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Jüdische Rundschau · 1926-08-31 · Heft 68 (31.8.1926) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXI (1926)
Issue
Heft 68 (31.8.1926)
Date
1926-08-31
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Einzelnummer 0,30 Goldmark JÜDISCHE RUNDSCHAU Redaktion und Verlag Berlin W 15, Meinekestraße 10, Erscheint jeden Dienstag und Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 1,85 Goldmark, vierteljährlich 5,25 Goldmark. AutludiaboDoemenU werden in der WJhrang der ciazelnea Linder berechnet Nummer 68 | Berlin, 31. Vlll. 1926 Anzeigen - Verwaltung Jüdische Rundschau O-sub-H., Berlin W15, Meinckestr.tO Telephon: Amt Bismarck 7165—70. Anzeigenpreis: Sgespdt.N0npareiliezeü@0,50G.*M. Stellengesuche0,25G.-M. AazeigettsehloJ): Dienstag und Freitag nachmittag 4 Uhr. Telephon : Bismarck 7165 - 70. Postscheckkonto: Berlin Nr. 17392• Für Oesterreichs Fostsparkassensrnt Wien, Konto Nr. 156 030. Für Tschechoslowakei : Fostsparkassenamt Prag, Konto Nr. 59 410. Für Polen; Postsparkassenamt Warschau, Konto Nr. 190708. Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag, Der Zionismus erstrebt für das JQcllsclia Volk die Schaffung einer «flenlllch rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina. ״Baseler Programm.«« 25 Jahre Keren Kajemeth! Die Geschichte des Keren Kajemeth ist die Geschichte des zionistischen Palästina-Aufbaus. Jede Entwicklungsperiode unserer Arbeit in Palästina wurde eingeleitet durch die Tätigkeit des Keren Kajemeth. Er hat durch Landkauf die Schaffung unserer ersten Kolonien, der ersten jüdischen Stadt, der geschlossenen Siedlung auf grossen Flächen im Emek ermöglicht. Er hat wüstes Land der Besiedlung erschlossen, er erstrebt die planmässige Aufforstung baumloser Gebiete. Die Idee der ״Erlösung des Bodens“ hat in diesen 25 Jahren nichts an Kraft eingebüsst und die Juden aller Länder nehmen tätigen Anteil an ihrer Verwirklichung. Jetzt erfordert das Palästinawerk einen weiteren Ausbau des Keren Kajemeth. Er muss seine Bodenpolitik auf eine breitere Basis stellen, um sie entsprechend seinen sozialen Grundsätzen führen zu können. Neben der Bereitstellung und der Ameliorierung der Böden für die landwirtschaftliche Kolonisation muss auch in den Städten die Grundlage für gesunde Lebensbedingungen geschaffen werden durch Anlage von Arbeitergartenstädten, durch Regulierung der Bodenpreise und Bekämpfung der Bodenspekulation. Zur Erfüllung dieser Aufgaben gehören erheblich als־• der־ Kcren-.^^^iem^th* erb^jtpb‘ aufgebracht werden, denn die Entwicklung des Palästina Werks ist davon abhängig. Sie können aufgebracht werden, wenn jeder Einzelne die An* forderungen des Keren Kajemeth erfüllt. Wir fordern von allen Mitgliedern unserer Organisation: Förderung des Keren Kajemeth durch materielle Leistung und durch aktive Mitarbeit! Für jeden gibt es Möglichkeiten der Mithilfe: als Redner, Organisator oder Sammler. Die Rösch Haschanah-Aktion bildet den Auftakt zum Jubiläumsjahr; sie muss dem Keren Kajemeth den ersten grossen Erfolg in der neuen Epoche bringen. Jeder von uns muss dazu beitragen; dann wird unser gemeinsames Ziel erreicht werden: die Schaffung eines grossen nationalen Bodenbesitzes; der Aufbau Palästinas auf sozialer Grundlage. Der Minderheiienkongrefj Die Ansprachen der jüdischen Vertreter Nachstehend geben wir Auszüge aus den Aussprachen und Referaten der jüdischen Vertreter auf dem Minderheitenkongreß in Genf wieder: Motzkin führte in der Eröffnungssitzung aus: Wir kennen als «älteste Minderheit das Schicksal dev Minderheiten überhaupt und haben nolens volcns ein starkes Empfinden für solche SrhicksaJe in uns ausgebildet. (,Beifall.) Nun möchte ich nicht ihre Zeit rauben und auch nicht die herrlichen Ausführungen unseres Präsidenten, der wirklich den Gegenstand in der Tiefe erfaßt hat, durch Wiederholungen abschwächen, sondern idi mochte nur etwas klären, was wir von dieser Tagung erwarten. Wir wollen zwei Dinge erreichen. Ersten, die Vorst '.n ligung der Minderheiten unter sich selbst, eine Verständigung nicht im Sinne eines Zusammen• gchens der Interessen in rein diplomatischer Art, sondern eine Verständigung im Sinne eines höheren Ideals, aus dem vielleicht manchmal auch Intercssenzusammenhänge kommen mögen. Zweitens möchten wir etwas aus der Welt schaffen, das noch immer vorherrschend geblieben ist und worin wir die besondere Schwäche der Lage der Minderheiten sehen. Sie wissen, daß es heute in Europa, abgesehen von Sowjetrußland, das ja ein ganz anderes Leben führt, zirka 40 Millionen Seelen gibt, die sich zu den Minderheiten bekennen, etwa 15 °/0 der Gesamtbevölkerung Europas, Sie leben in einem gewissen Sinn in dem Bewußtsein, daß sie eine Art Belastung für den Staatsgedanken sind. Sie sind eine Last, die man in der einen oder anderen Form abschütteln möchte. Diesen Begriff der Last möchten wir aus der Welt schaffen. Wir sind selbst bei den höchsten Instanzen, die für den Frieden der Völker zu sorgen haben, nicht dazu gekommen, dieses Bewußtsein dauernd zu schaffen. Selbst in dem Moment, wo Rechte der Minderheiten vertreten werden, kommt immer der Gedanke, man müsse die Minderheiten befriedigen, damit in den Staaten Ruhe und Frieden sei. Wir aber wollen einen ganz anderen Gedanken in die Welt bringen: Man muß die Minderheiten befriedigen, damit die höchste Artentfaltung und Arterhaltung möglich sein soll. Daraus resultiert der Friede der Welt. Auch wir wollen Amalgamierung in einem gewissen Sinne, Verschmelzung zu einem Ideal. Der Nationalismus ist erst dann echt, und ist erst dann wirkliches Nationalbewußtscin, wenn er Verständnis hat nicht für seine Nation allein, sondern auch für die anderen Nationen. (Beifall.) Wir. wollen einen Sittenkodex für die Völkerfamilie ausarbeiten,‘ ^dy ^die^Ber *1י־'n1 “'י'י־” dct y1״■'1״ zueinander regelt, indem' In der Vormittagssitzung vom 27. August hielt'de# jüdische, Delegierte aus Lettland, Abg. Rabbiner M. Nurok, ein Refer.1t über ״Sicherung des Rechts auf Staatsbürgerschaft“. Er führte aus: Die Frage des Erwerbs der Staatsangehörigkeit sollte eigentlich keine .Minderheit :frage sein. Die Praxis aus der Nachkriegszeit in den neugebildet cn oder territorial vergrößerten Staaten, insbesondere den Nachfolgestaaten der früheren österreichischungarischen Monarchie, sowie des ehemaligen russisehen Reiches, beweist uns zur Genüge, daß in bezug auf den Erwerb der Staatsangehörigkeit die rechtliche Gleich- Stellung der Minderheiten im Verhältnis zu ihren Mehrheits- Völkern durchaus gefährdet erscheint. Die neuen Staaten wollen in erster Linie ein ,,Nationalstaat“ sein. Dem wirkliehen Sinne der Minderheitsschutzverträge gemäß, mußten die Angehörigen der Minderheitsvölker, die ja selbstverständlieh jegliche Beziehungen mit ihrem früheren nunmehr auseinandergefallencn Staate ebenso wie das Mehrheitsvolk selbst endgültig gelöst haben, automatisch das Staatsbürgerrecht erhalten. In der Regel geschieht es jedoch ganz anders. Die Aufnahme von Angehörigen der Minderheiten in den Staatsverband wird wie eine ganz gewöhnliche Naturalisation»- sache des Staatsbürgers eines fremden Staates gehandhabt. Es liegt offenbar ein gewisses System in der Sache, das bestrebt ist, ein aus politischen Gründen nicht sehr erwünschtes Der Landes Vorstand der Zionistischen Vereinigung für Deutschland Blumenfeld Rosenblüth Erich Cohn Feuerring Foerder M. J. Kober Naphtali Sandler Waldmann Weltsch Das Direktorium des Keren Kajemeth Leisrael Hantke Schock :n Die Keren Kajemeth-Kommission für Deutschland Wollsteiner Schwarz Erhard Zentralbüro des Misrachi in Deutschland Wolfsberg Hapoel Hazair Baer Poale Zion Locker Landesverband der Zionisten-Revisionisten I)r. Brutzkus Das Präsidium des K. J. V. Foerder Bund zionistischer Korporationen Hechaluz Zwirn Böhm Misrachi-Jugendgemeinschaft Schereschewsky jung-jüdischer Wanderbund Georg Lubinski Walter Heilbrunn Stein O Zionistischer Bund Blau-Weiss Benno Cohn Hans Kaufmann Der Deutsche Kreis im Makkabi-Weltverband Hans Kuhn Gerhard Flachs Anwachsen der Zahl der Minderheitsbürger einfach zu vereiteln. Das Resultat ist. daß sich in den Nachfolgestaaten des früheren Rußland und der Donaumonarchie eine ganze Armee von künstlich geschaffenen .,Staatenlosen" gebildet hat, die als moderne Sklaven unseres Jahrhunderts an Händen und Füßen geknebelt und der Freizügigkeit beraubt sind, lind das sind Leute, die ebenso wie andere, auf die Verwirklirhung der verheißungsvollen Freiheitslosungen des Weltkrieges, wie sie in den Verträgen und Deklarationen festgclegl sind, hoffen dürften. In sämtlichen Nachfolgestaaten oder in den Staaten, deren Gebiete erweitert wurden, wie z. B. Rumänien, ist ein betrachtlicher Teil der Angehörigen der Minderheitsnationen nicht im Besitze einer Staatsangehörigkeit und hat für absehbare Zeit keine Möglichkeit, eine solche zu erlangen. Es wäre selbstverständlich die Pflicht unseres Kongresses, dessen Hauptziele die Wahrung des Minderheiten-Schutzrechtes und die Sicherstellung einer wirklichen Gleichberechtigung sind, zu dieser Entrechtung der Minderlieiten-Angehörigen Stellung zu nehmen. Der Referent unterbreitete die nachfolgenden Entschlüsse, die unter Beifall einstimmig angenommen wurden : 1. Jedermann hat einen Rechtsanspruch auf eine Staatsbürgerschaft. 2. Das Staatsbürgcrrceht ist ein erworbenes Recht, dessen man nur auf Grund eines eigenen Willonsaktcs verlustig werden kann, wobei der Willcnsakt auch in konkludenten Handlungen fe.tgcstellt werden kann. 3■ Der Ab- Schluß von Verträgen zwischen den interessierten Staaten wie die Konvention von Rom, ist ein geeignetes Mittel zur Lösung der im Zusammenhang mit den staatlichen Umwälzungen akut gewordenen Probleme der Staatsbürgerschaft vieler Hunderttausender, die unverschuldet um ihr Staatsbürgcrrceht gekommen und dadurch oft wirtschaftlicher Gefährdung und Elend prci.sgegcben sind. Die Konferenz empfiehlt daher für das Gebiet der ehemals österreichisch-ungarischen Monarchie die Ratifikation der Konvention von Rom durch die Nachfolgestaaten. Für das Gebiet des alten russischen Reiches empfiehlt sich die Einführung der auf diese Frage bezüglichen Grundsätze des Friedens- Vertrages von Versailles in die staatliche Gesetzgebung dieser Nachfolgestaaten, bzw. deren Anwendung unter gleichzeitiger Aufhebung der aus der zaristischen Zeit stammenden Ausnahms- und Polizeivorschriften. Jüdischer Ruderklub ,.Ivria‘ Hermann Salmonson

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