Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXI (1926)
- Issue
- Heft 66-67 (17.8.1926)
- Date
- 1926-08-17
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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- Kurt Blumenfeld 2× ep/1009257
- Alfred Klee 1× ep/1023208
- Erich Cohn 1× ep/1004405
- Ernst Simon 1× ep/1009494
- Gustav Landauer 1× ep/1025282
- Hans Beyth 1× ep/1008296
- Jakob Klatzkin 1× ep/1011037
- Martin Buber 1× ep/1009258
- Nahum Goldmann 1× ep/1009262
- Peretz Naftali 1× ep/1009282
- Robert Weltsch 1× ep/1000026
- Salman Schocken 1× ep/1025578
- Siddy Wronsky 1× ep/1035294
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Seite 482 IUED1SCHI RÜFfßSCHÄO Nr. «6/« Mein Referat mußte ich relativ kurz halten und konnte nur einen einzelnen Punkt, ein Teilproblem aus einem ungebeuren Material behandeln. Daher hat Samuel Unrecht, wenn er mir vorwirft, daß ich nicht auch die wirtschaftliche und soziale Seite der judenfrage besprochen habe, denn ich weiß genau, es gibt noch andere Kraftquellen unserer Bewegung und unserer Erkenntnis, aber Samuels natuTgesetzliehe Betrachtungsweise der Entwicklung ist nicht richtig, und wir haben keine genau geschiedenen jüdischen Gruppen, sondern die Judenheit, innerhalb derer wir leben, ist im Gründe genau so geartet und in den gleichen Bedingungen wie wir, und cs ist unser spezifisches Problem, diese Situation 7.11 entlarven. Wir wehren uns dagegen, daß der Zionismus historisch eingereiht wird als ein Stadium einer geschiehtliehen Entwicklung. Es gibt freilich noch andere Arten der Flucht vor der zionistischen Verpflichtung. Es war hier vom Kommunismus die Rede. In chaotischen Zeiten kommt cs immer wieder vor, daß Gemeinschaften von Anerkennern von Ideen gebildet werden, die nicht durch wirkliche Lebensrealitäten verbunden sind. Es kommt darauf an, ein System aufzustellcn, das man gedanklich bejaht. Dies ist verbunden mit einem Versuch, sich von sich selbst zu distanzieren, und wo eine verpflichtende Forderung an den einzelnen herantritt, entgeht man dieser, indem man sich einer Idee anschließt, die nicht unmittelbar für das Lehe 1 wird. Demgegenüber müssen wir die Bewegung stc nie in ihrem Werk und durch die schwcigende Existenz Menschen in ihren Bann zieht, und zwar ist es gerade das Unvollendete, das diese Wirkung erreichen muß. Ich warne davor, auf gleiche Ebene mit der zionistischen Entscheidung etwas anderes zu setzen. Wenn unser Dielegiertentag Kulturfragen behandelt, so müssen wir uns klar sein, daß es unsere Aufgabe ist, die Voraussetzungen für ein reicheres jüdisches Leben zu schaffen, aber es besteht die Gefahr, da(! man Einzelaktionen verselbständigt. Es darf aus diesen unseren Bestrebungen keine Verachtung des politischen Tuns entstehen, wie cs allerdings heute einer allgemeinen Weltstimmung entsprechen würde, der das leidenschaftliche Vertrauen zur Verwirklichung einer Idee fremd ist. Jeder Versuch, indirekt Zionismus zu erzeugen, etwa auf dem Umweg über Gemeindepolitik, Kulturpolitik usw. ist verloren, wenn nicht der Anstoß durch die zionistische Erkenntnis hinzutritt. Das zentrale Problem ist und bleibt ,die Erkenntnis unserer jüdischen Situation und die Entlarvung der jüdischen Welt, die mit illegitimen Mitteln gegen uns kämpft. Ich wies darauf hin, daß unsere Gegner viele Elemente unserer Ideologie von uns übernehmen. Ernst Simon irrt sich, wenn er meint, daß ehya durch eine Aufnahme der jüdischen Tradition in unsere Ideologie diese Uebernahme schwerer würde. In Wirklichkeit sehen wir doch, daß gerade auch diese religiösen Dinge zum Schein von den anderen angenommen und zu leeren Phrasen degradiert werden. Das ist ja gerade das schrecklichste an dieser Situation, daß durch diesen Vorgang auch das Heilige profaniert wird. Auch die jüdische Religion wird ihrer verpflichtenden Kraft beraubt, indem man sie banalisiert. Wir sind immer von neuem erschreckt von der Fülle des Unschönen, das sich in der Handlungsweise unserer Gegner offenbart, und wir sind überzeugt, daß der Kampf innerhalb des Judentums in allen Ländern in ähnlicher Weise geführt werden muß. Unser Delegiertentag zeigt seine Stärke dadurch, daß offen Kritik geübt wird und wir nicht nur Phrasen der Zu- Stimmung füreinander haben, wie wir sie von anderen jüdisehen Tagungen kennen. In allen Aeußerungen auf unserer Tagung müßte jedoch zum Ausdruck kommen, daß wir Einzel- ’heilen der Arbeit kritisieren, uns jedoch der Zionismus als Ganzes verbindet. Wir müssen den Mut haben, den Zionismus ,,,immer wieier 4fanz von Anfang zu beginnen, dann kommt auch eine Reinigung der eigenen Reihen. Die Besonderheit unseres Zusammenhanges liegt darin, daß wir in der scharfen und herben Luft der Kritik die vollständige Einheitlichkeit empfinden können. Gustav Landauer sagte einmal: ״Die Menge ist keine Masse, erst in der Bewegung gelangen die einzelnen, die sich zusammenschließen, durch die Kraftquelle der Bewegung zum Gefühl der verbundenen Masse/' Unsere Aufgabe ist es, der zionistischen Bewegung in dieser Arbeit innere Sicherheit und Stärke zu geben. (Lebhafter Beitall.) * Hierauf erstattet Dr. K a n o w i t z sein Referat über ״Die zionistische Jugendbewegung in Deutschland". Nach dem Referate, das wir in der nächsten Nummer veröffentlichen werden, wird die dritte Sitzung geschlossen. Montag nachmittag findet eine geschlossene Sitzung des Keren Hajessod statt. Die Plenarsitzung des Delegiertentages wird um 6 Uhr wieder eröffnet. In dieser 4. Sitzung erstattet Dr. Woifsberg sein Reierat über ״Das zionistische Bildungsproblem in Deufcchland“. Im An- Schluß daran wird die Aussprache eröffnet und die 4. Sitzung um 9 Uhr abends geschlossen. Die 5. Sitzung findet Montag abend 10 Uhr statt und wird durch das Referat von Dr. Martin Buber ״Volkserziehung als unsere Aufgabe" eingeleitet. Nach einer Ausspräche wird die Nachtsitzung um 1 Uhr geschlossen. In der 6. Sitzung wird die Aussprache über die Referate zum Kultur- und Erziehungsproblem zu Ende geführt. Sodann hält Dr. Ruppin ein Referat über die Vorb ereitung für Palästina und im Anschlüsse daran Felix Ros enb lüth ein Korreferat. Es folgt eine Diskussion über Palästinafragen, nach deren Abschluß unmittelbar die Schlußsitzung eröffnet wird. Vorher erinnert der Vorsitzende Schachtel- Breslau an das Jubiläum des K. K. L,, der im Dezember 1926 auf eine 25jährige Tätigkeit zurückblicken wird. Schachtel regt an, den XXL Delegiertentag in das Goldene Buch des J. N. F. einzutragen. Dieser Antrag wird mit stürmischem Beifall aufgcnommen, und eine sofort eingeleitete Sammlung erbringt fa«t das Doppelte des zur Eintragung notwendigen Betrages. * Den Bericht über die 4., 5. und ö. Sitzung werden wir in der nächsten Nummer der J ü - fischen Rundschau nachtragen. Die Schliß •Sitznng Der Vorsitzende Dr. Landsberg erteilt zunächst dem Referenten der Budget-Kommission, Dr. G e r s o n, das Wort, dessen Bericht bezüglich des Etats der Z. V. f. D. für 1926/27 einstimmig angenommen wird. Namens des Permanenzausschusses erstattet dessen Vorsitzender Dr. M os e s - Zwickau Bericht. Al; Ergebnis der Generaldebatte hat der Permanenzausschull wei eingebrachte Anträge beraten, die dem Plenum zur Abstimmung vorgelegt werden. Der Antrag der Mehrheit im Permanenzausschuß lautet: *־ Der Delegiertentag billigt die Politik, die der Vorsitzende der Z. V.t.D. in seinem Refarate dargelegt und die die Leitung der Z.V.t.D. in ihrer gesamten Arbeit verfolgt hat, sowie die grundsätzliche Haltung der ״jüdischen Rundschau“. Dr. Moses berichtet, daß der erste Teil dieses Antrags tm Permanenzausschuß einstimmig angenommen worden »ei, der zweite Teil (betr. Redaktion ״j. R.") mit allen gegen drei Stimmen. Es sei auch im Plenum eine getrennte Abstimmung vorgesehen, Dr. Moses: Weiters ist eine Resolution von Dr. Goldmann eingebracht worden, die lautet: ״Der Delegiertentag begrüßt die vom Aktions-Comitd in seiner letzten Sitzung gefaßten Resolutionen, in der die Nichterfüllung wesentlicher Forderungen der Zionistischen Organisation durch die Mandatarmacnt In Palästina beanstandet und von derselben die Einleitung einer Politik der aktiven Unterstützung des jüdischen Aulbauwerkes in Palästina verlangt wird. Der Delegiertentag beauftragt die*Leitung der Z.V.t.D. dafür Sorge zu tragen, daß bei allen Verlautbarungen der Z. V. t. D., insbesondere der ״Jüdischen Rundschau , diese Forderungen des A.-C. entschiedener als bisher vertreten werden“. Der Permanenzausschuß war zwar der Ansicht, daß eine spezielle Resolution bezüglich der Forderungen des A.-C. unnötig sei, da der Vorsitzende der Z.V.f. D. in seinem Referate sich ausdrücklich auf den Boden dieser Politik gestellt hat, so daß durch die Annahme des ersten Antrages (Billigung der Politik des Vorsitzenden) bereits auch diese politische Stellungnahme mit ausgedrückt wäre. Da aber der Antrag eingebracht wurde, hat der Permanenzausschuß e i nstimmig den ersten Absatz der Resolution Goldmann zu seinem eigenen Antrag gemacht. Was jedoch den zweiten Absatz betrifft, war der Permanenzausschuß der Ansicht, daß dieser Absatz dem Sinne nach dem ersten Antrag, der die Haltung der Redaktion billigt, widerspricht. Es wurde daher beschlossen, den zweiten Absatz des ersten Antrags und den zweiten Absatz des Antrags Goldmann alternativ abzustimmen. Das Wort erhält Goldmann zur Begründung des Antrages. Goldmann erklärt, die milde Fassung sei gewählt worden, weil er kein Mißtrauensvotum gegen Dr. Weltsch cinbringen wolle. Auch die Kritiker der ״Rundschau“ wollen nicht, daß Weltsch seinen Posten verläßt. Es handle sich lediglich um eine Einflußnahme auf den künftigen politischen Kurs, und dies sei um so notwendiger, als Weltsch in seinem gestrigen Schlußwort sich wieder auf den Boden des Weißbuches gestellt hat. Dr. Weltsch erklärt demgegenüber, er könnte den harmlosen Wortlaut dieses Antrages akzeptieren, wenn nicht die Generaldebatte gewesen wäre, aus der hervorgeht, daß etwas anz anderes gemeint ist als Goldmann heute hier vorrächte. Die Resolution bedeute ein klares Mißtrauensvotum, das durch die Textierung verschleiert werden soll. Redner ersucht daher, diesenי Antrag abzulehnen. Im Verlaufe einer Geschäftsordnungsdebatte erklärt dann auch Dr. Goldmann entgegen anders lautenden Meinungen, der zweite Teil seines Antrages müsse alternativ gegen den Antrag aut Billigung der Hauung der Redaktion ^gestimmt werden. Die Abstimmung Bei der folgenden Abstimmung wird der erste Teil von Antrag 1 (Billigung der Politik des Vorsitzenden der Z.V.t.D. mit allen gegen drei Stimmen (Revisionisten), der erste Teil des Antrages Goldmann einstimmig angenommen. Der zweite Teil des Mehrheitsantrages (Billigung der Haltung der Redaktion) erhält die Zustimmung der überwältigenden Mehrheit des Delegiertentages, der zweite Teil des Antrages Goldmann erhält nur eine geringe Stimmenanzahl. ■ Die WaMett - Nach Annahme einiger Statutenänderungen, die wir nachtragen werden, finden hierauf die Wahlen der neuen Leitung, der einzelnen Ausschüsse und Funktionäre der Z. V. f. D. statt. Die Statutenänderungen enthalten auch die Aenderung der obersten Organe, indem ein Geschäftsführender Ausschuß in Berlin und ein über ganz Deutschland sich erstreckender Landesvorstand, der alle 3 Monate tagen soll, vorgesehen werden. Unter stürmischem Beifall werden Kurt Blumenfeld als Vorsitzender und Dr. Martin RosenblQth als stellvertretender Vorsitzender wiedergewählt. Geschäftsführender Ausschuß: Erich Cohn, Isaac Feüerring, Herbert Foerder, Max J. Kober, Fritz Naphtali, Aron Sandler, Moses Waldmann, Robert Weltsch. Mitglieder des Landesvorstandes: Alfred Apfel, Elieser Ascher, Hans Beyth, Hans Bloch, Erich Buchholz-Hamburg, Benno Cohn-Berlin, Walter Deutschmann-Oppeln, Erhard, Harry Epstein-Duisburg, Sigmar Ginsburg-Königsberg, Nahum Goldmann, Nathan Grünstein-Frankfurt a. M., Walter Heilbrunn, Sally Hirsch-Halberstadt, Max Jacobsohn-Breslau, Siegfried Kanowitz, Benno Kohn-Frankfurt a. M., Max Kollenscher, Jakob Klatzkin, Alfred Klee, Hans Kuhn, Richard Lichtheim, Alfred Landsberg-Wiesbaden, Rudolf Möller-Hamburg, Siegfried Moses-Zwickau, Meinhold Nußbaum-Nürnberg, Bruno Nathan-Köln, Hans Pomeranz- Elberfeld, Arthur Kau, Jakob Reich-München, Rabin-Breslau, Egon Rosenberg-Berlin, Julius Rosenfeld-Karlsruhe, Rudolf Samuel-Breslau, Hugo Schachtel-Breslau, Salman Schocken, Zwickau, Ernst Simon-Frankfurt a. M., Max Soloweitschik, Louis Tumpowsky-Leipzig, Wolfsberg, Wolfheim-Erfurt, Frau Siddy Wronsky. Finanzausschuß: Vorsitzender: Dr. Georg Gerson, Mitglieder: Dr. Albert Baer, Hugo Frankel, Siegfried Hirsch, Willy Preiß, Dr. Alfred Schwarz, Dr. Werner Senator. Revisoren: Lazarus Barth, Hugo Woifermann; Stellvertreter: Dr. Berthold Cohn, Alfred Frank. Ehrengericht der Z.V.f.D.: Vorsitzender: Dr. Moritz Biteski; Stellvertretender Vorsitzender: Dr. Herrmann Leiewer; Weitere Mitglieder: Dr. Martin Ascher, Dr. Herbert Foerder, Justizrat Hans Steinitz, Dr. Paul Sulzberger; Ehrengerichtsanwalt: R.-A. Erich Cohn- Berlin. Erz! ehu&gs ausschuß: Vorsitzender: Schocken; Mitglieder: Dr. Buber, Dr. Woltsberg, Dr. Soloweitscnik, Dr. Max Mayer, Studienrat Hammerstein. Dieser Ausschuß hat das Recht, weitere Mitglieder zu kooptieren. Dr. Moses erklärt, daß die eingebrachten Anträge zur Kulturarbeit und Erziehung dem Ausschuß überwiesen werden. Durch die Wahl von Dr. Buber sei auch die prinzipielle Zustimmung des Delegiertentages zu dem Projekt des V o I k s - hochschulheimes zum Ausdruck gebracht; der Kulturausschuß werde die Frage weiter behandeln. Desgleichen werden auf Antrag des Permanenzausschusses die Anträge betreffend Unterricht, Gemeindcarbeit und Presse dem Landesvorstand überwiesen. Schliß der Tagung Kurt Blumenfeld (den Vorsitz übernehmend!: Wir sind am Schlüsse des Deiegiertentages angelangt. Icn habe zunächst die angenehme Pflicht, den Behörden und den Organen der Regierung und Stadt, die uns hier so freundlich be unserm Freunde" Dr. Wolfheim und der zionistisch«) Ortsgruppe Erfurt für ihre unermüdliche Mitarbeit bei der Vorbereitung und Durchführung der Tagung, allen unsere!! Helfern, vor altem auch der Jugend. Ich danke ferner nochmals Herrn Bernson, dem Verfasser und Leiter des schön«! Sprechchors, der unsere Arbeit eingeleitet hat. Ich danke den Referenten unserer Tagung, vor allem den Herren Dr. Buber und Dr. Ruppin, die unsere Verhandlungen so wertvoll bereichert haben. Ich danke dem Büro für seine aufopfernde Arbeit und schließlich dem Präsidium des Delegiertentages für seine ausgezeichnete Leitung der Verhandlungen. Geehrter Delegiertentag! Sie haben gewiß eine Reso lution über Keren Hajessod vermißt. Wir waren der Ansicht, daß wir eine solche Resolution nicht einbringen sollen, weil sie nur dasselbe besagen könnte, was schon bei vielen Tagungen beschlossen worden ist. Aber wir wollen doch zum Ausdruck bringen, daß wir alle uns dessen bewußt sind, dafi der Erfolg des Keren Hajessod auf der Arbeit der Zionisten beruht. Unsere erste Aufgabe im nächsten Jahre wird es sein, alle Zionisten für den Keren Hajessod zu erfassen. Wir rechnen damit, daß jeder Zionist selbst in seinem zionistischen Pflicht bewußtsein nicht nur zur Leistung für den Keren Hajessod, sondern auch zur aktiven Mitarbeit sich verbunden fühlt. Die Tagesordnung unseres Delegiertentages war sehr be• setzt, und wir konnten doch nur einen Teil der wichtigen Fragen behandeln. Die Palästinadebatte war ein wesentlicher Teil des Delegiertentages, und da ich wegen der Kürze der Zeit nicht mehr zu Worte kommen konnte, habe ich das Bedürfnis, hier meine volle Zustimmung zu erklären zu den Darlegungen und Forderungen von Felix Rosenblüth, die die Arbeit der künftigen Leitung der Z. V. f. D. bestimmen werden. Unsere Aufgabe aut dem Gebiet der Jugendarbeit ist die Ueberwindung eines übertriebenen Individualismus. Dies wird nur möglich sein, wenn auch von seiten der Jugend in de! Zusammenarbeit Vertrauen entgegengebracht wird, das nicht Zustimmung in allen Einzelheiten bedeuten muß, aber auch im Kampf der Anschauungen vorhanden sein muß. Unser Ziel war die Charakterbildung und die Frage des Zionismus im Lande ist eine Charakterfrage. In meinem Referate habe icl* darauf hingewiesen, daß die überflutenden Kräfte der Bewegung im Gajuth erforderlich sind, damit ein Teil dieser Energien in Palästina geregelte und geordnete Gestalt gewinne» könne. Unsere Arbeit zwingt uns, eine Art Zweiteilung der Funktion anzuerkennen, Pioniertum und Helfertum, wie es Buber nannte. Um das Helfertum ist es heute vielleicht noch schlechter bestellt als um das Pioniertum. Fü! Jahrzehnte wird es einen Zionismus geben müssen, auf dem die entscheidende Last liegen wird, die Grundlagen für das neue Leben zu schaffen. Geehrter Delegiertentag! Sie haben uns gewählt, und war nehmen die Wahl an. Wir können aber unseren Aufgaben nur gewachsen sein, wenn man das Vertrauen zu uns hat, das in einer freudigen Mitarbeit besteht, als gemeinsame Diener einer Sache, die über uns steht, in der wir leben und der wir mit dem Aufgebot aller unserer Kräfte gerecht zu werden versuchen. Die Auseinandersetzung auf unserem Delegiertentag ist_ freimütig und verantwortungsvoll geführt worden. Der Geist, der unsere Tagung beherrscht hat, berechtigt uns z« sagen, daß wir, die wir eine Wirklichkeit repräsentieren, die einzige gestaltende Kraft innerhalb der jüdischen Welt sind. Die anderen orientieren sich nach dem Zionismus. Wir treten mit Entschlossenheit in die neue Arbeitsepociu ein und verlangen von allen aktive Mitarbeit und Unterstützung der Leitung. Dazu gehört auch, daß Sie uns die materiell; Möglichkeit zur Arbeit geben durch pünktliche Einhaltung der materiellen Parteiverpflichtungen, wir sind uns bewußt, daß noch vieles uns fehlt und viele Aufgaben auf uns warten! aber wir sehen auch, welohe lebendige Kraft in uns ist Trotz aller Schwierigkeiten finden wir in unserer Arbeit Befriedigung, weil wir die Sicherheit haben, eine Wahrheit zu vertreten, die sich unter allen Umständen durchsetzt Der XXL Delegiertentag der Zionistischen Vereinigung für Deutschland ist geschlossen. (Lebhafter Beifafi, Hatikwah.) Ueber die geschlossenen^itzungen des Nationalfonds am 22. Augu*f und des Keren Hajessod am 23. August, die überaus eindrucksvolle Kundgebungen der Hingabe des deutschen Zionismus an diese wichtigsten Aufbaufonds darstellten, werden wir in einer der nächsten Nummern ausfiihrlich berichten. Konferenz von Piafe Zioi und Zcire 110■ ia Polen Warschau, 20. August. (J.T.A.) Heute wurde in Warschau die erste gemeinsame KonL.nz der vereinigten Parteien Poale Zion (Weltverband) und Zeire Zion eröffnet. Anwesend waren 126 Delegierte, die 86 Ortegruppen vertraten, sowie zahlreiche Gäste. Herr Berl Locker begrüßte die Konferenz im Narten des Weltverbandes Poale Zion. Semjabgeordneter Ignatz Daszynski ,der bekannte Führer der polnischen sozialdemokratischen Partei (P. P. S.) und ehemaliger Vizepremier der polnischen Republik, übermittelte der Konferenz die Grüße seiner Partei. Es wurden noch Begrüßungstelegramme der Landesverbände der Poale Zion in Palästina (Achduth Awodah), den Vereinigten Staaten, Deutschland, England, Belgien u. a. m. verlesen. Das Schreiben der palästinensischen Poale Zion war in jiddischer nicht hebräischer Sprache abgefaßt. Gleich bei Eröffnung der Konferenz kam es zu heftigen Auseinandersetzung«! zwischen Hebraisten und Jiodischisten. Anlaß hierzu gab die in hebräisch gehaltene Ansprache des Vertreters des weit• verbandes Hechaluz, Herrn Bogdanowsky. Die Jiddi• schisten protestierten gegen die ihrer Meinung nach geübte Bevorzugung der hebräischen Sprache, die Fiebraisten er• klärten diesen Protest als ganz und gar unberechtigt Die Erregung stieg, so daß die Verhandlungen für zwei Stunden unterbrochen werden mußten. — Die Beratungen werden drei Tage in Anspruch nehmen. י Me Typhasepidemie zim Stillstand gebracht Jerusalem, 18. August. (P. C.) Nach dem Berichi des ״Waad Hebriuth“, des Gesundheitsamtes der zionistischen Palästina-Exekutive vom 12. August ist ein bemerkenswerter Rückgang in der Zahl der Typhus• tälie im Emek zu verzeichnen, ln den ersten zehn Tagen des August wurden nur 5 neue Fälle gemeldet, gegenüber 12 Fähen in der zweiten Hälfte des Juli, 40 in der ersten Hälfte, und 96 iri Monat Juni.