Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXI (1926)
- Issue
- Heft 66-67 (17.8.1926)
- Date
- 1926-08-17
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 480 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr . 60 67 Nr. 001t trete ich für das Projekt von Dr. Brünn ein. Wir müssen es aut uns nehmen, höchstqualifizierte Menschen dem Lande zu geben, die gleichzeitig auch zionistisch fertig sind. Die Erkenntnis der Weltsituation, die Erkenntnis vieler U11zulänglichkciten zeigt uns, wieviel man Menschen zionistisch geben muß. Fachliche Ausbildung allein genügt nicht, auch Charakter, Selbständigkeit und Oesinnung gehört dazu, um sich zu bewähren. 5. Wir müssen fünftens aus der gegenwärtigen Situation Konsequenzen ziehen für die Schaffung objektiver Voraus- Setzungen unseres Lebens. Wir müssen die Assimilation in uns überwinden, denn auch wir erliegen den Bedingungen des allgemeinen Lebens. Neben all den Versuchen der Hebraisierung, des gemeinsamen geistigen Besitzes, ist die wichtigste Frage die der Erziehung unserer Jugend. Und da müssen wir vor allem der Entwicklung unserer Schulen die größte Aufmerksamkeit zuwenden. Unsere Leute, die hinübergehen, müssen als voll ausgerüstete Menschen an dem Leben in Palästina teilnehmen. Die Oemeindearbeit ist als ein wesentlicher Teil der zionistischen Arbeit zu betrachten. Dort erreichen wir weit größere Massen, die man zwar nicht zu einer vollen Erkenntnis zionistischer Zusammenhänge bringen kann, die aber bereit sind, sich von Zionisten führen zu lassen. Diese Wirkung ist nur möglich, wenn eine große Zahl wahrhaft erfüllter Zionisten die Führung dieser Massen übernehmen. Auch auf diese Arbeit trifft das zu, was für den Zionismus im allgemeinen gilt. Wir sind in einer Situation, die uns dauernd zu einer neuen Erkenntnis bringt, und das ist auch für die Oemeindearbeit wichtig. Wenn wir uns und andere zur Klarheit führen, dann werden wir die höchste Wirkung aus unseren Forderungen erzielen. 6. Zur Frage unserer Galuthideologie und unserer Propaganda. Bei unserer zionistischen Propaganda sind Formeln und Programme nicht von Bedeutung, sondern die Findung des Weges. Wir müssen imstände sein, uns und unsere Idee zu erkennen und zu analvsieren. Deshalb wird innerhalb dieser Propaganda-Tätigkeit eine von uns zu schaffende wissenschaftliche Literatur eine große Rolle spielen. Ein Kreis der besten Zionisten muß sich in den Dienst dieser Sache stellen. Diese Literatur muß ergänzt werden durch Broschüren und Zeitschriften und vor allem durch unsere Presse. Unsere Presse erfüllt in ausgezeichneter Weise ihre Aufgabe bis auf einen Punkt, in dem sie versagt: sie erreicht die Kreise nicht, auf die es uns ankommt. Wir müssen zu den gleichen Kreisen sprechen, zu denen auch unsere Gegner sprechen (Zwischenruf: ״Dazu müssen wir erst eine Presse haben!“) Ich bin anderer Ansicht, ich glaube, daß wir sie haben, und daß wir mit unserer Presse das erzielen können, was ich verlangt habe. Sie müssen sich nun selbst fragen, ob Sie aus den Darlegungen, die ich hier gemacht habe, die Konsequenzen ziehen werden, oder ob sich in bezug auf die künftige Arbeit und Propaganda die Geister aut diesem Delegiertentag scheiden werden. In der Propaganda, wie wir sie Vorhaben, wird sich sehr bald zeigen, daß viele Begriffe ins Wanken geraten sind wie Nationalismus, Staat usw. Diese Begriffe haben einen anderen Sinn bekommen, sie müssen anders gedeutet werden. Was der Zionismus tut, ist ein Vorletztes, ein Irdisches, nicht ein Ewiges, Transzendentes. Aber alles Vorletzte kann nur gelingen, wenn hinter der Schaffung des Nichtutopischen die große Utopie steht. In der zionistischen Welt verwirklichen sich viele Sehnsüchte in einem vorletzten irdischen Werk. Viele geheimnisvolle Kräfte fließen in einer Hoffnung zusammen. Wehe dem, der hier zu generalisieren versuchte. Bevor Bialik nach Palästina ging, führte ich folgende Unterhaltung mit ihm. Er sagte: Vielleicht muß man erst das ganze Galuth hebraisieren; die Thora ist in einer Sprache gedacht worden, man hat sie in 70 Sprachen übersetzt, wir müssen zur ursprünglichen Sprache zurückkommen. — Daraut ich: Unser Weg ist der umgekehrte, wir müssen unsere Lehre in 70 Sprachen predigen, damit sie in einer Sprache mündet. Unsere Pflicht ist es, alle Wege offen zu erhalten, alle lebendigen Kräfte zur Wirkung kommen zu lassen. Der Zionismus ist eine politische Bewegung, aber Politik und Wirtschaft sind nur Mittel, um uns zu einem Ziel zu führen, das nicht außerhalb unser, sondern in uns Siegt. Das sagt nichts gegen praktische Arbeit. Man muß sich selbst in den Strom der Entwicklung hineinstellen. Zwei Maßstäbe gibt es für unser Tun und Denken: die nüchterne Erwägung aller realen Faktoren, aber darüber hinaus eine Hoffnung, die über jede Realität geht, die nicht mit unserem Leben endet, eine Hoffnung, die uns nicht zur Erkenntnis unserer eigenen menschlichen Kraft, sondern zur Erkenntnis des Wesens und der Aufgabe unseres Volkes und unseres Menschentums führt. Wer nach Palästina hinübergellt, wird von der starken Hoffnung getragen, nicht nur für ein Nächstes, sondern für ein Ewiges, Absolutes zu arbeiten. Dadurch bekommt alles, was wir tun, Kulturarbeit und der Aufbau einer jüdischen Realität in Palästina, einen neuen Sinn. Sähen wir nur das Nächstliegende, wir könnten den Zionismus nicht aushalten. Unsere besten Mensehen werden getragen von einer ewigen Sehnsucht, nicht nur nach der Verwirklichung einer zionistischen Realität, sondern auch nach der der zionistischen Utopie. Es kommt nun darauf an, ob man sich selbst zutraut in solchem Sinne zu arbeiten, ob es einem andere Zutrauen, ob man Resonanz findet, einen Kreis von Menschen, der einen stützt und versteht. Unsere zionistische Arbeit in Deutschland muß in allen Einzelheiten dargestellt werden. Ich glaube, nichts Besseres tun zu können, als Fragmente einer Erkenntnis unserer gegenwärtigen Situation zu sammeln und aus dieser Erkenntnis die notwendigen Konsequenzen zu ziehen. Hier im Galuth, wo wir nicht nur Verlängerung von palästinensischen Interessengruppen sein dürfen, sollte man erkennen können, was not tut. Aber Menschen müssen uns helfen, die Last zu tragen, die in sich das Bewußtsein haben: der Zionismus lebt! Dann wird in unseren Tagen durch unsere Leistungen unser Werk gedeihen und geadelt werden durch Arbeit, Liebe und Pflichttreue unserer besten Menschen, die sich belohnt sehen durch das Bewußtsein, daß sie ihr Leben als Zionisten verbringen dürfen. (Stürmischer Beifall.) Nach einer kurzen Pause beginnt die Generald e b att e. Generaldebatte Dr. Ernst Simon (Frankfurt a. M.): Der deutsche Zionismus ist nur verständlich als Vorbereitung auf Palästina. Als ein Organ, das für die Vorbereitung für Palästina eine besondere Bedeutung hat, ist die ״Jüdische Rundschau" zu werten. Uneingeschränkt billige ich die Haltung der Rundschau in allen Fragen der äußeren zionistischen Politik, insbesondere der Beziehungen zu anderen Völkern. Ihre Haltung auf diesem Gebiet ist eine zionistische und menschliche Tat, um die freilich im deutschen Zionismus noch wird gerungen werden müssen. Ich bitte Sie, folgende von Frankfurt gestellte Resolution anzunehmen: ״Der Delegiertentag billigt die äußere Politik der ״Jüdischen Rundschau". Es ist unsere Pflicht, dem Blatt für die Fortführung seines Werkes eine Rückenstärkung zu geben, es zu ermutigen, weiter die Ent- Scheidung zwischen dem, was Nationalismus als ungeistiges Naturstreben ist und dem, was ihn zu einem geistigen Faktor macht, zu suchen. Unter unpopulären Bedingungen vollführt die ״Rundschau“ ihr Werk. Derselbe Nationalismus haßlieber Art, der heute vielfach die nichtjüdische Welt beherrscht, macht sich im Zionismus geltend. War cs eine Leistung der ״Rundschau“ diesen Strömungen widerstanden zu haben, so war cs eine nicht geringere, daß sie unabhängig von Propagandabedürfnissen die Probleme unseres Palästinawerkes erörterte. So verdienstvoll die ״Jüdische Rundschau“ in dieser Beziehting ist, so nötig scheint es mir zu sein, sie in anderer Beziehung weiter auszubaucn, sic den ganzen Bezirk der jüdischen Lebensinteressen umfassen zu lassen. Unser Blatt, wie es heule ist, kann Zionisten erziehen, nicht gewinnen. Muß aber nicht die Einstellung der ״Jüdischen Rundschau“ in die zionistische Propaganda ihre Funktion als zionistisches Erziehungsorgan beeinträchtigen? Ich glaube das nicht. Mensehen von Wert, wie wir sie brauchen, werden wir am besten gewinnen, wenn man sie in unsere Probleme einführt. Unsere Aufgabe ist es, die ״Rundschau“ zum einzigen, alles umfassenden jüdischen Blatt zu machen. Diese Er- Weiterung des Inhalts unseres Blattes wird uns unsere Verpflichtung erleichtern, überall Zionisten und zwar beste Zionisten an die Spitze des jüdischen Lebens zu stellen. Mit dem Blumenfeldschen Referat stimme ich größtenteils überein, insbesondere mit seinem zweiten Teil, weniger mit seinem ersten. Wenn Blumenfeld feststellte, daß es den Assimilanten gelungen sei, die Ideologie des Zionismus zu übernehmen, so hat er vergessen, die Frage zu beantworten, warum das ungestraft möglich war. Diese Ideologie ließ sich eben übernehmen. Unsere Aufgabe wäre es, sie so spezifisch jüdisch zu machen, daß man sic nicht mißbrauchen kann, sie durch Versenkung in die jüdische Tradition inhaltlich bestimmter zu machen, dafür zu sorgen, daß sie nicht nur Wort, sondern ein Teil des Lebens sei. Dann wird sich schnell die Brüchigkeit der anderen erweisen, wenn der zionistische Propagandist zugleich jüdischer Kulturträger sein kann. Will der Zionismus das Gewissen des Judentums sein, so muß er sich fähig machen, sich mit der Tradition auseinanderzusetzen, anstatt unwissend an ihr vorbeizugehen. Erst dann hätte er ein Recht, auch nein zu ihr zu sagen. Diese Stellung zur Tradition ist von Bedeutung für die Beurteilung des Zusammenbruchs junger deutscher Zionisten in Palästina. Warum mußten die Blau-Weiß-Werkstätten zugründe gehen? Weil die jungen Menschen trotz ihrer Qualitäten kein Verhältnis zu den beiden großen Ideen im modernen Palästina haben, zur Tradition und zum Sozialismus. Redner kritisiert sodann die Haltung der ״J. R.“ in einzelnen Arfikeln, die sich mit dem innerjüdischen Kampf in Deutschland befassen. Man müsse hier tiefer und sachlicher polemisieren und sich vor jedem bloßen Schimpfen fernhalten. Der erste Teil des Blumenfeld-Referates litt daran, das es nur eine Front hatte, die gegen die jüdische Bourgeoisie. Es ist leicht eine zerfallene Welt zu bekämpfen, viel schwerer eine gleich der unseren konstruktive Gemeinschaft, wie sie der Kommunismus in Rußland erstrebt. Die Krim-Frage ist zu einer entscheidenden in Amerika geworden. Wir haben uns mit der Sowjetfront nicht nur taktisch, sondern geistig und auf lange Sicht auseinanderzusetzen. Dr. Ascher-Berlin (Hitachduth), weist darauf hin, daß dieser Delegiertentag seine Besonderheit, auf die schon vormittags hingewiesen wurde,. dadurch hat, daß er der erste nach der Londoner A.-C.-Sitzung sei, die, wie es scheint, eine neue Epoche in unserer Arbeit einleitet. In diesem Zusammenhang bespricht er die Politik der Z. V. f. D. In den Darlegungen Blumenfelds habe er einen Hinweis auf die Frage der 4. Alijah vermißt, die nicht als eine temporäre, sondern als eine solche, die immer wieder auftauchen wird, zu betrachten ist. Aus den Erfahrungen, die man mit der 4. Alijah gemacht hat, muß der Zionismus lernen. Es hat sich gezeigt, daß die gleichen Gesetze der Kolonisation und Wirtschaft, die für die Kolonisation der Arbeiterschaft gelten, auch für die sogenannte mittelständische Kolonisation wirksam sind. Auch diese Kolonisation bedarf neben ihrem Eigenkapital nationaler!Mittel. Ein Beweis dafür sind die Siedlungen der Chassidim. Sie bedarf nationaler Kontrolle. Wir dürfen nicht vergessen, daß in der Auswahl der Menschen für die Ansiedlung ganz bestimmte Forderungen menschlicher, erzieherischer und beruflicher Art gestellt werden müssen, die für unsere Emigrationspolitik von Bedeutung sind. Wir unterstützen 'eden Plan, der die künftige Kolonisation nach den Riehtinien einer Rationalisierung und wirtschaftlichen Grund- Sätzen verlangt. Diese Rationalisierung darf aber nicht frühzeitigen Bruch mit einem Kolonisationssystem bedeuten, das im Guten und Bösen noch nicht erprobt ist. Ich freue mich, daß aus dem Referat von Blumenfeld die Tendenzen zum Ausdruck kamen, die auch wir bejahen. Dennoch möchte ich davor warnen, daß der deutsche Zionismus als Landsmannschaft zum Vertreter bestimmter wirtschaftlicher Interessen in Palästina wird, eine Gefahr, der andere Landsmannschäften unterliegen. In diesem Sinne bedauere ich es, daß Blumenfeld sich an der Sitzung des sogenannten zentralen Blocks in London beteiligt hat, denn es besteht die Gefahr, daß dieser Block in eine Richtung hineintreibt, die der deutsche Zionismus als Gesamtheit nicht bejaht. Bei aller Anerkennung für eine wahrheitsgetreue farbige und interessante Schilderung der palästinensischen Zustände in der ״Jüdischen Rundschau“ möchte ich darauf hinweisen, daß die Darstellung wichtiger Tatsachen aus dem täglichen Leben und Kampf der palästinensischen Arbeiterschaft in der ״Rundschau“ nicht genügend zum Ausdruck kommt. Als besonders eklatantes Beispiel führt der Redner den Prozeß der Hausbesitzer von Tel-Awiw an, der mehr als arbeiterfeindlich — der antizionistisch war. In bezug auf die Gemeindepolitik wünscht Redner, daß die Z.V. f. D. mit größerer Aktivität und stärkeren Willen verhindern solle, daß diese Politik sich mit allzu kleinen Erfolgen begnüge und darüber oft vergißt, daß sie die Aufgäbe hat, ein lebendiges jüdisches Gemeinleben zu schaffen. Im Kampf mit dem Centralverein haben wir die Offensive verloren. Zum Schluß spricht der Redner den Wunsch aus, daß etwas von dem Geist und den Tendenzen, die bei der Schaffung des Erfurter Programms der deutschen Sozialdemokratie wirksam waren, das in diesem Saale entstanden ist, auch in der Arbeit der Zionistischen Vereinigung zu spüren sein möge. Dr. Nahum Goldmann (Radikaler), Berlin, erklärt sich mit der Grundnote des Blumenfeldschen Referates einverstanden und hebt hervor, daß die Zionisten sich wieder einer antizionistischen Front gegenübergestellt sehen, die, so absurd es klingen mag, sich auch international zusammcnschließt. Die . Intensität des Kampfes zwischen Zionisten und Antizionisten wird in keiner Weise dadurch vermieden werden, daß man sich der Hoffnung hingibt, durch einen Appell an die Vornehmheit der Antizionisteu diese zu einer Milderung ihrer Kampfmethoden zu bestimmen. Schmarja Levin hat in seiner kurzen Begrüßungsdepesche den Kampf mit unseren Gegnern als letzten bezeichnet. Das ist er auch; der letzte vor der Sicherung unseres Nationalheimes in Palästina. Das bedeutet aber auch, daß die anderen ihren Kampf mit der größten Erbitterung führen werden. Goldmann wendet sich gegen Ernst Simon, der behauptet hat, wir griffen die Antizionisten so an, als ob diese schlechte Menschen wären. Wir behaupten nicht, daß die Antizionisten minderwertige Juden sind, sondern bekämpfen nur ihre Konzeption vom Judentum. Redner hat das Gefühl, als ob wir in der letzten Zeit in unserem Kampfwillen ermattet wären. Ursache ist unsere falsche Auffassung der letzten Jahre, als ob der Hauptkampf schon geschlagen sei. Die Majorität der Juden ist aber noch nicht auf ein propalästinensisches Programm geeinigt; die Prognose, als ob wir keine Gegner hinsichtlich des Palästinaaufbaus haben werden, hat sich als falsch erwiesen. Die dringendste Aufgabe ist, unseren ermatteten Kampfwillen wieder zu stärken. Das ist wohl schwer, weil wir mit der einen Hand bauen und uns nur mit der anderen zu wehren vermögen. Andererseits aber gibt uns dies konkrete Ziel, die Erlangung einer Majorität Hi Palästina, unüberwindliche Kraft zur Durch, führung der innerjüdischen Auseinandersetzung. Redner beschäftigt sich mit der Anschauung Ernst Simons, daß wir zur jüdischen Tradition als Zionistische Organisation in Deutschland Stellung nehmen sollen. Das sei abwegig, denn die Lösung dieses Problemes sei Aufgabe jedes einzelnen. Die Antwort, die der Zionismus für die Gegenwart auf die Stellung zur Tradition gab, ist eben die Nichtbeantwortung dieser Frage. In Palästina erst, in einem späteren Entwichlungsstadium werde eine geänderte Stellungnahme möglich sein. Schließlich wendet sich Dr. Goldmann gegen die in der ״Jüdischen Rundschau“ vertretene auswärtige zionistische Politik. Der bedingungslosen Anerkennung, wie sie Emsl Simon zum Ausdruck gebracht hat, müsse Redner die be• dingungslose Zurückweisung dieser Politik entgegenstellen Die Politik der ״Jüdischen Rundschau“ wird nicht einmal meh! von der Exekutive vertreten. Die Resolution der letzter A.-C.-Sitzung bedeute, wenn auch in höflich diplomatische! Form, eine vollständige Abkehr von der Hinnahme der eng lischen Politik in Palästina, die sich als Schiedsrichter zwischer Arabern und Juden fühle und im besten Falle die Juden gc währen lasse, sehr oft sie sogar hindere. Die extremste Ent gleisung der ״J. R.“ war die Anerkennung des Weißbuches das den Palästina-Aufbau schwer geschädigt hat. Statt desser müssen wir, wie es das A.-C. jetzt getan hat, von Englanc eine aktive Unterstützung unseres Aufbauwerkes verlangen Redner tritt unbedingt dafür ein, daß der Delegiertentag ent■ sprechend dem Anträge Simons sein Votum über die Haltung aer ״Jüdischen Rundschau“ abgebe. Sollte der Delegiertentag diese Haltung billigen, so werde er in der zionistischen Web nur sehr geringe Resonanz finden. Gefährlich sei die Behaup tung, daß sich in der Haltung der ״Jüdischen Rundschau‘ ein den J[uden angemessener jüdischer Nationalismus aus drücke, während die Forderung einer aktiven Unterstützung durch die britische Regierung gegenüber dem Palästina-Aul bau als eine Nachahmung des europäischen Nationalismus betrachtet werde. Die Stellung zur Politik der Mandatarregie rung habe nichts mit diesen Begriffen zu tun. Restlos zollt Redner der ungeschminkten Berichterstattung über palästi nensische Verhältnisse in der ״Rundschau“ Anerkennung, aucl wenn einzelne Zionisten sagen könnten, man liefere dadurch Antizionisten Kampfmaterial. Die Antizionisteu sind heute ge radezu Experten für Palästinafragen, und das sei eine erfreu liehe Tatsache, denn die Antizionisten sind gezwungen, siet mit der Realität in Palästina auseinanderzusetzen. Wir brauchet nichts von einer offenen Darlegung der Dinge in Palästina zu befürchten; wir sind auf dem besten Wege, das Ziel des Aufbaus endgültig zu erreichen. Lichtheini, Berlin; Sehr viele Streitpunkte, die uns in dei letzten Jahren beschäftigt haben, sind jetzt als erledigt zu be trachten. Dennoch geht es nicht an, daß in einer politische! Bewegung jahrelange heftige Parteikämpfe vor sich gehet und daß man dann bei einem Delegiertentag alles mit einei Handbewegung beiseite schiebt, als wenn nichts gewesen wäre Das gilt z. B. für die Frage der Jewish Agency, über di» wir weder von Blumenfeld noch im Bericht etwas vemommer. haben. Diese Frage bietet nur noch Stoff zu historischen Betrachtungen. Aennlich verhält es sich mit gewissen Wi!t- ,schaftsfragen, die früher bei uns immer, bestritte» waren, jjkucb andere Fragen, wie z. 0, unser Verhältnis zu den andetth Landsmannschaften, scheinen mir in einer Richtung entschieden zu sein, die noch auf dem Kongreß umstritten war. Es gibt einen Punkt, der die Kritik schärfer herausfordert und den schon Herr Dr. Goldmann angeschnitten hat. Das ist die politische Haltung der ״Jüdischen Rundschau“. Ich sehe darin für den deutschen Zionismus eine ungeheure Gefahr, die Gefahr einer Entpolitisierung des Zionismus. Man fragt häufig, woher es kommt, daß der deutsche Zionismus für Palästina so׳ wenig Konkretes geleistet hat. Den Grund dafür sehe ich darin, daß das konkrete wirtschaftliche Denken im deutschen Zionismus allmählich abgetötet worden ist, ganz besonders durch die ״Jüdische Rundschau". Die Juden sind ein unpolitisches Volk und sie leiden daran, immer Grundsätze aufzustellen und Prinzipien zu vertreten. Das ist leichter, als spezielle Dinge zu behandeln. Unsere Redakteure und Redner sind geneigt, sich immer wieder in allgemeinen Gedankengingen zu bewegen. Herr Dr. Weltsch ist ein kluger Mann, abei er ist ein typischer Nichtpolitiker. Es liegt ihm mehr an seinen Grundsätzen, Gefühlen und Prinzipien, und wo immer er die Wirklichkeit sieht, sucht er sie seinen Prinzipien unterzuordnen. Ich will das hohe ethische und geistige Niveau der ״Jüdischen Rundschau“, das hier schon hervorgehoben wurde, nicht leugnen, aber unter der Sorge um das Niveau leidet oft die Wirklichkeit und Wahrheit. Ich möchte einige konkrete Beispiele aus der letzten Zeit anführen, z. B. die Polemik, die in der ״Jüdischen Rundschau“ über die Gendarmeriefrage, geführt wurde. In dieser ganzen Sache ist die zionistische Oeffeiitlichkeit Deutschlands falsch informiert worden um! die Rundschau hat keinen Finger gerührt — und die Leitung auch nicht —, um die falsche Informierung richtigzustellen. Ein anderes Beispie!:, wer in den letzten Jahren die Rundschau gelesen hat, um sich eine Meinung über die Politik Herbert Samuels zu bilden, der mußte annehmen, daß er als Oberkommissar von Palästina sein Amt zu unserer vollsten Zufriedenheit verwaltet hat. Wahr ist, daß, als Samuel Oberkommissar von Palästina war, auch Weizmann zwar keine öffentliche Kritik an seiner Tätigkeit übte., ihm jedoch intern oft entgegentrat. Wahr ist, daß. das Regime Herbert 1Samuels in der praktischen Be. seitigung der Balfour-Deklaration und des Mandats bestand, daß er das einzige für jüdische Kolonisation geeignete Land den Juden entzog und es hastig an die Araber verteilte, dal! er nach dem Pogrom in Jaffa Schiffe mit jüdischen liriniigrauten zurücksandte und daß unter seiner Verwaltung Riehmond und Genossen jahrelang amtieren konnten. Unter seiner Verwaltung wurde das Weißbuch verfaßt, das Weizmann und seine Kollegen sich nur mit Widerstreben aufdrüngen ließen und das in der ״Jüdischen Rundschau“ seit Jahren verherrlicht wird. Die Juden sind heute in Palästina die Schwachen und die Araber sind die Starken, und es ist wahr, daß die Araber die jüdische Kolonisation nicht haben wollen. 111 dieser Situation die jüdischen Ansprüche noch mehr herabzustimmen, ist politisch ganz unvernünftig. Ich würde es also begrüßen, wenn der Delegiertentag zur ״Jüdischen Rundschau“ kritisch Stellung nehmen würde. Ich möchte noch ein Beispiel aus der letzten Zeit anführen. Wenn eine Festnummer für Achad Haam benützt wird, nicht um Achad Haam zu feiern, sondern um Herzl herabzusetzen, so muß ich das als eine publizistische Ungehörigkeit bezeichen. (Zwischenruf: Wo ist das geschehen?) Man spricht dort von ״Bonzentum“. (Weltsch: Das ist doch ein Mißverständnis, bezieht sich auf 1839, wo doch Herzl nicht gemeint sein kann!) Wenn in einem Artikel von Bileski die Politik Weizmanns im Gegensatz zu Herzl eine ethische Politik genannt wird, so ist das schärfstens abzuweisen. Als Unrecht muß es auch bezeichnet werden, wie der Revisionismus in der ״Jüdischen Rundschau“ behandelt wird. Ich gehöre Punkten r< Revisionist( Einfluß get daß man v< ist durchai der Runds richtet als ernsthafte der Rundsi Mangel ai?ich in die reine Mitg Rundschau halten soll Adler in besondc Er habe s Zionismus arideren L pflegen. E Anspruch Der propa! sich wesei (ums bescl deutschen winnen, m nimmt zusi seines Voi Räude hätten vie Die Rund! übliche Pc einer hart zu fordern Schluf Monta trat der Als Vorsi Al. Adler, Orünstein, Noack, R Vorsit grüßungss zur Verles r e n Ver O r ga ni dieser Ins Landsberg das ausfül Dank aus! Dr. I punkt in Haltung 1 Nuancen Diese Ei: tische 01 steht im düngen, Q'tPJM eine ge winnen. stens m Deutsch: Dr umsehri durch Rundst! den Ni Aufgab aber’ eine legiertent; der revis sei. 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