Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXI (1926)
- Issue
- Heft 66-67 (17.8.1926)
- Date
- 1926-08-17
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 66 87 }UEDISCH E RUNDSCHAU Seite 483 Brief aus Palästina Neue* Wahlred»» in Tel-Awiw - Haifa oder Port Fuad - Skandale — Neue Arbeit A. ü. Jerusalem, den 4. August 1026, Nach langem Warten und immer erneuten Versuchen zur Vermittlung hat vor einigen Tagen das Gericht in Jerusalem seine Definition über den Begriff des ״Steuerzahlers“ den streitenden Parteien in Angelegenheiten der Munizipalität Tel- Avviw vorgelegt. Wie schon berichtet, hatte die extreme Rechte der Stadtverwaltung, nachdem nach den letzten Wahlen die Linke die Leitung der Stadt übernommen hatte, bei der Regierung ein Verfahren anhängig gemacht, das den Zweck hatte, die letzten Wahlen und alle von der damals gewählten Stadtverwaltung getroffenen Verfügungen als ungültig erklären zu lassen. Das soziale Ziel der Haus- und Grundbesitzer ist zu einem hohen Grade durch den Ausgang des Gerichtsverfahrens erreicht worden. Die Definition des Jerusalemer Gerichts bedeutet einen Sieg der Rechten. Sie ging darauf aus, die Menge der Wähler in Tel-Awiw soweit wie möglich zu verkleinern und!orderte deshalb als Grundlage des Wahlrechts die Zahlung einer Grundsteuer (des Wergho). Die Haus- und Grundbesitzer begnügten sich schließlich auf Anraten des Gerichts mit dem Versprechen, daß baldigst Neuwahlen ausgeschrieben werden sollen. Diese werden selbstverständlich aut der Grundlage der neuen Bestimmungen vor sich gehen. Zu den Wahlen (sie werden für Mitte Oktober anberäumt) haben nur ״Steuerzahler“ das Recht zur Beteiligung. Nach der Definition des Gerichts versteht man unter einen! Steuerzahler jemanden, der als Hausbesitzer oder Mieter Steuern zahlt. Wie man sieht, haben die Richter eine breitere Basis gewählt, als es die Kläger, die sich auf die Zahler des Wergho beschränken wollten, verlangt hatten, ln der Tat betonte der Oberrichter, daß zur Grundlage für diese Definition das englische Recht gegolten hätte und daß er mit Bedacht die breitere Basis gewählt hätte. Das ist für diejenigen, die nicht mit Herrn Estermann und seinen Genossen gehen — und das ist die überwältigende Mehrheit der Tel-Awiwer Bürgerschaft — jedoch nur in dem Sinne ein Trost, als man sich ausmalen kann, daß cs noch schlimmer hätte kommen können. Denn wenn man sich die Konsequenzen dieses Schieds- Spruches überlegt, gegen den es nach den Worten des Richters keine Berufung mehr gibt, so erkennt man ohne weiteres, daß durch diese Entwicklung eine Umlagerung aller Kräfte innerhalb der Munizipalität erfolgen muß. Es kann nur der wählen, der ein Haus oder einen Mietskontrakt hat. Das bedeutet, daß verheiratete Frauen, wenn sie nicht zufällig selbst die Mietssteuern zahlen, daß erwachsene Söhne und Töchter, die bei ihren Eltern wohnen, und viele andere Teile der Bevölkerung von der Wahlhandlung ausgeschlossen werden. Ohne Zweifel wird man sich bemühen, den Kreis soweit als möglich zu ziehen. Schon heute bestellt eine Bekanntmachung, daß alle Steuern außer der Scluiisteuer (die man ja auch beim besten Willen nicht mit einem Wohnungskontrakt in Beziehung setzen kann) das Wahlrecht verbürgen sollen. Aber die Akten über dieses Kapitel sind noch nicht geschlossen, und nach den Reden der ״Sieger“ ist zu vermuten, daß sie nicht so leicht nachgeben werden. Und selbst wenn sie bei den Verhandlungen an Boden verlieren sollten, so ist doch durch die Definition, die nicht sehr elastisch ist, eine Grenze gesetzt. Das Vorgehen der Grundbesitzerpartei, das in der ge• samten Presse, abgesehen vom ״Doar Hajom“, mit Ausdrücken wie ״Verrat“ usw. bedacht wird, stellt mit einem Schlage Tel-Awiw in eine neue Situation, Die Herrschaft der Linken wird sich unter den neuen Wahlbedingungen kpim aufrechterhalten lassen. Unter den augenblicklich herrsehenden Arbeiteverhältnissen in Tel-Awiw kann das, wenn wir nicht bis zum Winter in der Bekämpfung der Arbeitelosigkeit weitergekomtnen sind — und das ist nicht leicht anzunehmen — zu schweren Folgen führen. Abgesehen von allen tatsächlichen Aenderungen, die die neue Situation in das größte Zentrum der Einwanderung bringt, ist auch theoretisch diese Wahlmethode nicht zu rechtfertigen, ln ein Land, in dem man daran arbeitet, passende moderne Gesetze zu schaffen, sollte man nicht damit anfangen, die Entwicklung durch diese Gesetze zurückzuwerfen. Und es ist eine künstliche und unsinnige Sache, daß z. B. ein Mann, der ein Haus besitzt und sich überhaupt nicht um politische Dinge kümmert, das Wahlrecht bekommt, während seine Frau, die vielleicht einen geistigen Beruf ausübt oder sein erwachsener Sohn nichts zu sagen haben. Für die Arbeiterschaft bedeutet die neugeschaffene Lage einen schweren Schlag. Besonders da ihre Gegner mit Mittel arbeiten, die nicht zu rechtfertigen sind und die daher von ihr, wenn sie nicht von ihren alten Traditionen abweichen will, verschmäht werden müssen. * In der letzten Woche ging durch die Presse im Lande das Gerücht, daß der palästinensische Hafen nicht in Haita, sondern in Port-Fuad gebaut werden sollte. Es läßt sich vermuten, daß in diesen Tagen so mancher Palästinenser verzweifelt auf seiner Nationalfondskarte nach einem Ort dieses Namens gesucht hat, ohne daß es ihm gelungen wäre, ihn zu finden, bis schließlich eine barmherzige Redaktion durch die Mitteilung aufklärend wirkte, daß es sich um den Flecken im ägyptischen Gebiet gegenüber von Port-Said handelte. Es gab sogleich überlegte Gemüter, die diesen Gerüchten, denen der ״Haarez“ zwei Leitartikel widmete, mit Skepsis gegenüberstanden. Aber nichtsdestoweniger paarte sich die Aufregung mit den gewagtesten Spekulationen über die Sinaihaibinse!, über die neuen Eisenbahnverbindungen, über die neue Bedeutung Beyruths für den Nahen Osten und ähnliches mehr. Als bereits gemeldet wurde, daß sich die arabischen lind jüdischen Kreise, die am Hafenbau tmmittelbar interessiert sind, zu einer Gegenaktion rüsten und nachdem bereits eine Reihe von Telegrammen an die verscliiedenen Londoner Stellen abgegangen waren, erließ die palästinensische Regierung ein Dementi, daß diese Sache überhaupt nicht zur Debatte stände. War auf diese Weise die Aufregung verfrüht, so hat dennoch das Projekt selbst einen gewissen Hintergrund, das heißt, es gibt Personen im Lande, die diesen Plan seit langem verfolgen und ihn zur Durchführung zu bringen versuchen. Als wichtigste Persönlichkeit dieser Art wird der palästinensische Eisenbahnleiter Holmes genannt, der vom Bau eines Hafens am Suez-Kanal eine große Ent- Wicklung des Bahntransportes erwartet und unter diesem Gesichtspunkt für das Projekt Propaganda macht und bereits mit verschiedenen Kreisen darüber verhandelt hat. Jedoch ist es klar, daß dieser Hafen nicht als wirklicher palästinensischer gewertet werden kann, daß sein Bau die Sympathie der Oeffentlichkeit nicht zu erringen imstande ist, daß er nicht — auf ägyptischem Gebiet — aus Mitteln einer palästinensischen Anleihe erbaut werden kann und was dergleichen Gründe mehr sind. Es scheint also, als würde der Plan Port-Fuad, der schon vor zwei Jahren einmal flüchtig auftauchte, wieder, ohne Spuren zu hinterlassen, in der Versenkung verschwinden. » Arbeitsgemeinschaft des Kerem-Kaiemeth, Berlin Am Montag den 30. VIII. abends 81/2 Uhr spricht Herr Kurt Blumenfeld vor der zionistischen 3u3end und den Mitarbeitern des Keren Kajemeth über Unser Bodenproblem Im Schubertsaal des Zahnärztehauses BUlowstr. 104 (am Nollendorlplatz). Eintritt frei. In den letzten Tagen waren wir in Jerusalem Zeuge einiger in Palästina nicht üblichen Skandale, die »ms zeigen, was für ein schweres Erbe uns das letzte Kolonisationsjahr mitgegeben hat. Eine Gruppe von ״Chaluzim“, die schon seit einiger Zeit im Lande nicht gerade rühmlich bekannt sind, randalierte in den Korridoren der Exekutive und stattete sogar dem Gouverneur von Jerusalem einen ßesucch ab. Um es vorwegzunehmen, ohne den geringsten Erfolg. Denn der betreffende Herr erkundigte sich bei der Exekutive über die Forderungen und die Verhältnisse der ״Demonstranten“ und wies sie dann ans Arbeitsamt, wo sie sich cintragcn lassen sollten. Da dieselbe Gruppe aber ein paar Tage nacheinander die Exekutive nicht zur Ruhe kommen ließ, so mußte schließlich die Polizei einschrciteu und mehrere verhaften. An sich gehören zur Krisenzeit auch Arbeitslosen- Skandale. Das ist eine Erscheinung, die wir aus allen Ländern kennen. Und es wäre geradezu ein Wunder, wenn sie bei uns fehlen würden. Und die Oeffentlichkeit würde diesen Zwischenfällen ohne die große Entrüstung gegenüberstehen, wenn sie von den Teilen der Arbeitslosen verursacht wären, die am schwersten von der kritischen Lage betroffen sind. Aber wir stellen immer wieder fest, daß solche Inzidente von Leuten verursacht werden, die politisches Kapital daraus schlagen wollen oder von solchen, die es sehr eilig haben, wieder aus dem Land, in das sie falsche Illusionen oder der Zufall gebracht haben, herauszukommen und die durch diese Einschüchterungspolitik irgendwelchen Gewinn für sich selbst herauszuschlagcn hoffen. Es ist bezeichnend, daß sich nicht nur der Jischuw im allgemeinen in schärfster Form gegen diese Ausschreitungen wendet, sondern daß auch die gesamte organisierte Arbeiterschaft sie aufs energischste bekämpft. Und es ist ja heute kein Geheimnis mehr, daß sich unter eben dieser Arbeiterschaft Hunderte befinden, die allen Grund hätten, nicht mehr auf die Stimme der vernünftigen Ueberlegung zu hören und auf irgendwelche Weise zu versuchen, sich — und sei es aut illegale Weise — zu helfen. Aber wir sehen immer wieder, daß diese Gruppen, die Unruhe verursachen und Geschrei erheben, es nicht vermocht haben, sich in diesem Lande zu akklimatisieren, weil sie es von vornherein nicht wollten oder weil sie gar nicht dazu fähig waren. Paläsfinafähig sein — das ist ja heute schon ein ziemlich klar umrissener Begriff. Für jemanden, der diese Vorfälle nicht nur vom Standpunkt des Landes, sondern der gesamten zionistischen Bewegung betrachtet, ist immer wieder eine spezifische Erscheinung auffallend. Für den Mißvergnügten oder Erfolglosen ist immer Palästina schuld. Wenn jemand nach Mexiko oder Argentinien auswandert und dort keine Arbeit bekommt oder krank und elend wird, so kann er nicht gut Mexiko oder Argentinien beschuldigen, und es wird ihm auch gar nicht einfallen, ln Palästina ist das ganz anders. Die zionistische Exekutive ist hier gewissermaßen für alle? verantwortlich, für die Hitze, für die Malaria, für den Staub, für den Autoverkehr, für die politische Lage, für den Arbeitsmarkt, kurz für alles. Warum, bleibt eigentlich unerfindlieh. Und diese Frage sollte sich so mancher sowohl innerhalb wie außerhalb des Landes einmal ernstlich vorlegen. * ln den letzten Tagen ist nach langen Verhandlungen der Vertrag zwischen der Kehillat Zion und dem Sold Boneh über die Sanierungsarfaeiien auf dem Gebiete der Haita- Bucht (Böden der Haifa Bay Development Company) unterzeichnet worden. Es handelt sich um die Trockenlegung von Sümpfen, die Anlage eines neuen Bettes für einen Wadi, der das Gebiet durchströmt, und 11m die Anlegung von Straßen. Insgesamt beträgt die Arbeit 30 000 Pfund, von denen die Exekutive 10 000 Pfund als Anleihe bereitgestellt hat. ln diesen Arbeiten werden 400 Arbeiter sechs Monate hindurch beschäftigt werden. Es werden Arbeitslose aus Tel- Awiw, Haifa und Afule eingestellt. Für den palästinensischen Arbeitsmarkt bedeutet der Beginn dieser Arbeiten eine gewisse Erleichterung. Durch alle möglichen Maßnahmen und Anstrengungen wird man die vorhandenen Arbeitemöglichkeiten ״strecken“ und auf diese Weise zum mindesten einige Hunderte vor der schwersten Not bewahren. Aber wir wissen heute alle, daß wir damit nur Teilarbeit leisten und daß zur Liquidation des heutigen Zustandes Mittel notwendig sind, wie sie dem Zionismus im Moment nicht zur Verfügung stehen. Und so ״hält man in Palästina durch“ und wartet, ohne es recht zuzugeben, auf das Wunder. Und es kommt meistens auch, wenn auch in etwas zu geringen Rationen. Die transjordanische Grenzschutzmacht soll durch eine nur in Transjordanien durchgeführte Rekrutierung erweitert werden. Meeting des Keren Kajemeth Lejisraei Sonnabend den 4. September 1926 Ref.: Dr. Alfred Klee, Oberregierungsrat Hans Goslar Adolf Pollak. Näheres wird noch bekannt gegeben. Besehlfliie 4er Misrachi-Weltkenlerenz Antwerpen, 20. August. (J.T.A.) Von den Be- Schlüssen der in Antwerpen abgehaltenen 111. Weltkonferenz des Misrachi sind noch hervorzuheben: Stellung zur A g u d a 11. Die Wehkonferenz des Misraclii bedauert die in den Reihen der orthodoxen Judenheit bestehende Spaltung und fordert den ״Merkas Olam i“ (Weltrat) des Misrachi auf, wieder in Fühlung mit der Agudah zwecks Herbeiführung einer Verständigung und Vereinigung der gesamten orthodoxen Judenheit zu" treten. Misrachi und Völkerbund. Die Misrachi-Weltkonferenz protestiert gegen die Taktik der zionistischen Exekutive, die in ihren Wendungen an den Völkerbund die Existenz des Misrachi verschweigt. Die Palästinensische Gcmcindeordnung. Die Misrachi-Weltkonferenz spricht sich für die Schaffung eines geeinten jüdischen Gemeindewesens in Palästina aus. Die jüdische Gemeinde soll alle jüdischen Landesbewohner in sich einschließcn; Austrittsfreiheit hat nur derjenige, der aus dem Judentum austritt. Jedoch sollen verschiedene Gruppen innerhalb der Gemeinde mit Bezug auf religiöse Fragen Autonomie erhalten, insofern sie auf der Basis des Aufbaus eines jüdischen Palästina und der jüdischen Religion stehen. Kolonisation jenseits der Landesgrenzen. Die Misrachi-Weltkonferenz begrüßt den Plan einer Ausdehnung des jüdischen Kolonisationswerks auf Transjordanien lind Syrien. Kolonisation. Die Misrachi-Weltkonferenz beschließt, daß die Tätigkeit des Merkas Olami in Angelegenheit von Arbeit und Arbeiter durch den Hapoel Hamisrachi geführt werden müsse. Die Konferenz fordert den Merkas auf, für die Mi ttelstands Siedlung einzutreten und fordert die zionistische Leitung auf, sofort an die Schaffung einer Hypotheken- und Industriebank zu schreiten. Die Konferenz sprach sich noch gegen den Einh e i t s - S c 11 c k e 1 aus und richtete einen Appell an die orthodoxen Juden Amerikas und an die amerikanischen orthodoxen Rabbiner, sich mit allen Kräften an dem vereinigten P a I ä s t i 11 a - D r i v e zu beteiligen. Emplan!) l&r Nabnm Sokolow in Tel-Awiw Jerusalem, 18. August. (J.T.A.) Aus Anlaß der Anwesenheit von N a 11 u in S o k o 1 o w, in Palästina veranstaltete der Stadtrat von Tel-Awiw einen Empfang zu Ehren des Gastes. Der Bürgermeister von Tel-Awiw hielt eine Ansprache an Sokolow. Sokolow erwiderte, die beste Huldigung für einen Zionisten sei der Anblick der Stadt Tel-Awiw, die in ständiger Aufwärtsentwicklung begriffen ist. Er schilderte seine Erlebnisse auf der Keren Hajessod-Tournee in Südafrika und sagte, der Enthusiasmus der fernen jüdischen Gemeinschaft in Südafrika für das Aufbauwerk in Palästina biete Gewähr dafür, daß sich die Judenschaft ihrer Pflicht bewußt sein wird. Die Aaswanderusg ais Palästina Jerusalem, 23. August. (J. T. A.) Laut einer soeben veröffentlichten Mitteilung sind im Monat Juli 989 Personen ans Palästina ansgewandert; von diesen waren 810 Juden. Im Monat Juni wanderten aus Palästina 875 Personen aus, unter ihnen 603 Juden. Im Haarez vom 30. Juli, bespricht J. K. das Anschwellen »der Auswanderung, das sich in der letzten Zeit gleichzeitig mit der Abnahme der Immigration bemerkbar macht. Diejenigen, die das als gutes Zeichen betrachten; vergessen, daß das Schlagwort ״der Aufnahmefähigkeit des Landes angemessen“ konsequenterweise zu dauernder Immigrationssperre führen muß. Das Land an sich war noch niemals als Immigrationsland besonders geeignet. Erst durch die Ein- Wanderer selbst, die den Boden bereiteten, wurden für die Nachkommenden neue Existenzmöglichkeiten geschaffen. Wir wollen auch in der Kritik an dem Geschaffenen nicht übertreiben. Eine ganze Reihe von dauerhaften Werken ist in Palästina trotz aller Schwierigkeiten de? Aufbaus entstanden, und ihre Gründung fällt meist gerade in die Zeiten der lebhaften Einwanderung. Das Prinzip der freien A 1 i i a h muß deshalb auch weiterhin aufrechterhalten bleiben. Wer sich den besonderen Bedingungen des Landes .nicht anpassen konnte oder hier nur ein Glück probieren wollte und dabei gescheitert sei, der täte besser fortzugehen a's die Stimmung des Jischuw durch ,.Miesmachen“ zu verderben. Es gcschabe in einer Art Wellenbewegung, daß regelmäßig Einwanderungsmafsen ins Land strömen und ebenso regelmäßig e׳n Teil von ihnen zurückgeworfen wird. Für dieienigen aber, die guten Willens waren und nur infolge der Ungunst der Verhältnisse fortreisen mußten, hoffen wir, daß sie bald wieder zur Teilnahme an unserem nationalen Werke zurückkehren können. Der Ifamsbesitierprozeß!■ Tel-Awiw In dem Prozeß der Hausbesitzer Tel-Awiws gegen die Stadtverwaltung hat der oberste Gerichtshof eine Entscheidung über den Begriff ״Steuerzahler“ getroffen, die einen Sieg der Hausbesitzer bedeutet und zugleich die Befurchtun gen weiter Kreise rechtfertigt. Der Begriff des Sfe׳׳er- Zahlers und damit das Wahlrecht ist abhängig von dem Besitz von Immobilien. M. G. schreibt darüber im Haarez vom 1. S. folgendes: Nach dem Spruch des Gerichts ist die erste l'ha-e in dem Prozeß der Hausbesitzer abgeschlossen. Ein neuer Kampf mag beginnen. Unser Verhältnis zu der üblen Ange'egerheit von Anfang an ist bekannt, und es erübrigt sich, jetzt noch viel dazu zu sagen. Ungefähr die Hälfte der Einwohnerschaft Te!-Awhvs ist jetzt, selbst wenn sie anderer Steuern zahlt, ihres Wahlrechts beraubt. Es ist unmöglich, sich den Aufbau eines jüdischen Gemeinwesens in Erez-Israe! ohne die elementaren Prinzipien der Demokratie, Gleichberechtigung und demokratisches Regime vorzustcl'en. Erstaunlich in höchstem Maße ist, daß diese primitive Erkenntnis den Hausbesitzern in Tel-Awiw, unter denen sich im Dienste der Allgemeinheit ergraute Männer befinden, abgeht und sie nicht sehen, daß an dem Tage, an dem durch Juden selbst den Bnrlern.iii der gleichen Stadt das Bürgerrecht geraubt wird, das moralische Recht verwirkt worden ist, von unseren Brüdern im Galuth Hilfe für unser Aufbauwerk im Lande zu fordern. Die einzige Waffe in unseren Händen verlieren wir, indem wir den Zionismus zu einer reaktionären undemokr,Tischen Bewegung machen. Wenn sich trotz allem Leute finden, die es fertigbringen, mit dem Geschehenen ein Kompromiß zu schließen, das nationale und moralische Urteil über jene Männer Ist gefällt und durch nichts zu erschüttern. London, 24. August. (J. T. A.) Der J. T. A. wird offiziell jnitgeteiit, daß Herr Bernhard Baron Aktien der von Pincas Ruthenberg begründeten Palestine Electric Corporation im Betrage von 100 0ö0 £ käuflich erworben hat. In der Zeit vom Oktober 1025 bis Juli 1021 betrug der Umsatz der Konsumgenossenschaft der jüdischen Arbeiter in Palästina .,Hamaschbir“ rund £E. 160000.