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Jüdische Rundschau · 1926-09-03 · Heft 69 (3.9.1926) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXI (1926)
Issue
Heft 69 (3.9.1926)
Date
1926-09-03
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 49s JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr 89 aller Menschen mul aller Schichten, auch des ästhetisicrenden Bürgertums und ihrer Erziehung zum Arisch lull an das jtidisclie Volk, das Palästina aufbaut. (Emek Jesreel und Kowno.) Einen Gegensatz zwischen Sozialismus und Zionismus kann cs nicht geben. Der wahre nationale Gedanke wird von den Arbeitern getragen. Die geistige Schulung hißt viel zu wünschen übrig. Wir brauchen für die Jugend ein klares nationales und soziales Bild. Die Zionistische Organisation hat die Pflicht, die Entwicklung in der Jugend besonders aufmerksam zu beobachten. Justizrat Fränkel-München wehrt sich dagegen, daß man dem Blau-Weiß Nekrologe hält. Der Blau-Weiß ist einer der größten Aktivposten der zionistischen Bewegung in Deutschland. Die Erziehung dort ist ausgezeichnet. Man muß wünschen, daß der Blau-Weiß den Einfluß auf die jüdischc Jugend zuriiekgewinnt. Wenn er eine Krise durchinacht, so ist der Grund hierfür in der Stillosigkeit gelegen, es genügt nicht, die jüdische Jugend mit germanischer Bildüng zu erfüllen. Das ist genau wie der Orgeldienst wegen der Stillosigkeit abzulehnen. Kanel-Wiesbaden bemerkt, daß sich in der Jugend das fortsetzt, was in der ganzen Bewegung vorgeht. Noack hat von der Wirklichkeit gesprochen und übersehen, daß er eine ideologische Konstruktion als Wirklichkeit ausgibt. Redner legt ein Veto gegen den Sprachgebrauch ״Bourgeoisie und Baalbattiin“ ein. Man vergißt, daß wir zu 90 Prozent aus Baaibattim bestehen. Es wird sich rächen, daß deklassierte Menschen eine fremde Psychologie übernehmen. Weil man kein Proletarier ist, verliert man den Sinn für die Wirklichkeit. Ernst Simons Entwicklung in den letzten Jahren über Nationalismus zu Tradition und Kommunismus wäre unwesentlich, wenn es seine persönliche Angelegenheit bliebe. Aber es besteht die Gefahr, daß er Schüler bekommen wird. Ich muß meine Stimme erheben und sagen: Die Sowjets verlangen den Menschen zu hundert Prozent genau wie wir. Es gibt keine praktische Möglichkeit, beide Sachen zu vereinigen. Man kann nicht mit einem Bein in Zion und dem anderen im Kreml stehen. Die Basiert!ng unseres Zionismus auf Land, Sprache und Thora verbürgt keine statische Sicherheit. Man braucht einen vierten Stützpunkt, das lebendige leidende Volk. Dr. Werner Bloch erklärt, daß das Problem des Jugend- Sekretariats eine Personen frage ist. Wenn man einen Mensehen findet, der die Entwicklung der nichtzionistischen Jugend zu verfolgen vermag, dann ist es gut. Der Blau-Weiß ist nicht tot, er hat eine Krise in der Nächwuclisbewegung. Der Wanderbund Blau-Weiß existiert im Bunde Kadimali. Der ist keine neutrale Sache. Es wird dort versucht, auf neuem Wege die westjüdische Jugend zu gewinnen. Redner ist skeptisch, weil er noch nicht die Persönlichkeit sicht, die diese Arbeit machen könnte. Die Kadimah hat bereits Menschen, aber es fehlt ihr an Führermaterial. Es gibt nirgends Jugenderzieher und das gilt auch für den Makkabiverband, dessen Entwicklung man mit der größten Sorge verfolgen müsse. Dieser große Verband berauscht sich an der Sportmode, anstatt die Jugend für Palästina vorn!- bereiten. Man muß die Jugend an Körper und Geist erziehen. Mit dem Muskeljudentum allein hat man in der Hakoah böse Erfahrungen gemacht. Wenn man genügend Sport getrieben hat, so läuft man fort, ln Palästina müssen wir wieder zu einer Ansiedlung von westjüdischen Chaluzim kommen. Wir brauchen keine Resolutionen auf dem Delegiertentag, es genügt, die Sache mit dem Geschäftsführenden Ausschuß zu besprechen. Die Blau-Weiß-Werkstätten haben wohl kapituliert, aber es haben auch dort Menschen ausgehalten und es gibt eine Baugruppe und eine Peintischlerei. Aut die Dauer geht es mit der, heroischen Geste nicht. Wenn 4 der Bla«-Web|,y*rM^ehÄ.wor4m^irf».'iin«:l1Itts.w njeht alles im Kampfe mit der Z. V. f. D. erringen müssen; Führer müssen in die Kadimah hineingehen, um dort zionistische Jugendarbeit zu leisten. Dr. Harry Levy-Berlin erklärt: Bubers Feststellung, daß kein genügender Nachwuchs vorhanden ist, ist leider richtig, Kinder von Zionisten sind manchmal Nichtzionisten, denn es fehlt das milieubildende jüdische Haus. Wir verlangen von keinem ein Bekenntnis zu einem Dogma aber die Bereitschaft zu religiösem Leben. Es gibt Leider ein systematisches Sichverschließen gegenüber der Tradition. Es fehlen uns Lehrer aber auch eine spezifisch-zionistische Auffassung des Judentums. Wir sehen nur ein rechts und links, aber die Mitte fehlt. Misrachi-Bewegung ist eine Verlebendigung der Religion. Die Erfolge in der Berliner Gemeindearbeit sind, gelinde gesagt, mit Duldung der Meinekestraße errungen worden. Die hebräische Sprache ist der Schlüssel zum jüdischen Wissen, aber was nützt er, wenn man ihn in der Tasche trägt. Dr. Hepner-Hamburg meint, die Angst vor der Traciition komme daher, weil man fürchte, in die Vergangenheit hineingestoßen zu werden. Die Furcht vor der Form beruht auf Ucberspit/ung der Unterscheidungen. Gelebter Zionismus sollte eine Wiederbildung jüdischer Formen durchführen. Es ist eine prinzipielle Anerkennung der Formen vorhanden, aber es fehlt der ATut zur Konsequenz. Man muß die An- Wendung dieser Erkenntnisse auf das tägliche Leben verlangen und die Aufgabe einer gewissen Bequemlichkeit bei jedem einzelnen fordern. Der Einzelne im Galuth kann auch ein nationales Leben führen, wenn er das eigene jüdische Gesetz ehrt. Man darf nicht durch ethisch-sanktionierte Furcht vor der Tat die Verschmelzung überkommener Kultur mit dem neuen Leben hindern. Dr. Strauß-Reich-Hamburg: Jugendbewegung ist letzten Endes austonom; wenn sie nicht das ist, ist sie überhaupt nicht. Redner regt die Errichtung eines auf dem Rentabilitätsprinzip gegründeten Mustergutes in Süddeutschland oder der Schweiz an, wohin Chaluzim nach zweijähriger Vorbereitung in andern Betrieben zur abschließenden Ausbildung in einem hebräischen Milieu gebracht werden sollen. Erst dann wird man die Verantwortung für die nach Palästina geschickten Chaluzim aus Deutschland übernehmen können. Schlußwort Br. Ksnowilz Die Diskussion wurde vorwiegend beherrscht von der Auseinandersetzung mit dem Jung-Jüdischen Wander-Bund. Die Redner dieser Gruppe haben sich bemüht, aus meiner Würdigung ihres Bundes das Negative herauszuhören und empfanden meine Kritik als scheinbar ungerecht und lieblos. In Wirklichkeit habe ich mich mit keiner Gruppe so ausführlieh beschäftigt, wie gerade mit dieser und habe von keiner Gruppe soviel Positives berichten können. Meine Einwände gegen diesen Bund gehen nach zwei Richtungen, daß er einmal durch seine ganze Zusammensetzung sich zu sehr außerhalb der westeuropäischen Jugendbewegung gestellt hat und daß darum sein Weg für uns nicht richtunggebend sein kann und daß auch die bisherigen Erfolge seiner Arbeit — ich denke dabei auch an seine Siedlungsarbeit — ihm nicht das Recht geben, seinen Weg als den gelungenen zu bezeichnen. Ein Redner dieser Gruppe erklärte, es könne keine bürgerliche Jugendbewegung geben. Ich muß diese Anschauung hier nochmals mit aller Schärfe zurückweisen. Diese Gruppe verkennt, daß der wesentlichste Teil der zionistischen Jugend in Deutschland zurzeit nicht gewillt ist, den Weg des Jungjüdischen Wanderbundes zu gehen und daß diese Jugend es nicht gestatten wird, ihren Weg als den weniger wertvollen oder weniger zionistischen zu bezeichnen. Der Jung-Jüdische Wander-Bund ist zu sehr beherrscht von seinen Dogmen. Wenn er das Wort ״bürgerlich“ ausspricht, so hat er die Assoziation mit Ausbeutertum und Bourgeoisie. Wir glauben aber, daß ein neuer Typus des bürgerlichen Zionisten im Werden ist, ein Zionismus, der nicht Interessen- Vertretung darstelit und nicht Ausbeutertum. Auch wir haben ein Ideal, die Schaffung von Menschen, die volles Verständnis für die Arbeiterschaft und ihre aufbauenden Kräfte, doch genügend Distanz von ihr haben, um auch auf Ent- Wicklungen anderer Gruppen Einfluß nehmen zu können. Vielleicht wird es sieh heraussteilen, daß es diesen Typus von bürgerlichem idealistischen Zionismus nicht gibt, vielleicht kämpft diese bürgerliche Jugend für eine verlorene Sache. Aber heute hat sie keine Veranlassung, ihren Weg als gescheitert anzüsehen. Glauben Sie mir, es wäre auf diesem Delegiertentag für viele von uns leichter, links zu sitzen, als hier diese unpopuläre Position zu halten. Viele der Menschen, die heute in Ihren Reihen sind, haben nicht das Recht, uns unseren bürgerlichen Zionismus vorzuwerfen. Menschen, die wirklich den Weg in die Arbeiterschaft gefanden haben, haben jederzeit das Recht, unseren Weg für falsch zu halten. Es gibt für viele von uns entscheidende Gründe, nicht hier von dieser Stelle aus immer, unser# Solidarität mR der ÄrbMterSdliäft verkfiWiBn und unserem bürgerlichen Zionismus abzuschwören, Gründe, die nichts zu tun haben mit Bequemlichkeit, sondern die eher einer intellektuellen Rechtschaffenheit entspringen. Was sich aber auch bei dieser Diskussion herausgestellt hat, ist die Schicksaisgemeinschaft der gesamten zionistischen Jugend. Wir stehen alle vor denselben Fragen, und wir müssen uns immer wieder in gemeinsamer Arbeit um ihre Lösung bemühen. Und ich habe heute stärker denn je die Hoffnung, das diese Jugend in gemeinsamer Arbeit ihren Weg nach Zion finden wird. * Infolge der Kürzung ist der Inhalt des Begrüßungsschreibens des Herrn Berl Locker an den XXL Delegiertentag nicht genau wiedergegeben worden. Nachstehend veräffentliehen wir den wesentlichen Teil des an Herrn Kurt Blumenfeld gerichteten Briefes: ״ich danke Ihnen herzlichst für die so freundliche Einladung zum Delegiertentag der Z. V. f. D. Wie ich Ihnen bereits mündlich mitteilte, bin Ich leider gerade in diesen Tagen nicht in Deutschland, da ich unseren Weltverband Das Bnch der Bücher Von Rüben Brainin. (Anläßlich seiner Anwesenheit in Berlin). Wißt Ihr, Freunde, weiches Buch mir bis heute das liebste ist, welche Lektüre mir teurer und erhabener war als andere Bücher, die ich in meinem Leben gelesen habe? Das Buch ist das ״Buch der Bücher“. Ich trete keine Reise, auch nicht eine kurze, an, noch mache ich einen Schritt ohne die heilige Schrift. Sitze ich in meinem Zimmer, wo die Bibel nicht vorbanden ist, möge es auch mit anderen Büchern überladen sein, empfinde ich ein unangenehmes Gefühl, ähnlich dem, das ein Jude beim Betreten eines Zimmers hat, an dessen Pfosten sicli keine vorschriftsmäßige ״Mesusah“ befindet. Ich verstehe nicht und kann gar nicht begreifen, wie mau hebräisch schreiben kann, ohne die Bibel mit ihren Spracheigenheiten zu Hilfe zu nehmen. Wie kann man mir jüdisch denken, wenn man mit seinen großen Propheten nicht in geistigem Kontakt steht und Beziehungen zu ihnen pflegt. Auf meinem Schreibtisch liegt ständig die Bibel. Es genügt meinerseits nur ein Blick in die Schriften der Propheten, um einen geistigen und moralischen Einfluß zu verspüren. An jedem Morgen, ehe icli Tee trinke oder die Morgen- Zeitungen durchblättere, lese ich ein wenig in der heiligen Schrift; viel oder wenig, je nachdem ich dazu komme. Diese Morgenlektüre ist mir zur geistigen Notwendigkeit geworden, so daß ich keinen Tag ohne sie leben könnte! Tag für Tag lese ich in unserem alten Buch und habe das Gefühl, als wäre das alles neu vor meinen Augen. In einer traurigen Stunde wende ich mich der Bibel zu und finde in ihr Trost; — das Bangegefühl schwindet sogleich. Auch in einer fröhlichen Stunde öffne ich das heilige Buch und die Worte der Propheten stärken in mir noch mehr das Gefühl des Lebens, der Freude, der nationalen jüdischen Existenz und vergrößern meine Lust und meinen Mut, mit allen Hindernissen des Satans, die sich mir auf dem Wege der Juden in der Diaspora entgegenstellen, zu kämpfen und zu streiten. In Stunden der Verzweiflung, wenn die inneren Wellen hochschlagen und ich schon nahe bin, zusammenzufallen und umzukommen, lehne ich mich an diesen Freund, an das Buch aller Bücher, um in ihm eine Stütze zu finden zwischen den Orgien der Wüsten und zwischen den Ruinen der Seelen. Wenn ich in Stunden innerlicher Erbauung in den Gärten der weltlichen Wissenschaft spazieren gehe und die geistige Schnur zur Kette der Generationen schwach und dünn wird, dann öffne ich die heilige Schrift und wandere in Vergangenheit und herrlicher Gegenwart und lebe in beiden und bin ein Teil dieser Gegenwart. Die Vergangenheit, die erst vor einer Minute mir als tote Angelegenheit erschien, wie ein bloßer Schatten, wie ein fernes sterbendes Echo, wird — in der Bibel lesend — zum Teil meines Wesens, meiner Existenz, ein Teii meines innerliehen und äußerlichen ״Seins“. Die Schatten werden plötzlich Knochen und Fleisch und ich fühle den Atem ihres wirklichen Lebens. Und in der Stunde, in der mein Zukunftsgefühl stumpf wird, wenn die Flügel meiner Phantasie müde werden, der Horizont meines Himmels schmäler und niedriger wird, — auch dann wende ich mich an die heilige Schrift und die Zukunft wird lebendig vor meinen Augen. Dann erwachen alle meine Sinne und ein neues, ein edles, frohes Zukunftsgefiihi beginnt sich in mir zu regen. Und ohne besondere Mühe mache ich einen Sprung in jene weite, weite Zukunft. je!:er Sprung aus der üblen Gegenwart in die schöne Zukunft erscheint mir dann ganz natürlich und erklärlich. Und ich male mir dann die ferne Zukunft aus, kann sie mir ni-ht anders vorstellen, nicht mit anderen Farben und in anderer Art, als der Prophet Jesaja uns sie schildert: ״Ein Volk wird gegen das andere kein Schwert erheben. Die Schwerter werden zu Ackereisen und die Lanzen zu Schneidenie; er׳: geschmiedet.“ (Jesaja 2, Vers 4.) ״Und die Erde wir.' vUi Wissenschaft, wie die Wässer, die die großen Tic..; Tr Meere füllen.“ (Jesaja 11, Vers 9.) 1 :u ich öffne das Buch aer Propheten und sehe mit gfi>;i;\n Augen das Tal der Knochen, die der Prophet Jecl!••ah: ״Ein treckner Knochen geht zum anderen trocknen Knochen und schon sind auf ihm Adern und Fleisch und ein« auf der Tagung der polnischen Landespartei zu vertreten habe. Anderenfalls würde ich Ihre Einladung mit bcsonderem Danke annehmen, da ich und meine engeren politischen Freunde nicht nur die Bedeutung des deutschen Zionismus in der Gesamtorganisation zu schätzen wissen, sondern uns auch bewußt sind, daß gerade in Deutschland bei erheblichen Teilen der allgemein-zionistischen Bewegung die Voraussetzungen für verständnisvolle Behandlung der zionistischen und palästinensischen Probleme auch vom Standpunkte der Arbeiterschaft und ihrer spezifischen Auf■ aben und Bedürfnisse mehr als in irgendeinem anderen ande gegeben sind.“ Konferenz der radikalen Zionisten Am 31. August und 1. September fand in Berlin eine Konferenz führender Mitglieder der ״Vereinigung Radikaler Zionisten“ aus verschiedenen Ländern statt, die sich mit der zionistischen Lage nach der A.-C,-Sitzung beschäftigte. Es nahmen u. a. an der Konferenz teil die Herren: I. Grünbäum und Dr. Lifschitz aus Warschau, Ingenieur R. Stricker aus Wien, Dr. N. Goldmann, Dr. A. Olschw a n g e r und Dr. M. Soloweitschik aus Berlin, Dr. Emil M ar gu 1 i es aus Leitmeritz u. a. Die Konferenz nahm in drei Resolutionen zu den wichtigsten aktuellen zionistischen Problemen Stellung. Sie beschäftigte sich sodann eingehend mit der künftigen Tätigkeit der Vereinigung radikaler Zionisten. Es wurden diesbezüglich verschiedene Beschlüsse gcfaßt. Neben einer Ausdehnung der Preßpropaganda sind für den Winter verschiedene Landeskonferenzen der Radikalen Zionisten sowie für das Frühjahr eine allgemeine Konferenz gcplant. Die von der Konferenz beschlossenen Resolutionen lauten: 1. Die Vereinigung Radikaler Zionisten erachtet die gegenwärtige politische Lage des Zionismus für in hohem Grade unbefriedigend. Die Nichterfüllung der wichtigsten poiitischen Forderungen der Zionistischen Organisation durch die Mandatarmacht sowie die unbefriedigende Antwort der Mandatskommission des Völkerbundes auf die Beschwerde der Jewish Agency und des Waad Leumi sind Symptome einer ernsten politischen Situation. Daher konstatiert die Vereinigung Radikaler Zionisten mit besonderer Genugtuung, daß das A.-C. in seiner letzten Sitzung sich einstimmig die politische Auffassung zu eigen gemacht hat, die früher von der Majorität der Bewegung bckämpft wurde: daß nämlich die Mandatarmacht an Stelle ihrer bisherigen Politik des Gewährenlassens und der Erfüllung und rein administrativen Aufgaben eine Politik der aktiven Unterstützung des jüdischen Aufbauwerkes i,1 Palästina setzen müsse. Die Vereinigung Radikaler Zionisten hält es für notwendig zu erklären, daß die Politik der zionistischen Exekutive sich bisher nicht in der Richtung dieser Forderung bewegt hat und erwartet mit Bestimmtheit, daß die Exekutive nunmehr ihre Politik im Sinne dieser Forderung neu orientieren wird. Es wird Aufgabe der zionistischen Oeffentlichkeit sein, dafür Sorge zu tragen, daß die Resolution des A.-C. von der Exekutive in ihrer ganzen Tragweite zur Durchführung gebracht wird, und daß die Verhandlungen mit der Mandatarmacht zur Verwirklichung der Forderungen des A.-C. anverzüglich aufgenommen werden. 2. Die Vereinigung Radikaler Zionisten ist der Ueber- Zeugung, daß die jetzige Krise in Palästina der deutliche Beweis dafür ist, daß der Aufbauprozeß im Lande nur möglich ist in der Form einer systematischen, bewußt geleiteten Kolonisation mit dem vernehmlichen Ziel der dauernden Verwurzelung der Einwanderer in den Boden und den Produktionsprozeß des Landes. Die letztjährige immigrations- und Kolonisationspolitik der Exekutive ließ Jedes System vermissen. Die Vereinigung Radikaler Zionisten fordert, daß neben der stärksten Kraftanspannung aller Zionisten und des gesamten jüdischen Volkes zur Ueherwindung der Krise -- insbesondere durch Aufbringung weit größerer Geldmittel —, vor allem eine zentrale Regelung und bewußte Lenkung der Immigration nach Palästina erfolgt. 3. Zur Frage der Jewish Agency lind der im A.-C. von Dr. Weizmann bekundeten Absicht, im Herbst die Verhandlungen in Amerika zur Erweiterung der Jewish Agency wieder aufzunehmen, erklärt die Vereinigung Radikaler Zionisten, daß sie nach wie vor an ihrer' grundsätzlichen Ablehntmg der Erweiterung der Jewish Agency in der jetzt geplanten Form festhält. Die Entwicklung des letzten Jahres hat die völlige Fruchtlosigkeit der Bemühungen zur Durchführung dieser Politik erwiesen; die Tatsache, daß diese Politik noch nicht völlig liquidiert ist, bedeutet eine weitere dauernde Schädigung der zionistischen Bewegung und eine empfindliche Minderung ihres Kampfwillens innerhalb des jüdischen Volkes. Die Vereinigung Radikaler Zionisten wird alle Versuche, die Liquidation dieser verfehlten Politik künstlich hinauszuschieben, mit allem Nachdruck bekämpfen. Haut dehnt sich auf ihnen; ein Wind wehte von allen vier Seiten her. Und ich sah vor mir ein sehr großes Heer Juden, mit Körpern und Seelen, die wie Menschen für die höchsten menschlichen ideale kämpften.“ Wird es mir übel von den Theorien und den Wochentägigen, debattierenden, parfümierten und leeren Gedanken und" Thesen der derzeitigen Literaten, wende ich mich an die Bibel und trage Freude aus ihrer erhabenen Einfachheit und Frömmigkeit davon und fühle dann die frische Kinderzeit der Menschheit, voll von Kraft und Schönheit. Beginnen die trockenen, abgedroschenen, nur schwach und krampfhaft zusammengestellten Wortgebiide der Literaten unserer Gegenwart auf mich abschreckend zu wirken, brauche ich nur die Bibel zu öffnen. Höre ich sodann die Stimmen unserer Propheten, wie sie ״aus Feuerflammen lodern“, höre ich eine Stimme, die Zedern bricht, eine Stimme voll Kraft und Pracht, jedes Wort ein Blitz, jeder Ausdruck ein — Donner! In der Zeit, in der ich im Buch aller Bücher lese, fühle ich, daß ich reich und stark bin; ich fühle dann, daß ich ein Sohn einer großen und mächtigen Nation bin, daß ich große Vorfahren habe; große Brüder, Riesen, fern in Wirklichkeit und Zeit. Ich fühle, daß wir eine große, erhabene Vergangenheit haben und daß aber auch eine große Zukunft unserer harrt. Die Zukunft ist in Wirklichkeit noch nicht gckommen, aber schön, mächtig, erhaben und groß wird die Zukunft sein, von der unsere großen, heiligen Propheten verkündet haben. Ich lese so Kapitel unserer Propheten und atme aus ihnen den Duft des Waides Libanon. Ich höre die gesprächigen Wellenschläge des Jordans und ich fühle den feuchten Tat! des Berge? Hermen, sowie die Frische der Erde unserer heiligen Väter, mit ihrem Herzbldl und dem Mark ihrer Knochen erworben- In den Worten unserer Propheten, dort, wo sie still, ruhig und erhaben $ind, spiegeln sich die schönen Himmel unseres Randes in ihrer ganzen Pracht. Nicht ein gewöhnliches Buch ist mir die Bibel, sondern ein Schatz der Erinnerungen, ein Schatz der Hoffnungen und des Trostes. Ein Buch, für das hundert Generationen unserer Väter sich opfern ließen und das einzige, das uns aus guten?eiten übrig büeb.

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