Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXI (1926)
- Issue
- Heft 69 (3.9.1926)
- Date
- 1926-09-03
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr 69 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 497 Die Palästina-Debatte Als erster ergreift in der Debatte das Wort Felix Kosenbiilth, der über das Verhältaii der deiischen Zionisten zu Palästina spricht. Als ich aufgetordert wurde, führt der Redner aus, die Debatte üoer Palästinafragen durch ein Referat einzuleiten, setzte i.h voraus, daß von mir kein Ruppinschcs Referat aber allgemeine Wirtschaftsprobleme erwartet wurde. Man wollte wohl hören, was ich über die Lage der deutschen Zioni teil in Palästina zu sagen hätte, also über ein begrenztes llicma, und ich begrüße es, daß ich meine Gedanken hierüber nicht in Form eines Berichtes oder programmatischer Ainsführungen, sondern in Form kurzer, schlagwortartiger Piskussionsbcmerkungen äußern kann. Ich spreche hierbei selbstverständlich nicht als Mitglied der Exekutive, sondern als einer, dem es, da er nur 13/4 Jahr in Palästina geweilt hat, leichter fällt, als Herrn Dr. Ruppin, sich aus der Sphäre des VC'dtzionismus wieder in die des deutschen Zionismus zurückzu versetzen, immerhin berechtigt mich diese Periode meiner zionistischen Arbeit in Palästina, einige Schlußfolgerungen vorzutragen, die notwendigerweise manches zu sehr vcrallgemeinem werden und nicht jeden individuellen Fall decken können, die vielleicht aber doch zur Aufhellung einer gewissen spezifischen Problematik der Palästinasituation deutscher Zionisten beitragen. Ich gehe aus von dem Typus des chaluzischen oder bürgerlichen Pioniers, eines fachlich oder finanziell bestausgerüsteten Menschen und verzichte also auf die Ab- Handlung der allmählich bekanritirewordenen Wahrheit, daß Palästina ein Land voller wirtschaftlicher und klimatischer Schwierigkeiten ist, zu deren Ueberwindung Vorbereitung und Entschlossenheit gehört. Ich spreche nicht über einzelne wirfschaftliche Erfolge oder Mißerfolge, die keine spezifisch deutschzionistischen Kennzeichen tragen, sondern für die die allgemeine Wirtschaftschronfk des Landes genügend Vorbilder oder Analogien aufweist, lieber die ökonomischen Fragen ist auch dem, was Dr. Ruppin gesagt hat, nur hinzuzufügen, daß die Beratung im einzelnen Falle deswegen so schwierig ist, weil sich der einzelne im Konkurrenzkämpfe immer durchsetzen kann, auch wenn volkswirtschaftlich kein Interesse an seiner Einwanderung besteht. Ich will vielleicht noch bemerken, daß die Beamtenlaufbahn deutschen Zionisten immer weniger Aussichten verspricht, weil in den zahlreichen Abiturienten der hebräischen Gymnasien, die heute, z. B. in London, studieren, der Beamtenschaft ein fachlich und sprachlieh glänzend ausgebildeter, natürlicher Nachwuchs entsteht. — Ich spreche also im wesentlichen über die besonderen Probleme des deutschen, allgemeiner gesagt westjiidisehen Zionisten in Palästina, und diese sind von soziologischer und psychologischer Art. Alles, was hierüber gesagt werden wird, trifft nicht _ zu — dies sei vorausgeschickt — auf den Typ dessen, der nicht bloß P i o n i e r, sondern auch Einsiedler ist, der also von Einflüssen des Milieus absolut oder relativ sehr stark unabhängig ist, der in sich selbst und seinem engsten Arbeitskreis Genüge findet. Ich erkenne die legitime Berechtigung eines solchen Typs durchaus an, er ist mir sogar sehr sympathisch, und ich stelle ihm nicht die für ihn nicht adäquate Frage, wie er sich ״eingeordnet“ hat. Solche Typen spielen in der Kolonisationsgeschichte anderer Völker eine große Rolle; man kennt die einsamen Farmer, die schon geographisch durch Stunden Weges von ihren Genossen getrennt sind, aber es ist wohl kein Zufall, daß sie bei uns so selten sind. Bedeutet bei anderen Völkern Kolonisation Dezentralisation, so meint bei ans Zionismus Konzentration, Ueberwindung der Vereinzelung, und so sind Zionisten meist Menschen von einem starken Bedürfnis nach Gemeinschaft und Interesse am öffentlichen Leben und Milieu, dessen Charakter sie nicht gleichgültig läßt, sondern sie zur Anerkennung oder Opposition zwingt. Der deutsche Durchschnittszionist also, der nach Palästina kommt, betritt ein Land, dessen Antlitz gebildet wird durch den Charakter des arabischen und des jüdischen Volkes, und beide Volkscharaktere sind für ihn neuartig. Anders als der ostj&dische Immigrant, der sich nur mit der arabischen Umwelt auseinanderzusetzen hat. — und diese Auseinandersetzung ist heute zwar ein nationalpolitischcs, aber eigentlich noch kein gesellschaftliches Problem —, steht der deutsche Zionist vor dem ungleich schwierigeren, und durch die Ablehnung der anderen Seite!läufig komplizierten Problem, sich in den jüdischen Volks- Charakter einzuleben, und die iii der Jugenddebatte diskutierte Auffassung des Jung-Jüdischen Wanderbundes, daß der jüdische Volkscharakter durch das Ostjudentum bestimmt wird, besteht ja zweifellos zu recht. Ich halte nun nichts von einer Assimilation an das Ostjudentum, von der in der Jugenddebatte die Rede war; ich glaube, daß der Assimilant aus Willen und Bewußtsein charakterlich immer gefährdet ist. Aber es ist nicht wahr, daß es zwischen Angleichung bis zur Identität und zwischen Fremdheit durch Andersartigkeit keine Zwischenstufen gibt. Man kann zwischen zwei nicht gleichartigen Elementen eine Einheit auch durch das Medium der Liebe hersteilen, und ohne diese Liebe zum jüdischen Volk und jüdischen Volkstum kann ein deutscher Zionist, wenn er eben nicht ein Einsiedler ist, der vor sich selbst und dem Zionismus durch seine reine Arbeitsleistung gerechtfertigt ist, und der im übrigen nicht nach rechts oder links sieht, nur schwer eine ihn selbst befriedigende seelische Existenz finden. Auch diese Liebe kann nicht aufoktroyiert werden, aber sie hat in der seelischen Konstitution des zionistisch aufgcrüttelten deutschen Juden einen natürlichen Nährboden. Es ist ja auch gar nicht so schwer Zu erkennen und diese Erkenntnis in die Blutbahn des zionistischen Gefühls übergehen zu lassen, daß in Wahrheit das Ostiudentum den schöpferischen Teil unseres Volkes darstellt, und dieses Gefühl überwiegt dann alle instinktive oder kritische Ablehnung. Es ist notwendig und möglich, und ich schließe mich in dieser Beziehung mehreren Rednern der Jugend- und Kulturdebatte an, in der Jugend dieses Gefühl der Nahe zu den schöpferischen Kräften des Volkes durch Pflege des Lernens, durch Kulturlehre, durch eine jüdische Erziehung mit einem Wort, erzieherisch heranzubilden. Der Erfolg wird sein nicht Identität und Gleichheit, aber eine Beziehung der Ehrfurcht und des Respekts vor dem Volke. Abzulehnen jedenfalls ist jene Erziehung, der das Idealbild des blonden Typus vorschwebt, denn dieser blonde Idealmensch ist antisemitisch. Wichtig in dieser Beziehung ist das Vorbild und die Führung und gerade, weil der einzelne deutsche Zionist in Palästina stets gefährdet und vielleicht auch zu schwach ist, habe ich für den Anfang einen gewissen Zusammenschluß für fruchtbar gehalten, weil hier Vorbild und Führung wirksam werden und eine gewisse Gefamtstimmung schaffen kann. Freilich besteht hierbei auch immer die Gefahr der schlechten Führung und des schlechten Vorbildes. Wir hätten wahrscheinlich gut daran getan, und der Gedanke sollte als Anregung für die Zukunft geprüft werden, unsere Jugendgruppen durch einen älteren Menschen geleiten zu lassen — ich möchte fast zur Erläuterung den verpönten Begriff des Jugendpflegers heranziehen —, durch einen älteren, gefestigten Menschen von jüdischem Wissen, mit einem geklärten Verhältnis zur jüdischen Kultur und zum jüdischen Volk. In der Debatte ist bereits der Plan einer deutsch-jüdischen Siedlung erwähnt worden, und ich werde nachher sagen, daß ich diesem Gedanken positiv gegenüberstehe. Auch für diese Siedlungen wird die Führung entscheidend sein. Sie sind zu begrüßen, wenn sic den Uebergang erleichtern; sie sind aber als Inseln der Fremdheit und des Hochmutes auf das schärfste abzulehnen. Meine Damen und Herren! Bereits aus dem wenigen, was ich bisher gesagt habe, wird klar, daß der deutsche Zionist deswegen in einer schwierigeren Lage ist als der ostjüdische, weil eigentlich nur der deutsche Zionist ein Emigrant im radikalen Sinne des Wortes ist. Der Ostjude ist eigentlieh nur ein Wanderer, aber kein Auswanderer, weil er sein geistiges Milcu mit sich tragt und überträgt und in Palästina beherrschend zur Geltung bringt. Anders der deutsche Zionist, der sich völlig neu zu orientieren hat. Zu dieser Neuorientierung gehört auch die Notwendigkeit, sich in die hebräische Sprache einzuleben. Hier kann ich mich kurz fassen. L>as Thema ist oft genug besprochen worden, ich kann auch auf die Bemerkungen von Gerda Ariosoroff- Goldberg in ihrem Artikel ,,Akklimatisierung“ verweisen. Der deutsche Zionist, der durch die Sprachgrenze isoliert ist, fühlt sich um so weniger wohl, je aktiver und umfassender er früher in Deutschland am zionistischen Leben teilgenommen hatte, und wir erleben es immer wieder, daß sich die unbewußte Unzufriedenheit mit sich selbst in Ressentiments gegen die Umwelt umsetzt. Man muß eben hebräisch lernen und zum mindesten jene verhältnismäßig leicht erklimmte! e unterste Stufe erreichen, auf der die zunächst passive, später aktive Anteilnahme am öffentlichen politischen Leben möglich wird. Zu den soziologischen Problemen gehört auch, besonders für die arbeitende Jugend, die Einfügung in ein Wirtschaftsleben, das in der Produktionssphäre überwiegend sozialistisch ist, die Einfügung in das sozialistische Palästina. Es ist wahrscheinlich in viel höherem Maße als viele bei uns glauben, ein kaum beeinflußbares Eiementarereignis, daß ar- Keren Kajemeth Lejisrael Massenmeeting am Sonnabend, den 4. September, abends 8% Uhr, in der Stadthalle, Klosterstraße. Referenten: Dr. Alfred Klee, Ober-Reg.-Rat Hans Goslar, Redakteur Waldmann, Adolf PoUak, Der hebräische Schriftsteller Rüben Brainin u. a. Eintritt frei. Eintritt frei. beitende junge Menschen, die, getragen von der heutigen Weltstimmung, in ein Kolonisationsland einwandern, sozialistischen Formen zustreben. Ich weiß nicht, ob irgendwelche deutsche Zionisten gegen dieses Eiementarereignis als solches ankämpfen wollen. Bisher hat der deutsche Zionismus einen solchen Kampf abgelehnt, und sicher wäre es verfehlt, ihn auf den Rücken junger Menschen ausfcchtcn zu lassen. Solche junge Menschen sind für den Kampf zu schwach. Man darf auch nicht vergessen, daß man der sozialistischen Entwicklung in Palästina große Chancen gegeben hat, daß sie weit vorgeschritten ist, und daß sich traditionelle Machtverhältnisse ausgebildct haben, die zu durchbrechen jedenfalls nicht Aufgabe junger Neulinge sein kann. Die Arbeiterschaft verteidigt nicht bloß mit bewunderungswürdigem Heroismus ihre Wirtschaftliehen Positionen, sondern auch mit unerbittlicher Zähigkeit ihre politischen. Das sollen wir wissen, wenn wir junge Menschen in das arbeitende Palästina hineinschicken, und sic vor aussichtslosen Kämpfen bewahren. Sehr einfach ist hier die Position unserer sozialistischen Jugend, und es ist sicher richtig, daß Einigkeit im Zukunftsstreben zur Gemeinsamkeit von Menschen führen kann, die eine verschiedene Vergangenheit haben. Aber Sozialismus kann nicht aufoktroyiert werden, und gewiß hätten wir, die wir selbst nicht Sozialisten sind, kein Recht zu einem solchen Vorgehen oder auch nur zu opportunistischen Empfehlungen. Aber es gilt hier Aehnliches, wie vorhin bei der Erörterung des Verhältnisses zum Ostjudentum galt. Zu fordern und zu fördern ist in der Jugend der, ein gewisses Gefühl der Nähe erzeugende, Respekt vor dem sozialen und sittlichen Wollen der Arbeiterschaft. Eine solche Einstellung wird durch die Grundkonzeption des deutschen Zionismus erleichtert, der schon auf dem bekannten Palästinadelegiertentag und späterhin wiederholt erklärt hat, daß wir in Palästina nicht bloß ein freies, sondern auch ein besseres Leben erstreben. Zur psychologischen Problematik gehört eine gewisse Unbeweglichkeit des deutsch - zionistischen Typus, deren Nachteite sich vor allem bei wirtschaftlichen und beruflichen Krisen zeigen, eine gewisse Unfähigkeit zur Umstellung und Anpassung an neue Situationen. Dem Ostjuden kommt seine relativ größere Wurzellosigkeit zugute, wenn es gilt, sich umzusfellen. Er ist überhaupt ein Kolonist, der Kolonien auch in Berlin, Paris und Rom gründet. Der Ostjude erlebt auch viel seltener einmalige und endgültige Zusammenbrüche, und vor allem bedeutet für ihn eine wirtschaftliche Krise noch nicht notwendig eine seelische. Die Sphären der Wirtschaft und des Seelenlebens können voneinander getrennt werden. Bei manchen deutschen Zionisten führt eine gewisse Starrheit, deren wirtschaftlicher Vorzug Solidität ist, eine gewisse bürgerliche Gebundenheit an geordnete Verhältnisse, zu größerer Mutlosigkeit bei Erschütterungen und Schwierigkeiten. Hiergegen gibt es allerdings kein Rezept, mir daß bei der Auswahl des Menschenmaterials dieser Gesichtspunkt beachtet werden sollte. Nun noch ein paar Worte zur Beantwortung der Frage: Was soll in Zukunft geschehen? Teilweise braucht hier nur bereits Angedeutetes zusammengefaßt zu werden. Notwendig ist: erstens eine geistige Vorbereitung auf die Begegnung mit dem jüdischen Volk* und hierzu gehört auch, um dies nachzutragen. zionistische Schulung. Es bedürfte nicht einmal der jüdisch-kulturellen Bildung, von der vorhin die Rede war, es müßte schon zionistische Schutung genügen, um mindestens jenes gewisse Erschrecken zu verhindern, das, wir wollen hier ganz offen sein, manche deutschen Zionisten bei dieser Begegnung befällt. Ich empfehle zweiteils die Verbindung deutscher Gruppen in Palästina, besonders der Gruppen jüngerer, arbeitender Leute mit älteren, jüdisch gebildeten Menschen, sozusagen als (ieistespflegen. Ich glaube ferner, daß in Zukunft bei der Auswahl oder Beratung von Palästinawanderern neben den fachlichen und finanziellen Momenten auch die der seelischen Konstitution beachtet werden sollten. Wie der ali/.u starre ist vor allem und noch mehr der allzu labile Typ für Palästina ungeeignet. Man begegnet in Palästina allzuoft übernervösen oder neurotischen Menschen, denen auf dem Gesicht gcschrieben steht, daß sie sich nicht durchsetzen werden. Diese Menschen nehmen oft einen überraschend guten Anfangsstart, abt! sie bewähren sich nicht auf die Dauer. Ich bin viertens für deutsch - zionistische Siedfungsgemeinschaften von Mensehen, die den soeben skizzierten Voraussetzungen genügen. Sie erleichtern den Uebergang und entbinden wahrscheinlich die Kräfte leichter als andere Formen. Hier sind zwei Fragen zu unterscheiden: die landsmannschaftlichc Auslese der Mensehe n und die landsmannschaftlichc Finanzierung. Der Widerstand vor allem der Arbeiterschaft, aber auch anderer Kreise, richtet sich nicht gegen die landsmannschaftliche Zusammensetzung der Gruppen, sondern gegen die landsmannschaftliche Finanzierung, lieber die Frage der Finanzierung will ich nicht sprechen, ich will nur sagen, daß bei der Durchführung jeden solchen Planes die Initiative und aktive Förderung der Z. V. f. D. nützlich und notwendig sein wird. Bei der Durchführung müssen wohlerworbene Rechte und Kompetenzen bestellender palästinensischer Siedlungsinstan/cn respektiert werden. Das ist aus prinzipiellen Gründen wichtig, aber auch aus taktischen. Es ist jedenfalls ganz falsch, die Arbeiterschaft gegen ein solches Projekt aus- Zuspielen. Ich weiß, daß lange Zeit hindurch auf dem Programm des Merkas Hacliaklni eine Blati-Weiß-Siedlung gcstanden hat. In der Gesamtbeurteilung müssen wir uns vor Skepsis und Pessimismus hüten. Es liegt kein Grund zur Verzweiflung vor. Rückwanderung ist eine natürliche Begleiterscheinung jeder Kolonisation, und daß die ״radikale“ Emigration im Anfang relativ viel Mißerfolge aufweist, ist er• kläriieh. Wir müssen nur aus den Fehlern lernen und müssen uns andererseits davor hüten, jeden einzelnen Fall allzu sehr zu wägen und zu werten. Es sind auch viele ostjüdische Gruppen und Individuen gescheitert, nur spielt sich dort das Einzelschicksal vor einem viel massenhafteren Hintergrund ab, vor dem nicht jeder einzelne Mensch und jedes einzelne Ereignis so wichtig genommen wird wie bei uns. Reden wir auch nicht nur von den Mißerfolgen, sondern denken wir an die zahlreichen Fälle, in denen die Ucbersiedlung gelungen ist, und suchen wir das Typische und Vorbildliche in ihnen zu erkennen. Wenn das Programm, das Dr. Ruppin entwickelte, das Programm der jährlichen Immigration von .'30000 bis -10 000 Seelen durchgeführt werden wird, dann wird nicht bloß für Landwirte und Handwerker, sondern auch für Akademiker in freien Berufen immer wieder Platz sein. Bei allen Schwierigkeiten aber wollen wir nie vergessen: Zionismus bedeutet nicht Erlösung des Individuums und der gegenwärtigen Generation, sondern Erlösung in der Folge der Generationen. Der Einzelne darf heute in Erez-Isracl kein anderes Glück erwarten als das, das Pflichterfüllung und Anteilnahme an einem geschichtlichen Werk gewähren kann. Manche Frage wird erst in der zweiten Generation gelöst werden. Wer das Hebräisch der Politik und Wirtschaft versteht, ist noch nicht imstande, an der geistigen Entwicklung seines th Kindes, am Hebräisch der Literatur und Wissenschaft Anteil zu nehmen. Das ist gewißunbefriedigend, abfr Könwcpnsse sind dem erlaubt, der den schweren weg der radikalen Emigration geht. In jedem Falle: ein lohnendes zionistisches Ziel kann in Erez-Israel erreicht werden. Die dritte und vierte Alijah des jüdisches Volkes war die erste größere Alijah deutscher Juden. Sorgen wir dafür, daß dieser ersten Alijah bald eine zweite folgt. (Langanhaltender Beifall.) Swaraji-En Charod (hebräisch): Wenn hier über die Haltung der Jugend gesprochen wurde, so müssen Sic sich darüber klar sein, daß Sie die Jugend zum Zionismus erziehen müssen; in welcher Weise jedoch diese Jugend ihren Zionismus dann betätigt, ist ihre Sache. Wenn die Jugend den Typus des Arbeiters als Ideal sich setzt, dann ist dies ein Beweis, daß hier die wahrhaft belebende Kraft liegt. Wir schätzen alle, die zu uns nach Palästina kommen, aber sie müssen sich unserer Gemeinschaft organisch eingliedern. Mit Bedauern sehe ich, daß man liier die Jugendbewegung, die doch der eigentliche Faktor der zionistischen Verwirklichung ist, als etwas Außerhalbstehendes empfindet. Der Jung-Jüdische Wanderbund hat im Gegensatz zu anderen Jugendbewegungen den richtigen Weg gefunden, und Sie müssen ihn unterstützen, denn er verwirklicht den wahren Zionismus. Die Menschen der vollen Verwirklichung werden der stärkste Aktivposten des deutschen Zionismus sein. Dr. Michaelis erklärt, in offiziellem Auftrag des Misrachi, auf dem Delegiertentag einen Protest gegen die Hausbesitzer in Tel-Awiw zum Ausdruck bringen zu müssen, die in unverantwortlicher Weise den Prozeß gegen die Stadtvcrwaltung Tel-Awiw angestrengt haben. Die Form, in der die Hausbesitzer ihr Klagebegehren gekleidet haben, kann von keinem Zionisten gebilligt werden. Am Schluß seiner Ausführungen erhebt Redner Einspruch gegen die schlechte Behandlung des Hapoel Hamisraehi durch die Histadruth. Die Eiriorduungsteiidenzen in Palästina sind im wesentlichen nicht anders als in andern Ländern, man muß nur den guten Willen haben, und von echtem jüdischen und zionistischen Gefühl getragen sein. Schiaß der Erziebangsdebatte In der Dienstag-Vormittag-Sitzung wurde die in der vierten Sitzung abgebrochene Erziehungs-Debatte fortgesetzt. Als erster Redner sprach Dr. Bamberger-Nürnberg, der die Schuld an der nicht genügenden Erfassung der Jugend für den Zionismus den älteren Zionisten gibt, die den Moment verpaßt haben, wo sie als Freunde der Jugend hätten auftreten können. Redner verweist auf die Bedeutung der jiidischen Schulfrage, bei der es nicht genügt, jüdische Schulen zu gründen; man müsse vielmehr die'jüdische Schule mit jüdischem Geist erfüllen. An jüdischen Schulen unterrichten vielfach christliche Lehrkräfte. Bei den anderen Völkern sind Lehrer und Schule die Träger der nationalen Bewegung. Man muß bei den Eltern die seelische Assimilation ausmerzen. Die Orthodoxie werde in fünfzig Jahren wahrscheinlich Achad Haam für sich reklamieren. Der Zusammenbruch des Blau- Weiß hat wirtschaftlich-personelle Ursachen. Es ist erfreuilich, daß in der Jugend Kämpfe stattfinden und daß bei ihr keine Resignation zu beobachten ist. Kurt Löwenstein-Duisburg betont, daß gerade die linken Gruppen ein besonderes Interesse an der Jugendbewegung haben. Ueberspanntes Führertum und Ueberreizung der Ab- Schließung vor der Außenwelt sind die Ursachen des Zusammenbruchs des Blau-Weiß. Die augenblickliche Situation ist, geistig genommen, katastrophal. Der Gedanke einer bür- ״erlichen Jugendbewegung ist ein Unding. Wir müssen dem bürgerlich-jüdischen Leben die Maske he'.’breißen. Vielleicht kann man in Polen eine bürgerlich-jüdische Jugendbewegung machen. Wir müssen folgende Forderung stellen: Gewinnung