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Jüdische Rundschau · 1926-09-08 · Heft 70-71 (8.9.1926) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXI (1926)
Issue
Heft 70-71 (8.9.1926)
Date
1926-09-08
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr 1ד/0ד JUED1SCHE RUNDSCHAU Seite 505 Volkserziehung als unsere Aufgabe Referat gehalten auf dem XXI. Delegiertentage.*) Von Martin Bub er. Ich habe das Thema des von mir angemeldeten Referates genannt: ״Volkserziehung als unsere Aufgabe". Ich hätte es vielleicht präziser nennen können: ״Volkserziehung als unsere Notwendigkeit“. Wobei ich mit dem Wort ״unsere" meine: der Zionisten. Also die Notwendigkeit der Zionisten um der Erreichung des zionistischen Ziels willen. Volkserziehung tut unerläßlich not, damit wir unser Ziel erreichen. Wir haben uns allzu lange einem Irrtum hingegeben, von der Art jener, die man als so selbstverständliche Wahrheit behandelt, daß man ihnen gar nicht mehr ins Gesicht sieht und daher keine Gelegenheit hat zu bemerken, daß es ein Irrtum ist. Es handelt sich um einen historisch-soziologischen Irrtum ganz allgemeiner Art, den nämlich, daß eine nationale Aktion sich naturgemäß aber mehrere Generationen erstrecke. Soweit wir von der Geschichte zu lernen haben, d. h. soweit wir überhaupt analogisch zu denken haben, mit dieser Einschränkung also erfahren wir, daß eine nationale Aktion, der Handlungskomplex, in dem sich eine nationale Bewegung entscheidend, gesellschaftändernd äußert, nicht mehrgeschlechtig ist; unter Geschlecht verstehe ich, was hebräisch Dor beißt, also nicht eine Generation, sondern die Gesamtheit der irgendwann gleichzeitig lebenden Generationen. Keine nationale Aktion reichte bisher über einen solchen Dor hinaus. Es muß nachdrücklich unterschieden werden zwischen der Lebensdauer einer Aktion und der einer Bewegung. Bewegung ist freilich eine Sache mehrerer, vieler Geschlechter. Eine Bewegung wächst durch viele Generationen an, bis sie sich tätig ausspricht in der Aktion. Und sie kann über die Einzelaktion hinaus, wenn und insofern diese das Ziel der Bewegung nicht verwirklicht hat, fortbestehen, sie kann in einem späteren Geschlecht eine neue Aktion erzeugen. Das ist psychologisch leicht einzuselien. Aktion bedeutet den Ausbruch einer kollektiven Leidenschaft, die mit der ganzen Macht der persönlichen wirkt. In dem Augenblick, wo die nationale Bewegung zur Aktion wird, im Augenblick der Eruption, reißt die aufsteigende Leidenschaft der Gemeinschaft alles individuale Leidenschaftselement mit; sie durchbricht den Damm des Privatinteresses, der von ihr erfaßte Mensch handelt nicht etwa bloß außerhalb des ihm eignen Zusammenhangs privater Bedürfnisse, Neigungen und Widersfrebungen, sondern sogar gegen diesen Zusammenhang, bis in die äußerste Steigerung, bis ins Opfer des Lebens. Es scheint geradezu im Wesen dieser aktiven Leidenschaft zu liegen, daß sie das von ihr erfaßte Geschlecht nicht überdauert. Denn es kann wohl einen Durchbruch geben, in dem die Welle des Gemeinschaftlichen über alles hinwegströmt, was privates Leben ist. Aber das ist nicht die Atmosphäre, in der Menschen aufwachsen, ihren Beruf sich erwählen und ihm nachgehen, Ehen schließen und Kinder erzeugen, es ist nicht die Atmosphäre, in der die Menschen ihr normales Leben abieben, d. h. also, es ist nicht eine, die im natürlichen Fortgang sich von Geschlecht zu Geschlecht übermittelt. Das ist die Lehre der Geschichte. Miiiiten wir ja sagen: Wohl, es gibt eben Epochen in einer Bewegung, wo die Aktion zurücktritt, passive oder halbpassive Zeiten einer Bewegung, und damit müssen wir uns abfinden. Aber das dürfen w i r nicht sagen. Zum Unterschied von anderen nationalen Bewegungen sind wir nicht in der Lage, uns die Ausspannung solcher Passivitätszeiten zu erlauben. Jene anderen sind nämlich in der Normalität fundiert. Wenn es keine Aktionen gibt, so gibt es, weil das territoriale Zusammenleben des Volkes besteht, weil seine gesellschaftlichen Vereinigungen, seine mehr oder minder geschlossene Wirtschaft, seine mehr oder minder festgefügte organisch-kulturelle Einheit forthesteht, immer noch genug andauerndes Leben der nationalen Bewegung, wenn auch die Aktion aussetzt. So ist es bei uns nicht. Wenn wir die Aktion, die eine der ganzen Gemeinschaft zugehörige Aktion, den Aufbau Palästinas nicht haben, dann weiß ich nicht, was wir noch an einheitlicher nationaler Bewegung haben. Ich verkenne weder die Bedeutung unserer kulturellen, noch die unsrer wirtschaftlichen Institutionen, aber sie ent-!׳ehren der organischen Einheit so sehr, daß aus ihnen allen sich die Volksbewegung in ihrer Vitalität, die durchaus lebendige Einheitsfunktion bedeutet, nicht zu erhalten vermag. Ganz abgesehen also davon, daß wir im Land unsere Positionen, wenn wir sic nicht aushauen, verlieren, ist unsere nationale Bewegung diejenige, die in ihrer Aktion nicht aussetzen darf, ohne als Bewegung aufzuhören. : ln allen anderen Bewegungen besteht, mit Ausnahme der Aktionsepoche, in der der Damm des Privatinteresses durchbrochen wird, eine weitgehende Harmonie der nationalen und der privaten Interessen, auch in fremdstaatlichem Gebiet. Der Einzelne braucht nur seine Sprache zu sprechen, seine wirtschaftlichen Assoziationen zu festigen, seine natürliehen Gemeinden auszubauen, seine Geselligkeit zu pflegen; er braucht gar nicht auf die Tribüne, geschweige auf die Barrikaden zu gehen, er lebt sein Leben als Pole, Tscheche, Ire, sein persönliches Leben, — und eben damit dient er der nationalen Bewegung. Bei uns dagegen fordert diese vom I Einzelnen eine Art zu leben, die in vielem anders ist als I die, welche sich aus dem Privatinteresse ergibt. Man mag I darauf antworten, es gebe doch Interessen höherer Art, I cs gebe doch das persönliche Judenleid, das Fremdheits- I gefühl des jüdischen Menschen in einer nichtjüdischen und I vielfältig gegenjüdischen Welt, und das von ihm immer I wieder eingegebene Verlangen zu seiner Ueberwindung in I einem eigenen und einigen Leben. Aber wir können keines- I wegs sicher sein, daß dieses persönliche Judenleid über die I Generationen hinaus den Einzelnen immer wieder zum aktiven I Zionismus, zur Teilnahme ander nationalen Aktion führen wird. I 1,Sehr zu Unrecht gilt es bei uns als Selbstverständlichkeit, I daß dies immer weiter so gehen werde. Wir haben die I Vorstellung, daß die beiden Typen, die wir für die nationale I Aktion brauchen, der Chaluz dort und der Helfer hier, I diese beiden Grundpfeiler unsrer Aktion, immer wieder I fwtig geliefert werden. Aber in Wahrheit besteht keinerlei *) Die vorliegende Fassung enthält im Schlußteile Bemerkungen, die Dr. ßuber nach der Erstattung des Referates in der Aussprache gemacht und bei der Durchsicht des Stenogramms eingefügt hat. Im ersten allgemeinen Teil sind Wiederholungen und Erläuterungen, die für den Hörer, nicht aber für den Leser wichtig sind, weggelassen worden. — Red. Sicherheit dafür und das ist schon heute zu merken. Es ist nicht so, daß das Judenleid unter dem Einfluß unsrer Propaganda aktive Zionisten aus der Retorte hervorbringe. Wie die kollektive Leidenschaft nachläßt, wächst die Macht eines Akkomodationsprozesses, der es den Leuten ermöglicht, ihr Judenleid und ihre Reaktion darauf innerseelisch zu erledigen, in irgendwelchen ethischen und ästhetischen Formen. Es gibt verschiedene Arten von Judenschmerz, der sich gut trägt, verschiedene Judenschmerzmoden, aber nichts zwingt diesen Schmerz, sich zu aktivieren. Und wo erst einmal eine sanktionierte Flucht vor der Tat besteht, da ist bald ihre mitreißende Kraft kaum geringer, als die der aktiven Leidenschaft war. Dieser Situation gegenüber handelt es sich für uns darum, unsere nationale Aktion dadurch zu erhalten, daß wir sie zum tradierbaren Werk, zum überiieferbaren, überlieferten, kontinuierlichen Werk von mehrere״, von vielen Geschlechtern machen; das heißt, daß wir das Außerordentliche zur Ordnung und den Durchbruch zur konstanten Dynamik machen; daß wir die Teilnahme am Geschlechterwerk der Gemeinschaft in die Atmosphäre einer neuen Normalität einziehen lassen. Die Lehren der Geschichte gelten solange, als der Mensch oder die Menschengruppe sich nicht entschließt, die Geschichte zu korrigieren. Wagen wir das Analogielose zu tun, und wir haben ein Faktum eingesetzt, um das nunmehr die Lehre der Geschichte sich bereichern kann. Ich glaube, daß es möglich ist, die nationale Aktion, die historisch immer das Werk eines Dor ist, über mehrere Dorot hinaus lebendig zu erhalten, vielmehr immer neu wiedergeboren werden zu lassen, immer wieder hervorquellen zu lassen aus neu erwachsenden Geschlechtern. Die zwei Menschentypen, die wir brauchen, der Pionier und der Helfer, entstehen, ich wiederhole es, nicht von selbst, auch nicht aus der Vermählung von Judenleid und Propaganda. Ich darf mich auf die Erfahrungen unserer vortrefflichen, hingegebnen Sprecher und Herzensbeweger berufen: sie bekommen es Mal um Mal zu spüren, daß heute nicht mehr, wie vor zehn Jahren, der ganze Mensch ergriffen wird. Nicht etwa, als ob das Wort nicht auch heute bezwange, aber es verwandelt nicht mehr wie einst. Die lebensändernde Funktion der Propaganda hat nachgelassen. Man wird mir wohl nicht das Wachsen unserer Geldmittel entgegenhalten wollen: allzu häufig drängt sich der Eindruck auf, daß Leute ihre Seele loskaufen. Es müßte so sein, daß das Geld nicht das erste ist, was sie geben, sondern das zweite: sie müssen zuerst sich selbst!!ergeben und dann erst das Geld. Unsere Propagandisten sind nicht schlechter geworden, eher besser, aber ihr Sprechen trifft nicht mehr in dem Maße, wie vor zehn Jahren, auf eine potentielle Aktion der Seele. Es war eben die Potenz des Dor, der großen Stunde der nationalen Aktion. Um die Fortdauer zu erlangen, die die Geschichte uns versagen zu müssen glaubt, bedarf es einer Macht, die eine größere und anhaltendere Gewalt der Umwandlung hat als die Propaganda, die in die ruhende Substanz der Seele dringt und sie bildnerisch erfaßt. Diese Macht ist es, die ich als Volkserziehung bezeichne. Wir müssen die heranwachsenden Geschlechter einfügen - i§ deg. jQieag. :,einet,, Wee*:.#י : Tmdijtion schaffend, und. Tra-, diiion zeugend ist, einer Werkidee: der Idee des Werkes der ganzen Gemeinschaft, in das Geschlecht und Geschlecht hineinwächst, Teile des wachsenden, sich verzweigenden Werkes übernehmend, die auf es, auf dieses neue Geschlecht warten. Diese lebendige Werkidee, diese Tradition nationalen Bewußtseins und Werkwillens und, was besonders dazugehört, nationaler Werkbefähigung, das ist es, was wir wirksam zu machen haben und nicht durch die aufrührenden Einwirkungen der Propaganda allein, nur mit Hilfe der aufbauenden Ein- Wirkungen der Erziehung wirksam zu machen vermögen. Werktradition muß erstehen als Erhaltung eines großen Aktionszusammenhangs, und zwar in diesen beiden sich stets erneuernden Aktionspfeilern, dem echten Pionier und dem echten Helfer, —־ welcher übrigens kaum weniger eine aus der Ganzheit des Wesens leidenschaftlich hingehende Person zu sein hat als der Pionier. Eine solche Werktradition kann geschaffen werden nur durch Anknüpfung an eine Seins- Tradition, das heißt: an eine lebendige Ueberlieferung, die sich nicht in Inhalten und nicht in Formen allein, die sich vielmehr im Sein, im Dasein lebender jüdischer Menschen darstellt und aus ihnen wirkt. Nur solche Menschen vermögen wahrhaft in die Werktradition einzuführen; nur solche Mensehen, in denen die Erkenntnis ganz ins personhafte Sein eingegangen ist, aus dem Sein sich erwahrt und an ihm sich bewährt, vermögen die große Voraussetzung des Glaubens an das tradierte Werk, die elementare Erkenntnis des Subjekis dieses Werkes zu erwecken und zu erziehen. Ich meine eine Erkenntnis durch das ganze Wesen, nicht durch Denkfunktionen allein, eine elementare Erkenntnis also dieser Gemeinschaft, des Judentums, als einer Gemeinschaft, die dieses Werk — den Neubau, die Neuzeugung ihres Landes — nicht etwa sich vornimmt, sondern in ihrem Wachstum hervorbringt aus diesem Augenblick ihres Schicksals mit einer Notwendigkeit, die wir freilich erst durch unsere Tat als Notwendigkeit kundtun. Denn so sind in der Wirklichkeit eines Volksschicksals Notwendigkeit und Freiheit miteinander verknüpft: alles vollzieht sich aus innerstem Werden, und doch wird dieses Werden immer neu aus der freien Ent- Scheidung jedes neuen Geschlechts, aus der unsern, ermächtigt. Es gibt keine automatische Notwendigkeit der Entwicklung, sondern nur diese, und wir können uns ihr hingeben oder uns ihr versagen: wir können sie manifestieren oder sie verstummen lassen. Diese Anknüpfung an eine Seinstradition und an die sich durch sie übermittelnde elementarwerkhafte Erkenntnis des Judentums als einer dieses Werk in der Späte und doch Frühe ihrer Tage hervorbringenden Gemeinschalt kann sich nur verwirklichen durch Verknüpfung der Generationen in einem Lehren und Lernen. Aber das genügt noch nicht: es muß hinzugefügt werden, durch eine nicht bloß beiläufige, improvisierte und also nicht bauende, vielmehr durch eine institutionelle Lehrverknüpfung der Generationen. Ehirch Schaffung von dauernden Institutionen, in welchen und durch welche Repräsentanten der Seinstradition lehren: Sinn und Richtung der lernenden Generation mitbestimmen. Die Generation einer nationalen Bewegung, die nicht in eine Ueberlieferung des Lehre ns und Lernens eintritt, wird auch keine einzusetzen imstande sein. Die nicht Söhne zu sein verstanden, verstehen nicht Väter zu sein. •־ Daraus ist zu verstehen, weshalb die Jugendbewegung die Aufgabe, von der ich spreche, nicht erfüllen kann. Ihre Führer sind nicht Dasein und Lehre überliefernde Menschen, die Folge ihrer Generationen nicht eingeschaltet in den großen Zusammenhang der Geschlechter, sie selber mehr in sich kreisend als von einem Gewesnen und Seienden zu einem Seienden und Kommenden hinströmend. Das ist auch der Grund, weshalb wir von den, oft herrlich lebendigen, Generationen der Jugendbewegung — der jüdischen ebenso wie etwa der deutschen — eine nach der anderen verschwinden sehn, als habe sie nie in begeisterter Gegenwart gelebt. Wenn sich die Aufgabe, von der ich spreche, nur in einem Zusammenhang der Lehrenden und Lernenden erfüllen kann, so darf dies aber nicht so aufgefaßt werden, als ob ihr der Unterricht, auch wenn er mehr als eine bloße Uebermittlung von Kenntnissen ist, Genüge tun könnte. Wenn ein Lehrer mit Schülern, ohne mit ihnen sonst zusammcnzuleben, ohne die Vielfältigkeit der Tage mit ihnen zu teilen, zu bestimmten Stunden zusammenkomrnt, um sie zu ״unterrichten“, wird sich daraus nur ausnahmsweise eine aufbauende Wirkung ergeben: die Berührung ist zu momentan und abreißend, und sie ist zu zweckhaft. Aufgeschlossenes, aufgelockertes Seclcn-Erdreich gibt es nur in den Gnaden des Vonungefähr. Ganzheit des Wesens wirkt da auf Ganzheit des Wesens ein, wo sich der Erzieher und seine Zöglinge eben nicht mit Teilen nur ihres Daseins, jener eben als der Lehrende, diese als die Lernenden gegenüberstehn, wo ihr Zusammensein nicht von vornherein völlig durch seinen Zweck determiniert ist, sondern wo sie in der Ganzheit eines gemeinschaftlichen Lebens, und wenn es auch mir Monate dauert, miteinander verweilen; und wo alle Absicht der Belehrung tief eingetaucht ist in das Unwillkürliche. Denn was die eigentliche, die elementare bauende Wirkung tut, ist das U n w i 11 k ü r 1 i c h c des Menschen. Am tiefsten erzieherisch ist er nicht da, wo er zu lehren unternimmt, sondern wo er cs selber nicht merkt, daß ers tut, oder erst merkt, nachdem ers getan hat. Gewaltiger, als was ihm sein Lehrwilie eingibt, wirkt, wenn er nur ״einfach da ist“, denn da wirkt eben was er ist. Die intellektuelle Einwirkung, der Unterricht, ist keineswegs unwichtig, aber wichtig ist er eben dann, wenn er von einer wirklichen menschlichen Existenz als eine ihrer Aeußerungcn aufsteigt. Auf unsere Sache angewandt: von einer wirklichen menschlichen und jüdischen Existenz, von einem Menschen, der mit der Ganzheit seines Wesens die Seinstradition darstcllt und von ihr aus die Werktradition aktualisiert. Als die Zentren der Voikserziehungsarbeit, die ich meine, denke ich mir — ich behalte den geläufigen Terminus vorläufig bei, obgleich er das, was ich im Sinne habe, nicht hinlänglich zum Ausdruck bringt — eine Art von Volkshochschulheimcn, die in Palästina mit den städtischen und anderen Kursen zu einer einheitlichen Landes-Volkshochschule vereinigt sind, wogegen sie in der Diaspora, wo ihre Errichtung sich als möglich erweist, mehr vereinzelt bestehen müßten. Ich gehe dabei von den um die Mitte des 19. Jahrhunderts von dem großen dänischen Patrioten Grundtvig begründeten ländlichen Volkshochschulen aus, die in unserer Zeit, insbesondere in Deutschland seit 1915, ausgestaltet und umgebildet worden sind und durch unsere besondere Zielsetzung «i«e .weitere. tiffgreHfnSejModiflkatiOT,erfaßen,*jOssen. '.¥#1־- bildlich bleibt an ihnen, daß die jungen Leute (ich denke an solche etwa von 16 bis 25) jeweils etwa ein halbes Jahr lang mit den Lehrern auf dem Lande Zusammenleben. Stärker als die dänische hat dann die deutsche Volkshochschulbewegung gemeinsame geistige mit gemeinsamer körperlicher Arbeit (insbesondre Gartenbau) und beide mit Spiel abwechseln lassen; wobei aber nicht außer acht gelassen werden darf, daß auch das Mahl und die Geselligkeit in der Gemein- Schaft einen starken Anteil am Gesamtwerk der Anstalt haben. Das Wesen einer solchen Institution, wenn sie ihrem Sinn gerecht wird, zeigt sich am deutlichsten, wenn das einfache Gespräch über ein Tagesgeschäft unversehens, ganz absichtsfrei, ausgreift, in die Weite und in die Tiefe hinein, und zu einer reinen, echten Belehrung, und zwar nicht so sehr zu einem Belehren und Belehrtwerden, als vielmehr zu einem gemeinsamen Suchen und Finden der Lehre wird, dem Lehrer kaum weniger überraschend als den Schülern. Aber noch größer fühlt man, was hier lebt und wird, wenn, etwa an einem Abend am Waldrand, gemeinschaftliches Schweigen waltet und im Schweigen das unaussprechliche Sein und Vertrauen, Solche Volkshochschulheime, zu Stätten eines jüdischen Menschentums geworden, meine ich als die Kerne, die institu« tionellen Knotenpunkte der Oenerationen-Verknüpfung, in der allein der Menschentypus, den wir brauchen, erzogen werden kann. Ueber die Fragen der Unterrichtsmethodik, über die ich in den zwölf Jahren, seit ich mich mit dem Gegenstand ernstlieh befasse, viel nachgedacht habe, hoffe ich mich bald vor einem zuständigen Forum eingehend äußern zu können, ebenso über die für uns besonders wiciitige Frage, in weicher Weise der ״allgemeine‘*' und der ״jüdische" Unterricht miteinander . zu verbinden sind. Hier, wo ich nur eine erste grundsätzliche Einführung zu geben beabsichtige, will ich nur darauf hinweisen, daß eine allzu strenge Abgrenzung der Lehrfächer dem Wesen der Institution widersprechen will, die ja keine university extension, keine Popularisierung der Universitätsbildung sich zum Ziele setzt, sondern: den besonder!! Menschen eines besonder!! Werks, den sie ausbilden will, mit dem Wissen auszustatten, das er für ein Werk braucht. Sowohl in dem Was als im Wie, in der Auswahl der Gegenstände und in der der Methoden muß stets an das Konkrete angeknüpft werden, was der Ort, in dem man lebt, die. Bedingungen, unter denen man lebt, die Tätigkeit, die man erwählt hat oder erwählen will, von einem fordern. Innerhalb dessen soll die Auswahl der Lehrgegenstände, ebenso wie die Methode bestimmt sein von dem Streber!, selbständige Geistestätigkeit mit lebendiger Ueberlieferung zu vereinen. Und ich glaube, daß sowohl in den Naturwissenschaften, wie in den Geistes- Wissenschaften solche Methoden gefunden werden können, ja gefunden sind. Auch zur Frage der Verbindung von ״Allgemeinem“ und ״Jüdischem" kann ich hier nur ein Wort sagen: sie darf kein Nebeneinander, sie muß ein Ineinander bedeuten. Das ergibt sich in Palästina gleichsam von selbst, in der Diaspora muß es zur bewußten Richtschnur unserer Arbeit werden, in der sich die Werkidee methodisch darstelit. Ich habe schon gesagt, daß, was ich vorschlage, sowohl für Palästina als für die Diaspora gilt. Es sind nicht zwei Sachen, sondern es ist eine gemeinsame Sache, und die Institution, die wir für Palästina aufzubauen haben, die palästi-

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