Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXI (1926)
- Issue
- Heft 68 (31.8.1926)
- Date
- 1926-08-31
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 488 JUEDISCH E RUNDSCHAU Nr , 68 Nr 68 Kultur- und Erziehungsfragen auf dem XXL Delegiertentage Fortsetzung des Berichtes. Nach dem;Schlußwort Blumenfelds in der Generaldebatte erstattet Dr. Siegfried K a n o w i tz sein Referat über: Die zionistische Jagendbewegnng in Deutschland (Gekürzte Wiedergabe.) Die Frage der Jugendbewegung wird heute hier in anderer Weise behandelt'werden als wir es von früher her gewohnt sind. Vor uns allen stellt noch das Bild der grollen Jugendtagungen in früheren Jahren, wo die zionistische Jugendbewegung von sich aus zu den Fragen ihres Lebens Stellung nahm und ihre Forderungen an die zionistische Gesellschaft stellte. Heute wird hier das Jugendprobletn von seiner politischen Seite her betrachtet werden.. Der Delegiertentag zieht die Bilanz unserer gesamten Arbeit und er muß sich darüber klar werden, welchen Faktor heute die zionistische Jugendbewegung in dieser Bilanz darstellt. Er muß sich Klarheit darüber verschaffen, welche Kräfte, die in dieser Jugend leben, zu bejahen sind und welche abzulehnen sind. Damit sind auch die Grenzen dieser Erörterung gezeigt. Wese Wertung hier kann der Jugend naturgemäß nicht ganz gerecht werden. Die echte Jugend will von innen 11er gesehen werden. Sic wehrt sich dagegen, lediglich auf ihren Nutzeffekt hin ausgeicciinet zu werden. Hier klafft der unauslösbare Widerspruch: die Eigengesetzlichkeit der Jugend — der notwendige Fornningswiile der Gesellschaft. Je lebendiger eine Jugend, um so heftiger ihr Widerstand gegenüber diesem Formungswillen. Die Gesellschaft braucht zu ihrer Existenz das Andrängen, das ״Nein‘‘ dieser Jugend und es ist mit das bedenklichste Moment unserer gegenwärtigen Situation, daß es in unserer Jugend, die früher so laut und vernehmlich an die Tore der Gesellschaft pochte, heute so still geworden ist. Will man die heutige Situation richtig verstehen, so muß man die Entwicklung der* letzten Jahre kurz skizzieren. Es ergeben sieh da sehr interessante Parallelen mit der Entwicklung der deutschen Jugendbewegung. Gckennzeichnet wird diese Entwicklung in der deutschen Jugendbewegung negativ durch das Verschwinden und das Versagen der klassischen Jugendbewegung, wobei wir unter Jugendbewegung verstehen eine vom revolutionären Geist erfüllte, sich selbst lebende und von sich selbst bestimmte, dem Zweckgetriebe nicht unterwortene Jugend, die durch Schaffung von Inseln eigenen Lebens eine neue Gesellschaft bauen wollte. Diese deutsche Jugendbewegung, die durch den Wandervogel und die frekleutsche Jugend repräsentiert wurde, ist zusammengebrochen. Wovon wird diese Jugend abgelöst? Auch heute gibt es in Bünden organisierte junge Menschen; aber war die Jugendbewegung gekennzeichnet durch die Tendenz, ihr Leben von sich aus zu bestimmen, so sehen wir heute, daß eine Reihe von Mächten in das Gehege der Jugend cingcbrochen sind. Als wesentlichste Macht die politische Partei, die sich hier ihren Nachwuchs erzieht Auf der einen Seite dominiert der Klassenkamptgedanke, auf der anderen Seite Chauvinismus, Revanche-Idee und Wehrgedanke. Beherrscht wird diese lugend in Ihren Formen von Sport und Pfadfindertum, Vergleichen?' lr.iian8t';4ie,ßÄ«|:Äbt' jfcr' zlohlsfteleh JMgrad.• Tn׳ •jeder podte gab es hier einen reprlsentativen Typus. Vor dem Kriege war der Repräsentant dieser Jugend der Akademiker, der K. I. V.er. In ihren Formen war die zionistische Studentenbewegung weitgehend der deutschen genähert. Diese Formen einer in der deutschen Umwelt bereits überlebten Bewegung feierten hier eine neue Auferstehung, weil die zionistische Studentenbewegung ihnen einen neuen Sun :p.b. \ur, dieser Studentenbewegung heraus entstand unsere Jugendbewegung der ״Blau-Weiß“. Der Blau-Weiß übernahm in der nächsten Epoche die Repräsentation zionistischer Jugend. Er nahm sehr bald die Entwicklung einer echten Jugendbewegung, emanzipierte sich von seinen Gründern und von jeder anderen Instanz. Die Entwicklung des Blau-Weiß und damit eines bestimmten Abschnitts zionistischer Jugendbewegung ist heute abgeschlossen. Der Blau-Weiß als organisierter Bund exi tiert nicht mehr. Sein Siedlungswerk in Palästina ist liquidiert. Es ist zweifelhaft, ob die Entwicklung des Blau-Weiß aufzuhalten gewesen wäre, und es ist ebenso zweifelhaft, ob eine neue Jugendbewegung bereit wäre, aus dieser Ent- Wicklung zu lernen. Hier gilt es festzustellen, welche Kräfte der Jugendbewegung zu bejahen und welche abzulehnen sind. Der Niedergang des Blau-Weiß wurde von denselben Kräften herbeigeführt, die ihn zu seiner Bliite brachten: Die Vorgottung und Verabsolutierung der Bundesidee, die lieber- Spannung des Gemeinschaftsgedankens, die Autonomie des Bundes als höchste Forderung, die mangelnde Verständigungsmöglichkeit mit den anderen Faktoren unseres Aufbauwerkes, die mangelnde Einsicht in die Situation der westeuropäischen jüdischen Jugend. Ein entscheidender Fehler dieser Jugendbewegung war ihr mangelndes Verständnis für den Entwicklungsgang jugendlicher Menschen, der Versuch, die Kluft zwischen Jüngling und Mann zu überbrücken durch die Aufrechterhaltung des ungeteilten Bundes. Diese Erziehung zu einem harmonischen Leben bereitete den Zusammenbruch vor, der sich jetzt vor unseren Augen vollzieht. Ein moderner Soziologe hat an Stelle dieser Erziehung in einer Auseinandersetzung mit Wynecken die ״tragische Erziehung“ verlangt, eine Erziehung, die Menschen befähigt, nicht nur sich zu sehen, nicht nur der Erfüllung ihres Ichs zu leben, sondern aus sich herauszuwachsen, auch auf Kosten des persönlichen Glücksgefühls. Als der eigentliche Nachfolger des Blau-Weiß erscheint heute die Kadimah, Ring jüdischer Wander- und Pfadfinderbände, entstanden aus den Zügen des Blau-Weiß, dem Bund jüdischer Pfadfinder und dem Ring jüdischer Wanderbünde, Eine Mittelstellung innerhalb der Jugendbewegung nimmt das K. I. V. ein, das mit seiner Akt!vitas den Jugendbfmdeti zuzurechnen ist, während es durch seine Ailt-Herrenschaft naturgemäß aus der Jugendbewegung herauswächst. Die parteipolitisch festgelegte Jugend wird repräsentiert auf der Linken durch den Jungjüdischen Wanderbund, auf der Rechten durch die Misrachi-Jugendbcwegung. Der Vertreter der jüdischen Tum- und Sportbewegung ist der Makkabi. Die Kadimah beginnt Ihre Arbeit mit einer außerordentliehen Belastung. Sie ist nicht entstanden aus einer neuen Idee heraus, ist auch nicht das Werk neuer Menschen, sondern im wesentlichen macht sie den Versuch, durch eine letzte An- Spannung der Kräfte die Menschen der zionistischen Jugendbewegung zu sammeln. Hier sind zwei Fragen im Zusammenhang mit der Kadimah zu erörtern. Erstens das Erziehungsziel, zweitens die Erziehungsmethoden dieses Bundes. Der Bund erklärt, nichtzionistisch zu sein, er lehnt jede parteimäßige Erziehung ab, auch Nichtzionisten haben in ihm Platz, er will lediglich Erziehung zum positiven Judentum. Es können sehr ernste Gründe sein, die den Bund veranlaßt haben, jede offizielle und programmatische Bindung aa zionistische Parteien und zionistisches Programm abzulelinen. Auch der Blau-Weiß war in seinen Anfangsjahren parteipolitisch neutral. Im Laufe seiner Entwicklung "wurde er dann zu dem radikalen zionistischen Jugendbund par exelience. Ist es nun wirklich diesem radikalen zionistischen Blau-Weiß gelungen, Menschen zu Zionisten zu erziehen? Ueberprüfen wir heute die Ergcbnisse dieser Epoche, so müssen wir feststellen, daß auch die Erziehung dieses radikalen zionistischen Blau-Weiß die zionistische Entwicklung seiner Menschen nicht verbürge. In dem Augenblick, in dem der organisatorische Rahmen des Bundes zerfiel, verließen auch eine Reihe selbst wertvoller Blau-Weißen unsere Reihen. Die ersten Schwierigkeiten in Palästina genügten bereits, um diese Blau-Weißen an ihrem Zionismus verzweifeln zu lassen; sie kehrten aus Palästina zurück mit Theorien darüber, daß der Zionismus überhaupt eine Utopie sei oder aber, daß der deutsche Zionismus keinerlei Möglichkeiten habe, und nur selten suchten sie die Gründe in sich selbst, in der Unzulänglichkeit ihrer Er- Ziehung. Wie vollzog sich nun im früheren Blau-Weiß die Erzichung zum Zionismus. Die Atmosphäre des Bundes, das Vorbild und der Weg der Fülirer bewirkten, daß der einzelne in seinen Zionismus hineingiitt, ohne es recht zu merken. Man lehnte es immer ab, dort objektiv jüdische Werte zu übermitteln. Der Blau-Weiß stand jahrelang unter dem Eindruck von Anschauungen, daß für die westeuropäische jüdisebe Jugend der Zusammenhang mit den jüdischen Kulturinlialten unwesentlich sei. An Stelle eines konstruierten Judentums sollte ein natürliches treten. Kraft seiner schöpferischen Fähigkeiten, einer spezifisch jüdischen Anlage könne sich der junge Jude die ihm adäquaten jüdischen Werte aus der Verarbeitung europäischer Kulturinhalte schaffen. Diese Verkennung unserer geistigen Konstellation führte zu. dem einen entscheidenden Erziehungsfehler. Der zweite lag in der Verkennung des seelischen Aufbaus junger Menschen. Von einem bestimmten Zeitpunkt an, etwa um die Wende des 18. Lebensjahres beginnen neue Kräfte das Leben des Jugendlichen zu gestalten. Die ratio, der kritische Verstand beginnt die Kräfte des Gemüts, der Anschauung, des Gefühls sich unierzuordnen und sich aller Lebensinhalte zu bemächtigen. In diese Zeit fallen entscheidende seelische Umschichtungsprozcsse. Der erwachende Mann, auf sich selbst gestellt, macht sich frei von den Göttern seiner Knabenjahre. Ja, der Bruch mit der Kindheit, das mitleidige Lächeln für die Irrungen dieser Knabenjafire wird für ihn zum Kriterium seiner envachend«•« Mannliclikeit. Diesem Umschichtungsprozeß trug. der Blau-Weiß nicht genügend Rechnung. In diesem Stadium mußte eine ganz anders geartete Erziehung einsetzen, die intellektuelle Auseinandersetzung, die Ueberprüfung der bisher allzu selbstverständlich empfundenen Anschauungen, die Vorbereitungen auf den Ansturm der geistigen Mächte der Llmwelt. Der Blau-Weiß versucht nun unter Ignorierung dieses Prozesses den einheitlichen Lebensbund zu bauen und wollte nicht anerkennen, daß jede Generation dieses Bundes ihre eigene Gesetzmäßigkeit ausweist. So kam es, daß in dem Augenblick, in dem Menschen sich aus dem Gefüge des Bundes lösten, wo sie sich als einzelne bewähren sollten, hilflos waren un4 4e1|;: *Ansturm, ijer vön uns wegffhrewctai Kräfte nicht gewachsen waren.1׳—!׳• '* Diese Mißerfolge der Blau-Weiß Erziehung veranlaßten nun die Führung der neuen Kadimah, jede Bindung an Zionismus und Zionistischer Organisation abzulehnen. Die Ent- Scheidung zum Zionismus soll dieser jugendlichen Generation nicht so leicht gemacht werden, wie im alten Blau-Weiß, wo der Junge, angezogen durch ganz andere Mächte (Fahrt, Lied, Romantik, Gemeinschaft) durch seinen Eintritt in den Blau- Weiß auch allmählich zionistische Vokabeln übernahm, ohne daß eine systematische Erziehung das Substrat für diese ,Begriffe lieferte. Die Entscheidung zum Zionismus soll im neuen Bunde dem Einzelnen überlassen werden. Der zionisfisehe Führer soll seine Anschauungen dem Jungen nicht aufoktroyieren. Ich möchte nun bemerken, daß ich in dieser pädagogischen Weite des Bundes für uns noch keinen Verlust zu sehen vermag, im Gegenteil aus d'e-־er Kadimah können sehr wertvolle Menschen für unsere Bewegung hervorgellen, wenn zwei Voraussetzungen gegeben werden, die eng miteinander Zusammenhängen. Erstens der zionistische Bund der Aclteren, zweitens die Stellung von qualifizierten Führer für den Bund Kadimali. Wir glauben, daß die aus der Kadimah herauswachsenden Menschen einen Bund der Aelteren vorfinden müssen, der den entscheidenden Abschnitt der zionistischen Erziehung leistet. Aber sie sollen nicht mechanisch in diesen Bund biniiberglciten. Die Entscheidung muß jedem Einzelnen noch einmal neu gestellt werden, in einer für sein Alter spezifischen Form: die Aireinandersetzung mit seinem Juden- Problem in all seiner Kompliziertheit. Die positive Ent- Scheidung für unsere Idee wird erleichtert werden durch die Atmosphäre des Jugendbundes. Nur ein Teil (vielleicht der kleinere) wird den Weg aus der Kadimah in den Bund der Aelteren finden. Aber es ist besser, wir verlieren die Nichtzuunsgehörenden schon in diesem Stadium. Die Schicht der Aelteren wird heute repräsentiert durch zwei Kreise, erstens durch das K. I.V., zweitens durch die Aclterenschaft des Blau-Weiß. Der Schwerpunkt der K. I. V.-Arbeit liegt heute auf dem Gebiet der zionistischen Durchbildung de: älteren Generation und auf der Werbung von Menschen aus der Assimilation. Das K. I. V. gewinnt jetzt jährlich mehr als 103 Menschen — vorwiegend Akademiker — von denen ein Teil bei seinem Eintritt Niclitzionisten sind, ein anderer bereits aus der zionistischen Jugendbewegung hervorgeht. Bei den Vorstellungen, die wir über Werbung und Erziehung der Jüngeren entwickelten, ist es klar, daß wir auch die Gewinnung von Menschen aus der zionistischen Jugendbewegung als einen absoluten Gewinn buchen müssen, weil nur die Erziehung in einem Bunde der Aelteren Gewähr für zionistische Be- Währung geben kann. Neben dem K. I. V. besteht der Aclterenbund des Blau- Weiß. Er umfaßt noch mehrere hundert Menschen des Bundes Blau-Weiß und als geschlossene Gruppe die Praktikantenschaff des Blau-Weiß. Mehr als 150 Menschen, die sich für ihre landwirtschaftlichen und handwerklichen Berufe in Palästina vorbereiten. Dieser Kreis älterer Blau-Weißen stellt ein sehr wertvolles Menschenmaterial dar. Es sind diejenigen, die wirklich den Weg aus der Jugendbewegung zum Zionismus gefunden haben, Menschen, die trotz schwerster Erfahrungen heute bereit und fähig sind, nach neuen Wegen der Jugendarbeit zu suchen. Zwischen diesen älteren Blau- Weißen und dem K. I.V. besteht heute weitgehende Uebereinstimmung über alle wesentlichen Fragen zionistischer Er- Ziehung und unserer Palästinaarbeit. Ein Zusammenschluß dieser Kreise wird heute in beiden Bünden angestrebt. Dieser gemeinsame Bund hätte dann als der repräsentative Bund der Aelteren sehr wesentliche Funktionen innerhalb der zionistisehen Jugend in Deutschland und auch innerhalb des gesamte!! deutschen Zionismus zu erfüllen. Von den andern zionistischen Jugendbünden beschäftigen wir uns noch mit zwei Kreisen: der Turn- und Sportbewegung und dem Jungjüdischen Wanderbund. Die Turn- und Sportbewegung müssen wir als Positivum in unserer Arbeit buchen. Die Beziehungen zwischen dieser Bewegung und unserer zionistischen Arbeit sind gerade in letzter Zeit besonders enge geworden. Der Sportgedanke ist heute von außerordentlicher Anziehungskraft, Sport ist die neue Religion der Jugend geworden. Es liegt in jeder Sportbewegung die Gefahr vor, daß immer die Richtung, die ausschließlich Sport, Wettkampf und Rekordziffern will, die Oberhand gewinnt. Der Bar Kochba kann aus eigener Kraft die Aufgaben der zionistischen Erziehung nicht leisten. Aufgabe der andern Jugendbünde ist cs, qualifizierte Menschen an ihn abzugeben. Abschließend möchte ich mich mit dem Jungjüdischen Wanderbund beschäftigen. Dieser Bund ist in verhältnismäßig kurzer Zeit sowohl zahlenmäßig als auch seiner inneren Kraft nach zu großer Bedeutung gekommen. Die Stellung dieses Bundes in der zionistischen Welt wird gekennzeichnet durch die Tatsache, daß er sich als einziger zionistischer Jugendhund Deutschlands dem Brith Hanoar angeschlossen hat. Der Jungjüdische Wanderbund betrachtet sich mit als Nachwuchsbewegung der palästinensischen Arbeiterschaft. Nationalistische, religiöse und sozialistische Vorstellungen — in nicht immer ganz klarer Abgrenzung voneinander — haben hier zu einem Erziehungsprogramm geführt, das von unbestreitbarer Wirkung auf jugendliche Menschen ist. Greifen wir aus dieser Welt von Vorstellungen einige wesentliche Fragen heraus: 1. Weg zum Volkstum. Der Bund steht auf dem Standpunkt, daß das jüdische Volk repräsentiert wird durch das Ostjudentum. Dieses wird in seiner geistigen Existenz bejaht. Judaisierung und Zionisierung bedeutet für ihn Assimilation an das Ostjudentum. Die europäische Entwicklung des deutsehen Judentums wird als Abweg empfunden, von dein es nur eine schnelle und entscheidende Umkehr gibt. 2. Der sozialistische Aufbau Palästinas ist zentrale Forderung des Bundes. Die Kwuzah wird als Siedlungsform bejaht, der Einzelne soll in die Kwuzah hineingehen, sich hier assimilieren. Jeder Gedanke an eine landmannschaftliche Siedlung wird von den offiziellen Sprechern des Bundes leidenschaftlich Irekämpft. Besonders hervorzuheben ist der heroische Versuch der Hcbraisiening des Bundes, der zu beträchtlichen Erfolgen geführt hat. Es gilt jetzt, sich mit diesen Anschauungen kurz auseinanderzusetzen. Die Entwicklung des Jungjiidischcn Wanderbundes kann nur zum Teil beweisend und richtunggebend sein für die Arbeit der westeuropäischen Jugendbewegung. Unsere Aufgabe ist es, westeuropäische entjuaete Menschen in unser Aufbauwerk einzugliedern. Der Jungjüdische Wanderburd löst aber gerade diese Aufgabe nur sehr unvollkommen, weil er seiner ganzem Zusammensetzung nach überwiegend aus ostjüdischen Menschen besteht, für die gerade diese Forderung der Eingliederung ln den palästinensischen Jischuw sehr viel leichter ist, als für uns. Auch die große Anzahl von Chaluzim : innerhalb dieses Bundes erklärt sich fps der Tatsache seiner י gSäellscfiätflldlien ' Zusammensetzung." Ebenso ׳ die bishetlÄn teilweisen Erfolge seiner Könzentrationspolitik in den großen Kwuzoth. Ein entscheidender Einwand gegen diesen Bund ist die Tatsache, daß wir kaum etwas von seiner Anziehungskraft auf westjüdische sozialistische Jugend spüren. Hier hätte er doch große Aufgaben zu erfüllen. Die bisherigen Siedlungserfolge in Palästina geben diesem Bunde noch nicht die Möglichkeit, seinen Weg als den gelungenen zu bezeichnen und ihn als den Weg für den westliehen Zionismus darzustellen. Aus den eigenen Reihen des Bundes werden jetzt Stimmen laut, die die versuchte, geforderte restlose Assimilation an die ostjüdische Kwuzah als nicht möglich bezeichnen und die eine Siedlung von vorwiegend westindischem Typus verlangen. Da, wo die geglückte Assimilation beweisend wäre, nämlich bei westindischen jungen Menschen, scheint sie auch dem Jungjüdir.cken Wanderbund kaum zu gelingen oder aber sie gelingt durch Krampt und Krampf als Parole für eine Jugend ist ein Unglück. In einem letzten Teil wird jetzt zusammenfassend über die Aufgaben der zionistischen Jugend in Deutschland zu sprechen sein. Hier wird die gesamte Jugend als ein Ganzes gesehen. Welche Funktionen hat sie zu erfüllen? Es sind drei Gebiete, die eng zusammengehören, nach denen diese Jugend zu messen ist: Werbung, Erziehung, Bewährung. Gemeinsam als Oberbegrifff hat die Jugend die Funktion der Regeneration der zionistischen Gesellschaft. Erfüllt die Jugend diese Aufgäbe nicht, so ist sie wertlos. Ja, würde es sich heraussteilen, daß die Jugend diese Aufgabe nicht mehr erfüllen kann, so wäre das die einzig wahre Krise der Bewegung. Es würde heißen, daß der Zionismus als Idee seine werbende und forinende Kraft verloren hätte. Es ist fast ein Dogma bei uns geworden, daß die Jugend unser propagandistischer Vorosten geworden ist. Die Gewinnung neuer Menschen außeralb der Jugend ist das Atypische, die Ausnahme. Die Werbung innerhalb der Jugend für den zionistischen Gedanken begegnet heute außerordentlichen Hemmnisse.!. Es gibt viele Erklärungen dafür, die alle ein Stück Wahrheit in sich bergen. Der Kreis der Jugend, der heute bereit ist, sich idealistischen Bewegungen anzuschließen, wird immer kleiner. Auf der anderen Seite wird die Macht des Sports und der Technik immer größer. Der Zionismus als nationale Bewegung muß sich heute messen mit neuen Gedanken, die eine außergewöhnliche Anziehungskraft haben: die paneuropäische Bewegung, Pazifismus, Völkerve.sölmung, sind die Bewegungen der Zukunft. Zionismus als Idee scheint weniger interessant geworden zu sein, Palästina als Wirklichkeit noch nicht groß genug, um den Abenteuersinn einer Jugend zu wecken. Ein beliebtes Argument ist es auch, daß die fehlende Kampfstimmung schuld ist an unserer verminderten Anziehungskraft. Diesen Einwand halte ich für am wenigsten stichhaltig. Die wertvollen Kreise unserer Jugend sind heute eines leeren Kampfes müde, jeder von uns sucht heute mehr die Arbeit an sich selbst, die sachliche Vorbereitung für unsere Funktion und sucht Kampf nur da, wo es gilt, in einem neuen Ansturm ein Stück weiter zu kommen. All diese Momente sind aber nicht stark genug, um die werbende Kraft des zionistischen Gedankens zu paralysieren. Immer noch schließen sich wertvollste Menschen lins an. Immer noch wird die Unerträglichkeit des Galuthdaseins drückend empfunden und Zionismus als der Ausweg erkannt. Es wird nötig sein, in einer neuen zentral geleiteten Jugend- Propaganda, in einer neuen Offensive unserer Jugend neues Terrain zu erobern. Unsere Erziehungsarbeit wird zwei Aufgaben gerecht werden müssen, die eine, die man Entwurzelung nannte, die aber doch mehr Herstellung der Distanz zu dem geistigen und politis Sinne, daß Bewegung Jndenprobl! jinmerwähr «endig, wi herausgews messen mi'i «erden un und reichst schritt em! unserer Ui lierzusteller jüdischen I hier schlag ßildungsref Für unser(;teilen. 1. f. jüdische gesamten! bestritten, hebräisch i gesamten! Renaissanci und die Lit Volkes ken;chen in P;eheidend einem Auf! Zeit in dt Unter *tellung de künde die I hebräischer?iehungsarl fliesten Bil wie überha Generation;etzung vo Aus d< sonders bc methode J Behandlung lehnen, Ju! Erziehung Sphäre sch kann. Die: Uebermittli von Bildert Geschichte, P’alä'tinas Funktionen kommt es rakter. Au ״eilen, di« können, di fähig sind, Durchbildii phet°n anl primitiven, nicht gehol bewähren? jüdisch״» ( einzunehmi einer Anffi wird sehr Funktionen Jugend ist prozeß un! Ent?״h Jugend in Enoche hi fahrun״en. end״ü!ti״e‘ in Palästin dem zum Blau-Weiß eine zu k brechen, gelernt? 1 geschlagen in dieser nichts Aul1 schaftlirhe es auch 1 Es muß z Jugend ein matisierun! diese Eige können. E ein nicht; Wege, dei ignorieruni die Ueber das Erzieh! wir nicht, als ob aut Weg ertön uns heute bei der Be machen. F hing eine! die Lieben Typus. A lingen. D, und Zerris l'ebersiedl! die Zerriss dieser Gen das erfülle! hißt die F westjüdiscl jehen im; ihre außer Schaffung üangsstadii m die Mei Versuch ui?ang nach daß sie an Es köi jclien Jus ich habe 1 ihres Weg( suchung g! hätte, daß Diese Monistisch« machen, at Tunkt übe! ‘chen, die teurer ode sammenfin! zu überwii