIGE! Der diesjährige GESELLSCHAFTSBALL ן der Berliner Zionist. Vereinigung und des Jüd. Nationalfonds findet am Sonnabend, den 9. Oktober 1926, in den Gesamträumen des Esplanade statt. Drei Kapellen Karten für Mk. 10.— und Vorzugikartcn für Mk. 6.-- (nur in beschränkter Anzahl) im Büro derB.Z. V., W15, Meinekestr. 10, Fernsprecher: Bismarck 7165 — 70. die Straussche Suppenküche. Ferner die Volksschulen des Waad Hachinuch, in denen die Kinder kostenlosen Unterrieht erhalten. Ferner die Abendkurse des Waad Tarbuti. Rechnet man die schätzungsweise« Beträge zusammen, die diese ganz oder vorwiegend aus zionistischen Mitteln erhaltenen Institute pro Jahr für die 120 Familien verausgaben, so kommt eine in die Tausende von Pfundefi gehende Summe zusammen. Macht man sich klar, daß ähnliche Summen für einige weitere Tausende von ganz ähnlich oder schlechter gestellten Jerusalemer Familien ausgegeben werden, so wird man stutzig. Die Ausgabe wäre durchaus lohnend und erfreulich, wenn es sieb hier um eine produktive Arbeit handelte: um die Ansiedlung und Seßhaftmachung von Familien, ihre Einordnung in das Volksganze, um die Erziehung ihrer Kinder zu arbeitenden Mitgliedern des Jischuw. In Wirklichkeit kommt es aber auf die Unterstützung und notdürftige Lebendigerhaltung von unproduktiven Bettelexistenzen heraus, die ohne wirtschaftliche Grundlage in der Luft hängen und in physischer, kultureller und geistiger Beziehung den Standard des Volksganzen stark herabdrücken. Und da fragt es sich, ob diese zionistischen Mittel, d. h. Mittel zum Aufbau des Landes rationell angewandt sind oder ob es nicht, statt Pflästerchen auf unheilbare Wunden zu kleben, besser wäre, alle Mittel auf eine energische Heilung des Hauptübels zu verwenden, aus dem alle die kleineren Uebel entspringen: dem Mangel an Möglichkeiten zu einer produktiven Arbeit für diese östlichen Einwanderer. Für diese Menschen, die da aus fernen orientalischen Ländern in Scharen nach Palästina strömen, ist niemand verantwortlich, trifft niemand wirkliche Vorsorge. Und so sitzen zahlreiche Existenzen, die zur Arbeit willig und fähig wären, beschäftigungslos herum und verkomme« bis ins zweite und dritte Geschlecht hinein. Eine Frauenorganisation konnte wohl diese Tatsachen statistisch festlegen, aber es geht weiter über die Möglichkeiten einer Frauenorganisation hinaus, hier Abliilfe zu schaffen. Das geht sogar über die Kräfte der Zionistischen Organisation hinaus, die vorläufig nur mit Siedlern von einem gewissen kulturellen Niveau rechnen und sich nicht die vorhergehende Heraufziehung von Menschenmassen zu diesem Niveau zur Aufgabe machen kann. Das müßte schon Aufgabe jener großen jüdischen Hilfsgesellschaften sein, dir sich der Migration des jüdischen Volkes über den Erdball annehmen. Nur ihnen könnte es gelingen, die #msiedlung der Leute an geeigneten Punkten, ihre Ueberführung in produktive Berufe (nach denen sich viele von ihnen sehnen), die Ver- Wertung ihrer primitiven Lebensführung und der Aehnlichkeit ihres Lebens mit dem der Araber durchzuführen. Ob dies in Palästina selbst zu geschehen hätte oder vielleicht in den weiten Gebieten von Transjordanien und Syrien, würde sich sicherlich bei einem ernsten Studium der Frage herausstellen. Colonel Kisch in Wien Colonel F. H. Kisch, der gegenwärtig in Wien weilt und dort die jüdischen Feiertage verbringt, sprach am 6. September in einer Versammlung zionistischer Funktionäre über aktuelle zionistische Probleme. Nach einer Begrüßungsansprache des Präsidenten des Landeskomitees, Dr. Friedmann, gab der Gast eine Darstellung des Verhältnisses der Mandatarmacht zum Mandatsland und versuchte, verständlich zu machen, was die Haltung der englischen Regierung bestimmt. Bei der Beurteilung des Verhältnisses zwischen England und dem Zionismus darf man nicht übersehen, daß fünf aufeinanderfolgende Regierungen des verschiedensten Parteicharakters, von der Arbeiterregierung bis zum konservativen Kabinett, die Mandatsverpflichtung und die Balfour-Deklaration ohne jede Einschränkung akzeptiert haben. Man muß mit der englischen Mentalität und der englischen Langsamkeit rechnen, aber auch damit, daß England eine große islamitische Macht ist und daß sic die Einflüsse ihrer Schritte nicht bloß auf die Araber in Palästinas, sondern auf die ganze islamitische Welt erwägt. Was die jüdische Einwanderung betrifft, so ist cs richtig, daß die Regierung wünscht, daß die Einwanderung die wirtschaftlichen Möglichkeiten des Landes nicht überschreite. Aus der Erfahrung von vier Jahren kann man sagen, daß es nicht richtig ist, von einer englischen Obstruktion gegen die Einwanderung zu sprechen. Die Frage der Arbeitslosigkeit könne definitiv gelöst werden durch landwirtschaftliche Be- Siedlung und durch Industrialisierung des Landes. Wenn die jüdischen Industriellen der ganzen Welt sich mit dieser Frage beschäftigen würden, so würde die zionistische Leitung die wertvollsten Anregungen erhalten und unsere Arbeit rascher vorwärts kommen. Colonel Kisch führte im einzelnen aus, daß eitle end* gültige Entscheidung der Exekutive für das Projekt der Soskinschen Kleinkolonisation noch nicht erfolgt sei. Die Erleichterungen in der Erlangung der Staatsbürgerschalt werden jetzt in London verhandelt. Bezüglich der Kolonisation in Transjordanien liegen formelle Beschlüsse der letzten Kongresse vor. Wir werden daran nur denken können, wenn wir unsere Lage in Palästina gestärkt haben. Von der letzthin beschlossenen Anleihe für Palästina, gegen die im Parlament kein Wort laut geworden ist, werden 2 100 000 Pfund dem Staat als Rückzahlungen zufließen. Es ist wichtig, daß das Hinterland von Haifa, der Dschidro- Boden, durch Erwerb der Haifa-Bav Development Company bereits in jüdischen Händen ist. Die Aktion bezüglich der Staatsländereien, die in London, in Jerusalem und in Genf geführt wurde, hat gewisse Resultate erbracht, die sich vielleicht schon hei dem nächsten Kongreß in positiver Form zeigen werden. Die Stellung der Araber zu uns hat sich seit einiger Zeit von Grund aus geändert: sie stehen jetzt schon bei der Frage, auf welcher Basis sie mit uns kooperieren könnten. Die Araber akzeptieren die vollzogene Tatsache. * Am 8. September veranstaltete das Zionistische Landeskomitee einen Presseempfang, um Colonel Kisch Gelegenheit zu geben, die Vertreter der Presse authentisch über die Lage in Palästina zu informieren. Es waren neben zahlreichen Pressevertretern der deutsche Generalkonsul Freiherr v. V i v cnot und der Pressechef der polnischen Gesandtschaft, Legationsrat Parnes, erschienen. Colonel Kisch legte in eingehenden Ausführungen die politische, wirtschaftliche und kulturelle Lage des jüdischen Aufbaus in Palästina dar. Seit der Balfour-Deklaration ist absolut keine Aenderung der Haltung Englands zu verzeichnen. Palästina ist die friedlichste Gegend des Mittleren Ostens. Kisch gab Auskunft über das Steigen der jüdischen Bevölkerungsziffer im Lande und über die wirtschaftliche und industrielle Entwicklung und führte aus, obwohl die ökonomische Lage in Palästina einen zeitweiligen Rückgang der Einwanderungswclle verursacht hat, so ist die Exekutive trotzdem gegenwärtig in der Lage, ein mehr aktives Programm für die Arbeit zu verfolgen. Es sei nicht daran zu zweifeln, daß eine derartige Intensivierung der Tätigkeit in Palästina von der Mandatarmacht kräftig unterstützt werden wird. Wir hoffen alle auf den Tag, schloß er, an welchem cs möglich werden wird, daß Juden und Araber in demokratischer Weise an der Entwicklung des Landes teilnehmen, aber nur auf der Grundlage der Balfour- Deklaration. Paliitinabesiek des Priazei von Wales London, 7. Septbr. (J.T. A.) Es verlautet, daß der Prinz, von Wales im April kommenden Jahres nach Jerusalem kommen wird, um der Weihe des Friedhofs für Kriegsgefallenc auf dem Oelberg beizuwohnen. Auf den Kriegerfriedhöfen Palästinas sind etwa 10 000 Soldaten der alliierten Truppen, die auf den palästinensischen Schlachtfeldern in den Jahren 1914 bis 1918 gefallen sind, bestattet. Jerusalem, 3. September. (J. T. A.) An zuständiger Stelle verlautet es, daß der Kronprinz von Schweden demnächst als Führer einer Gruppe schwedischer Touristen Pa• lästina besuchen und einige Zeit auch in Jerusalem weilen wird. Der Kronprinz van Schweden beabsichtigt, so verlautet ferner, ein Werk über Palästina zu schreiben und will jetzt sein Material zu diesem Werke ergänzen. Nataralisiemg Jerusalem, 1. September. (P.C.) Juden, die in der britische* Armee in einem der jüdischen Bataillone (2329 ״, und 30. Kgl. Füsilierbataillon) gedient haben und jetzt in Palästina leben und die palästinensische Bürgerschaft erlangen wollen, werden nach den neuesten Instruktionen des High Commissioner an die Naturalisationsämter gebührenfreie Naturalisationszertifikate ausgestellt bekommen. * , Nach einer neuen Entscheidung der palästinensischen Regierung vom 25. August wird die Einbürgerung derjenigen Personen, die im Jahre 1922 für die palästinensische Staatsbürgerschaft optiert haben, wesentlich erleichtert. In Zukunft braucht der Bewerber lediglich seine Optionserklärung vom Jahre 1922 aus den Akten nachzuweisen, er muß also nicht mehr das provisorische Zertifikat beibringen, wie das bis jetzt vorgeschrieben war. Es ist damit zu rechnen, daß zahlreiche Antragsteller aus dem Jahre 1922 sich jetzt nochmal^ um die palästinensische Bürgerschaft bewerben und sie erhalten werden. Kredite aa Oraigeizlehter Jerusalem, 1. September. (P. C.) Es verlautet, daß die Palestine Corporation Ltd. Gelder für die Gründung einer Hypotheken-Kredit-Institution zur Verfügung stellen will, die jüdischen und arabischen Orangenzüchtem Anleihen gewähren soll. Die Corporation hat 20 000 Lstg. bereitgestelit, die zur Entwicklung von etwa 700 Dunam Boden durch Orangenbau «genügen. In erster Linie sollen bereits ansässige Kolonisten unterstützt werden. Die Gesellschaft will nach und nach größere Summen für weitere'Anleihen auf ihrem neuen Tätigkeitsfeld freimachen. Man schätzt den im letzten Jahre für Orangenpflanzungen angekauften Boden auf etwa 5000 Dunam; nur zu einem Fünftel sind diese Käufer Neuankömmlinge, die in der Landwirtschaft und im Orangenbau keine Erfahrungen besitzen. Die Palestine Corporation und ihre Londoner Stelle, der Economic Board of Palestine, halten die Orangenzucht für eine der Industrien, die sich bis jetzt, sowie die Textil-, Zement- und Mehlindustrie, als erfolgreich erwiesen haben. Die diesjährige Orangenernte ist ausnahmslos gut. 18 000 Arbeiter konnten beim Ernten beschäftigt werden. Man schätzt den bevorstehenden Export auf über zwei Mil- Honen Kisten Orangen. (Ziko.) Wie die ״Wiener Morgenzeitung“ berichtet, begibt sieh der Besitzer der Seidenfabrik Delfiner in Tel- A w i w , Max Delfin er, am 17. September nach Amerika, um dort einen neuen Absatzmarkt für die Produktion seiner Fabrik zu gewinnen. Es handelt sich vor allem um den Absatz der kirnstlerisch ausgeführten Atharoth, die nach einem bereits atentierten Verfahren fabrikmäßig in bisher unerreichter Vollommenheit der Ausführung hergestellt werden sollen. (Ziko ) Die Beschlüsse des Aktions-Comites, worin die Zionisten aufgefordert werden, ausnahmslos all ihre Kräfte in den Dienst des Keren Hajessod zu stellen, des weiteren die Exe׳ kutive aufgefordert wird, den Kongreßbeschluß, wonach niemand ein Ehrenamt in der Zionistischen Organisation und ihren Institutionen bekleiden dürfe, der seiner Pflicht gegenüber dem Keren Hajessod nicht nachgekommen ist, und zum Schluß allen Arbeitern für den Keren Hajessod der Dank des A.-C, ausgesprochen wird, wurde in Palästina in Handzetteln überall verteilt und auch durch Straßenanschlag verbreitet. (Ziko.)

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