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Jüdische Rundschau · 1926-09-08 · Heft 70-71 (8.9.1926) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXI (1926)
Issue
Heft 70-71 (8.9.1926)
Date
1926-09-08
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 508 JUEDISCHE RUNDSCHAU 1ד סד.Nr Der Palästina Etat Iflr das Jahr 1926 27 Wir haben bereits die wichtigsten Zahlen des Etats der palästinensischen Regierung für das Budgetjahr 1, April 1026 bis 1, April 1027 veröffentlicht. Der soeben eingetroffenen ״Official Gazette“ vom 16. August entnehmen wir folgende Spezifikation des ״Appropriation (1026/27) Ordinance, 1026“ genannten Voranschlages: CE 1. Pensionen 15 759 2 Oeffcntliehe Schulden und Anleihen 307656 3. Seine Exzellenz, der High Commissioner 197־ 7 4. Sekretariat 32 076 5. Distriktsvcrwaltung 100048 6. Gesctzcs-Abfeilmig (Legal Department) 9212 /. Gerichts-Abteilung (Judicial Department) 70528 8. Treasurer 17 305 «1 Reehnungsabteiluii״ 7 471 10. Zölle, Abgaben, Handel Gesundheits-Abteilung 49 397 11. 97 679 12. Erziehungs-Abteilung 121 378 13. Land- und Forstwirtschaft 59 779 11. Antiquitn ten-Abteilung 13 029 I 5. Boden-Abteilung 19 443 16. Vermessungs-Abteilung 42 212 17. Polizei und Gefängnisse 122 826 IS. Gendarmerie (palästinensische Sektion! 1 368 19. Gendarmerie (britische Sektion) 5 245 20. Transjordauisches Grenzkorps 177 223 21. Post- und Telegraphenwesen 111 747 22, Oeffcntliehe Arbeiten 29-161 23. Oeffcntliehe Arbeiten (Rectirrcnt) 112550 24. Eisenbahnen 279191 25. Verschiedenes 131)023 26. Außerordentliche Post- und Telegraphenausgabcn 23 500 97 Außerordentliche öffentliche Arbeiten 240 089 28. Außerordentliche Eisenhahnunkosten Insgesamt CE 84 345 2 524 034 Zunahme des deitschei Handels mit Palästina Im Monat Mai hat in Palästina der Import ans Deutschland mit einem Betrage von £E 62 028 die erste Stelle unter allen europäischen Staaten erreicht. Ucbertroffen wurde diese Summe nur von der Einfuhr aus den Nachbarländern Aegypten und Syrien, Die Einfuhr aus England erreichte nur £E 58 425,'aus Italien £E 38 226, aus Frankreich £E 31610 und aus den Vereinigten Staaten CE 27 016. Der hauptsächlichste Teil der Einfuhr bestand aus Maschinen, Metalhvarcn und Kleidern. Auch in der Ausfuhr aus Palästina kam Deutschland im Mai an die Spitze mit £E 27 231, hauptsächlich für Tabak und Häute, gefolgt von England mit CE 21 288, hauptsächlich für Orangen. Seit einer gewissen Zeit hat die russische Soviorg-FIotte einen vierzehntägigen Dampferverkehr nach Palästina eingerichtet. Die Dampfer gehen von Odessa aus und legen unterwegs in türkischen und griechischen Häfen an. Die Zahl der Passagiere auf den Dampfern sowie ihre Ladung ist bisher gering gewesen. Die letztere stammt zum Teil aus Saloniki oder Pyräus; aus Noworossyjsk sind hauptsächlich Bauholz und gesalzene Fische, aus Odessa Kartoffeln, Kaviar und sonstige Genußmittel eingeführt worden. In Konstantinopel wurden in größerer Menge Orangenkistenreifen aus Haselnußsfauden verladen. (Ziko.) Jubiläum v•■ Nahalal Die -Si£üim^: Nahalal Ini BniSk: feiert jetzt das Jubiläum ihres fünfjährigen Bestehens. Im Eful 5681 haben die ersten Gründer dieses Moschaw Owdim sich auf dem vom K. K. L. zur Verfügung gestellten Boden niedergelassen, vorerst allein, ohne Familien, und sich an die Austrocknung der Sümpfe und Vorbereitung des Bodens gemacht. Die Gesamtfläche betrug 8000 Dunam, je 100 für eine Familie. Im ersten Jahre gab es dort 150 Arbeitende, Im Laufe der Zeit wurde diese Zahl durch Facharbeiter und Verwandte vergrößert, so daß es jetzt dort 200 Arbeitende gibt. Nahalal zählt jetzt 80 Ställe, alle gemauert, und 293 Stück Großvieh. Die Siedler selbst wohnen noch in Holzbaracken. Besonders entwickelt ist die Geflügelzucht (8500 StfickL Iti den Schulen und Kindergärten in Nahalal, die bisher von der Siedlung allein, ohne Beiträge von auswärts, erhalten wurden, werden 180 Kinder betreut, (lieber den Brand, der vor kurzem Nahalal heimgesucht hat, haben wir bereits berichtet. Das aufgeschichtete verbrannte Getreide hatte einen Wert von CE 2000, ist jedoch durch Versicherung gedeckt. Dagegen ist die dabei verbrannte Dreschmaschine im Werte von CE 800 nicht versichert gewesen. Das Fehlen dieser Dreschmaschine macht sich beim weiteren Einbringen der Ernte sehr stark fühlbar.) (Ziko.) Ein englisches Mandat Aber Sinai? Pariser Zeitungen und der Berliner Ullstein- Dienst melden aus Port Said, daß der Bau des Hafens von Port Fuad, dessen Einweihung in Gegenwart des Königs von Aegypten und des englischen Oberkommissars stattfinden wird, als das Vorspiel einer Ausdehnung des Mandats auf die Halbinsel Sinai angesehen wird. England hätte diese Annexion auf Grund umfangreicher geologischer Nachforschungen beschlossen, die in den letzten Monaten von englischen Spezialisten auf der Halbinsel Sinai vorgenommen wurden und die das Vorhandensein reicher Bodenschätze, besonders wertvoller Metalle, festgestellt haben. Mehrere engfische Gesellschaften hätten sich bereits Konzessionen erteilen lassen. Kleine Nachricht«■ Die Baukooperative Solei Bon eh beschäftigt im ״Monatsdurchschniit 2000 bis 2350 Arbeiter, tm Mai 1926 betrug die Zahl 2312; davon waren 1098 (470,״) Bauarbeiter, 587 (260״) Straßen- und Kanalisationsarbeiter (die Zahl der Straßenarbeiter hat in letzter Zeit bedeutend zugenommen, bei den Straßenbauarbeiten des Solei Boneh sind auch zahlreiche Baugruppen beschäftigt), Steinmetze 240 (10«/o), Tischler 115 (5״ö), Transportarbeiter 110 (50/0), Metallarbeiter 46 (2°0), Zementgießer 25 (10/0) und Wächter 19 (0,75 ׳״n). )Ziko.) Eine neue Abteilung der Landwirtschaftlichen Versuchsstation der Zionistischen Exekutive wird jetzt im Emek errichtet. Zu diesem Zweck hat der Keren Kajerneth Boden in Djebata, drei Meilen von Nahalal, zur Veriügung gestellt. Mit der Errichtung der Gebäude wird demnächst begonnen. (Ziko.) Nach einer in der ,,Official Gazette“ von Palästina Nr. 16S vorn 1. August erschienenen Verordnung ist die Liste der vom Einfuhrzoll befreiten Artikel durch Aufnahme von chirurgischem und zahnärztlichem Verbandzeug erweitert worden. (Ziko.) Wie ״Haaret z“ berichtet, sind die ersten Obligationen der palästinensischen Hypothekenbank bereits in Amerika eingetroffen. Sie lauten auf 100, 250, 500 und 1000 Dollar. Die Verzinsung beträgt 6,5״/;>. Die Einlösung erfolgt nach 15 Jahren. Die lag« 11 Pole■ Warschau, I. September. (J. T. A.) Zahlreiche große '1 extilfahriken in L1 o d /. erhielten Aufträge aus China, Indien, Persien und anderen Ländern des Orients. Dies hat zu einer Wiederbelebung der Geschäftstätigkeit geführt; zahlreiche jetzt brotlose jüdische Textilarbeiter sollen demnächst wieder eingestellt werden. Auch die Textilindustrie in Bialistok und in anderen Orten zeigt, Symptome von Wiederbelebung. Wilna, 3, September. (J. T. A.) Die jüdische Gemeinde von Wilna hat für die Zwischentage des Sukkoth-Festes die jüdischen Gemeinden in den polnischen Randprovinzen (Wilna, Nowogrudek, Polessie, Wolhynien, zum Teil Bjalvstoker Distrikt) einberufen. Es werden sich ungefähr 150 jüdische Gemeinden an der Konferenz beteiligen. Der Verzieh! der tfirkischei Jaden K on s t a n ti nop e 1, 30. August. (LT. A.) Louis Marshalls Anklage gegen die türkischen Juden, denen er wegen des Verzichtes auf die ihnen aus dem l.ausanner Vertrag zukommenden Minderheitenrechte Feigheit vorwarf, hat hier Verwunderung hervorgerufen. Herr Franco, der Vizepräsident des Dreizehner-Komitees, das die neuen Statuten der jüdischen Gemeinden auszuarbeiten hat und das für den Verzicht auf die Minderheitenrechtc verantwortlich ist, sprach sich dahin aus, daß Marshalls Stellungnahme gegen die türkischen Juden nicht ganz gerecht ist, indem er glaubt, die Juden gegen ihren Willen vert e i d i g e n zu müssen. (Ebenso kurzsichtig wie die Haitung der ungarischen Juden in der Numerus clausus-Frage. Red.) In der Wirklichkeit war der Verzicht auf die Minderheitenrechte nicht bedingungslos. Diese Rechte hätten in der Türkei keine Bedeutung, da hier, wo der Schweizer Codex gilt, alle türkischen Bürger ohne Unterschied des Religions- Bekenntnisses gleichberechtigt sind. Der Verzichtsausspruch enthielt gleichzeitig Forderungen nach Gegengarantien jüdischer Rechte und Ansprüche. Herr Marshall irrt, wenn er meint, daß jüdische Rechte verraten worden sind. New York, 2. September. (J. T. A.) In einem Gesprach erklärte Louis Mars hall, er sei nicht im geringsten geneigt, den Vorwurf der Feigheit, den er den jüdischen Führern in der Türkei gemacht habe, zurückzuziehen oder zu mildern. Die jüdischen Notabein hatten nicht das geringste Recht, im Namen der türkischen Juden auf verbriefte Rechte Verzicht zu leisten; ebensogut hätten sie im Namen der Armenier verzichten können. Mir sind, schloß Marshall, die Verhältnisse in der Türkei gut vertraut, und auf Grund dieser Vertrautheit wiederhole ich, daß die Verzichtserklärung eine erbärmliche Feigheitstat jjewesen ist. Die Berliner RepräseataileawtUen Die Entscheidung des Polizeipräsidenten in Berlin über die Gültigkeit der Repräsentantenwanlen vom 16. Mai ist noch nicht gefallen. Dies ist zum Teil dem Umstand zuzuschreiben, daß eine Reihe der für die Entscheidung zuständigen Beamten sich im Sommer teilweise auf Urlaub befunden haben. Im übrigen soll der Polizeipräsident von Berlin wegen der Wichtigkeit der Angelegenheit Weisung gegeben haben, eine Entscheidung nicht in seiner Abwesenheit zu fällen. Da der Polizeipräsident jetzt von seinem Erholungsurlaub zurückgekommen ist, so wird angenommen, daß schon in den nächsten Tagen eine Entscheidung fallen wird. Möglich ist aber auch, daß das Polizeipräsidium mit Rücksicht auf die grundsätzliche! Bedeutung der ganzen 'Angelegenheit nicht selbst entscheidet, sondern mit seinem Votum die Akten dem Ministerium überreicht und die Entscheidung dem Minister überläßt. Tagnng des Halberstäiter Verbandes in Falda Am 29. August 1926 fand in Fulda die Verbands- Versammlung des Preußischen Landesverbandes gesetzestreuer Synagogengemeinden, sowie des Bundes gesetzestreuer jüdischer Gemeinden Deutschlands, Halberstadt, statt. Rabbiner Dr. Auerbach - Halberstadt erstattete den Tätigkeitsbericht, der von einer Erstarkung des Verbandes Zeugnis ablegte. Im Verkehr mit der Regierung werden stets beide jüdischen Landesverbände als gesetzlich anerkannt betrachtet, und die Regierung zeige stets äußerstes Verständnis für die Bedürfnisse wie für die Gedankengänge der Gesetzestreuen, ln Preußen konnten sowohl durch Staats- Zuschüsse, als auch aus anderen Beihilfen, größere Beträge verteilt werden. Die Tagung stellte einmütig fest, daß auf Grund der Lage ein Beitritt zum geplanten Reichsverband wegen religiöser Bedenken nicht in Frage kommen kann, wohl käme jedoch von Fall zu Fall eine Zusammenarbeit des Reichsverbandes mit dem Reichsverband gesetzestreuer Gemeinden in Frage. Die Ittdiscke kalturautoaomie in LelUaid Die ״Frankfurter Zeitung“ meldet aus Reval: In Sachen der Sprachenfrage in den jüdischen Schulen hat der Jüdische Kulturrat sich bekanntlich zugunsten des Hebräischen entschieden. In der jüdischen Elementarschule in Dorpat findet der Unterricht bereits auf Hebräisch statt, während im jüdischen Gymnasium in Reval sukzessive aut Hebräisch übergegangen werden soll, indem in diesem Schuljahr der Unterrricht nur in der untersten Klasse hebräisch sein wird, im nächsten dann auch in der 2. usw. Die Leitung der jüdischen Schule in Dorpat, bei der übrigens demnächst auch Gymnasialklassen eröffnet werden sollen, hat sich an die städtischen Behörden mit dem Gesuch gewandt, daß alle jetzt deutsche oder russische Schulen besuchenden Kinder jüdischer Nationalität aus diesen obligatorisch in die jüdische Schule übergeführt würden, doch hat mangels einer gesetzlichen Unterlage dem Gesuch nicht stattgegeben werden können. Brief ans München Ain 2. September fand eine Mitgliederversammlung der Z. O. G. statt, die in Anbetracht der sonst derartigen Veranstaftungen ungünstigen Spätsommerzeit einen sehr guten Besuch aufwies. Die Münchener Delegierten Justizrat Emil Frankel, Bernhard Lustig und Dr. Max Mayer erstatteten über den Verlauf der Erfurter Tagung ausführlich Bericht. Die Versammlung nahm durch die Anwesenheit des Mitglieds der Exekutive Colonel Kisch einen besonders interessanten Verlauf. Colonel Kisch ergriff in der Aussprache das Wort und erklärte u. a. im Zusammenhang mit der Debatte über das zionistische Jugend- und Erziehungsproblcm in Deutschland, daß er den Zusammenbruch der Blau-Weiß-Werkstätten in Palästina tief bedauere und versichern könne, daß diese tapferen Palästinapioniere i n Ehren unterlegen seien. Herr Kisch beglückwünschte den deutschen Zionismus zu seiner■ erfolgreichen Tätigkeit und schloß seine Rede mit herzlichen Wünschen zum bevorstehen־ den Feste. Seine Ansprache wurde mit großem Beifall aufgenommen und trug zum Gelingen des Abends viel bei Der Vorsitzende der Versammlung, Herr Justizrat Liehtenauer, dankte dem Redner. Die Referate über den Erfurter Delegiertentag hoben den glänzenden Verlauf der Tagung hervor und wurden von den Anwesenden mit großer Genugtuung aufgenommen. Herr Jakob Reich forderte die Versammelten auf, nunmehr auch in München die richtigen Konsequenzen aus den Ergebnissen des Dclegiertentages zu ziehen und eine neue Tätigkeit zionistischer aktiver Arbeit zu entfalten. Herr Ericli Deutsch richtete am Schluß an die Versammelten dir Aufforderung, die bevorstehende Rosch Haschanah-Aktion nach Kräften zu unterstützet). — Wenn die Anzeichen nicht trügen, wird die zionistische Arbeit der Münchener Ortsgruppe in diesem Herbst und Winter den seit langem herbeigesehnten engeren Zusammenschluß aller aktiven Elomente zu gesteigerter Propagandatätigkeit ermöglichen. Am 31. August hielt die K. K. L. - K o m m i s s i o n eine Zusammenkunft aller Mitarbeiter des K. K. L. ab, in der Fragen der wirksamen Durchführung der bevorstehenden Rosch Haschnnah-Aktion sowie der K. K. L.-Arbeit im allgemeinen besprochen wurde. Die Veranstaltung, die nach der Intention der Einberufer einen geselligen Charakter hatte, war sehr gut besucht und darf als günstiges Vorzeichen für eine erfolgreiche Aktion in München gelten, m. m. Dr. Sigmund Held gestorben. Der erste Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde Nürnberg, Geheimer justizrat Dr. Sigmund Held, ist im Alter von 66 Jahren verstorben. Er gehörte seit 1895 der Verwaltung der Kultusgemeinde an und übernahm im Dezember 1909 als Nachfolger des Geheimen Hofrats Gustav Josephtat den Vorsitz in der Gemeinde. Dr. Held gehört zu den ausgezeichnetsten Repräsentanten des bayerischen Judentums. Der Verstorbene war ein warmer Förderer des Palästinaaufbaus, was seit Jahren in seiner positiven Stellungnahme zum Keren Hajessod zum Ausdruck kam. Falsche Rechnung An Hand des ״Statistischen Anhangs zum Bericht der Zionistischen Vereinigung für Deutschland an den XXL Delegiertentag“ kommt Dr. Ludwig Holländer in Nr. 36 der C.-V.-Zeitung zu der Feststellung, daß die Z. V. f. D. im Jahre 1925 nicht mehr als 9963, im Jahre 1926 nur 9361 Mitglieder gehabt habe. — Der ״Statistische Anhang“ war eine zahlenmäßige Unterlage lediglich für die finanztechnischen. Beratungen der Budget-Kommission des Delegiertentages. Er enthielt nur diejenigen Mitglieder, die in den beiden letzten Jahren den statutarisch festgelegten finanziellen Mindestverpflichtungen nachgekommen waren, die also für die Festsetzung der Zionistensteuer-Kontingente in Betracht kommen. Da diese Mindestverpflichtungen bekanntlich recht hoch sind und mit dem Jahresbeitrag der C.-V.-Mitglieder auch nicht annähernd verglichen werden können, fiel ein großer Teil der organisierten Zionisten bei der statistischen Aufstellung aus. Es fehlen im ״Statistischen Anhang“ die noch nicht berufstätigen Jugendlichen, die meisten der zionistisch organisierten Ehefrauen, diejenigen Gesinnungsgenossen, die infolge der Wirtschaftskrise volle Beitragszahlung nicht leisten konnten, ferner die Mitglieder derjenigen zionistischen Sonderverbände, die zwar der Weltorganisation, aber nicht der Z. V. f. D. angehören und schließlich die Schekelzahler, die sich durch Zahlung des Schekels zum zionistischen Programm bekennen turd ihre zionistische Gesinnung zumeist durch Arbeit und Geldleistung auch darüber hinaus betätigen. — Wie streng die Ortsgruppen bei Aufstellung ihrer Mitgliederlisten sind Und sein müssen, wollen sie nicht bei der Beitragskontingentierung übermäßig belastet werden, zeigt die Differenz zwischen den Mitgliedcrzahlen von 1925 uncl 1926, die natürlich nicht durch einen Gesinnungswechsel zahlreicher Zionisten hervorgerufen wurde, sondern lediglich durch verminderte materielle Leistungsfähigkeit. *Die Summe der organisierten Mitglieder der Z. V. L D. (einschließlich der Mitglieder der Jugendverbände usw.) betrug im Jahre 1925: 15112, die Zahl der Schekelzahler (inkl. der Mitglieder der Sonderverbände) 24 968. Im Jahre 1926 beträgt die Zahl der organisierten Zionisten 15 736; die Schekelsammlung ist noch nicht abgeschlossen, wird aber in diesem kongreßlosen Jahr erfahrungsgemäß hinter den Ergebnissen des Kongreßjahres 1925 Zurückbleiben. — Schließlieh sei aut die zionistische Peripherie hingewiesen, wie sie bei Gemeinde- oder Landesvcrbandswahlen in Erscheinung tritt. Die Zahl von 18 500 Wählern der ״Jüdischen Volkspartei“ und der ״Poale Zion“, d. s. mehr als ein Drittel der Gesamtstimmen, bei den letzten Gemeindewahlen in Berlin redet eine deutliche Sprache. Eingesandt Mit nachstehender Entgegnung der Jüdischen Volkspartei schließen wir die Kontroverse über das Kinderfest. — Red. ״Die Kritik an dem jüdischen Kinderfest im ,Ulap*, die Frau Käte Baer in Nr. 69 der ,Jüdischen Rundschau‘ veröftentlicht, gibt den Veranstaltern des Festes Gelegenheit, sich selbst zu dem Verlauf desselben zu äußern. Zweifellos hat das Kinderfest den Erwartungen des Publikums und vor allem den Plänen des Festkomitees nicht entsprochen. Wir bedauern aber, feststellen zu müssen, daß allem Anschein nach Frau Baer nicht die geringste Vor- Stellung von den Schwierigkeiten der Vorbereitung eines Festes hat, das zum erstenmal in einem solchen Ausmaß veranstaltet wird und das außerdem seine besondere jüdische Note haben soll. Wir glauben nicht, daß man zu einer Kritik in der Oeffentüchkeit berechtigt ist, wenn man diese Schwierigkeiten nicht kennt. Im übrigen wird Frau Baer außerstande sein, nachzuweisen, daß die versprochenen Veranstaltungen nicht durchgeführt worden sind. Lediglich zwei Programmnummern fielen aus. Die erste war der Schokoladenregen von Tnimpf, der durch eine Havarie des Flugzeuges von Trumpf, also höhere Gewalt, unmöglich gemacht wurde. Die zweite, die gerade dem Kinderfest ihren besonderen Charakter geben sollte, war die Aufführung der jüdischen Puppenspiele. Wir müssen hier unserem Erstaunen Ausdruck geben, daß gerade Frau Baer, die die Durchführung dieser Spiele übernommen hatte, aber dann nicht zur Durchführung gebracht und dadurch das Kinderfest um eine sicherlich besonders schöne Darbietung gebracht hat, sich zu einer solchen Kritik veranlaßt sah. Die Veranstalter des Festes wissen besser als andere, daß das Kinderfest in vieler Hinsicht zu wünschen übrig ließ, daß aber das Publikum von einer gewissen Schuld nicht freizusprechen ist, da die Eltern in vielen Fällen den Kindern nicht die Möglichkeit ließen, mit den zehn Kindergärtnerinnen, die bei der Vorbereitung (!) vom Festkomitee engagiert waren, zu spielen. Wir hoffen, daß Frau Baer ihre Erfahrungen, die sic heute in so negativer Weise zum Ausdruck bringt, uns beim Sommerfest im nächsten Jahre, am 24. August 1927, in positiver Weise zur Verfügung stellen und so zu einem vollen Erfolg des Festes beitragen wird.“

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