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Jüdische Rundschau · 1926-08-17 · Heft 66-67 (17.8.1926) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXI (1926)
Issue
Heft 66-67 (17.8.1926)
Date
1926-08-17
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 68107 JUEDI5CHE RUNDSCHAU Seite 48! 17 Die opnwir Wergäbe “Das und erer. 2incr ircli. bc- Wir 1 in (leim Inen. : die tun q vickglich e ic isclie :rnsi be■ :Heu nehi tztet!ehe! engeher ffo• Ent ,'11 c- :sser [lancigen ent tung ntas Wel; laup■ hau‘ aus zung •Auf 5m us egic zollt lästi aucl lurct ' ge freu siet icliet stina des dei 1 be eher eher einei väre ׳ dii inter, chen Wirt- Mich ieren eden raushat. lau“,!eure Man smus rund nken ganz sind sätzc , als dner!kenab«!inen ■ die Inen, chen eng- Grkpiele der führt [liehcliau t Beihat, s zu von altet siiii .1 :iner ■ ist, Be- [and, ״and daii nmi- E. 11• einer nann ngen vereben die ieser men, .!Sen, tisch aus chad dern selle getsch: wo tikel bzti* der vird. Ich gehöre nicht zu den Revisionisten, aber sie haben in vielen punkten recht gehabt und recht behalten. Die Haltung der Revisionisten in Palästina hat auf die zionistische Exekutive Finfluß gehabt. Der Grundgedanke der Jabotinskyschen Kritik, jaß man von England viel fordern muß, um etwas zu erhalten, ist durchaus richtig. Es ist also nicht recht, wenn man in jer Rundschau über den Revisionismus nichts anderes berichtet als einige Dummheiten junger Leute in Wien. Eine ernsthafte Auseinandersetzung mit Jabotinskv hat bisher in der Rundschau nicht stattgefunden, und in afi dem steckt ein Mangel an politischem Denken. Ich bin der Ansicht, daß?ich in dieser Sache die Leitung der Z.V. f. D., von der einreine Mitglieder gleichfalls mit der Haltung der ,,Jüdischen Rundschau“ nicht einverstanden sind, weniger passiv verhalten solle. Adler (Misrachi) stellt fest, daß der deutsche Misrachi in besonders enger Zusammenarbeit mit der Z. V. f. D. stehe. Er habe sich stets in jeder Hinsicht als Teil des deutschen Zionismus gefühlt, mehr als misrachistische Organisationen in anderen Ländern ihren Landesverbänden gegenüber zu tun pflegen. Eben deshalb glaube er aber einen besonders starken Anspruch an den deutschen Zionismus erheben zu müssen. Der propagandistische Teil des Blumenfcldschcn Referates habe sich wesentlich mit der Erfassung dos assimilierten Judeniums beschäftigt. Ihnen stunde aber als wertvoller Teil der deutschen Judenheit die Orthodoxie gegenüber. Sie zu ge- «innen, müsse der Zionismus sich fähig machen. Der Redner nimmt zustimmend Bezug auf die diesbezüglichen Aeußerungen seines Vorredners Dr. Simon. Kauder (Revisionist) bemerkt: üöldmann und Lichtheim hätten vieles, was er hätte sagen wollen, vorweggenommen. Die Rundschau treibe eine Politik der Schwäche. Die heut übliche Politik der Entsagung sei eine Gefahr. Wir ständen in einer harten politischen Wirklichkeit. Wenn man nicht wagt zu fordern, werde man nichts erhalten. Schluß der Sitzung 81.'« Uhr. * Montag abends nach der 2. Sitzung des Delegiertentagcs trat der Permanenzausschuß zusammen. Ihm gehörten an: Ais Vorsitzender Dr. M o s e s - Zwickau und als Mitglieder: AI. Adler, Auerbach, Baer, Erich Cohn. Focrdcr, Goldmann, Grünstein, Klausner, M. J. Kober, Lichtheim, M. Mayer, Noack, Rud. Samuel, E. Simon, Tumpowsky und Weltsch.!)ritte Sitzung Montagvormittag, 9 Uhr. Fortsetzung der Generaldebatte. Vorsitzender Landsberg bringt ein längeres Begrüßungsschreiben der Föderation der bulgarischen Zionisten zur Verlesung, die die Notwendigkeit einer innigeren Verknüpfung zwischen den Fonds und der Organisation betonen, damit durch Wechselwirkung dieser Instanzen die Schlagkraft des Zionismus erhöht werde. Landsberg teilt mit, daß er namens des Delegiertentages für das ausführliche Expose den Gesinnungsgenossen in Bulgarien Dank aussprechen werde. Dr. Foerder stellt fest, daß ein wesentlicher Differenzpunkt in der bisherigen Generaldebatte die außenpolitische Haltung der ״Jüd. Rundschau“ gewesen sei. Auch er finde Nuancen in der Art der Darstellung nicht immer glücklich. Diese Einzelheiten kann man beanstanden, aber die politische Grundkonzeption ist unbedingt zu bejahen. Es besteht im deutschen Zionismus eine Furcht vor Entscheidüngen, darum begrüßt er den Antrag der Frankfurter Ortsgruppe, die den Delegiertentag vor eine Entscheidung stellt.-::Dfe; Politik der Rundschau set-vMlefcht-dupoputir,י aber eine politische Tat In der zionistischen Welt. Der Delegiertentag habe den Beweis geliefert, daß die Aussichten der revisionistischen Bewegung in Deutschland seht gering sei. Eine Gruppe von Zionisten, die innerlich erfüllt und zu kritischer Prüfung erzogen sei, sei nicht bereit, die Gedankengänge Jäbotinskys zu akzeptieren. Andererseits müssen wir unsere geistige Gegenposition klar herausarbeiten. Auch wir halten gegenüber zuweilen in der ״Jiid. Rundschau“ geäußerten Ansichten, die Palästina mehr als kulturelles Wunschbild ersehnen, am politischen Zionismus, an der Schaffung einer Majorität im Lande fest. Innerhalb der allgemeinen Zionisten müsse es zu einer DiffAenzierung kommen. Der deutsche Zionismus müsse sich bemühen, auch zu einem konkreten Wirtschaftsprogramm zu gelangen, dürfe sich aber keinesfalls identifizieren mit Gruppen, die sich lediglich ais Interessenvertreter anderer betrachten. Dr. Foerder begrüßt es, daß Felix Rosenblüth zum Leiter des Organisations- Departements und Dr. Hantke zum Leiter des K. H. bestimmt wurde. Hinsichtlich unseres Kampfes mit den Antizionisten müssen wir uns darüber klar sein, daß wir vor einer ernsten Auseinandersetzung stehen, und daß die Bündnispolitik, wie sie Blumenfeld propagiert habe, eine Krise durchmacht. Binmenfeld werde seine Bündnispolitik neu interpretieren müssen. Wir bedauern es, daß augh die Teile der liberalen Jugend, von denen wir wissen, daß sie wie wir um die Probleme ringen, nicht den Mut finden, von dern neuen Presscfeidzug gegen den Zionismus abzurücken. Notwendig sei systematische politische Arbeit, der mit Rücksicht auf den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund auch konkrete Aufgaben erwachse. Die Einbruchsstelle in die assimilantische Front sei immer noch die Jugend, auf die wir bei unserer Propaganda die größte Aufmerksamkeit richten müssen. Es ist unbedingt notwendig, das Jugendsekretariat beizubehaitcr.. Die Palastina-Arbeit müsse im engsten Zusammenhang mit der Jugendarbeit geleistet werden, die deutschen Zionisten miißten sich auch für das Schicksal der deutschen Chaiuzim in Palästina verantwortlich fühlen. Es muß die geistige Anteilnahme möglichst weiter Kreise der Bewegung gewährleistet sein, eine erfolgreiche Tätigkeit sei aber nur dann möglich, wenn die gew'ählten Führer damit rechnen können, daß sie während ihrer Amtsperiode von allen Zionisten loyal unterstützt werden. Auf Vorschlag von Saliy H i r s c h - Halberstadt wird die Budgetkommission in nachstehender Zusammensetzung gewählt: Gerson, Feuerring, Preiss, Kanowitz (Berlin); Lustig- München, Rud. Samuel-Breslau, van Cleef-Hamburg, Israelski-Leipzig, Schloß-Frankfurt a. M. Kanel (Wiesbaden) ist mit der Lage der zionistischen iewcguttg nicht zufrieden. Er beklagt das Fehlen einer gesunden Jugendbewegung und erklärt, daß die Behandlung der ihm nahestehenden Gruppe des Revisionismus innerhalb des deutschen Zionismus unverständlich sei. Wenn er in einzelnen Ortsgruppen spreche, so stimme man ihm bei, dann aber fehlt der Entschluß, gemäß diesen Einsichten zu handeln. Wie konnte nach den Berichten der einzelne Teilnehmer das A.-C. mit der Lage zufrieden sein? Man muß wieder eine gesunde Beziehung zu den nationalen Wünschen gewinnen. Hoffentlich werde der XXII. Delegiertentag wenigstens mit den Ergebnissen einer neuen Jugendbewegung in Deutschland zufrieden sein können. Dr. Liebstädter (Nürnberg) meint, daß der von Dr. Simon umschriebene Aufgabenkreis der ״Jüd. Rundschau“ noch durch eine dritte Aufgabe ergänzt werden müsse: die Rundschau muß ein Dokument unserer Ansprüche gegenüber den Nicht/iouisten und den Nichtjuden darstellen. Dieser Aufgabe ist die Rundschau bisher nicht nachgekommen. England könnte sich geradezu auf die Rundschau gegenüber den Forderungen des A.-C. berufen. Niemand bekommt mehr, als er fordert. Man soll darum das Höchstmaß fordern. Redner wendet sich gegen den Ton bestimmter Artikel der innerjüdischen Polemik. Wohl gehöre zu einem groben Klotz ein grober Keil, aber der grobe Keil muß auch passen. Beispiele seien die Stellungnahme gegenüber der ״Frankfurtcr Zeitung“ und im Falle Haas. Die Mißerfolge der Blau- Weißen in Palästina lassen sich durch spezifische deutsche Erscheinungen erklären und sind keine Folge von mangelndem Zusammenhang mit der Tradition oder dem Sozialismus, wie Dr. Simon und andere meinen. Der Nachschub unserer Jugendbewegung ist sehr klein und darum muß die Frage des Nachwuchses die Z. V. f. D. in der nächsten Zeit stark beschäftigen. Dr. Rudolf Samuel (Breslau Hitachduth) weist darauf hin, daß es möglich wäre, der Blumenfcldschcn Ideologie eine andere entgegcn/usteilen, die von anderen Grundanschauungen ausgeht und Zionismus nicht als Individttalproblcm, sondern als Kollektivproblem darstellt. Er fürchtet, daß Binmenfelds Ideologie bei dem wichtigsten Teil der zionistischen Jugend heute keine Resonanz finden wird und daß auch in der Wiedergabe dieser Ideologie durch andere Menschen und Nachbeter manche Gefahr verborgen liegt. Vom Standpunkt einer anderen Auffassung aus erscheinen die Parteien des deutschen Judentums als Repräsentanten naturnotwendiger Strömungen. Daher bedarf die Frage der Bündnispolitik der Ueberprüfung. Vor der sozialistischen Propagandafront können Furcht nur die zeigen, die auch im Zionismus den Sozialismus bekämpfen, anstatt ihn nutzbar zu machen. Der Abschluß der Verträge des K. H. mit den Siedlungen beweist den Nutzen der Mitarbeit der Arbeiterführer. Gegenüber der Forderung nach Thorawissen stellen wir die Forderung des Wissens um die Wirklichkeit Palästinas auf. —- Gegenüber Goldmann müssen wir feststellen, daß die Politik, die in Genf und London jetzt geführt wird, keine agressive Politik ist, sondern eine Politik, die progressiv Schritt um Schritt Erfolg erringt. Selbst aber wenn es anders wäre, sind wir der Ansicht, daß die Politik richtig war, die versuchte, durch eine Befriedigung Palästinas den Ausgleich mit den Arabern zu finden. Moses Waldmann erklärt gegenüber den Vorwürfen ein- /einer Redner, daß der Ton in der Polemik der ״Jüd. Rundschau“ dem Tenor der gegnerischen Angriffe angepaßt sei. Wo man berechtigten Grund habe, den innerjüdischen Gegner uneingeschränkt menschlich zu achten, komme die Ehrfurcht vor der gegnerischen Meinung auch in der Polemik zur Geltung. Wenn aber der Gegner nicht nur als Jude, sondern auch als Mensch minderwertig sei, dann müsse man begreifen, daß der Ton härter und entschiedener werde. Redner stellt fest, daß Zionisten im allgemeinen und insbesondere die in Deutschland lebenden ostjüdischen Zionisten sich strengste Zurückhaltung in der Kritik deutscher Verhältnisse auferiegen. In jüdischen Dingen aber beanspruchen sie als vollzugehörig betrachtet zu werden und darum das Recht, zu diesen Fragen Stellung zu nehmen. Daß Ostjuden nicht imstände wären, die Psychologie eines deutschen Assimilationsjuden zu begreifen, ist eine vollkommen abwegige Behauptung, denn Assimilanten kommen in allen Ländern vor und ihr Grundcharakter bleibe überall der gleiche. Dr. Weltsch (mit Beifall begrüßt) bemerkt zunächst bezüglich der Anträge der Frankfurter Ortsgruppe auf Ausgestaltung des geistig-wissenschaftlichen Teiles de! ״Jüdischen Rundschau“, daß die Redaktion diesem Antrag gewiß keinen Widerstand entgegensetze, doch handle es sich in der Hauptsache um eine technische, zum Teil finanzielle Frage, die am besten dem künftigen ,Landesvorstand lur Durchführung f!b«wi׳»«r ׳■wird*:״ Die! Hauptfrage, die ■ 1!״ווZusammenhang mit der Redaktionsführung erörtert wurde, sei keine redaktionelle, sondern die zentrale Frage der zionistischen Politik. Es ist selbstverständlich, daß nicht alle Einzelheiten, die in einer Zeitung gedruckt werden, immer restlos vertreten werden können: auch die Leitung der Z. V. f. D. sei nicht für alle Einzelheiten verantwortlich, denn wenn man ein Parteiblatt lebendig und nicht rein konventionell redigieren will, muß die Redaktion eine gewisse Freiheit haben, Anschauungen zu formulieren, die notwendig auch persönliche Nuancen tragen müssen. Andererseits ist es eine interessante psychologische Erscheinung, daß gerade stark interessierte Zionisten an den bekannten, allen gemeinsamen Dingern vorbeilesen und ihre Aufmerksamkeit aut Punkte konzentrieren, die sie zum Widerspruch reizen, so daß sie schließlich den Eindruck mitbringen, als ob die von der zionistischen Gesamtheit erhobenen Forderungen, etwa die einer stärkeren Unterstützung durch die Mandatarmacht, nicht in dem Blatte enthalten wären, während in der Tat nachweisbar alle diese Forderungen auch in der Rundschau wiederholt nachdrücklich erhoben wurden. Die unwillkürliche Voreingenommenheit der Kritiker hat sich auch in den Ausstellungen Lichtheims gezeigt, wie etwa in der unverständlichen Bemerkung über Herzl. Nicht die Auf- Stellung von Forderungen an die Mandatarmacht ist der wahre Gegensatz, sondern die zionistische Grundkonzeption. Der Zionismus war jahrelang erzogen worden in der abstrakten Formel des Herzischen judenstaates, und nach der Baltöur- Deklaration war man zunächst der Meinung, als ob jetzt der Judenstaat gegründet würde, weil man auch damals noch bloß abstrakt dachte und nicht mit den konkreten Realitäten der Verwirklichung, die allein unsere Politik bestimmen können, rechnete. Worte wie das bekannte ״Palästina jüdisch wie England englisch“, die bestimmt nicht im Sinne einer Unterdrückung der Araber, sondern lediglich als Aeußerung des Stolzes gegenüber England gemeint waren, beweisen, wie wenig matt die Realitäten im Bewußtsein hatte. Als dann die zionistische Arbeit mit diesen Realitäten zusammenstieß und die wirklichen Probleme allmählich offenbar wurden, hat es der Zionismus leider unterlassen, Sein politisches Ziel neu zu formulieren. Die alten Schlagworte jedoch gaben der arabischen und der antisemitischen, antizionistischen Agitation außerordentliche Nahrung. Die Folge war, daß wir nicht nur in Palästina eine große arabische Erregung vorfanden, die unsere Arbeit ernstlich gefährdete, sondern daß auch die Stimmung der irregefiihrten öffentlichen Meinung der Welt gegen uns ttmschlug. De Zionistische Organisation jedoch versäumte es, durch eine unzweideutige Erklärung diesen Giftstoff zu beseitigen, und wir gerieten im Jahre 1922 in eine Krise, deren Ernst viele Zionisten heute schon vergessen haben. Die Bestätigung des Mandates w׳ar in Gefahr. Damals hat Herbert Samuel durch seine im Weißbuch niedergelegtc Interpretation der Balfour-Deklarafion die Situation gerettet, ich habe niemals gesagt, daß die Zionistische Organisation das ganze Weißbuch hätte schreiben sollen, sondern ich habe nur gesagt, daß derjenige Teil des Weißbuches, der eine Interpretation der Baifour-Deklaration enthält, etwa dem entspricht, was tatsächlich als Programm der zionistischen Politik von uns hätte freiwillig verkündet werdet! sollen, denn es enthält alles, was wir brauchen: völkerrechtliche Garantie einer gesicherten autonomen jiidtsehen Gemeinschaft, die die Funktionen eines Zentrums für das Judentum der ganzen Welt ausüben kann und die das verbriefte Recht hat, sich durch Einwanderung zu vergrößern. Des ist der positive Teil der Interpretation, der negative Teil aber enthält eine Ablehnung des Judenstaates, indem er feststellt, daß keineswegs allen Einwohnern des Landes eine jüdische Staatsbürgerschaft auigezwungen werden soll, vielmehr eine palästinensische Staatsbürgerschaft geschaffen wird, innerhalb deren sowohl die arabische als auch die jüdische Genie in sc 11a ff ein nationales Leben führen soll. Des ist der Grundgedanke des bi nationalen Staates, den nur diejenigen für unmöglich halten, die im Banne momentan herrschender Staatsiregriffe stehen, während wir heute schon sehen, daß reine Nationalstaaten oft nicht lebensfähig sind, und das Verständnis dafür wächst, daß wichtige Interessen auch mehrere Nationalitäten i!1 einem Staate Zusammenhalten können. Wenn Goidmanu gesagt hat, das Weißbuch sei schuld an den Mißerfolgen in Palästina, so glaube ich umgekehrt, daß erst die durch das Weißbuch geschaffene politische Situation unsere Aufbauarbeit ermöglicht!tat. Ich glaube in der Tat, daß wir einer verstärkten Unterstützung der Regierung, einer Verstärkung unserer wirtschaftlichen Arbeit und einer Reform der Wirtschaftsmethoden bedürfen, um schneller in Palästina vorwärtszukommet! und unsere Einwanderer wirklich in den Produktionsprozeß des Landes cinzugliedcrn. Aber es ist eine gefährliche Illusion, an zunehmen, daß auch im günstigsten Falle dieser Prozeß so schnell gehen kann, daß wir sehr bald eine Majorität im Lande werden und gewissermaßen heute bereits unsere Politik auf der Fiktion aufbauen könnten, als ob wir bereits die Majorität wären. Die einzige konsequente Politik, die wirklieh ein geschlossenes Programm hat, wird von Jabotinskv vertreten, der den Judenstaat mit allen Konsequenzen, gestützt aut eine jüdische Armee, errichten will. Ich halte dies nicht nur für eine völlige Verkennung der politischen Gegebenheiten, sondern auch für ein katastrophales Programm, da ich überzeugt bin, daß eine solche Forderung den Chancen des Zionismus ein schnelles Ende bereiten würde. Dasselbe gilt für die mir etwas kindlich scheinende Konzeption von dem Kampfe zwischen Europa und Asien, in welchem die Juden das Vorpostengefecht zugunsten Europas zu liefern hätten. Wer aber diese Theorien ablchnt, für den bleibt nichts anderes als die Bejahung des binationälen Staates. Die Behauptung Lichthcims, die Araber könnten sich bei ihrem Widerstand auf die ״Rundschau“ berufen, ist dadurch widerlegt, daß die uns feindlichen Araber noch nie die ״Rundschau“ zitiert haben, wohl aber den ״Raswjet“. Sie drucken jeden Artikel von Jabotinsky nach, da sie wissen, daß dies •dem Zionismus schadet, nicht aber die ״Rundschau“, deren Zitierung dem Zionismus nützen würde. Was die politische Methode betrifft, so halte ich es für einen schweren Fehler, diese nach den eigenen seelischen Bedürfnissen einzurichten, statt die tatsächlichen und psychologischen Voraussetzungen der Faktoren, mit denen wir zu tun haben, zu erforschen und zu berücksichtigen. Letzteres war die von der zionistischen Exekutive befolgte Methode,, und darum hat die ״Jüdische Rundschau“ die Politik der Exekutive in den letzten Jahren unterstützt als die einzig mögliche praktische Politik. Wenn Goldmann behauptet, die Exekutive teile gar nicht die Anschaumigen der ״Rundschau“, so möchte ich darauf verweisen, daß manche Artikel der ״Rundschau“ allerdings auch eine Kritik der Exekutive involvierten, der wir vorgeworfen haben, daß sie häufig den Ereignissen nachhinkte, statt rechtzeitig selbst die Initiative zur Klärung zu ergreifen, wodurch es kam, daß viele Ereignisse, die vorauszusehen waren, als Niederlagen der Bewegung empfunden wurden, obwohl sie meines Erachtens sich in das System einer wohlverstandenen zionistischen Politik hätten eingliedern lassen. Redner poletnistert sodann noch mit einzelnen Behauptungen Goldmanns und Lichtheims und schließt mit dem Hinweis darauf, daß jede Politik der Selbstbeweihräucherung und der leeren Demottstration, hinter der keine Realitäten stehen, nicht nur nach außen schädlich sei, sondern auch nach innen demoralisierend wirke, da unser Nationalismus vor allem darin bestehen muß, uns unserer nationalen Mängel bewußt zu werden, um diese mit ganzer Kraft zu beheben, statt «ns selbst über diese hlnwegzütäuschen. Es bleibt eine unumstößliche WähV* heit, daß die von uns geschaffenen wirtschaftlichen und kulturellen Realitäten auch in unserm politischen Kampfe die stärkste Waffe bilden. Jeder Versuch, diese Wahrheit zu verschleiern, schwächt unsere Kampfkraft. (Beifall.) Hierauf erteilte der Vorsitzende das Schlußwort dem Referenten Kurt B l ח m e 11 f e 1 d. Schlußwort Blimeileld Blumenfeld setzt sich mit den in der Generaldebatte vorgebrachten Anschauungen auseinander. Was die umstrittene Redaktionsführung der ״Jüdischen Rundschau“ betrifft, so vertritt er die Ansicht, daß die Leitung der Z. V. f. D. nur entsprechende Persönlichkeiten mit der Redaktion betraue« könne und im übrigen gerade die Vertretung klar umrissener, konsequenter Anschauungen innerhalb der von ufts eingenommenen politischen Gesamthaltung dem Blatte die Be* deutung verleihe!) könne, die es heute besitzt. Ke Dis* kussionen, die bei uns über politische Fragen geführt werden, sind unbefriedigend, weil sie nicht aufeinander abgestimmt sind und jeder nur das sagt, was er in die Dinge hineinliest, so daß wir die Erscheinung haben, daß Kenner desselben Materials über dessen Inhalt streiten. Des zeigt die Unwirk* lichkeit dieser Auseinandersetzung. Für mich ist das entscheidende, daß man nicht Vertreter anderer Ansichten als ״national minderwertig“ diffamiert. Es ist zumindest sehr fraglich, wozu mehr nationaler Mut gehört, ob zum freimütigen Bekennen oder aber zu reiner Prestigepolitik. Wir haben diesen Unterschied im Kriege und nach dem Kriege bei anderen Völkern beobachtet und gerade bei ttns ist dieses Bekenncrtum nötiger als bei anderen, weil wir uns nicht auf eine rein politische Methode beschränken können. Bei der politischen Kritik sollte man sich stets vor Augen halten, daß es sich nicht um eine Abstufung der nationalen Wünsche' handelt, sondern um Fragen der Methode, und jede Bewegung hat konstitutionell vor allem die eine Funktion, die richtigen Menschen mit den Aufgaben zu betrauen und ihnen dann eine gewisse Freiheit der Aktion tind ein gewisses Vertrauen zu schenken. In diesem Sinne haben wir die Führerschaft Dr. W c i z m a n n s stets anerkannt und uns gegen die Opposition, die das Vertrauen zu ihm untergrabe!* wollte, dennoch aber seiner Wahl nichts entgegenzusetzen hatte, zur Wehr gesetzt. Ich bestreite die Behauptung von Goldmann, daß die Resolution des A.-C. einen Kurswechsel bedeute, denn die Resolution wurde im vollen Einvernehmen mit der Exekutive gefaßt und ist nur eine Zusammenfassung 'der Politik, die die Exekutive ohnedies gemacht hat und zu machen entschlossen war. Es ist geradezu grotesk, w'emt man glaubt, daß dieser Entschluß unter dem Drucke gewisser radikaler zionistischer Gruppen zustande gekommen ist. Es ist aber auch ein verhängnisvoller Irrtum, wenn eine zionistische Richtung den Glauben erweckt, ais ob eine Kursänderung der Politik allein eine Acnderung unserer Lage in Palästina erzwingen könnte. Dazu gehören vor allem unsere eigenen Eingriffe. Wenn wir z. B. von einer jüdischen Majorität sprechen, so glaube ich, daß diese Majorität nur dann da ist, wenn die juden nicht in der Stadt sitzen, sondern aut dem Lande in •geschlossenen Siedlungen. Wir aber diskittieren immer viel mehr über die Faktoren, die außerhalb unser liegen als über die Energien, die wir aus uns heraus zu entwickeln haben. Allerdings ist es notwendig, daß die politische Leitung regelmäßig Erklärungen über ihr Programm abgibt, damit die zionistische ()Öffentlichkeit eine Orientierung hat und nicht nur aus gelegentlichen Reden erfährt, welche politische Konzeption den einzelnen Aktionen zugrunde liegt.

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