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Jüdische Rundschau · 1926-08-20 · Heft 65 (20.8.1926) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXI (1926)
Issue
Heft 65 (20.8.1926)
Date
1926-08-20
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 470 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 65 Nr. 65 Der Kamp! gegen den Zionismus Man arbeitet mit Fälschungen Achtung, Zionistische Ortsgruppen und V e rtraycn sie ute! Der ״Ccntral-Vereins- Dienst“ ist eine gedruckte Publikation, die Mitteilungen aus der Hauptgeschäftsstelle des C.-V. an Ortsgruppen, Vertrauensleute und Agitatoren enthält. Hier werden u. a. auch die Tips für den Feldzug gegen den Zionismus ausgegeben, hier wird das Material für den Kampf bereitgestellt, von dem wahrscheinlich in der nächsten Saison ausgiebig Gebrauch gemacht werden soll. Dieser ״C.-V.- Dienst“ veröffentlicht in seiner Juli-Nummer einen Auszug aus dem Tätigkeitsbericht des britischen Obcrkommissars in Palästina, Sir Hesbert Samuel, an den britischen Staats- Sekretär für die Kolonien. Neben Zusammenfassungen weiden angeblich wörtliche Zitate gebracht. Man muß also annehmen, daß der Gewährsmann des Central-Vereins den Originalbericht vor Augen gehabt hat. Bekanntlich äußert sich Samuel in diesem historisehen Dokument voll Bewunderung über die zionistische und jüdische Leistung, deren Wert um so größer sei, als sie im wesentlichen aus eigener Kraft vollbracht wurde. Was macht nun der C.-V. aus diesem Bericht? Wir bringen im folgenden der Reihe nach wörtlich die von ihm angeführten, von ihm zur Verbreitung im deutschen Judentum empfohlenen Zitate. Man höre und staune. * t. ״Die Verwaltung in Palästina war vom gleichen Geiste erfüllt wie jede britische Verwaltung in Asien und Afrika.“ (Es soll damit offenbar gezeigt werden, dal] die Mandatarmacht Palästina als Kolonialgebiet und die Juden als eine Art von Niggern betrachtet. D. Red.) Wie äußerte sich nun der Samuelsche ״Report“ in Wirklichkeit? Der Oberkommissar spricht auf Seite 44 davon, daß die Regierung trotz mancher Konflikte auf dem Wege zur Beruhigung Palästinas fortgegeschritten sei. Als einer der Gründe dafür wird angegeben (S. 4-1 Abschn. 2): ״The Administration was as active in promoting the welfare of the Arabs as if there had been no Zionist complication and no refusal to co-operate; it had been animated in t h i s respect by the samc spirit as any British Administration in Asia or Africa.“ Deutsch: ״Die Vcrwaltung förderte die Wohlfahrt der Araber genau so, als ob es weder zionistische Schwierigkeiten, noch die Verweigerung der Mitarbeit gegeben hätte; in dieser Hinsicht ist sie vom gleichen Geist wie jede britische Verwaltung in Asien oder Afrika erfüllt gewesen.“ 2. ״Die Verwaltung will kein jüdisches Palästina und keine Unterordnung der arabischen Bevölkerung und Kultur.“ Dagegen der Originalbericht: ״It (gemeint ist die Balfour- Deklaration) did not mean that the purpose in view was to create a w hol ly Jewish Palestine.“ (S. 27 Z. 20.) Deutsch: ״Sie bedeutete nicht, daß die ins Auge gefaßte Absicht gewesen sei, ein völlig jüdisches Palästina zu schaffen.“ 3. Ausnahmsweise beinahe richtig übertragen. 4. Desgleichen. 5. ״Die Nationalität, die die Bewohner Palästinas erwerben, gleich ob Juden oder Nichtjuden, kann nur die eines Palästinensers sein.“ Im Englischen heißt es: ״... that the nationality to be aquired by all citizens of Palestute, whether Jews or non-Jews, whether for the purpose of doinestic law or of international Status would be wP*lesMÄ»nt“v die von allen Juden, zu erwerbende Staatsangehörigkeit sowohl bezüglich ihrer rechtlichen Stellung im Lande wie in völkerrechtlicher Hinsicht nur palästinensisch sein könne und sonst nichts.“ Durch das Taschenspiderkunststück, das englische ״nationality“ mit dem deutschen ״Nationalität“ gleichzusetzen, wollte der ehrliche Uebersetzer beweisen, daß die Mandatarmacht in Palästina eine jüdische Nationalität nicht zu dulden geneigt sei. 6. ״Es war ein Notabeinrat, ,Advisory Council‘, vorgesehen; bestehend aus 10 britischen und 10 arabischen Beamten; von letzterem sollten 7 Araber und 3 Juden sein. Das genügte den Arabern nicht, die die absolute Majorität für sich verlangten und durch ihr Fernbleiben den Notabeinrat zum Scheitern brachten. (Die Juden werden hier also zu den Briten oder Arabern gezählt!)“ Hier muß ganz kurz der Sachverhalt, wie er sich aus dem vorletzten und letzten Abschnitt des Berichtes auf Seite 44 sowie aus dem Schluß von Seite 45 bzw. dem Anfang von Seite 46 ergibt, gebracht werden: Oktober 1920 wurde ein sogen. ״Advisory Council“ eingesetzt, der aus 10 britischen Beamten und 10 Palästinensern, und zwar 7 Arabern, 4 Moslems und 3 Christen und 3 Juden bestand. Im August 1922 wurde die Schaffung eines Legislative Council angeordnet, der aus dem Oberkommissar, 10 ernannten Beamten und 12 gewählten Mitgliedern bestehen sollte. Die gewählten Mitglieder sollten 8 Moslems, 2 Juden und 2 Christen sein. Nachdem dieser Legislative Council infolge der arabischen Opposition nicht zustande kam, wurde die Erneuerung des inzwischen aufgelösten Advisory Council vorgeschlagen. Dieser sollte die gleiche Zusammensetzung wie der vorgeschlagene Legislative Council haben. Nirgends im Bericht ist gesagt, daß die Juden den Briten oder Arabern zuzuzählen seien, nirgends ist es auch nur angedeutet, nirgends finden sieh die Worte 10״ britische und 10 arabische Beamte“. 7. ״Mit jüdischer Heimstätte ist die Weiterentwicklung der bestehenden jüdischen Gemeinschaft mit der Unterstützung der Juden aller Länder gemeint, so daß ein Mittelpunkt entsteht, der das gesamte jüdische Volk auf Grund seiner Religion interessiert, auf den es stolz ist (im Original nicht gesperrt!).“ Hier soll also ein wörtliches Zitat vorgetäuscht werden. Im Original Seite 28 ab Zeile 19 steht: ״When it is asked what is mennt by the development of the Jewish National Home in Palestine, it may be answered that it is not the imposition of a Jewish nationalitv upon the inhabitants of Palestine as a whole, but *the further development of the existing Jewish community, with the assistance of Jews in other parfs of the world, in Order that it may bccontc a centre in which the Jewish poeple as a whole may take. on grounds of religion and race, an interest and a pride.“ Race *=» Volkstum ist ausgelassen, durch gesperrten Druck sollte die Täuschung vollendet und hervorgehoben werden, daß England den Juden lediglich ein religiöses Interesse an Palästlna zubillige. 8. ״Die auf Verlangen Churchills erteilte ״Zustimmung“ (von uns in ״ “ gesetzt) der Zionistischen Exekutive nennt Herbert Samuel nichtssagend.“ Im Originalbericht: ״The Organlsatkm in reply gave an unqualified assurance in the sense deslred, and added that ״it has at all times been sincerclv deslrotis of proceeding in harmonious co-o/peration with all seetlons of the pcople of Palestine.“ ״Unqualified assurance“ heißt, wie jedes Wörterbuch zeigen' könnte, in diesem Zusammenhang natürlich nicht ״nichtssagende Zustimmung“, son- (fern ״vorbehaltlose Zustimmung“. 9. ,.Es erscheint zweifelhaft, ob eine jüdische Vertretung zur Klärung aller Fragen überhaupt eingerichtet werden kann“. Wir wären dem C.־V.־Uebersetzer für Angabe der Seite im Origirialbericht, auf der er diesen Passus gefunden hat, dankbar. 10. In schlechtes Deutsch sinngemäß übertragen. 11. ״Die Juden besitzen von Palästina, das etwa 100000 Quadratmeilen umfaßt und dessen anbaufähige Fläche etwa 50 000 Quadratmeilen beträgt, ungefähr 6 »3000) 0׳ Quadratmeilen)“. Ein Beweis für die gedankenlose Leichtfertigkeit der Uebertragung neben ihrer bewußten Unrichtigkeit. Alle Zahler! des Originals sind hier mit 10 multipliziert. 12. ״Auf den meisten Staatsländereien (in denen Juden laut Deklaration besonders berücksichtigt werden sollen) sitzen Araber, die nicht vertrieben werden können. Das Land, das nicht Staatsland oder Privatbesitz ist, ist felsig und ohne Wasser. Für große Sumpfgebiete, die nach Ent- Wässerung anbaufähig sind, ist die Konzession bereits an Syrer vergeben. Verfügbar sind noch 18 Quadratmeilen Sumpfland in den Sümpfen von Kabbara. Dieses Land ist auf 50 Jahre an die Zionistische Organisation verpachtet und kann unter gewissen Bedingungen (?) weiter verpachtet werden. Sonst ist Pacht nur von den bisherigen Eigentümern möglich. Die Preise sind dreimal so hoch als vor dem Kriege, die Nachfrage groß, das Angebot gering.“ Es handelt sich um eine Zusammenfassung des im 2. Abschnitt der Seite 32 des Reports Gesagten. Es wäre zu weitläufig■, hier den sehr ausführlichen englischen Text zu zitieren. Wir überlassen also die Nachprüfung unseren an der Sache interessierten und der englischen Sprache kundigen Lesern. Seite 32 Abschn. 2 handelt lediglich von Staatsland. Es ist nicht etwa darin gesagt, daß der palästinensische Boden, soweit er nicht Staatsland oder Privatbesitz ist, felsig und wasser(ps sei. Gesagt ist vielmehr lediglich: “On most of the State-lands Arab cultivators are settled, and possession cannot be transferred to others without injustice . . . Most of the rest is waterless or rocky; . . .” Deutsch: ״Aut dem größten Teil der Staatsländereien sitzen Araber, der Besitz kann also nicht ohne Ungerechtigkeit auf andere übertragen werden ... Der größte Teil des Restes ist wasserlos oder felsig . . .“ Es handelt sich also um den Rest des Staatslandes und nicht Palästinas. — Wenn im weiteren Verlauf des Abschnittes im C.-V.-Dienst behauptet wird, daß 18 Quadratmeilen Sumpfland in den Kabbara- Sümpfen an die Zionistische Organisation verpachtet seien, so beweist wiederum der Uebersetzer, wie groß seine gewisscnlose Bummügkeit gewesen ist. Am Schluß des 2. Ab- Schnittes von Seife 32 heißt es nämlich: ״Here an area of 18 square itiiles is now being drained and brought under cultivation, or plantcd with trees, by the Palestine Jewish Colonisation Association . . Deutsch: ״Hier wird jetzt ein Areal von 81 Quadratmeilen von der P. J.C. A. drainiert und kultivier t und mit Bäumen bepflanzt . . Zum Schluß lautet es im englischen Original: “Large as is the damand, the quantity of Iand that is offered for sale is far in excess of the possibility ot purchase.” Deutsch: ״Wenn auch die Nachfrage groß ist, übersteigt doch die Menge des zum Verkauf angebotenen Landes bei weitem die vorhandenen Kaufsmöglichkeiten.“ Der Uebersetzer hat also den Sinn des Satz.es einfach in sein Gegenteil verkehrt. 13. Sinngemäß wiedergegeben. 14. ״Zu den Anweisungen, die ich gegeben habe, gehört auch die, wenig für jüdischen Landerwerb zu unternehmen.“ Dieser Satz ist sowohl falsch übersetzt als auch in irreführender Absicht aus dem Zusammenhang gerissen. Auf Seite 40 Abschn. 2 des Originalberichtes heißt cs: “From the Jewish side, . . . the complaint is often made that the Government is inadive in all these matters; that it does less than is required by the articles of the Mandate; that the up-building 01 the National Home has, been left to the ,»t0|te»־*i.».^cat1-Äe..Je*isl1r,pe08le..jft«psfJvest,, So far . es there is any tnith in these criticisms 1t Is the latter that has most substance. For the reasons that I have given the Government has found it possible to do little in the Provision of land for Jewish settlement.” Deutsch: ״Von jüdischer Seite wird andererseits häufig die Klage erhoben, die Regierung sei in all diesen Angelegenheiten (vorher werden im Report die Klagen der Araber über Bevorzugung der Juden verzeichnet) untätig gewesen; sie habe weniger getan, als die Artikel des Mandates erforderten; der Aufbau des Nationalheims sei den Anstrengungen des jüdischen Volkes allein überlassen geblieben. Soweit diese Bemängehmgen auf Wahrheit beruhen, haben die letzteren (d. 11. die jüdischen) die berechtigteste Grundlage. Aus den Gründen, die ich angegeben habe (nämlich auf Seite 32 im Abschnitt über Staatsländereicn; Anm. d. Uebers.) hat sich die Regierung für berechtigt gehalten, nur wenig für die Bereitstellung von Boden für die jüdische Ansiedlung zu tun.“ Die Regierung hielt sich also für berechtigt, im Gegensatz zum Mandatsvertrag weniger für die Judenansicdlung zu tun, als sie an und für sich mußte. Samuel weist damit die Klagen der Araber als unbegründet zurück. 15. ״Es ist unmöglich, mit Sicherheit zu sagen, ob die jüdischen Kolonien und die jüdischen Industriebetriebe erfolgreich sein werden. (Es werden dann zwei Urteile über Kolonien angeführt, und zwar über Pethach Tikwah, keine zionistische Gründung, errichtet 1878; das Urteil ist günstig. Das Urteil über die zionistische Kolonie Dagania, gegründet 1910, ist ungünstig. Weitere Urteile fehlen.)“ Der Bericht des Oberkommissars stellt die Geschichte beider Siedlungen auf Seite 35 und 36 einander gegenüber. Er berücksichtigt ausdrücklich die sehr verschiedenen Gründungsdaten der ältesten jüdischen Kolonie Pcthach-Tikwah und des kurz vor dem Krieg gegründeten Dagania, ferner die schweren Kriegs- Verluste des letzteren. Ein Urteil wird nicht gefällt, dagegen über Dagania auf Seite 36 folgendes gesagt: “In addition, the group not hitherto been able to pay rent for the land or interest on the Ioans. The Colony, however, is now seifsupportin״, and the sale of prodtice covers the living expenses of the popuIation. It is intended that rental for the land shall begin to be paid at the end of this year and that repayment of the loan, over a period of 36 years, shall commence the year alter.” Samuel wollte also sagen, daß die Kolonie heute bereits “self-supporting”, sich selbst erhaltend ist, und daß sie in den nächsten Jahren bereits daran gehen wird, ihre Verpflichtungen abzugelten. 16. ״Im Jordantal, südlich vom See Galiläa, sind 108 Quadratmeilen Land, die zur Zeit der türkischen Herrschaft von Beduinen bearbeitet sind. (Es handelt sich um Staatsland.) ״Trotzdem das Besitzrecht zweifelhaft ist, haben wir es aus moralischen Gründen nicht den Juden, sondern den Arabern übertragen.“ (Im Original nicht gesperrt.)“ Dieser Abschnitt der C.-V.-Uebersetzung bezieht sich auf den Schluß der Seite 41 bis zum Ende des 1. Abschn. der Seite 42 des Reports. Der hervorgehobene Satz lautet im Original: “Although the original title of the poeple to the land was doubtful, . . . there was undoubtedly a stron״ moral claim on the part of the cultivators to continue their possession. The Government recognised the strength of this Claim.” Deutsch: ״Obgleich der ursprüngliche Rechtsanspruch der Leute (nämlich der bereits auf dem Staatsboden arbeitenden Fellachen) auf den Boden zweifelhaft war . . ., war zweifellos ein starker moralischer Anspruch seitens der das Land Bearbeitenden darauf vorhanden, ihren Besitzstand weiter zu behalten. Die Regierung erkannte die Kraft dieses Anspruches an.“ * Wir vermeiden es vorderhand, aus dem vorliegenden ungeheuerlichen Material Schlüsse über die Kampfmethoden des C.-V. zu ziehen. Aus jüdischer Selbstachtung nehmen wir an, daß auf seiten der verantwortlichen Funktionäre des C.-V. nicht bewußte Fälschung, sondern nur grobe Fahrlässigkeit vorliegt. Die Herren des C.-V, sind in internationalen jüdischen Angelegenheiten so ahnungslos, daß sie sogar den Unsinn, Herbert Samuel habe solche Dinge geschrieben, wie der ״Uebersetzer“ ihm unterschiebt, geglaubt haben mögen. Sie sind offenbar das Opfer einer Mystifikation geworden und haben es nicht für der Mühe wert gehalten, den Originalbericht zur Hand zu nehmen, den sie wahrscheinlich nie gesehen haben. Wohin aber soll es führen, wenn solche Sitten in der innerjüdischen Polemik einreißen?! Wir erwarten, daß der ״C.-V.-Dienst“ ,in seiner nächsten Ausgabe die Fälschungen berichtigen und bedauern wird. Solches Bekenntnis eines Irrtums ist ein Minimum an Ritterlichkeit, das gefordert werden muß, wenn nicht der Anschein entstehen soll, daß die Veröffentlichung in dieser Form wissentlieh und böswillig erfolgt ist. Eduard Sprenger Ober jüdische Jugend (Aus einem Privatbrief) Die Zeitschrift des (neutralen) Verbandes jüdischer Jugendvereine ״Der Jugendbund“ (Düsseldorf) veröffentlicht in ihrer letzten Nummer einen Brief Eduard Sprangers, der auch für die Leser der ״Jüdischen Rundschau“ von großem Interesse ist. Wir geben den Brief mit Erlaubnis des Verbandes nachstehend wieder. Die Schriftleitung der Zeitschrift ״Der Jugendbund“ schickt der Publikation folgende Note voraus: ״Auf eine Bemerkung in einer Sprangersehen Schrift, man müßte auf die besonderen seelischen Unterschiede des jüdischen Jugendlichen achten, schrieb unsere Freundin Rosi Lechner, Braunschweig, an den bekannten Pädagogen und bat ihn, ihr seine Anschau, ung über die besonderen Unterschiede kundzutun, da sic dafür als Jüdin und Jugendliche besonderes Interesse hätte. Mit Erlaubnis Sprangers veröffentlichen wir nachstehend seine Antwort, die sicherlich unsere Freunde allesamt interessieren wird, indem wir hinzufügen, daß wir mit den Urteilen uns nicht restlos einverstanden erklären können.“ ״Vielen Dank für Ihre freundlichen Zeilen. Ich will vcrsuchen, Ihre Frage zu beantworten, soweit es in der Kürze möglich ist. Die Besonderheit in der seelischen Entwicklung von Jugendlichen jüdischer Abkunft beruht zunächst auf einem Naturfaktor. Die Entwicklung vollzieht sich schneller, die Pubertät tritt früher ein. Die Seite der Sexualität ist dabei im allgemeinen stärker betont als bei nordischen Völkern: das Blut pocht stärker. Dazu kommen die Einflüsse der Umwelt. Die Kampfstellung, in der sich die jüdische Minorität inmitten einer vielfach übelwollenden gesellschaftlichen Umgebung befindet, erfordert frühere Anspannung der Kräfte des Wettbewerbs. Daher gesteigerte Intcllektualität, oft bis zum Uebermaß von Reflexion, im Dienste der Selbstverteidigung und Durchsetzung. In der Zeit des eigentlichen seelischen Erwachens bedeutet das Bewußt werden der Sonderstellung eine Verschärfung der allgemeinen Krisis. Hierbei treteii zwei Entwicklungsformen auf: bisweilen ein radikaler, fast prophetischer Idealismus, der auf äußerste Sittenstrenge, Reinheit,!Gerechtigkeit dringt (Typus der Zionisten), bisweilen!qber 1auch ein zefsetÄtidef Zvsteifel, der sich Von aller Tradition, #oft allem Glauben und aller Gemütstiefe loslöst, während das freie Spiel des Intellekts um so stärker brilliert (und ohne das Fundament von Charakter, durch das der Intellekt erst fruchtbar und aufbauend wirkt). Die Folge ist eine zerstörende Tendenz, weitgehende Haltlosigkeit auf sexuellem, manchmal auch auf geschäftlichem oder politischem Gebiet. — Endlich ist bekannt die auf Jahrhunderte alter Vergangenheit beruhende enge Verflechtung des Judentums mit der Geldwirtschaft und das daraus folgende, besonders lebhafte Interesse jüdischer Jugendlicher gerade für dieses Gebiet. Tiefere Naturen suchen früh Gegengewichte dagegen in sich ausztibilden. Daher dann eine stärkere Hin- Wendung zum Geistigen, besonders zur Wissenschaft und zum Aesthetischen. Aber man fühlt leicht, daß es sich hier um eine Art von Selbstschutz handelt, nicht um ganz frei von innen heraus Gewachsenes. Lassen Sie mich zum Schluß sagen, daß es ein junger Jude in unserer Welt sehr schwer hat, daß er aber, wenn er in diesem inneren und äußeren Kampfe siegreich bleibt, zu den stärksten und wertvollsten Kräften der gemeinsamen Kultur gehört. Mit freundlichen Grüßen Ihr Eduard Spranger.“ Zeitschriftensdiao Im letzten Hefte der Zeitschrift des Deutschen Palästina-Vereins bespricht der bekannte Bibliograph der Palästina-Literatur, Peter Thomscn, die von der Universitätsbibliothek Jerusalem herausgegebene bibliographische Vierteljahrsschrift ״Kirjath Sepher“ in ausführlicher Weise. Er schreibt u. a.: ״Ich darf vielleicht als einer, der auf diesem Gebiete Erfahrungen gesammelt hat, über die Bibliographie ein paar Worte sagen. Trotz aller meiner Bcmühungen und freundlichster Unterstützung, namentlich von zionistischer Seite, war es mir bisher nicht möglich, die in Palästina selbst herausgegebene Literatur oder die in andern Ländern erscheinenden hebräischen und jiddischen Druckwerke zu verfolgen. Nicht einmal die Namen der zahlreichen zionistischen Zeitungen konnte ich befriedigend feststellen. Das alles liefert jetzt diese Zeitschrift. Mit größter Gewissenhaftigkeit werden alle Druckerzeugnisse (sogar hektographisch vervielfältigte) verzeichnet und zum größten Teil nach ihrem Inhalte bestimmt oder besprochen, mag es sich um Bücher, Aufsätze in führenden Zeitschriften oder um Gelegenheilsdrucke (Kataloge, Satzungen und Jahresberichte von Voreinen, Jubiläumsschriften u. a.) handeln. Da auch die arabische Literatur, soweit sie in Palästina erscheint, berücksichtigt ist, wird wirklich ein zusammenfassendes Bild der Drucktätigkeit im hl. Lande geboten.“ In den ״Sozialistischen Monatsheften“ vom 6. August 1926 bespricht Hermann Kranold in der Rubrik ״Kolonisation“ ausführlich das zionistische Memorandum an die Mandatskommission. Durch die Presse ging kürzlich ein Interview mit dem Dichter Johannes V. Jensen. Jensen war in diesem Jahre in Aegypten und Palästina, hat nach eigenen Augaben einen Teil des jüdischen Kolonisationswerkes gesehen■ Lieber seine Eindrücke in Palästina heißt es folgendermaßen: ״In Palästina sieht er eine große Zukunft für die zionistische Bewegung. Was ihm an Siedlungen und Organisationen vor Augen kam, hat ihn darin bestärkt, daß wirklich etwas im Werden ist“ W mitget Manda Verlag stehen Teil d Die allgeti Hinsicht jem Bericht Die Ko politische U allen Teilen Die Kommis immer genii nach Zusan jedem Verse erfolgreich; Die K01 gen des bev Verwaltung Artikel 3 d Maßnahmen System in d< zügcstalten. lückenlose und den St Obwohl rungen des weiß, würd ziehen, die einer Antw letzten Sitz dann noch können, wc Vertreter zi Es folg 1. Lan! alle Anstre beschleunig wicklung I im besond! d i s c h e n bald Mitte Möglichker nutzen. 2. 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