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Jüdische Rundschau · 1926-08-20 · Heft 65 (20.8.1926) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXI (1926)
Issue
Heft 65 (20.8.1926)
Date
1926-08-20
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 472 JUEDISCH E RUNDSCHAU Nr. 65 rigkeit, die gewünschten Resultate auf dem Wege der Gesetzgebung zu erreichen. Sic würde der Mandatsmacht dankbar sein, wenn sie über die Gründe aufklären wollte, die zur Annullierung der Verordnung betreffend Landübertragung Anlaß gegeben haben. 11. Bürgerrecht. Was die dem Oberkoinmissar \ erliehene Gewalt, ohne Gerichtsverhandlung und ohne daß Appellationsrccht gewährt wird, jemand des Bürgerrechtes für verlustig zu erklären, anlangt, so ist die Kommission der Meinung, daß die Mandatarniacht die Notwendigkeit, dieses Recht dem Oberkommissar zu übertragen, wohl erwogen hat. Die Kommission hätte die Beschwerde nur dann in Erwägung ziehen können, wenn diese Macht mißbraucht worden wäre. 12. Gewissensfreiheit. Was die Beschwerde bctrifft, daß bei der Verwaltung angesteilte Juden gezwungen sind, an jüdischen Sabbattagen und an jüdischen _ Festtagen Dienst zu tun, so lenkt die Kommission unter Hinweis auf Artikel 23 des Mandates die Aufmerksamkeit der Mandatarmac 111 auf diesen P u n k t. . Die Mandatskommission hofft, daß das gegenseitige Vorständnis, das sich unter den verschiedenen teilen der Bevölkerung anzubahnen scheint, sich so schnell wie möglich weiter entwickeln und so der Entwicklung und dem Fortschritt des Landes dienen wird. Die künftige Keren Hafessod Arbeit Von L. jaffe, Direktor des Keren Hajessod. Leib Jaffe, der zusammen mit Dr. Hantke das neugewählte leitende Direktorium des Keren Hajessod bildet, hat einer Gruppe von Journalisten folgende Mitteilungen über die beabsichtigte zukünftige Arbeit gemacht: Die neue Keren Hajessod-Leitung übernimmt die Arbeit in einer schweren Zeit. Wir stehen vor außerordentlichen Schwierigkeiten — äußeren und inneren. Auf der einen Seite der katastrophale wirtschaftliche Ruin der osteuropäischen Judenheit und auf der anderen Enttäuschung und Unzufriedenheit mit der Lage in Erez Israel, einer Lage, die die Folge des Geldmangels ist und ihrerseits wieder die Geldsammlungcn ungünstig beeinflußt. Aber trotz all dieser Schwierigkeiten übernehmen wir die Arbeit und gehen mit Hoffnung und Glauben an sie heran. Ich bin jahrelang unter den jüdischen Massen herumgewandert und habe dort gearbeitet und bringe von dort einen tiefen, unzerstörbaren Glauben mit. Dort, in Berührung mit dem Volke und in den Tiefen des jüdischen Lebens habe ich Antwort auf den fragenden Ruf Weizmanns ״Wo bist du, jüdisches Volk?“ gefunden. Dort bei den verarmten, geplagten jüdischen Massen habe ich gesehen, welch unerschöpfliche Möglichkeiten in unserem Volke noch für Palästina schlummern, wie tief und reich die Gold schachte sind, die im Volksleben vorhanden sind. Man muß nur die richtigen Goldgräber haben, die es verstehen, die verborgenen Schätze zu heben. Der Keren Hajessod wird nach Erez Israel überführt. Damit wird die Forderung zahlreicher Zionisten erfüllt. Die neue Keren Hajessod-Leitung wird mit allen ihren Kräften danach streben, daß dort die Arbeit mit dem Geiste Erez Israels erfüllt wird, gesättigt mit jener ständigen Unruhe und Ungeduld, die in allen, die in unserem Lande arbeiten, brennen. Aber viel mehr als von uns hängt es von der Tätigkeit der Zionisten und aller Keren Hajessod-Arbeiter ab, daß mit der Ueberführung nach Erez Israel tatsächlich eine neue Aera in unserer Arbeit beginnt. Es freut mich außerordentlich, daß ich mit Dr. Hantke Zusammenarbeiten werde, dem alten unermüdlichen zionistisehen Kämpfer, der noch einer der nächsten und treusten Bannerträger Herzls gewesen ist. Ich wünsche und habe in meiner Arbeit nur eine Ambition — ich bin sicher, damit auch im Namen meines älteren Gesinnungsgenossen Dr. Hantke zu sprechen —daß nämlich unser Volksschatz stets reicher werde, daß immer mehr Juden in Erez Israel sich verwurzeln können, daß immer mehr Kinder Platz in unseren hebräischen Schulen finden, und daß immer mehr Samenkörner im jüdischen Boden versenkt werden. Ich weiß, daß wir in unserer Arbeit die vollste Unter- Stützung der bisherigen Keren Hajessod-Leitung finden werden, die den Keren Hajessod geschaffen und über die schwersten Zeiten hinweggebracht hat. Wir sind sicher, daß wir die vollste Unterstützung aller Zionisten ohne jede Ausnahme finden werden. Und die beste Unterstützung wird sein, wenn sie sich alle wie ein Mann aktiv in den Dienst des Keren Hajessod stellen, wenn alle, die gerufen werden, dem Beispiel von Weizmann und Sokolow in ihrer Arbeit für den Keren Hajessod und dem von Ussischkin in seiner Arbeit für den Keren Kajemeth folgen, wen» sie sich mit aller Macht in die schwere Galutharbcit stürzen. Dann wird auch der Erfolg gesichert, dann wird die neue Aera unserer Arbeit, die jetzt in Palästina beginnt, gesegnet sein. Die Bibel in Espenato Aus esperantistischen Kreisen wird uns geschrieben: In diesen Tagen wird die langersehnte Uebersctzung der gesamten Bibel in Esperanto herausgegeben. Diese Tatsache verdient um so mehr Beachtung, als die Schaffung einer Esperantoübersetzung in esperantistischen Kreisen längst als notwendig und dringend empfunden worden ist. Die ״British and Foreign Bible Society und die National Bible Society of Scotland haben die Herausgabe übernommen. Die Ueber- Setzung stammt von dem Autor der Hilfssprache, unserem verewigten Glaubensgenossen Dr. L. L. Zamenhof. Bevor die beiden Gesellschaften, deren Wirken auf dem Gebiet der Bibelverbreitung in allen Ländern bekannt ist, an die Herausgäbe der sicherlich im besten Stile und wortgetreu abgefaßten Uebersctzung (Zamenhof war Ostjude) herangingen, verlangten sie eine nochmalige Durchsicht des gesamten Werkes auf seine Korrektheit hin, die namhaften Fachleuten übertragen wurde. Während des Gottesdienstes in einer Edinburgher Kirche anläßlich des eben beendigten 18. Esperanto-Weltkongresses ist die Uebersctzung zum erstenmal der Welt übergeben worden. F. Plotke, Berlin. Auf dem 18. Internationalen Esperanto-Kongreß, der gegenwärtig in Edinburgh abgehalten wird, hielt Dr. Olschwanger (Jerusalem) einen Vortrag über hebräische Volkssitten. Der Kongreß veranstaltete auch einen rednerischen Wettbewerb, zu dem sich neun Bewerber meldeten. Das Thema wurde ihnen erst eine Stunde vor Beginn des Wettstreits bekanntgegeben, jeder Redner hatte sein besonderes Thema. Die Redezeit war für jeden auf sieben Minuten festgesetzt. Den ersten Preis erhielt Dr. Olschwa nger für seine Rede über eine Reise nach Palästina. Den dritten Preis erhielt ebenfalls ein Jude, Kornfeld, aus Polen, für seinen Vortrag ״Ein geschichtlich hervorragender Mensch (Dr. Zamenhof)“. In der Schlußsitzung gab Dr. O!schwanger die Anregung, den 19. Esperantenkongreß im kommenden Jahre in Jerusalem abzuhalten. Die Misrachi ־ Weltkonlerenz lieber die Weltkonferenz des Misrachi-Verbandes, die seit dem 10. August in Antwerpen getagt hat, wird berichtet: In der Eröffnungssitzung begrüßte Rabbi Amicl die Konferenz im Namen der Jüdischen Gemeinde Antwerpens, und sagte, Belgien, in welchem zwei Volksstämme friedlich nebeneinander leben, und das Land zu höchster Blüte bringen, sollte Palästina ein Beispiel sein, wo gleichfalls zwei Völker aufeinander angewiesen sin d. Die zweite Ansprache hielt Rabbi Meir Berlin, Präsident des Wclt-Misrachi. Seitdem der Misrachi-Rat nach Jerusalem übergesiedelt ist, ist sein Einfluß auf die Weltjudenheit größer geworden und dringt auch in die linken Kreise. Auch das Schulwesen hat einen starken Aufschwung genommen. Aus den früheren zwei bis drei Misrachi-Schulen sind jetzt 50 hochentwickelte Schulen mit 4900 Zöglingen geworden. Die Lehrerbildungsanstalt des Misrachi bildet bestgeschulte pädagogische Kräfte aus und kann ähnlichen Institutionen ab Muster dienen. Besondere Aufmerksamkeit schenkt der Misrachi der Mittelstandseinwanderung, hilft aber auch den Chaluzim und Arbeitern in Palästina festen Fuß zu fassen, ln dieser Beziehung hat die Misrachi-Bank viel getan. Zum Präsidenten der Konferenz wurde — wie schon mitgeteilt — Sejmabgeordneter Farbstein, zu Vize- Präsidenten Dr. Hoftmann, Rabbi Amiel, Rabbi Ostrowski, Rabbi de Vries, Barth, Hermann Struck, Rabbi Teitelbäum, Federbusch und Rabbi Neuield gewählt. Das Sckretariat wurde besetzt durch Abg. Rabb. Nurok, Rabb. Biedermann, Rabb. Keller und Rabb. Schor. Herr Jean Fischer begrüßte die Konferenz im Namen der Zionistisehen Weltorganisation. Am zweiten Tag referierte Rabbi Fisch man über die Arbeit in Palästina. Er kritisierte die Haltung der Agudah, die die Einigkeit in der Gemeinde stört und wies darauf hin, daß sogar die Linken auf dem letzten Kongreß für das religiöse Budget gestimmt haben. An das Referat schloß sich eine eingehende Diskussion, in der die Leitung verschiedentlich gelobt und kritisiert wurde. M. M. Ussischkin hielt ein Referat über den N.-F. und wies darauf hin, daß kaum 5 bis 6 ״/o des Bodens Kleinpalästinas jüdisch ist; doch ist der Bauer, der seinen Boden bearbeitet, der Hüter des Landes. Er schloß mit dem Appell, Kapitalien für den Keren Kajemeth zu schaffen, damit der Boden erlöst werden kann. Herr Philipp Mayer referierte über die Bankfrage, Abg. Farbstein - Warschau über die politische Lage des Zionismus. Rabbi Meir Berlin referierte am dritten Konferenztage über die praktische Arbeit des Misrachi, die darauf gerichtet ist, in Palästina ein religiöses Judentum zu erziehen. Misrachi muß in Palästina ein Mittelschulwesen ausbauen und für die Absolventen der Mittelschulen eine große Jeschiwah, in der auch weltliche Studien, wie z. B. Agronomie, getrieben werden sollen, um Thora und Awodah zu vereinigen. An das Referat schloß sich eine eingehende Debatte, an der sich fast alle Misrachi-Führer beteiligten und die bis spät nachts dauerte. Am 13. August referierte Herr Sch. Landau, Jerusalem, über Arbeit und Kolonisation innerhalb des Misrachi und berichtete über die beiden Gruppen ״Hapoe 1 Hanisrachi“ und ״Hamisrachi Hazair“. Im Verlaufe dieser Sitzung ergriff auch der Reichsrabbiner von Groß-Britannien, Dr. J. H. Hertz, das Wort zu einer eindrucksvollen Ansprache, in der er besonders die überragende Bedeutung der lebendigen jüdischen Tradition für die Zukunft des jüdisehen Volkes und des Aufbaues von Palästina betonte. An dieser Sitzung nahm auch Louis Lipsky und Rabbiner Dr. Drachmann, der Rabbiner der größten orthodoxen Gemeinde New Yorks, teil. Im übrigen waren die Tage Donnerstag und Freitag durch intensive Arbeiten in den Kommissionen ausgefüllt. Die Hauptkommissionen waren neben dem Permanenz-Ausschuß die Organisations-Kornmission, die Budget-Kommission, die Bank-Kommission, eine Kommission für Kolonisation und Kulturfragen. Am Sabbat fanden in allen Synagogen, auch der extrem-orthodoxen Machsikej Hadath, Reden und Vorträge der Misrachi-Delegierten aus allen Ländern statt. Hauptsächlich sprachen die Rabbiner aus Palästina, Polen und Deutschland zu der jüdischen Bevölkerung Antwerpens. Am 14. August, dem letzten Tag der Konferenz, referierte der Vizepräsident der Misrachi-Bank, Herr Perlmann, aus Palästina über die Arbeit und die Zukunftspläne dieser Bank. Im übrigen war der letzte Tag ausgefüllt durch Verhandlungen in den Kommissionen und durch Vorbereitungen der Resolutionen und Wahlen. Der neue Merkas 01 ä m i (Weltzentrale) des Misrachi setzt sich wie folgt zusammen: Rabbi Meir Berlin, Rabbi Fischman, Landau und Sejmabg. Dr. S. Feldman i;:- n I Äiffy :!systisi «4B K.v.K׳ Vertrauensleute I Bereitet iu Rost%J1Jscfaua.j1-Äktior1 1׳w ® Crluckwunschablösung Haussamrnhingen Si/nagogenspenden Der Keren ]{ajetnetfi Tag an, 1k S.Septernber x mm __ gfUfg ' I (Warschau). _ Es wird vermutlich zu einer Ressorteinteilung kommen, bei der Rabbi Berlin Erziehungsfragen und Politik Rabbi Fischman Propaganda und Presse, Landau Kolonisation und Arbeit und Dr. Feldman Finanz und Wirtschaft übernehmen wird. Außerdem wurde ein 40gliedrigcr Waad Ha. raschi (Zentralrat) aus Mitgliedern aller Landsmannschaften ge. bildet, desgl. ein Ehrengericht, das aus 7 Personen (3 Palistinensern und 4 Diaspora-Misrachisten, wahrscheinlich 2 aus Polen und 2 aus Deutschland) bestehen wird. Schlußrede!; hielten Rabbiner de V r ie s - Holland, Rabbiner Amiel-Aut' werpen, Hermann Struck und Rabbi Meir Berlin. # Der Weltkonferenz der Misrachi lag der erste Jahresbericht der Misrachi-Bank in Jerusalem, endend per 30. Juni 1926, vor. Aus dem Bericht sind folgende Zahlen zu entnehmen: Die Bank diskontierte 3029 Wechsel über insgesamt E£ 64 646 550, von denen E£ 30000 von Kaufleuten, E£ 7000 von kleinen Industriellen, E£ 9000 von Bodenbesitzern, E£ 5000 von Lehrern und Büroangestetlten und etwa E£ 12000 von Institutionen und Gesellschaften stammten. 1727 Wechsel im Betrage von beinahe E£ 31 000 wurden der Bank zum Inkasso übergeben. Der Umsatz in Schecks und fremden Valuten erreichte fast E£ 100 000. Ferner erhielt die Bank E£ 6721 für in Palästina, den Vereinigten Staaten, Litauen, Lettland, Belgien, dem Irak, Oesterreich, Deutschland, Saloniki,. Polen, Südafrika u. a. verkaufte Aktien. Laut Beschluß des XIV. Zio• nistenkongresscs hatte der Keren Hajessod aus seinem für Handel und Industrie bestimmten Budget E£ 5000 als Anteil der Zionistischen Organisation an dem Kapital der Bank zu investieren. Vortrag Blumenleid Die Berliner Zionistische Vereinigung trat nach ihrer Sommerpause am Montag, den 16. August, zum erstenmal wieder vor die breite zionistische Oeffentlichkeit mit einem Vortrag des Herrn Kurt Blumenfeld über ״Die Aktions-Comite-Sitzung und der kommende Delegiertentag“. Herr Blumenfeld ging davon aus, daß, wie in anderen politischen Bewegungen auch bei uns die Gefahr bestehe, daß sich die dynamischen Kräfte in statische umwandeln, daß durch die fortschreitende Mechanisierung unserer Bewegung der Kreis der verantwortlichen Menschen immer geringer wird und daß Zionismus allmählich eine Wissenschaft wird, von der nur noch die Eingeweihten etwas verstünden. Es entsteht der amovible Führer, für den es scheinbar keinen Ersatz mehr gibt. Diese Entwicklung muß bei uns bekämpft und überwunden werden durch einen immer erneuten Versuch, die Bewegung zur Anteilnahme an allem Geschehen zu erziehen. Herr Blumenfeld schilderte zunächst die politische Lage, wie sie sich auf der Aktions-Comite-Sitzung darstellte. Es gibt heute zwei Auffassungen von Politik, die eine vertreten durch Weizmann und die überwiegende Mehrheit unserer Bewegung, die andere vertreten durch die Revisionisten. Die eine glaubt operieren zu können mit unserer Macht und glaubt, daß cs gelingen könnte, England unter dem Druck unserer Macht zu einer anderen Haltung zu zwingen. Sie berufe sich dabei auf Herzl und vergesse, daß Herzls Arbeit mehr Propaganda als Politik war. Herzls großes Werk war es, die Judenfrage in politischer Form darzustellen. Heute haben wir politische Kleinarbeit zu leisten. Es gilt, immer nur das nächste Ziel durchzusetzen. Dahinter müsse natürlich immer noch die Utopie stehen, das Wissen um die letzten Ziele der Bewegung. Die revisionistische Anschauung sei ein Einbruch abzulehnender europäischer Vorstellungen in die zionistische Welt, Der Zionis- Gnus wird sinnlos für uns, wenn wir in Palästina dieselbe Haltung gegenüber unserer Umwelt einnehmen, wie man sie den Juden gegenüber jahrtausendelang eingenommen hat. Unsere größte Stärke ist die moralische Kraft unserer Bewegung. Es bedeute eine Verschiebung des Schwerpunktes, wenn wir unsere augenblickliche Krise zurückführen lediglieh auf das mangelnde Entgegenkommen der Mandatarmacht. Der politische Rahmen sei heute weiter als unser Wirtschaftlicher. Wir dürfen mehr Einwanderer ins Land bringen, als es uns im Augenblick möglich ist. Die wesentliche Frage sei heute, ob es uns gelingt, für die nächsten Jahre die erforderlichen Mittel zu garantieren, um nach einem bestimmten Kolonisationsplan unser Werk durchzuführen. Auf der Aktions-Comite-Sitzung wurde eine Reihe derartiger Vorschlage gemacht, u. a. ein Projekt, das von Remes und Bialik vertreten wurde, die glaubten, mit einem erneuten großen Appell könne man vom jüdischen Volk die Mittel erhalten. Ferner entwickelte dort Kuppin seine Anschauungen über die Anleihe. Insgesamt sei für die nächsten zehn Jahre eine Summe von 20 Millionen Pfund erforderlich, von denen 12 Millionen durch eine Kombination verschiedener Anleihen und wirtschaftlicher Operationen beschafft werden müßten und 8 Millionen Pfund durch den Keren Hajessod. Noch niemals habe man sich so ernsthaft mit der Beschaffung neuer Mittel beschäftigt, wie auf dieser Aktions-Comite-Sitzung. Die Erkenntnis habe sich durchgesetzt, daß nur mit nationalen Mitteln unser Werk aufgebaut werden könnte. Die Verfechter der Privatinitiative hätten heute durch die Erfahrungen des letzten Jahres auch eingesehen, daß mit privaten Mitteln allein der Aufbau nicht zu machen sei. Bedroht sei heute nicht nur unsere Palästinafront, in viel stärkerem Grade vielleicht noch unsere Galuthfront. Unsere Gegner stürzen sich heute auf unsere Wirklichkeit, die naturgemäß auch Schwächen aufweist. Unseren Gegnern könne man nichts nachweisen, da sie sich auf die Geister der Vergangenheit berufen, die sich dagegen nicht wehren können. Wir dagegen hätten quantitative, meßbare Dinge geschaffen. Das Palästina, das unsere Gegner triumphierend schildern, existiert auch. Aber entscheidend ist das andere Palästina, das uns vorschwebt, der heroische Versuch des Aufbaues eines neuen Lebens. Stärkung der zionistischen Front im Galuth, Ueberwindung der Unsicherheit unserer eigenen Menschen, Demaskierung der jüdischen Gesellschaft, Demaskierung auch falscher Propheten in unseren eigenen Reihen, das wird die Aufgabe des kommenden Jahres sein. — Nach kurzer Diskussion wurde der Abend geschlossen. ׳ Rinderpest in Palästina Der High Comniissioner, Lord Plumer, hat einen Aufruf an die Bevölkerung von Palästina und Transjordanien wegen der ausgebrochenen Rinderpest erlassen, in dem es heißt, daß ״diese Krankheit bei weiterer Ausbreitung tatsächlich den ganzen Viehbestand der beiden Länder vernichten kann“. Alle verantwortlichen Stellen werden aufgerufen, jede Gelegenheit zu ergreifen, um dem Volk die Wichtigkeit der Befolgung der Regierungsvorschriften dem Buchstaben und dem Sinne nach klarzumachen. Die Zionistische Palästina-Exekutive hat auch besondere Instruktionen an alle zionistischen Siedlungen zum Zwecke der Verhinderung einer Ausbreitung der Krankheit erlassen. Bisher sind nur einige arabische Dörfer betroffen. Der Schatzmeister der Palästina - Exekutive hat etwa E£ 3000 als Entschädigung für den enteigneten, jetzt als Militärflugplatz dienenden Boden von A < a r 01 h von der palästinensischen Regierung bezahlt bekomme»

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