Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXI (1926)
- Issue
- Heft 69 (3.9.1926)
- Date
- 1926-09-03
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 496 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr 69 Nr 69 Palästina ist einer der wichtigsten Faktoren für den Palästina• auf bau. Wir sind vor sieben Jahren in unsere neue Arbeit in Palästina auf Grund einer Ideologie cingetreten, die noch von Herd stammte. Im Laufe der kurzen Zeit vor dem Kriege, als wir mit der praktischen Palasiinaarbeit begonnen hatten, ist diese Ideologie nicht genügend umgeformt worden. Herd war ein Visionär. Er hatte eine große Vision und es war ein Glück für ihn und für uns, daß er nicht belastet war mit der Kenntnis der Verhältnisse in Palästina, welche sich später als Schwierigkeiten bei der Ausführung seines Planes erwiesen haben, dehn sonst wären seine Sclnvin* gen gelahmt worden und er hätte es nicht fertiggebracht, mit solcher Begeisterung die Juden für Palästina zu organisieren. Für Herzl gab es keine arabischen, keine hebräischen und keine ökonomischen Fragen, die uns heute am meisten beschäftigen. Für ihn gab es nur einen politischen Akt, die Erlangung des Charters und im übrigen eine Transportfrage: die Verpflanzung von Juden von Europa nach Palästina. Viele von uns hatten auch noch nach dem Kriege die Auffassung, daß der Palästinaaufbau im wesentlichen eine technische Frage sei. Nun, wenn wir in diesen sieben Jahren etwas gelernt haben, so ist es, daß wir uns darüber klar geworden sind, daß die Erfüllung des Zionismus weit mehr als eine Transportfrage ist. Hatten wir einfach die Juden nach Palästina zu überführen, so wie sie sind, so wäre das sehr einfach. Die Juden erfüllen in Europa eine bestimmte Aufgabe, indem sie im Wirtscliaftsorganismus Europas die Funktionen der Zirkulationsorgane versehen. Aber sowie man die Zirkulationsorgane allein nicht transplantieren kann, ohne die Muskeln und Knochen, so kann man auch wirtschaftliche Zirkulationsorgane ohne Produzenten und Konsumenten nicht verpflanzen. Das kann mir in einer gewissen Proportion von Produzenten und Konsumenten, wie sie in Europa üblich Ist, geschehen. Leider herrscht Herzig Auffassung noch heute bei vielen vor und sogar in London haben mir vor einigen Tagen einige Leute gesagt, man möge die Juden nur ins Land bringen, und sie werden sich allein entwickeln, ähnlich wie sie es in Amerika gemacht haben. Die Juden sind nach Amerika als Peddlars gekommen, und heute seien sie dort zu Besitz und wirtschaftlicher Blüte gelangt. Man vergißt aber, daß sie in Amerika das große Hinterland der entwickelten amerikanischen Wirtschaft hatten. Das Hinterland in Palästina besteht aber aus Arabern, die sowohl als Produzenten wie als Konsumenten nicht mit dem Hinterland Amerikas verglichen werden können. Eine große Zahl von Juden kann da nicht existieren. Das ist das große Wirtschaftsprobicm, Da wir die Nichtjuden nicht nach Palästina bringen Können, so müssen die Juden selbst Produzenten und Konsumenten werden. Das ist der große berufliche Um- Schichtungsprozeß, den die Juden durchmachen müssen und daher rühren alle Schwierigkeiten in Palästina. Wir in Palästina wissen ganz genau, daß wir die Juden nicht von Europa nach Palästina bringen können, so wie sie sind und wir wissen, daß die Juden bei uns Produzenten werden müssen. Die Schwierigkeit besteht darin, daß man diesen Umschichtungsprozeß in einem Lande mit so primitiver Wirtschaft wie Palästina nicht mit europäischen Methoden durchführen kann. Mir ist ein Buch eines deutschen Rabbiners in die Hände gefallen, der vor siebzig Jahren nach Amerika gereist ist una Kalifornien besucht hat. Was er von dort erzählt, erinnert an die Verhältnisse ln Palästina, wie sie vor einigen Jahren geherrscht haben. Dieser Rabbiner, der sich ״bescheiden“ in Erinnerung an Benjamin von Tudela Benjamin II. nennt, weil er eine Reise gemacht hat, erklärt, daß In Kalifornien ein absolutes Chaos herrscht und daß dort niemals etwas entstehen kann. Die Prognose dieses Rahbinen» war, daß die Sache zum Scheitern verurteilt sei.,, KaMonüen fet .|pt|,j%,bli|he||^>;ia|df::. ...... ... *• «W Rönnen i״ Palästina sägen» daß wir die Anfangs- Schwierigkeiten überwunden haben. Wir kennen den Weg und haben einen Plan und wir werden diesen Plan nicht ohne Schwierigkeiten, vielleicht auf Umwegen, durchführen Es ist für mich absolut klar, daß diese Arbeit in Palästina niemals weggewischt werden kann und das Palästina für das jüdische Volk als Faktum bleiben wird. Ich sage nicht, daß alles sich so gestalten wird, wie viele es sich vorgestellt haben. Wir haben von der Wirklichkeit zu lernen und da wird manches anders aussehen, als man es sich ursprünglich gedacht hat. Palästina ist bereits heute ein AusstrahlungspunktwiehtigerEnergienfiirdas Judentum und jedes Tausend neuer Einwanderer, das ins Land kommt, vermehrt diese Energien. Vielleicht sind es Trivialitäten, die ich hier vorbringe, aber ich glaube es schadet nicht, bekannte Dinge zu wiederholen. Es ist für uns alle klar geworden, daß Palästina heute nicht die Lösung der Judenfrage im ökonomischen Sinn bedeutet, wenigstens nicht in unseren Tagen. Es gibt in der Welt 16 000000 Juden, von denen viele aus■ wandern möchten, aber für sehr viele kommt Palästina als Einwanderungsland nicht in Frage. Der Zionismus hat in dieser Generation nicht die Aufgabe, alle diese Juden, die auswandern wollen, nach Palästina zu bringen. Der Zio nismus außerhalb Palästinas ist eine Art Wasserscheide, an der sich diejenigen scheiden, die ihr Judentum mit Freude bejahen und seine Fortsetzung in Palästina wünschen und von denen, die es als Fessel empfinden und sich seiner nicht freuen. Dieser Zionismus kann praktisch nur bedeuten, daß er diejenigen, in denen der Opierwille am stärksten aus ge sprechen Ist, aus Europa herauszieht und nach Palästina bringt. Diese Zahl wird immer nur ein kleiner Prozentsatz des Gesamtjudentums sein können. In diesen sieben Jahren sind wir glücklicherweise von den falschen Ideologien losgekommen. Diejenigen, welche damals die Zahl der jährlichen Einwanderer auf 40000 an fegeben haben, glauben auch heute noch, daß dies das taximum dessen ist, was wir erreichen können. Das ist das Programm für die nächsten zehn Jahre und wenn wir eine solche Einwanderungsquote erreichen, dann ist das zionisiische Programm für Palästina durchgeführt. Wenn wir in Palästina eine halbe Million Juden haben, so wird damit etwas geschaffen sein, was keine Macht der Welt mehr wegwischen kann, nämlich ein gefestigtes jüdisches Gemeinwesen, das aus sich selbst heraus sich weiter entwickeln kann. Wir haben im abgelaufenen Jahre diese Einwanderung von 30—40000 gehabt. Aber es hat sich herausgestellt, daß wir etwas außer acht gelassen haben Das war, daß wir uns von dem Drucke von außen und nicht von den Interessen Palästinas haben leiten lassen. Wir sollten nie Einwanderer aufnehmen, die nicht imstande sind als Produzenten in die palästinensische Wirtschaft eingefügt zu werden. Wir dürfen nicht mehr, wie es geschehen, unter dem Druck der Wirtschaft, wie in Polen, Leute ins Land hineinlassen, die für das produktive Leben in Palästina weder die nötige körperliche noch geistige Fähigkeit besitzen. ייי׳י tadle nicht die Leute und die Leitung, die diese Wände! gefördert und zugelassen haben, es geht nicht immer der Welt nach dem Prinzipe zu. Das Palästinaamt in War schau sorgte dafür, ein Maximum nach Palästina hinein /.«bringen; wo Druck vorhanden ist, entsteht auch Gegen druck. Es ist schwer zu sagen, wen die Schuld trifft. Viel leicht mußte diese Erfahrung einmal gemacht werden, den wir können aus ihr lernen und uns vor Wiederholung d« Fehlers hüten. Es kam hinzu, daß die vierte Ali'ah in ■Uten ihrer Vorbereitungsarbeiten von der Wirtschaftskala Ich Ullg Strophe in Polen überrascht wurde, so daß die Leute, die glaubten, Kapital nach Palästina zu bringen, plötzlich ihr Geld zerronnen sahen und nicht mehr Mittelstanassfedler waren, sondern arme Leute. Wenn wir in Zukunft 6—SOOÖ Familien ,ährlich nach Palästina bringen werden, so wird mindestens ein Viertel (oder besser noch ein Dritte!) in der Landwirtschaff und ein Drittel in der Industrie untergebracht werden müssen. Der Rest kann dann sich selbst überlassen bleiben und in Handel, Verkehr und in der Touristik ein Betätigung*• fehl suchen. Sind wir imstande, in dieser Welse Juden nach Palästina zu bringen, so erwächst für uns auch die Aufgabe, große Kapitalien ins Land zu schaffen. Das ist auf zweierlei Weise möglich. Die erste Möglichkeit ist, daß die Einwanderer das Kapital mitbringen; sie ist jedoch angesichts der jetzigen Verhältnisse wenig wahrscheinlich. Die landwirtschaftliche An- Siedlung kostet, wenn sie gut gemacht werden soll, und wenn die Juden keine Fellachen werden sollen, sondern ein menschenwürdiges Dasein führen sollen, einschl. des Bodens £ 1100, mit Erbpachtboden £ 700. Ich glaube nicht, daß diese 2000 Familien ein solches Kapital mitbringen werden. Wir werden also für diese Siedler, von denen ein großer Teil in die Chaluzsiediungen kommen, das notwendige Kapital aus nationalen Quellen beschaffen müssen. Auch für diejenigen, die sich iri der Industrie selbständig machen wollen, müssen nationale Quellen herangezogen werden. Es werden dafür Summen erforderlich sein, die wir bisher nicht hatten. Ich betrachte die Entwicklung unserer Fonds als durchaus erfreulich, besonders wenn wir berücksichtigen, daß auch in einer Zeit, wo die Länder jüdischer Massensiedlung von schweren Krisen heimgesucht werden, der Fortschritt andauert. Ich frage mich nun, ob in den nächsten Jahren auf eine weitere Erhöhung der Einnahmen gerechnet werden kann, die es uns erlaubt, die Einwanderer mit dem nötigen Kapital zu versehen. Ich selbst bin kein Sachverständiger in Geldaufbringungsfragen. Von verschiedenen kompetenten Seiten wird versichert, daß bei weitem noch nicht alle Möglichkeiten erschöpft sind. Dies gilt besonders von Amerika, wo erst ein geringer Prozentsatz der Juden zur Leistung für Palästina heran gezogen wurde. Hier und auch in anderen Ländern warten noch viele darauf, das erste Wort vom K. H. zu hören, ich würde mich freuen, wenn die Hoffnungen auf eine Steigerung der Einnahmen sich noch in diesem Jahre bewahrheiten würden. Es ist für uns alle ganz klar, daß man diese Mittel viel freier für allgemeine öffentliche Zwecke verwenden kann als Gelder, die uns vom Kapital geschäftlich zur Verfügung gestellt werden. Aber es ist immer besser, zwei Eisen im Feuer zu haben. Ich möchte aber ausdrücklich bemerken, daß der K.H. durch keine andere Geldbeschaffung ersetzt, sondern nur ergänzt werden kann. In London habe ich über die Frage der Anleihe referiert und die Sache ist heute noch nicht in dem Stadium, um Einzelheiten darüber klar vorzubringen. Ich möchte mir sagen, daß das Palästina von heute nicht das vor fünf oder gar fünfzehn Jahren ist. Noch vor fünf Jahren hätte ich in einer Unterhaltung mit europäischen Bankiers schlecht abgeschnitten, wenn man mich wegen Sicherheiten und reale Grundlagen für einen Anleiheplan gefragt hätte. Heute ist die Lage eine weit bessere. Es gibt 7. B. in Palästina in der Landwirtschaft einen Zweig, der hohe Gewinne abwirft, das ist der Orangenbau. Er hat im letzten Jahre 15 bis 20 Prozent Dividende erbracht, und zwar nicht nur mit nichtjüdischen Arbeitern, sondern mit jüdischen Arbeitern auf Weinen Flächen. Wir haben in Palästina Erfahrungen auf dem Gebiete der Viehzucht und auch im Anbau von Trauben und Bananen gesammelt. Die Entwicklung in Palästina wird den Weg gehen wie in Kalifornien. Die Küstenebene von Haifa bis Gaza und vielleicht auch ,andere Gegenden. werde! ein FrusJ»*״ garten werden. Die Monnpolfrucht Palästinas, die Orange, berechtigt zu den besten Hoffnungen, und die Paiästinakiiste kann einst so blühend sein wie die ferne Küste bei Los Angeles. Man hat in Palästina gelernt zu bauen. Die jüdischen Arbeiter haben ganze Stadtviertel errichtet und es ist das große Verdienst der Arbeiterschaft, daß sie diese Arbeiten sozusagen auf ihrem Rücken durchgeführt und die Lasten dieser Arbeit getragen hat. Es gibt in Palästina Fabriken, die sich rentieren. Ich erwähne nur die Zementfabrik. Fabriken zur Verarbeitung landwirtschaftlicher Produkte werden zweifellos lebensfähig sein. Der nationale Besitz und der private Besitz in jüdischen Händen repräsentiert einen Vermögenswert von 12—15 Millionen Pfund. Es handelt sich darum, Beleihungsformen zu finden und Kapital zur Schaffung von neuen Werten heranzuziehen. Ich bin überzeugt, daß ein realisierbarer Anleiheplan in einiger Zeit gefunden werden wird. Incertum quando certum an! Palästina wird anleihereif, das ist sicher. Der Keren Hajessod bleibt jedoch die Grundlage, auf der sich das Stockwerk der Anleihe erheben wird. Ganz Palästina hat Fortschritte gemacht; die englische Verwaltung ist kein leerer Wahn, ln türkischen Zeiten hat man über Wirtschaftsfragen überhaupt nicht gesprochen. Die Straßen waren verfallen, die Eisenbahn- und Postverwaltung war korrupt. Ich sehe von Zeit zu Zeit Besueher bei mir und höre aus ihrem Munde, wie sehr sich das ganze Land entwickelt hat. Heute haben wir gute Straßen, Eisenbahnen, tadellos funktionierende Post- und Telephonverbindungen, Luftverbindungen nach dem Hinterlande, gewaltige Fortschritte auf jedem Gebiete. Das alles ist auch den Arabern zugute gekommen. Ich sehe nicht ohne Besorgnis den Zeitpunkt herannahen, wenn das ägyptische Kapital Palästina entdecken wird. Aegypten Ist voll Geld, das durch die großen Profite aus den Baumwollpflanzungcn erzielt wurde. Die Aegypter suchen Kapitalsanlagen und sie haben bereits eine Delegation nach Palästina geschickt. Die Unruhen in Syrien haben die Aegypter abgeschreckt, sonst gäbe es schon heute ägyptische Konzerne im Lande. Das ist die Gefahr in unserer Arbeit. Die Zeit arbeitet nicht, wie vor dem Kriege für uns, sondern gegen uns. Der Araber in Palästina ist von der Regierung mit Unterricht und Investitionen versorgt. Es werden fandwirtschaftliche Schulen gegründet, und wir haben infolgedessen mit einer raschen Entwicklung Palästinas zu rechnen und müssen unsere Zeit nutzen. Das ist der Grund, warum sich jeder von uns sagen muß, nicht das ganze Leben, nicht erst die nächsten 50 Jahre werde ich für Palästina arbeiten, aber die nächsten 10 Jahre werde ich es mit allen Kräften tun müssen. An die Juden muß immer wieder der Ruf gerichtet werden, im Lande und außerhalb Palästinas das zu schaffen, was Palästina braucht. Ich glaube nicht an eine Massenauswanderung deutscher Juden nach Palästina, wenigstens nicht in den nächstem Jahren. Die Massen werden, wie bisher, aus dem Osten kommen. Aber wir müssen uns gewöhnen, das notwendige Kapital und die Einwanderung getrennt voneinander zu betrachten. Es hat einen großen Eindruck auf mich gemacht, mit welchem Ernste man hier die Frage der Jugenderziehung und der Verpflanzung deutscher Chaiuzim nach Palästina be- nrochen hat. Ich bedauere wiederum,!lall ich den deutschen Verhältnissen durch meine langjährige /,')Wesenheit ein bißchen entwachsen bin. Ich kann auch zu dieser Frage nur vom palästinensischen Standpunkt Stellung nehmen, und da gehen für mich viele wichtige Details verloren, die wahrscheinlich lür Sie wichtig sind. Ich habe auch mit Aufmerksamkeit die Dis. kussion, die hier in der Frage der bürgerlichen und nicht, bürgerlichen Jugend geführt wurde, verfolgt. Es ist schwer für mich, dazu etwas zu sagen, denn ich konnte mir niemals den Luxus erlauben, midi irgendeiner Partei anzuschließen. Ich habe nur ein Prinzip; jedem Juden, der für Palästina nütz, lieh sein kann, seine Einfügung in die palästinensischen Ver. hältnisse zu erleichtern, gleichgültig, ob es sich um einen Bürgerlichen oder um einen Sozialisten handelt. Ich muß K daher ablehnen, von irgendeinem Klassengesichtspunkt zu sprechen, sondern kann die ganze Frage nur vom rein ökono. mischen Standpunkt behandeln. Eigentlich geht schon aus dem, was ich gesagt habe, hervor, daß jeder, der nach Palä• stina kommen will, dort ein Produzentsein muß, gleichgültig, ob er in der Landwirtschaft oder in der Industrie arbeitet. Für die Einfügung In die Produktion, sowohl der Landwirtschaft wie auch der Industrie, kann Deutschland sehr viel tun. Landwirtschaft und Industrie stehen hier auf einem höheren Niveau als in vielen anderen Ländern. Nur vor einem Irrtum möchte ich Sie warnen, der, wie wir in Palästina gesehen haben, ein verhängnisvoller Fehler war. Es dreht sich nicht darum, die Leute, die hier für Palästina ausgebildet werden, in möglichst kurzer Zeit abzurichten. Das gilt für Landwirtschaft und Handwerk, Der aus Deutschland kommende Chaluz soll die Vorteile der deutschen Ausbildung in Palästina nutzbar machen, wenn er hinfährt. Aber sowohl bei der Landwirtschaft wie auch beim Handwerk ist Geduld eines der wichtigsten Dinge. Bei zweijähriger Tätigkeit auf irgendeinem Gute kann man keine vollendete landwirtschaftliche Ausbildung erwarten. So mange!. haft Vorbereitete bringen Palästina mehr Schaden als Vorteil. Sie finden in Palästina ganz andere Verhältnisse, glauben aber, daß sie alles können. In Wirklichkeit aber finden sic in Palä• stina alles anders, und sie müssen dort erst lernen. Diese Voreiligkeit rächt sich. Ich habe viele junge Leute aus Deutsch- 13nd gesehen, die nur Schaden angerichtet haben. Die Idee eines besonderen Lehrgutes in Süddeutschland oder in der Schweiz iV sehr gut, ich weiß nicht, ob die Durchführung möglich ist und kann mir auch kein Urteil über die Rentabilität eines derartigen Gutes erlauben. Für Palästina wäre es eine große Erleichterung, wenn nichtPalästina aus seinen eigenen Geldern zu bezahlen hätte, was für die Hachseharah auszugeben ist. Ein großer Teil des DefizltsunsererKw 11 zothistaufdie Kosten zurückzuführen, die durch die Erziehung unserer schlecht vorbereiteten jungen Leute ausgegeben werden müssen. Dieses Gut müßte Leute nach Palästina schicken mit einer guten landwirtschaftlichen Er- Ziehung und würde dadurch zur Erhaltung des zionistischen Geistes in Deutschland sehr viel beitragen. Während des Krieges habe ich nach Berlin einen Plan geschickt, daß eine deutsche Miniaturkolonie eingerichtet werden sollte. Im Kriege war die Durchführung dieses Planes unmöglich. Der deutsche Zionismus muß sich ernstlich bestreben, ein hebrä• isches Milieu zu schaffen. Nur im zionistischen und hebrä- Ischen Geiste erzogene junge Leute werden sich einordnen können. Was für die Landwirtschaft gilt, gilt auch für das Handwerk. Unsere Handwerker, insbesondere die Bauhandwerker, müssen eine erstklassige Ausbildung habe״. Leider stehen sie noch heute in allen Fällen hinter den dcutsehen Handwerkern zurück, deren es vereinzelte in Palästina gibt. Das macht einen schlechten Eindruck und wirkt sich bei der Vergebung von Regierungsarbeiten aus. Die deutschen Zionisten müssen Qualitätshandwerker nach Palästina schicken, nicht in tausenden Exemplaren; Dutzende würden zunächst genügen. Diese wären dann Lehrer für diejenigen im Lande, die.sicliwit-Handwerk.t>escl»i|tig<a... . Ich verstehe, daß Sie in Deutschland es besonders schwer haben, für Palästina zu arbeiten. Die Umwelt, in der Sie sich bewegen, ist nicht von Ihnen geschaffen worden, und wir müssen sie nehmen, so wie sie ist. Besonders auf die Frage vieler Zionisten: was gibt Palästina uns und unserer Jugend, ist es nicht leicht, immer die richtige Antwort zu geben. Meiner Meinung nach gibt es nur eine Antwort, nämlich, daß der Zionismus einen Zukunftswert hat, daß die Energien, die wir in Palästina schaffen, vielleicht die jetzige Generation in voller Stärke nicht mehr erreichen, aber von größter Bedeutung für die künftige Generation sein werden. Mit der wachsenden Wirtschaft m Palästina wird auch die Zahl derer, die hinübergehen, wachsen. Heute sind wir allerdings noch nicht soweit, und nicht für alle ist Palästina ein Land, in dem man eine Existenz findet. Die Zahl der Akademiker, die sich unter den Einwanderern der letzten Jahre befand, war eine viel zu große. Wir dürfen nicht vergessen, daß z. B. das Gerichtswesen Palästinas auf drei Sprachen aufgebaut ist, englisch, arabisch und hebräisch. Der Akademiker also, der sich heute im Gerichtswesen betätigen will, muß eine dieser drei Sprachen unbedingt beherrschen und daoei ist die Zahl der Beamten, die in Frage kommen, vorläufig noch eine verschwindend geringe. Auch dort, wo deutsche Zionisten früher eine große Rolle spielten, wo der deutsche Zionismus gewissermaßen leitend war, hat er seine Suprematie verloren. Wir dürfen vor der Erkenntnis nicht die Äugen verschließen, daß sich der Schwerpunkt des Zionismus heute in de n englisch sprechenden Ländern befindet. Es wurde hier viel darüber gesprochen, daß der deutsche Zionist, der nach Palästina kommt, sich dort einfiigen muß. Das ist sicherlieh richtig. Ich glaube nicht, daß Sonde rgebilde in Palästi naaufdie Dauermöglich sind oder Erfolg haben werden. Es kann sein, daß man für eine gewisse Uebergangszeit in Sondergruppen leben kann, aber das Leben ringsherum löst allmählich solche Sondergemeinschaften auf. Ich bin nicht der Ansicht, daß die Erfahrungen die man mit dem Blau-Weiß in Palästina gemacht hat, irgendeine verzweifelte Stimmung auslösen müssen. Sehr viele von den jungen Leuten, die hinübergegangen sind, haben viel Nützliches geleistet, und es wird nur eine Aenderung der bisherigen Formen notwendig sein. Man muß lange experimentieren, ms man eine passende Form der Uebersiedlung und des Einlebens ln die palästinensischen Verhältnisse gefunden hat. Vergessen Sie nicht, daß seitdem Palästina eine Wirklichkeit und keine Hoffnung ist, erst sehr kurze Zeit, etwa 7—8 Jahre, vergangen sind, was bedeutet eine so kurze Frist für ein so wichtiges Werk? Manche Erfahrungen z. B. in der Land- Wirtschaft brauchen, wenn sie richtig durchgcführt werde!) sollen, 10 Jahre und noch mehr. Zehn Jahre müssen vergehen, bis man Menschen au das Land fesseln kann. Dieser Zeitraum Ist nur kurz bemessen. Ich wiederhole nochmals: Geduld ist in diesen Dingen nötig. Ein Mißerfolg soll den Wunsch erzeugen, die Sache besser zu machen. Ich freue mich, feststellen zu können, daß der Delegiertentag in bezug auf Palästina eine optimistische Haltung «Ln nimmt. Ich spreche nicht ex officio. Wenn ich Rückschau halte darüber, was in Palästina geleistet wurde, so ist der Fortschritt unverkennbar. Die jüdische Bevölkerung ist im Laufe von sechs Jahren von 60 000 Menschen auf 150006 angewachsen, der Bodenbesitz hat sich verdoppelt, es sind neue Methoden der Landwirtschaft erprobt worden, vieiversprechende Versuche sind gemacht: Zusammenfassend kann ich sagen, wir sind auf dem richtigen Wege und es bedarf noch eines Jahrzehnts angespanntester Anstrengung des jüdischen Volkes, damit wir auf diesem Wege zum Ziele gelangen. (Stürmischer Beifall.) Als ers Rosenbiüth, Verhä spricht. Als ich Debatte üoi setzte ich ' über allgerr wollte wohl Zioni. ten in Thema, und über nicht Ausführung( Diskussionst sclbstverstär als einer, de leichter fällt Weltzionism zuversetzen, zionistischen vorzutragen, gemeinem י können, die wissen spezi Zionisten b! Ich gel bürgerlichen gerüsteten Handlung d Palästina ei Schwierigkei Ent.־chIosser sch ältliche deutschzioni allgemeine י oder Analo ist auch de: daß die Be ist, weil s durchsetzen esse au seit bemerken, immer weni Abiturienten London, stu lieh glänze! — Ich spr Probleme sehen Zio einzelne vielleicht ai s o z i o! o g Alles, was — dies sei bloß P i o n von Einflüs unabhängig kreis Genu! eines solch sympathisch adäquate Fi spielen in große Roll geographisc trennt sind, so selten « Dezentraliss Ueberwindu Menschen v Interesse ar sie nicht gl Opposition der nach 1 gebildet wi indischen \ für ihn n der sich nt hat. — un nationalpoli Problem — schwieriger! häufig kon Charakter ei Auffassung Volkscharal steht ja zw A s s i m i 1; Jugenddeba aus Willen ist. Aber bis zur Ic artigkeit kc nicht gleicl Medium de jüdische ein deutscl ist, der v! reine Arbei nicht nach befriedigen( kann nicht Konstitutio! einen nati'u schwer zu zionistische! das Ostiud! stellt, und oder kritis und ich sei der Jugen( Oefüfii der durch Pfle jüdische Er Der Erfolg eine Beziei Volke. Ab Idealbild d! Idealmenscl ist das V׳ gewissen / Vorbild un! samtstimmi: immer die Vorbildes, der Gedan werden, un geleiten zu verpönten einen älter mit einem jüdischen י deutsch-jüd nachher sa