Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXI (1926)
- Issue
- Heft 68 (31.8.1926)
- Date
- 1926-08-31
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 490 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 68 aut Bildung und Weltbild bleiben. In diesen Zusammenhang paßt gut unsere Auffassung von dem Eigencharakter nationa len Gemeinschaftslebens, nationaler Kultur. Will man synthetisch-induktiv zu ihm gelangen, von den in ihrer Struktur einfacheren Wissenschaften her, so stellt sich Nationalisrritis und unsere spezifische Färbung der Religionsnation als steigende Komplikation dar, die immer voraussetzungsrciclicr wird, — Aber damit steigt unter Umständen nur die Dignität der Angelegenheit. Wir finden doch die Dinge phänomenologisch vor, und wir haben doch gelernt, die Eigengesetzlichkeit verschiedener Wissens- und Kulturgcbiete zu respektieren. Mit diesen Bemerkungen tritt der Eigenwert, die Autonomie religiösen Erlebens in seine Rechte im Leben des modernen Menschen. Die moderne Religions- Philosophie beschäftigt diese Tatsache sehr lebhaft. Diese Andeutung muß hier genügen, und es kann hier nur die Frage gestreift werden, welche Aussicht die phänomenologische Sicherung für eine metaphysische Ausdeutung eröffnet. Ich möchte hieran mit Rücksicht auf unser Bildungsproblem die Mahnung knüpfen, sich nicht dem Eindruck des spezifisch Religiösen im Erleben zu entziehen. Das Unerforschliche ruhig zu verehren — das ist sogar goethisch. Wir sind ein wenig blasiert, und wenn wir uns schon dem Erhabenen Eingehen, so geschieht cs meist ästhetisierend oder in mystischer Weise. Ich bin ein Freund der Säkularisierung, wenn darunter die Auflehnung gegen Klerikalisierung und Pfaffentum verstanden wird. Aber sie ist die schwerste Gefahr und wird uns in der heftigsten Abwehrstellung finden, wenn sie alles Heilige oder Numinosc, um mit R. Otto zu reden, entthronen oder hinwegdisputieren will. Leider bestehen solche Neigütigen. Es wäre doch gar zu grotesk, wenn ausgerechnet im jüdischen Volke der Sinn für den Gegenstand der Religion und für das religiöse Erleben verloren gehen sollte. Ein hochangeseliencr zeitgenössischer Philosoph hat einmai geschrieben: ״Von Sokrates heißt cs, daß er die Philosophic vom Himmel auf die Erde herabgebracht habe; das war sicherlich wertvoll, und es hat die Griechen nicht zu dem Glauben verleitet, daß das Philosophie-Reich nun allein aut der Erde sei. In unseren Tagen aber, scheint mir, muß!nan die Philosophie denn doch ernstlich daran erinnern, daß das Irdische mir einen ganz kleinen Teil ihrer Herrschaff ausmacht (Driesch, Wirklichkeitsichre, 2. Aufl. S. IX).“ Für uns bleibt des Denkens und Forschens letzter Sinn, zwar aut induktivem Wege, aber doch über die empirische Gegebenheit emporzustreben. Das Bild, das schon früher so gern benutzt wurde, paßt auch für diese Aufgabe: סלם פצב ארצה וראשו פגיע השמידה innerweltliche Religion — das ist auch unsere Ueberzeugung — ist das hölzernste aller hölzernen Eisen. Ich war im Vorstehenden bemüht, völlig undogmatisch die Rückkehr zum jüdischen Kulturgut, das Vergangenheit zu werden droht, zu fordern. Kein Opfer der Gesinnung verlangte ich damit. Nur lernen und wissen ist unerläßliche Forderung. Ich glaube, unseren Intellektuellen den Zugang zu den Kultur- Inhalten zu erleichtern, wenn ich sie vor unphilosophischer und unhtstorischer Betrachtungsweise warne. Unter dem Eindruck exaktester Forschung ist Wahrheit die einzige Richtlinie geworden. Das ist einseitig und ungenügend. Die moderne Philosophie hat uns den Wert begriff gelehrt, und ich halte es für bedeutsam, ihn für unsere Bildung fruchtbar zu machen. Vieles aus dem Schatz unserer Kultur erhält unter dem Wert- Kriterium seine Geltung, die ihm vielleicht sonst versagt bleibt. Desgleichen muß ungeschichtliche Einstellung aus unserer Bildüng verschwinden. Wir müssen auch Schlacken, die sich ge- 'ta»aieh':utf<’-dei1t weiten Weg unserer Geistesgeschicite fiideflsp’ir würdigen Wliöt:1 als eNfinteWe" Na*rben"im Kampf unserer Lehre mit der Umwelt. Jedenfalls gebe ich all das Geäußerte zu bedenken, wenn das Bildungswesen erneut einer Revision unterzogen wird, und ich glaube, Gehör beanspruchen zu dürfen, weil gewiß keine Biidungsfeiiidiichkeit mich lenkt. Aber ich würde dem, was ich nach meiner besten Ueberzeugung in diesem Zusammenhang sagen muß, nicht gerecht werden, wenn ich nicht zum Bildungsproblcm noch ein* wichtiges Gebiet schlüge: die jüdische Tat. W'ieder soll die Forderung hier undogmatisch erhoben werden, vorwiegend aus der geschichtlichen Erfahrung heraus, wie stark und leben erhaltend sie für unsere Nation war. Wir berühren damit ganz aus gesprachen ein Irrationales. Das Geheimnis der jüdischen Tat sollte, so meinen wir, im Interesse einer unmitteibar durch das Leben befruchteten jüdischen Bildung nicht verlorengehen und nicht in Vergessenheit geraten. Mehr sei in diesem Zusammenhange darüber nicht gesagt. IV. Auch die praktischen Konsequenzen aus dem bisher Entwickelten sollen, nur in aller Kürze, gezogen werden. Sie liegen ja auf der Hand. Das Studium der hebräischen Sprache soll Hand in Hand mit der traditionellen und modernen Literatur betrieben werden. Die moderne allein, die ich hochschätze, wäre selbst dann füt die Grundlegung einer gediegenen Bildüng unzureichend, wenn sie wesentlich bedeutender wäre als sie ist. Mich nimmt es immer erneut Wunder, daß die größten und einflußreichsten Hebraisten, die selbst am Webstuhl der neuen Literatur sitzen, nicht ernster auf die Bedeutung der historischen jüdischen Literatur hinweisen und ihre Unersetziiclikeit betonen. Andererseits liegt mir daran, auszusprechen, daß ich mir für Deutschland auf die Dauer nichts von allen Bemühungen um das Hebräische verspreche, wenn es nicht parallel den inhaltlichen Studien der klassischen L^eratur getrieben wird. Im Osten konnte das Hebräische in der jungen Generation einen ungeahnten Siegeszug antreten, weil es nie vergessen war. Jeder Brief von Bedeutung, jede Aktion im geschäftlichen Leben, ja selbst jede Empfangsbestätigung schrieb der Kaufmann oder Baal habajith der früheren Generationen hebräisch. Hebräisch war die Sprache, in die alles Bedeutsame gekleidet wurde, nicht nur der Gottesdienst. Bei uns fehlt diese lebendige Tradition, und deshalb kann die Sprache, von Ausnahmen abgesehen, nur im Zusammenklang mit dem Studium der Literatur erworben werden. Ich betone das ausdrücklieh, weil mich der Rückgang der Sprachbewcgung, die nach dem Kriege vielverheißend anfing, schmerzt. Die Z. V. f. D. sollte ihr Augenmerk auf die Batc-Waad und die hebräischen Schulen richten, sie materiell und moralisch unterstützen und die Gründung neuer anregen und fördern. Es müßte auch eine Instanz bei uns geben, die für diese Fragen zuständig ist. Die Technik der Arbeit will ich nicht erörtern. Möchten nur immer mehr Zionisten sich dem Talmudstudium widmen! Dieser Wunsch kann zunächst noch ni 11t alle wenden. Aber es wäre doch erfreulich, wenn, wie es der Fall zu sein scheint, die Neigung dazu im Steigen begriffen ist. Besonders die akademischen Kreise der Z.V. f. D. sind hierzu berufen. Das Hauptstreben muß für uns erzieherisch bleiben, daß der Am-haarcz ausstirbt und der Dilettantismus sich nicht mehr breitzumachen wagt. Zu oft lesen wir über das Religionsgesetz und die jüdische Lehre nicht nur arrogante, sondern der Ignoranz verdächtige Ansichten. Das darf es künftig nicht geben. Wir vertragen geistige Gegnerschaft, wofern sie aus V'isscn und Können stammt. Für diejenigen, deren geistige Eigenart wenig zum studiu.n der Halachah Befähigt, bleibt als vveites Gebiet die jüdische Philosophie übrig. Das bedeutet natürlich die Bekanntschaft mit den Standard Works der jüdischen Philosophie und der allgemeinen, insbesondere der modernen Philosophie. Vielen wird cs gelingen, Sich auf diese Weise in das Kontinuum unserer Geistesgeschichte einzustellen; und das scheint uns unerläßliche Forderung. Wer mir aufmerksam gefolgt ist, der hat gemerkt, daß ich nichts Unerhörtes will. Ich wollte nur theoretisch begründen, wie eine lebendige Tradition erhalten werden und wie Zionisten zu ihr gelangen können. Es soll nicht dazu kommen, daß unsere neuhebräische Kultur nur Luftwurzeln oder Wurzeln besitzt, die in fremdem Erdreich liegen. Man darf hoffen, daß bei Berücksichtigung, unseres klassischen Kulturgutes ein Umbau der jüdischen Kultur- Situation erfolgt, ein Umbau, der den Ertrag der Moderne und den Bestand der Tradition organisch verbindet. Vielleicht ist die Hoffnung nicht zu kühn, daß auf künftigen Delcgiertentagen nicht mehr über Wert und Notwendigkeit der Tradition gesprochen werden muß, sondern bereits über schöpferische Kulturleistungen, die aus dem Einbau der traditionalisiischen Kultur in das moderne Weltbild unserer Bewegung stammen, diskutiert wird. Vergessen Sie nie, daß schon die besondere Existenzform der Judenheit durch die Jahrhunderte allein ihr besonderes Kulturantlitz rechtfertigt. Mit einer Reminiszenz möchte ich schließen: Mein Freund Aron Barth schloß sein im Jahre 1918 auf einer Jugendtagung mit großem Beifall aufg'enomtnenes Referat, dessen Tenor dem meinen ähnelt, mit der Auftorderung צא ולמד. Rh möchte nicht einfach wiederholen, sondern möchte statt dessen den noch spezifischer talmudischen Ruf erheben, der von Hillei stammt; זיל גמור י Generaldebatte zum Referat Kanawitz Dr. Holzer-Chemnitz spricht im Namen des deutschen Kreises des Makkabi-Wcltverbandes und erklärt, daß es ihn etwas eigentümlich berührt hätte, daß der Referent ein Vertechtcr von Ncutralitätsidcen in den Jugendvereinen sei. Wir haben nichts zu tun mit irgendeiner neutralen Idee oder irgendeinem neutralen Turn- und Sportverein, Wir treiben auch nicht Sport um des Sportes willen. In den Makkabi- Vereinen glauben wir das Mittel gefunden zu haben, um die Jugend in großer Zahl für den nationalen Gedanken und den Palästina-Aufbau heranzuziehen. Wir selbst aber sind nicht imstande, die große Zahl unserer Leute zu erziehen. Wir sind mit den bisherigen Resultaten der Erziehung in unseren Vereinen nicht zufrieden. Eine große zionistischc Institution, der Keren Kajemeth, beklagt sich in seinem Bericht über den Mangel an Mitarbeitern und bezeichnet dies als die Hauptursache des Rückgangs seiner Einnahmen. Der K. K. L. erwähnt, daß eine Jugendorganisation sich in steigendem Maße zur Mitarbeit für den K. K. L. zur Verfügung gestellt hat und das sind die Makkabi-Vereine. Redner zitiert den betreffenden Passus aus dem Berieht des K. K. L. und verliest gleichzeitig die vom Turntag in Leipzig tags zuvor angenommene Resolution, worin die Mitglieder aller dem Makkabi angeschlossenen Vereine verpflichtet werden, sich für die K. K. L.-Arbeit zur Verfügung zu stellen. Er verlangt, daß die zionistischen Ortsgruppen sich mehr als bisher mit den Turn- und Sportvereinen befassen, ferner, daß ein Dezernat dafür bei der Z. V. f. D. eingerichtet werde, das mit einem Mitglied des deutschen Kreises des Makkabi-Verbandes besetzt werden soll. Auch soll der Makkabi in der Leitung der Z. V. f. D. vertreten sein. Dr. Noack erklärt, er wäre sehr zufrieden, wenn es gelänge, eine Jugendbewegung des bürgerlichen Zionismus zu schaffen. Aber es gibt nirgends in der Welt eine bürgerlich-j'üdische Jugendbewegung. Nur die Arbeiterbewegung kann auf die jüdische Jugend wirken. Der Blau-Weiß hat als einziger Buna in Danzig am Brith Haaoar nicht mitgemacht und darum ist er zugrunde gegangen. Man kann nicht mit einer Ideologie allein auf die Jugend wirken. Man muß ihr eine Wirklichkeit zeigen. Und im bürgerlichen Zionismus gibt cs nichts, was in dieser Beziehung wirklich wäre. Unser Weg ist richtig und der andere falsch. Denn unser Weg geht nach Palästina in die Arbeiterschaft, es gibt kein Ziel, wohin sonst unser Weg gehen könnte. Er geht dahin über das jüdische Volk (Zwischenruf: Kownolj. Jawohl, unser Weg geht über Kowno trotz der Vorwürfe von Kanowitz. Wir wollen den Galuth nicht verewigen, sondern ihn überwinden. In Deutschland sind gewiß sehr viel wertvolle!Gälte vorhanden. Alle Erziehungsmethoden sind nebensächlich neben I Icbraisierung und Judaisierung. Neben Turnen und Sport ist es wichtiger, hebräisch sich ausdrücken und hebriiiscli lesen zu lernen. Es muß möglich sein, sich an jüdischem Kulturgut zu bilden. In unserem Bunde sind auch Orthodoxe,4‘ aber u11־cr Bund ist nicht orthodox. Wir verstellen Tradition in lebendigem Sinne, wir verlangen, daß die Z. V. f. I). die Hebraisierungsarbeit unterstützt, indem sie unsere hebräische Arbeit finanziert. Die neutrale Jugenderziehung. ir-t unmöglich. Man kann wohl zu den Neutraten gehen und ihnen sagen: Euer Weg ist nicht möglieh. Der neutrale J. J.W. B. ist heute" hier sehr stark vertreten. Wenn assimilierte jüdische Menschen zusammenkommen, wenn der C.-V. Zusammentritt, so ist das noch lange keine jüdische Gemeinschaft. Man muß erst den jüdischen ,..Rnach“ hineintragen. Wenn die Ansichten von Kanowitz die der Z. V. f. D. waren, so werden wir, die Hitachduth, dagegen kämpfen. Wir lehnen die Errichtung eines Jugend- Sekretariats ab, denn die Erfahrungen, die wir damit gemacht haben, sind nicht erfreulich gewesen. ,Es wäre besser, man gäbe das Geld den Jugendorganisationen, die schon vorhanden sind. Dr. Ernst Simon - Frankfurt a. M. verlangt, daß die Z.V. f. D. sich mit der Vereinigung der zionistischen Studentenschaft belasse. Goldrnanns Stellung zur Tradition kann nicht befriedigen. Die Antwort, die der Zionismus bisher auf dieses Problem gegeben hat, wird nicht die Antwort des Zionismus bleiben, der eine Volksbewegung ist. Redner bezeichnet Kanowitz׳ Analyse der Jugendbewegung im allgemeinen als zutreffend. Seine Feststellung, daß wir uns in dieser Hinsicht auf dem Nullpunkt befinden, ist richtig. Doch sei es abwegig, wenn sich Kanowitz mit dieser Tatsache abfindet, und sich sozusagen aut dem Nullpunkt häus-!ich niederläßt. Man muß untersuchen, wie die Jugendbewegung aus dieser Sackgasse herauszuführen ist. Die Jugendbewegung als gesellschaftliche Form ist abzulehnen. Die Kräfte einer hemmungslosen Jugendbewegung können sich nur schwer einordnen. Dr. Max Mayer - München teilt mit, daß er sich nur eines Auftrages des Berliner Bcth Waad Haiwri zu entledigen habe, der ihn ersucht hat, eine Resolution vorzulegen. Einleitend bemerkt er, daß die Situation in Deutschland in bezug auf die hebräische Arbeit der Ortsgruppen eine sehr traurige sei. Er versteht, daß ־/. B. die ältere Generation es sehr schwer hat, hebräisch zu lernen, aber für die Jugend müßte dies das erstrebenswerteste Ziel sein. Er verliest dann die Resolution, deren Forderung darin gipfelt, daß bei der Leitung der Z. V.f. D. eine Stelle 2u errichten ist, die sich um die hebräische Arbeit in Deutschland zu kümmern hat. Am besten wäre eine ständige Kulturkommission zu diesem Zweck einzusetzen. Blumenfeld teilt mit, daß der Plan zur Einsetzung einer Kulturkommission, der die besten Menschen, über die wir verfügen, angehören sollen, schon seit längerer Zeit besteht, er selbst hatte die Absicht, hier beim Delegiertentag mit einigen Herren darüber zu sprechen, es fand sich aber noch keine Gelegenheit dafür. Er glaubt, daß man dieser Kommission auch die notwendigen Mittel wird beschaffen können und selbstverständlich soll die Kommission auch ein Sekretariat haben, da sie sonst nicht arbeitsfähig wäre. Er erwähnt die Herausgabe des neuen hebräischen Lehrbuches von Bornstein, das in allernächster Zeit herauskommen wird und nach dem Urteil bester Sachverständiger als ein sehr brauchbares Lehrbuch gilt. Es soll im nächsten Jahr auch mit Hilfe der geplanten Kommission verslieht werden, unsere jüdischen Schulen zu verbessern. Er wendet sich dann zu den Ausführungen Dr. Noack s. Im zionistischen Interesse brauchen wir neben dem J. J, W. B. auch noch eine andere Jugendbewegung. Die Z, V. f. D. kann nur für solche Jugendorganisationen etwas tun, die sich mit der Allgemeinheit der Bewegung identifizieren. Die Ansicht Noacks, daß eine Jugendbewegung in Deutschiand nur über den Weg der jüdischen Arbeiterschaft geht, wird von keinem der mir bekannten jüdischen Arbeiterführer Palästinas geteilt. Palästina soll für das ganze Judentum aufgebaut werden, auch wenn das Leben dort neue und andere Formen annimmt. Sie müssen begreifen, daß es hier bestimmte Grenzen gibt, wo die Möglichkeit aufhört, daß wir alles billigen, was eine Jugendorganisation sagt oder tut. Das Interesse für Palästina gehört dem zionistischen Paliistina und nicht einer Klasse allein. Sie wissen, wie gerade ich die Arbeiterschaft einschätze, aber sie ist nur existent, wenn man immer die Vorstellung hat, daß aus den Zionisten die für den Aufbau notwendigen Menschen und Arbeiter für Palästina werden. Wenn es durch die negative Politik der Arbeiterschaft gelingen sollte, einen Block der bürgerlichen Zionisten mit einem praktischen Wirtschafts- Programm zu schaffen, so vzäre Palästina erledigt. Wir Galuth-Zionisten sind nicht verstrickt in den Interessenkämpfen Palästinas. Wenn selbst solche Begriffe wie Naiionalismus und Staat ihre Eindeutigkeit verloren haben, so trifft dies tausendmal mehr bei den Begriffen zu, die Sie hier angeführt haben. Was versucht werden muß, ist, in der großen Masse der jüdischen Jugend Deutschlands zionistische Energien zu schaffen. Unsere Kritik der Blau-Weiß-Bewegung richtete sich immer gegen den Mangel an zionistischer Bildung. Die Z. V. f. D. wird immer allen Jugendgruppen fördernd zur Seite stehen, aber nur dann, wenn diese Gruppen keinen Sondercharakter haben. Fortsetzung der Aussprache und Schlußwort Dr. Kanowitz fo gt. * Außer den erwähnten Begrüßungsschreiben sind dem Delegiertcnlage Begrüßungen der Zionistischen Organisationen der Tschechoslowakei, Ostfrankreichs, Ost- und Westgalizicns, Estlands und vieler Einzelpersonen zugegangen. Die Z. V. f, D. spricht allen Organisationen und Einzel- Personen ihren Dank für die Begrüßungen aus. ■ * Die Referate Dr. Ruppin und Felix Rosenblütli über Palästinafragen werden wir in der nächsten Nuramer bringen. Martin B u b e r s Referat über ״Volkserziehung als unsere Aufgabe“ wird in der am Mittwoch, den 8. September erscheinenden Rosch Haschanah-Nummer zur Veröffentlichung gelangen. Konferenz des deutschen Palästina-Grundfonds (Keren Hajessod) Montag, den 23. August, fand in Erfurt di« Konferenz de• Palästina-Grundfonds (Keren Hajessod) E. V. statt, die außerordentlich stark besucht war. Neben den Delegierten und Ersatzdelegierten nahmen zahlreiche Vertrauensleute des Keren Hajessod aus den verschiedensten Orten des Reiches an der Konferenz teil. Das Mitglied des Präsidiums des Palästina-Grundfonds, Kurt Blumenfold, leitete die Konferenz. Als erster Redner wies Felix Roscnblüth, Mitglied der Exekutive der Zionistischen Organisation, in längeren Ausführungen auf die außerordentliche Bedeutung der Keren Hajessod-Arbeit für die zionistische Bewegung, für den praktischen Aufbau Palästinas hin. Nur ein Keren Hajessod, der noch vom Keren Hajessod- Idealismus der ersten Jahre getragen wird, wird seine Arbeit ganz erfüllen können. Der lCcrcn Hajessod ist nicht bloß ein Palästinafonds, er ist ein Mittel der Selbstcrziehung, eine Verknüpfung des einzelnen Individuums mit Erez-Isracl. Der Keren Hajessod ist der Prüfstein, ob wir den Notschrei aus Palästina in brüderlicher Anteilnahme aufnehmen oder nicht. Die Lago der Dingo hat os mit sich gebracht, daß der Keren Hajessod zugleich Aufhau- und Notfonds gewordcd ist. Wir sind berechtigt, die Frage aufzuwerfen, ob jeder einzelne Zionist in Deutschland, jeder einzelne von uns, sich sagen kann, ob nicht nur sein zionistisches Denken, sondern auch sein Handeln und Verhalten dem Keren Hajessod gegenüber mit der Not in Palästina in Einklang stell!. Wir dürfen in unserer Bewegung Müdigkeit oder gar passhe Resistenz nicht dulden. Auf der Sitzung des Aktions-Comitds in London ist allen klar geworden, daß die Keren Ilajessod-Einnahmen außerordentlich gesteigert werden müssen. Dio zionistische Exokutive fordert von Ihnen, daß das nächste Jahr auch aus Deutschland wachsende Einnahmen zeigt, und ich stelle Ihnen hiermit mit allem Nachdruck diese entscheidende Forderung. Ich hoffe, daß Sie sich des Ernstes der Lage, der Bedeutung dioser Verpflichtungen bewußt sind und mit Energie und Tatkraft handeln werden. Die Ausführungen des Vertreters der Exekutive wurde mit gespanntcr Aufmerksamkeit angehört und hinterließen einen starken Eindruck. Der Vorsitzende begrüßt sodann den neugewähltcn Geschäftsführenden Direktor des Keren Hajessod, Dr. Hantko, dem diese Konferenz zeigen will, daß sie entschlossen ist, seine künftige Tätigkeit für den Keren Hajessod in Erez-Israel zu unterstützen. l)r. Ilantke, mit außerordentlichem Beifall begrüßt, erklärt, der Keren Hajessod habe uns in diesen fünf Jahren etwas gezeigt, was bisher noch keino jüdische Organisation fertiggebracht hat. Viele Ürganisationen haben Sammlungen und sogar große Sammlungen durchgeführt, aber es hat noch keine Organisation gegeben, die die Kraft gehabt hat, eine Steuer aufzuerlegon und diese in einer Reihe von Jahren einzuziehen. Gewiß zahlen noch nicht alle Juden und sogar noch mancho Zionisten nicht die Steuer, aber die Idee des Keren Hajessod als solche hat in diesen fünf Jahren gesiegt. Es gibt eine ganze Reihe von Ländern, wo es fast jeder Jude als Pflicht empfindet, zum Keren Hajessod beizutragen, und eine ganzo Reihe von Ländern, wo die Ideo des Maasser von Tausenden von Juden ernst genommen wird. Dio Steuerpflicht des Keren Hajessod ist die wichtigste Grundlage für das jüdische Gemeinwesen der Zukunft. Indem wir Juden anerkennon, daß wir einem jüihsehen Palästina Steuern schuldig sind, errichten wir damit einen der stärksten Grundsteine für das künftige Palästina. Wir sind noch in der Vorher citungszeit des Keren Hajessod, und nichts ist oberflächlicher als dio Meinung derjenigen, dio jetzt nach knapp fünf Jahren lvoren Hajossod-Arbcit am Keren Hajessod verzweifeln. Inzwischen wächst eino Generation heran, dio durch uns bereits zur freiwilligen Steuerleistung, zur Mansserzahlung an den Keren Hajessod erzogen ist und in diesem Gedanken groß wird. Di® Verpflichtung zur Steuerzahlung an Palästina wird zur allgemeine״ Ueberzeugung des Judentums werden. Wenn wir uns zutraue״, das Palästina der Zukunft aufzuhauen, so sollen wir um darüber klar sein, welche Aufgaben und Pflichten uns erwarten. Das Palästina von heute ist keine Utopie, woil wir die Kraft haben,