Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXI (1926)
- Issue
- Heft 69 (3.9.1926)
- Date
- 1926-09-03
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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f! - , i Einzelnummer 0,30 Goldmark Redaktion und Verlag Berlin W 15, Meinekestraße 10. Erscheint ieden Dienstag und Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 1,85 Goldmark, vierteljährlich 5,25 Goldmark. Auslandsaboanements werden in der Wahrung der einzelnen Länder berechnet Anzeigen - Verwaltung Jüdische RundschauG.m.b.H., BerlinWl5, Meinekestr.10 Telephon: Amt Bismarck 7165—70. Anzeigenpreis! 8 geapiitNonpareiilexeüe 0,50 G.-M, Stellengesuche 0,25 G.-M. Anzeigenschluß: Dienstag und Freitag nachmittag 4 Uhr. Telephon: Bismarck 7165- 70. Postscheckkonto: Berlin Nr. 17392. Für Oesterreich! Postsparkassenaml Wien, Konto Nr. i56 030. Für Tschechoslowakei: rostsparkassenamt Prag» Konto Nr. 59 410. Für Polen! Postsparkassenaml Warschau, Konto Nr. 190708. Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. Nummer 69 | Berlin, 3. IX. 1926 כ״ד אלול׳ חרס״ו | xxxi. Jahrg. per Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die Schaltung elnar öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. ״Baseler Programm.•• JÜDISCHE RUNDSCHAU Zweite Internationale und Palästina Palästina und wir Die Referate auf dem De 1 egi e rte nt ag. Zürich, 30. August. (J.T. A.) Am 28. und 29. August wurde in Zürich die ordentliche Sitzung der Exekutive der Sozialistischen Arbeiter-Internationale abgehalten. Als Vertreter des Weltverbandes P o n 1 e Zion nahm Herr Berl Locker an den Beratungen teil. Während der Beratung über die weitere Taktik der Arbeiterbewegung im Kampfe für die Ratifizierung des Washing-;011er Abkommens betreffend den Aclw.uinutmtag brachte Locker den folgenden Zusatzantrag ein: ״Die Exekutive betrachtet es als die Pflicht der Sozialistischen Partei in jenen Staaten, die Kolonien und Mandatsgebiete zu verwalten haben, dafür Sorge zu tragen, daß in diesen Gebieten der achtstündige Arbeitstag, sowie Arbeitsschutz und Arbeitsrecht überhaupt zur Geltung kommeii. Bei der Motivierung seines Vorschlags wies Locker insbesondere auf die Lage in Palästina hin, wo noch heute die alten türkischen Gesetze Geltung haben, laut welchen der Arbeitstag unbegrenzt ist und keinerlei Schutz für Frauen und Kinder besteht. Die palästinensische Arbeitergewerkschaft (Histadruth) hat in einer Reihe Wirtschaftszweige den achtstiindigen Arbeitstag durchgekämpft, jedoch auch heute noch arbeiten große Teile der Arbeiterschaft, insbesondere arabische Männer, Frauen, ja sogar Kinder, bis zu 14 :'!linden am Tage. Auch das Recht, sich zu organisieren, ist der Arbeiterschaft nicht garantiert. Mit großen Schwierigkeiten haben insbesondere die Arbeiter in den Regierungsunteriiohimmgcn zu kämpfen. So wird die E i s c n b a h n e r - O r g a n i s a t i o n, in welcher jüdische und arabische Arbeiter vereinigt sind, schikaniert; die Regierung versagte den Eisenbahnern das Recht auf einen kurzen bezahlten Urlaub. Ungeachtet der kameradschaftlichen Hilfe der englischen Arbeiterpartei im Parlament ist bis jetzt keinerlei Acnderung in dieser Politik eingetreten. Im Namen der englischen Delegation erklärte Robert Williams, die Labour Party werde stets alles, was in ihrer Macht steht, tun, um die palästinensischen Arbeiter -- ebenso die Arbeiter in anderen Mandatsgebieten und Kolonien — in ihrem gerechten Kampfe zu unterstützen. — Der Zusatzan trag Lockers wurde sodann einstimmig angenommen. Die Exekutive beschäftigte sich auch mit der Haltung der ukrainischen und der jüdischen Sozialisten im Zusammenhang mit Schwarzbarths Attentat auf Petljura. Der Führer der russischen Sozialdemokratie R. Abramo- Sokolow in den jüdischen Siedlungen Sokolow besuchte verschiedene neue Siedlungen in Judäa. In Magdiel, Herzlia, Bne Brak und Rechoboth wurde ihm ein sehr herzlicher Empfang bereitet. Nach seiner Rückkehr nach Jerusalem hatte er Besprechungen mit den Mitgliedern der Exekutive und anderen Vertretern. In Tel-Awiw präsidierte er einer Versammlung von Vertretern, die von der zionistischen Palästina-Exekutive zusammenberufen worden war, um über die Maßnahmen zur Vergrößerung der ArbeiLmöglichkeiten zu beraten. Außerdem sprach Nahurn Sokolow in einer öffentlichen Versammlung im Beth Haam, der über viertausend Personen beiwohnten. In dieser Rede befaßte er sich mit den Schwierigkeiten der augenblicklichen Situation und seine Ausführungen hinterließen einen tiefen Eindruck bei der Zuhörerschaft. 9er Erfolg der Keren Hajessoti-Aktion ii Süd-Afrika Johannisburg, 30. August. (J.T. A.) Die Kampagne für den Keren Hajessod in Südafrika, die die Aufbringung von 100 000 Pfund zum Ziele hatte, hat diese Quote bereits überschritten. Bis heute sind 115 000 Pfund aufgebracht worden. Die Haifa Bay Development Company Jerusalem, 25. August. (P. C.) ln diesen Tagen wurde mit den Drainage- und Wegebauarbeiten auf aem großen Gelände der Haifa Bay Development Company begönnen. Laut Mitteilung der H. B. D. C. sind bei diesen Arbeiten zurzeit 600 bis 700 jüdische Arbeiter beschäftigt. Zunächst wurde der Bau der Straße begonnen, die Haifa und Akko verbindet. Es ist dies das erste Stück des ganzen Wegenetzes, das auf dem Besitz der H. B. D. C. geschaffen werden soll. Die Straße wird eine Länge von 41/״ km haben und nach Kreuzung der Bahnlinie zwischen Haifa und Akko in einer Entfernung von etwa 2 km an der See entlangführen. Als erster Teil der großen Sauierungsarbeiten wird im Aufträge der H. B. D. C. die Fuara-Quelle abgedämmt und ihr Wasser abgeleitet. Das wird den großen Sumpfkomplex, der jetzt ein gefährlicher Malariaherd ist, gänzlich sanieren. Die Arbeiten werden vom Solei Boneh ausgeführt, der dafür die allermodernsten Maschinen in Auftrag gegeben hat. In kurzer Zeit werden die Arbeiten ins Gebiet der vierten Bebauungszone der Gesellschaft vorgedrungen sein, wo mit Unterstützung des Keren Hajessod die Siedlungen für intensive Kleinwirtschaft nach dem Plane von S o s k i n errichtet werden sollen. Die ganzen Ameliorationsarbeiten werden nach dem Voranschlag der H. B. D. C. etwa 40 000 bis 50 000 £ kosten. Laut Beschluß der Palästina-Exekutive wird der Keren Hajessod hierfür 1000O £ vorschießen. Eröiinung einer Hypothekenbank in Tei-Awitv Jerusalem, 27. August. (J. T. A.) Eine Gruppe Hausnesitzer von Tel-Awiw hat eine Hypothekenbank gegründet, die gemeinnützigen Charakter trägt und das Ziel 'erfolgt, Unternehmern billige Kredite zu verschaffen, damit ie mehr Arbeitskräfte beschäftigen können. Auf diese Weise oll der Arbeitslosigkeit gesteuert werden. Eine lokale Bank hat sich an der Gründung mit einem beträchtlichen Kapital beteiligt. witsch und der Poale Zion-Vertreter B. Locker kritisierten sehr scharf die Resolution, die die ukrainische Sozialdemokratie in dieser Angelegenheit gefaßt hat. Der Vertreter der ukrainisehen Sozialdemokratie gab Aufklärungen über die Haltung seiner Partei. Die allgemeine Meinung der Exekutive war die, es sei die Aufgabe der Sozialisten beider Völker, soweit als möglich eine Verschärfung der nationalen Beziehungen und eine Erhitzung der nationalen Leidenschaften in der Ukraine zu verhüten. Die Angelegenheit wurde zu eingehender Untersuchung der Kommission für nationale Minderheiten bei der Sozialistischen Arbeiter-Internationale überwiesen. Die verurteilten Kommnaislei Jerusalem, 28. August. (J.T. A.) Die Mitteilung, daß die 13 Arbeitslosen, die in den Büros der Zion. Exekutive einen Tumult veranstalteten, ztr je 10 Tagen Gefängnis verurteilt worden sind, hat sich als übertrieben herausgestellt. Das soeben veröffentlichte Urteil lautet auf je einen Tag Gefängnis. Es verlautet ferner, daß die Verurteilten nicht des Landes verwiesen werden würden. * Die ״Times‘‘ melden aus Palästina, die dortige Polizei hätte Beweise dafür, daß die kommunistischen Arbeitslosen, die in den Räumen der palästinensisch-zionistischen Exekutive demonstriert haben, in enger Verbindung mit der britisch-kommunistischen Partei und in deren Auftrag gchandelt hätten. Dadurch sollten die britische Verw a 11 u n g und das zionistische Aufbauwerk in Palästina diskreditiert werden. Die Naturalisation Die Londoner ״J e w i s h Times“ berichtet ans Palästina, daß die Regierung die wichtigsten jüdischen Forderungen wegen Abänderung der Naturaiisationsbestirnnrungen angenommen hat. Genauere Berichte fehlen. Jerusalem, 30. August. (J. T. A.) Von den in Palästina wohnenden etwa 2000 amerikanischen Juden hat bis jetzt kein einziger sich um seine Naturalisierung■ bej müht. Das gleiche gilt von den Juden, die die britische Staatsbürgerschaft besitzen. Von den aus Deutschland stammenden Juden haben nur sehr wenige sich um die palästinensische Staatsbürgerschaft bemüht. Die meisten Naturalisierteri stammen aus Osteuropa. Arbdlsiosenzitlern In Palistiia Jerusalem, 26. August. (J.T.A.) Seit Aufhören der Bautätigkeit wuchs die Arbeitslosigkeit zusehends. Im Juli 1025 zählte man 300 Arbeitslose, August 950, September 975, Oktober 1750, November 2000, Dezember 2700, Januar 1926 4729, Februar 4741, März 4902, April 5657, Mai 6113, Juni 6400. In Tel-Awiw zählte man 3500, in Haifa 1500, Jerusalem 300 Arbeitslose. Etwa 2000 Arbeitslose in Tel-Awiw sind von der Baubranche. Von Januar bis Juni 1926 sind über 5000 Personen in Palästina eingewandert, von denen etwa 1400 in den Kolonien untergebracht werden konnten. Max Delphin er gibt bekannt, daß er seine Seidenfabrik in Tel-Awiw am 1. September wieder in Betrieb setzen wird. Herr Delphiner hat angeblich die Absicht, ausgedehnte Seidenwurm-Plantagen in Palästina anzulegen. Zion Commonwealth nnd Meschek Der Direktor der palästinensischen Bodenkaufsgesellschaft ״Zion Common wealt h“, Herr P a ß m a n n, teilte mit, daß sich die beiden palästinensischen Bodenkaufsgesellschaften ״Meschek“ und ״Zion Commonwealth“ auch formell zusammengeschlossen haben, um den Landerwerb in verstärkterem Maße fortzuführen. Herr Paßmann und der Direktor des ״Meschek“, Ing. Kutzenok, weilten vor kurzem in Palästina und regelten die bezüglich des Landerwerbs von in Polen ansässigen Juden entstandenen Schwierigkeiten, die zum Teil darum ruhten, daß manche Käufer nicht in der Lage waren, die Käufe zu finalisieren, und zum Teil darum, daß Käufer von! Boden der P. L. D. C. infolge Schwierigkeiten mit den ursprünglichen Eigentümern nicht in den Besitz des Bodens gelangen konnten. Die Angelegenheit wird nun in der Weise geregelt, daß diejenigen Personen, die bares Geld eingezahlt haben, den vollen Betrag zuzüglich 6 0/0 Zinsen zurückerstattet erhalten, während diejenigen, die nur Anzahlungen geleistet haben, den Betrag abzüglich Spesen wiederbekommen. Die Gesamtsumme der Rückzahlungen beläuft sich auf etwa 60030 Pfund, wovon 25 000 Pfund bereits zurückerstattet worden sind. Polnische Juden, die zur Kategorie der Mittelstands- Wanderer gehören, haben bis jetzt mehr als 200 000 Pfund in Bodenkäufen in Palästina investiert. Herr Paßmann erklärte, die Aussichten für Landerwerb in Palästina durch Juden aus Polen stünden jetzt günstig, allerdings müßten die alten Fehler vermieden werden. Die Käufer müßten es aber vermeiden, noch unentwickeltes Land zu erwerben, sie müßten sich auf den Erwerb bereits entwickelter Landgüter konzentrieren. Die Vereinigten Bodcnkaufsgesellschäften werden nun ihr besonderes Augenmerk auf die Ent- Wicklung der von ihnen bereits erworbenen 200 000 Dunam richten, in der Weise, daß hauptsächlich völlig ameliorierte und für sofortige Bewirtschaftung geeignete Parzellen zum Verkaufe gelangen. Ferner sind die Gesellschaften bestrebt, sofort beziehbare Wirtschaften (mit Wohnung, Inventar usw.) den Käufern zur Verfügung zu stellen im Sinne des Soskinsehen Siedlungsprojektes. Das aber wird vermutlich erst nach der Installierung der Farmerbank bewerkstelligt werden können. Jerusalem, 30. August. (J. T. A.) Die Orangenernte in Palästina war in diesem Jahre besonders reich.!8000 Arbeiter sind bei der Einbringung beschäftigt. Man hofft, mehr als zwei Millionen Kisten Orangen zu »xoortieren, Am dritten Tage der Verhandlungen in Erfurt be• schäftigte man sich mit Palästinafragen. Das ausführliehe Referat Dr. Ru pp ins über ״Vorbereitung für Palästina“ sowie das Korreferat von Felix Rosenblüth nahmen längere Zeit in Anspruch, so daß die Aussprache zu kurz kommen mußte. Das ist darum bcdauerlich, weil erst die Aussprache zutage gefördert hätte, mit welchem Interesse die deutschen Zionisten die letzten Ereignisse in Palästina verfolgen. Die Schvvierigkeiten, die sich im Anschluß an das Masseneinströmen der vierten Alijah herausgestellt haben, die Arbeitslosigkeit, die nun seit Monaten auf Palästina lastet und von den jüdischen Arbeitern in mustergültiger Disziplin ertragen wird, die Pläne der nächsten Arbeiten — all das fand auf dem Delegiertentag kein entsprechendes Echo. Der Grund hierfür liegt keineswegs in der Uit- Informiertheit der deutschen Zionisten über diese Fragen oder an dem mangelnden Interesse für die Details des palästinensischen Lebens. Die deutschen Zionisten verfolgen die Entwicklung Palästinas in den letzten Monaten mit gespanntester Anteilnahme. Sic wissen aber die Schwierigkeiten nach ihrer wirklichen Bedeutung einzuschätzen. Ein so großartiges, beispiellos dastehendes Aufbauwerk, das mit so unzulänglichen Mitteln begonnen wurde, kann nicht glatt und ohne innere und äußere Hindernisse und Schwierigkeiten durchgeführt werden. Die Lern jahre einer Kolonisation, wie in Palästina, wo die einwandernden Menschen und der Boden umgeformt werden müssen, sind hart und müssen hart sein. Erst was sich iin Schmelztiegel der Wirklichkeit bewährt hat, verspricht Dauer und ist wohl gegründet. Diese Grundauffassung kam auf dem Delegiertentage in allen Referaten und Diskussionsreden zum Ausdruck. In der Debatte über die Palästinareferate konnte sie sich aber wegen der Kürze der zur Verfügung stehenden Zeit nicht im yvMt sich .. die,, zio- Del e g i e rte nta g mit all diesen Dingen beschäftigen müssen. Der Anstoß hierfür liegt etwa nicht in den Angriffen und der unsachlichen Kritik der vereinigten antizionistischen Front, sondern in der lebendigen Verbundenheit des deutschen Zionismus mit dem Aufbauwerk in Palästina. Auf dem Delegiertentage richteten die deutschen Zionisten das Hauptaugenmerk auf die Beschlußfassung darüber, was sie zu tun haben, in verstärktem Maße zum Wachstum der zwei wichtigsten Aufbaufonds, des Keren Hajessod und des Keren Kajemeth, beizutragen. Alle Wünsche für eine Stabilisierung und Verbesserung der Verhältnisse in Palästina sind zunächst an die Erträge dieser beiden Fonds geknüpft. Erst wenn die Zionisten der ganzen Welt ihre Pflicht voll erfüllt haben, dann erst dürfen sie mit ihren Wünschen und Forderungen bezüglich der Aufbauarbeit in Erez Israel auf den Plan treten. Nach Abschluß der Debatte über Erziehungs- und Kulturfragen erstattete in der Vormittagssitzung vom 24. August Dr. Arthur Ruppin (Jerusalem) ein Referat über Die Vorbereitung illr Palästina Ich werde kein spezielles Palästina-Referat halten. Ich bin so oft genötigt, Referate und geschäftliche Berichte über Palästina zu erstatten, daß es für mich eine Erleichterung ist, einmal in aphoristischer Form über Pafästinafragen zu sprechen, die ein aktuelles Interesse haben und mit denen ich mich zurzeit beschäftige. Es sind sieben Jahre verflossen, daß ich zum letztenmal, kurz nach dem Kriege, vor einem deutschen Delegiertentag gesprochen habe. Damals war Palästina für die deutschen Zionisten ein noch ziemlich unbekanntes Land, dessen künftige Gestaltung sie nicht voraussehen konnten. Die Fragen, um die sich damals die Diskussion drehte, waren: Welche Zahl von Juden kann Palästina aufnehmen? Welche politische Form wird das künftige Gemeinwesen haben? wie wird die Judenheit der Welt auf unsere Forderungen reagieren? All das waren damals noch unbekannte Größen. Viele hatten hochfliegende Pläne. Vielen schwebten Hunderttausende jüdischer Einwanderer, die sofort nach Palästina gehen werden, vor. Was hat sich nun in den letzten sieben Jahren von diesen utopischen Hoffnungen erfüllt und was nicht? Zunächst sind Dinge eingetreten, die ganz außerhalb unserer damaligen Betrachtungen lagen, so z. B. ist die Umwälzung in Rußland und im ganzen Osten in ihren Folgen auch heute noch nicht genügend gewürdigt worden. Durch die Frieclcnsverträge sind die Juden in vielen Ländern, seit den Zeiten Justinians zum erstenmal, gleichberechtigte Bürger geworden. Das amerikanische Judentum ist in einer Weise erwacht, wie es kaum voratiszusehen war. Ich möchte dazu gewissermaßen als Episode nur erwähnen, daß vor dem Kriege das Interesse des amerikanischen Judentums an Palästina sich darin erschöpfte, daß ich als damaliger Leiter des Palästinaamtes alljährlich von den amerikanischen Zionisten aufgefordert wurde, zur Konvention einen Begrüßtingsbrief zu schreiben. Heute hat sich die Situation wesentlich geändert, ln dem amerikatuschen Judentum ist für die zionistische Bewegung ein großes Positivum entstanden und die Arbeit der amerikanischen Zionisten für