Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXI (1926)
- Issue
- Heft 69 (3.9.1926)
- Date
- 1926-09-03
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr 09 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 499 Die ״Kleinheit“ Palästinas!11 Nummer 34 der C.-V .-Zeitung vom 20. August setzt sich Herr Dr. Faul Nathan unter der Ueberschrift ״S achliehe Politik oder wilde Agitation“ erneut mit dem Zionismus auseinander. Mir scheint eine Entgegnung auf diesen Artikel notwendig, weil er neben neuerlicher Wiederholung eines nun schon bei Herrn Dr. Nathan zum erstarrten Dogma gewordenen Satzes von der ״Kleinheit und Unfruchtbarkeit Palästinas“ in einem wesentlichen Punkte wiederum von einer so falschen Voraussetzung ausgeht, daß wir verpflichtet sind, eine Klarstellung zu sucheii. Ich glaube, wir können ohne weiteres dem Appell zustimmen, den Herr Dr. Nathan an die Oeffentlichkeit richtet, gegen die Verwilderung des politischen Kamnfes, die bei uns eingerissen ist, Front zu machen. Wir wären Herrn Dr. Nathan insbesondere dankbar, wenn er diesem Appell wirksame Geltung in den Kreisen der Jüdisch-liberalen Zeitung verschallen würde. Aber wir fürchten beinahe nach den Proben, die wir in diesem Blatte vor wenigen Wochen lesen konnten, daß sogar der Einfluß Herrn Dr. Nathan bei diesen seinen politischen "Freunden zu gering sein wird, um sie zu einer Aendertmg ihres Tones zu veranlassen, um diejenigen ״unentbehrliehen moralischen Qualitäten“ bei ihnen wiederherzustellen, die, wie Herr Dr. Nathan sehr richtig sagt, für den Sieg im politischen Kample letzten Endes doch notwendig sind. Wenn es Herrn Dr. Nathan durch diesen Appell gelingt, das Niveau unserer Auseinandersetzung wieder so zu heben, daß wirklich eine Auseinandersetzung der Geister stattfindet, anstatt daß man sich beschimpft, dann sollen wir, glaube ich, ihm alle für diesen Artikel dankbar sein. Wir müssen uns aber mit dem Artikel sachlich vor allen Dingen deshalb aiiseinandcrsetzcn, weil,, wie ich das vorhin kurz andeutetc, Herr Dr. Nathan von einer ganz falschen Voraussetzung ausgeht, die typisch ist und die unsere Auscinanderset/ung von vornherein zur Unfruchtbarkeit verurteilt. Und diese falsche Voraussetzung wiegt in einem Artikel des Herrn Dr. Nathan um so schwerer als er, einer der prominentesten, vielleicht der prominenteste Vertreter des Central- Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens und einer antizionistisch eingestellten Schicht des deutschen Judentums, wissen muß, was Zionismus bedeutet. Wir können einem jahrzehntelangen erfahrenen Gegner, der uns nicht kennt, nicht konzedieren, was bei einem Neuling begreiflich wäre, nämlich Unklarheit über unsere politischen und geistigen Ziele. Und wenn Herr Dr. Nathan, mit dem Ziel des Kampfes gegen den Zionismus, und dieser Kampf ist sein gutes Recht, ein Bild des Zionismus entwirft, das nicht mit dem tatsächlichen Zionismus übereinstimmt und dabei drei Jahrzehnte zionistischer Entwicklung völlig unbeachtet läßt, so müssen wir noch einmal versuchen, durch sachliche Klärung unsere Gegner von der falschen Richtung ihres Angriffs zu überzeugen und sie dadurch veranlassen, sich uns in klarer Kampfesstellung gegenüberzustellen. Unsere Terminologie ist gewiß nicht vollkommen. Sie ist aber nicht so verschwommen und so unzulänglich, wie es dem kritischen Beobachter beim Lesen des Artikels des Herrn Dr. Nathan scheinen könnte. Es sei hier einmal ausdrücklich betont, obwohl das in einer zionistischen Zeitung vielleicht nicht nötig ist, daß der Zionismus nicht prätendiert durch die Besiedlung Palästinas das in absehbar kurzer Zelt zu lösen, was inan gemeinhin unter ״ökonomischer Judenfrage“ versteht. Herr Dr. Nathan irrt, und es ist schwer, diesen Irrtum zu verstehen, eben weil Herr Dr. Nathan die zionistische Bevvegung kennt, wenn er eine solche falsche Behauptung aufstellt, wir. wissen ganz klar, daß eine Besiedlung Palästinas sogar im Tempta der optimistischen Maximalsten nicht die baldige ökonomische Lösung der Judenfrage bedeuten wird. Deshalb stehen wir Zionisten überall dort, wo es sich um die Gesundung der ökonomischen Struktur unseres Volkes handelt, mitarbeitend und führend Im Kampfe für die Sicherung der ökonomischen und nationalen Existenz des jüdischen Volkes, in Palästina und in der Diaspora. Darum also, weil wir nicht behaupten, daß das ״kleine Palästina“, ״das wirfschaftlich unausgiebige Land“, wie es Herr I>r. Nathan nennt, diese ökonomische ludenfrage lösen kann, sind alle die Argumente, die Herr Dr. Nathan gegen Palästina als Lösung der Judenfrage anführt, völlig bedeutungslos. Sie treffen nicht den Kern der Sache, lind es hat in dieser Erörterung nicht einmal Sinn, sich mit ihnen auseinanderzusetzen, obwohl sie an sich natürlich angreifbar und unserer Ansicht nach nicht richtig sind. Was wir aber von Palästina erwarten, und was Herr Dr. Nathan an einer späteren Stelle seines Aufsatzes implicite selbst zugibt, ist eine ungeheure Wirkung dieser nationalen Besiedlung Palästinas auf das Judentum und die Lösung, soweit eine so metaphysische Frage, wie die Frage des Judentums überhaupt auf Erden lösbar ist, der Judentumsfrage. Herr Dr. Nathan sagt (Von ihm selbst gesperrt gedruckt): ,,Wir wollen mit unserer sachlichen Kritik nur einem vorbeugen: Daß der Zusammenbruch überschwenglicher Hoffnungen zu einer Katastrophe für das gesamte Judentum wird und damit zu schlimmsten moralischen Verwüstungen führt.“ Nun, ich frage Herrn Dr. Nathan: Wenn es wirklich ,,eine Illusion ist, daß durch die Besiedlung Palästinas die ludenfrage in der zivilisierten Welt irgendwie wesentlich beeinflußt werden könnte“, warum fürchtet er denn, daß durch den Zusammenbruch überschwenglicher Hoffnungen einiger Träumer eine Katastrophe für das gesamtejudent um und schlimmste moralische Verwüstung euitreten würde. Herr Dr. Nathan weiß selbst sehr gut, daß die nationale Besiedlung Palästinas heute zu der entscheidend wichtigen jüdischen Angelegenheit geworden ist. Er weiß sehr gut, daß ein Scheitern dieser nationalen Besiedlung deshalb in der Tat eine Katastrophe wäre für das gesamte Judentum, weil paiastina-firundionds (Keren Halessod) E.v. Sonntag, den 5. September, abends 81j, Uhr, Zahnärztehaus, Bülowstr. 104 Vortras von A Dr. Olsvanger ▼ über Die goldene Kette“ von I. L. Perez. 91• Zutritt nur gegen besondere Einladung für Mitglieder des Keren Hajessod, eben die Besiedlung Palästinas die Lösung, zwar nicht der ökonomischen Judenfrage, aber der nationalen Judentumsfrage ist. Hier liegen die entscheidenden Differenzen, hier spielt sich sein Kampf zwischen Central-Verein und Zionisten, zwisehen nationalen Menschen und antinationalen Juden ab. Es ist kein Zweifel, warum der Central-Verein die seltsame Verbindung mit der jüdisch-nationalen» wenn auch nicht aionlstlschen ORT eingegangea Ist. Man erkennt in Central* Vereins-Kreisen eben sehr wohl die entscheidende nationale Wichtigkeit Palästina! für die Löiung der nationalen Juden tu m sfrage. Aber eben diese Lösung, die Lösung der allgemeinen Judentumsfrage, will man nicht, und deshalb vergißt man plötzlich alle Argumentationen, die man gestern noch gegen den Keren Hajessod gebracht hat, z. B. er bringe deutsches Kapital ins Ausland, nach Palästina. Deshalb ist bei ORT für Polen und Rußland erlaubt, was bei Palästina verboten ist. Um die jüdische Emigration aus dem Osten zu eliminieren, ist der Centrai-Vcrein bereit, sogar die nationale Existenz des jüdischen Volkes ״im Osten“ anzuerkennen, wenn er damit nur der alljüdischen, nationalen Lösung der Judentumsfrage ausweichen kann. Und nun noch wenige Worte über die praktischen Fragen der Kolonisation Palästinas, damit ich nicht dahin mißverstanden werde, daß wir etwa die praktische Kolonisation bagatellisieren und uns dadurch, wie man sagen könnte, in eine unangreifbare Position zurückziehen wollten. Wir glauben allerdings, daß die Voraussetzung eben dieses jüdischen ZentrumSj des geistigen Zentrums Achad Haams, eine starke Kolonisation ist. Die Wichtigkeit, die Herr Dr. Nathan und seine politischen Freunde — wenn auch nur im negativen Dieses Buch der Bücher wird allmählich immer mehr von unserer Generation vergessen, wird beiseite gelegt zuliebe allerlei Büchern, die weder Form noch Inhalt haben, keine Weisheit und keine Wissenschaft, keine Kunst und keine Schönheit, keinen Geschmack und keinen Duft. Kehret zurück, zum Buch eurer Bücher, zu unserer heiligen Schrift! Wer sich von ihr entfernt, entfernt sich von der Quelle unseres nationalen Seins, von der Quelle der hebräischen Sprache und vom Geist der Propheten! (Berechtigte Uebcrtragung aus dem Hebräischen von Philipp P a n e t h.) Eine Familien -Angelegenheit Ich weiß: es ist heute wenig Platz und Interesse für Familienereignisse. Aufbau, Industriebank, die Gendarmerie und das Erzichungsprohlem — ja richtig, gerade das Erzielumgsproblcm hißt keinen Raum für Familie. — Aber doch — es ist ein besonderer Fall, die Silberhochzeit in den Flitterwochen. Daß sic i!1 den Flitterwochen sind — Heinrich Loewe und seine Frau —, das kann auch der kurzsichtigste Beobachter nicht übersehen; sie können es nicht verbergen und wollen es anscheinend auch gar nicht. Und wenn man nun fünfundzwanzig Jahre hindurch diskret wegge;ehen hat, läßt sich der Zeitablauf auch nicht leugnen. Und man freut sich — etwas wehmütige Freude ist es am Ende -׳-, daß cs so etwas gibt. Wie ziehen wir alle von damals doch mit gesenktem Blick ins Philisterland, — wie peinlich erschreckend ist es doch, Jugendfreunden zu begegnen, die inzwischen so verteufelt ernsthaft geworden und gar Kindern und — o weh — Kindeshindern zu würdigem Beispiel dienen — und da steht dieser eine noch da, dieser Heinrich Loewe, unter angegrautem Rauschebart dasselbe kecke Jungensgesicht bergend, das einst in seiner Studentenzeit schon der Schrecken Leimdörffcrs und Klausners gewesen war. Und mit demselben unzügelbaren Temperament läßt er heute seinen Schläger sausen gegen die neuen Reaktionäre wie damals, als er ein Vorläufer Herrscher Zeit in Jung-Israel ahnungslose Jugend aufrüttelte. Was wußten wir damals von den Möglichkeiten Palästinas, als er mit Hirsch Hildesheimer 1896 t« Kairo der Gewerbeaus- Stellung das Zelt für die Weine von Esra und Rischon le Zion errichtete. (״Mutter — sieh nur den bildschönen Araber!“ rief eine junge Dame, wendete sich wohlwollend an den malerisch am Eingang hingelagerten Orientalen und fragte ermunternd, von Asra-Reminiszenzen erfüllt, den die glühenden Augen zu ihr Aufschlagenden, von wannen er sei, welcher Sippschaft er angehöre. Worauf jener, den roten Fez anmutig lüpfend und sich aufrichtend: ״Doktor Heinrich Loewe aus Magdeburg“ erwiderte, womit ein ganz netter Novellenanfang gegeben schien, dessen Fortsetzung Heinrich selbst in angemessen bearbeiteter Form seiner Frau und sonstigen Interessenten erzählen mag.) Loewe war es. der in der Victoria-Brauerei Max Nord au — in einem östlichen Casino Theodor H e r z! den Berlinern vorstellte. Keine jüdische Versammlung war denkbar, in der nicht sein Loewennaupt auftauchte, und bald fuhr sein Pathos durch Deutschland und bald auch durch andere Länder, überallhin das Lied unserer Sehnsucht tragend. — Jahre hindurch hat er unsere ״Rundschau“ geleitet, und das in einer Zeit, in der es ein Wagnis und eine Last sondergleichen war. Hätte Frau Johanna ihm damals nicht iti der Arbeit tapfer zur Seite gestanden, er hätte es kaum durchgehalten. Und wen gab es unter uns, der nicht abwechselnd entzückt von seinem Feuer und entsetzt ob seiner barocken Temperamentsäußerungen war. Was hat er uns —- was haben wir ihn geärgert?! Aber es gab keinen unter den deutschen Zionisten, mit dem sich jeder unserer damals nicht allzu großen Familie so eng und innig verbunden fühlte, wie mit Heinrich Loewe. Die Herzen flogen Ihm zu — nicht nur die Backfische schwärmten für ihn. Ein Stückchen Backfisch lebt in uns allen auf. Und etwas echte Liebe ist in uns allen geblieben, und ich glaube — auch in der neuen Generation jst etwas davon da, in der so schrecklich vernünftigen und nüchternen. Und ich glaube fast ״ man Hebt ihn nicht nur jn unserem engen Kreise ״י-, bis ins liberal« Lager hinein wird er nicht nur aufs grimmigste bekämpft, aber auch im Grunde geliebt. Denn was wir in ihm lieben, das ist unser Ureigenstes — das jü ';sehe Temperament; den jüdischen Idealismus; das jüdisch? Herz; die ewige Jugend. Una heute kann inan es einmal sagen, indem 1:גוח dem jungen Paar seine Glückwünsche bringt. Sammy Qrenemaiin, Sinne — dieser Kolonisation beilegen, ist uns nur ein neuer Beweis für die Richtigkeit der These Achad Haams. Die kritische Situation des Judentums auf der ganzen Welt, im Westen und im Osten, fordert von uns die Verwirklichung der materiellen Vorbedingung, der möglichst umfassenden Kolonisation Palästinas ״noch in unseren Tagen“ in der allernächsten Zukunft. Es wäre töricht, dabei die Schwierigkeiten, die unsere Gegner sehr übertreiben, zu unterschätzen. Wir können aber im Bewußtsein unserer Härte den Kampf mit all denen aufnehmen, die sich der Verwirklichung unseres Zieles entgegenstellen. Der Kampf selbst wird ein fruchtbarer sein für die Entwicklung der nationalen Bewegung im Judentum auch unter unseren Gegnern, wenn man dort den Mut haben wird, gegen den wirklichen Zionismus zu kämpfen und nicht gegen einen Zionismus, den man sich zum Zweck des Kampfes selbst zurechtgemacht hat. Dr. Werner Senator. * Nachstehend seien Herrn Dr. Nathan Ausführungen in Erinnerung gebracht, die er im März 1921 in seinem Aufsatz ״Die jüdisch-nationale Heimstätte in Palästina“ (,,Im Deutsehen Reich“) veröffentlicht hat: S. 83: ״Man kann nicht behaupten, daß dieses sogenannte Palästina-Mandat Englands für die Entwicklung der jüdischen Frage in der Welt unmittelbar eine große Bedeutung erlangen wird. Aber nach einer Richtung hin wird dieses englische Mandat voraussichtlich eine einschneidende Wirkung sogleich ausiiben. Die Stellung der verschiedenen jüdischen Parteien zueinander, insbesondere die Stellung der Zionisten zu den jüdischen Nichtzionisten muß sich fundamental ändern; jedenfalls sollte sie sich fundamental Indern. Die Gegensätze, die die einen von den anderen trennen, haben auf absehbare Zeit jegliche Bedeutung verloren, und nach dem Grundsatz: cessat causa, cessat effechis, nähern wir jetzt uns dem Augenblick, da eine Einheitsfront des Judentums wieder in den Bereich naheliegender Möglichkeit rückt. Nicht die Judenfrage innerhalb der zivilisierten Welt hat durch das Mandat ihre Lösung erfahren, wohl aber die Kontroverse über die Durchführbarkeit und über die Nützlichkeit der Durchführung des zionistischen Endziels.“ S. 88/89: ״Die realen wirtschaftlichen Voraussetzungen, wie die Voraussetzungen für eine urwüchsige intellektuelle Neubetätigung sind jetzt gegeben. Sie sind gegeben, obgleich die Möglichkeit für staatliche Selbständigkeit, seitdem das Land in den starken Händen einer europäischen Großmacht sich befindet, in weiterer Ferne Hegt als je zuvor. Die Türkei hätte möglicherweise einmal Palästina eine gewisse politische Selbständigkeit gewähren können; das Mandatsland Palästina wird für überblickbare Zeiten in der Hand europäischer Großmächte bleiben, und weil dem so ist, schrumpft der Gegensatz zwischen Zionisten und Nichtzionisten zur Bedeutungslosigkeit zusamnien; dieser Gegensatz kann nur seine Nahrung finden in veralteten Kontroversen, in nachwirkenden Rankünen, im Streit der Vergangenheit. Empfindungen aus diesen Quellen müssen alle Juden, welcher Partei sie angehören, den Laufpaß geben. Mögen immerhin auch ältere wunden noch nicht völlig vernarbt sein. Die Gesamtheit der Juden der Welt kann heute der Palästinafrage gegenüberstehen, wie sie ihr gegenüberstand vor den unerfreulichen und vielleicht verbitternden Auseinandersetzungen mit den Zionisten. In der Politik kann man nichts Besseres tun, als neuen Verhältnissen gegenüber zu vergessen, gründlich zu vergessen. An den Palästinaaufgaben hat der Kreis meiner Freunde und ich seit einem Vierteljahrhundert gearbeitet, Diesen Aufgaben können wir uns wieder zuwenden,“ •' # Zionist?■ and Joint New York, 23. August, (J. T. A.) Der Präsident des amerikanischen Keren Hajessod, Herr Samuel Unter myer, tritt in einer öffentlichen Erklärung für eine Beendigung der Kontroverse zwischen der Zionistischen Organisation Amerikas und dem Joint Distribution Commitee bezüglich der Krimkolonisation ein. Die Vereinigte Jüdische Kampagne für Förderung des russischen Kolonisationsplanes, sagt er, beeinträchtigt keineswegs die Palästinabewegung. Wir sind ge-!lügend reich und kräftig, um beide Bewegungen zu unterstützen und zu gutem Ende zu führen. Beide Aktionen können harmonisch nebeneinandergehen; es müsse eine Basis für freundschaftliches Zusammenarbeiten geschaffen werden. Vermischte Nachrichten Der Berliner Vertreter des New Yorker ״Vorwärts“ und Mitredakteur der Blätter für jüdische Demographie und Statistik, einer der besten Kenner der sozial-ökonomisehen Verhältnisse des jüdischen Volkes, Herr Jacob Loschtschinsky, hat in diesen Tagen sein fünfzigstes Lebensjahr vollendet. An diesem Anlasse war der Jubitar Gegenstand herzlicher Sympathiekundgebungen. Auch wir entbieten dem verdienten Gelehrten unsere Glückwünsche. Wir wir erfahren, hat ״The Palestine Land Development Co. Ltd., London-Jerusalem“, Herrn Rechtsanwalt Dr, Albert B a e r, Berlin, zum Syndikus ernannt und ihrn die Vertretung ihrer Interessen übertragen. Die ״Vossische Zeitung“ berichtet: In diesen Tagen kommt Herbert Samuel, der frühere Oberkotnmissär von Palästina, aus dem Schwarzwald nach München. Samuel, der sich auch hei der Beilegung des Generalstreiks in England große Verdienstc erworben hat, hat Empfänge auch von zionistischer Seife abgelehnt, da er lediglich als Privatmann die jüdischen Feiertage hier verleben will. Die Schöpferin des großen sozialen Hilfswerkes für die notleidenden Wiener Juden, unsere Mitarbeiterin Frau Anitta M ü 11 e r - C o 11 c n übersiedelt in den nächsten Wochen nach Palästina. Sie ist aus diesem Anlaß Gegenstand vielfacher Ehrungen ihrer zahlreichen Freunde in Wien, Grabdenkmal für Hugo Zuckermann. Das Rabbinat und dje Israelitische Kultusgemeinde in Eger planen die Erriclitung eines Grabdenkmals für Hugo Zuckermann, der aus Eger stammte und in Eger begraben ist. In einem Aufruf werden alle Freunde Zuckermanns und die jüdische Oeffentlichkeit gebeten, für diesen Zweck Beiträge an das Bankhaus Robert Cohn, Eger (Postscheckkonto Leipzig Nr. 48 458) zu überweisen. Wir schließen uns dieser Bitte an. Jerusalem, 30. August. (J. T. A.; Dr. Alisa Messel, Aenrtin der Kypat Cholim in Haifa, beging Selbstmord durch Einnahme von Morphium. Die Ursache ist unbekannt. Die nächste Ausgabe der ,,Jüdischen Rundschau“ wird am Mittwoch, den 8. September, als Rosch Haschanat1>D0ppelnummer erscheinen•